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Der graue Alltag und sein Licht cover

Der graue Alltag und sein Licht

Chapter 8: 7.
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About This Book

A first-person narrator unexpectedly inherits a family legacy embodied as a gray, everyday routine and responds with episodic recollections of domestic life and social encounters. Encounters with an eccentric older relative who travels with a conspicuous red umbrella, family letters, provincial scenes, and small household rituals serve to examine duty, modest pleasures, work, and the subtle moments of light that punctuate routine. The narrative moves between anecdote and reflection, tracing interpersonal dynamics, adjustments to obligation, and the quiet resilience that emerges within ordinary days.

7.

Viel Seltsames erlebe ich in Haus Lage …

Es scheint mir unfaßlich, daß ich 25 Jahre in Thüringen lebte, und daß während dieser Zeit dies alte Haus tot für mich war. Denn überlebendig zeigt es sich jetzt und eng mit mir verwachsen, als ob es nur gewartet hätte, bis ich kam, um mich fest und unzerreißbar in seinen Bann zu ziehen.

Heute fand ich wieder ein seltsam Gelaß. Ein Ring war mir vom Finger gefallen, der blaue, leuchtende Saphir mit dem Kranz von alten, in Platin gefaßten Diamanten, der unter Tante Jesuliebes Schmucksachen für ihr Patenkind sich fand. Ich begab mich sofort auf die Suche, und als ich ihn in einer Ecke entdeckte, sah ich auch ein Türchen, fast am Erdboden klebend, und seltsame Zeichen trug es durcheinander verschnörkelt. Aber mit Hilfe eines brennenden Wachsstockes entzifferte ich mühelos die schlichte Mahnung: »Ora et labora.«

Das labora tritt einem hier ja überall entgegen, das ora et labora lehrten mich Vater und Mutter durch ihr Beispiel. Ich strich liebkosend über den Spruch, da sprang das Türlein auf. Und in seiner kleinen, dunklen Höhlung lag wieder ein Buch, danach ich gierig griff.

»Mit Gott, Brigitte Lage, zünd an! Zünd an!«

Du, der du allwissend bist und mich an deiner starken Hand hältst, hilf mir, daß ich den Weg finde …, den rechten Weg. –