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Der Aether gegen den Schmerz cover

Der Aether gegen den Schmerz

Chapter 49: Operation eines Panaritiums.
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About This Book

The work examines the use of ether vapors to relieve pain, describing properties of liquid ether, the physiological effects of inhalation, and different states of ether intoxication. It traces historical applications and competing priority claims, then details inhalation apparatus, patient positioning, dosing, and practical technique. Clinical sections evaluate efficacy and risks during surgical, obstetric, internal medicine, and forensic procedures, offer postoperative care guidance, and respond to contemporary objections. Dozens of operative case reports illustrate methods and outcomes across a range of procedures. The text closes with practical recommendations for safe implementation and a stated charitable purpose for its proceeds.

Operation einer großen Brandnarbe am Halse.

Fräulein Z., 14 Jahre alt, hatte in früher Kindheit durch Feuerfassen der Kleidung eine Verbrennung der Haut an der vorderen und Seiten-Fläche des Halses und unter dem Kinn erlitten. Die danach entstandenen dicken, schwieligen Narben zogen das Kinn herab, so daß eine Hautfalte in gerader Linie vom Kinn bis zur Brust herabstieg. Binnen anderthalb bis zwei Minuten trat ein Rausch ein, in dem die Patientin die Operation nur undeutlich fühlte, dabei einzelne Worte mit einer gewissen Hast aussprach. Das operative Verfahren war folgendes. Ich führte am Rande des Unterkiefers zu beiden Seiten des Kinns zwei schräge Schnitte nach abwärts, die oberhalb des Brustbeins in einem spitzen Winkel zusammentrafen. Der Hauttheil, welcher den vorragenden Theil der Narbenfalte umschloß, wurde dann als ein dreieckiger Lappen von unten nach oben zu abpräparirt, unter das Kinn hinaufgerückt, und der untere Theil der Wunde durch eine Reihe Knopfnähte vereinigt. Es war dies die Methode plastischer Operationen, welche ich in meiner Chirurgie mit dem Namen »Verdrängen« bezeichnet habe. Der Operationsort wurde mit Charpie und Pflasterstreifen bedeckt. Die Kranke gab an, undeutliche Schmerzempfindungen bei der Operation gehabt zu haben.

Operationen der Hasenscharte.

Ein schöner, 2½jähriger Knabe aus V. wurde von seinen Eltern wegen einer Entstellung des Gesichtes nach Berlin gebracht. Das Kind war mit einem Wolfsrachen und doppelter Hasenscharte geboren, und schon theilweise operirt, es war bereits der Zwischenkieferknochen entfernt, und die Lippe vereinigt worden. Alles zeugte von der großen Geschicklichkeit des Arztes, der die Verheilung der großen Spalte glücklich bewirkt und die Bildung der häutigen Scheidewand der Nase, wie es auch recht war, bis auf spätere Zeit verschoben hatte. Dieser Theil der Operation fiel mir nun zu. Die Mutter wünschte, daß ich wegen der Heftigkeit ihres Kindes den Schmerz durch Aether mindern mögte, woran ich keinen Anstand nahm. Nachdem ich einen in Aether getauchten und wieder ausgedrückten Schwamm einige Augenblicke demselben vor Mund und Nase gehalten hatte, hörte das Kind auf zu schreien, legte den Kopf hintenüber und schloß die Augen halb. Jetzt schnitt ich die narbige Mitte der Oberlippe durch zwei Schnitte aus, formirte das Läppchen, welches die Nasenscheidewand bilden sollte, und heftete die Theile durch blutige Nähte aneinander, so daß eine ganz natürliche Form herauskam. Während der Operation schrie das Kind mehrmals, ohne daß mir eine deutliche Schmerzempfindung klar wurde. Als ich es dann mit kaltem Wasser besprengte, kam es wieder ganz zu sich, und zeigte auch weiter keine Erscheinungen, welche einen nachtheiligen Einfluß des Aethers ausdrückten.


Carl T., 7 Monat alt, war mit einer Hasenscharte der linken Seite und Wolfsrachen geboren. Die Spalte erstreckte sich in die Nasenhöhle hinein, den ganzen harten und weichen Gaumen hindurch und war sehr breit. Die Nase war flach. Das Kind schrie heftig, erst nachdem es 3 Minuten lang ätherisirt worden war, wurde die Stimme verändert und leise. Ich schnitt zuerst die Ränder der Lippenspalte ab, löste dann die innere Fläche der Lippe vom Knochen und vereinigte die dadurch nachgiebig gewordene Wunde mit drei umschlungenen Insectennadeln. Das Gesicht hatte durch die Operation sogleich ein natürliches Aussehen gewonnen. Den Schmerz schien das Kind bei der Operation nur undeutlich empfunden zu haben.

Operation des Lippenkrebses.

Herr L., 70 Jahr alt, sehr rüstig und jugendlich, litt an einem aufgebrochenen Krebse an der Unterlippe. Er wurde vor der Operation 4 Minuten lang ätherisirt, worauf er unempfindlich schien. Ich schnitt dann ein Vförmiges Stück aus der Lippe und vereinigte die Wundränder durch drei umschlungene und zwei Knopf-Nähte. Der Kranke hatte nur eine geringe Empfindung von der Operation gehabt.


Herr R. St. P., einige 50 Jahre alt, litt seit längerer Zeit an einer verdächtigen Verhärtung der rechten Lippe und Wange. Schon früher war an dieser Stelle eine ähnliche Geschwulst herausgeschnitten worden. Es war kein Zweifel über die Bösartigkeit des Uebels vorhanden. Vor der Operation ätherisirte ich den Kranken, es währte aber fast eine Viertelstunde, bis Empfindungslosigkeit eintrat. Dies schien mir genug. Ich umgab das Kranke mit zwei durchdringenden Schnitten, welche einen Keil bildeten, dessen breite Basis aus einem Theil der Oberlippe nahe dem Mundwinkel bestand. Hierauf heftete ich die weite Mundspalte durch 6 Nähte zusammmen. Die Heilung erfolgte binnen wenigen Tagen auf dem ersten Wege. Von dem Aetherrausch konnte ich nur die Empfindungslosigkeit und eine gewisse Müdigkeit wahrnehmen. Der Kranke schreibt über seinen eigenen Zustand Folgendes:

»Die Wirkung des Aethers äußerte sich bei mir zuerst in den Füßen; es trat das Gefühl der Schwere ein. Allmälig umhüllte ein leichter Nebel mein Empfindungsvermögen, ohne es aufzuheben, wovon mich wiederholte kneipende Berührungen an der linken Hand und am Ohr überzeugten. Nach etwa 5 Minuten war mein Empfindungsvermögen betäubt; Gehör, Gesicht und Bewußtsein widerstanden noch, da fühlte ich, daß man meine Oberlippe und Wange stark anspannte und daß zwei Schnitte durch sie hindurch geführt wurden. Dies verursachte mir nur in der Mitte einen dumpfen Schmerz. Das Zusammenfügen der Wundränder durch die Nadeln, das Durchziehen der Fäden, habe ich empfunden, aber ohne Schmerz. Die Dauer der ganzen Operation incl. Verband habe ich auf höchstens 10 Sekunden geschätzt. Ich mag nicht entscheiden, ob die rasche Aufeinanderfolge der Operationshandlungen mich verhindert hat, zum Bewußtsein des Schmerzes zu kommen, oder ob der Zustand der Betäubung das Vermögen, den Schmerz zu empfinden, aufgehoben hatte. Nachwehen der Betäubung habe ich weder im Kopfe, noch Brust oder Extremitäten verspürt; das Ausströmen des Aethers war aber nach 24 Stunden noch bemerkbar.«

P.

Operation einer Speichelfistel.

Ein 29jähriger Mann hatte seit mehreren Jahren an Speichelfisteln der linken Wange gelitten. Durch den längeren Gebrauch allgemeiner und örtlicher Mittel war es gelungen, die beträchtliche Vergrößerung und Verdickung der Wange zu heben und die Fisteln zur Heilung zu bringen. Nur eine, und zwar die vorderste blieb offen und ergoß in anhaltender Menge den Speichel, wodurch leicht ein Abzehrungs-Zustand herbeigeführt werden konnte. Dem mußte durch die Operation vorgebeugt werden. Ich ließ den Kranken zwei Minuten lang athmen, das Bewußtsein dauerte zwar fort, aber Empfindungslosigkeit trat ein. Es war meine Absicht, die Fistel mit ihrer harten Umgegend in Gestalt eines Myrthenblattes aus zu schneiden, die äußere Wunde durch umschlungene Insectennadeln zu vereinigen und durch die innere Oeffnung der Wunde, welche durch eine eingelegte Charpiekugel an der Heilung verhindert werden sollte, einen neuen Abzugskanal für den Speichel in die Mundhöhle anzulegen. Dies wurde mit dem Eintritt der Empfindungslosigkeit leicht ausgeführt, und der Kranke drückte bei der Operation keinen Schmerz aus, versicherte, auch als er wieder ganz klar wurde, nichts gefühlt zu haben.

Operation eines Sarcoms aus der Rachenhöhle.

