Salomon sagt im fünfzehnten Capitel seiner Sprüche: „die Narrheit macht dem Narren Freude;“ er gesteht es also rund heraus, ohne die Narrheit habe dieses Leben nichts angenehmes. Hieher gehört auch dieses: „wo viele Weisheit ist, da ist viel Schmerzen; und wo viel Verstand ist, grämt man sich sehr.“ Eben hievon redet auch dieser vortrefliche Prediger, im siebenden Capitel: „das Herz der Weisen ist bey der Traurigkeit; das Herz der Narren bey der Freude.“ Es war ihm nicht genug, daß er sich mit der Weisheit bekannt machte, nein, er wollte zugleich mich kennen. Wer mir auf mein Wort nicht glauben will, der höre seine Worte des ersten Capitels: „ich habe mein Herz darauf gesetzt, zu wissen was Klugheit und Lehre, was Irrthümer und Narrheit seyen.“ Hier ist zu bemerken, daß er aus Ehrerbietung für die Narrheit sie zuletzt genennet hat; denn der Prediger schreibt (und bekanntermaassen ist dieses die Predigerweise) der, welcher an Würde der erste ist, solle die letzte Stelle einnehmen; und hiemit stimmt das evangelische Gebot überein.
Daß die Narrheit der Weisheit vorzuziehen sey, sagt auch deutlich jener Ecclesiasticus, wer er immer gewesen, in seinem vier und vierzigsten Capitel. Doch nein, meine Herren, ich werde seine Worte nicht ehender anführen, als bis Sie mir (beym Herkules sey es geschworen) gewisse Einleitungsfragen, wie es beym Plato die machen, welche sich mit dem Socrates unterreden, richtig beantwortet haben. Nun, schickt sichs besser, etwas seltenes und kostbares zu verbergen, als etwas gemeines und geringes? Wie! Sie schweigen? Gut! wenn Sie gleich mäusestill da stehen, so soll das Sprüchwort der Griechen für Sie antworten: „Den irdenen Wasserkrug läßt man an der Thür stehen.“ Nein, niemand versündige sich durch Verspottung dieses Sprüchworts; wir finden es bey dem von unsern Meistern göttlich verehrten Aristoteles. Würde, meine Herren, einer von Ihnen Narrs genug seyn, seine Edelgesteine und sein Geld auf die Strasse hinaus zu legen? Im innersten Zimmer, in den geheimsten Winkeln eiserner Küsten, werden Sie es verschlüssen; was Sie öffentlich liegen lassen, muß wirklich ein Quark seyn. Wenn man also das Kostbare verschließt, und das Schlechte öffentlich liegen läßt: folgt nicht deutlich, die Weisheit, die er zu verbergen verbietet? Nun möge man seine eigenen Worte hören. „Der Mensch, der seine Narrheit verbirgt, ist besser, als der Mensch, der seine Weisheit verbirgt.“
Die heiligen Bücher schreiben auch der Narrheit ein aufrichtiges Gemüth zu, alldieweil der Weise meynt, daß niemand ihm zu vergleichen sey. Einmal versteh ich es so, was der Prediger im zehnten Capitel sagt. „Wenn der Narr auf der Strasse geht, so glaubt er, weil er närrisch ist, jeder, der ihm begegnet, sey ein Narr.“ O welche Redlichkeit! er achtet jeden so gut als sich; er, da jedermann hohe Gedanken an sich selbst hat, theilt seinen Ruhm mit jedermann. Ein so grosser König schämte sich auch dieses Beynamens nicht, da er im dreißigsten Capitel sagt: „Ich bin der Närrischste unter den Menschen.“ Und auch Paulus, der Heidenlehrer, bezeugt in seinem Brief an die Corinther, daß er sich den Titel eines Narren sehr wohl gefallen lasse: „als ein Narr (spricht er) sag ich es; mehr als irgend ein anderer“ als ob er sichs zur Schande rechnete, an Narrheit übertroffen zu werden. Freylich widersprechen mir einige Nasenweise, die sich mit ihrem Griechischen brüsten, die heut zu Tage, recht krähenmäßig, die Augen so vieler Theologen auspicken, und ihren Auslegungsquark Andern aufdringen wollen; und hier kann mein Erasmus (den ich oft aus Hochachtung nenne) Anspruch, wo nicht auf die erste doch auf die zweyte Stelle machen. Ja (rufen sie), sich so auf die angeführte Stelle zu beziehen, ließ sich wirklich von niemanden als von der Narrheit erwarten; der Apostel hatte was ganz anders im Sinn, als ihm hier angeträumt wird; in diesen Worten ist es ihm nicht darum zu thun, daß man ihn für närrischer als Andere halten solle, sondern er sagt: „sie sind Diener Christi, und auch ich bin es;“ und sich gleichsam rühmend, daß er den übrigen nicht nur gleich sey, sondern sie diesorts noch übertreffe, setzt er hinzu, „noch mehr als sie.“ Damit man aber nicht denken möge, er sage dieses aus Stolze, verwahrt er sich durch den Zusatz, er habe thöricht geredet. „Als ein Unweiser (spricht er) sag ich es,“ denn bekanntermaßen haben die Narren das Vorrecht, Dinge zu reden, an denen man sich aus ihrem Munde nicht ärgert.
