Vierundneunzigstes Kapitel.
Unter zwei oder drei anderen Lappalien, die an sich selbst nichts bedeuteten, aber dadurch einen großen Wert bekamen, daß sie der arme Thomas, des Korporals unglücklicher Bruder, mit der Nachricht von seiner Verheiratung mit der Judenwitwe überschickt hatte, waren: Eine Reitmütze und zwei türkische Tabakspfeifen.
Die Reitmütze will ich gelegentlich beschreiben. Die türkischen Tabakspfeifen hatten nichts Besonderes; sie waren gemacht und gezieret wie alle übrigen, mit biegsamen Röhren von Saffian mit Golddraht, und auf den Enden mit kleinen Mundstücken, das an der einen von Elfenbein und das an der ändern von schwarz Ebenholz mit Silber eingefaßt.
Mein Vater, der alle Dinge von einem ändern Gesichtspunkte aus ansah wie die übrigen Menschen, wollte dem Korporal sagen, er hatte diese beiden Geschenke mehr als ein Zeichen der Ekelheit als der Gewogenheit seines Bruders zu betrachten. — »Seinem Bruder Thomas ekelte davor, Trim,« sagte er, »eine Mütze aufzusetzen, die ein Jude getragen, oder aus einer Pfeife zu rauchen, die ein Jude im Mund gehabt.« — »Gott Segne Euer Gnaden,« erwiderte der Korporal — und führte einen wichtigen Grund fürs Gegenteil an —, »wie reimte sich das?« —
Die Reitmütze war scharlachfarben, von dem feinsten spanischen Tuche, in der Wolle gefärbt, rundum mit Rauchwerk besetzt, ausgenommen eine vier Finger breite Kappe vorne, von hellblauem, ein wenig gesticktem Tuche. Sie schien einem portugiesischen Quartiermeister, nicht zu Fuße, sondern zu Pferde, wie der Name schon andeutet, gehört zu haben.
Der Korporal tat nicht wenig groß damit, sowohl wegen ihres eigenen Wertes als wegen des Gebers, und setzte sie deswegen selten oder niemals auf, außer an Galatagen. Dennoch ward wohl niemals eine Reitmütze zu so mancherlei gebraucht. Denn bei allen streitigen Punkten, im Kriegs- oder Küchenwesen, wenn nur der Korporal gewiß wußte, daß er recht hätte, brauchte er sie, als Wette, als Beteurung oder als Geschenk.
Die Reihe war jetzt an ihr als Geschenk.
»Ich will gehalten sein,« sagte der Korporal, der mit sich selber sprach, »dem ersten besten Bettler, der vor die Türe kommt, meine Reitmütze zu schenken, wenn ich die Sache nicht so mache, daß der gnädige Herr seine Lust und Freude daran haben soll.«
Die Ausführung ward nicht weiter hinausgeschoben als bis auf den folgenden Morgen, welches eben der Morgen war, da auf die Konterskarpe, zwischen der niederen Dudane und dem Andreastore zur Rechten, und zur Linken zwischen St. Magdalenen und dem Flusse, Sturm gelaufen wurde.
Da dieses die merkwürdigste Attacke im ganzen Kriege war, die tapferste und hartnäckigste auf beiden Seiten, und ich muß hinzusetzen, die blutigste dazu, denn sie kostete die Alliierten selbst diesen Morgen über elfhundert Mann, so schickte sich mein Onkel Toby mit mehr als gewöhnlicher Feierlichkeit dazu an.
Den Abend vorher, als mein Onkel Toby zu Bette ging, befahl er, seine Dreiknotenperücke, welche manches Jahr, die Haarseite nach innen gekehrt, im Winkel einer alten Feldkiste gelegen hatte, die beim Bette stand, hervorzusuchen und für morgen früh auf den Deckel bereit zu legen. Und das erste, was er des Morgens noch im bloßen Hemde tat, als er aus dem Bette gestiegen, nachdem er die rauhe Seite auswärts gekehrt hatte, war, daß er sie aufsetzte. Als das geschehen, tat er darauf auch die Beinkleider an, und sobald er den Gürtel zugeknöpft, schnallte er auch das Degengehänge um und hatte schon den Degen halb hineingesteckt, als er merkte, daß er sich den Bart abnehmen lassen müßte, und daß sich das mit dem Degen an der Seite nicht schicke. Er legte ihn also ab. Als er Weste und Rock anlegen wollte, fand mein Onkel dasselbe Hindernis an der Perücke. Also kam die auch herunter: so, daß durch ein Hindernis hier und durch ein Hindernis dort, wie es immer geht, wenn ein Mensch in der größten Eile ist, die Uhr zehn schlug. Das war eine halbe Stunde später, als mein Onkel gewöhnlich ausrückte.