The Project Gutenberg eBook of Das Weserbergland und der Teutoburger Wald
Title: Das Weserbergland und der Teutoburger Wald
Author: Oswald Reissert
Contributor: Hans Stille
Release date: August 1, 2021 [eBook #65973]
Most recently updated: October 18, 2024
Language: German
Credits: Peter Becker and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)
Land und Leute
Monographien
zur Erdkunde
Land und Leute
Monographien
zur Erdkunde
In Verbindung mit Anderen
herausgegeben von A. Scobel
24
Weserbergland und
Teutoburger Wald
1909
Bielefeld und Leipzig
Verlag von Velhagen & Klasing
Das Weserbergland
und der
Teutoburger Wald
von O. Reißert
Mit einer geologischen
Übersicht von H. Stille
Mit 123 Abbildungen nach photographischen
Aufnahmen und einer farbigen Karte
1909
Bielefeld und Leipzig
Verlag von Velhagen & Klasing
Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.
Inhalt.
| Seite | ||
| I. | Einleitung | 3 |
| II. | Der geologische Bau des Weserberglandes und des Teutoburger Waldes. Von Dr. H. Stille | 5 |
| III. | Klima und Gewässer | 19 |
| IV. | Der Wald | 27 |
| V. | Bäuerliche Verhältnisse | 35 |
| VI. | Geschichtliches | 56 |
| VII. | Die Weser von Münden bis Herstelle. Dransfelder Höhenland und Reinhardswald | 63 |
| VIII. | Solling, Homburg und Vogler | 74 |
| IX. | Die Weser von Herstelle bis Hameln | 78 |
| X. | Die Hilsmulde | 84 |
| XI. | Osterwald, Deister und Bückeburg | 89 |
| XII. | Von Hameln nach Osnabrück. Süntel, Weserkette und Wiehengebirge | 94 |
| XIII. | Osning, Teutoburger Wald und Egge | 110 |
| XIV. | Zwischen Teutoburger Wald und Weser | 119 |
| Literatur | 125 | |
| Verzeichnis der Abbildungen | 126 | |
| Register | 128 | |
| Karte des Weserberglandes und des Teutoburger Waldes. | ||
Verlag der Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu Seite 116.)
I. Einleitung.
Dieses Buch soll meiner Heimat gehören. Auf einem Hügel, der das breite, wie ein ausgetrockneter See daliegende Wesertal überblickt, dort, wo die Ufer den Strom vor seinem Scheiden aus der bergigen Umgebung zum letzten Male mit allen ihren Reizen umkränzen, stand meiner Eltern Haus. Dort empfing der kleine Knabe, der einst die Unterhaltung der Erwachsenen über die Schönheit der Gegend belauschte, auf sein Eingeständnis: »Ich weiß wohl, was eine Gegend ist; aber was eine schöne Gegend ist, das verstehe ich nicht«, eine für sein Alter ausreichende Erklärung mit dem Hinweis auf die weite Fernsicht vom Altan des väterlichen Hauses. Später ging ihm das Verständnis für andere Reize seines Heimatgaues auf. Auf Spaziergängen durch den Buchenhochwald hob sich der Blick von dem Boden, wo süße Beeren lockten, zu den Domgewölben der hohen Wipfel empor, und die Obstbaumpflanzungen, in denen manches der benachbarten Dörfer sich schier versteckte, erfreuten nicht nur im Sommer und Herbst den Gaumen mit ihren süßen Gaben, sondern auch im Frühling das Auge mit der weißen Pracht ihrer Blüten. Ein anregender erdkundlicher Unterricht lehrte die Silhouette der bläulichen Weserkette, die sich in rhythmisch bewegter Wellenlinie in die Ferne schwingt, und die in dem Teutoburger Walde drüben ihr ebenbürtiges Gegenstück hat, als bewunderswerten Zug des heimischen Landschaftsbildes erfassen und die ehrwürdigen Reste einstiger Ritterburgen, Stadtbefestigungen und sonstiger baulichen Zeugen der Vergangenheit mit frommer Scheu betrachten, während an schulfreien Tagen sich jugendlicher Wander- und Wagemut von hohen Kuppen, schroffen Klippen und dunklen Höhlen angezogen fühlte. Die ersten Reisen aber trugen dem Jüngling die Erfahrung ein, daß weder jene farbenprächtigen Volkstrachten noch jene behaglichen Gehöfte, in denen sich der bäuerliche Wohlstand Westfalens und Lippes zeigte, und die er als etwas Selbstverständliches hingenommen hatte, in gleicher Weise in anderen Gegenden wiederkehrten, und diese Erkenntnis erfüllte ihn mit frohem Stolze.
