4. Abschnitt.
Der Winter war mit viel Schnee gekommen. Das wirtschaftliche Leben des Dorfes nahm eine neue Gestalt an, vom Walde wurden auf Schlarpfen[2] große Reisigfuhren gezogen, aus den Berggräben mächtige Holzblöcke geschleift, von den Teichen her schwere Eisladungen geführt. Wer einen Bau vorhatte im nächsten Jahre, der zog jetzt Zimmerholz und Steine zusammen; der Schnee — von welchem nicht Unterrichtete glauben, daß er die Wege versperre — hatte die Bahnen geschaffen, auf welchen die schwersten Lasten leicht weiter befördert werden konnten. Die Straße entlang schellte manch leichtes Schlittenzeug lustig fürbaß und hielt wohl mit seinen Insassen an in Kirchbrunn beim Adlerwirt auf ein Glas Wein. Seit es laut geworden, daß die einzige Tochter des Großbauern zu Geßnitz bald einfahren werde in das Adlerwirtshaus, war dieses den Leuten neuerdings anziehend geworden. Einzig nur das Weibervolk betrachtete nun dieses Haus nicht mehr ganz mit den wohlwollenden Augen als ehedem, aber das verdirbt nicht viel; Weibsbilder, meinte der alte Wirt, sind ohnehin nicht die besten Gäste.
[2] Aus zwei Baumstämmen gebaute Waldschlitten.
Um diese Zeit kehrte eines Tages der Schopper-Schub ein im Adlerwirtshause. Er hatte immer denselben verwilderten Bart, der nie geschnitten wurde und der auch nicht eigentlich in die Länge wuchs, sondern mehr Neigung hatte, sich zu kräuseln und zu filzen, was dem Waldmenschen auch recht war. Mit dem Haupthaar stand es wahrscheinlich auch ähnlich, man sah es aber nie, weil der Mann den Hut immer auf hatte und die schweren schwammigen Krempen zu allen Seiten tief herabhingen. Das mattbraune Lodengewand hatte einige Flicken, doch sah man es an ihrer Ungefügigkeit, daß sie nicht von schlichtender Weibeshand herrührten. Eben fast so unbehilflich war der Verband, den er am linken Arme trug. Daß der Schopper mitten in der Woche Feiertag hatte, kam daher, weil er sich mit der Holzaxt unversehens die Hand gespalten hatte. Weiter war es nichts. Ein Kamerad hatte ihm ein Harzpflaster gemacht und den Verband angelegt; somit ist die Sache in Ordnung, nur daß der Mann einstweilen nicht arbeiten kann.
Also saß der Holzknecht da am dämmerigen Winkeltisch und trank etliche Gläschen Branntwein.
»Wo ist denn der Jungherr?« fragte er auf einmal kurz und scharf.
»Wo wird er denn sein!« antwortete der alte Adlerwirt, »in Geßnitz wird er sein. — Hast was mit ihm?«
»Will selber mit ihm reden,« sagte der Schopper. »Ich kann ihm ja nachgehen. Hab' eh Zeit dazu. Was macht's!«
»Dreimal drei macht neun,« rechnete der Wirt die drei Gläschen zusammen. »Bekommst von zehn einen Kreuzer heraus.«
»Schenkt ihn einem Bettler,« sagte der Schopper. Da lugte der Wirt einmal. — Seit wann geben denn die Herren vom Siebenbachwald Trinkgeld? Wahrscheinlich, seit sie sich selber die Knochen entzweihauen.
»— Soll einmal ein Vaterunser dafür beten,« setzte der Holzknecht bei, während er sich rasch von der Bank erhob und, den Stock fest auf den Boden stoßend, davoneilte.
