The Project Gutenberg eBook of Der Harz
Title: Der Harz
Author: Friedrich Günther
Release date: April 14, 2020 [eBook #61833]
Most recently updated: October 17, 2024
Language: German
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Land und Leute
Monographien zur Erdkunde
In Verbindung mit hervorragenden Fachgelehrten
herausgegeben von
A. Scobel
IX.
Der Harz
Bielefeld und Leipzig
Verlag von Velhagen & Klasing
1901
Der Harz
Von
Fr. Günther
Mit 115 Abbildungen nach photographischen Aufnahmen und einer farbigen Karte.
Bielefeld und Leipzig
Verlag von Velhagen & Klasing
1901
Alle Rechte vorbehalten.
Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.
Inhalt.
| Seite | ||
| I. | Einleitung | 3 |
| II. | Geographischer Überblick | 5 |
| III. | Geologische Übersicht | 8 |
| IV. | Das Klima | 18 |
| V. | Geschichtlicher Überblick | 25 |
| VI. | Land und Leute | 30 |
| VII. | Die Hochebene von Klausthal | 40 |
| VIII. | Die Söselandschaft | 56 |
| IX. | Die Innerstelandschaft | 58 |
| X. | Die Okerlandschaft | 68 |
| XI. | Die Oderlandschaft | 77 |
| XII. | Der Brocken und das Brockenfeld | 83 |
| XIII. | Radau, Ecker und Ilse | 89 |
| XIV. | Die Holtemme | 91 |
| XV. | Die Bodelandschaft | 98 |
| XVI. | Die Selkelandschaft | 106 |
| XVII. | Die Wipperlandschaft. — Mansfelder Bergbaugebiet | 108 |
| XVIII. | Die Helmelandschaft | 118 |
| Register | 126 | |
Abb. 1. Stolberg, von der Lutherbuche gesehen.
(Nach einer Photographie von F. Rose in Wernigerode.)
Der Harz.
I.
Einleitung.
„Mag Samaria und Judäa ein sehr fruchtbares Land gewesen sein, ich lobe mir dafür meine Güldene Au.“ So sprach, wie D. Luther erzählt, Botho der Glückselige, Graf zu Stolberg, als er am 9. Februar 1494 von seiner „Meerfahrt“ in das Gelobte Land in seine harzische Heimat zurückkehrte. Ja, und wenn es auch gar viel gewaltigere Gebirge gibt mit himmelanstrebenden, von den Wolken benetzten Spitzen und Hörnern, mit glitzernden Gletschern und ewigem Firn: ich lobe mir doch meinen bescheidenen Harz und ich liebe ihn und preise ihn, so gut ich kann.
Beides an Wald und Wild ...“
singt Heinrich Rosla (gegen 1300) in seiner Herlingsberga; und Konrad Celtis, der die Vorlande unseres Gebirges im Jahre 1498 durchreiste, rühmt an diesem die Fülle mannigfaltigen Erzes, die mit Taxus und Fichte geschmückten Höhen, die dunkelschattigen Thäler, die rauschenden, jählings durch die Felsen herabstürzenden Gießbäche, wodurch die matterleuchtete Gegend das Ansehen der Unterwelt gewönne.
„Vom Harz der Fichte“ leitet Celtis den Namen unseres Waldgebirges ab, und noch Johann Rauws spricht's hundert Jahre später ihm nach. Aber wenn sie hierin auch irren, strömt uns nicht aus dem Worte „Harz“ gleichsam der würzige Duft der unabsehbaren Nadelwälder erfrischend entgegen, hören wir nicht bei seinem Klange gleichsam das geheimnisvolle Rauschen und Flüstern der weithin schauenden Wipfel unserer „nordischen Palme“? Und die Töne der Schwarzdrossel und ihrer sangeskundigen Schwestern klingen melancholisch darein, und über die klaren, blinkenden Teiche hallt leise und feierlich wie aus „verlorener Waldkirche“ das harmonische Geläut der friedlich weidenden braunen Rinderherden herüber, und der Gießbach stimmt murmelnd ein in den Abendpsalm. Und wenn die Schwingen des Waldes ruhen und die Töne mählich verklingen und nur noch die Saiten des Herzens andächtig nachzittern, und der letzte Sonnenstrahl, der so eben noch hier die grüne Nacht des Hochwaldes zu durchdringen sich bemühte, dort auf dem weichen, dichten Moospolster und den dichtgedrängten, losen Farnwedeln neckisch spielte, scheidend erlischt — dann erheben Sage und Märchen ihr Haupt. Schaut hier nicht König Hübich Gaben verheißend aus dem Felsenspalt, schreitet dort nicht der Bergmönch mit flackerndem Grubenlicht hinter dem ältesten der Baumriesen hervor? Und das zottige Flechtengewirr an den Zweigen und die knorrigen, weit hervorragenden Wurzeln nehmen gar seltsame Gestalten an, und wie ein Geisterhauch fliegt's durch die Kronen.
