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Das Marien-Leben

Chapter 17: 2
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About This Book

A sequence of lyrical meditations traces the life and sacred surroundings of a central female figure from birth and temple presentation through annunciation, visitation, childbirth, flight, public episodes such as Cana, the passion and mourning, to contemplations of death. Each poem reframes biblical episodes as intimate, sensual, and architectural images, shifting between external scene and inner perception, blending earthly detail with mystical insight. The voice attends to small gestures, bodily presence, and the reverent astonishment of others, exploring faith, vulnerability, and the tension between ordinary life and transcendent claim.

The Project Gutenberg eBook of Das Marien-Leben

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Title: Das Marien-Leben

Author: Rainer Maria Rilke

Release date: July 1, 2012 [eBook #40117]
Most recently updated: October 23, 2024

Language: German

Credits: Produced by Norbert H. Langkau and the Online Distributed
Proofreading Team at http://www.pgdp.net

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS MARIEN-LEBEN ***

Rainer Maria Rilke


Das
Marien-Leben

ζάλην ἔνδοθεν ἔχων

Im Insel-Verlag zu Leipzig

41. bis 50. Tausend
Druck der Offizin W. Drugulin, Leipzig

Duino, Januar 1912


Heinrich Vogeler
dankbar
für alten und neuen Anlaß
zu diesen Versen


Inhalt

 Seite
Geburt Mariä 7
Die Darstellung Mariä im Tempel 8
Mariä Verkündigung 10
Mariä Heimsuchung 11
Argwohn Josephs 12
Verkündigung über den Hirten 13
Geburt Christi 15
Rast auf der Flucht in ägypten 16
Von der Hochzeit zu Kana 17
Vor der Passion 19
Pietà 20
Stillung Mariä mit dem Auferstandenen   21
Vom Tode Mariä (Drei Stücke) 22

Geburt Mariä

Die Darstellung Mariä im Tempel

Um zu begreifen, wie sie damals war,
mußt du dich erst an eine Stelle rufen,
wo Säulen in dir wirken; wo du Stufen
nachfühlen kannst; wo Bogen voll Gefahr
den Abgrund eines Raumes überbrücken,
der in dir blieb, weil er aus solchen Stücken
getürmt war, daß du sie nicht mehr aus dir
ausheben kannst: du rissest dich denn ein.
Bist du so weit, ist alles in dir Stein,
Wand, Aufgang, Durchblick, Wölbung —, so probier,
den großen Vorhang, den du vor dir hast,
ein wenig wegzuzerrn mit beiden Händen:
Da glänzt es von ganz hohen Gegenständen
und übertrifft dir Atem und Getast.
Hinauf, hinab, Palast steht auf Palast,
Geländer strömen breiter aus Geländern
und tauchen oben auf an solchen Rändern,
daß dich, wie du sie siehst, der Schwindel faßt.
Dabei macht ein Gewölk aus Räucherständern
die Nähe trüb; aber das Fernste zielt
in dich hinein mit seinen graden Strahlen —,
und wenn jetzt Schein aus klaren Flammenschalen
auf langsam nahenden Gewändern spielt:
wie hältst du's aus?
Sie aber kam und hob
den Blick, um dieses alles anzuschauen.
(Ein Kind, ein kleines Mädchen zwischen Frauen.)
Dann stieg sie ruhig, voller Selbstvertrauen,
dem Aufwand zu, der sich verwöhnt verschob:
So sehr war alles, was die Menschen bauen,
schon überwogen von dem Lob
in ihrem Herzen. Von der Lust
sich hinzugeben an die innern Zeichen:
Die Eltern meinten, sie hinaufzureichen,
der Drohende mit der Juwelenbrust
empfing sie scheinbar: Doch sie ging durch alle,
klein wie sie war, aus jeder Hand hinaus
und in ihr Los, das, höher als die Halle,
schon fertig war, und schwerer als das Haus.
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Inhaltsverzeichnis

Mariä Verkündigung

Mariä Heimsuchung

Argwohn Josephs

Verkündigung über den Hirten

Doch dieses war. Nun soll ein Neues sein,
von dem der Erdkreis ringender sich weitet.
Was ist ein Dörnicht uns: Gott fühlt sich ein
in einer Jungfrau Schoß. Ich bin der Schein
von ihrer Innigkeit, der euch geleitet.
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Inhaltsverzeichnis

Geburt Christi

Rast auf der Flucht in ägypten

Von der Hochzeit zu Kana

Vor der Passion

Pietà

Stillung Mariä mit dem Auferstandenen

Vom Tode Mariä

(Drei Stücke)

1

2

Wer hat bedacht, daß bis zu ihrem Kommen
der viele Himmel unvollständig war?
Der Auferstandne hatte Platz genommen,
doch neben ihm, durch vierundzwanzig Jahr,
war leer der Sitz. Und sie begannen schon
sich an die reine Lücke zu gewöhnen,
die wie verheilt war, denn mit seinem schönen
Hinüberscheinen füllte sie der Sohn.
So ging auch sie, die in die Himmel trat,
nicht auf ihn zu, so sehr es sie verlangte;
dort war kein Platz, nur Er war dort und prangte
mit einer Strahlung, die ihr wehe tat.
Doch da sie jetzt, die rührende Gestalt,
sich zu den neuen Seligen gesellte
und unauffällig, licht zu licht, sich stellte,
da brach aus ihrem Sein ein Hinterhalt
von solchem Glanz, daß der von ihr erhellte
Engel geblendet aufschrie: Wer ist die?
Ein Staunen war. Dann sahn sie alle, wie
Gott-Vater oben unsern Herrn verhielt,
so daß, von milder Dämmerung umspielt,
die leere Stelle wie ein wenig Leid
sich zeigte, eine Spur von Einsamkeit,
wie etwas, was er noch ertrug, ein Rest
irdischer Zeit, ein trockenes Gebrest —.
Man sah nach ihr: sie schaute ängstlich hin,
weit vorgeneigt, als fühlte sie: ich bin
sein längster Schmerz —: und stürzte plötzlich vor.
Die Engel aber nahmen sie zu sich
und stützten sie und sangen seliglich
und trugen sie das letzte Stück empor.

3

Doch vor dem Apostel Thomas, der
kam da es zu spät war, trat der schnelle
längst darauf gefaßte Engel her
und befahl an der Begräbnisstelle:
Dräng den Stein beiseite. Willst du wissen,
wo die ist, die dir das Herz bewegt:
Sieh: sie ward wie ein Lavendelkissen
eine Weile da hineingelegt,
daß die Erde künftig nach ihr rieche
in den Falten wie ein feines Tuch.
Alles Tote (fühlst du), alles Sieche
ist betäubt von ihrem Wohlgeruch.
Schau den Leinwand: wo ist eine Bleiche,
wo er blendend wird und geht nicht ein?
Dieses Licht aus dieser reinen Leiche
war ihm klärender als Sonnenschein.
Staunst du nicht, wie sanft sie ihm entging?
Fast als wär sie's noch, nichts ist verschoben.
Doch die Himmel sind erschüttert oben:
Mann, knie hin und sieh mir nach und sing.
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Inhaltsverzeichnis

Anmerkung zur Transkription:

Das Inhaltsverzeichnis befindet sich im Original am Ende des Buches und wurde an den Anfang verschoben.