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Das Protistenreich

Chapter 3: Bathybius und die Moneren.
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About This Book

Eine allgemeinverständliche Übersicht über die niedersten Lebensformen, die als Protisten zusammengefasst werden, beschreibt ihre einfache Zellorganisation, vielfältigen Gestalten und Lebensweisen sowie die methodischen Anforderungen ihrer Erforschung mit dem Mikroskop. Der Text behandelt Vorkommen in Süß- und Meerwasser, Böden und Sedimenten, ihre Bedeutung für Entwicklungslehre und Biologie durch Einblicke in Aufbau, Funktion und Fortpflanzung, und führt in systematische Klassifikationen ein. Ebenso wird erläutert, wie kalkige und kieselhaltige Gehäuse toter Protisten zu weitreichenden Sedimentbildungen beitragen. Ein wissenschaftlicher Anhang präsentiert ein systematisches Schema der Gruppe.

Bathybius und die Moneren.

»Der vielbesprochene Bathybius existirt nicht; seine Annahme beruhte auf Täuschungen. So werden auch die übrigen Moneren nicht existiren; auch diese angeblichen Urorganismen werden das Erzeugniss irrthümlicher Beobachtungen sein. Mithin ist einer der wichtigsten Grundpfeiler der modernen Entwickelungslehre gefallen; und so werden auch ihre übrigen Stützpfeiler auf Täuschungen und Irrthum gegründet sein. Der ganze Darwinismus ist ein grosses Luftschloss, die Selectionstheorie eine Seifenblase, und die Abstammungslehre ist überhaupt nicht wahr.«

So ungefähr ist der Gedankengang zahlreicher Artikel, denen wir seit einem Jahre in den verschiedensten Zeitschriften begegnen. Einzig und allein auf die angebliche Nichtexistenz des Bathybius gestützt, behauptet man kurzweg, dass es überhaupt keine Moneren gebe, und dass damit die ganze Entwickelungslehre den schwersten Stoss erhalten habe. Am liebsten wird diese Behauptung natürlich von den Gegnern der Entwickelungslehre vorgetragen und in den mannigfaltigsten Tonarten variirt. Der Clerus triumphirt bereits über den völligen Untergang der Descendenztheorie. Aber selbst bei vielen Anhängern der Entwickelungstheorie gilt die Nichtexistenz des Bathybius als ausgemacht und es wird daraus eine Reihe von Schlussfolgerungen gezogen, die als mehr oder minder gewichtige Einwürfe gegen hervorragende Hauptpunkte des Darwinismus Bedenken erregen. Diese Umstände, sowie die Unklarheit, in welcher sich der grösste Theil des dafür interessirten Publicums über den eigentlichen Thatbestand befindet, bestimmt uns, hier die Moneren-Frage mit besonderer Rücksicht auf den Bathybius zu erörtern. Ich selbst erscheine zu dieser Erörterung insofern besonders berechtigt, ja sogar verpflichtet, als ich das zweifelhafte Glück geniesse, bei dem »berüchtigten Urschleim der Meerestiefen« Gevatter gestanden zu haben. Als mein Freund Thomas Huxley 1868 ihm bei der Taufe den Namen Bathybius Haeckelii beilegte, konnte er freilich nicht ahnen, dass der arme Täufling, einem Icarus gleich, in kürzester Zeit zu einer biologischen Celebrität werden, die Sonnenhöhe irdischer Berühmtheit erlangen und noch vor Ablauf seines ersten Decenniums in den dunkeln Hades der Mythologie hinabstürzen werde! Sehen wir denn zu, ob er wirklich todt ist, ob er überhaupt nicht existirt hat. Und wenn wir wirklich seine bloss mythologische Schein-Existenz zugeben müssten, sehen wir weiter zu, was daraus für die Moneren folgt!