Neununddreißigstes Kapitel.
Mein Vater lag ausgestreckt auf dem Bette volle anderthalb Stunden so still, als hatte die Hand des Todes ihn niedergeschleudert, ehe er mit den Zehen des Fußes, der über der Bettkante hieg, auf der Erde zu spielen anfing. Meines Onkels Toby Herz fühlte sich dadurch ein Pfund leichter. Wenige Augenblicke später bekam auch seine linke Hand, mit der er beständig auf den Henkel des Kammertopfes gelegen hatte, wieder ihr Gefühl. Er schob ihn ein wenig weiter hinunter. Nachdem das geschehen, zog er die Hand herauf an seinen Busen und stieß ein Hm! aus. Mein guter Onkel Toby beantwortete es mit unendlichem Vergnügen und hätte herzlich gerne einen Trostspruch in die Spalte geimpft, die es machte. Da er aber, wie schon gesagt, hierin keine vorzügliche Gabe hatte und überdem noch besorgte, es möchte ihm etwas entfahren, das das Übel nur ärger machte, so begnügte er sich damit, daß er mit seinem Kinn ganz gelassen auf seinem Krückhaken liegen blieb.
Ob nun der Druck von unten meines Onkels Toby Gesicht zu einem angenehmeren Oval verkürzte, oder ob die Menschenliebe seines Herzens, als er seinen Bruder sich aus dem See seiner Leiden hervorarbeiten sah, seine Muskeln angeschwellt hatten, so daß der Druck auf sein Kinn bloß die Leutseligkeit verdoppelte, die man vorher darin sah, ist nicht schwer zu entscheiden. Mein Vater, als er die Augen auf ihn richtete, ward von einem solchen Sonnenscheine aus seinem Gesicht bestrahlt, daß dadurch augenblicklich die Starrheit seiner Traurigkeit auftaute.
Er brach folgendermaßen das Stillschweigen.