»Für einen Kreuzer ein Vaterunser,« murmelte der Wirt, die kleine Münze in der hohlen Hand schüttelnd, »viel Andacht wird man da nicht verlangen können.«
Der Schopper-Schub wanderte die Straße entlang gegen Geßnitz. Der Weg war wohl für den Schlitten eingerichtet, aber nicht für ungelenkige Füße. Das glitt immer nach rechts oder nach links und brachte den Mann in Gefahr, auf seine wunde Hand zu fallen. Trotzdem setzte er seinen Stock fest ein und kam vorwärts. Er sann unterwegs, wie er es machen werde auf dem Salmhof. Das waren ja zwei triftige Gründe, wesweg er jetzt hinausging. Ein fast leidenschaftliches Dankgefühl hatte ihn vom Siebenbachwald herausgetrieben. Der in sein enges Wesen zutiefst eingesponnene und doch vielleicht gelegentlich einer Selbstentäußerung fähige Waldmensch glaubte, daß der junge Adlerwirt rein ihm zuliebe von der Frieda abgestanden sei und, damit aller Zwiespalt aufhöre, rasch die andere heiraten wolle; denn es war ihm nicht möglich zu denken, daß unter allen jungen Weibern der Welt nicht die Jungmagd Frieda die Begehrenswerteste sein sollte! — Adlerwirt! wollte er sagen und ihn um den Hals packen, für mein Lebtag bin ich dein Knecht! Wenn du einmal in Not solltest sein, so rufe mich! Du bist mein treuester Freund auf der Welt! Du hättest das Mädel haben können und hast es mir überlassen, hast dich einer Fremden angeschmiedet, die dir gleichgültig ist, höllisch gleichgültig. Gott geb's, daß sie dich recht lieb hat! Und wenn du einmal wen brauchen solltest, Wolfram, der für dich lebt und stirbt, so laß mich holen! — Also wollte der Schopper zu ihm sprechen, daß seinem heißen, in Zorn wie in Freude überschwänglichen Herzen Genüge getan werde. Dann wollte er aber auch ernstlich an die andere herantreten und am heutigen Tage die Sache endgültig machen. — Hopp! jetzt lag er im Schnee.
Wenn es so fortgeht auf der Rutsche, so wird das mühsam bis Geßnitz. Ein feines Schellen hörte er hinter sich. Mit flinkem Rößlein jagte und auf leichtem Schlitten saß der Groß-Grübinger von Kirchbrunn, er fuhr auch gegen Geßnitz. Ei, dachte der Holzknecht, dem ist's ein leichtes, daß er mich mitnimmt. Als der Schlitten vorüberschliff, rückte der Schopper manierlich den Hut, aber der Grübinger tat nichts desgleichen.
»He!« rief nun der Holzknecht dem Gefährte nach, zog sein blaues Sacktuch aus der Tasche und hielt es hoch in die Luft, »he, Vetter! Vetter Grübinger!«
Der Bauer hielt an: »Was ist denn?«
»Ihr habt Euer Sacktuch verloren!« rief der Holzknecht. Die List gelang; während der Bauer seine Taschen durchsuchte, kam der Schopper zum Schlitten heran und legte seine Hand schon an das Joch.
»Mir gehört er nicht, der Fetzen!« brummte der Bauer und wollte es wieder vorwärts gehen lassen.
»Nachher muß er wem anderen gehören,« meinte der Holzknecht und steckte das Tüchel in seinen Sack. »Aber gelt, Vetter Grübinger, Ihr seid so gut und habt nichts dagegen, wenn ich mich da hinten auf die Kurve stelle. Ich will nach Geßnitz und es geht so kläglich auf den Füßen. Euer braver Rappen —«
»Kunnt mir einfallen!« lachte der Bauer grell auf, »Hia!« Und der Schlitten glitt rasch dahin, kaum hatte der Schopper Zeit, das Joch auszulassen; sich an dasselbe haltend, stolperte er eine Weile hinten drein, bis der Bauer ihm mit dem Peitschenstock eins auf die Finger gab. Da ließ er los und stand wieder allein mitten in Schnee und Nebel.
»Die Leute sind hart,« murmelte er vor sich hin; um so weicher ist der Schnee, in welchen er seine Fersen wieder kräftig einsetzte. Es ging langsam fürbaß.
