The Project Gutenberg eBook of Das liebe Nest
Title: Das liebe Nest
Author: Paula Dehmel
Release date: October 13, 2004 [eBook #13732]
Most recently updated: October 28, 2024
Language: German
Credits: Produced by David Starner, Hagen von Eitzen and the PG Online
Distributed Proofreading Team.
Das liebe Nest
Gesammelte Kindergedichte
von
Paula Dehmel
Herausgegeben von Richard Dehmel
mit Zeichnungen von Hans Thoma
bei E. A. Seemann in Leipzig
1919
Aus lichtem See,
über Sterne und Schnee,
rauschen die Schäume,
lauschen die Träume,
Himmel hinab, Himmel hinan,
ewige Bahn.
Aus Kinderland,
über Acker und Sand,
wachsen die Gluten,
die bösen, die guten,
Himmel hinab, Himmel hinan,
ewige Bahn.
Ich möcht euch alle miteinander
auf bunten Wiesen sehn,
bei Klarinetten und Geigen
die Füßchen im Tanze drehn.
Ich möcht euch alle miteinander
mitnehmen im Fliegerkahn,
euch die schöne Erde zeigen,
und was fleißige Menschen getan.
Ich möcht euch alle miteinander
still führen an der Hand,
euch heimliche Dinge sagen
von Gott und dem Sternenland.
9Erster Teil
Putzt die Fenster! fegt die Ecken!
Darf sich kein Staub, kein Krümel verstecken,
muß alles so blank wie Ostertag sein,
denn das Wunderchen zieht ein.
Zieht ein—schon stimmen die Englein die Geigen;
alle Könige werden sich neigen,
Hirten und Könige mit dem Stern
haben Wunderchen gern.
Wer soll Wunderchens Taufpate sein?
Sieben große Meister laden wir ein;
sieben große Helden mit Kron und Schalmein
sollen Wunderchens Taufpaten sein.
Und wer ist schnell
sein Spielgesell?
Da kommen gesprungen
die reizenden jungen
Wachholderweibchen und Fliedermännchen,
Taunixchen mit silbernen Wasserkännchen.
Aus Vogelnestern und Weidenkätzchen
gucken neugierige Schelmenmätzchen:
Wir lachen fein,
wir singen fein,
wir wollen Wunderchens Spielgesellen sein!
Geht leise—
es ist müd von der Reise.
Es kommt weit her:
vom Himmel übers Meer,
vom Meer den dunklen Weg ins Land,
bis es die kleine Wiege fand—
Geht leise.
Wittewoll schlafen
Auf der Leine, auf grünem Platz
hängen sieben Hemdchen und ein Latz;
im Winkel, am Zaun, wos Spinnchen spinnt,
liegt mit großen Augen mein Kind—
wittewoll schlafen?
Henne macht sich ein Bett im Sand,
Fliege träumt an der Mauerwand,
Schmetterling sitzt in der Mittagsruh,
schaukelt die Flügel auf und zu—
wittewoll schlafen?
Frühstück
So morgens um halb acht herum:
Rumpumpel macht das Mäulchen krumm.
Und keine fünf Minuten drauf
wacht Rumpumpel auf.
Hu! kommt der kalte Badeschwamm,
Rumpumpel hält die Ohren stramm;
und schlägt die Ticke-Tacke acht,
wird ihm die Milch gebracht.
Die schmeckt Rumpumpeln aber fein;
er patscht mit beiden Fäustchen drein
und trinkt und trinkt, bis alles leer.
Rumpumpelchen, das freut mich sehr:
morgen gibt's gut Wetter!
Seereise
Pitsch—patsch—Badefaß,
Rumpumpel plantscht die Stube naß,
ist ein junger Wasserheld,
14segelt durch die ganze Welt,
im Wipp—im Wapp—im Schaukelkahn
über den großen Ozean.
Stehn drüben alle Wilden still
und schrein: Was bloß Rumpumpel will?
so splitternackt und pitschenaß
in seinem kleinen Schaukelfaß?
