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Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy cover

Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy

Chapter 75: Vierundsiebzigstes Kapitel.
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About This Book

A playful, digressive first-person narrator tells his life and opinions through a series of nonlinear episodes that repeatedly detour into anecdotes, philosophical asides, and comic observation. The narration famously delays the account of the narrator's own birth while dwelling on family relationships, foibles, and cherished obsessions, using irony, self-commentary, and typographical tricks to undermine conventional storytelling. Episodes blend sentiment and satire, shift between intimate recollection and broad reflection, and repeatedly return to themes of memory, affection, human absurdity, and the unstable nature of narrative itself.

Vierundsiebzigstes Kapitel.

Sehen Sie, mein Vater hatte eine Art an sich, so ein wenig wie Hiob, falls jemals ein solcher Mann gelebt hat. Wo nicht, so ist nichts weiter dabei.

Obgleich, im Vorbeigehen gesagt, unsere Herren Gelehrten einige Schwierigkeiten finden, die Zeit zu bestimmen, in welcher ein so großer Mann lebte — ob z. B. vor oder nach den Patriarchen usw. —, so war es doch ein wenig hart, nun sogleich deswegen zu behaupten, daß er nie gelebt habe. Mein Vater, sage ich, hatte eine Art an sich, wenn ihm etwas sehr in die Quere ging, besonders im ersten Anfalle seiner Ungeduld, sich zu wundern, warum er geboren worden, zu wünschen, daß er unter der Erde läge — zuweilen noch ärger. Und wenn die Reizung sehr weit ging und Betrübnis seine Lippen mit mehr als gewöhnlichen Kräften berührte: — Herr, Sie hätten ihn kaum von Sokrates selbst unterscheiden können. Jedes Wort schmeckte nach der Empfindung einer Seele, die das Leben gering achtet und sich um alle seine Ereignisse wenig kümmert. Weswegen denn auch meiner Mutter, obgleich sie nicht viel Belesenheit hatte, der Auszug aus Sokrates' Schutzrede, den eben mein Vater meinem Onkel Toby gab, nicht ganz neu war. Sie hörte solchem mit kaltem Verstande zu und hätte so bis zum Ende zugehört, hatte nicht mein Vater — so ohne alle Ursache und Gelegenheit — einen Sprung zu der Stelle in der Schutzrede getan, wo der große Philosoph seine Freunde, seine Verwandten und Kinder herzählt und dabei den Vorteil verachtet, den er dadurch gewinnen könnte, wenn er solchergestalt die Leidenschaften seiner Richter auf seine Seite zöge. »Ich habe Freunde, ich habe Anverwandte, ich habe drei verlassene Kinder,« sagte Sokrates.

»So?« sagte meine Mutter und machte die Türe auf. »Das ist eins mehr, Herr Shandy, als ich weiß.«

»Wahrhaftig, und ich habe eins weniger!« sagte mein Vater, stand auf und ging zur Türe hinaus.