Ein Herr von einigen 50 Jahren, von zarter, reizbarer Constitution, litt an einer geschwürigen Degeneration, welche die untere linke Seite des Gaumensegels, den Ort des Sitzes und den oberen Theil des Schlundes bis zu einer beträchtlichen Tiefe einnahm. Von seinem früheren Arzte war das Uebel schon ein Mal durch die Exstirpation glücklich entfernt worden, doch hatte sich ein Recidiv eingestellt, welches die abermalige Operation nöthig machte. Wegen des hohen Grades der Reizbarkeit des Kranken und der Oertlichkeit des Uebels, welche eine starke Blutung besorgen ließ, wollte ich die Empfindungslosigkeit nur durch einige Aetherathemzüge etwas vermindern. Nachdem die Inhalation ein Paar Minuten lang gedauert hatte, begann ich die Operation. Die Zunge wurde stark niedergedrückt, ein langer Doppelhaken eingeführt, und der unterste Theil der Geschwulst fixirt. Hierauf umschnitt ich dieselbe mit einem geraden, abgerundeten Fistelmesser und vollendete die Abtrennung in der Tiefe mit einem gekrümmten und geknöpften Pott'schen Fistelmesser. Dann wurde noch nachträglich eine zurückgebliebene, harte Partie mit einer langen, gekrümmten Scheere entfernt. Die Blutung war mäßig. Der liebenswürdige Kranke, welcher die Operation mit größter Ergebung ertragen, meinte, die volle Empfindung des Schmerzes gehabt zu haben. Joh. Müller erklärte die exstirpirte Geschwulst nur für ein Sarkom.

Operation der Gaumenspalte.

Ein 26jähriger Mann von blühender Gesundheit und großem, kräftigem Körperbau, ließ sich einer angeborenen Spaltung des Gaumens wegen in der Klinik aufnehmen, um durch die Operation von der Mangelhaftigkeit seiner Sprache befreiet zu werden. Auch bei dieser Operation, welche zu den schwierigsten gehört, wünschte ich die Aetherdämpfe zu prüfen. Nachdem der Kranke fünf Minuten lang die Aetherdämpfe eingeathmet hatte, stellten sich plötzlich mit Sinken des Pulses bedenkliche Erscheinungen ein. Die Augen wurden stier, Todtenblässe bedeckte das Gesicht, die Lippen wurden blau, und blaue Flecken zeigten sich auf den Wangen. Besprengen mit kaltem Wasser, Waschen der Stirn und allerlei erfrischende, kühlende Mittel wendeten die Gefahr ab. Bei dem noch halb Betäubten begann ich nun die Operation. Die Ränder der Gaumenspalte wurden mit einem Häkchen festgehalten und mit einem schmalen Messerchen abgeschnitten, dann vier Hefte von Bleidraht, mit Stahlspitzen versehen, mittelst einer Gaumenzange durch die Wundränder hindurchgeführt, die Spalte durch das Zusammendrehen der Drähte vollkommen geschlossen, und die Enden dann kurz abgeschnitten. Ganz empfindungslos war der Kranke bei der Operation nicht, doch war der Schmerz geringer, als er sonst dabei zu sein pflegt.

Operationen von Drüsengeschwülsten.

Ein junger, kräftiger, 22jähriger Garde-Husar, welchen Hr. Regiments-Arzt Puhlmann wegen einer aus großen Drüsenconvoluten bestehenden Anschwellung der linken Seite des Halses und Nackens, Behufs der Operation in das Klinikum sendete, bedurfte während sieben Minuten des Einathmens der Aetherdämpfe, um empfindungs- und bewußtlos zu werden. Zwei von oben nach unten herabgeführte, mit den Anfangs- und Endpunkten zusammentreffende tiefe Schnitte, faßten die entartete Haut und die verdorbenen Drüsen zwischen sich. Dann wurde die Haut von beiden Seiten abgelöst, die kranken Gebilde mit Doppelhaken gefaßt und aus der Tiefe exstirpirt. Erst nach Stillung der Blutung und der Anwendung des kalten Wassers erholte sich der Kranke. Er versicherte während der Anlegung des Verbandes, daß er volles Bewußtsein bei der Operation gehabt, und dieselbe gefühlt, aber nicht die Schmerzen empfunden zu haben. Sechs Wochen nach der ersten Operation war noch eine Masse überflüssiger und entarteter Haut des Halses und eine große verhärtete Drüse am hinteren Rande des Kiefers zu entfernen. Der Kranke nahm das Rohr an den Mund und athmete mit wahrer Gier ein. Nach 4 Minuten war er vollkommen betäubt. Ich umgab die entartete Hautpartie mit zwei convexen, anderthalb Finger langen Schnitten, ließ sie mit der Hakenzange anziehen und schälte die Drüse mit dem Messer, in die Tiefe dringend, aus. Dann wurde die starke Blutung gestillt, worauf der Kranke erwachte und angab, abermals nichts gefühlt zu haben.

Theilweise Resectionen der Kiefer.

Der 38jährige Carl L. litt seit Jahren an einem Knochenschwamm des vorderen Theils des Oberkiefers, wodurch die Schneidezähne nach innen gegen den harten Gaumen zu gedrängt waren. Die Oberlippe deckte die Geschwulst nicht mehr, so daß ihr vorderer Theil zwischen den Lippen hervorragte. Die Geschwulst fühlte sich knorpelhart an und war mit der Schleimhaut des Mundes bekleidet. Nach einem 4 Minuten langen Einathmen der Aetherdämpfe trat eine stumpfe Betäubung ein. Ich konnte nun den wuchernden Theil des Oberkiefers mit der Säge und dem Messermeißel wegnehmen, ohne daß der Kranke durch irgend eine Bewegung oder einen Laut eine schmerzhafte Empfindung verrieth, weder das Geräusch der Säge noch das Schlagen mit dem Hammer wurden empfunden. Dieselbe Unempfindlichkeit dauerte bei der Anwendung des Glüheisens auf die Knochenwunde und bei der Wegnahme eines nach innen umgekehrten Zahnes fort. Nach vier Minuten, – so lange währte die Operation, kam der Patient wieder zu sich. Er schien sehr heiter gestimmt zu sein, denn als ich ihn fragte, ob er Schmerzen empfunden habe, lächelte er, ohne zu antworten.


Mad. G., eine zarte Dame, litt seit Jahren an einer Knochenauftreibung der rechten Seite des Oberkiefers, welche bereits in cariöse Zerstörung übergegangen war. Sie wollte sich der Operation nur unter der Bedingung unterziehen, daß ich sie vorher ätherisirte. Dies geschah. Kaum hatte sie einige Athemzüge gethan, als sie gleich einer Verklärten auf dem Stuhle da saß. Mit einer kleinen Säge sägte ich den kranken Knochentheil aus und stillte dann die Blutung. Die Kranke hatte bei der Operation keinen Laut von sich gegeben und versicherte, nichts empfunden zu haben. Auf meinen Wunsch gab sie mir eine Beschreibung ihres Zustandes, welche gewiß vom höchsten Interesse ist, und für die ich derselben meinen Dank hiermit abstatte.

»Trotz der großen Beängstigung hatte ich mir doch vorgenommen genau aufzumerken, in welcher Art der Aetherrausch sich meiner bemächtigen werde. Als ich den Schlauch an den Mund nahm, athmete ich zuerst nicht stärker als gewöhnlich. Man sagte mir, dies reiche nicht hin, und ich nahm nun stärkere Züge, die ich herunterschluckte, ohne daß ich anfänglich irgend eine Wirkung auf meinen Körper bemerkte. Plötzlich bekam ich ein Gefühl im Kopfe, als erweitere sich derselbe zu beiden Seiten der Schläfen, und eine Müdigkeit befiel mich, die mir die Augen schloß. Als ich dieselben öffnete, erkannte ich noch Alles und hörte auch noch ganz deutlich. Indem ich sie aber wieder zumachte, war ich wie in einem milden, gelblichen Lichtmeer. Ich sah noch einmal auf, sah durchs Fenster den Tag und auf dem Fenster die Blumentöpfe. Von jetzt an verstärkte sich die magische Helle vor den Augen; sie war nicht imponirend, doch ungemein mild, klar und beruhigend. – Ich empfand ein ganz leises Auftupfen auf die rechte Hand, und hörte wie von fern her die Frage des Hrn. Dieffenbach: »ob ich dies fühle?« Doch konnte ich nicht mehr die Augen öffnen, und nur durch Zeichen es bejahen. Dann hörte ich noch, wie dumpf verschollen, Bemerkungen der Aerzte, das Gehör betreffend, (war jedoch im Stande, ihre Stimmen genau zu unterscheiden,) und fühlte auch, daß ich unwillkürlich stöhnte. – Doch hier hören meine Beobachtungen auf. – Ein Traum begann. – Fortdauernd umflossen von einer himmlischen Helle, umgab mich unbeschreibliche Ruhe, und eine unnennbare Glückseligkeit und Zufriedenheit, der jeder irdische Wunsch, jede menschliche Regung fern war, ergoß sich in meine Seele, die zugleich ein unbestimmtes Gefühl, ich möchte es dem des Dankes am nächsten stellen, empfand. Und wiederum war ich nicht unthätig, mir war, als nahm ich großen Antheil an Etwas, das mich lebhaft interessirte, ohne daß ich jetzt sagen könnte, welcher Art dies gewesen. – Aber kein leiser Anklang an Geschehenes, Vergangenes tauchte in mir auf, und den tiefen, gottvollen Frieden störte nicht die entfernteste Rückerinneruug an das Leben – es war vergessen! – Da schlug ich die matten Augen auf – ich war erwacht! – Erst Verwunderung, dann ein Gefühl von Wehmuth bemächtigte sich meiner, – der schöne Traum war zerronnen! – Ich wurde mir bewußt, ich sei auf der Erde. Da hörte ich sprechen, sah die Herren um mich, fühlte eine Art Druck im Munde und plötzlich fiel mir ein, daß ich zu einer Operation mich gesetzt hatte! – Aber die Instrumente waren weg! Die Vorkehrungen waren beseitigt, und Blut an meinem Tuche bewies mir, daß Alles geschehen sei. Mein Erstaunen war grenzenlos! – Während einer sonst gewiß sehr schmerzhaften Operation, vor der ich mich so sehr geängstigt hatte, war ich ruhiger, glücklicher gewesen, als je eine irdische Freude mich gemacht hat; während mein Körper den Leiden der Erde unterworfen gewesen war, hatte meine Seele den Himmel geträumt! – Von der Operation selbst hatte ich auch nicht das Mindeste gefühlt! Ich hatte weder Anfang noch Ende derselben bemerkt und keine einzige unangenehme Empfindung gehabt. Jetzt fühlte ich mich matt, aber sonst vollkommen wohl, nur waren meine Glieder etwas ungelenkig, und ob ich gleich wieder ganz frei denken konnte, ging es mit dem Sprechen doch nur langsam und schwach. Doch nach Verlauf einer Stunde war auch dies Alles wieder zu seiner gehörigen Ordnung zurückgekehrt. Eigen und mir ganz unbegreiflich ist noch, daß schon eine Weile vorher, ehe ich zum Bewußtsein dessen kam, was um mich her vorging, ich Alles, was man von mir wünschte, gethan haben soll, als: ein Glas gehalten, Wasser in den Mund genommen u. s. w., dessen ich mich nachher durchaus nicht entsinnen konnte.«