Was Paulus, da er das obige geschrieben, bey sich gedacht habe, überlaß ich diesen Herren, es auszufechten. Ich trete in die Fußtapfen der grossen, fetten, dicken und den meisten Beyfall erhaltenden Theologen; denn (beym Jupiter!) ein grosser Theil der Lehrer will lieber mit diesen irre gehen, als mit jenen griechischen, lateinischen, und hebräischen Dreyzünglern den richtigen Weg einschlagen. Auf ihre Reden achtet man so wenig als auf ein Krähengewäsche; insonderheit da ein ruhmvoller Theolog[1] (dessen Namen ich mit Vorbedacht verschweige, damit nicht eine griechische Krähe das „der Esel bey der Leyer“ spöttisch ausrufe) diese Stelle theologisch-meisterhaft erklärt. Mit den Worten „als ein Unweiser sag ich es; ich bin es mehr als sie“ fängt er ein neues Capitel an; und mit einem dialectischen Meisterzuge fügt er einen neuen Abschnitt bey; und dieses auf folgende Weise, dabey ich seine eigenen Worte nicht nur formaliter sondern auch materialiter anführen will: „Als ein Unweiser sag ich es,“ daß ist wenn ich euch als Narr vorkomme, indem ich mich den falschen Aposteln an die Seite setze, so werdet ihr mich noch für närrischer halten, daß ich ihnen den Weg ablaufe. Aber bald darauf fällt der gute Mann, der kein eisenmässiges Gedächtniß haben muß, auf etwas ganz anders.
Aber, was hab ich nöthig mich ängstlich auf ein einzelnes Beispiel zu berufen? Die Theologen haben sich ja augenscheinlich das Recht verschaft, den Himmel, daß ist die heilige Schrift, wie der Schuster das Leder auszudehnen. Beym Paulus widersprechen sich gewisse Worte der Schrift, die sich an den Stellen, daraus sie gezogen sind, nicht widersprechen; wenn man den fünfzüngigen (griechisch, lateinisch, hebräisch, chaldäisch, und Dalmatisch redenden) Hieronymus Glauben zustellen kann. Zum Exempel, der Apostel sah in Athen die Aufschrift eines Altars; er verdreht sie zum Behufe des christlichen Glaubens; indem er alles das wegläßt, was seiner Sache hätte nachtheilig seyn können, und nur diese Worte „dem unbekannten Gott“ und zwar auch geändert, anführt; die ganze Aufschrift lautete also: „Den Göttern von Asia, Europa und Afrika, den unbekannten und fremden Göttern.“ Nach diesem Beyspiele, wie mich deucht, richten sich unsre heutige Theologen; hier und da klauben sie vier oder fünf Wörtchen zusammen, und auch diese, wenn es nöthig ist, drehen sie so lang herum, bis sie dabey ihren Vortheil finden, wenn gleich das Vorhergehende und Folgende nichts dazu hülft, oder ihm wohl gar gerade widerspricht. Dieses thun sie mit einer so glücklichen Unverschämtheit, daß oft die Rechtsgelehrten auf die Theologen eifersüchtig werden.
Worinn sollt es ihnen jetzt nicht gelingen? Jener grosse Theolog (bald hätt ich ihn wieder genannt, wenn der Esel bey der Leyer mich nicht nochmals abgeschreckt hätte) hat ja aus einigen Worten des Lucas eine Meynung herausgeleiert, die mit dem Sinne Christi so verträglich ist, wie das Feuer mit dem Wasser. Da sich die äusserste Gefahr näherte, eine Zeit, in welcher getreue Anhänger sich am geflissensten erweisen, ihren Gönnern beyzustehen, und nach bestem Vermögen auf ihrer Seiten zu streiten, da fragte Christus seine Jünger, die er lehren wollte, sich auf keine solche äusserlichen Vertheidigungsmittel zu verlassen, ob sie je an etwas Mangel gehabt haben, da er sie ohne Reisegeld ausgesandt hatte; da sie weder mit Schuhen zur Vertheidigung wider Dornen und Steine, noch mit einem Reisesack und Nahrungsmittel zur Abtreibung des Hungers versehen gewesen. Nein, sagten sie, nie hatten wir Mangel. Jetzt aber, sprach er, wer einen Beutel und Sacke hat, nehm ihn; und wer kein Schwerdt hat, kaufe eines, wenn er gleich deßwegen seinen Rock verkaufen müßte. Da Christus stets die Sanftmuth, Verträglichkeit und Verachtung des Lebens einschärfte, so ist hier seine Meynung nicht schwer zu finden; nämlich, um seine Gesandten jetzt noch mehr zu entwaffnen, sagt er ihnen, sie sollen sich nicht nur der Schue und des Sackes entschlagen, sondern auch den Rock wegwerfen, um das evangelische Geschäft desto hurtiger und ungehinderter betreiben zu können; sie sollen sich nichts anschaffen, als ein Schwerdt; nicht ein solches, mit welchem Räuber und Mörder zu würgen pflegen, sondern das Schwerdt des Geistes, das bis in das Innerste der Seele dringt, und daraus alle Leidenschaften so ausrottet, daß nichts als Frömmigkeit in dem Herzen herrscht.