Wohl ist die Rottanne oder Fichte dem Harze nicht ausschließlich eigen, aber es gibt in Deutschland kaum ein zweites Gebirge von gleicher Höhe, in dem ihre Herrschaft so wenig beschränkt wird; und mindestens dem Westharz, seinen hohen Bergen und tiefen Thälern prägt sie durch ihre dunklen, lang hinziehenden Massen, in denen der einzelne Baum gleichsam untergeht, den eigenartigen Charakter auf.
Den Inseln gleich im grünen Waldmeere liegen, weithin, doch nicht planlos verstreut, große und kleine Wiesenfluren und inmitten einer jeden, meist der Form und dem Zuge des Thales sich anschmiegend, die Bergstädte und oberharzischen Ortschaften, auf den kleinsten Eilanden wenigstens ein Forsthaus, oder ein Zechenhaus oder eine Mühle. Längst hat der rote Ziegel die schwärzlich graue Holzschindel verdrängt, und mit frischen Farben leuchten diese kleinen Siedelungen — in den unabsehbaren grünen Teppich gewobene Blumen — zu der Höhe herauf, von der wir Umschau halten, und fesseln unsere Augen.
Und wie ganz anders rollt das Bild sich ab, wenn wir unsern Fuß rüstig wandernd gen Osten setzen. Sind wir denn wirklich im Gebirge? Kein Bergzug umrandet die Ebene, versteckt und verdeckt liegt selbst der Vater Brocken, der sonst nach allen Seiten seine Grüße versendet; kein Gießbach schäumt, fast unhörbar und in Mäanderschlingen schleichen träge die Bäche vorüber. Nur die kärglich bestandenen Fluren mit ihren sich verspätenden Saaten und die in der Ferne sich kräuselnden Rauchwolken, die einem Hüttenwerke entstammen müssen, heben unsere berechtigten Zweifel.
Doch weiter! Bald ist sie überwunden — diese Einförmigkeit der unterharzischen Hochebene, die doch niemals zur Langweiligkeit ausartet, vielmehr dem Wanderer nur einige Stunden ruhiger Beschaulichkeit gewährt und sein Gemüt vorbereitet zu rechter Würdigung und zu vollem Genusse des Kommenden.
Mählich beginnen die Thäler sich einzuschneiden und die buchenbestandenen Höhenzüge zu wachsen; die kleinen Flüßchen bekommen Leben, und nicht lange, so erhält das anmutige Hügelgelände überzeugend den wirklichen Gebirgscharakter. Berg türmt sich auf Berg, wunderliche Felsgebilde steigen empor und recken sich höher und höher, um hier in die schwindelnde Tiefe mit ihrem brausenden Bergstrom, dort wie eine Gefahr dräuende Riesenburg weit hinaus zu schauen in die blühenden Vorlande.
Hart dem Saume des Gebirges folgend, reihen sich hier blühende Städte, rührige Flecken und schmucke Dörfer zu einem lieblichen Kranze. Wo auch nur ein Fluß oder Bächlein aus dem Harze heraustritt, da haben — gerade an diesem Austrittspunkte — unsere Vorfahren mit Verständnis einst ihre Wohnungen aufgeschlagen und von hier aus nach dem Vorbilde eines Klosters, unter dem Schutze einer Burg den Kampf mit der Wildnis aufgenommen, und unermüdlich die blanke Axt schwingend dem Urwalde die fruchtbaren Fluren abgerungen, auf denen sich jetzt der goldige Weizen mit schwerer Ähre im Winde wiegt und die gehaltvolle Zuckerrübe reichen Ertrag gewährt.
Nur spärlich ist die Zahl der Urkunden, welche aus jener Zeit berichten, wo dieser engste Saum von Ortschaften, von denen dann allmählich unternehmende Pioniere in den inneren Harz eindrangen, um unser Gebirge gelegt wurde, und vielfach verstummt sogar verschämt die sonst selten verlegene Sage. Aber die Städte und Ortschaften selbst tragen in ihrem Namen eine untrügliche Inschrift, ein unauslöschliches Merkmal der Zeit ihrer Entstehung.
II.
Geographischer Überblick
Das Harzgebirge liegt zwischen 51° 28,5′ und 51° 51′ nördl. Breite und zwischen 10° 10′ und 11° 26′ östl. Länge von Greenwich und hat die Gestalt einer von West-Nordwest nach Ost-Südost gerichteten unvollständigen Ellipse, deren Brennpunkte auf den 1142 Meter hohen Brocken und den 595 Meter hohen Ramberg fallen; und deren lange Achse, welcher der nordöstliche Rand als Sehne parallel läuft, zwischen Hahausen und Hettstedt 95 Kilometer lang ist, während ihre größte Breite (vom Südwestrande bis zur Sehne) 34 Kilometer beträgt.