Schnell das Badelaken!
So lala
Steht ein Töpfchen rund und nett
unterm Bett,
so lala, so lala.
Reicht mir mal das Kindel her,
das braucht jetzt keine Windel mehr,
so lala, so lala.
Rolle, rolle, ratteratt,
rollt ein Wagen durch die Stadt;
sind zwei blanke Pferdchen davor,
hinten drauf ein schwarzer Mohr.
Mein Wagen
Mein Wagen hat vier Räder,
vier Räder hat mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch bloß sagen.
Mein Wagen hat 'ne Deichsel,
'ne Deichsel hat mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch bloß sagen.
Mein Wagen hat ein Pferdchen,
ein Pferdchen hat mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch bloß sagen.
Mein Wagen fahrt nach Potsdam,
nach Potsdam fährt mein Wagen,
rolle, rolle, rummerjan,
das wollt ich euch bloß sagen.
Kutscher auf dem Knie
Wagen im Wind.
Wie sitzt mein Kind?
Wie geht mein Pferd?
Alles verkehrt.
Holdriutsch—
oben die Räder, unten die Kutsch!
Wagen im Schnee.
Da guckt das Reh,
da schnuppert der Has
mit der wackligen Nas.
Holdriuff—
da sitzt unser Kutscher wieder oben uff!
Ereignis
(von Paula und Richard Dehmel)
Hurra, zum ersten Mal:
Mutter, der Peter,
hurra, da steht er!
hält sich am Stöckchen,
grade wie 'n Licht,
fürchtet sich nicht.
Hurra, zum ersten Mal:
Mutter, der Peter,
hurra, da geht er!
guck, ganz alleinechen
setzt er die Beinechen!
Aua, Geschrei—
bautz!—vorbei.
Heilsprüchel
Kra, kra, kalter Schnee,
dem Raben tut sein Beinchen weh,
dem Häsechen sein Herzchen;
die böse Zeit, die kalte Zeit,
ein jedes hat sein Schmerzchen.
Heile, Fingerchen, heile,
es dauert noch 'ne Weile,
es dauert noch bis Rosmarein,
dann ist lauter Sonnenschein.
Im Stall unser Schäfchen—bäht,
im Hof unser Hähnchen kräht,
und der Karo an der Kette
bellt mit Spitz um die Wette.
Auf'm Dach unser Kätzchen—maut,
und im Ententeich die Frösche, alle Frösche quaken laut:
Kinder, denkt euch den Schreck,
unserm kleinen Wackelbein sein linker Schuh ist weg.
Austreibung
Das kann doch nicht Rumpumpel sein?
So kann Rumpumpel doch nicht schrein?
Seelöwen sind in unserm Haus;
schnell, Rumpumpel, wir jagen sie raus.
Ich 'n Stock,
Du 'n Stock,
alle beide einen Stock.
Ei der Daus,
wollt ihr raus,
wollt ihr in euer Seelöwenhaus!
Wenn Rumpumpel brummig ist
Die Henne legt ein Ei,
da ging der Mond entzwei;
19die Hälfte fiel nach Nuckenstadt
und schlug zwei große Brummer platt.
Zwei große Brummer, brumm,
summten hier herum,
um Rumpumpels Kopf,
um Rumpumpels Bauch
und um sein dickes Näschen auch.
Nun sind sie tot... Aber im Ei
pickt das Küken die Schale entzwei,
kriegt heraus, und wackelt mit dem Schwanz—
—ist der Mond wieder ganz.
Der Pudding
Rumpumpel will essen,
nun fix gebraten:
ein Kätzel, ein Spätzel
und sieben Soldaten.
Das gibt einen Pudding
so groß wie ein Haus.
Zuletzt leckt Rumpumpel
die Kuchenschüssel aus.
Winkele, wankele,
vor der Tür steht ein Bankele,
auf der Bank sitzt mein Kindele,
spielt mit mei'm Hündele,
winkele, wankele.