Jene Zeiten, in denen sich so die Vorstellung der Heimat als eines eigenartigen Stückes Erde und die Liebe zu eben diesem Teile deutschen Bodens gleichzeitig mit dem Menschen selber, mit seinen körperlichen und geistigen Kräften, entwickelte, liegen lange hinter mir. Aber auch in den späteren Jahrzehnten hat mich zwischen manchen Reisen in andere Gebiete deutschen und außerdeutschen Landes doch die Wanderlust wieder und wieder nach der roten Erde und an die Gestade des freundlichen Stromes geführt; trotz aller großartigeren Eindrücke erhabenerer Natur habe ich mich dem Zauber jener idyllischen Mittelgebirgslandschaften nie zu entziehen vermocht, sei es daß junges Buchengrün die kindlichen Hügelformen zart umkleidete, sei es daß bei Julisonnenschein der Segen der Felder seine goldenen Wogen im leichten Winde fluten ließ, mochte der Bergwald in prächtigem, gelbbraunem Herbstschmuck dastehen, oder mochten die hochstämmigen Fichten von bärtigem Rauhfrost behängt sein. Freilich liegt in dieser Vorliebe eines einzelnen für eine Landschaft, zumal wenn sie die Stätte seiner Knabenspiele gewesen ist, noch kein Beweis dafür, daß sie auch des Interesses anderer wert sei. Der Gefahr aber, daß die Heimatliebe zum »Lokalpatriotismus« werde — ein häßliches Wort! — entgehen wir am besten, wenn wir uns bemühen die wirklichen Verhältnisse zu erkennen, wenn wir die Natur der einzelnen Bergzüge und Täler, ihr Alter und ihr Werden zu verstehen suchen, wenn wir das organische Leben in seiner Abhängigkeit von Bodengestalt, Bewässerung und Klima betrachten und wenn wir endlich das menschliche Leben der Vergangenheit und der Gegenwart in seiner Bedingtheit durch die Summe aller jener natürlichen Voraussetzungen studieren. Dieser Aufgabe ist das vorliegende Buch gewidmet, wenigstens in erster Linie. Mag es daneben auch dem Zwecke dienen, das Interesse der Reisenden auf jene Gegenden zu lenken. In diesem Sinne möchte ich mich dem Rinteler Gymnasiallehrer Ludwig Boclo anschließen, der im Jahre 1844 einen »Begleiter auf dem Weserdampfschiffe« herausgab und bereits damals klagte, daß die Schnelligkeit des Reisens »in der neuesten Zeit« leider der Götze geworden sei, welchem jede Gemütlichkeit, jeder Naturgenuß, jede ruhige Auffassung und Beschauung geopfert werde. »Eine große innige Freude,« schreibt er, »würde es dem Unterzeichneten (welcher die körperlich-psychische und gemütlich erweckende und wiederbelebende Kraft des Reisens seit 40 Jahren an sich und anderen erfahren hat) gewähren, wenn er bei recht vielen das Verlangen erregen und das vorhandene noch steigern sollte, eine der deutschesten Gegenden des gemeinsamen Vaterlandes auf eine so anmutige Weise« (d. h. zu Schiffe) »kennen zu lernen.« Diese Worte wurden in einer Zeit geschrieben, in welcher die landschaftlichen Schönheiten jenes westfälisch-niedersächsischen Grenzgebietes noch nicht lange zuvor entdeckt worden waren. Im Jahre 1835 hatte George Osterwald seine »Gallerie von Weseransichten« und F. C. Th. Piderit seine »Geschichtlichen Wanderungen durch das Wesertal« in Rinteln erscheinen lassen.
Am Anfang der Pideritschen Schrift stand als Gruß an den Leser anonym Franz Dingelstedts später so bekannt gewordenes Gedicht, das mit der Strophe beginnt:
Der ist mir wert und lieb vor allen,
Umwölbt von ernster Eichen Dom,
Umgrünt von kühlen Buchenhallen.
Der Alpen dunkler Geist beschworen,
Ihn hat der friedliche Verein
Verwandter Ströme still geboren.
Sieben Jahre später (Cassel 1842) gab Dingelstedt, wiederum ohne seinen Namen, das Buch »Das Wesertal von Münden bis Minden« heraus. In ihm macht er es sich zur Aufgabe, des »Sängers Fluch« zu lösen, d. h. jenes bekannte Wort Schillers in seinen deutschen Wasser-Xenien, daß von der Weser gar nichts zu sagen sei, zu widerlegen. Schon im Herbste 1839 hatte Ferdinand Freiligrath seine begeisterte Einleitung zu Levin Schückings, im Jahre 1841 zuerst veröffentlichtem Buche »Das malerische und romantische Westfalen« verfaßt, in der er unter anderem die Schönheit der Porta Westfalica dithyrambisch preist. Die Wirkung all dieser Bücher war ungeheuer, und als im Jahre 1844 die Weserdampfschiffahrt, 1846 die Cöln-Mindener Bahn eröffnet worden waren, konnten Westfalen und Weserbergland als Ziele für Vergnügungsreisen ernstlich in Frage kommen.