Man sehe aber, wie jener Theolog die Sache zu verdrehen weiß: das Schwerdt erklärt er für die Vertheidigung gegen die Verfolgung; durch den Sack versteht er einen zureichenden Vorrath von Lebensmitteln; als ob Christus seine Meynung ändernd, weil es das Ansehen haben könnte, er habe seine Gesandten nicht stattlich genug ausgerüstet, über seine vorige Anordnung einen Widerruf thue. Also hätte er seiner vorigen Aussprüche vergessen: sie werden selig seyn, wenn man sie schmähe, schimpfe, peinige; sie sollen den Bösen nicht widerstehen; denn die sanftmüthigen seyen selig, nicht die trotzigen; sie sollen die Vögel und die Lilien zum Beyspiele nehmen; jetzt sollen sie sich wohl hüten, die Reise ohne Schwerdt anzutreten; ehender sollen sie ihre Kleider verkaufen. Wie er also meynt, daß unter dem Worte Schwerdt alles verstanden werde, das zur Abtreibung eines feindlichen Angriffes dienlich seyn kann: also versteht er durch Beutel und Sack alle Lebensbedürfniß.
Also versteht dieser Dolmetscher des Geistes Gottes die Apostel mit Ober- und Untergewehr, um soldatenmäßig den Gekreuzigten zu predigen; auch läßt er es ihnen an Reisegepäcke und Mundproviant nicht fehlen, damit sie nicht genöthigt seyen, auch das schlechteste Gasthaus mit hungerndem Magen zu verlassen. Der Mann läßt sichs auch nicht anfechten, daß auf den Befehl, ein Schwerdt zu kaufen, bald ein anderer erfolgte, der das Schwerdt einstecken hieß; auch daß es nie erhört worden, daß die Apostel sich wider Angriffe der Heiligen des Schwerdtes und Schildes bedient haben; etwas, das sie ohne Zweifel gethan hätten, wenn ihnen dazu ein Befehl wäre gegeben worden.
Ein Anderer[2], den ich aus Hochachtung nicht nenne, und der ein sehr berühmter Mann ist, macht aus den bey dem Habakuk vorkommenden Häuten, das ist Gezelten der Midianiten, die Haut des lebendiggeschundenen Bartholemäus.
Neulich wohnt ich, wie ich es oft thue, einer theologischen Disputation bey; jemand kam mit der Frage angestochen, auf welche Schriftstelle sichs gründe, daß man einen Ketzer ehender durch Feuer und Schwerdt als durch Vernunftgründe besiegen müsse. Ein saurer Graukopf, an dem schon die gerümpfte Stirn den Theologen verrieth, schrie auf eine hämische Weise, dieses Gesetz hat ja Paulus gegeben, da er sprach: „einen ketzerischen Menschen meide, nachdem du ihn etlichemal ermahnet hast.“ Nachdem er diese Worte mit grossem Nachdrucke verschiedenemal wiederholet hatte, und jedermann im Zweifel war, was sich doch in des Mannes Kopfe müsse zugetragen haben, ließ er sichs endlich gefallen, sich näher zu erklären. Um diese seine Erklärung zu verstehen, müssen Sie meine Herren wissen, daß der Mann latein geredet habe, und, „meide“ in dieser Sprache heisse devita; nun spaltete der verschmitzte Mann dieses Wort, und schrie: heißt es nicht ausdrücklich de vita „aus dem Leben weg“ und ists nicht klar, daß man die Ketzer verbrennen und die Asche in die Luft streuen müsse?
Einige lachten; doch fehlt es auch an solchen nicht, denen diese Erklärung recht theologisch zu seyn schien. Weil sich aber doch noch Ungläubige finden lassen, ließ sichs unser unbesiegbare Held gefallen, den Knoten mit einmal zu zerschneiden, indem er sprach: Merket auf; es steht geschrieben, einen Maleficanten soll man nicht leben lassen; nun ist jeder Ketzer ein Maleficant; und folglich, und so weiter. Alle Anwesenden bewunderten des Mannes Scharfsinn, und fielen seiner Meynung mit Haut und Haaren bey; keinem träumte auch nur, daß das Gesetz von Zauberern rede, die hier durch Maleficanten verstanden werden; sonst müßte man auch jeden Hurer und Trunkenbold, die ja auch Maleficanten oder Uebelthäter sind, mit dem Tode bestrafen.
Bin ich aber nicht närrisch, daß ich mich bey Dingen verweile, deren es so unzählbar giebt, daß sie in den tausend von dem Chrysippus und dem Didymus geschriebenen Bänden nicht Raum finden könnten. Nur dieses möcht ich mir ausgebeten haben: da man es jenen Meistergelehrten nicht übel nimmt, wenn sie zuweilen einen Fehlschluß thun, so hoff ich, man werde für mich auch, deren theologische Einsichten noch auf sehr schwachen Füssen stehen, Nachsicht haben, wenn ich nicht alles haarklein abgezirkelt habe.
