WeRead Powered by ReaderPub
Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy cover

Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy

Chapter 89: Neunundachtzigstes Kapitel.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

A playful, digressive first-person narrator tells his life and opinions through a series of nonlinear episodes that repeatedly detour into anecdotes, philosophical asides, and comic observation. The narration famously delays the account of the narrator's own birth while dwelling on family relationships, foibles, and cherished obsessions, using irony, self-commentary, and typographical tricks to undermine conventional storytelling. Episodes blend sentiment and satire, shift between intimate recollection and broad reflection, and repeatedly return to themes of memory, affection, human absurdity, and the unstable nature of narrative itself.

Neunundachtzigstes Kapitel.

»Lieber Yorick,« sagte mein Vater lächelnd — denn Yorick war aus dem Gliede getreten, da er mit meinem Onkel Toby durch den engen Gang gekommen war, und trat also zuerst in das Wohnzimmer —, »finden Sie nicht auch, daß unser Tristram da sich es um alle Sakramente recht sauer werden lassen muß? Wohl niemals ist das Kind eines Juden, Christen, Türken oder Heiden auf eine so krumme und schiefe Art zu seinen Religionsgebräuchen gekommen.« — »Ich hoffe doch, daß es nichts auf sich haben wird,« sagte Yorick. »Es muß ganz gewiß,« fuhr mein Vater fort, »eben der Henker in irgendeiner Gegend der Ekliptik los gewesen sein, als dieses Zweiglein aus meinem Stamme gebildet worden.« — »Das können Sie besser beurteilen als ich,« erwiderte Yorick. — »Die Astrologen wissen's besser, wie wir alle beide,« sagte mein Vater. »Die gedritte oder gesechste Scheine müssen übereinandergesprungen sein, oder die Gegenscheine ihrer Aszendenten haben es nicht getroffen, wie sie sollten, oder die Zeugevorsteher — wie sie sie nennen — haben eben Verstecken gespielt, oder es ist sonst etwas, entweder unten oder oben mit uns nicht recht gewesen.«

»Wohl möglich,« antwortete Yorick. »Aber,« schrie mein Onkel Toby, »hat das Kind auch großen Schaden genommen?« — »Die Troglodyten sagen nein,« versetzte mein Vater. — »Und Ihre Theologen, Yorick, sagen uns —« — »Theologisch gesprochen?« sagte Yorick.

»Ich weiß nicht gewiß,« erwiderte mein Vater. »Aber sie sagen uns, Bruder Toby, daß es ihm Vorteil tue.« — »Vorausgesetzt,« sagte Yorick, »daß Sie ihn nach Ägypten reisen lassen.« — »Was das anbelangt,« antwortete mein Vater, »so wird er den Vorteil haben, wenn er die Pyramiden sieht.«

»Nun, so ist doch jedes Wort hiervon,« sagte mein Onkel Toby, »für mich so gut wie Arabisch.« — »Ich wünschte,« sagte Yorick, »es wäre so für die halbe Welt.«

»Ilus,« fuhr mein Vater fort, »beschnitt eines Morgens sein ganzes Kriegsheer.« — »Doch nicht ohne Kriegsrecht?« rief mein Onkel Toby. »Obgleich die Gelehrten,« fuhr er fort, ohne auf meines Onkels Toby Frage zu achten, sondern an Yorick sich wendend, »sehr geteilter Ansicht darüber sind, wer dieser Ilus war. Einige sagen Saturnus, andere das höchste Wesen. Andere nichts weiter als Generalbrigadier unter Pharao-neco.« — »Es sei, wer es sei,« sagte mein Onkel Toby, »ich sehe nicht, nach was für einem Punkt aus den Kriegsartikeln er es rechtfertigen kann.«