Fünfzigstes Kapitel.
Holla! — guter Freund, Lastträger! Da hat Er drei Groschen, geh' Er doch nach jenem Buchladen und hole Er mir einen handfesten Kritiker her. Ich will gerne einem jeden von ihnen einen Gulden geben, wenn er mir mit seinen kritischen Seiten und Winden helfen will, meinen Vater und meinen Onkel Toby die Treppe herunter und zu Bette zu bringen.
Es ist die höchste Zeit; denn außer dem kleinen Nicker, den sie taten, derweile Trim die Steifstiefel bohrte, und wovon, nebenher gesagt, mein Vater keinen Nutzen hatte, wegen der bösen Türangel, haben sie seit neun Stunden vor der Zeit, da Doktor Slop von Obadiah in die Hinterstube geführt ward, kein Auge zugetan.
Sollte noch jemals ein Tag in meinem Leben ein so geschäftsvoller Tag sein und soviel Zeit wegnehmen, wahrhaftig: so —
Ich will die Periode nicht ausschreiben, bis ich eine Bemerkung über den sonderbaren Zustand der Sache, zwischen dem Leser und mir selbst, so wie gerade jetzt die Sachen stehen, gemacht habe. Eine Bemerkung, die noch niemals auf einen biographischen Schriftsteller, solange die Welt steht, gepaßt hat, und, wie ich glaube, auf niemand anderes wird anwendbar werden, bis zu ihrem letzten Untergange, außer auf mich. Und deshalb, schon der Neuheit wegen, wird solche Euer Wohlgeboren Aufmerksamkeit wert sein.
Ich bin diesen Monat ein ganzes Jahr älter als heute vor zwölf Monaten, und da ich, wie Sie sehen, schon fast bis auf die Hälfte meines Buches gelangt bin — und noch nicht weiter als bis auf den ersten Tag meines Lebens gekommen bin, so ist es demonstrativ klar, daß ich schon jetzt dreihundertvierundsechzig Tage mehr zu schreiben habe als ich zuerst begann, daß ich, anstatt, wie ein gewöhnlicher Schriftsteller getan, mit dem, was ich daran getan, weiterzukommen vielmehr gerade soviel Bände zurückgekommen bin. Sollte noch jemals ein Tag in meinem Leben ein so geschäftiger Tag sein, wie dieser? — Und warum nicht? — Warum sollten sie kürzer abgefertigt werden? Da ich auf diese Weise gerade dreihundertvierundsechzig Tage geschwinder lebte, als ich schreibe, so muß, mit Euer Wohlgeboren Erlaubnis, daraus folgen, daß ich, je mehr ich zu schreiben haben werde, und folglich, je mehr Euer Wohlgeboren lesen, je mehr werden Euer Wohlgeboren zu lesen haben.
Wird dies zuträglich sein für Euer Wohlgeboren Augen?
Für meine wenigstens, und, sollten mir meine Meinungen nicht den Hals kosten, so seh' ich schon, werde ich von diesem meinem Leben ein hübsches Leben führen, oder, mit andern Worten, ich werde ein paar hübsche Leben zugleich führen.
Der Vorschlag, jedes Jahr zwölf Bände, oder jeden Monat einen zu geben, verändert meine Aussicht gar nicht. — Laß mich schreiben, wie ich mag und wie ich will, nach Horazens Rat, mitten in meine Materie hineinfallen, ich werde mich niemals einholen. Trotz alles Treibens und Peitschens, wenn auch das Ärgste zum Argen kommen sollte, habe ich doch immer einen Tag vor meiner Feder voraus. — Ein Tag ist genug für zwei Bände, und zwei Bände werden genug sein für ein Jahr.
Der Himmel gebe nur seinen Segen zur Papiermacherei unter dieser glückverkündenden Regierung, die für uns angefangen hat. Wie ich das Vertrauen habe, er werde alles übrige segnen, was darunter vorgenommen wird.
Die Vernehmung der Gänse — o, die macht mir keinen Kummer — die Natur ist immer gütig. An Werkzeug zum Schreiben wird mir's nie gebrechen.
So, also, guter Freund, haben Sie meinen Vater und meinen Onkel Toby die Treppen herunter und zu Bette gebracht? Und wie haben Sie das zustande gebracht? Sie ließen unten vor der Treppe einen Vorhang fallen. — Ich dachte gleich, daß es nicht anders gehen würde. Da haben Sie einen Gulden für Ihre Mühe.