Endlich komm ich wieder auf den Paulus. Indem er von sich selbst redet, spricht er: „Ihr pfleget die Thoren mit Geduld zu ertragen — nehmet auch mich als einen Thoren an — ich rede nicht nach Gott, sondern wie in Thorheit — wir sind Narren um Christi Willen.“ Man hat gehört, wie der grosse Mann zum Lobredner der Narrheit wird. Ja, öffentlich fordert er zur Narrheit auf, als zu der nothwendigsten und heilsamsten Sache:„Wer unter euch weise zu seyn scheint, der werde ein Narr, damit er weise werde.“ Beym Lucas werden zween Jünger, zu denen Jesus sich auf dem Wege gesellt, von ihm Narren genennt. Noch mehr verwundere ich mich darüber, daß Paulus das Herz hat, Gott selbst etwas von Narrheit zuzuschreiben: Gottes Narrheit ist besser als der Menschen Weisheit. „Der Ausleger Origines will nicht, daß man diese Narrheit der Meynung der Menschen beylege; wie auch nicht die Stelle das Wort des Kreuzes ist Narrheit bey denen, die verlohren gehen.“
Warum bemühe ich mich aber, die Sache ängstlich durch so viele Zeugnisse zu unterstützen? In den mystischen Psalmen sagt Christus gerade heraus zum Vater: „Dir ist meine Thorheit bekannt.“ Es geschicht nicht von ungefehr, daß Gott an den Narren ein so herzliches Wohlgefallen hat; die Ursache wird wohl diese seyn: Bey den grösten Fürsten sind die, welche allzuklug und scharfsichtig sind, verdächtig und verhaßt; also traute Cäsar dem Brutus und Cassius nicht, setzte aber kein Mißtrauen in den nassen Bruder Antonius; Nero konnte den Seneca nicht leiden; Dionysius den Plato nicht. Hingegen machen ihnen die Dickköpfichten und Unweisen ein grosses Vergnügen. Gleicherweise verabscheut und verdammt Christus durchgehends jene Weisen, die sich auf ihre Klugheit was grosses einbilden. Paulus giebt es deutlich zu verstehen, wenn er sagt: „was närrisch vor der Welt ist, das hat Gott gewählt — es hat Gott gefallen, durch Narrheit die Welt zu erhalten;“ die Welt, die durch Weisheit nicht zu verbessern war. Ja, Gott selbst spricht durch den Mund des Propheten: „ich will die Weisheit der Weisen verderben, und die Klugheit der Klugen zernichten.“ Auch hat Christus Gott gedankt, daß er das Geheimniß des Heils den Weisen verborgen, und den Unmündigen (nach der Kraft der Grundsprache, den Narren) geoffenbaret habe, die er den Weisen entgegensetzt.
Hieher gehört auch, daß Christus in dem Evangelium durchgehends, den Pharisäern, Schriftgelehrten und Gesetzerklären, den Krieg ankündigt, und hingegen den ungelehrten Pöbel in seinen Schutz nimmt; denn das „wehe euch Schriftgelehrten Pharisäern“ wird zuletzt anders nichts sagen wollen, als „wehe euch Weisen.“ Kindern, Weibern, Fischern, war er vorzüglich gewogen.
Unter den Thieren gefielen ihm die vorzüglich, welche von der Klugheit des Fuchses am weitesten entfernt sind. Er wählte sich einen Esel bey seinem Einzuge, und hätte sich, wenn es ihm beliebt hätte, eben so sicher dazu eines Löwen bedienen können. Der heilige Geist kam in der Gestalt einer Taube herab, nicht eines Adlers oder Geiers.
Ferner nimmt die heilige Schrift oft Gleichnisse von Hirschen, Rehen und Lämmern her. Die zur Unsterblichkeit Auserwählten werden Schafe genannt; nun giebts nichts dümmers als dieses Thier; und schon beym Aristoteles steht ein Schafskopf in keinem grossen Ruhme. Christus schämt sich nicht, für den Hirten einer solchen Heerde gehalten zu werden; und Johannes bezeugt, daß es ihm gefallen habe, wenn man ihn ein Lamm nennte „siehe das Lamm Gottes.“ Und so wird er im Buche der Offenbarung oft betitelt.
Was heißt alles dieses anders, als die Menschen, auch die Frommen, seyen Narren? Christus, um der Narrheit der Sterblichen zu Hülfe zu kommen, da er die Weisheit des Vaters war, habe selbst etwas von dieser Art mit des Menschen Natur angenommen, da er in seinen Geberden als ein Mensch erfunden worden? so wie er auch um der Sünde abzuhelfen, zur Sünde geworden; und abhelfen wollte er ihr blos durch die Thorheit des Kreuzes; sich auch nur tummer und ungelehrter Apostel bedienend, denen er fleisig Narrheit empfiehlt, sie von der Weisheit abschreckend, indem er ihnen Kinder, Lilien, Senfkörner, Sperlinge, zum Muster der Nachahmung anpreist; tumme und verstandlose Geschöpfe, die blos durch den natürlichen Instinkt, ohne Kunst und Sorge fortdauern. Er will, daß sie sich nicht darum bekümmern sollen, was sie von den Grossen der Welt reden wollen; er verbietet ihnen, den Zeiten und ihren Veränderungen nachzuforschen, damit sie sich in nichts auf eigene Klugheit sondern ganz auf ihn verlassen mögen.