Wenn der Titel unseres Buches als Gegenstand dieser Arbeit das Weserbergland und den Teutoburger Wald nennt, so sind wir uns einer gewissen unvermeidbaren Willkür in der Fassung der Aufgabe bewußt. Wir verstehen unter Weserbergland die hügeligen Landschaften, welche von dem Zusammenfluß der Werra und Fulda an beiderseits die Weser nach Norden zu begleiten, und zwar im Osten bis an den Rand der von der Leine durchflossenen Göttinger Senke, im Westen bis an die Münstersche Bucht und im Norden bis an die Norddeutsche Tiefebene. Der Teutoburger Wald ist besonders genannt, weil er — wie allerdings auch das Wiehengebirge und seine namenlose westliche Fortsetzung — sich weit von der Weser entfernt und in das Gebiet der Ems hineinragt. Sind die Grenzen unseres Berglandes nach Westen und Norden durch den Beginn der Tiefebenen ohne weiteres gegeben, und kann man sich das Leinetal als Scheide gegen das ostfälische Harzvorland immerhin gefallen lassen, so hat die Grenze nach Süden insofern etwas Willkürliches, als man dem hessischen Berglande, dessen nördliche Fortsetzung die Weserberge bilden, vielfach den Solling, den Reinhardswald, das Eggegebirge nebst dem Nethegau zurechnet, anderseits aber zum mindesten der Kaufunger Wald, wenn nicht gar der Meißner, es verlangen könnte, den Paten zugesellt zu werden, welche die Wiege der Weser umstehen.
Das so umgrenzte Gebiet stellt ungefähr ein rechtwinkeliges Dreieck dar, dessen Scheitelpunkt südlich von Hannover bei Bennigsen am Deister zu suchen ist, während die anderen beiden Ecken in Münden und in Bevergern bei Rheine liegen. Von Bennigsen beträgt die Luftlinie bis Münden etwa 100, bis Bevergern 140 km. Das ganze Gebiet wäre also annähernd 7000 qkm groß. Auf diesem Raume wechseln nun die mannigfachsten Geländeformen: langgestreckte Bergzüge, hier schroff abfallend, dort sanfter geneigt, ferner Plateaus und flachgerundete Kuppen, sowie förmliche Kegel, endlich engere und weitere Fluß- und Bachtäler. Frischer Laub- und ernster Nadelwald werden abgelöst von üppigen Fruchtfeldern. Neben dürftig bewachsenen und spärlich besiedelten Strichen finden sich dicht bevölkerte Gegenden mit reich entwickeltem Ackerbau oder beachtenswerter Gewerbetätigkeit.
Ohne der Einzelbeschreibung vorzugreifen, oder auf das Geologische schon jetzt näher einzugehen, werden wir versuchen müssen, uns vorläufig in diesem Wirrwarr zu orientieren. Beginnen wir rechts von der Weser. Dort, wo die Leine gerade bei ihrem Übergang aus westlicher in nördliche Richtung sich der Werra am meisten nähert — die Eisenbahn Göttingen-Bebra überschreitet hier bei Eichenberg die Wasserscheide — können wir die Grenze zwischen Eichsfeld und Weserbergland annehmen. Dieses letztere beginnt mit einer von Basaltkuppen bekrönten Hochfläche ohne volkstümlichen Gesamtnamen, für die wir die Bezeichnung Dransfelder Höhenland annehmen wollen. Nördlich davon liegt die Sandsteinhochebene des Sollings. Im Osten ist diesem Gebirge der nord-südlich verlaufende Muschelkalkrücken der Weper vorgelagert. Im Norden streichen die beiden Parallelketten der Grubenhagener Berge, sowie etwas entfernter der Elfas, die Homburggruppe und der Vogler, von Südost nach Nordwest zur mittleren Weser. Hieran schließt sich die felsberühmte, langgestreckte Ellipse der Hilsmulde. Eine breite Senke scheidet sie vom Osterwald und Kleinen Deister. Diesen trennt ein enger Paß vom eigentlichen Deister, dessen nach Südwest umgebogenes, durch das Auetal abgeschiedenes Gegenstück der Bückeberg bildet. Etwas weiter südlich beginnt mit dem Süntel jener lange Zug, der sich als Weserkette bis zur Porta Westfalica hinzieht.
Am linken Weserufer liegt dem Dransfelder Höhenland gegenüber der Reinhardswald. Sein Westabhang leitet über zu jenem langgestreckten, welligen Gelände, das sich zwischen der Weser einerseits und den Kämmen der Egge und des Teutoburger Waldes anderseits hinzieht und sich gliedern läßt in Warburger Börde, Höxtersches Hügelland (oder Paderborner Hochfläche) und Lippisches Hügelland. Die westliche Fortsetzung dieses Landstriches ist dann das Ravensbergische und Osnabrückische Hügelland; seine südliche Begrenzung gegen das Münsterland bildet auch hier der Teutoburger Wald, in jenem westlichen Teile meist Osning genannt, und zwar bis zu seinem Ende in der Nähe der Ems bei Bevergern, die nördliche der auf dem linken Ufer des Stromes liegende Teil der Weserkette, streckenweise Wiehengebirge genannt.
Dieses bunte orographische Bild in seinen Einzelzügen zu verstehen, kann uns nur der Geologe lehren. Wir werden zunächst seinem Vortrage zu lauschen haben.