Winkele, wankele,
ich hab ein Gedankele:
ein Äpfle fürs Kindele,
ein Knöchle fürs Hündele.
Dankele.
Mückebold
Mückchen, Mückchen, Dünnebein,
Mückchen, laß das Stechen sein,
Stechen tut ja weh!
Mückchen, Mückchen, weißt du was:
beiß doch in das grüne Gras,
beiß doch in den Klee!
Das Scherchen
Schnipsel, schnipsel, Scherchen,
schneid mir ein Gewehrchen;
21schieß ich mir ein Häschen tot,
brat's dem Kind zum Mittagbrot.
Die Schnitzel fliegen zum Fenster hinaus
durch den Sonnenschein in des Gärtners Haus;
der hat seine Freude dran,
oder guckt sie gar nicht an,
oder streut sie in den Wind,
oder schenkt sie seinem Kind—
schnipsel, schnipsel, Scherchen— —
Geschichtchen vom Winde
Wer kommt dort angeflogen?
Das ist der Wind.
Der Wind ist ungezogen,
er bläst dem Kind
unters Röckchen,
an die Söckchen,
um die Ohren, an die Nase;
solch Geblase!
Ganz zerfleddert und zerzaust
kommt Rumpumpel angesaust;
und hustet
und prustet,
und steckt sein Köpfchen
in Mutters Schoß.
Und weißt du, warum der Wind so getollt?
Rumpumpel sollt zu Bette gehn, und hat nicht gewollt.
Anziehliedchen
Wer strampelt im Bettchen?
versteckt sich wie 'n Dieb?
Das ist der Rumpumpel,
den haben wir lieb.
Was guckt da für 'n Näschen?
Ein Bübchen sitzt dran.
Das ist der Rumpumpel,
den ziehn wir jetzt an.
Erst wird er gewaschen,
vom Kopf bis zur Zeh;
er weint nicht, er greint nicht,
denn es tut ja nicht weh.
Schnell her mit dem Hemdchen:
da schlüpfen wir fein,
erst rechts und dann links,
in die Ärmelchen 'rein.
23Fix an noch die Strümpfchen,
fix an auch die Schuh;
kommts Händchen, schnürts Bändchen,
schon sind sie zu.
Nun Leibchen und Höschen,
ein Röckchen kommt auch;
sonst friert dem Rumpumpel
sein kleiner runder Bauch.
Das Kämmchen kämmt sachte,
aber still muß man stehn;
zuletzt noch das Kleidchen,
der Tausend, wie Schön!
Nun geht er und sagt: Guten Morgen.
Das Lämmechen
In Wolfenbüttel wohnt ein Lamm,
das hat ganz schwarze Haare.
Meint ihr, es brauche einen Kamm?
I Gott bewahre!
Die wilden Beinchen
Guten Morgen, ihr Beinchen!
Wie heißt ihr denn?
Ich heiße Hampel,
ich heiße Strampel;
und das ist Füßchen Übermut,
und das ist Füßchen Tunichtgut.
Übermut und Tunichtgut
gehn auf die Reise,
platsch, durch alle Sümpfe,
naß sind Schuh und Strümpfe;
guckt die Rute um die Eck—
laufen sie alle beide weg.
Der lumpichte Bu
Ka Strümpferl im Kasten,
ka Bänderl am Schuh,
ka Knöpferl am Wams—
oh, der lumpichte Bu!
Heini, Heini,
ach, ist Heini dumm:
stippt mit allen Fingerchen
im Tintenfaß herum.
Heini, Heini,
kleiner dummer Mohr:
stippt sich alle Fingerchen,
klecks, ins Ohr.
Und unten am Brunnen,
da steht ein Faß,
da macht sich unsre Lotte
pitschepatschenaß.
Und oben die Sonne
hat drüber gelacht
und hat unsre Lotte
wieder trocken gemacht.
