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Der Adlerwirt von Kirchbrunn

Chapter 14: 11. Abschnitt.
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About This Book

A village-centered novella that follows life and interactions around a country inn, focusing on the young innkeeper Wolfram and an eccentric visiting scholar nicknamed Professor Nix. Through episodic scenes of farewells, conversations, local gossip, and small communal rituals, the narrative sketches a rural community's characters, customs, and everyday humor while exploring themes of belonging, simple wisdom, and the tension between wanderlust and home ties. Rich in landscape detail and affectionate portraits, the work balances warm comedy with gentle moral observation.

11. Abschnitt.

»Du, Alte!« schrie der Möstl in der Abachleuten seinem Weibe zu, als er von der Heuarbeit heimkam, »das wird nicht gehen mit der Frieda, 's ist schad', aber fortschicken mußt sie. Das Umziehen mit einem verheirateten Menschen können wir ja nicht leiden. Hab' sie just wieder auseinander gejagt allzwei.«

»Geh!« entgegnete das Weib, »bist doch nicht g'scheit! Schon wieder dagewesen ist er?«

»Soll ganz Kirchbrunn im Stich gelassen haben, sitzt jetzt da draußen im Zeilinger Hammer als Kohlenvermesser.«

»Das ist sauber,« sagte sie, »da hätten wir ihn alle Tag in der Hütten. Recht hart ist mir um die Magd, aber wenn sie's so macht, soll sie gehen, lieber heut' als morgen.«

»Ein Plangen haben die zwei zu einander, rein als ob's ihnen wär' angetan worden. Der Vorknecht Schopper soll ganz toll sein drüber, ich glaub's. Wenn nur da kein unliebsamer Handel herauskommt. Alte, der Schopper, wer ihn kennt, das ist ein gefährlicher Mensch!«

Noch sprachen sie so, als ein Holzknecht aus dem Siebenbachwald hereinstolperte. »Abrasten muß ich,« sagte er als Gruß und setzte sich gleich auf die Bank. »Bist eh daheim, Möstl, ist mir recht. Habt es schon gehört? das groß' Unglück im Siebenbachwald? Gestern auf dem Abend. Beim Abrutschen. Von der neuen Riefen in die Karwasserschlucht gestürzt!«

»Mutter Anna!« rief der Möstl aus. »Wer denn?«

»Er — der Schopper und ein fremdes Frauenzimmer!«

»Was sagst?«

»Die Adlerwirtin von Kirchbrunn soll's gewesen sein.«

»Was sagst?« schrie der Möstl und lachte auf.

»Na ich danke, wer bei so was lachen kann!« sagte der Holzknecht.

»Ist nicht schlecht gemeint,« redete das Möstlweib drein. »Der lacht alleweil, hat's Weinen und's Lachen in einem Sackel beisammen.«

»Der Schopper und die Adlerwirtin!« murmelte der Möstl und faltete die Hände. »Aber Herr, himmlischer Vater, ist das dein Ernst?« Er lachte wieder.

»Wir können es uns auch gar nicht denken, wie es geschehen ist,« berichtete der Bote. »Es kann was dahinterstecken. Wird schon aufkommen. Schauderlich, wer's gesehen hat! Von ihr ist kein Knocherl ganz verblieben. Bei ihm fehlt nur der Kopf.«

»Aber mein Gott!« rief das Möstlweib, »wie soll sich denn ein Christenmensch so was zusammenreimen!«

»Ist nicht eine Magd Frieda bei Euch da?« fragte der Holzknecht. »An die hab' ich ein Tüchel abzugeben. Ich weiß nicht, mir hat's der Schopper zugesteckt, gerade vor dem Unglück. Wir kennen uns nicht aus. Ein Knoten ist im Tüchel und ein Papierl ist drinnen, aber wir können keiner lesen. Weil ich's versprochen hab', daß ich der Magd Frieda die Sach' übergeben will.«

Alsbald wurde die Magd von der Wiese heraufgerufen.

»Du Frieda,« redete der Möstl sie an, »der da, der hat was für dich.«

Mit Hast löste sie den Knoten, mit zitternden Fingern entwirrte sie das Papier, es war ein abgerissenes, graues Streifchen, und darauf standen mit grobem Bleistift ungefüg geschrieben die folgenden Worte:

»Liebe Friederika!

Bin überflüssig, mach mich davon. Nehm auch eine andere mit, die Euch im Weg möchte stehen. Mehr kann ich nicht tun für Dich. Sei glücklich mit ihm.

Schubhart Schopper.«


Also hat sich's zugetragen. Und was wird jetzt geschehen sein? Alles Menschengeschick steht in Gottes Hand, alles vollzieht sich nach seinem Ratschlusse und fast nichts nach dem Sinne der Menschen.

Als die Magd Frieda in dem Opfertode des armen Waldmenschen seine unermeßliche Liebe zu ihr besiegelt sah, als das letzte Hindernis gefallen war zwischen ihr und dem Adlerwirt, daß sie sich nun vor Gott und der Welt hätten können die Hände reichen — fand sie, daß ihre heiße Leidenschaft für Wolfram anfing zu schwinden. Was war das für ein Unterschied! Was sind die gewöhnlichen Männer für zage, gemeinsinnliche, engherzige Schelme gegen diesen einen einsamen, heldenhaften! Von diesem allein war sie geliebt worden mit einer Liebe, wie wenigen Weibern auf Erden sie zuteil wird, mit einer Liebe, die stärker ist als der Tod. — Aber gekannt hat er es nicht, das Weibesherz, sonst hätte er im voraus wissen müssen, daß sein Opfer umsonst ist.

An demselben Tage, als die Reste der beiden Verunglückten auf einem kleinen Alpenkirchhofe still bestattet worden waren, schrieb die Frieda einen Brief an den Adlerwirt:

»Lieber Wolfram!


Weil das geschehen ist, muß es aus sein und ganz aus sein bei uns zweien. Er tät' immer zwischen uns stehen mit seinen blutigen Wunden. Ich habe wohl einmal gemeint, ich kunnt Dich glücklich machen, jetzt nimmer. Und im Unglück bist schon genug gewesen. Du bist frei geworden vor drei Tagen, ich habe geheiratet. Sein Sterbetag ist der Hochzeitstag zwischen ihm und mir geworden. Ich bin sein, und Du wirst auch wieder eine andere finden. Ich wünsche Dir alles Gute, und was vergangen ist, das soll vergessen sein.«