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Das liebe Nest cover

Das liebe Nest

Chapter 68: —1—
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About This Book

A collection of short lyrical poems and verses for young readers, written in simple rhythms and playful language. Pieces portray domestic routines—bathing, dressing, meals, and sleep—using sensory detail and gentle humor. Nature and animals are personified as companions in small vignettes that spark imaginative play. A recurring toddler figure moves through everyday adventures and dreams, shifting between real moments and fanciful travels. Mischief and tender comfort alternate throughout, offering soothing lullabies, lively play songs, and whimsical sketches that gently reassure and amuse.

61

Kinderküche

Essensregeln

Spitzt das Ohr und merkt euch still,

was die gute Sitte will!

Wer die schöne Form erfaßt,

ist ein gern gesehner Gast;

wer sich frech und plump beträgt,

wird ohne Besen hinausgefegt.

—1—

Ein Kind soll nicht vorher von Speisen naschen,

soll Mund und Hände sich sauber waschen,

sich erst setzen, wenn die andern sitzen,

das Mäulchen bei Tisch nicht zum Pfeifen spitzen,

nicht plappern, wenn große Leute sprechen,

das Brot nicht zerkrümeln, zerkneten, nur Bissen abbrechen.

—2—

—3—

Nicht gierig stopfen! langsam essen!

auch keinen Rest auf dem Teller vergessen!

Nicht wie Hunde oder Katzen

schlecken, schlürfen, schnaufen, schmatzen!

Nicht kichern und nicht heimlich fragen,

und immer schön bitte und danke sagen!

—4—

Seid ihr beim Essen und trinkt dazwischen,

sollt ihr zuvor die Lippen wischen.

Kartoffeln und Fisch mit Stahlmessern schneiden,

das wird ein Mensch, der Geschmack hat, vermeiden.

Brot nimmt man zuhilfe, wenn Fischmesser fehlen;

auch Obst soll man nicht mit Stahlklingen schälen.

—6—

Wer stochert in den Zähnen,

nicht unterdrückt das Gähnen,

das Messer in den Mund steckt,

Gabel und Teller ableckt,

zuviel packt auf den Löffel,

gilt als Flegel und Töffel.

64

Die böse Mies

Pottkieker

Der Reitersmann

(von Paula und Richard Dehmel)

Schimmel, willst du laufen,

will ich uns was kaufen.

Heißa, lauf nach Mexiko,

da kaufe ich dir Bohnenstroh;

laufe nach der Mongolei,

da kauf ich mir ein Osterei,

hopp!

Eile, Schimmel, eile,

oder du kriegst Keile.

Hoppßa, lauf nach Hindostan,

da kaufe ich mir Marzipan;

laufe nach Kap Morgenrot,

da kauf ich dir ein Dreierbrot,

burr!

67

Das richtige Pferd

(von Paula und Richard Dehmel)

Wer schenkt mir ein lebendiges Pferd!

Mein Schaukelpferd ist gar nichts wert,

es hat so steife Beine,

es stampft nicht, frißt nicht, wiehert nicht,

und macht solch ledernes Gesicht,

und weiß nicht, was ich meine.

Wenn mir der Weihnachtsmann ein Pferd,

ein wirklich richtiges Pferd beschert,

dann reit ich über die Brücke,

und reite durch den Kiefernforst

nach Vehlefanz und Haselhorst

und noch fünf große Stücke.

Dann bin ich mitten in der Welt,

da such ich mir ein Haberfeld

und lasse mein Pferdchen grasen.

Und dann, dann reit ich ans Ende der Welt,

wo der Riese den Regenbogen hält,

und—schick euch 'ne Ansichtspostkarte.

68

Der kleine Rekrut

Ich hab einen Helm aus Packpapier,

mit einem Federbusche;

der Wilhelm malt mir 'n Adler drauf

mit schwarz-weiß-roter Tusche.