II. Der geologische Bau des Weserberglandes und des Teutoburger Waldes.
Von Professor Dr. H. Stille-Hannover.
Die topographische Vielgestaltigkeit des Berg- und Hügellandes zwischen Teutoburger Wald, Leinetal und Norddeutscher Tiefebene, des Weserberglandes, steht in engstem Zusammenhange mit der Mannigfaltigkeit des geologischen Aufbaues. Zwar ist die Zahl der Formationen, die ausgedehntere Flächen bedecken, keine ungewöhnlich große, und haben wir es in der Hauptsache nur mit den Sedimenten des Mittelalters der Erde, der mesozoischen Zeit, zu tun; aber die Lagerungsverhältnisse sind äußerst mannigfaltiger Art und teilweise nur schwierig deutbar, Faltungen sind nach wechselnden Richtungen eingetreten und Verwerfungen durchsetzen den Boden in solcher Zahl, daß er stellenweise als ein förmliches Mosaik durcheinandergewürfelter Schollen erscheint. Abbildung 2 zeigt ein System von Verwerfungen aus dem östlichen Vorlande des Eggegebirges, das den Untergrund dort in hunderte einzelner Schollen zerreißt. An den durch tektonische Kräfte gegeneinander verschobenen Schollen haben dann die Kräfte der Abtragung oder Denudation angesetzt, um das wechselvolle Bild unserer Landschaft hervorzuzaubern. Weiches Material ist ihnen leicht zum Opfer gefallen, hartes hat Widerstand geleistet und ist damit aus den umgebenden mürberen Schichten zu den lang sich hinziehenden Bergrippen und gedrungeneren Kuppen herausgearbeitet worden, die heute das bestimmendste Element der Landschaft ausmachen. In der Hauptsache bedingt also die wechselnde Widerstandsfähigkeit der Schichtkomplexe das heutige Relief; gegenüber ihrer Nachbarschaft gesunkene Komplexe, wie der Hils, können dabei als hochragende Bergzüge erscheinen, sobald nur widerstandsfähiges Material sie zusammensetzt, während die Linien geologisch höchster Heraushebung oft genug in Talungen verlaufen, falls mürbe Schichten, wie z. B. Röt, in ihnen liegen. Der Betrag der Heraushebung[1] der Schollen und Schollenkomplexe drückt sich in der Verteilung der Formationen an der Tagesoberfläche aus, und es liegt auf der Hand, daß in den Gebieten höchster Heraushebung uns die ältesten, in den Senkungsgebieten die jüngeren Schichten entgegentreten.
[1] Die Begriffe »Hebungsgebiet«, »Senkungsfeld«, »gehoben«, »gesunken« sind im folgenden nicht absolut, sondern nur relativ in dem Sinne zu verstehen, daß sie die heutige Lage der Schollen zu ihrer Nachbarschaft zum Ausdrucke bringen sollen. Unerörtert bleibt dabei, ob z. B. ein »Hebungsgebiet« tatsächlich etwas Herausgehobenes ist oder etwas Stehengebliebenes, während die benachbarten Komplexe in die Tiefe sanken. Die obigen Begriffe sollen also nur den heutigen Zustand ausdrücken, nicht aber den Vorgang, der diesen Zustand schuf.
Vorpermisches »Grundgebirge« nimmt weitere Flächen erst etwas außerhalb des Wesergebirgslandes im Harz und Rheinischen Schiefergebirge ein, erscheint in unserem Gebiete aber nur in drei kleineren Vorkommnissen in der Gegend von Osnabrück. Hier sind die Ibbenbürener Bergplatte, der Piesberg und der Hüggel aus kohlenführenden Konglomeraten, Sandsteinen und Schiefertonen des Oberen oder Produktiven Karbons zusammengesetzt, und nach den Floren, die diese Schichten umschließen, haben wir es mit dem oberen Teile der sogenannten »Saarbrücker Stufe« zu tun. An der Ibbenbürener Bergplatte geht heute noch der Bergbau auf Flöze des Oberkarbons um, während dieser am Piesberg vor etwas mehr als einem Jahrzehnt zum Erliegen gekommen ist, und am Hüggel das Vorhandensein von Flözen bisher nur durch Tiefbohrungen festgestellt wurde.
Von der Dyas fehlt die untere Stufe, das Rotliegende, gänzlich, und auch gewisse rotgefärbte Schichten des Hüggels, die lange für Rotliegend galten, sind nach neueren Feststellungen nicht hierzu, sondern zum Oberkarbon zu rechnen. Die Zechsteinformation, der obere Teil der Dyas, ist im Umrandungsgebiete der Oberkarboninseln von Osnabrück vorhanden, wo sie am Hüggel und der Ibbenbürener Bergplatte die Braun- und Spateisensteinlager umschließt, die zur Gründung der Georgsmarienhütte geführt haben, und findet sich ferner in vereinzelten kleinen Schollen bei Bonenburg am südlichsten Eggegebirge und im Gebiete des Sollings. Einen Gipsstock, der dieser Formation angehört, finden wir bei Stadtoldendorf an der Homburg, wo der Gips in großen Brüchen gewonnen wird. Dem oberen Teile des Zechsteins gehören die Stein- und Kalisalzlager an, die im Leinetale in den letzten Jahren nachgewiesen und Gegenstand des Bergbaues geworden sind.