Gott, der Baumeister der Welt, verbietet den ersten Menschen, von dem Baume der Erkenntniß nur das geringste zu kosten; gerade, als ob dieses für die Glückseligkeit ein Gift wäre. Paulus spricht deutlich, daß das Wissen etwas aufblähendes und schädliches sey. Bernhardus, wenn ich mich nicht irre, nahm ihn zum Muster, da er den Berg, den Lucifer nach einer Meinung zu seinem Wohnsitze gewählt, den Berg der Erkenntniß nennt. Vielleicht verdient auch dieses zum Beweise angeführt zu werden, daß die Narrheit bey den Himmelsbewohnern in Gunst stehe: man beruft sich auf sie, wenn man Verzeihung wegen einen Fehler erhalten will; der Weise weiß wohl, daß er nicht Vergebung finde, wenn er etwas verfehlt hat; und was thut er in solchem Falle? er giebt vor, daß er sich gleich einem Narren betragen habe. Wenn Aaron (wenn ich mich recht erinnere, im vierten Buche des Moses) die Sünde seines Weibes abbittet, so spricht er: „ich bitte dich, mein Herr, rechne uns diese Sünde nicht zu, die wir thöricht begangen haben.“ Auch Saul bittet den David also um Vergebung: „es liegt ja klar am Tage, daß ich thöricht gehandelt habe.“ David selbst trachtet sich also bey Gott einzuschmeicheln: „ich bitte dich, Herr, nimm das Verbrechen von deinem Knechte weg, denn wir haben thöricht gethan,“ als ob er keine Vergebung hätte erhalten können, wenn er nicht Narrheit und Unwissenheit vorgeschützt hätte.
Das überzeugendeste ist dieses: da Christus am Kreuze für seine Feinde bath, sprach er: „Vater, vergieb ihnen, denn sie wissen nicht was sie thun.“ Ihre Unklugheit hält er für ihre beste Entschuldigung. Also schrieb Paulus an den Timotheus: „Gott erwieß sich mir barmherzig, weil ich es im Unglauben unwissend that.“ Was heißt das „unwissend“ anders, als er habe es aus Narrheit und nicht aus Bosheit gethan? Und sieht man hier nicht zugleich, nur unter dem Schutze der Narrheit sey ihm Barmherzigkeit wiederfahren? Auch dient hieher die Stelle (ich führe sie aus Vergeßlichkeit etwas spät an) des mystischen Psalmdichters: „Gedenke nicht der Uebertretungen meiner Jugend und meiner Unwissenheiten.“ Haben Sie es bemerkt, meine Herren, daß er seine Jugend vorschützt, die mich zur steten Gefehrtinn hat, und seine Unwissenheiten, wo die gebrauchte mehrere Zahl die Grösse seiner Thorheit andeutet.
Damit ich mich nicht ins Unendliche vertiefe, will ich nur überhaupt dieses sagen: Es scheint wirklich, die christliche Religion stehe mit der Narrheit in einer Art von Verwandtschaft und vertrage sich mit der Weisheit ganz und gar nicht. Wie! man verlangt Beweise hierüber? Hier sind sie: Erstlich; Kinder, Greisen, Weiber, Blödsinnige, haben vorzüglich ein Vergnügen an Kirchlichen Gebräuchen und Ceremonien; sie drängen sich stets am nächsten zu den Altären; und zwar blos durch einen Naturtrieb. Anbey waren die ersten Stifter der Religion wunderbare Freunde der Einfalt und geschworne Feinde der Gelehrtheit. Endlich giebt es keine tümmere Stocknarren, als die, in denen die Flamme der christlichen Frömmigkeit lichterloh brennet; sie werfen ihr Geld reichlich aus, achten keine Beschimpfung, lassen sich betrügen, machen keinen Unterschied zwischen Freunden und Feinden, verabscheuen die Wollust, mästen sich mit Fasten, Wachen, Weinen, Arbeiten, Grümmungen; sind des Lebens überdrüssig, wünschen sich nichts als den Tod; kurz, es scheint, selbst der gemeine Menschenverstand könne keinen Eindruck mehr in sie machen; es ist, als ob sich ihr Geist um eine andere Herberge umgesehen, und seinen Leib verlassen habe. Und was ist dieses anders als Wahnsinn? Nein, es ist sich eben nicht groß darüber zu verwundern, daß es schien, die Apostel seyen voll süssen Weins; und daß es den Richter Festus deuchte, Paulus rase.
Da es mir einmal geglückt ist, mich, gleich jenem Esel, in der Löwenhaut sehen zu lassen, so will ich es wagen, auch dieses zu behaupten; die Glückseligkeit der Christen, um die sie sich so mühsam bearbeiten, ist anders nichts, als eine Art von Wahnsinn und Narrheit. Nein, meine Herren, bey den Worten müssen sie sich nicht aufhalten, sondern die Sache selbst erwägen.