M. G.


Wilhelmine B., ein 16jähriges Bauermädchen, litt seit einer Reihe von Jahren an einer enormen Auftreibung des Unterkiefers, welche die unteren Seitentheile und den Kinntheil einnahm und eine große Kugelgeschwulst bildete. Die Krankheit, welche Johannes Müller unter dem Namen Enchondrom so schön beschrieben hat, ist nach meinen Erfahrungen schon dadurch heilbar, daß man die überflüssige Masse fortnimmt, worauf der erhaltene Theil, sich rückbildend, wieder die Festigkeit des Knochens annimmt. Nachdem die Aetherdämpfe 4½ Minute lang eingeathmet waren, trat vollkommene Betäubung ein, worauf die auf dem Operationstisch sitzende Kranke niedergelegt wurde. Ich spaltete nun die Mitte der von der großen Knochengeschwulst weit ausgedehnten Lippe und Kinnhaut, vom Rande der ersteren an bis einen Zoll vor dem Kehlkopf, führte hier einen Querschnitt, und trennte dann die Weichgebilde von beiden Seiten in der Gestalt großer Lappen von der Geschwulst ab. Hierauf setzte ich an ihre Basis eine Messersäge und umsägte dieselbe von allen Seiten. Dann meißelte ich von den eingesägten Furchen aus den ganzen Tumor mit einem starken, breiten Messermeißel ab. Nach Stillung der Blutung und Wegnahme der scharfen Knochenränder mit einer Knochenscheere, vereinigte ich die Wundränder der Weichtheile, durch zwölf, theils umschlungene, theils Knopf-Nähte. Unter die Lippen auf dem Knochen wurde ein Bausch-Charpie gelegt. Die Kranke hatte bei der ganzen Operation keinen Laut von sich gegeben und war auch nach derselben noch halb betäubt. Sie hatte keine Art von Schmerzen empfunden.

Operation des Schielens.

Hr. N., Pharmaceut, schielte mit dem rechten Auge sehr stark nach innen, und wünschte davon befreit zu werden. Seine Empfindlichkeit für den Aether war so groß, daß er schon durch das Vorhalten von einem mit Aether besprengten Schwamm binnen 3 Minuten bewußt- und empfindungslos wurde. Ohne daß er sich im mindesten regte oder einen Laut von sich gab, konnte ich beide Augenlidhalter unter die Augenlider bringen, diese auseinanderziehen, die Bindehaut durchschneiden, den stumpfen Haken unter den inneren Augenmuskel bringen und diesen durchschneiden. Nach der Operation, welche etwa ¼ Minute gedauert hatte, kam der junge Mann bald wieder zu sich und gab an, keine Schmerzen empfunden zu haben.


Hr. Wilhelm E. schielte mit beiden Augen nach innen und wurde operirt, indem ich den inneren geraden Augenmuskel durchschnitt. Die Operation des linken Auges geschah ohne Aether, die des rechten mit demselben. Ich fand keinen Unterschied in der Operation, sie war auf beiden Augen gleich leicht und erforderte nur einige Augenblicke. Nach dem Erwachen des Kranken, zu dessen Betäubung nur 1½ Minuten gehörten, gab er an, die Operation des Auges, bei der er ätherisirt worden sei, gar nicht, die andere nur wenig empfunden zu haben.

Operationen von Wasserbrüchen.

Gottlieb L., 58 Jahr alt, mit einem großen Wasserbruch der rechten Seite wurde drei Minuten lang ätherisirt, und dadurch völlig betäubt. Des vorgerückten Alters wegen war die Radicaloperation hier unstatthaft, und nur die Palliativoperation angezeigt. Weder beim Einstechen des Troikars, noch beim Abfließen des Wassers, noch beim Herausziehen der Röhre hatte der Kranke irgend eine schmerzhafte Empfindung.


Ein junger Engländer, welchem ich die Radikaloperation eines Wasserbruches unter Einwirkung der Aetherdämpfe machte, schrieb darüber Folgendes wörtlich nieder.

»Den 10. März 1847 sollte ich an einer Hydrocele von Dieffenbach operirt werden. Da ich beschlossen hatte, vor der Operation die Aetherdämpfe einzuathmen, um den Schmerz zu vermeiden, so versuchte ich schon den Abend vorher dies Mittel, um seine Wirkung auf mich zu prüfen. Als ich ungefähr drei oder vier Minuten in tiefen Zügen eingeathmet hatte, verdunkelten sich allmälig meine Sinne, während mein Geist wach blieb. Dabei ging eine seltsame Verwandlung mit mir vor. Ich konnte mich durchaus nicht erinnern, wo oder in welchen Verhältnissen ich wäre, und fühlte bloß das lebhafteste Verlangen, bald zu mir zu kommen, aus Furcht, es möchte mir in diesem befremdlichen Zustande etwas zu Leide geschehen (lest I should be kidnapped in this strange state). In der Absicht, mich zu vertheidigen, bewegte ich Hände und Füße lebhaft, konnte aber nicht den Mund öffnen, um laut zu schreien. Nach dem Erwachen wußte ich, daß ich unruhig gewesen war, und da ich deshalb für den Erfolg der Operation fürchtete, nahm ich mir vor, am nächsten Tage alle meine Willenskraft anzuwenden, um mich so viel als möglich ruhig zu verhalten. Merkwürdiger Weise hatte mein Entschluß den gewünschten Erfolg. Als ich den folgenden Tag auf dem Operationstische den Aether wieder einathmete, verschwanden mir eben so schnell wie gestern meine Sinne. Obgleich das Einathmen dieser Luft mir unangenehm war, hätte ich es doch länger fortsetzen können, wenn mir nicht der Zweck desselben ganz entfallen wäre. So wünschte ich, davon befreit zu werden, und stieß nach ungefähr drei Minuten den Apparat aus dem Munde. Ich fühlte mich nun wie in einen Traum versetzt, ohne klare Vorstellung von dem operirenden Arzte oder den Umherstehenden oder den Händen, die mich hielten. Nur die Idee, daß ich operirt werden solle, lebte in mir fort und veranlaßte mich zu dem Ausrufe, die Operation jetzt zu beginnen. Es wurde der erste Schnitt gemacht, der mir sehr oberflächlich zu sein schien und den ich deutlich fühlte, ohne daß dieses Gefühl etwas Schmerzhaftes hatte. Beim zweiten Schnitte hatte ich den Gedanken, daß das Messer sehr scharf wäre und sehr sanft einhergleite; auch sei dieser Schnitt tiefer und dauere länger als der vorhergehende. Lebhaften Schmerz fühlte ich auch hier nicht, fürchtete aber, mein Muth könnte mich verlassen, wenn ein dritter und tieferer Schnitt folgen sollte, und streckte deshalb meinen Arm aus, damit die Assistirenden mich halten mögten, wenn ich unruhig würde. Allein ich fühlte nicht, daß Jemand mich angefaßt hätte. Plötzlich erwachte ich und wollte über meinen sonderbaren Traum lachen. Nur der Schmerz, den ich jetzt zu fühlen anfing, überzeugte mich, daß ich wirklich operirt worden war.

Thomas Christie, st. phil. aus Glasgow.


Einem 23jährigen Manne wollte ich einen großen Wasserbruch der rechten Seite operiren. Vorher ließ ich ihn Aetherdämpfe einathmen. Anfangs stieg in Folge des beschwerlichen Einathmens der Puls um dreißig Schläge in der Minute, dann wurde er allmälig langsam, und zugleich trat leichte Betäubung ein. In diesem Zustande verdrehte der junge Mensch die Augen schrecklich. Jetzt machte ich den Hautschnitt, wobei er stark zusammenfuhr, und hierauf ließ ich das Wasser durch die Durchschneidung der Scheidenhaut aus, wobei ein nochmaliges Zucken erfolgte. Nachdem er das Bewußtsein wieder erlangt hatte, sagte er, er habe sich selbst wie todt gefühlt, aber an den dunkel empfundenen Schmerzen gemerkt, daß er noch lebe.