Die Trias, der tiefste Teil der mesozoischen Formation, nimmt mit ihren drei Gliedern, Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper, so ziemlich das ganze Gebiet zwischen dem Teutoburger Walde einerseits, Weserkette, Süntel, Ith und Hils anderseits ein. Der Buntsandstein setzt die Höhen des Sollings und Reinhardswaldes und weiter nördlich Elfas und Vogler zusammen und bildet auch die Hänge des Wesertales zwischen Münden und Holzminden, bei Bodenwerder und weiter nördlich. Bei Bad Pyrmont stecken die Sandsteine dieser Formation in der Tiefe des Talkessels, während die angrenzenden Hänge in ihrem unteren Teile von den rötlichen Tonen des oberen Buntsandsteins oder Röts gebildet werden, und auch am Teutoburger Walde ist die Buntsandsteinformation vielfach nachweisbar. Der weitverbreitete Muschelkalk tritt am geschlossensten zwischen Solling und Teutoburger Wald auf und trennt hier als »Brakeler Muschelkalkschwelle« die beiden großen Keupermulden des Gebietes zwischen Teutoburger Wald und Weser, die sogenannte Keupermulde von Borgentreich, die etwa mit der fruchtbaren »Warburger Börde« zusammenfällt, und die Lippische Keupermulde. Letztere nimmt fast das ganze Gebiet zwischen der Weser und ihrem linken Nebenflusse, der Werre, ein, und nur lokal, wie z. B. bei Pyrmont, ist der Keuper durch Aufwölbungen älterer Triasschichten unterbrochen. In dem stark welligen und landschaftlich sehr reizvollen Berglande, das die Bahnen Hameln-Altenbeken und Hameln-Lage durchschneiden, finden wir die schönsten Beispiele der Abhängigkeit der Bodengestaltung von der Zusammensetzung des Untergrundes, indem die Niederungen von den mürben Mergeln und Tonen, die Höhen von den Sandsteinen und Quarziten des Keupers zusammengesetzt werden (Abb. 3). Namentlich die technisch recht wertvollen Quarzite des oberen Keupers oder Rhäts decken häufig die Bergkuppen, wie den Klüt bei Hameln, die Lemgoer Mark bei Lemgo, Winterberg, Herrmannsberg und Schwalenberger Wald südwestlich von Pyrmont und den Köterberg bei Holzminden, eine der höchsten Kuppen zwischen Harz und Rheinischem Schiefergebirge. Ferner hat der Keuper zwischen Osning und Wiehengebirge in der Gegend von Melle und Osnabrück recht erhebliche Verbreitung.
Nach einer Photographie von H. Stille 1908.
Vom Jura bestehen die untere und mittlere Abteilung, der Lias (Schwarzer Jura) und der Dogger (Brauner Jura), vorwiegend aus mürben Tonen, die obere Abteilung, der Malm (Weißer Jura), aber vorwiegend aus festen Kalken, und so ist es nur natürlich, daß erstere im allgemeinen in Talungen und an flachen Hängen zu suchen sind, während der Malm Bergzüge bildet. Das Einbeck-Markoldendorfer Becken, das dem Solling nach Nordosten vorgelagert ist, die Liaspartien im östlichen Vorlande des Eggegebirges und die Herforder Liasmulde zwischen Bielefeld und Herford sind Beispiele für Niederungsgebiete der älteren Juraschichten, während die lang sich hinziehende Bergkette des Ith zwischen Coppenbrügge und Eschershausen, der Kahnstein und der Selter, der Deister bei Springe, der Saupark (Abb. 6) und die Weserkette (Abb. 4) vom Weißen Jura gekrönt werden. Vorwiegend ist es der sogenannte Korallenoolith des Weißen Jura, der die Felsklippen am obersten Hange der genannten Bergzüge zusammensetzt, so die Dielmisser Felsen, Hammerslust, Poppenstein und Mönchstein am Ith, den Bielstein am Deister, den Hohenstein und die Luhdener Klippen an der Weserkette. In der Weserkette westlich der Porta Westfalica, d. h. im Wiehengebirge, und auch schon etwas östlich der Porta erreichen in dem vorwiegend aus Tonen bestehenden Dogger harte Sandsteine (Portasandsteine) eine erheblichere Mächtigkeit und setzen stellenweise wie an der Porta den Gebirgskamm zusammen, und ein anderer fester Horizont des Braunen Jura, das aus eisenschüssigen Kalksandsteinen bestehende »Cornbrash«, bildet weithin kleine Vorberge zur Hauptkette.