Die Christen, die in vielen Stücken mit den Platonikern übereinstimmen, behaupten, die Seele sey mit Banden des Körpers gefesselt, und werde durch die Schwere desselben gehindert, sich zur Betrachtung und zum Genusse des Wahren hinaufzuschwingen. Daher beschreibt Plato die Philosophie als eine Betrachtung des Todes, weil sie die Seele von sichtbaren und körperlichen Dingen entfernt; etwas, das sie mit dem Tode gemein hat. So lange die Seele sich der Werkzeuge des Leibes richtig bedient, ist sie gesund zu nennen; wenn sie aber, die Bande zerreissend, sich nach Freyheit bestrebt, und auf Flucht aus dem Kerker denkt, nennt man es Wahnsinn. Und doch sehen wir zuweilen, daß diese Art von Menschen künftige Dinge vorhersagt, Sprachen und Wissenschaften besitzt, die sie vorhin nicht erlernet hatte, und durchgehends etwas Göttliches äussert. Ohne Zweifel kömmt dieses daher, daß die von der Knechtschaft des Leibes etwas freyere Seele anfängt, sich ihrer angebohrnen Stärke zu bedienen. Und eben dieses halte ich auch für die Ursache, daß Sterbende zuweilen wie Begeisterte reden.
Wenn eine übertriebene Frömmigkeit hieran schuld hat, so ists vielleicht eine andere Art von Wahnsinne, doch jenem so nahe verwandt, daß die wenigsten Menschen den Unterschied einsehen; insonderheit da die Zahl derer sehr klein ist, die sich in allen Theilen ihres Lebens von den übrigen Menschen unterscheiden. Plato soll uns helfen, sie zu beschreiben: Menschen befinden sich in einer Höle eingeschlossen, da sie nichts als den Schatten der Dinge sehen; einer von ihnen hat sich daraus durch die Flucht gerettet; er kömmt wieder zu ihnen und spricht, er habe wirkliche Dinge gesehen; sie befinden sich in einem gewaltigen Irrthume, da sie glauben, es gebe nichts ausser den elenden Schatten; dieser Weise hat Mitleiden mit dem Wahnsinne der sich so sehr Irrenden; sie aber lachen über ihn, als über einen Blödsinnigen, und stossen ihn von sich.
Also bewundert der Pöbel die körperlichen Dinge am meisten, und glaubt, daß es keine andern gebe. Fromme hingegen verachten das, welches dem Körper am nächsten kömmt, am meisten, und werden ganz zur Betrachtung unsichtbarer Dinge hingerissen. Jene ziehen die Reichthümer allem vor; dann denken sie auf die Gemächlichkeit des Leibes; und die Seele muß sich mit der letzten Sorge behelfen; ja die meisten glauben nicht einmal eine Seele: denn sie läßt sich ja nicht sehen! Diese hingegen steuern sich zuerst ganz auf Gott selbst, das einfältigste unter allen Wesen; nach diesem sehen sie auf das, was demselben am nächsten kömmt, auf ihre Seele; auf den Leib wenden sie keine Sorge; und das Geld verachten und fliehen sie, als ob es Koth wäre. Wenn sie sich je mit etwas dergleichen abgeben müssen, so thun sie es als eine schwere Arbeit mit Widerwillen; sie habens, als hätten sies nicht; besitzens, als besässen sies nicht. Durchgehends sind sie auch noch auf vielerley Weise von einander verschieden.
Ja, alle Sinnen sind dem Leibe anverwandt; doch sind einige derselben gröber, als das Gefühl, das Gehör, das Gesicht, der Geruch, der Geschmack; andere sind von dem Körper entfernter, als das Gedächtniß, der Verstand, der Wille. Da, wo die Seele sich am meisten an etwas tastet, ist sie am stärksten. Weil die Frommen alle ihre Seelenkräfte dem widmen, das sich von den gröbern Sinnen am weitesten entfernt, so sind sie hier wie tumm und betäubt. Mit dem Pöbel verhält sich die Sache gerade verkehrt. Haben wir nicht von einigen Gottesgelehrten gehört, daß sie in ihrer Zerstreuung Oel anstatt Wein getrunken haben?
Unter den Leidenschaften der Seele haben einige mit dem groben Körper mehrere Gemeinschaft; zum Exempel die Lüsternheit der Wollust, die Begierde zum Essen und Schlafen, der Zorn, der Stolz, der Neid; mit diesen sind die Frommen in steten Kriege verflochten; die Irdischgesinnten hingegen meynen, daß sichs ohne dieselbe nicht leben lasse.
Es giebt Leidenschaften von einer mittlern Natur; sie sind gleichsam etwas natürliches; zum Exempel Liebe gegen das Vaterland, gegen die Kinder, die Aeltern, die Freunde. Der gemeine Mann räumt denselben etwas ein; jene aber trachten auch diese Leidenschaften aus der Seele zu verbannen; wenigstens sich ihrer nur dann zu bedienen, wenn sie sich in den höchsten Grad der geistigen Tugend verfeinert haben; so daß sie jetzt zwar den Vater lieben, aber nicht als Vater, denn dieser hat ja nichts als den Leib gezeigt (ja ihn hat man eigentlich Gott zu verdanken) sondern als einen rechtschaffenen Mann, aus welchem das Bild jenes obersten Geistes hervorleuchtet, der allein das Höchste Gut zu nennen ist, und ausser welchem nichts liebens- und wünschenswürdig seyn kann.
