WeRead Powered by ReaderPub
Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy cover

Das Leben und die Meinungen von Herrn Tristram Shandy

Chapter 99: Neunundneunzigstes Kapitel.
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

A playful, digressive first-person narrator tells his life and opinions through a series of nonlinear episodes that repeatedly detour into anecdotes, philosophical asides, and comic observation. The narration famously delays the account of the narrator's own birth while dwelling on family relationships, foibles, and cherished obsessions, using irony, self-commentary, and typographical tricks to undermine conventional storytelling. Episodes blend sentiment and satire, shift between intimate recollection and broad reflection, and repeatedly return to themes of memory, affection, human absurdity, and the unstable nature of narrative itself.

Neunundneunzigstes Kapitel.

Ich bitte, der Leser wolle mir beistehen, meines Onkels Toby grobes Geschütz hinter die Szene abzufahren, sein Schilderhaus abzubrechen und das Theater womöglich von den Hornwerken und Halbmonden zu räumen und das übrige Kriegsgeräte aus dem Wege zu schaffen. Wenn das geschehen ist, mein lieber Freund Garrick, wollen wir die Lichter sauber putzen, das Theater mit einem neuen Besen fegen, den Vorhang aufziehen und meinen Onkel Toby in einem neuen Charakter auftreten lassen, in welchem die Welt keine Idee haben kann, wie er agieren wird. Und dennoch, wenn Mitleiden mit der Liebe verschwistert ist und Tapferkeit mit ihr in keiner Feindschaft lebt, so haben Sie in diesen Stücken schon genug von meinem Onkel Toby gesehen, um diese Familienähnlichkeit unter den beiden Leidenschaften — wo nur eine da ist — nach Herzenslust auszuspähen.

Eitle Wissenschaft! Du kommst uns in keinem Falle dieser Art zustatten. Und in jedem anderen läßt du uns stecken.

Bei meinem Onkel Toby, Madame, befand sich eine so edle Einfalt des Herzens, welche ihn so weit von den krummen Wegen, auf welchen die Dinge dieser Art gemeiniglich zu wandern pflegen, ableitete, daß Sie — daß Sie es sich nicht vorstellen können. Dabei fand sich ferner eine solche arglose treuherzige Art zu denken und eine solche von allem Mißtrauen entfernte Unwissenheit in der Kenntnis der mancherlei Falten des weiblichen Herzens. Und so nackend und wehrlos stand er da vor Ihnen, wenn er nicht eben mit einer Belagerung beschäftigt war, daß Sie hinter dem ersten besten von Ihren krummen Wegen hätten stehen und meinen Onkel Toby zehnmal an einem Tage durch und durch schießen können, wenn Sie mit neunmal an einem Tage noch nicht genug gehabt hätten, Madame.

Neben alle diesem, Madame, und was auf der anderen Seite wieder ebensoviel verdarb, hatte mein Onkel Toby diese unvergleichbare Züchtigkeit der Natur, von der ich Ihnen schon erzählt habe, und welche, beiläufig gesagt, beständig bei seinen Empfindungen Schildwache stand, daß Sie ebensoleicht hätten — aber wo gerate ich hin? Diese Betrachtungen strömen mir wenigstens zehn Seiten zu früh zu und nehmen die Zeit weg, die ich auf Fakta verwenden sollte.