Im Gegensatz zu der ziemlich erheblichen Mächtigkeit des Weißen Juras in der Weserkette steht die geringe Entwicklung dieser Formation am Teutoburger Walde, in dessen südlichem Teile, dem Eggegebirge, sie überhaupt nicht bekannt ist. Teilweise mag die Ablagerung dieser Schichten unterblieben sein, teilweise sind aber auch Wiederzerstörungen bald nach erfolgter Ablagerung, teilweise auch Verwerfungen der Grund der heutigen Lückenhaftigkeit der Weißjuraprofile.
An der Basis der Kreideformation, des obersten Teiles der mesozoischen Formationsgruppe, liegt in Nordwestdeutschland der sogenannte Wealden, der im Gegensatz zu allen ihn überlagernden Kreideschichten in der Hauptsache keine Bildung des Meeres, sondern eine solche festländischer Sümpfe ist. Das Hauptglied ist der Wealdensandstein, auch Deistersandstein genannt, der die Höhen der Bückeberge, des Deisters, des östlichen Süntels, des Nesselberges und Osterwaldes zusammensetzt und hier Kohlenflöze umschließt, die z. B. bei Obernkirchen, Barsinghausen und am Osterwalde Gegenstand des Bergbaues sind. Neben dem Sandstein finden sich auch Schiefertone, und zwar entweder nur im obersten Teile, wie am Osterwalde und südöstlichen Deister, oder im obersten und untersten Teile, wie am Süntel, im nordwestlichen Deister und in den Bückebergen.
Maßstab der Längen ca. 1 : 50000, der Höhen ca. 1 : 25000. 1 = Brauner Jura. 2 = Weißer Jura, ausschließlich Münder Mergel und Serpulit. 3 = Münder Mergel. 4 = Serpulit. 5 = Unterer Wealdenschiefer. 6 = Wealdensandstein. 7 = Oberer Wealdenschiefer. 8 = Neocomtone.
Die Landschaftsentwicklung im Weißjura-Wealdengebiete ist eine verschiedene, je nachdem die stellenweise sehr mächtige Folge der mürben »Münder Mergel« zwischen den Kalken des Weißen Juras und den gleichfalls vorwiegend festen Gesteinen des Wealden vorhanden ist oder nicht. In ersterem Falle, den wir als den Normalfall bezeichnen können, haben wir zwei Parallelzüge, deren einer aus Weißjuraschichten, deren anderer aus Wealdensandstein besteht und die durch eine vorwiegend von Münder Mergeln erfüllte Niederung getrennt sind. Diesen Fall beobachten wir z. B. in der Linie Rinteln-Bückeburg (Abb. 4), wo die Weserkette aus Weißem Jura, der Parallelzug des Harrl aus Wealden besteht und die trennende Niederung, in der Bad Eilsen liegt, im Untergrunde in der Hauptsache die Münder Mergel enthält, oder südwestlich Springe, wo den Saupark der Weiße Jura, den Nesselberg der Wealden und das Längstal zwischen beiden die Münder Mergel zusammensetzen (Abb. 5 und 6, westlicher Teil). Ein solches Längstal fehlt natürlich, wo die Münder Mergel nicht vorhanden sind, und so verschmelzen z. B. am südöstlichen Deister Weißjura und Wealden zu einem einheitlichen Zuge (Abb. 6, östlicher Teil). Das Fehlen der Münder Mergel und anderer Weißjuraschichten ist dabei durch Abtragungen vor Ablagerung des Serpulits, des obersten Gliedes des Weißen Juras, bedingt, der vielfach diskordant ältere Schichtkomplexe überlagert. Westlich Bückeburg nehmen die mürben Schiefer gegenüber den Sandsteinen immer mehr überhand, und im Zusammenhang damit verflacht sich der weiter östlich hochaufragende Wealdenzug der Bückeberge und verschwindet mit der Klus bei Bückeburg schließlich ganz unter dem Diluvium der Norddeutschen Tiefebene.
Am Teutoburger Walde kennen wir Wealden etwa erst von Örlinghausen an nordwestwärts; namentlich südlich Osnabrück nimmt er weite Flächen ein und bildet dabei auch höhere Berggruppen. Der früher an mehreren Orten umgehende Bergbau auf die Wealdenkohlen des Teutoburger Waldes ist jetzt ganz zum Erliegen gekommen.
Das Neokom, der untere Teil der marinen Unteren Kreide, tritt in zweierlei Fazies auf, und zwar als Ton entlang dem Nordfuße der Bückeberge und des Deisters, am Süntel, Osterwalde und Hils, als Sandstein am Teutoburger Walde. Dementsprechend ist die landschaftliche Erscheinungsform eine völlig verschiedene. Den Untergrund von Niederungsgebieten bildet er bei Bückeburg, Stadthagen und in der Deistermulde zwischen Deister einerseits, Stemmer und Gehrdener Berg anderseits, aufragende Bergzüge bezeichnen seinen Verlauf entlang dem Teutoburger Walde von der Burg Blankenrode im äußersten Süden bis Bevergern östlich der Ems. Als ununterbrochenes Band krönt der Teutoburgerwaldsandstein, der von Altenbeken an nordwärts außer dem Neokom noch den tiefsten Teil der folgenden Stufe, des Gault, umfaßt, den östlichen Steilhang des Eggegebirges und bildet hier die Wasserscheide zwischen Weser und Rhein; die Felsnadeln der Externsteine bei Horn bestehen aus ihm, wie weiterhin ganz oder zum größten Teile der Stemberg bei Berlebeck, die Grotenburg bei Detmold, der Tönsberg bei Örlinghausen, die Hünenburg bei Bielefeld, der Barenberg bei Borgholzhausen und der Dörenberg bei Iburg.