Als er nach Stunden durch den Markt Geßnitz schritt, war es finster, was sich gar nicht übel traf. Schon einmal hatte ihn hier der Gendarm festgenommen, obschon auch bald wieder losgelassen, nachdem es sich herausgestellt, daß hinter der verwilderten Hülle ein gewöhnlicher Holzknecht steckte. — Auf dem Turme läutete die Abendglocke. Er zog seinen Hut vom Kopfe und betete: »Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft ...« Der junge Adlerwirt war ihm nicht begegnet, also mußte er wohl noch im Salmhofe sein. Der Schopper ging den Hügel hinan, aber nicht nach dem breiten Fahrweg, sondern hinterwärts auf dem Rainsteige. Den Wirtschaftsgebäuden trachtete er zu, er wußte wohl die Futterkammer, in welcher die Jungmagd um diese Zeit ihre Arbeit zu verrichten pflegte. — »Heut' nimm dich zusammen, Schopper-Schub,« so ermahnte er sich selbst. »Denk' nicht immer daran, daß du verachtet bist. Denk', daß du auch ein Mensch bist wie alle anderen, und sei herzhaft. Gesund und stark zum Arbeiten, niemand kann dir was ausstellen im Holzschlag, du verstehst dein Geschäft. Niemand kann dir was nachsagen; was du dein Lebtag hast angestellt, das ist nur dein eigener Schaden gewest. Die neue Riesen wird sich machen im Waldschlag. In ein paar Jahren bist Holzmeister, da kannst Weib und Kind erhalten so gut wie ein Graf. Warum soll sie dich nicht gern haben? Wenn ihr dein Gewand nicht gefällt, so wirf's weg, der inwendige Kerl wird nicht zu schlecht sein für eine brave Dirn. In Gottesnamen, Schopper!«
Der junge Adlerwirt hatte sich im Laufe desselben Nachmittags in der großen Wirtschaft des Salmhofes herumgetrieben. Anfangs tat er solches in Begleitung seines künftigen Schwiegervaters, dieser wurde aber bald zurückgerufen, er hatte in Gemeindevorstandsgeschäften zu tun. Der Wolfram spähte überall umher und spielte mit dem Gedanken, was mit all dem geschehen werde, wenn einmal Vater und Mutter mit Tod abgehen sollten. Gegen Abend ins Haus zurückgekommen, gab's eine Jause, aber eine etwas zerrissene. Die Salmhoferin trank ihren Kaffee in der Küche, der Salmhofer trank seinen Weinkrug auf der Stube aus, die Haustochter Kundel schlürfte ihren Tee im Küchenzimmerchen und knusperte süßes Backwerk dazu. Der Wolfram, welcher neben ihr saß, dankte für den ihm gebotenen Imbiß, er sei nicht gewohnt, eine Jause zu nehmen, aber eine Zigarre, wenn er sich anzünden dürfte! Hierauf besprachen sie die Hochzeit. Die Kundel gestand vielleicht mehr unwillkürlich als absichtlich, daß es ihr manchmal schrecklich sei auf dem Salmhofe, daß sie froh sei, diesem Orte zu entkommen. Elternliebe, wovon andere Leute sprechen, habe sie ja doch nie kennen gelernt. Der Vater habe sie ein paar Jahre lang in ein Institut gesteckt, sie nachher zu einer Zierpuppe herrichten wollen, um sich mit ihr zu prahlen; bei der Mutter wäre überhaupt nichts zu suchen, diese verrichte in der Küche ihre tägliche Arbeit, die gerade so gut auch eine Magd besorgen könne, und sei dann zufrieden. — Dem jungen Adlerwirt schmeichelte dieses Vertrauen der Braut und es kam ihm fast gemütlich vor im Stübchen, bis die Kundel plötzlich und ziemlich rasch das Fenster aufmachte. Der Tabakrauch ging freilich hinaus, aber die kalte, neblige Winterluft ging herein. Endlich verabschiedete der Bräutigam sich, und während die Pferde eingespannt wurden, stand er draußen in der Tür der Heukammer und plauderte ein wenig mit der Jungmagd. Er lehnte an dem einen Pfosten der Tür, sie an dem anderen, weiter ließ sie ihn mit der brennenden Zigarre nicht in die Kammer. Sie tat's aber nicht des Rauches, sondern der Feuersgefahr wegen.