Gottfried M., einem 23jährigen, schlanken, großen Manne, mußte ich in der Klinik einen großen Wasserbruch der rechten Seite operiren. Vorher wurde er ätherisirt, athmete aber so schlecht, daß ich endlich davon abstand, als der Kranke noch immer bei vollem Bewußtsein war, sprach und ein natürliches Aussehen zeigte. Nachdem der Schnitt, wobei er gar nicht zuckte, gemacht, und das Wasser abgelassen war, meinte er, nichts von der Operation gefühlt zu haben.


Ein anderer Patient befand sich, nachdem er fünf Minuten die Aetherdämpfe eingeathmet, in solcher Betäubung, daß man ihn empfindungslos glauben konnte, und daß man mit der Einathmung aus Besorgniß für ihn nicht fortzufahren wagte. Gleich beim ersten Messerzuge benahm sich der Kranke wie ein Betrunkener, der einen Schmerz im Taumel undeutlich fühlt; er bewegte machtlos die Arme und stieß unzusammenhängende, unverständliche Laute hervor. So blieb sein Benehmen während der ganzen Operation, und sagte er, zu sich gekommen, aus, daß er den Schmerz zwar gefühlt habe, aber sehr dumpf, ohne zu wissen, wo, und was eigentlich mit ihm geschehen.


Ein junger Mann mit einem Wasserbruch der linken Seite verfiel nach einem fünf Minuten langen Einathmen der Dämpfe in einen einer Ohnmacht ähnlichen Zustand, von höchster Erschlaffung des ganzen Körpers begleitet. Nach der schnell vollführten Operation und der Anlegung des Verbandes kam er wieder zu sich und drückte sein Erstaunen darüber aus, daß die Operation, von welcher er nichts gefühlt habe, schon vorbei sei.


Ein anderer junger Mann, welcher ebenfalls mit einem großen Wasserbruch der rechten Seite behaftet war, hatte sich früher niemals zu der Operation entschließen können. Die Hoffnung aber, durch Aether empfindungslos zu werden, gab ihm jetzt den Muth, sich der Operation zu unterziehen. Nachdem er vier Minuten lang die Dämpfe eingeathmet hatte, machte ich den Schnitt. Der Kranke schrie dabei gewaltig auf und wollte um sich schlagen, nachdem die Operation vorbei war. Es hatte für die Anwesenden das Ansehen, als wenn der Pat. sehr gelitten hätte; er selbst behauptete dies ebenfalls, hinterher aber verneinte er es und schob die Schuld seines heftigen Betragens allein auf den Rausch.


Franz B., 21 Jahr alt, athmete 2 Minuten lang, schien völlig betäubt, und die Operation des Wasserbruchs sollte so eben beginnen, als er mit dem Oberkörper in die Höhe fuhr und mit geöffneten Augen und freundlichem Blicke die Versammlung in der Klinik ansah. Er athmete dann nochmals zwei Minuten und wurde wieder betäubt, doch fing er an, sich auf den Operationstisch hin und her zu wälzen, und mehrere Menschen mußten ihn halten, so daß ich nur mit einigen Schwierigkeiten den Hautschnitt und die Eröffnung mehrerer großen Wasserbehälter, deren Wandungen sehr verdickt waren, bewerkstelligen konnte. Nachdem das Wasser abgeflossen, und die Wunde verbunden war, sagte der Patient, er habe heftige Schmerzen empfunden.

Zerstückelung des Blasensteins.

Hr. C. R. R. aus Dresden, ein kräftiger Mann in den 50er Jahren, litt an verschiedenen Beschwerden, welche gewöhnlich den Blasenstein zu begleiten pflegen. Da ich die Blase für gesund, den Stein nach angestellter Untersuchung nicht für sehr groß hielt, so beschloß ich die Zerstückelung desselben. Die große Reizbarkeit des Kranken hätte mich fast bestimmen können, dem Steinschnitt den Vorzug zu geben, wenn der Patient nicht seinen Widerwillen gegen die blutige Operation ausgedrückt hätte. Die Aetherisation, welche ich theils wegen der Korpulenz und Vollblütigkeit des Kranken, theils um nicht ganz die Empfindung aufzuheben, nicht über 5 Minuten auszudehnen wagte, führte nur theilweise Bewußtlosigkeit herbei. Dann brachte ich den Kateter ein und injicirte einige Unzen Wasser in die Blase. Dies ging gut und ohne Schmerzen von Statten. Schwieriger war die Einführung des Steinbrechers, wobei der Patient Schmerzen verrieth. Nachdem das Instrument in der Blase angelangt war, faßte ich den Stein sogleich. Derselbe zeigte, wie das Maaß angab, in der Direction, in welcher ich ihn ergriffen hatte, den Durchmesser einer großen Pflaume. Er ließ sich mit Leichtigkeit zerbrechen. Hierauf öffnete ich das Instrument noch 5 Mal, ergriff größere und kleinere Stücke des gesprengten Steines, welche ich zermalmte, und zog dann den Apparat heraus, da jede zu lang ausgedehnte Session höchst gefährlich ist. Der Kranke war der Meinung, vollkommenes Schmerzgefühl gehabt zu haben, woran ich indessen zweifle. Nach der Operation zeigte er sich vollkommen munter, verlor die ersten Steine gegen Abend, und konnte schon nach einigen Tagen spazieren gehen.


Herr St. R. L. aus Schiefelbein, 64 Jahr alt, litt seit geraumer Zeit an Steinbeschwerden. Er kam deshalb nach Berlin. Bei der Untersuchung entdeckte ich einen Stein von mäßiger Größe. Dieserhalb und der normalen Beschaffenheit der Blase wegen, zog ich die Zerstückelung des Steines dem Schnitt vor. Nachdem der Kranke 3 Minuten lang ätherisirt worden war, hörte die Empfindung und das Bewußtsein auf, so daß der Kateter ohne Schmerz eingeführt, und einige Unzen Wasser eingespritzt werden konnten. Dann zog ich den Kateter heraus und brachte eben so leicht die Steinzange von Heurteloup ein, faßte, so wie ich dieselbe flach niederlegte, den Stein sogleich in der linken Seite der Blase und zerbrach ihn. Das Maaß gab einen Durchmesser des Steines von 8 Linien an, doch war dies noch kein Beweis, daß ich ihn in seinem größten Diameter gefaßt hatte. Ich ergriff noch zu 8 verschiedenen Malen, so oft ich das Instrument aufthat, Stücke von 2, 3, 4 und 5 Linien, welche ich zerbrach. Bei der ganzen Operation, welche 7 Minuten währte, gab der Patient nur einige Male einen leisen Ton von sich, und als er erwachte, lächelte er, war mit der Schmerzlosigkeit der Operation äußerst zufrieden und klagte nicht über die geringste Empfindung in der Blase. Noch an demselben Tage gingen mit dem hellen Wasser und dem Urin Steinfragmente ab, eben so an den folgenden Tagen, wo das Befinden gut blieb, so daß eine baldige Wiederholung der Zerstückelung der übrigen Fragmente unternommen werden kann.

Bruchoperationen.

Eine Frau von 40 Jahren, Mutter von zwölf Kindern, welche ich schon vor ihrer Verheirathung durch die Operation von der Lebensgefahr eines eingeklemmten Bruches befreit hatte, war so unglücklich, auch an der linken Seite eine Brucheinklemmung und zwar die eines kleinen, gefährlichen Schenkelbruches zu erleiden. Wie bei dieser Bruchart überhaupt, welche wegen der Enge der Bruchpforte selten die Zurückbringung ohne Operation gestattet, sondern dieselbe schnell erfordert, um dem Brande vorzubeugen, so war auch hier wenig Aussicht, die Einklemmung ohne operative Hülfe zu beseitigen. Alle bis dahin von dem Hausarzte der Kranken, Hrn. Weidehaase, angewendeten Mittel und Versuche, selbst die im Bade angewendete Taxis, waren fruchtlos gewesen. Schon brach der dritte Tag der Einklemmung an, und die Gefahr war auf das Höchste gestiegen; heftige Schmerzen im Unterleibe und anhaltendes Erbrechen folterten die Kranke, und sie sehnte sich nun wirklich nach der Operation.

Nachdem nur einige anscheinend ganz unwirksame Athemzüge aus der Aetherflasche gethan waren, stieß die Kranke das Gefäß zurück und wollte ohne Aether operirt sein. Ich glaubte auch, sie ohne diesen zu operiren, aber indem sie hingelegt wurde, konnte ich die ganze, einige Minuten dauernde Operation vollenden, ohne daß auch nur ein Schmerzenslaut gehört worden war. Bei andauerndem Bewußtsein war hier also völlige Gefühllosigkeit eingetreten. Der Bruchsack war äußerst dünn, wie Postpapier, halb durchsichtig, die Darmschlinge noch von guter Beschaffenheit, nur braunroth gefärbt und hatte die Größe einer Wallnuß. Die Kranke wurde verbunden und ins Bette gebracht.


Eine 48jährige Frau kam mit einer dreitägigen, von den drohendsten Symptomen begleiteten Einklemmung eines Schenkelbruches der linken Seite in die Klinik. Alle vorher unternommenen Versuche, den Bruch zurückzubringen, waren vergeblich gewesen, und jeder neue Versuch mußte bei dem hohen Grade der Entzündung die Gefahr nur steigern. Ich nahm daher die Operation vor, ließ die Kranke nur zwei Minuten Aetherdämpfe athmen, worauf sie empfindungs- und bewußtlos da lag. Jetzt machte ich den ersten Schnitt durch die Weichtheile und eröffnete dann den Bruchsack. Die sich nun zeigende eingeklemmte Darmschlinge war schon blauschwarz; sie wurde nach dem Einschneiden der Bruchpforte in die Bauchhöhle zurückgeschoben, und dann die Wunde verbunden. Während der ganzen Operation, welche freilich nur einige Augenblicke gedauert hatte, gab die Kranke auch nicht das mindeste Zeichen von Schmerz, sie lag regungslos da, ohne einen Laut von sich zu geben. Erst nachdem sie zu Bette gebracht, und das Gesicht mit kaltem Wasser besprengt worden war, kehrte das Bewußtsein zurück, und noch später überzeugte sie sich erst, daß die Operation überstanden sei.


