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Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy cover

Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy

Chapter 92: Zweiundneunzigstes Kapitel.
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About This Book

A playful, digressive first-person narrator tells his life and opinions through a series of nonlinear episodes that repeatedly detour into anecdotes, philosophical asides, and comic observation. The narration famously delays the account of the narrator's own birth while dwelling on family relationships, foibles, and cherished obsessions, using irony, self-commentary, and typographical tricks to undermine conventional storytelling. Episodes blend sentiment and satire, shift between intimate recollection and broad reflection, and repeatedly return to themes of memory, affection, human absurdity, and the unstable nature of narrative itself.

Zweiundneunzigstes Kapitel.

Wenn die Stadt mit ihren Festungswerken zustande gebracht war, fingen mein Onkel Toby und der Korporal an, ihre erste Parallele zu ziehen, nicht aufs Geratewohl oder so, sondern aus ebenden Punkten und in ebenden Distanzen, wie die Alliierten die ihrigen begonnen hatten. Sie richteten ihren Aufmarsch und ihre Attacken genau nach der Nachricht ein, die mein Onkel Toby durch die Zeitungen empfing. Auf diese Weise gingen sie die ganze Belagerung durch, Schritt für Schritt mit den Alliierten. Machte der Herzog von Marlborough ein Lager, so machte mein Onkel Toby sein Lager auch. Und wenn die Face einer Bastei niedergeschossen oder ein Außenwerk ruiniert wurde, nahm der Korporal seine Hacke und tat desgleichen. Und sofort gewannen sie Terrain und bemeisterten sich eines Werkes nach dem anderen, bis die Stadt in ihre Hände fiel.

Für jemanden, der an anderer Leute Glückseligkeit Vergnügen fand, konnte in der Welt kein herrlicherer Anblick sein, als an einem Morgen eines Posttages, wenn die Nachricht kam, daß der Herzog von Marlborough eine brauchbare Bresche dem Hauptwalle der Stadt beigebracht hätte, hinter der Taxushecke zu stehen und die Emsigkeit zu beobachten, mit der mein Onkel Toby und der Korporal hinter ihm anrückten. Der eine mit der Zeitung in der Hand, der andere mit einem Spaten auf der Schulter, den Inhalt ins Werk zu setzen. Was für eine Herzensfreude leuchtete aus meines Onkels Toby Blicken, wenn er den Wall hinanmarschierte! Welch ein inniges Vergnügen schwamm in seinen Augen, wenn er vor dem Korporal stand und ihm den Zeitungsartikel bei der Arbeit zehnmal vorlas, damit er nicht aus Versehen die Bresche einen Zoll zu weit machte oder einen Zoll zu eng ließ. Wurde aber erst die Einfallsbresche geschlagen und der Korporal half ihm hinauf und folgte ihm mit der Fahne in der Hand. um sie auf den Wall zu pflanzen — Himmel! Erde! Meer! — Aber was sollen die Apostrophen? — Aus allen Elementen, naß oder trocken, ist noch niemals ein so berauschender Trank verfertigt worden.

Auf dieser Bahn des Vergnügens wandelten sie ununterbrochen, ausgenommen wenn zuweilen starker Westwind war, so acht oder zehn Tage das niederländische Postschiff aufhielt und sie so lange auf der Folter ließ. Aber auch das war doch nur die Folter glücklicher Leute. Auf dieser Bahn, sage ich, wandelten mein Onkel Toby und Trim manche Jahre fort, und jedes Jahr und zuweilen jeder Monat brachte, nach der Erfindung des einen oder des anderen von beiden, in ihren Operationen eine oder die andere neue Erfindung oder listige und nützliche Verbesserung hervor, welche ihnen bei der Ausführung allemal neue Quellen des Vergnügens eröffnete.

Die Kampagne des ersten Jahres wurde von Anfang bis Ende in der einfach ungekünstelten Art geführt, wie ich erzählt habe.

Im zweiten Jahre, in welchem mein Onkel Toby Lüttich und Roermond einnahm, dachte er, er könnte wohl die Kosten für vier hübsche Zugbrücken daran wagen. Von einem Paar derselben habe ich bereits in den vorigen Teilen dieses Werkes eine genaue Beschreibung gegeben.

Gegen das Ende ebendieses Jahres tat er ein paar Tore mit Fallgattern hinzu. Die letzteren aber wurden nachher als Orgelstücke besser genutzt; und im Winter desselben Jahres spendierte sich mein Onkel Toby statt eines neuen Kleides, das er sich sonst allemal zu Weihnachten machen ließ, ein schönes Schilderhaus, das er an die Ecke des grünen Spielplatzes stellte. Zwischen diesem und dem Fuße des Walles ließ er eine kleine Art von Esplanade, auf welcher er und der Korporal konferieren und Kriegsrat halten konnten.

Das Schilderhaus war dazu, wenn's regnen sollte.

Alles dieses wurde den folgenden Frühling dreimal weiß übermalt. Dadurch setzte sich mein Onkel Toby in den Stand, mit vieler Pracht ins Feld zu rücken.

Mein Vater pflegte oft zu Yorick zu sagen, wenn irgendein anderer Sterblicher in der ganzen Welt, als sein Bruder Toby, so etwas getan hätte, so würde jedermann es angesehen haben als die feinste und bitterste Satire auf die paradierende und prachtsüchtige Weise, mit welcher Ludwig XIV. vom Anfange des Krieges an, besonders aber ebendieses Jahr, ins Feld gerückt war. Aber meinem Bruder Toby, pflegte mein Vater hinzuzusetzen, der gutherzigen Seele, kommt nie in den Sinn, jemanden zu beleidigen.

Aber laßt uns fortfahren.