Ihr Gespräch wurde ganz leise geführt. »Frieda,« sagte der Wolfram, »du wirst doch auch bei der Hochzeit sein?«
»Weiß es nicht,« antwortete sie, »ich werde wohl müssen haushüten. Die Haustochter hat schon so etwas gesagt.«
»Hat sie?« fragte flüsternd der Bräutigam. »Nein, Frieda, ich will's haben, daß du bei meiner Hochzeit die erste Kranzljungfrau sein sollst. Es geht doch!«
»Ja, gehen tät's schon,« meinte die junge Magd, »aber sein darf's nicht.«
»Wer sagt das?«
»— Sie.«
»Das möchte ich wissen. Ihr seid ja immer gut gewesen miteinander? Und kameradschaftlich.«
»Früher, ja,« sagte die Frieda, »aber seit dem Tanz beim Schwambachwirt ist sie arg auf mich.«
»Laß es gut sein, Dirndel,« entgegnete der junge Adlerwirt. »In das Kapitel werde ich auch etwas dreinzureden haben. Sie mag zur Hochzeit laden, wen sie will, ich werde es auch tun. Und verhoff's, daß wir uns bei der Hochzeit nicht das letzte Mal sehen werden, Dirndel. Gib mir die Hand drauf!« Und er schnalzte mit der Zunge, was so seine Gewohnheit war, wenn er Mut und Übermut in sich fühlte. »Dirndel, die Hand drauf!«
»Auf das gebe ich keine Hand,« war ihre Antwort, »der Mensch weiß nicht Zeit und Stund.« Zögernd und zagend hatte sie das gesprochen.
»Und auch zum Abschied willst mir die Hand nicht geben?« fragte er nicht ohne Beklommenheit.
»Zum Abschied — schon gar nicht,« antwortete das Mädchen.
»Frieda!« erscholl es in diesem Augenblicke von der Stallwand her. Die beiden stoben auseinander. Eine männliche, hohle Stimme war es gewesen. Der junge Adlerwirt sprang in den Schlitten, und vorwärts ging's durch Nacht und Winter gegen Kirchbrunn.
An demselben Abende war's, als die Jungmagd Frieda die Tür ihrer Kammer verschlossen hatte und nun vor einem Muttergottesbildchen, welches an der Wand klebte, ihr Nachtgebet sprach, als auf einmal wie ein Gespenst der Holzknecht vor ihr stand. Der Schreck war so groß, daß ihr zum Schrei die Stimme versagte. Beide Hände ans Herz gedrückt, so sank sie mit einem Hauch auf den Schemel hin.
»Geschehen tut dir nichts,« also sprach nun der Schopper. »Aber das Leutrufen laß sein. Sie brauchen es nicht zu wissen, was wir zwei miteinander zu reden haben.«
»Wir haben nichts miteinander zu reden,« konnte jetzt die Frieda sagen. »Geh fort! Du hast dich wie ein Dieb hereingeschlichen! Geh fort!«
»Hast wohl recht, Dirndel, wie ein Dieb!« entgegnete der Schopper. »Weil ich deinetwegen schlecht werden muß. Aber daran schuldig bist du. Zu einem Engel hättest mich machen können. Und jetzt — jetzt kann ein Teufel draus werden.«
»Fort geh!« rief das Dirndel und sprang zur Tür, um sie zu öffnen. Er fing sie auf, hielt ihr die Hand fest und sagte: »Frieda. Sei barmherzig. Schau, ich bin ein armer Bursch'. Glaubt hätt' ich's nimmer, daß einen die Lieb' so kunnt zurichten. Zwingen kann ich dich nicht, Frieda. Ich sag' dir nur das: Wenn du mich nicht nimmst, so erleben wir was. Mit mir und mit dir! Ich spring' ins Verderben und du in dein Unglück. Der junge Adlerwirt! Unterwegs her bin ich noch voller Vertrau gewesen zu ihm. Und was ich jetzt hab' gehört!«
»Was hast denn gehört?«
»Mehr, als er geredet hat, meine liebe Dirn! Daß der so schlau ist, das hätte ich mir nicht gedacht. Die eine heiraten, die andere gern haben! Bist denn du blind, Frieda! Oder bist wirklich so schlecht?«
»Holzknecht,« versetzte jetzt das Mädchen ruhiger, »laß mich aus, dann will ich reden.«
Im Augenblick ließ er ihre Hand los.