Ein wie ein Hühnerei großer, angewachsener Leistennetzbruch der rechten Seite, welcher einige Male die Veranlassung zu gefährlichen Darmeinklemmungen gegeben hatte, veranlaßte eine 34jährige Frau, sich in die Klinik zu begeben, um sich der Operation zu unterziehen. Kaum hatte sie vor derselben drei Minuten lang Aetherdämpfe eingeathmet, als sie regungslos da lag. Ich spaltete die Haut und die auf dem Bruche liegenden Theile, eröffnete den Bruchsack, schnitt das Netz ab, legte den Verband an, und erst nachdem die Kranke in ihrem Bette fortgetragen war, erfuhr sie, daß sie schon operirt worden sei. Sie selbst wußte nichts davon.


Wittwe S., 61 Jahr alt, in der Klinik, athmete nur 2 Minuten lang und verfiel in einen Zustand so sanfter Betäubung, wie man sich dieselbe bei allen Operationen wünschen mögte, denn sie lag regungslos da, ohne daß ihr Gesicht, der Athem und der Puls nur im mindesten besorgt machen konnten. Hierauf begann ich die Operation eines merkwürdigen rechten äußeren Leistenbruches, dessen bereits seit 5 Tagen bestehende Einklemmung von Erbrechen und Stuhlverstopfung begleitet war. Die Haut über der Geschwulst erschien geröthet, und die darunter liegenden Theile fest und entzündet. Beim Hautschnitt zeigte sich dies noch deutlicher. Nachdem eine dicke Bruchhülle gespalten und zurückgeschlagen war, zeigte sich eine runde, aschgraue Geschwulst von der Größe einer kleinen Wallnuß, welche einer brandigen Darmpartie ähnlich sah. Nachdem ich diese eröffnet hatte, flossen einige Tropfen molkigen Wassers ab, und kam ein dünnes, zersetztes, etwa einige Gran schweres Netzblättchen zu Gesicht, nach dessen Entfernung eine kleine, seitlich zusammengefaltete Darmwand von dunkelbrauner Farbe erschien. Ich nahm dann mit einem schmalen, geknöpften Bruchmesser die Erweiterung der Bruchpforte vor und konnte nun sogleich die Darmwand in die Bauchhöhle zurückschieben. Hierauf wurde der vordere, am meisten verdickte Theil der Bruchhülle mit der Scheere abgeschnitten, und die Wunde mit Charpie und Pflaster verbunden. Bei der ganzen Operation hatte die Kranke sich nicht geregt, durch keine Miene eine Schmerzempfindung verrathen oder einen Laut von sich gegeben. Als sie erwachte, wußte sie nicht, daß sie schon operirt worden sei.


Ein 42jähriger Arbeiter in einer Zuckerfabrik wurde in die Klinik gebracht. Derselbe war seit Jahren mit einem rechten Schenkelbruch behaftet, welcher sich früher schon eingeklemmt hatte, aber zurückgebracht werden konnte. Der Kranke wurde jetzt durch ein neues Hervortreten einer kleinen Darmpartie, welche seit 4 Tagen eingeklemmt war, in die größte Lebensgefahr versetzt. Heftige Schmerzen im Leibe, große Empfindlichkeit des Bruches und immer zunehmendes Erbrechen machten die Operation um so dringender nöthig, als bei der schmerzhaften Anschwellung des Bruches nicht mehr an eine Zurückbringung desselben zu denken war, und durch jeden erfolglosen Versuch die Entzündung vermehrt werden mußte. Nachdem der Kranke vier Minuten lang die Aetherdämpfe eingeathmet hatte, wobei er in eine widerstrebende Aufgeregtheit gerieth, stellte sich in dem Augenblicke, wo er empfindungslos wurde, ein unangenehmer Rausch bei ihm ein. Er redete irre, warf sich hin und her, wollte aufspringen und sich nicht operiren lassen. Dann legte er sich wieder nieder, und während er wild und verworren sprach, machte ich die Operation; ich durchschnitt die Weichtheile und fand einen alten, harten, verdickten Bruchsack von der Größe einer Wallnuß. Der Schenkelring war sehr eng, weshalb ich ihn vor der Eröffnung des Sackes durch einen Einschnitt erweiterte. Hierauf öffnete ich den fleischigen, blutreichen Bruchsack und schob die darin angeklebte, dem Brande nahe Darmpartie in die Bauchhöhle zurück. Dann wurde der Kranke verbunden. Auf mein Befragen, ob er Schmerzen bei der Operation gehabt habe? sagte er: »fürchterliche«, und erzählte dann noch mit lallender Zunge, wie ein Trunkener, von seinen ausgestandenen Leiden. Ganz glaubwürdig schien mir dies aber nicht.


Wilhelm W., 1 Jahr alt, ein schöner, kräftiger, blonder Knabe, hatte einen angebornen äußeren Leistenbruch der rechten Seite. Derselbe war seit 24 Stunden eingeklemmt, und alle Versuche, denselben zurückzubringen, vergebens gewesen. Die Bruchgeschwulst hatte die Größe einer großen Pflaume, war prall, fest und sehr empfindlich. Alle ferneren Repositionsversuche schienen gefährlich, weshalb ich die Operation nach vorheriger Aetherisirung vornahm. Es dauerte aber 4 Minuten, bis das kräftige, stark schreiende Kind betäubt wurde. Nachdem ich nun die Hautdecken gespalten hatte, eröffnete ich die den Darm einschließende Scheidenhaut auf einer spitzigen Rinnsonde. Es floß etwa eine Drachme violetten Blutwassers ab. In der vergrößerten Wunde erschien jetzt die blauroth gefärbte, 3 Zoll große Dünndarmschlinge, an deren Seite sich bereits einige blauschwarze, verdächtige Flecke zeigten. Ungeachtet der Bruch ein angeborner war, war der Leistenring äußerst eng, so daß der Darm dadurch wie durch ein fest umgelegtes Band zusammengeschnürt wurde. Nachdem ich die Bruchpforte nach verschiedenen Seiten eingeschnitten und dadurch erweitert hatte, gelang mir durch sanfte Manipulationen erst nach einer Weile die Zurückbringung des Darmes. – Obgleich das Kind vollkommen betäubt wurde, so war in diesem Falle die Aetherisation doch ohne alle Hülfe bei der Zurückbringung des Darmes; ihr Nutzen war aber dennoch hoch anzuschlagen, weil das Kind von alle dem, was mit ihm geschah, nichts fühlte. Erst einige Minuten nach Beendigung der Operation und Anlegung des Verbandes kehrte Bewußtsein und Empfindung zurück.


Mad. A., einige 40 Jahre alt, litt seit einer Reihe von Jahren an einem linken Schenkelbruch. Der großen Empfindlichkeit des Bruches wegen konnte sie kein Bruchband tragen, und ohne dieses trat der Bruch heraus. Um die Gefahr einer Einklemmung abzuwenden und sie in den Stand zu setzen, ein Bruchband tragen zu können, unternahm ich in Uebereinstimmung mit ihrem Arzte, dem Hrn. Dr. Koner, die Operation. Vorher athmete die zarte, reizbare Kranke einige Minuten die Aetherdämpfe. Sie verlor danach das Bewußtsein keinesweges, doch schien die Empfindlichkeit etwas abgestumpft zu sein. Nach Durchschneidung der Weichgebilde und Eröffnung des Bruchsackes, fand sich dieser mit einer klaren Flüssigkeit angefüllt, und auf seinem Grunde, am Rande des Schenkelringes ein angewachsenes, hartes, kleines Netzstück, welches ich abschnitt. Der Bruchsack wurde mit Charpie angefüllt, und die Wunde mit Pflasterstreifen bedeckt. Die Kranke, welche bei der Operation keinen Laut von sich gegeben hatte, war indessen der Meinung, den natürlichen Grad des Schmerzes empfunden zu haben.