Am imposantesten wirkt der Harz von Norden gesehen. In scharfer Markierung, ohne vermittelnden Uebergang steigt er mauerartig auf der etwa 25 Kilometer langen Strecke von Harzburg bis Hahausen aus dem Vorlande auf. Die Luftlinie zwischen der bei 256 Metern liegenden Grenzlinie und den diese um die doppelte Meereshöhe überragenden Bergspitzen beträgt noch nicht 1 Kilometer; zwischen den Hüttenorten Oker und Langelsheim kulminieren der Adenberg bei 538 Meter, der Hahnenberg bei 520 Meter, der Gelmkeberg bei 538 Meter, der Steinberg bei 479 Meter und der Nordberg bei 455 Meter; ja der Rammelsberg und der Herzberg, die den unmittelbaren Hintergrund Goslars bilden, erheben sich sogar zu 635 und 638 Meter. Den vollen, überwältigenden Eindruck eines völlig geschlossenen Gebirgswalles macht dieser Rand indes nur aus der Ferne; von den austretenden Flüssen und Bächen (Radau, Oker, Gose, Grane, Barley, Töllebach und Innerste) außerordentlich stark zerschnitten, löst er sich in der Nähe in Einzelberge auf.
Im Westen prägt sich die Gebirgsgrenze von Hahausen bis Lauterberg in einem Thale, das der Zechsteinbildung angehört, deutlich aus. Von großer landschaftlicher Schönheit ist es besonders in der Gegend von Osterode und Herzberg, wo die schneeweißen Felsen des Gipszuges, der den Thalrand auf der ganzen Strecke zur Rechten begleitet, im wirkungsvollen Gegensatze zu den weniger steil abfallenden grünen Harzbergen aus dem Thale, in dem sich die wassergefüllten Erdfälle der Teufelsbäder aneinander reihen, bis zu 100 Meter jäh emporsteigen.
Von Lauterberg über Walkenried bis Questenberg folgt die Grenze, noch erkennbar, aber weniger scharf hervorgehoben, dem Laufe der Helme, wird dann aber, bis Mansfeld, durch die sich unmittelbar an das Gebirge anschließende „Thüringer Grenzplatte“, einen in südöstlicher Richtung bis zur Unstrut laufenden Höhenrücken mit flachgerundeten Gipfeln, fast völlig verwischt. Von Mansfeld ab bis Harzburg bezeichnen die Orte Hettstedt, Ballenstedt, Thale, Blankenburg, Wernigerode, Ilsenburg die Grenze in überall deutlich erkennbarer Ausprägung.
Der Südrand, der mit 267 Meter mittlerer Meereshöhe den Nordrand um etwa 11 Meter — der in Deutschland allgemein geltenden Regel entsprechend — übertrifft, hat seine größte relative Höhe in dem die Wasserscheide zwischen Weser und Elbe bildenden Höhenrücken bei Osterhagen, von dem der Rand fast gleichmäßig nach Westen (Seesen 204 Meter) und Osten (Riestdorf 178 Meter) abfällt.
Der ganze so umrandete Harz bedeckt eine Fläche von 2468 Quadratkilometer und ist demnach genau so groß wie das Herzogtum Sachsen-Meiningen und fast doppelt so groß wie Sachsen-Altenburg. Wenn man das Gebirge auf dieser Grundfläche einebnen könnte, so würde man die mittlere Höhe von 442 Meter erhalten.
Man hat den Harz einen einzigen Berg mit verschiedenen Köpfen und Thalfurchen genannt; und dieser Vergleich ist auch nicht ganz unzutreffend. Aber auf den Sockel dieser scheinbar ununterbrochenen Bergwand ist — wie ein Blick aus der nördlich sich vorlagernden Ebene zeigt — im Westen die Granitmasse des Brockens als ein zweites, fast ebenso hohes Gebirge und im Osten der kleine Ramberg-Kegel gestellt; und auf der Hochebene von Klausthal oder auf dem Aussichtspunkte der Schalke tritt auch der Bergzug des „Langen Ackers“ (jetzt Acker-Bruchbergs) als bedeutende Überragung klar neben dem scheinbar nicht viel höheren Brockengebirge ins Auge. Sollte aber der Vergleich mit einem einzigen Berge den Trugschluß auf langweilige Einförmigkeit nahelegen, so belehrt uns der umfassende Rundblick vom Brocken auf die von immer tiefer werdenden Furchen und Flußthälern zerschnittenen Hochebenen des Ober- und Unterharzes eines Besseren.