Es regnet
Es regnet, es regnet
der Kuh auf den Schwanz;
es regnet, es regnet
der Braut in den Kranz.
die Welt ist schon naß;
hol 's Töpfchen,
fang 's Tröpfchen,
dann sag ich dir was:
Wäscht du die Nase,
bleibt sie fein grade.
Wäscht du das Mündchen,
bist du 'n lieb Kindchen.
Wäscht du aber die Augen schön,
kannst du dem lieben Herrgott seinen Himmel besehn.
Trösterchen
Blümchen hängt das Köpfchen,
der Tau ist ihm zu schwer;
kommt der durstige Morgenwind,
trägt die Tropfen ins Meer.
Spätzchen piepst und bettelt,
das Kröpfchen ist ihm leer;
Pferdchen hat die Krippe voll,
streut Körnerchen umher.
Häschen in der Grube
(mit Benutzung des Volkspiels)
Häschen in der Grube
saß und schlief,
kam der heilge Kuckdiguck
und bracht ihm einen Brief.
Häschen, bist du müde
oder bist du krank?
Steck doch deine Läufer raus,
ob du noch hüpfen kannst.
Und was stand geschrieben
in Kuckdiguckens Brief?
"Dem Kutscher, der nicht fahren kann,
geht der Wagen schief."
Hasenspiel
Hinter den Birken über den Rasen
huschen drei Hasen
Springen über Busch und Dorn,
wollen ins junggrüne Winterkorn,
hocken da,
locken sich da,
laufen kreuz,
laufen quer,
hin und her,
als gäb's in der Welt keine Schrotflinte mehr.
Warte, in der Weihnachtszeit
kommen die drei Hasen ins Haus geschneit.
Den größten verschicken wir,
den zweitgrößten spicken wir,
der kleinste kommt ins Hundehaus
und steckt hinten sein Schwänzchen raus.
Drei Bäumchen
Jung jung drei Bäumchen
wachsen im Wiesengras,
jung jung drei Bäumchen
sagen mir was.
Das zweite trägt Pfläumchen,
schlicker-schleckerfein;
hätt es deine Zähnchen,
es äße sie allein.
Das dritte, das dritte
schüttelt sich bloß:
fallen lauter Blüten
in meinen Schoß.
Sag ich schön Dank,
geh ich nach Haus,
mach ich Rumpumpeln
ein Kränzchen draus.
Schabernack
Am Abend
Still.
Was bloß das Kätzchen will?
Es streicht um meinen Schoß herum,
das Schwänzchen hoch, den Buckel krumm,
Still—
und weißt du, was es will?
Still.
Was bloß die Glucke will?
Sie lockt und lockt die kleine Brut
zum warmen Stall und deckt sie gut,
Still—
und weißt du, was sie will?
Gutenachtliedchen
Leise, Peterle, leise,
der Mond geht auf die Reise;
er hat sein weißes Pferd gezäumt,
das geht so still, als ob es träumt,
leise, Peterle, leise.
Stille, Peterle, stille,
der Mond hat eine Brille;
ein graues Wölkchen schob sich vor,
das sitzt ihm grad auf Nas' und Ohr,
stille, Peterle, stille.
Träume, Peterle, träume,
der Mond guckt durch die Bäume;
ich glaube gar, nun bleibt er stehn,
um Peterle im Schlaf zu sehn—
träume, Peterle, träume.
(von Paula und Richard Dehmel)
Husch, husch, husch,
ich schlüpfe aus dem Busch;
ich stecke mein Laternchen an,
ich zünde uns die Sternchen an,
husch.
Husch, husch, husch,
ich putze meinen Busch.
Der Mond ist da, der Mond ist hell;
der Mond, der ist mein Spielgesell,
husch.
Husch, husch, husch,
ich schüttel meinen Busch.
Die Kinderchen sind all zur Ruh,
ich schüttel ihnen Träume zu;
die haben wir vergangne Nacht,
der Mond und ich, uns ausgedacht,
husch, husch, husch,
im Busch.