Einen hölzernen Säbel hab ich auch,

mit einem richtgen Griffe;

wenn nur der Scherenschleifer käm,

daß er ihn endlich schliffe!

Meine Mutter ist 'ne gute Frau,

die schenkt mir einen Dukaten,

dann kauf ich mir ein Schießgewehr,

geh unter die Soldaten.

Der Hauptmann

Abzählreim

Rechts, links, über Eck,

die Henne legt die Eier weg,

legt sie in ein Bündel Stroh,

irgendwie, irgendwo;

kommt der Marder Wagemut,

jagt die Henne von der Brut,

rechts, links, über Eck—

ein Küken hat—er—weg.

Fragefritze und die Plappertasche

(von Paula und Richard Dehmel)

Plappermündchen

In Leipzig wohnt ein Bäckermeister,

Hans-back-die-Semmeln-größer heißt er;

Seine Mutter, die Frau Meisterin,

zieht den Teig wer weiß wie dünn,

rollt ihn mit der Mangel aus,

macht sieben bucklige Bretzeln draus,

drei für den Vater,

drei für die Mutter,

eine für unser Plappermündchen,

dann schweigt's vielleicht ein Viertelstündchen.

Puppendoktor

Kleiner Einkauf

Vaters Geburtstag

Das Himmelsprinzeßchen

Windfreude

Lied vom Monde

Weihnachtsschnee

Knecht Ruprecht in Nöten

Frohe Botschaft

Der liebe Weihnachtsmann

(von Paula und Richard Dehmel)

82

Sankt Niklas' Auszug

Sankt Niklas zieht den Schlafrock aus,

klopft seine lange Pfeife aus

und sagt zur heiligen Kathrein:

Öl mir die Wasserstiefel ein,

bitte hol auch den Knotenstock

vom Boden und den Fuchspelzrock,

die Mütze lege oben drauf,

und schütte dem Esel tüchtig auf,

halt auch sein Sattelzeug bereit;

wir reisen, es ist Weihnachtszeit.

Und daß ich's nicht vergeß, ein Loch

ist vorn im Sack, das stopfe noch!

Ich geh derweil zu Gottes Sohn

und hol mir meine Instruktion.

Die heilige Käthe, sanft und still,

tut alles, was Sankt Niklas will.

Der klopft indes beim Herrgott an,

Sankt Peter hat ihm aufgetan

und sagt: Grüß Gott! wie schaut's denn aus?

und führt ihn ins himmlische Werkstättenhaus.

Was fertig ist, wird eingesackt

und auf das Eselchen gepackt.

Sankt Niklas zieht sich recht warm an;

Kinder, er ist ein alter Mann,

und es fängt tüchtig an zu schnein,

da muß er schon vorsichtig sein.

Bescheidene Frage

86 

88 

89Dritter Teil

90 

91

Widmung

Klänge wachsen auf den Wegen

im Gebüsch, im jungen Grün;

alle meine Melodien

möchte ich mit leisem Segen

abends auf dein Kissen legen.

Wilde Blumen, seltne Früchte:

was der reife Sommer bringt,

möcht ich in dein Zimmer tragen,

sollst mir keine Antwort sagen—

Still—der Traum versinkt—verklingt.

Sonne

Sonne scheint draußen und scheint in die Stube,

unten am Boden kugelt mein Bube,

greift nach den schimmernden, flimmernden Stäubchen;

ich sitze am Fenster und nähe ein Häubchen,

ein ganz kleines Häubchen aus weißem Batist.

Ob's wohl ein Mädel ist?—

Und hat's seine Augen, seinen trotzfrohen Sinn,

dann weiß kein Mensch, wie glücklich ich bin!

Bloß Er—Er—sein liebes Gesicht— —

"Na, Bub? Hast du die Sonne noch nicht?"—

92

Marienlied

Maria herzt ihr Kindlein

und küßt sein rotes Mündlein;

sie weiß es nicht,

daß einst zu Golgatha

sein Kreuz wird aufgericht't.