Bei nicht eingeklemmten Brüchen, welche durch ein gutes Bruchband zurückgehalten werden können, bin ich gegen alles Operiren. Noch weit mehr bei denen, welche nicht zurückgehalten werden können, weil es da noch gefährlicher ist und noch weniger hilft. Ich sage wie Lawrence: »Wer einen eingeklemmten Bruch hat, unterwirft sich der Operation, um sein Leben zu retten. Derjenige aber, der sich einen nicht eingeklemmten Bruch operiren läßt, setzt sein Leben auf das Spiel, um einiger Beschwerden überhoben zu werden, und die Operation giebt ihm doch keine andere Aussicht zur gänzlichen Heilung, als er auch ohne dieselbe gehabt haben würde.« Die frühere Chirurgie zeigt uns eine grausenvolle Menge von Todesfällen nach den Versuchen der radicalen Heilung der Brüche, und die Ueberlebenden waren meistens nicht geheilt. Die Gerdy'sche Invagination ist freilich minder gefährlich als manche andere Methode, doch meistens ohne Erfolg, auch nicht ohne Todesfälle. Unzähligen Personen, an denen die Operation in und außerhalb Deutschlands erfolglos gemacht worden, und welche mich um Rath fragten, weil sie nicht geheilt waren und nach wie vor ihr Bruchband trugen, sagte ich, sie sollten es nur fort tragen. – Ein junger Mann wollte mich einstens fast zwingen, ihn zu operiren, aber ich wollte nicht. Darauf stieß er sich einen gekrümmten Troikar in die Gegend des Bruches in dem Wahn ein, sich selbst heilen zu können. Ich fand ihn in seinem Blute. Doch starb er nicht. – Einen ähnlichen Bruchpatienten mit zwei äußeren Leistenbrüchen sollte ich kürzlich davon befreien. Diese Idee war bei dem liebenswürdigen, braven, jungen Manne so fix geworden, daß er das Zimmer nicht mehr verließ und immer hinter herabgelassenen Rouleaux saß. Nichts vermochte ihn von seiner Hypochondrie zu heilen. Ich durchschnitt ihm die krallenförmig zusammengezogenen, das Gehen erschwerenden Beugesehnen der Zehen, – er blieb immer bei seinen Brüchen. Nur die Furcht vor Geistesstörung oder noch etwas Schlimmerem ließ mich endlich an die unheimliche Invagination denken. Ich nahm diese zuerst an dem rechten, größeren Bruche vor. Der Kranke ward nach fünf Minuten langem Aetherisiren sehr unruhig, sprach verworren und versicherte nach Beendigung der Operation, daß die Schmerzen sehr groß gewesen wären, obgleich dieselbe nur in der Einschiebung einer Hautfalte in den Leistenkanal und dem Anlegen einer Naht bestanden hatte.

Vierzehn Tage nach der Operation des Bruches an der rechten Seite, bei der die Heilung durch Bildung eines Abscesses oberhalb der Leistengegend gestört war, der indessen nach früher Eröffnung keine weiteren üblen Folgen hatte, nahm ich die Operation an der linken Seite vor. Binnen drei Minuten war der Patient vollkommen betäubt. Ich invaginirte die Haut in dem Leistenkanal und befestigte sie mit einem Doppelstich, wobei mittelst der Fadenschlinge ein Schwammstück mit in den Kanal hineingezogen, und die Enden auswendig auf einem zweiten zusammengeknüpft wurden. Dies war das Werk eines Augenblicks. Beim Erwachen war der Kranke erstaunt, daß die Operation vorüber sei, von der er diesmal nichts gefühlt hatte.

Operation einer angebornen Phimose.

Ein 1½jähriger Knabe litt an einer angebornen Phimose. Des hohen Grades des Uebels wegen sammelte sich der Urin hinter der Vorhaut, so daß diese blasenförmig aufgetrieben wurde, worauf er dann in einem feinen Strahl und zuletzt tropfenweise aus der haarfeinen Oeffnung abging. Da die Operation nicht länger aufgeschoben werden konnte, so ätherisirte ich das unruhige Kind durch Vorhalten eines mit Aether angefeuchteten Schwamms. Nach anderthalb Minuten wurde es ruhig und schloß die Augen. Beim Abschneiden der Spitze des Präputiums und bei der Spaltung der inneren Lamelle ließ das Kind einen dumpfen Seufzer vernehmen, schien übrigens nicht zu leiden.

Operation eines Mastdarmpolypen.

Friedrich P., ein schöner, 5jähriger Knabe litt seit langer Zeit an Blutungen aus dem Mastdarm, welche durch einen Polypen hervorgebracht wurden. Nach 2 Minuten der Aethereinathmung wurde das Kind bewußtlos. Ich führte einen Finger in den Mastdarm, brachte dann einen zwei Zoll von der Oeffnung aufsitzenden Polypen von der Gestalt, Größe und Farbe einer dunkelrothen Gartenerdbeere heraus und durchschnitt den dünnen, sehnigen Stiel. Das Kind hatte von der Operation nichts gefühlt und kam dann bald wieder zu sich.

Operation eines Mastdarmvorfalls.

Ein fremder Herr, 57 Jahre alt, von kräftigem Körperbau, seit vielen Jahren mit einem wie ein Hühnerei großen prolapsus ani behaftet, welcher die Quelle unsäglicher, das Leben verbitternder Leiden geworden war, entschloß sich zur Operation unter der Einwirkung der Aetherdämpfe. Der Kranke athmete lange und tief, aber er wurde nicht betäubt, auch nicht empfindungslos. Da dann in Folge des langen Einathmens das Gesicht dunkelroth wurde, so ließ ich ihn aus Besorgniß, daß es zu viel werden könnte, den Dunst nicht mehr einziehen; auch sagte er mir, »es wird Ihnen nicht helfen, ich bin zu sehr an starke Getränke gewöhnt.« Ich schnitt nach vorher durchgeführten Fäden aus den vorliegenden, zum Theil entarteten Darmpartien, zwei große Keilstücke aus, vereinigte die Wundränder, stillte dadurch die heftige Blutung und reponirte den Rest. Obgleich sich der Aether hier anscheinend ganz unwirksam zeigte, und der Kranke sich sehr über Schmerzen beklagte, so schienen mir dieselben doch nicht in dem Grade stark zu sein, wie ich sie sonst bei dieser Operation wahrgenommen hatte.

Operation eines Panaritiums.

Dieser Fall ist durch das häufige Vorkommen des Uebels ohne alles Interesse, merkwürdig dagegen durch den so unerhört schnellen Eintritt der Betäubung. Eine Dame von einigen dreißig Jahren war seit 8 Tagen durch ein Panaritium am linken Zeigefinger von den fürchterlichsten Schmerzen, welche ihr den Schlaf raubten, gefoltert. Sie wollte nicht einmal die Berührung des kranken Fingers erlauben, noch weniger sich zu einem Einschnitt verstehen, obgleich ich ihr sonst den Verlust oder wenigstens die Verkrümmung des Zeigefingers prophezeite. Als ich ihr dann die vorherige Betäubung durch Aether empfahl, willigte sie wenigstens darin, einen mit Aether befeuchteten Schwamm vor Mund und Nase zu halten. Ich befeuchtete nun einen Schwamm von der Größe einer großen Untertasse mit Aether, drückte denselben aus und ließ ihn unmittelbar auf Mund und Nase legen. Zu meinem größten Erstaunen trat schon nach ⅓ Minute völlige Empfindungslosigkeit mit gänzlich aufgehobenem Bewußtsein ein. Alle Sinne, selbst das Gehör waren aufgehoben, und der Puls äußerst langsam. Ich machte jetzt, ohne daß die Kranke es nur im Geringsten merkte, an der einen Seite des Fingers einen Einschnitt bis auf die Knochen, worauf sich eine Menge Eiter entleerte. Noch immer lag die Kranke in tiefer Betäubung da, und erst nach dem Besprengen mit kaltem Wasser öffnete sie die Augen und erhob sich, noch in dem Glauben stehend, der Schnitt soll erst jetzt vorgenommen werden.

Amputationen größerer Glieder.

August S., ein Mann von 39 Jahren, litt an einer cariösen Zerstörung der Knochen der Handwurzel und Hand, welche keine Hoffnung auf Heilung mehr zuließ. Nur die Amputation konnte dem Kranken noch das Leben retten. Derselbe wurde zuvor ätherisirt. Es dauerte vier Minuten, bis Betäubung eintrat. Ich machte die Cirkel-Amputation über dem Handgelenk. Weder beim Durchschneiden der Haut, noch der Muskeln und der Durchsägung der Knochen gab der Kranke ein Zeichen des Schmerzes von sich, er lag regungslos da, und selbst die Unterbindung der Gefäße und das Anlegen des Verbandes konnte vor dem Erwachen des Patienten vorgenommen werden. Erst dann brach er nach einem Gestöhn in die Worte aus, er sei betrunken, und wir Alle. Hierauf ward er wieder vollkommen verständig, stieg, ohne daß er unterstützt werden wollte, vom Operationstisch. Als ich ihn fragte, haben Sie Schmerzen gefühlt? »Nein. Ich habe zwar etwas empfunden, aber keine Schmerzen, es war mir nur, als ob ich angefaßt würde.«


Henriette W., 38 Jahre alt, von großem, kräftigem Körperbau, war mit einem rechten Klumpfuß höheren Grades geboren. Das Uebel war nicht geheilt und hatte Gelegenheit zu schwieliger Entartung des Fußes, zu großen, callösen Fußgeschwüren und endlich zur speckigen Degeneration des Unterschenkels gegeben. Das Glied hatte die Dicke und Form eines Elephantenbeins und war nicht mehr zu heilen. Nur die Amputation konnte allenfalls das Leben noch retten. Nach vier Minuten langem Einathmen der Aetherdämpfe wurde die Patientin vollständig betäubt. Auf dem Operationstisch liegend, den gesunden Fuß auf einen Stuhl gestützt, den rechten von geübten Assistenten gehalten, machte ich den Cirkelschnitt dicht über dem Kniegelenk; durchschnitt beim ersten Schnitt die Haut, beim zweiten die dicken Muskeln mit einem Zuge, schob die Weichgebilde mit meinem Retractor zurück und sägte den Knochen ab. Dies war das Werk einiger Sekunden. Kein Laut des Schmerzes oder des Unbehagens vernahm man dabei. Dann wurden die Arterien unterbunden, und der Verband angelegt. Jetzt kehrte das Bewußtsein allmälig zurück. Die Kranke sprach jetzt die Worte: »warum weckt ihr mich? wo war ich denn? es war so schön, ich war in einem schönen Garten mit Blumen, warum habt ihr mich denn aufgeweckt?« Sie blickte umher, machte eine schüttelnde Bewegung mit dem Kopfe und sank gleichsam einschlummernd zurück. Sie wurde dann vom Tisch ins Bette gelegt und auf ihr Zimmer gebracht.

