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Das Totenschiff cover

Das Totenschiff

Chapter 43: 37
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About This Book

The narrative explores the life aboard a cargo ship transporting cotton from New Orleans to Antwerp. It vividly describes the ship's quality and the crew's living conditions, highlighting the contrast between the vibrant atmosphere of New Orleans and the starkness of northern cities. The text emphasizes the humane treatment of the crew, with clean accommodations and ample food, suggesting that a happy crew is more productive. The narrator reflects on the changing nature of seafaring, noting that modern ships have become more like machines, reducing the need for traditional sailors.

37

as dänische Heuerbuch war nicht viel wert. In Dänemark lagen so viele Schiffe auf, daß man kaum auf Musterung rechnen konnte. Und Stanislaw wollte endlich wieder einmal ein richtiges Seemannsbuch haben.

Er ging zum Seemannsamt, wo er dachte, das Buch zu bekommen.

„Müssen Sie erst eine Bescheinigung von der Polizei beibringen.“ – „Ich habe hier mein altes Seemannsbuch.“

„Das ist ein dänisches. Wir sind hier nicht in Dänemark.“

Das dänische Seemannsbuch trug einen andern Namen, nicht den richtigen Namen Stanislaws.

Er ging zur Polizei, sagte seinen richtigen Namen und wollte eine Bescheinigung haben, damit er ein Seemannsbuch bekommen könne.

„Hier gemeldet?“ wurde er gefragt.

„Nein. Bin gestern erst angekommen. Mit einem Dänen“, sagte Stanislaw.

„Dann lassen Sie sich erst Ihren Geburtsschein schicken, sonst können wir Ihnen keine Bescheinigung geben“, sagte die Polizei.

Stanislaw schrieb nach Posen, um seinen Geburtsschein zu bekommen. Er wartete eine Woche. Der Geburtsschein kam nicht. Er wartete zwei Wochen. Der Geburtsschein kam nicht.

Nun schrieb Stanislaw einen Einschreibebrief und packte fünfzig Billionen Mark bei für Unkosten.

Stanislaw wartete drei Wochen. Der Geburtsschein kam nicht. Er wartete vier Wochen. Der Geburtsschein kam nicht. Was kümmert man sich in Polen um den Geburtsschein eines Mannes, der in Deutschland wohnt. Man hat andre Sorgen. Da ist erst mal Oberschlesien. Und da ist erst mal Danzig. Und wer weiß, wo die Geburt registriert ist. In diesem Kram können wir uns nicht zurecht finden. Das ist alles nichts für uns. Das Geld, das Stanislaw mitgebracht hatte, ein hübsches Päckchen dänischer Kronen, war längst über alle Berge. Berge? Nein, war längst über ganz St. Pauli. In St. Pauli kennt man dänische Kronen und weiß sie zu schätzen, sind beinahe ebenso gut wie Dollar. „Was willst du machen, wenn da die Mädels sind? Kannst doch nicht gut abwinken. Sieht ja aus, als ob du nicht mehr –. Ja, da waren halt die Kronen im –.“

„Verhungern und Kohldampf schieben tun nur die Dussel und Idioten“, sagte Stanislaw. „Ein ehrliches Handwerk ernährt immer seinen Mann.“

Da fiel schon mal eine Kiste auf dem Güterbahnhof aus einem Güterwagen, wo die Tür zu leicht aufging. „Mußt bloß da sein, wenn sie fällt, und mußt sie nicht liegen lassen. Das ist der ganze Witz an der Geschichte“, sagte Stanislaw.

Dann gingen auch schon mal ein paar Zuckersäcke im Hafen auf. „Wenn du da mit einem leeren Rucksack gehst“, sagte Stanislaw, „und es geht ganz von allein so ein Zucker- oder Kaffeesack auf, und der ganze Brassel rutscht dir in den Rucksack, da machst du doch nicht den Rucksack los, schüttest den Kaffee wieder aus und gehst deiner Wege. Das wäre ja Gottversuchen. Wenn du den Kaffee wieder ausschüttest und es sieht einer, denkt er gar noch, du hättest ihn gestohlen, und er läßt dich hochgehen.“

Es gab auch Salvarsan und Koks. „Für die arme leidende Menschheit muß man ein Herz haben, da kannst du nicht drum rum. Weißt nicht, wie es dir tun kann, wenn du Salvarsan nötig hast und kannst es nicht kriegen. Mußt nicht nur immer an dich denken, mußt auch mal an andre denken, wenn es dir gut gehen soll.“

„Siehst du, Pippip,“ ergänzte Stanislaw seine Erzählung, „jedes Ding hat seine Zeit. Da kommt dann eine Zeit, wo du dir sagen mußt, nun trachte aber nach etwas anderm. Das ist der Fehler, daß die meisten nicht zur rechten Zeit sagen können: Nun aber runter von der Ella, sonst kommst du nicht mehr raus und die Olsche schnappt dich. Und da sagte ich mir, jetzt mußt du einen Kasten kriegen, und wenn du ihn stehlen sollst, sonst sitzt du fest.“

Als Stanislaw zu dieser Überzeugung gekommen war, ging er wieder zur Polizei und sagte, daß sein Geburtsschein nicht gekommen sei.

