Einundfünfzigstes Kapitel.
»So gebe Sie mir meine Beinkleider vom Stuhle her,« sagte mein Vater zu Susanna. »Sie haben keinen Augenblick Zeit, sich anzukleiden, Herr,« sagte Susanna. »Das Kind ist so schwarz im Gesichte, wie mein —« »Wie Ihr, was?« sagte mein Vater. Denn wie alle Rhetoriker, war er ein sorgfältiger Untersucher der Gleichnisse. »O, Himmel, Herr, das Kind hat die Bangigkeit.« — »Und wo ist Herr Yorick?« »Ist nirgends zu finden,« sagte Susanna, »aber sein Kaplan ist im Besuchzimmer und hat's Kind schon auf dem Arme, und wartet auf den Namen. Und Madame sagte mir, ich sollte geschwind laufen und fragen, weil doch Herr Kapitän Shandy Gevatter ist, ob's nicht nach ihm heißen sollte.«
»Wenn man gewiß wüßte,« sagte mein Vater zu sich selbst und strich die Augenbrauen, »daß das Kind nicht aufkäme, täte man gut, dem Bruder Toby das Kompliment zu machen. 's wäre in dem Fall schade, einen so großen Namen wie Trismegistus daran zu verschwenden. Aber es kann besser werden.« —
»Nein, nein,« sagte mein Vater zu Susanna, »ich will aufstehen.« — »'s ist keine Zeit,« schrie Susanna, »das Kind ist so schwarz wie mein Schuh.« — »Trismegistus,« sagte mein Vater. »Aber warte Sie, Sie ist ein durchlöchertes Sieb, Susanna,« setzte mein Vater hinzu. »Kann Sie wohl Tris-me-gi-stus in Ihrem Kopfe über die Galerie tragen, ohne etwas davon zu verlieren.« — »Das dächt' ich!« rief Susanna, und schlug mit aufgeworfener Nase die Tür zu. »Ich will mich hängen lassen, wenn ich's denke,« sagte mein Vater, und sprang im Finstern aus dem Bette und suchte nach seinen Beinkleidern.
Susanna rannte eilig über die Galerie.
Mein Vater tat, was er konnte, seine Beinkleider zu finden.
Susanna gewann den Vorsprung und behielt ihn. »'s ist Tris — oder so was,« rief Susanna. »Es ist kein anderer christlicher Name in der Welt,« sagte der Kaplan, »der mit Tris anfängt, als Tristram.« »Ja, ja. Tristram-gi-stus,« sagte Susanna.
»'s ist nichts zu gistussen dabei,« sagte der Kaplan, »'s ist mein eigener Name,« und fuhr dabei mit der Hand ins Taufbecken. »Tristram!« sagte er, »ich — usw.« So ward ich Tristram getauft, und Tristram werde ich wohl heißen bis an mein seliges Ende.
Mein Vater folgte der Susanna, mit dem Schlafrocke über dem Arme und mit nichts weiter am Leibe als seinen Beinkleidern, die, der Eile wegen, nur mit einem Knopf zugeknöpft waren. Und dieser Knopf saß, der Eile wegen, nur halb in seinem Knopfloche.
»Sie hat doch den Namen nicht vergessen?« schrie mein Vater, als er die Tür nur erst halb geöffnet hatte. — »Nein, nein,« sagte der Kaplan, mit einem schlauen Tone. — »Und das Kind ist besser,« rief Susanna. — »Und was macht Ihre Wöchnerin?« — »Recht gut, nach den Umständen,« sagte Susanna. — »Pitsch!« sagte mein Vater, und der Hosenknopf sprang aus dem Knopfloche. So daß, ob das Pitsch auf die Susanna oder auf das Knopfloch ging, ob es eine Interjektion der Verachtung oder der Scham war, im Zweifel ist und so lange im Zweifel bleiben wird, bis ich Zeit gewinne.
Alles Licht, was ich für jetzt dem Leser geben kann, besteht darin, daß mein Vater in dem Augenblick, da er pitsch! sagte, sich herumdrehte, mit der einen Hand seine Beinkleider in die Höhe hielt und mit dem Schlafrock auf dem anderen Arme wieder über die Galerie hin nach seinem Bette ging, etwas langsamer, als er gekommen war.