Eben dieser Richtschnur bedienen sie sich auch bey allen übrigen Lebenspflichten; so daß sie allerorten das Sichtbare, wo nicht ganz verachten, doch weit geringer als das Unsichtbare schätzen. Sie sagen, daß sich auch in den Sacramenten und in den übrigen gottesdienstlichen Handlungen Körper und Geist finden lassen. Beym Fasten zum Exempel halten sie nicht vieles darauf, wenn man sich nur von dem Fleischessen und der Nachtmahlzeit enthält, (etwas, das der gemeine Mann für ein vollkommenes Fasten hält) wenn man nicht zugleich auch den Neigungen etwas entzieht; wenn man nicht dem Zorne oder dem Stolze, weniger als sonst erlaubt; wenn nicht die sich jetzt durch das Körperliche weniger beschwerte Seele Mühe anwendet, zum Geschmack und Genusse himmlischer Güter zu gelangen. Beym heiligen Abendmahle (sprechen sie) ist das ceremonialische nicht zu verachten, doch ist es an sich selbst wenig nützlich, etwann schädlich, wenn nicht das geistliche hinzukömmt, nämlich, was durch die sichtbaren Zeichen vorgebildet wird; und vorgebildet wird der Tod Christi, dem die Menschen durch Bezwingung, Tödtung und gleichsam Begrabung der Neigungen des Leibes nachahmen müssen, um zu einem erneuerten Leben zu auferstehen, und sich mit ihm und untereinander zu vereinigen.
Also beträgt sich und also denkt jener Fromme. Hingegen glaubt der Gemeine Mann, daß die Religion anders nichts fordere, als sich bey den Altären einzufinden, sich zu denselben zu drängen, den Schall der Stimmen zu hören, und andere dergleichen kleine Ceremonien zu sehen. Und nicht nur in denen Dingen, die ich Beyspielsweise angeführt habe, sondern durchsgehends in allem Thun und Lassen, flieht der Fromme von dem Körperlichen zum Ewigen, unsichtbaren und geistlichen.
Weil sich zwischen diesen Leuten durchgehends ein so grosser Unterschied befindet, so kömmt jeder dem andern als wahnsinnig vor. Doch läßt sich (wenigstens nach meiner Meynung) dieses Wort richtiger den Frommen beylegen, als den andern. Und dieses wird sich deutlicher einsehen lassen, wenn ich meinem Versprechen nach, kürzlich werde dargethan haben, jene unendliche Belohnung sey anders nichts, als eine Art von Wahnsinne.
Sie, meine Herren, müssen wissen, daß es dem Plato schon damals etwas dergleichen geträumet habe, da er schrieb, die Wuth der Liebenden sey unter allen andern die glücklichste. Wer durch und durch verliebt ist, lebt nicht mehr in sich, sondern in dem Geliebten; und je mehr er sich von sich selbst entfernt und sich dorthin wendet, desto mehr wächst seine Freude. Wenn die Seele darauf umgeht, aus ihrem Leibe zu ziehen, und sich ihrer körperlichen Werkzeuge nicht richtig bedient, so legte man diesem ohne Zweifel mit Grunde den Namen der Wuth bey. Was würden sonst die gewöhnlichen Redensarten sagen wollen, „er ist nicht bey sich; kehre in dich selbst zurück; er ist wieder zu sich gekommen?“ Ferner, je unumschränkter die Liebe ist, desto grösser und glücklicher ist die Wuth. Wie wird es demnach mit jenem Leben der Himmelsbewohner beschaffen seyn, nach welchem fromme Seelen so inbrünstig seufzen? Mit siegreicher Stärke ausgerüstet, wird der Geist den Körper verschlingen; und schwer wird ihm solches nicht fallen: er ist bereits schon wie in seinem Reiche; und schon in vorigen Leben hat er den Körper zu einer solchen Verwandlung gereinigt und verfeinert.
Hernach wird die Seele von jenem höchsten unendlichstärkern Geiste auf eine wunderbare Weise verschlungen werden. Der ganze Mensch wird dann ausser sich selbst seyn, nur dadurch beglückt, daß er ausser sich selbst gesetzt ist, und sich durch jenes höchste alles an sich ziehende Gut unaussprechlich beseligt befindet. Diese Seligkeit gelangt mithin erst dann zur Vollkommenheit, wenn die Seelen mit ihren vorigen Leibern wieder werden bekleidet, und beide unsterblich seyn; doch, weil das Leben der Frommen anders nichts ist, als eine Betrachtung jenes Lebens, und gleichsam ein Schattenriß desselben, so geschieht es, daß sie sich hier schon zuweilen bey einem entzückenden Vorschmacke desselben erquicken können. Freylich ist dieses nur ein überaus kleines Tröpflein, in Vergleichung mit jener Quelle der ewigen Glückseligkeit; doch übertrift es weit alle Wollüste des Körpers, gesetzt, daß man auch alle Vergnügungen aller und jeder Sterblichen in sich vereinigen könnte. So weit besser ist das Geistige als das Körperliche, das Unsichtbare als das Sichtbare. Dieses ists, was ein prophetischer Apostel hierüber zu sagen gehabt hat: „kein Auge hats gesehen, kein Ohr gehört, in keines Menschen Herz ists gekommen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“ Und dieses war Maria Theil, der bey der Veränderung nicht wegfällt, sondern zur Vollkommenheit gelangt.