„Die verfluchten Pollacken,“ sagte der Inspektor, „das machen sie aus Niedertracht. Wir werden ihnen schon noch die Hölle heiß machen, lassen Sie nur erst mal die Franzosen in Afrika und die Engländer in Indien und China die Hände voll Dreck haben, dann werden wir schon was pfeifen.“

Stanislaw, den die politische Meinung des Inspektors nicht interessierte, der aber aus Höflichkeit zugehört, genickt und mit der Faust auf den Tisch geschlagen hatte, sagte nun: „Wo krieg ich denn nun mein Seemannsbuch her, Herr Inspektor?“

„Haben Sie denn nicht schon mal in Hamburg gewohnt?“

„Natürlich. Vor dem Kriege.“

„Lange?“

„Über ein halbes Jahr.“

„Gemeldet gewesen?“

„’türlich.“

„Welchen Bezirk?“

„Hier in diesem Bezirk. Auf diesem Revier.“

„Dann gehen Sie nur einmal rasch zur Hauptmeldestelle und lassen Sie sich einen Meldeauszug geben. Dann kommen Sie damit her und bringen Sie zwei oder drei Photographien mit, die ich Ihnen stempeln kann.“

Stanislaw bekam den Meldeauszug und eilte zurück zu dem Inspektor. Der Inspektor sagte: „Der Auszug ist richtig, wenn ich nur genau wüßte, daß Sie auch der sind, der hier im Auszug genannt ist?“

„Das kann ich beweisen. Ich kann ja den Segelmacher Andresen, bei dem ich gearbeitet habe, herbringen. Aber da steht ja ein Wachtmeister, der mich vielleicht noch kennt.“

„Ich? Sie kennen?“ fragte der Wachtmeister.

„Ja. Ihnen habe ich neun Mark Ordnungsstrafe zu verdanken, die Sie mir eingebracht haben, wegen einer Prügelei. Damals hatten Sie noch eine Fliege an der Unterlippe, die Sie jetzt abrasiert haben“, sagte Stanislaw.

„Ja–a–a–! Jetzt kann ich mich auf Sie besinnen. Richtig, Sie arbeiteten bei dem Andresen. Wir hatten ja noch die Geschichte mit Ihnen. Posen suchte Sie, weil Sie als Junge zu Hause durchgebrannt waren. Wir ließen Sie dann hier, weil Sie ja hier anständig in Arbeit waren.“

„Dann stimmt das alles“, sagte nun der Inspektor. „Jetzt kann ich Ihnen die Bescheinigung geben und die Photographien stempeln.“

Am nächsten Tage ging Stanislaw mit der Bescheinigung zum Amt.

„Die Bescheinigung stimmt. Der Inspektor bestätigt, daß er Sie persönlich kennt. Aber. Aber die Reichsangehörigkeit bezweifeln wir noch. Da steht Deutsche Reichsangehörigkeit. Das müssen Sie uns beweisen.“

Das sagte man ihm auf dem Amt.

„Ich habe doch in der K. M. gedient und bin am Skagerrak verwundet worden.“

Der Beamte zog die Augenbrauen hoch und machte eine Gebärde, als ob von dem, was er jetzt sagen wolle, der Weiterbestand der Erde abhängig sei. „Als Sie in der Kaiserlichen Marine dienten und am Skagerrak verwundet wurden, wo wir es den scheinheiligen Hunden aber gründlich gegeben haben, da waren Sie deutscher Reichsangehöriger. Das wird nicht in Zweifel gestellt. Aber ob Sie heute noch deutscher Staatsangehöriger sind, das ist von Ihnen zu beweisen. Solange Sie uns das nicht beweisen können, sind wir nicht in der Lage, Ihnen ein Seefahrtsbuch auszustellen.“

„Wo muß ich denn da hingehen?“

„Da müssen Sie zum Polizeipräsidium gehen. Abteilung Staatsangehörigkeit.“