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Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy cover

Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy

Chapter 46: Vierundvierzigstes Kapitel.
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About This Book

A playful, digressive first-person narrator tells his life and opinions through a series of nonlinear episodes that repeatedly detour into anecdotes, philosophical asides, and comic observation. The narration famously delays the account of the narrator's own birth while dwelling on family relationships, foibles, and cherished obsessions, using irony, self-commentary, and typographical tricks to undermine conventional storytelling. Episodes blend sentiment and satire, shift between intimate recollection and broad reflection, and repeatedly return to themes of memory, affection, human absurdity, and the unstable nature of narrative itself.

Vierundvierzigstes Kapitel.

»Wenn ich so meine Gedanken habe, Bruder Toby, über den Menschen, und so diese Seite an ihm beschaue, die sein Leben so manchen Ursachen der Mühseligkeit bloßstellt, — wenn ich so bedenke, Bruder Toby, wie oft wir das Jammerbrot essen, und daß wir dazu geboren sind, wie zu unserem Erbschaftsteile.« — »Ich ward zu nichts geboren,« sagte mein Onkel Toby und fiel meinem Vater in die Rede, »als zu meiner Monatsgage.« — »Seht doch,« sagte mein Vater, »hat dir mein Onkel nicht jährlich hundertundzwanzig Pistolen vermacht?« — »Ja, wie hätte ich's sonst machen sollen?« erwiderte mein Onkel Toby. — »Das ist eine andere Frage,« sagte mein Vater ein wenig mürrisch. »Aber ich sage, Toby, wenn man so die Liste von Klitterschulden und täglichen Items durchläuft, womit das Herz des Menschen belastet und beschwert ist, so muß man sich wundern, durch was für heimliche Zuflüsse das Gemüt instand gesetzt wird, es auszuhalten und noch die Auflagen so abzutragen, die unserer Natur aufgebürdet sind.« — »Durch Hilfe des allmächtigen Gottes,« rief mein Onkel Toby mit gen Himmel gerichteten Augen und festgefalteten Händen, »geschieht das. Nicht durch unsere eigene Kraft, Bruder Walter. Eine Schildwache in einem hölzernen Schilderhäuschen könnte ebensoleicht gegen ein Detachement von fünfzig Mann standhalten wollen. Die Gnade und der Beistand des allerliebreichsten Wesens hält uns aufrecht.« — »Das heißt den Knoten zerhauen,« sagte mein Vater, »und nicht auflösen. Aber erlaube mir, Bruder, daß ich dich ein wenig tiefer ins Geheimnis einführe.«

»Gern, gern,« erwiderte mein Onkel Toby.

Mein Vater änderte alsobald die Stellung, in der er war, in die Stellung, in der Raffael in seiner Athenienser Schule den Sokrates so vortrefflich dargestellt hat. In welcher Stellung, wie Euer Kennerschaft wissen, sogar die eigentümliche Lehrart des Sokrates ausgedrückt liegt. Denn er hält den Zeigefinger seiner linken Hand zwischen dem Zeigefinger und Daumen seiner Rechten, und scheint zu dem Gauche, den er zurechtweisen will, zu sagen: »Das räumst du mir ein und dies und dies, und das frage ich nicht einmal, weil's natürlich von selbst folgt.«

So stand mein Vater, hielt den einen Zeigefinger zwischen dem anderen Zeigefinger und Daumen, und philosophierte mit meinem Onkel Toby, der auf dem alten Tapetenstuhle saß, der mit abgebleichten, verwitterten Fransen besetzt war. — O Garrick, was würdest du mit deiner Kunst hieraus für einen reichhaltigen Auftritt machen! Und wie gerne schrieb ich noch so einen, um mich an deine Unsterblichkeit zu schmiegen und mich dahinter der meinigen zu versichern.