Rumpumpels Geburtstag
Kräht der Hahn früh am Tage,
kräht laut, kräht weit:
dein Geburtstag ist heut!
Guckt das Eichhörnchen runter:
Wenig Zeit, wenig Zeit!
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!
Kommt das Häschen gesprungen,
macht Männchen vor Freud:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!
Steht der Kuchen auf dem Tische,
macht sich dick, macht sich breit:
Guten Morgen, Rumpumpel,
dein Geburtstag ist heut!
Und Vater und Mutter,
alle Kinder, alle Leut
schrein: Hoch der Rumpumpel,
sein Geburtstag ist heut!
Mutters Geburtstag
Leises Klopfen an der Türe:
Kann ich 'rein, Mama?
34Frisch gewaschen, frisch gebügelt
steht Rumpumpel da.
Rosen in beiden Händchen;
wie der Kerl sich freut!
Kommt ans Bett, sagt: Guten Morgen,
Mutti Burtstag heut.
Vater putzt die große Stube,
die ist mächtig schön.
Lauter Blumen! Und die Torte!
Komm, zu Vati gehn!
Rumpumpel tanzt
Rumpumpel tanzt, Rumpumpel tanzt,
es blitzen seine Schuh;
der Kreisel und der Hampelmann
sehn verwundert zu.
Der Kreisel pufft den Hampelmann:
guck, Hans, was sagst du nur?
der Junge tanzt, der Junge tanzt
und sitzt an keiner Schnur.
Der Hampelmann zieht ein Gesicht
und schlenkert und sagt: puh,
auch eine Peitsche braucht er nicht,
tanzt doch so schön wie du.
Kreiselliedchen
Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
rundum, rundum,
kommt die dicke Marmelkugel,
rollt ihn um, rollt ihn um;
paß auf, Herr Dreidel!
Herr Dreidel tanzt auf einem Bein
rundum, rundum,
pfeift der Wind aus einer Ecke,
pfeift ihn um, pfeift ihn um;
steh auf, Herr Dreidel!
Herr Dreidel tanzt auf einem Bein,
peitsch di Hieb, peitsch di Hieb;
hopp hopp, wie springt das Brüderlein,
halt den Dieb, halt den Dieb,
heißa, Herr Dreidel!
Konzert
Musik, Musik, die Flöte kommt,
Rumpumpel tut's begreifen:
36er horcht und hebt das Fingerchen,
fängt gleich an mitzupfeifen.
Musik, Musik, die Geige kommt,
die Geige tut fein klingen;
Rumpumpel hebt das Fingerchen,
fängt leise an zu singen.
Musik, Musik, der Brummbaß kommt,
ganz deutlich hört man's summen;
Rumpumpel hebt das Fingerchen,
tut wie 'ne Hummel brummen.
Das gibt ein herrliches Konzert,
ihr Kinder, kommt, ich bitte!
Drei Kirschen kost't der erste Platz,
und eine kost't die Mitte.
Hinten herum ist alles frei,
großmütig sind wir heute;
der Mohr, der Spitz, der Hampelmann
sind gar zu arme Leute.
Die ersten Höschen
Der Schneidermeister Piekenich
ist ein geschickter Mann,
37er kommt und mißt dem Peterle
die ersten Hosen an.
Er nimmt sein Buch und Metermaß,
schreibt sich die Zahlen auf;
und wenn der Bub nicht stille steht,
kriegt er eins hinten drauf.
"Du lieber Meister Piekenich,
mach die Hosen recht schön!
Ich will ja unter den Linden
damit spazieren gehn.
Und alle kleinen Jungens
gucken nach mir hin
und sehn an meinen Höschen,
daß ich auch ein Junge bin."
Der kleine Sünder
(von Paula und Richard Dehmel)
Gestern lief der Peter weg,
spinnefix verstohlen.
Setzt sich Mutter den Bänderhut auf:
wart, ich will dich holen.
Sausepeter,
Flausepeter,
kleiner Sünder, wo bist du?
