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Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy cover

Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy

Chapter 32: Dreißigstes Kapitel.
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About This Book

A playful, digressive first-person narrator tells his life and opinions through a series of nonlinear episodes that repeatedly detour into anecdotes, philosophical asides, and comic observation. The narration famously delays the account of the narrator's own birth while dwelling on family relationships, foibles, and cherished obsessions, using irony, self-commentary, and typographical tricks to undermine conventional storytelling. Episodes blend sentiment and satire, shift between intimate recollection and broad reflection, and repeatedly return to themes of memory, affection, human absurdity, and the unstable nature of narrative itself.

Dreißigstes Kapitel.

»Nun ist alles ruhig und still,« rief mein Vater, »da oben wenigstens. Ich höre keinen Menschen mehr gehen. Sage Er mir doch, Trim, wer ist in der Küche?« — »In der Küche ist niemand,« antwortete Trim und machte dabei seinen tiefen Bückling, »außer Doktor Slop.« — »Verdammt!« schrie mein Vater und hob sich abermals auf die Füße. »Diesen Tag geht doch nicht das geringste seinen ordentlichen Gang. Wenn ich an die Sterndeuterei glaubte, Bruder — welches mein Vater, unter uns gesagt, tat —, so möchte ich schwören, daß irgendein Planet im Zeichen des Krebses über meinem unglücklichen Hause hinge, und jedes Ding darin verkehrt gehen ließe. Wie? ich dachte, Doktor Slop wäre oben bei meiner Frau, und da sagt Er — — Was hat der Patron in der Küche zu suchen?« — »Ja, wenn's Euer Gnaden nicht übelnehmen wollen, er ist dabei und macht eine Brücke.« — »Das ist doch sehr gütig von ihm,« sagte mein Onkel Toby. »Sage Er ihm meine schönste Empfehlung, Trim, und sage Er dem Herrn Doktor, daß ich ihm von Herzen danke.«

Sie müssen wissen, daß mein Onkel Toby ebensoweit an der richtigen Brücke vorbeischoß, als mein Vater an den Mörsern. Um aber zu verstehen, wie mein Onkel Toby die Brücke verfehlen konnte, fürchte ich, muß ich Ihnen wohl eine genaue Nachricht von dem Wege geben, der dahin führte. Oder ich will den Vergleich fahren lassen — denn einem Geschichtschreiber ist nichts unanständiger, als wenn er welche gebraucht —. Um die Möglichkeit richtig zu begreifen, wie mein Onkel Toby sich darin irren konnte, muß ich Ihnen etwas Nachricht von einem von Trims Abenteuern erteilen, so ungern ich auch wollte. Ich sage, so ungern ich auch wollte, weil die Geschichte hier gar nicht an ihrem rechten Orte steht. Denn eigentlich sollte sie erst da vorkommen, wo ich die Anekdoten von meines Onkels Toby Liebesangelegenheiten mit der Witwe Wadmann erzähle, wobei Trim keine unbeträchtliche Rolle spielt. Oder auch in der Mitte der Feldzüge, die er mit meinem Onkel Toby auf dem grünen Spielplatze tat. Allein, wenn ich sie bis zu einem von diesen Teilen meiner Historie aufspare, so entsteht eine Lücke in der Historie, die ich eben vor mir habe. Und erzähle ich's hier, so mähe ich mein Korn grün und tu meiner Geschichte dort Schaden.

Was raten mir Euer Hochweisheiten, was soll ich hier tun? —

Erzählen Sie ja gleich, Herr Shandy. — Tristram, du bist nicht klug, wenn du's tust!

O, ihr Mächte! — denn Mächte seid ihr, und hohe dazu — welche den unsterblichen Menschen das Vermögen verleihen, eine Historie zu erzählen, die des Hörens wert sei, die ihr ihm freundlich weiset, wo er anfangen muß und wo aufhören, was er hineinbringen muß und was herauslassen, wieviel er davon in Schatten zu bringen hat, und wohin er seine Lichter verteilen soll! Ihr, die ihr dem weiten Reiche der biographischen Freibeuter vorsteht, und die mancherlei Not und Kummer seht, in welche eure Untertanen täglich und stündlich geraten, wollt ihr mir eins zu Gefallen tun?

Ich ersuche und bitte euch — falls ihr nichts Besseres für uns tun wollt — wenn es sich so gebührt und zuträgt, daß in eurem Gebiete drei Wege sich kreuzen, wie hier eben geschehen ist, so laßt doch wenigstens einen Wegweiser auf den Scheideweg setzen, aus bloßer Barmherzigkeit, einem armen Tropf zu raten, welchen von den dreien er nehmen soll.