»Für mich,« so redete sie nun, »wär' es auch besser, du hättest mich zerdrucken lassen vom Mühlrad. Ich dank' dir's nicht, daß du mich hast herausgezogen. In der Unschuld wäre ich gestorben, und wie es jetzt steht, seh' ich vor mir nichts, als lauter Sünd' und Elend.«
»Den Adlerwirt mußt vergessen!« sagte der Schopper.
»Vergessen! Weißt du, was du redest? Kannst du vergessen? So vergiß mich, ich geh' dich ja nichts an. Bin nicht deine Schwester und nicht dein Geschwisterkind. Such' dir eine, die besser für dich paßt, und mich laß in Gottesnamen zugrunde gehen, wenn es mir schon aufgesetzt ist, daß ich seinetwegen zugrunde gehen soll.« Sie weinte.
Der Waldmensch stand wie erstarrt vor ihr. Endlich antwortete er: »Um das von dir zu hören, bin ich heute weit aus dem Siebenbachwald herausgekommen. — Du, Frieda! Flennen darfst mir nicht! Flennen kann ich dich nicht sehen!« Fast wie drohend stieß er die letzten Worte heraus, und dann fuhr er mit den Fingerspitzen über ihr Haar hin, als ob er sie streicheln wollte. »Frieda!« fuhr er milder fort. »Vor neun Jahren am Magdalenatag, wie sie deine Mutter haben in die Erden gelegt, habe ich dich zum ersten Mal gesehen. Wie du dazumal geweint hast, du liebes Kind, du arme Waise, so verlassen auf der Welt, — wie du dazumal so geweint hast, das geht mir nimmer aus dem Kopf, gar nimmer.«
»Mein Gott,« flüsterte jetzt die Frieda, »du bist ja ein guter Mensch, ein herzensguter Mensch. Aber jetzt mußt du fortgehen, du armer Bursch, schau, es kann nicht anders sein. Ich habe ja nichts gegen dich, wenn ich nur könnt', wie wollt' ich dich lieb haben mit Freuden, dich ganz allein. Und es hätt' eine gute Wendung. Wie es jetzt steht, ich weiß mir ja nicht zu raten und nicht zu helfen.«
»Sollst schuldigerweis so reden?« fragte er.
»Gott Lob und Dank, nein!« antwortete die Jungmagd, »aber fürchten tu' ich mich, so oft ich ihn sehe. Bei der Hochzeit will ich nicht sein, nach Kirchbrunn auch mein Lebtag nicht gehen. Ich will mich ja hüten, soviel es menschenmöglich ist. An meine Mutter hast mich gemahnt, Schopper. Ihr letztes Wort zu mir ist gewesen: Frieda, wenn du dir nicht aus weißt, so knie' hin und tu' beten. Ich will's tun, Holzknecht, und will so lange beten, bis ich dich recht lieb hab, und nur dich allein.«
Das sagte sie mit solcher Innigkeit, als wäre die Liebe zu ihm bereits da.
»O glückselige Stund'!« wimmerte der Waldmensch und drückte sein bärtiges Gesicht an ihre Schulter, in ihr Haar, »du herzliebe Dirn, ich geh' schon, ich geh' gern. Beten! Beten! Gute Nacht, du herzliebe Dirn!«
Also stürzte er wie rasend vor Glück davon, hinaus in die tiefe Winternacht, den jauchzenden Himmel im Herzen, seinen fernen Wäldern zu.