38Hahnematz steht auf der Wiese,
"Kiek ins Grüne" kräht er;
sag mir, bunter Kikeriki, wo ist unser Peter?
Bummelpeter,
Schummelpeter,
kleiner Sünder, wo bist du?
Wie sie sich im Garten umguckt,
ist er nicht zu sehen,
bleibt sie neben dem Spargelbeet
unterm Pflaumbaum stehen.
Aber Peter,
nirgends steht er;
kleiner Sünder, wo bist du?
Hört sie etwas lachen, horch
oben aus dem Baume;
sitzt der Peter seelenvergnügt,
pflückt sich eine Pflaume.
Wirft ein Steinchen,
schwenkt die Beinchen,
wupptich—: Mutter, da bin ich!
Flutschpeter
Die Trommelpartie
Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt das Kätzchen
Mausemätzchen,
das will mit.
Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt das Hündchen
Belleinstündchen,
das will mit.
Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt das Schweinchen
Rosenfeinchen,
das will mit.
Rumpumpel macht 'ne Landpartie,
er trommelt: wer will mit?
Kommt der Bär
der will mit.
So geht's im Trab,
bergauf, bergab,
durch Dünn und Dick,
durch Schlamm und Schlick;
Rumpumpel schlägt die Trommel.
Das Kätzchen maut,
das Hündchen bellt,
das Schweinchen quiekt,
der Bär brummt: was 'ne dumme Welt!
Rumpumpel schlägt die Trommel.
Rumpelreim
Ride-bide-Bummstock fing 'ne Maus,
Ride-bide-Bummstock ließ sie wieder raus;
Ride-bide-Bummstock, du bist dumm,
die Mäuse sind 'n Rackerpack, das bringt man um.
Das Karnickel
Hans Wackelohr, Hans Wackelohr,
was bist du heut so still?
41Sieh her, ich habe Kohl für dich,
sitz doch nicht gar so feierlich!
Hans Wackelohr, Hans Wackelohr,
wie kommst du mir heut vor!
Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut,
ist dir dein Haus zu eng?
Ein Weilchen darfst du aus dem Stall,
bloß friß mir nicht die Knospen all!
Hans Schnupperschnut, Hans Schnupperschnut,
bist mir nun wieder gut?
Lektion
Hühner, wollt ihr wohl artig sein!
hübsch langsam essen und nicht so schrein!
Müßt ihr denn immer zanken und beißen?
euch um jedes Körnchen reißen?
Pfui, dicke Henne, abscheuliches Tier,
du ißt ja für vier.
Weg! hörst du nicht? du sollst dich trollen!
Die niedlichen kleinen Küken wollen
auch mal heran an das schöne Futter.
Wenn du nicht hörst, sag ich's der Mutter;
die fängt dich ein und macht dich tot,
dann essen wir dich zum Mittagbrot.
Tuck—tuck—heut ist Regentag,
und ich muß mich plagen;
kratze schon acht Stunden, tuck,
und noch knurrt mein Magen.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.
Tuck die Enten, tuck die Enten,
Enten sind doch Narren;
gehn ins Wasser, tuck ins Wasser,
als könnte man da scharren.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.
Pferde, tuck tuck tuck, und Kühe
haben große Köpfe,
aber keine Kröpfe, tuck;
traurige Geschöpfe!
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.
Tuck, wie war der Hahn galant,
suchte mir manch Krümchen;
heute geht er, tuck tuck tuck,
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.
Tuck, du fetter Regenwurm,
dich muß ich noch ergattern;
schimpft nur, tuck, vor Neid, tuck tuck,
Muhmen und Gevattern!
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
hab noch immer nicht genug.
Tuck, wär ich doch endlich satt,
tuck, das wär ein Segen;
muß Rumpumpeln, tuck tuck tuck,
sein Frühstücks-Ei noch legen.
Tuck tuck tuck, pick und schluck,
ach, wann hat man wohl genug?
