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Der deutsche Roman seit Goethe

Chapter 3: Vorwort.
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About This Book

Eine Reihe von Vorträgen bietet eine leicht zugängliche Übersicht über die Entwicklung des deutschen Romans seit Goethes Zeit. Der Autor definiert den Roman als komplexe Erzählung, die ein Weltbild vermittelt, und erörtert Formfragen wie Prosa versus Vers sowie die Abgrenzung zur Novelle. Es folgen Kapitel zu Vorgeschichte, Goethes Bedeutung, Romantik, Volkserzählung, tendenziellen und objektiven Zeitromanen, historischem Roman, Stimmungsdichtung, Naturalismus, Problem‑ und Gesellschaftsroman sowie Dekadenz und Symbolismus. Methodische Unterschiede zwischen psychologischer Tiefenzeichnung und milieuhafter Darstellung sowie praktische Hinweise zur Lektürewahl runden die Darstellung ab.

Vorwort.

Die folgenden Blätter geben eine Reihe von Vorträgen wieder, welche ich im eben vergangenen Winter im Damenlyzeum zu Görlitz und — in kürzerer Gestalt — vor einer aus Damen und Herren gebildeten Zuhörerschaft in Lauban gehalten habe. Der Wunsch, die Vorträge gedruckt zu sehen, wurde mir aus beiden großen Zuhörerkreisen so häufig und so dringend nahe gebracht, daß ich, wennschon nicht ohne Bedenken, doch nicht umhin konnte, ihm zu entsprechen.

Die Form der Vorträge ist belassen; nirgends habe ich wesentlich geändert. Nur was ich der drängenden Zeit wegen beim mündlichen Vortrag hier und da auslassen mußte, ist jetzt wieder eingefügt. So werden namentlich die Hörer aus Lauban erheblich mehr finden, als ich ihnen mündlich bieten konnte.

Der Zweck, welchem diese Veröffentlichung dient, braucht hiernach kaum näher dargelegt zu werden. Ich maße mir nicht entfernt an, die Wissenschaft der Literaturgeschichte irgend bereichern zu wollen. Meine Absicht war nur die, ihre Ergebnisse für ein wichtiges Einzelgebiet in leichterer Form, als das für gewöhnlich geschieht, einem weiteren Kreis von Gebildeten zu vermitteln. Daß ich dabei überall dankbar und freudig von den wissenschaftlichen literaturgeschichtlichen Darstellungen gelernt habe, ist ganz selbstverständlich. Aber ebenso selbstverständlich war mir, daß ich auf ein eigenes Urteil nicht verzichten konnte.

Aus dem Zweck der Vorträge ergab sich nicht nur die Form der Darstellung, sondern auch die Begrenzung und die Auswahl des Stoffs. Auf jeden Versuch der Vollständigkeit mußte ich von vornherein verzichten; es schien mir viel besser, Einzelnes gründlich zu behandeln als eine Fülle von Namen und Titeln zu nennen. Nur vom deutschen Roman wollte ich reden; es blieb kein Raum, um Verbindungslinien nach anderen Literaturgebieten zu ziehen und die Einwirkung fremder Einflüsse deutlich zu machen. Die Vorträge wollen lediglich auf die Entwickelung des deutschen Romans seit Goethe ein paar Streiflichter werfen und vor allem auf das hinweisen, was in dieser Zeit Bleibend-Wertvolles geschaffen ist, um so zugleich den Kreisen der Romanleser ein bequemes Hilfsmittel für richtige Wahl und richtige Schätzung ihrer Lektüre zu sein.

Es wäre mir eine Freude, wenn das Buch sich in dieser Richtung als praktisch und brauchbar erweisen sollte.

Görlitz, den 28. März 1904.

Martin Schian.