Der Gegensatz zwischen der Sandsteinfazies des Neokoms am Teutoburger Walde und der Tonfazies in den nordöstlich liegenden Gebieten findet seine einfache Erklärung dadurch, daß im Gebiete des heutigen Westfalens ein Festland entstanden war und in dessen Umrandungsgebiete, d. h. dort, wo sich heute der Teutoburger Wald erhebt, Sande und Geröllagen sedimentiert wurden, während in die küstenferneren Gebiete nur noch die feineren tonigen Materialien transportiert werden konnten.
Maßstab ca. 1 : 125000. 1 = Mittlerer Keuper. 2 = Lias. 3 = Dogger. 4 = Oxford. 5 = Kimmeridge, Gigasschichten und Plattenkalke. 6 = Münder Mergel. 7 = Serpulit. 8 = Wealden. 9 = Neocom. 10 = Diluvium. Zur Abkürzung des Profiles ist die Verwerfung zwischen Keuper und Wealden, die erst südwestlich Brünnighausen durchsetzt, etwas nach Nordosten verschoben.
Den oberen Teil der Unteren Kreide, den Gault, finden wir am Hils zu unterst durch den »Hilssandstein« vertreten, der hier den Kamm mit der höchsten Erhebung, der »Bloßen Zelle«, zusammensetzt, und ferner durch »Minimuston« und »Flammenmergel«; dem Hilssandstein entspricht an der südlichen Egge, so am Altenbekener Tunnel, ein glaukonitischer, sandiger Ton, am übrigen Teutoburger Walde der obere Teil des Teutoburgerwaldsandsteins, dem Minimuston bei Altenbeken und weiter südlich der rotgefärbte »Gaultsandstein«, am übrigen Teutoburger Walde der »Grünsand des Osnings«, und Flammenmergel ist am ganzen Teutoburger Walde in ähnlicher Entwicklung, wie am Hils, vorhanden.
Von der oberen Kreide sind Cenoman und Turon in der Hauptsache durch hellgefärbte, teils etwas mergelige Kalke, sogenannte »Pläner«, vertreten. Diese setzen am Hils bei Grünenplan und Kaierde den Heimberg, Idtberg und Fahrenberg zusammen und haben ihre weiteste Verbreitung am Teutoburger Walde. Dort bauen sie im Hinterlande der Egge die gesamten Bergrücken bis hin zur Senne auf, die hier an Höhe hinter dem Kamm des Teutoburgerwaldsandsteins etwas zurückbleiben, während am Osning der Pläner in gezackten Kämmen vielfach den ihm nördlich parallel verlaufenden Sandstein überragt. An der Basis der Plänerformation bilden die Cenomanmergel infolge der geringen Widerstandsfähigkeit gegen die Verwitterung ein Längstal zwischen dem Bergzuge der Untern Kreide und den Plänerbergen, das am ganzen Teutoburger Walde als höchst charakteristisches Landschaftselement zu verfolgen ist (Abb. 7). In ihm liegen an der Egge die Ortschaften Herbram, Schwaney, Buke, Altenbeken, Feldrom, und hier hat es bei flacher Lagerung der Schichten eine erhebliche Breite, während es am Osning bei steiler Stellung der Schichten und entsprechender Verschmälerung ihres Ausgehenden weniger breit, aber nicht minder deutlich verfolgbar ist.
Nach einer Photographie von H. Stille 1908.
Das Senon ist im Gebiete des Teutoburger Waldes durch die wenig widerstandsfähigen »Emscher Mergel« vertreten, und es ist nur natürlich, daß in der Linie Brackwede-Schlangen-Lippspringe-Paderborn, in der es an die harten Pläner des Teutoburger Waldes angrenzt, das Gebirge seinen Süd- beziehungsweise Ostrand erreicht und die weite Ebene beginnt, die unter einer zum Teil recht mächtigen Decke von Quartärbildungen die senonen Schichten enthält.
Tertiärgebirge ist nur in vereinzelten, meist versenkten Schollen bekannt, von denen diejenige von Bünde in Westfalen wegen ihres großen Reichtums an oberoligocänen Versteinerungen besondere Berühmtheit erlangt hat. In die Tertiärzeit fallen auch die Ergüsse basaltischer Gesteine, die wir im südlichsten Teile des Wesergebirgslandes, z. B. in der Warburger Börde (Desenberg bei Warburg, Hüssenberg bei Eißen), am Reinhardswalde (Gahrenberg, Staufenberg, Sababurg), Solling (Bramburg) und südlich des Solling (Hoher Hagen) finden. Der nördlichste deutsche Basalt bildet einen kurzen und schmalen Gang in der Trias von Sandebeck am Eggegebirge.