So sieht unsre Wirtschaft aus
Unser Müller hat ein Mühlenhaus,
mi-ma-Mühlenhaus,
kommt Korn hinein und Mehl heraus,
mi-ma-Mehl heraus;
Mühlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.
44Unser Bäcker, der backt weiße Wecken,
wi-wa-weiße Wecken,
und braunes Brot und Streußelschnecken,
stri-stra-Streußelschnecken;
weiße Wecken, Streußelschnecken,
Mühlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.
Unser Schlächter schlacht't ein feistes Schwein,
fi-fa-feistes Schwein,
und pökelt Wurst und Schinken ein,
schi-scha-Schinken ein;
feistes Schwein, Schinken ein,
weiße Wecken, Streußelschnecken,
Mühlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.
Unsre Mutter hat 'ne bunte Kuh,
bi-ba-bunte Kuh,
die gibt uns Milch und Butter dazu,
bi-ba-Butter dazu;
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weiße Wecken, Streußelschnecken,
Mühlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.
45Unsre Henne macht ein laut Geschrei,
li-la-laut Geschrei,
und legt dabei ein frisches Ei,
fri-fra-frisches Ei;
frisches Ei, laut Geschrei,
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weiße Wecken, Streußelschnecken,
Mühlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus. [Transkriptions-Notiz: Fehlendes aus hinzugefügt.]
Rumpumpel ist ein kluges Kind,
kli-kla-kluges Kind,
das fragt nicht viel und ißt geschwind,
i-a-ißt geschwind;
kluges Kind, ißt geschwind,
frisches Ei, laut Geschrei,
bunte Kuh, Butter dazu,
feistes Schwein, Schinken ein,
weiße Wecken, Streußelschnecken,
Mühlenhaus, Mehl heraus,
so sieht unsre Wirtschaft aus.
49Zweiter Teil
Ich bau, ich bau ein steinern Haus;
vorne guckt ein Esel raus,
hinten eine Kuh,
muh.
Mit Trommel und Trab
Sitzen zwei alte Weiber im Sand,
spinnen viel feine Fäden über Land,
über Bäume,
über Zäune,
um Stoppel und Dorn,
immer von vorn.
Für wen sitzen die alten Weiber im Sand,
spinnen viel feine Fäden über Land?
Für Wildbub Kraushaar,
kommt alle hundert Jahr
mit Trommel und Trab
vom Himmel herab,
reißt alle Fäden auf einmal ab,
macht sich ein'n Mützenpuschel draus
und lacht die alten Weiber aus.
Ihr Siebenschläfer in den Höhlen,
reckt euch, streckt euch, aufgewacht!
Der Frühling leuchtet in den Himmel
nach einer einzigen warmen Nacht.
Schnell, schüttelt eure grauen Zotteln,
und blinzelt in das blaue Licht;
Herrgott, wer wird so langsam trotteln,
ich lauf voraus, ich warte nicht.
Die Amsel übt schon ihre Lieder,
ich pfeif sie nach, ich sing sie auch;
und denkt euch nur, der blaue Flieder
hat Knospen, und der Haselstrauch.
Der Teckel bellt vor lauter Wonne
und wühlt die frische Erde um—
Na? seid ihr noch nicht in der Sonne,
ihr Siebenschläfer faul und dumm?
Osterlied
Has, Has, Osterhas,
wir möchten nicht mehr warten.
Der Krokus und das Tausendschön,
53Vergißmeinnicht und Tulpen stehn
schon lang in unserm Garten.
Has, Has, Osterhas,
mit deinen bunten Eiern.
Der Star lugt aus dem Kasten aus,
Blühkätzchen sitzen um sein Haus;
wann kommst du Frühling feiern?
Has, Has, Osterhas,
ich wünsche mir das Beste:
ein großes Ei, ein kleines Ei
und ein lustiges Dideldumdei,
alles in einem Neste.
Maiwunder
(von Paula und Richard Dehmel)
Maikönig kommt gefahren,
in seinem grüngoldnen Wagen,
mit Saus und Gesinge.