Sehnen- und Muskeldurchschneidungen.

Hermann B., 2½ Jahr alt, war mit einer rechten Klumphand des höchsten Grades geboren. Vor der Operation athmete er 6 Minuten lang Aetherdämpfe, bis Empfindungslosigkeit eintrat. Bis dahin hatte er fortwährend geschrieen, jetzt aber wurde die Stimme matter und veränderte sich auch nicht weiter während der subcutanen Durchschneidung der verkürzten Beugesehne der Handwurzel und Hand. Dann wurde der Verband angelegt, wobei sich das Kind wieder munter zeigte.


Friedrich J., 24 Jahre alt, hatte in Folge eines Panaritiums des rechten kleinen Fingers eine Verkrümmung des höchsten Grades erlitten, welche mehr Folge einer faltenförmigen Längennarbe als einer Sehnencontractur war. Der Aether betäubte ihn binnen vier Minuten. Die Operation mußte eine complicirte sein, da die bloße quere Durchschneidung der Narbe keinen Erfolg haben konnte. Ich führte längs der Narbe an beiden Seiten zwei Schnitte herab, welche zu Anfang der Handfläche mit abgerundeter Spitze zusammentrafen, und durchschnitt hier die Beugesehne. Dann wurde der Hautstreifen bis gegen die Fingerspitze hin gelöst, der Finger etwas gestreckt, der Hautstreifen nach vorn gerückt und an die seitlichen Wundränder mit Nähten befestigt. Er diente zur Deckung der beiden vorderen Glieder, während die Wundränder der hinteren durch Pflasterstreifen einander genähert waren. Der Kranke gab nach überstandener Operation an, dieselbe wenig empfunden zu haben.


Carl R., 42 Jahre alt, erlitt eine schwere Verletzung des linken Unterschenkels, wobei der Fuß nach außen verrenkt, das Wadenbein über dem äußeren Knöchel gebrochen, die Gelenkkapsel an der inneren Seite des Fußes sammt der äußeren Haut zerrissen wurde, so daß der ganze innere Knöchel nackt hervortrat. Da man den Fuß nicht hatte wieder einrenken können, so war die Heilung in dieser widernatürlichen Stellung erfolgt, der herausgetriebene innere Knöchel angeschwollen und mit einer dünnen Haut bedeckt. In diesem Zustande kam der Kranke noch vor der Aetherzeit in die Klinik. Ich umgab den Knöchel mit zwei halbmondförmigen Schnitten, präparirte die Haut an beiden Seiten ab, sägte den Knöchel aus und brachte den Fuß in eine fast natürliche Stellung, so daß die Sohle dem Boden wieder zugekehrt war. In dieser Richtung wurde das Glied einige Monate lang bis zur Heilung erhalten. Die Stellung war aber noch nicht ganz günstig, indem die Ferse zu hoch, und die Spitze des Fußes zu tief stand, so daß jene den Boden nicht erreichen konnte, wie dies beim dritten Grade des Pferdefußes der Fall ist. Es mußte also die Achillessehne durchschnitten werden. Nachdem der Patient vorher 2 Minuten lang ätherisirt worden war, durchschnitt ich die Sehne 1½ Zoll über der Ferse; die Enden wichen sogleich weit auseinander, und ich konnte den Fuß in eine bessere Stellung bringen. Beim Schnitt schrie der Kranke auf, erinnerte sich aber beim Erwachen nicht, daß er Schmerzen empfunden habe. Dann wurde das Glied verbunden.


Hr. B., Kaufmann, 30 Jahre alt, war mit einem niedrigen Grade des Klumpfußes beider Extremitäten gekommen. Die Füße waren nur wenig verdrehet, aber kurz, die Sohle stark ausgehöhlt, der Rücken des Fußes gewölbt, die Zehen stark zurück- und dabei krallenförmig zusammengezogen. Nach fünf Minuten langem Einathmen war der Kranke vollkommen betäubt. Ich durchschnitt darauf die zusammengezogenen Sehnen an der Fußsohle und sämmtliche Sehnen aller Zehen, ohne daß der Patient zuckte oder einen Laut von sich gab. Nachdem er wieder zu sich gekommen war, versicherte er, einige Schmerzen bei der Operation empfunden zu haben.


Wilhelm B., 19 Jahre alt, litt an Plattfüßen. Der linke hatte den vierten, der rechte erst den dritten Grad erreicht. Ersterer machte dem Kranken beim Gehen große Beschwerde, da der innere Knöchel als großer Buckel hervorragte und der Patient großentheils auf dem inneren Fußrande zu gehen genöthigt war. Die Wadenmuskeln waren erschlafft, sämmtliche Strecksehnen und der lange Wadenbeinmuskel stark zusammengezogen. Nach 3 Minuten der Aetherisation trat völlige Betäubung ein, so daß ich alle Strecksehnen und den langen Wadenmuskel durchschneiden konnte, ohne daß der junge Mensch das Mindeste davon empfand. Erst nach Beendigung der Operation, bei der Geradrichtung des Fußes, während der Verband angelegt wurde, drückte er eine geringe Schmerzempfindung aus.


Bei einem jungen Manne von 24 Jahren, welcher an einem hohen Grade der seitlichen Einbiegung des linken Kniegelenks litt, so daß Unter- und Oberschenkel zusammen einen stumpfen Winkel bildeten, das Gehen äußerst unvollkommen und krüppelhaft war, sollten die Sehnen an der äußeren Seite des Kniegelenkes durchschnitten werden. Kaum hatte der Kranke einige Minuten die Aetherdämpfe geathmet, als er plötzlich unter wildem Geschrei um sich schlug und tobend Alle angriff, welche ihn umgaben. Acht Menschen rangen mit ihm, um zu verhindern, daß er sich kein Leid zufüge, und fortwährend vertheilte er Faustschläge nach allen Seiten hin. Dieser Sturm dauerte vier bis fünf Minuten, dann trat einige Ruhe ein, welche ich benutzte, um von kleinen Stichwunden aus die verkürzten Sehnen und Muskeln zu durchschneiden. Nach dieser blutlosen Operation wurde der Verband angelegt. Der Kranke befand sich jetzt in einer weichen, weinerlichen Stimmung, nickte wie ein Närrischer noch fortwährend mit dem Kopfe, machte tausend Entschuldigungen über sein Betragen, dessen er sich zum Theil bewußt war, versicherte aber, von der Operation selbst nichts gefühlt zu haben.


Ein junger Mann von 26 Jahren litt in Folge einer in früher Jugend überstandenen scrophulösen Knieentzündung an einer starken Einwärtsbiegung des Gliedes. Nur durch die Durchschneidung der äußeren Sehnen, besonders der des zweiköpfigen Muskels, und eine zweckmäßige orthopädische Nachbehandlung war die Heilung möglich. Vorher mußte er sieben Minuten lang Aetherdämpfe einathmen. Erst dann trat Empfindungslosigkeit mit theilweise aufgehobenem Bewußtsein ein. In dem Augenblicke, wo ich die Sehne unter der Haut zu durchschneiden begann, erfolgte ein Ausbruch von Wuth, wobei der Kranke die Augen fürchterlich rollte und um sich schlug. Dabei war er mit Schweiß bedeckt und verrieth eine unbeschreibliche Angst. Dann ließ der Sturm der Erscheinungen nach, mildere Empfindungen traten an die Stelle der heftigen, und die Scene endete mit scherzhaften Gestikulationen, unaufhörlich freundlichem Kopfnicken und freundlichem Bitten um Verzeihung, wenn etwa das Betragen nicht ganz anständig gewesen wäre. »Aber ich konnte nicht anders, sagte der gute Mensch, ich mußte das thun; daß ich operirt bin, glaube ich, weil Sie es mir sagen, und ich mein Knie verbunden sehe, gefühlt habe ich aber gar nichts.«


Fräulein Rosalie M. aus Polen, 22 Jahre alt, hatte vor einem Jahre in Folge einer scrophulösen Entzündung des linken Kniegelenks, welche in cariöse Zerstörung übergegangen war, eine Verkrümmung des Gliedes im rechten Winkel erlitten. Das Glied war abgemagert und im Gelenke verwachsen. Die Kranke athmete 2 Minuten lang die Dämpfe, worauf sie völlig betäubt wurde. Bei der Anwendung der nöthigen Kräfte trennte sich die Verwachsung im Gelenk wieder, worauf ich sämmtliche verkürzte Sehnen in der Kniebeuge von feinen Einstichspunkten aus durchschnitt, dann das Glied möglichst gerade bog und den Verband anlegte. Das Alles geschah in wenigen Augenblicken, und als die Kranke wieder erwachte, glaubte sie, geträumt zu haben.


Ein Knabe von 13 Jahren mit einer Verkrümmung beider Knieen, wurde in die Klinik Behufs der Operation und Geraderichtung aufgenommen. Nachdem ich ihn zuvor 4 Minuten lang Aetherdämpfe hatte einathmen lassen, trat urplötzlich die Wirkung des Mittels, welche sich als ein äußerst heiterer Rausch zeigte, ein. Er war so ausgelassen, daß er den Zuhörern die Zunge zeigte und sie unter den sonderbarsten Grimassen verhöhnte. Von der Operation, welche in der Durchschneidung der verkürzten Sehnen unter der Haut und wegen des aufgehobenen Widerstandes in leichter Streckung der Glieder bestand, verspürte er durchaus nichts. Auch nach der Anlegung des Verbandes blieb er noch eine Weile in dieser ungebundenen Heiterkeit.