Wer mit einem solchen Gefühle begnadigt worden (nur wenige haben sich dessen zu rühmen) der fühlt in sich etwas, das dem Wahnsinne sehr ähnlich ist; er redet Dinge, die nicht zusammenhängen; er redet nicht wie die übrigen Menschen; Töne sind es, bey denen sich kein Verstand äussert; in seinem Gesichte zeigen sich etwann die seltsamsten Geberden; bald fröhlich, bald niedergeschlagen; weinend, lachend, seufzend; kurz, er ist nicht bey sich selbst; und wenn er wieder nach Hause kömmt, so will er nichts davon wissen, wo er gewesen sey; im Körper oder ausser demselben; ob er gewacht oder geschlafen habe; was er gehört, gesehen, gesagt, gethan, sind alles Dinge, deren er sich nicht erinnern kann, als nur durch einen Nebel, einen Traum; nur dieses weiß er, er sey am glücklichsten gewesen, alldieweil ein solcher Wahnsinn ihn beseligt habe. Seine Genesung beweint er; sein eifrigster Wunsch ist, daß ein solcher Wahnsinn ihm ewig möchte zu Theil werden. Und dieses ist ein sehr kleiner Vorschmack der künftigen Glückseligkeit.
Doch schon lange hab ich meiner vergessen, und bin aus meinen Schranken gewichen. Wem es scheinen möchte, ich sey in meinen Reden zu frey und zu schwatzhaft gewesen, der erinnere sich, daß die Narrheit und ein Weib bisher geplaudert hat. Dennoch bitte ich Sie, meine Herren recht schön, zu bedenken, daß man schon bey den alten Griechen gesagt habe, ein Narr rede oft sehr schicklich. Und den unhöflichen Einwurf will ich von Ihnen nicht erwarten, die Griechen haben dieses Lob nur einem Narren, nicht aber einer Närrinn, beygelegt.
Ohne Zweifel erwarten Sie, meine Herren, zum Beschluß eine feyerliche Zueignung; in ihren Minen sehe ich es; aber, seyen Sie nicht Erznarren, daß Sie sich bereden, ich werde mich alles des von mir herausgeschwatzten Wörterplunders noch erinnern können? Die Alten sagten: weg vom Trinkgelage mit dem der nichts vergessen kann! Ich sage: weg aus meinem Hörsaale mit dem, der ein gutes Gedächtniß hat! Nun, meine Herren, weltberühmte Anhänger der Narrheit, leben Sie wohl, und wenn Sie mir Ihren Beyfall zugeklatscht haben, so vergessen Sie nicht, auf meine Gesundheit zu trinken.
Druck von Mänicke und Jahn in Rudolstadt.
Anmerkungen zur Transkription:
Der vorliegende Text wurde anhand der 1918 erschienenen Neuauflage der Ausgabe von 1781 möglichst originalgetreu wiedergegeben. Alte oder regionale Schreibweisen („eckelhaft“, „Hinderlassung“ „willt du“ usw.) wurden beibehalten, ebenso Inkonsistenzen in Groß- und Kleinschreibung sowie bei bestimmten Wörtern wie z.B. „Ulysses“/„Ulisses“.
Die folgenden Stellen wurden korrigiert:
# S. Vorwort: „Dulce est decipere in loco“ → „Dulce est desipere in loco“
# S. 2: „Göttern“ → „Götter“
# S. 5: „Stregreife“ → „Stegreife“
# S. 7: „Pupurröckchen“ → „Purpurröckchen“
# S. 11: „jenern “ → „jenen“
# S. 12: „Angen“ → „Augen“
# S. 27: „Possenweisser“ → „Possenreisser“
# S. 28: doppeltes „und“; eines entfernt
# S. 53: „zween Steine“ → „zween Steinen“
# S. 74: „schmeicheit “ → „schmeichelt“
# S. 90: „jeder“ → „jede“
# S. 94: „den Aeneas“ → „dem Aeneas“
# S. 101: „Babara“ → „Barbara“
# S. 122: „Titil“ → „Titel“
# S. 129: „Argonoute“ → „Argonaute“
# S. 197: „voll süsses Weins“ → „voll süssen Weins“
# S. 207: „einen“ → „einem“
Der Originaltext wurde in Frakturschrift gesetzt; einige Stellen wurden durch Antiquaschrift hervorgehoben. Diese Stellen werden in der vorliegenden Version durch kursiven Schriftschnitt repräsentiert. Gesperrte Passagen werden hier in Fettdruck wiedergegeben.