Der Wind mit Blumendüften

tut des Kindes Härlein lüften;

nicht weiß der Wind,

daß einst zu Golgatha

unschuldig Blut verrinnt.

Sein Lämmlein kommt gesprungen,

spielt um den holden Jungen;

sieht nicht von fern,

daß man zu Golgatha

einst höhnt den lieben Herrn.

Ihr sorgend Mutterherzen

müßt es fein still verschmerzen;

ihr wißt es nicht,

wann eurem teuren Kindlein

sein Kreuz wird aufgericht't.

93

Korsisches Wiegenlied

Schlafe, mein kleiner Wildling,

du schlankes Reis, schlaf ein;

draußen im Mondschein die Pappel

sieht auf dein Bett herein.

Träume, mein heißer Wildling;

was ballst du die kleine Faust?

Kühl geht der Wind durchs Fenster,

die hohe Pappel braust.

Wachse, mein trotziger Wildling,

wachse dich hoch und frei,

horch auf die herrischen Stürme

und des Adlers stolzen Schrei!

Räche mich, Sohn meiner Wildheit,

räche den Mutterleib,

Schärfe den Dolch und töte,

töte das fremde Weib!

Königskind

—1—

—2—

—3—

Heimweh

Quellchen geht in den Rauschebach,

Bach geht in den Fluß,

Fluß geht vorbei am Elternhaus,

Mütterchen hört seinen Gruß;

grüße mir, Quellchen, grüße mir fein

Vater und Mutter, vergiß es nicht, nein?

Vater pfeift seinem Hühnerhund,

Mutter sorgt für den Herd,

Schwesterchen gießt ihre Tausendschön,

Bruder zäumt sich sein Pferd;

grüße mir, Quellchen, ich bin so allein,

Bruder und Schwester, vergiß es nicht, nein?

97

Elfenreigen

Wiegenmärchen

Traumballade

Mutter Hule

(nach einer alten Volksdichtung)

Die alte Mutter Hule

kann reisen ohne Geld:

sie setzt sich auf den Gänserich

und reitet durch die Welt.

Die alte Mutter Hule,

die hat im Wald ein Haus;

der Uhu sitzt als Wächter davor,

läßt niemand 'rein und 'raus.

Frau Hulens Sohn heißt Michel,

der ist nicht grad, nicht krumm;

am Sonntag ist er manchmal klug

und Montags manchmal dumm.

Sie schickte ihn zum Markte,

da kauft er sich 'ne Gans;

die flatterte und schnatterte

und wippte mit dem Schwanz.

Des Morgens in der Frühe

fand Michel ein großes Ei;

das hatte die liebe Gans gelegt,

der Gänserich stand dabei.

Der Michel lief zur Hule:

guck, was ich dir gebracht,

ein goldnes Ei. Die Hule sagt:

das hast du brav gemacht.

Der Michel trug's zu Markte,

drei Dukaten wollt er haben;

der Jud wollt bloß die Hälfte geben,

da schmiß er ihn in'n Graben.

Er ging am Schloß vorüber,

da stand ein Fräulein lilienschön;

dem Michel schwoll das Herze,

er blieb ein bißchen bei ihr stehn.

Die alte Mutter Hule

flog über Prag und Wien,

verwandelt ihren Michel schnell

in einen Harlekin.

Und auch das Fräulein rührte sie

mit ihrem Flederwisch,

da stand ein Kolombinchen da

mit Backen rot und frisch.

Wo blieb das goldne Ei, huchjee?

Das rollte weit ins Meer.

Der Michel zog die Stiefel aus

und sockte hinterher.

Die alte Mutter Hule

sattelt hui die große Gans

und flog damit zum roten Mond,

denn da war Fastnachtstanz.

Ein Singsang vom Rheine

Badeballade

Lise Nackfisch und Hans Pitschenaß

badeten im Teiche,

strampelten, tauchten,

plantschten und fauchten;

—hell lachte die alte Eiche.

