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Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy cover

Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy

Chapter 93: Dreiundneunzigstes Kapitel.
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About This Book

A playful, digressive first-person narrator tells his life and opinions through a series of nonlinear episodes that repeatedly detour into anecdotes, philosophical asides, and comic observation. The narration famously delays the account of the narrator's own birth while dwelling on family relationships, foibles, and cherished obsessions, using irony, self-commentary, and typographical tricks to undermine conventional storytelling. Episodes blend sentiment and satire, shift between intimate recollection and broad reflection, and repeatedly return to themes of memory, affection, human absurdity, and the unstable nature of narrative itself.

Dreiundneunzigstes Kapitel.

Ich muß anmerken, daß, obgleich bei dem Feldzuge des ersten Jahres das Wort Stadt oft vorkommt, dennoch damals noch keine Stadt in dem Polygone war. Dieser Zusatz wurde erst in dem Sommer gemacht, der auf den Frühling folgte, in welchem die Brücken und das Schilderhaus angemalt wurden. Es war das dritte Jahr der Feldzüge meines Onkels Toby. Da, nachdem Amberg, Bonn, Rheinburg und Huy und Limburg nacheinander von ihnen eingenommen worden, dem Korporal der Gedanke kam, daß man von der Einnahme so vieler Städte spräche, ohne eine einzige Stadt davon aufweisen zu können, wäre eine dumme Art zu Werke zu gehen. Also schlug er meinem Onkel Toby vor, daß sie sich ein kleines Modell von einer Stadt bauen lassen müßten. Sie brauchte nur von Tannenlatten zusammengeschlagen, dann angemalt, in das Polygon hineingesetzt und für alle Städte benutzt werden.

Mein Onkel Toby fühlte augenblicklich das Gute an dem Projekt und genehmigte es auf der Stelle; nur mit dem Zusatz von zwei ganz eigenen Verbesserungen, auf welche er sich fast ebensoviel einbildete, als ob er der erste Erfinder des Projekts selbst gewesen wäre.

Die eine war, die Stadt sollte ganz genau in dem Geschmacke derjenigen gebaut werden, die sie sehr wahrscheinlicherweise würde vorstellen müssen. — Mit kleinen Fensterscheiben und den hohen Giebelenden der Häuser nach der Gasse usw., wie in Gent und Brügge und den übrigen brabantischen und flandrischen Städten.

Die andere war, die Häuser sollten nicht eins ins andere gebaut werden, wie der Korporal vorschlug, sondern jedes Haus sollte für sich sein, so daß man es an- oder abhacken könne, um sie in den Grundriß einer jeden Stadt bringen zu können. Dies wurde den Augenblick vorgenommen, und mancher glückwünschende Blick wurde zwischen meinem Onkel Toby und dem Korporal Trim gewechselt, während der Zeit, daß der Zimmermann das Werk machte.

Sie tat ihnen außerordentliche Dienste den nächsten Sommer. Die Stadt war ein wahrer Proteus. Sie war Landen und Trarbach, und Santvliet und Drusen, und Hagenau — und dann wurde sie wieder Ostende und Menin, und Aeth und Dendermonde.

Fürwahr, seit Sodom und Gomorrha hat noch keine Stadt so mancherlei Rollen gespielt, als meines Onkels Toby Stadt spielte.

Im vierten Jahre dachte mein Onkel Toby, eine Stadt ohne eine Kirche habe ein so kahles Ansehen, und tat eine recht hübsche Kirche mit einem Glockenturme hinzu. Trim hätte auch gerne Glocken hinein gehabt, mein Onkel Toby aber sagte, das Metall könnte besser zu Kanonen vergossen werden.

Dies führte in der nächsten Kampagne zu einem halben Dutzend messingener Feldstücke. Drei und drei an jeder Seite von meines Onkels Toby Schilderhaus. In kurzer Zeit führten diese zu einem etwas größeren Artillerietrain. Und so immer weiter, wie es allemal bei steckenpferdischen Geschichten hergehen muß. Von Kanonen von halbzölligem Kaliber, bis es endlich bis zu meines Vaters weiten Steifstiefeln hinanstieg.

Das Jahr darauf, in welchem Lisle belagert wurde, und am Ende dessen Gent und Brügge in unsere Hände fielen, ging's meinem Onkel Toby sehr hart um die gehörige Munition. Ich sage, gehörige Munition, weil sein Geschütz kein Pulver vertragen konnte; und ein Glück für die Shandysche Familie war das! Denn so voll standen die Zeitungen vom Anfang bis zu Ende der Belagerung, von dem unaufhörlichen Feuer, das die Belagerer unterhalten hätten, — und so erhitzt war meines Onkels Toby Imagination von den Nachrichten davon, daß er sonst ganz gewiß sein Hab und Gut verschossen hätte.

Etwas war also nötig, statt dessen unterzuschieben, zumal in einem oder zwei der heftigsten Paroxismen der Belagerung, um etwas in der Einbildung einem beständigen Feuer Ähnliches zu unterhalten. Und dieses Etwas schaffte der Korporal, dessen vorzügliche Stärke im Erfinden bestand, durch ein von ihm ganz neu erdachtes Batteriefeuer. Ohne welches die militärischen Kritiker an meines Onkels Toby Apparates daran auszusetzen gefunden hätten, daß eins der notwendigsten Erfordernisse dabei fehlte.

Dies wird nicht schlechter erklärt werden, wenn ich, wie ich gewöhnlich pflege, ein wenig von der Sache abgehe.