Ein junger Jurist, welcher seit seiner Kindheit in Folge einer scrophulösen Gelenkentzündung an einer Verkrümmung des linken Kniegelenks in einem so hohen Grade litt, daß der Unterschenkel mit dem Oberschenkel einen Winkel bildete, sollte mittelst Sehnendurchschneidung von dieser Mißbildung befreit werden. Nachdem derselbe zuvor vier Minuten lang die Aetherdämpfe eingeathmet hatte, trat plötzlich ein hoher Grad von Betäubung mit vollkommener Empfindungslosigkeit ein. In diesem Augenblick führte ich ein strohhalmbreites, sichelförmiges Messer durch einen kleinen Einstich ein, und durchschnitt die stark verkürzten Sehnen und die Sehnenhaut in der Kniekehle, welche sich dann, nachdem der Widerstand aufgehoben war, in eine fast normale Stellung bringen ließ. Dann wurde ein leichter Verband angelegt. Ich lasse den Kranken mit eigenen Worten seinen Zustand während der Operation beschreiben.

»Nachdem ich drei oder vier Züge von dem Aetherdunst genommen hatte, merkte ich, wie ich davon berauscht wurde. Ich fiel um, empfand aber noch, wie man mich halten wollte. Nachdem ich mit dem Kopfe auf das Kissen niedergesunken war, dachte ich: Sie haben dir zu viel beigebracht, nun ist es aus mit dir! Dabei empfand ich, wie man sich mit mir beschäftigte, wahrscheinlich um mich in die zur Operation nöthige Lage zu bringen. Zugleich fühlte ich auch Schwingungen, deren Geschwindigkeit sich immer mehr steigerten, ohne daß ich recht wußte, wie und wo; dann hörte ich die schönste Militärmusik, hauptsächlich von Blaseinstrumenten. Im Knie war ein leiser Druck mit Stechen und Prickeln verbunden. Ich vernahm bloß die Worte: »das wird nicht ausreichen«, und erwachte, aber ganz trunken. Dann mußte ich noch einmal einathmen, worauf ich wieder betäubt wurde, ich träumte wieder, aber ich weiß nicht, was. Beim Erwachen fühlte ich heftige Schmerzen im Knie, so daß ich laut aufschreien mußte. Während jener schönen aber verworrenen Phantasieen schien es mir, als wenn ich an zwei Stellen in der Kniekehle geschnitten würde, auch daß man das Knie streckte, aber ich konnte das Nähere darüber nicht durch den Schmerz erkennen.

Nachdem Alles vorbei war, fühlte ich den Aether gleichsam im Kopf und im Knie, mir war zu Muthe, wie wenn ich von einem totalen Rausche erwachte. Das getrunkene Wasser beseitigte bald Alles; im Bett empfand ich nachher noch ganz deutlich, wie der Aether den ganzen Körper durchdrungen hatte. Als er dann aber ganz und gar verschwunden war, fühlte ich ungefähr eine Stunde lang gelinde Schmerzen in der Wunde.«

Operation des falschen Gelenkes.

Die von mir angegebene und öfter mit Glück ausgeführte sicherste Operationsmethode des sonst so schwer zu heilenden widernatürlichen Gelenkes, welches die Folge eines nicht festgewordenen Knochenbruches ist, und das Glied unbrauchbar macht, besteht in dem Durchbohren der überknorpelten Knochenenden von kleinen Stichwunden der Weichtheile aus, und in der Einführung von Elfenbeinstäben in die Knochen zur Erregung von Callus-Ausschwitzung. Ein Mann von 32 Jahren, mit einem sehr beweglichen falschen Gelenk des linken Oberarms, bei dem ich diese Operation vornahm, verweigerte nach den ersten Athemzügen das weitere Inspiriren, und ich mußte die Operation nach alter Weise ohne Aether machen. Er war auch ohne diesen so ruhig, als hätte er den mildesten Rausch, und stieß nicht ein Mal einen Seufzer aus.

In einem höchst complicirten Fall von widernatürlichem Gelenke wurde die Kranke nach vier Minuten langem Inspiriren völlig betäubt, und ich konnte nun zur Operation schreiten. Diese bestand in Folgendem. Die Hand war in Folge eines schweren Sturzes nach innen abgewichen, so daß sie zum Arm im stumpfen Winkel stand, außerdem war ein falsches Gelenk zu Anfange des unteren Drittheils der Speiche vorhanden, und die wackelnden Enden lagen auf und an dem Ellenbogenknochen. Um diese Uebelstände zu heben und das Glied, welches ganz unbrauchbar war, zu verbessern, war Folgendes nöthig: 1) den gesunden Ellenbogenknochen an der Stelle, wo sich der Bruch in der Speiche befand, auch zu zerbrechen; 2) die Knochenenden der Speiche subcutan zu durchbohren und Zapfen hineinzuführen; 3) die verkürzten Sehnen der Handwurzel unter der Haut zu durchschneiden. Diese einzelnen Theile der Operation wurden nach einander ausgeführt, und mit dem schwierigsten Akte, der Durchbohrung des Knochens, angefangen; dann der Radius von vier Menschen zerbrochen, und endlich die Sehnen durchschnitten. Alles wurde glücklich vollendet, ohne daß die Kranke dabei erwachte oder nur die mindesten Schmerzen empfand. Der Erfolg der Operation war nach vier Wochen befriedigend.

Einrenkung des Oberarms.

Ein Freund von mir, ein hiesiger berühmter Arzt, hatte das Unglück, beim Herabsteigen einer Treppe auszugleiten, und indem er sich am Geländer festhielt, den rechten Oberarm auszurenken, gleichsam aus dem Gelenk herauszudrehen. Eine halbe Stunde nach dem Vorfall sah ich den Kranken, welcher bleich und von den heftigsten Schmerzen mit dem Gefühl von Taubheit in dem Gliede gefoltert war. Mein Freund willigte in den Vorschlag, vor der Einrichtung Aetherdämpfe einzuathmen. Nachdem dies 7 Minuten lang geschehen war, hörten die Schmerzen auf, und an ihre Stelle trat eine heitere Aufregung. Die Einrichtungsversuche begannen nun auf einem Tisch, auf welchen eine Matratze gelegt war. Aber trotz der gehörigen Fixirung, der richtig angewendeten Kräfte von acht Männern, und den methodisch verstärkten Tractionen, bedurfte es mehrmaliger Angriffe, um die Widerspenstigkeit der starken Muskulatur zu überwinden. Endlich fuhr der Kopf mit erschütterndem Geräusch in die Pfanne zurück.

Ich kann nicht sagen, daß die Einrichtung in diesem Falle durch den Aether erleichtert war, ich habe Hunderte von Verrenkungen des Oberarms ohne Aether leichter eingerenkt. Die starken Muskeln waren bei dem nicht bis zur völligen Betäubung gebrachten Kranken nicht erschlafft, und so ihr Widerstreben nicht verringert. Dennoch versicherte der Kranke später, daß durch das Einathmen des Aethers alle Schmerzen beim Einrenken gehoben worden wären, und daß er nur eine undeutliche Erinnerung von dem Vorgegangenen habe.

Ansetzen von Moxen.

Einem Manne in den dreißiger Jahren, welcher an einer Lähmung der unteren Gliedmaßen litt, sollten Brenncylinder auf dem unteren Theil des Rückens abgebrannt werden. Zwölf Athemzüge des Aetherdampfes reichten hin, den Kranken empfindungs- und bewußtlos zu machen. Kaum waren die Moxen angezündet so bemächtigten sich die wildesten Phantasieen des Patienten. Ihr Verfluchten! Ihr Vermaledeiten! Ihr Mörder! Ihr Höllenbrut! rief er ein Mal über das andere. So fuhr er noch eine Weile, ganz regungslos da liegend, in den bittersten Schmähungen gegen seinen Arzt, den Hrn. Dr. Philipp, gegen mich und die anderen Umstehenden fort. Als er dann aus seinem Traume erwachte, das Brennen fast beendet war, sagte er, er fühle, was mit ihm vorgehe, ganz deutlich. Er versicherte übrigens, daß der Zustand, in welchen er durch den Aether versetzt worden, ein höchst unangenehmer sei, doch verschwand derselbe bald wieder vollständig.


Einem Kranken, welcher an einer langwierigen Entzündung des Kniegelenks litt, mußten zwei Brenncylinder an das Knie gesetzt werden. Vorher athmete derselbe fünf Minuten lang Aetherdämpfe, bis Empfindungslosigkeit und halbe Bewußtlosigkeit eintraten. Bei dem sonst so schmerzhaften Abbrennen der Moxen zuckte er nur wenig, und als er erwachte, wollte er kaum glauben, daß die Operation schon beendet sei. Das Gefühl während derselben schilderte er, daß es ihm so vorgekommen wäre, als hätte ihm Jemand die Zehen gedrückt. Voll Verwunderung betrachtete er die Brandflecke auf der Haut und meinte, daß er recht leicht davon gekommen wäre.


Ich muß hier noch am Schlusse erwähnen, daß man auch bereits angefangen hat die Anwendung der Aetherdünste auf verschiedene Weise zu modificiren. So räth Lebert verschiedene der Verflüchtigung fähige Arzeneistoffe mit Aetherdämpfe einathmen zu lassen, und Dupuy und Pirogoff ihn durch Klystiere in den Körper zu bringen.