Seine Zügel sind Sonnenstrahlen,
große blaue Schmetterlinge
ziehn ihn über Busch und Bach,
daß die weißen Blütenglocken
in seinen Locken
schwingen und springen,
und hört sein Lied:
wer zieht mit? zieht mit?
Kommt das Maienweibchen,
trägt ein weißes Kleidchen,
trägt ein grünes Kränzchen,
sagt zu unserm Hänschen:
Eia, Hans,
komm zum Tanz!
Einen Schritt Frau Nixe,
einen Schritt Herr Nix,
Ringeldireih, Ringeldireih,
Dienerchen,
Knix!
Hansel und Gretel
Prinzeßchen
Wer tanzt mit mir?
wer spielt mit mir?
ich bin so sehr allein.
Kam da der gelbe Sonnenstrahl:
Ich tanze Tippel-huschemal,
willst du meine Tänzerin sein?
Wer tanzt mit mir?
wer spielt mit mir?
der Sonnenstrahl ist zu fein.
Kam da der wilde Pustewind:
Heidih, ich spiele Wegefind,
lauf doch, fang mich ein!
Wer tanzt mit mir?
wer spielt mit mir?
der Wind macht mein Krönchen entzwei.
Kam da unser brauner Junge an,
macht 'nen Diener wie 'n Edelmann:
Prinzeß, ich bin so frei.
Das große Loch,
wie kam es doch
in Gretens neuen Schuh?
Die ganzen Zehn
sind ja zu sehn;
wer macht das Loch uns zu?
Drüben hinterm Rathaus
hängt ein großes Schild raus,
goldner Stiefel drauf.
Da wohnt der Schuster Firlefanz,
der macht dein Schuhchen wieder ganz;
lauf, Grete, lauf!
Zwei Gesellen
Es tanzen zwei Gesellen
hier herum;
der eine, der ist klug,
und der andre, der ist dumm.
Der eine liegt im Grase,
der andre sitzt am Tisch;
der eine kaut den Kanten,
der andre ißt den Fisch
ißt den Fisch.
Wenn's Pfingsten regnet
Oben aus dem Fahnenhaus
guckt das schwarze Wettermännchen raus,
spreizt die Beine und grinst uns an;
schäme dich, alter Wettermann!
Am Ostersonntag, vor sieben Wochen,
hast du dem Fritze fest versprochen,
daß zu Pfingsten, im Monat Mai,
das allerschönste Wetter sei.
Und nun regnet's, liebe Not,
alle hellen Blüten tot;
sie liegen da wie nasser Schnee.
Auf den Wegen steht See an See;
58ja, wenn wir noch drin baden könnten,
wie die Spatzen oder die Enten.
Wir dürfen aber gar nicht raus,
sehn so mucksch wie Maulwürfe aus;
röche nicht der Kuchen so lecker her,
wüßte man gar nicht, daß Feiertag wär.
Nicht mal die Pfingstkleider kriegt man an;
Schäme dich, schwarzer Wettermann!
Eine Hühnergeschichte
Vor der Laube kräht der Hahn,
ein rot-schwarz-gelb und grüner:
Kuchen, Kuchen, Kuchen auf dem Tisch,
fix, kommt fix, ihr Hühner!
Seht die Hennen,
wie sie rennen,
aus Verstecken,
über Zäune, über Hecken,
gackern, beißen sich und schrein,
jede will die erste sein.
Wie sie fliegen, wie sie flattern,
um ein Plätzchen zu ergattern.
Oben auf des Tisches Mitte
Bitte, meine Damen, bitte,
fangt nur an!
Pick und schluck,
nicht genug,
immer mehr
Kuchen her!
Unser Kropf
ist ein Topf,
wird nicht voll,
wird nicht leer,
darum mehr
Kuchen her,
bis der Teller leckeleer!
Drüben aus des Gärtners Haus
guckt der kleine Fritz und lacht:
Ei, wie sah das lustig aus,
das haben die Hühner klug gemacht.