Murrian Knurr, der Pudelhund,

kam vorbei am Teiche,

erhob ein Geschrei: Herbei! Polizei!

da baden zwei, nackend und frei!

—hell lachte die alte Eiche.

Lise Nackfisch und Hans Pitschenaß

sprangen aus dem Teiche,

faßten Murrian am Kopf, an Schwanz und Zopf,

seiften ihn ein, trotz Bellen und Schrein,

—hell lachte die alte Eiche.

Lise Nackfisch und Hans Pitschenaß

baden wieder im Teiche,

hampeln und strampeln, spritzen und tauchen,

patschen und plantschen, prusten und fauchen,

—hell lacht die alte Eiche.

106

Der Teufel und die Katz

(nach Schwinds Bildern)

Der Esel und die Löwenhaut

(nach der Fabel von Hans Sachs)

Ein Spatzengespräch

Neben mir blühte lichtblauer Flieder;

ein Spatzenpärlein ließ sich drin nieder,

die plusterten zärtlich die dicken Hälschen,

zogen sich Federchen aus den Pelzchen,

sahen recht verliebt darein,

mußten wohl jung verheiratet sein.

Doch das Schweigen währte nicht lange,

bald war eine Unterhaltung im Gange;

ja, mein Ring kam mir trefflich zustatten,

deutlich verstand ich das Plaudern der Gatten

und durfte mit Vergnügen ermessen,

sie hatten höhere Interessen.

"Ja, ja, nun wird mir alles klar,"

sagte das Weibchen; "ganz offenbar

hast du da recht. Doch in der Nacht

der Mond? für wen ist der gemacht?"

"Der Mond? Ach, nenn mir den Falschen nicht;

der hält es mit dem Katzengezücht,

lockt Marder und Eulen auf unsre Brut,

drum hass' ich ihn mit aller Wut."

Und zornig sträubt der kleine Mann

die Federn und sieht sein Weibchen an.

Das drängt sich an ihn, zärtlich, dicht,

glättet ihm die Daunen an Hals und Gesicht

und flüstert erschrocken: "Du hast ja recht,

der meint es gewiß mit uns Vögeln schlecht;

nie nenn ich ihn wieder. Doch sag mir, du Bester,

ob nicht auch in der Menschen Nester

die Sonne Licht und Wärme bringt,

daß alles früh aufsteht und singt?"

Das Spatzenfrauchen schien ganz beglückt

von so viel Klugheit und sah entzückt

ihr Männchen an: "Du bist ein Genie,

und weißt auch sicher, warum und wie

die Menschen in ihren Steinhäusern kleben

und nicht so frei wie wir Vögel leben?"

"Glaub's schon, die Menschen sind recht klug,

aber noch immer nicht klug genug,"

sagte das Weibchen; "was würden sie geben,

könnten sie frei in den Lüften schweben,

doch sind sie zu ungeschickt zum Fliegen

und werden niemals Flügel kriegen."

Ich aber ging übers stille Feld;

so malt sich in Spatzenköpfen die Welt,

dacht ich und lächelte überlegen.

Da hört ich's in den Lüften sich regen,

eine alte Esche rief mir zu:

"Wieviel ist der Spatz denn beschränkter als du?

Seid ihr Menschen nicht auch allesamt

zu solchen unwissenden Tierlein verdammt,

die das große Warum und das ewige Wie

mit ihrer täppischen Kindsphantasie

zu begreifen suchen? Dürft ihr vertraun

dem Funken in euch und aufwärts schaun?

Sind eure stolzesten Grübler und eifrigsten Späher

der Gottheit nur um ein Strichelchen näher?"

So sprach die Esche. Ich sah in die Weiten,

sacht fühlt' ich den Ring mir vom Finger gleiten,

scheu blickt' ich hin—er war verschwunden,

und niemals hab ich ihn wiedergefunden.