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Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy cover

Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy

Chapter 95: Fünfundneunzigstes Kapitel.
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About This Book

A playful, digressive first-person narrator tells his life and opinions through a series of nonlinear episodes that repeatedly detour into anecdotes, philosophical asides, and comic observation. The narration famously delays the account of the narrator's own birth while dwelling on family relationships, foibles, and cherished obsessions, using irony, self-commentary, and typographical tricks to undermine conventional storytelling. Episodes blend sentiment and satire, shift between intimate recollection and broad reflection, and repeatedly return to themes of memory, affection, human absurdity, and the unstable nature of narrative itself.

Fünfundneunzigstes Kapitel.

Mein Onkel Toby war kaum um die Ecke seiner Taxushecke gekommen, die seinen Küchengarten von dem grünen Spielplatz trennte, als er gewahr ward, daß der Korporal die Attacke bereits ohne ihn angefangen hatte.

Laßt mich hier ein wenig verweilen und Ihnen ein Gemälde von den Anstalten des Korporals machen und von dem Korporal selbst, in der heftigsten Hitze dieser Attacke, wie sie meinem Onkel Toby in die Augen fiel, als er auf das Schilderhaus losging, wo der Korporal in der Arbeit war. Denn in der ganzen Natur gibt's nicht dergleichen — und aus allem, was in ihren Werken Groteskes und Seltsames zu finden ist, läßt sich kein Ähnliches zusammenbringen.

Der Korporal. —

Tretet leise auf seinen Staub, ihr Männer von Genie, denn euch war er nahe verwandt.

Haltet sein Grab vom Unkraut rein, ihr Männer von gutem Herzen, denn er war euer Bruder. — O, Korporal! hätte ich dich doch jetzt, jetzt, da ich imstande bin, dir eine Mahlzeit zu geben und dir Schutz zu verleihen. — Wie wollte ich dein warten und pflegen! Deine liebe Reitmütze solltest du tragen, jede Stunde des Tages und jeden Tag der Woche. Und wäre sie abgetragen, ich wollte dir ein paar andere ebenso gute kaufen. Aber, leider! leider! leider, ach! Jetzt, da ich das kann, trotz Ihro Hochwürden, ist die Gelegenheit dahin! — Denn du bist dahin. Dein Genius flog auf zu den Sternen, von wannen er kam. Und dieses, dein warmes Herz, mit allen seinen großmütigen offenen Gefäßen, ist zu einem Erdenkloß des Jammertals zerdrückt. Doch was — was ist das gegen jenes künftige trauervolle Blatt, wo ich das sammetne Leichentuch betrachte, verziert mit dem kriegerischen Ehrenzeichen deines Herrn — des ersten — des besten der geschaffenen Wesen, wo ich dich erblicken werde, du getreuer Knecht, wie du seinen Degen und Scheide mit zitternder Hand kreuzweise über seinen Sarg legst und dann aschbleich zur Türe hinaustrittst, sein Trauerpferd beim Zaume zu fassen und hinter seiner Barre zu führen, wie er von dir begehrte. Wo alle Systeme meines Vaters vor seinem Kummer dahinsinken, und ich ihn sehen werde, wie er trotz seiner Philosophie den goldgefirnißten Wappenschild betrachtet, zweimal die Brille von der Nase nimmt, den Tau wegzuwischen, den die Natur daraufgoß. Wenn ich ihn sehe, wie er den Rosmarinzweig mit stummem Jammer ins Grab wirft, der durch mein Ohr schallet: O, Toby, in welchem Winkel der Erde soll ich den suchen, der dir gliche? —

Gütige Mächte! die ihr vor grauen Zeiten die Lippen des Stummen geöffnet und die Zunge des Stammlers recht sprechen gelehrt. Komme ich einst bis zu diesem trauervollen Blatte, dann, o dann rührt mich an, mit allgewaltiger Hand!