Von Detmold zum Wesertale südlich Hameln und weiter um das Nordende des Iths herum in die Hilsmulde hinein, um den Kahnstein und um die Berge an der linken Seite des Leinetales bis nach Freden zieht sich in gewundenem Verlaufe der Südrand der diluvialen Vereisung. Der Lippische Wald lag noch außerhalb derselben, während sie durch die Quertäler des Osnings und zum Teil auch noch über diesen hinweg nach Süden in das Münstersche Becken vordrang. Wie weit die nördlichen Bergzüge des Wesergebirgslandes als Inseln das Inlandeis überragten, mag dahingestellt bleiben, jedenfalls war z. B. der Deister völlig unter Eis begraben, wie Geschiebemergel mit nordischen Blöcken auf der Höhe des kleinen Gebirges am Bielstein beweist, und gleiches war auch bei den Bückebergen der Fall. Frühere höhere Wasserstände unserer Flußtäler, z. B. des Wesertales, deuten die über den heutigen Talböden liegenden Flußterrassen an. Gewaltige Kiesaufschüttungen sind der Porta Westfalica südöstlich vorgelagert und als Absätze der Weser aus einer Zeit gedeutet worden, in der das Inlandeis die westfälische Pforte von Norden verschloß und die von Süden kommenden Wasser anstaute.
Am Osning und im Lippischen Walde liegen die Kreideschichten tief unter Dünensanden begraben, die besonders die Täler füllen (Abb. 8), doch auch den Höhen nicht ganz fehlen. Die Südgrenze der Überwehungen (Abb. 9) erklärt sich durch die Lage des Teutoburger Waldes zum Diluvialgebiete der Senne, dem die Sande entstammen, und die vorherrschende südwestliche Richtung der Winde, die den Transport besorgten.
Nach seiner inneren Struktur kann man das Weserbergland insofern als ein »Schollengebirge« bezeichnen, als in ihm die Zerrissenheit des Untergrundes in größere und kleinere Schollen die hauptsächlichste Erscheinungsform der gebirgsbildenden Kräfte ausmacht. Dabei ist es aber — wenigstens in weiten Teilen — keineswegs ein typisches Schollengebirge, vielmehr tritt uns ein Zusammenschub der Schichten zu Sätteln und Mulden, d. h. eine Faltenbildung, weithin entgegen, die sich am Osning, dem nördlichen Teutoburger Walde, bis zur Steilstellung und Überkippung großer Schichtenkomplexe steigert, und manche Teile, wie insbesondere den Osning, möchte man geradezu als durch weitgehende Bruchbildung modifizierte kleine Faltengebirge bezeichnen.
Das Streichen der Mehrzahl der Bergzüge, wie des Ith, Hils und Selter, Saupark und Deister, Wesergebirges und Osnings, geht vorwiegend in herzynischem Sinne, d. h. von Südosten nach Nordwesten. Nur zurücktretend findet sich auch nord-südlicher Verlauf der Gebirgszüge, wie am südlichen Teutoburger Walde, dem Eggegebirge, oder südwest-nordöstlicher, wie an den Bückebergen. Die Richtung der Bergzüge ist durch das gleichfalls vorwiegend herzynisch gehende Streichen der Schichten und Verwerfungen bedingt, während nord-südlich gerichtete, sogenannte »rheinische« Brüche in unserem Gebiete sehr zurücktreten und erst etwas südlich und östlich desselben, wie im Leinetale zwischen Eichenberg und Northeim, eine große Bedeutung für den Aufbau des Untergrundes gewinnen. Sie besitzen dort die mehr nordnordöstliche Richtung, die so charakteristisch für die gesamte große Bruchzone ist, die vom Oberrheintale durch Wetterau und Hessische Senke, durch das Leinetal und das westliche Randgebiet des Harzes zur Norddeutschen Tiefebene nachweisbar ist. Nicht eigentlich »rheinisch« ist aber das Eggegebirge gerichtet, wo vielmehr das Generalstreichen der Schichten und Dislokationen nordnordwestlich geht; das Eggegebirge hat aber damit eine Mittelrichtung zwischen der typisch herzynischen (Südost-Nordwest) und typisch rheinischen (Südsüdwest-Nordnordost) Richtung und ist auch das Ergebnis von Gebirgsbildungen in beiderlei Sinne. Indem sich aber der Einfluß der Gebirgsbildung im rheinischen Sinne am Teutoburger Walde von Süden nach Norden verschwächt, gewinnt die herzynische (nordwestliche) die Überhand und bestimmt schließlich allein den Verlauf des Osnings.
Der Überblick über den ziemlich komplizierten Aufbau des Weserberglandes wird durch die Verfolgung der geologischen Achsen erleichtert, d. h. derjenigen Linien, entlang denen eine besonders hohe Heraushebung der Schichten erfolgt ist. Wir beginnen im Nordwesten, im Gebiete von Osning und Wiehengebirge.