Unter dem Oberharz versteht man den höheren westlichen, unter dem Unterharz den allmählich an Höhe abnehmenden östlichen Teil des Gebirges. Aber die Grenze zwischen beiden steht keineswegs von vornherein fest. Daß dabei die vormalige Praxis der hannover-braunschweigischen Bergbehörden, nach welcher mit dem Unterharze die Gegend von Goslar, Oker, Gittelde gemeint war, völlig außer Betracht zu bleiben hat, liegt auf der Hand. Doch auch nach Flußgebieten läßt jene sich nicht angeben, denn die dem Elbegebiet angehörende Bode entspringt auf dem Brockenfelde, der höchstgelegenen Hochebene des Gebirges. Ohne uns in den — übrigens bedeutungslosen — Streit weiter einzulassen, wollen wir unter dem Oberharz das ganze Brockengebirge samt dem Brockenfelde, die im Mittel 580 Meter hohe Hochebene von Klausthal mit ihren Randbergen und der Bruchberg-Kette und das Andreasberger „Dreieck“ verstehen; und den Unterharz, der in seinem westlichen Drittel noch gleich jenem vorwiegend mit Fichtenwald bedeckt ist, in das Bode- und das Selkeplateau einteilen.
III.
Geologische Übersicht
Von den Randgesteinen abgesehen, die den deutlich begrenzten Gebirgskern mantelartig umgeben, besteht das Massiv des Harzes zum bei weitem größten Teile aus sedimentären, zum kleineren aus eruptiven Gesteinen.
Die Sediment- oder geschichteten Gesteine — sie heißen auch paläozoische d. i. alttierische — welche sich, die erste, ursprüngliche Grundlage für unser Gebirge bildend, aus den trüben Fluten des noch alle Lande bedeckenden Meeres als Schlamm, Sand und Kies horizontal oder in geringer Neigung niederschlugen, ablagerten und erhärteten, gehören im Westharze dem Devon-, im Ostharze vorwiegend der Kohlenformation an. Die devonische Bildung kommt im Harze in allen ihren Niveaus, als Unter-, Mittel- und Ober-Devon vor.
Von dem Unter-Devon hat man in neuester Zeit die ältesten Schichten abgetrennt und dieser Gruppe den Namen Obersilur zuerkannt. Es sind dies namentlich die Graptolithenschiefer bei Lauterberg, Wernigerode, Harzgerode, Treseburg und der feste, feinkörnige und helle Quarzit, aus dem der Rücken des Bruchberges und des Ackers besteht.
Dem Unter-Devon gehören zum größten Teil die „Unteren Wieder-Schiefer“ — harte Schiefer mit eingelagerten Kalklinsen — und ähnliche Schiefern bei Zorge, Harzgerode und Mägdesprung, sowie der „Hauptquarzit“ des Unterharzes, die sich südöstlich an den Oker-Bruchberg anschließenden Quarzite und neben sandigen Schiefern des Rammelsberges, der nach seinen zahlreichen Versteinerungen, den zu den Armfüßern gehörenden Spiriferen oder Windungsträgern benannte Spiriferen-Sandstein an, welcher die Berggruppe zwischen Oker und Innerste, also den Rammelsberg, den Kahlenberg und Bocksberg, die höchsten Kuppen der Klausthaler Hochebene, bildet.
In das Mittel-Devon rechnet man außer einem Teile der Wieder-Schiefern (bei Hasselfelde, im Selkethal) besonders die „Wissenbacher“ (oder Goslarer) und die Calceola-Schiefer. — Die Calceolaschichten, welche sich eng an den Spiriferen-Sandstein anschließen und sich durch ihren großen Reichtum an Petrefakten auszeichnen (Leitmuschel Calceola sandolina, gemeine Pantoffelmuschel) finden sich zwischen Oker und Innerste in schmalen Säumen, in Mulden und in sattelförmigen Hervorragungen. Die auf ihnen folgende Zone der Goslarer Schiefer ist von hervorragender Bedeutung: nicht nur werden die härtesten dieser blau- oder grauschwarzen, dichten Thonschiefer als Dachschiefer benutzt, sondern es ist ihnen auch das berühmte, trotz fast tausendjährigen Betriebes noch immer nicht erschöpfte Erzlager des Rammelsberges eingeschaltet. — Mitteldevonisches Gestein findet sich auch in dem Zuge, welcher — wegen der in ihm auftretenden Diabase und Roteisensteine meistens als Diabas- (Grünstein-) oder Eisensteinszug bezeichnet — von Osterode bis über Altenau hinaus in gerader Linie als 400 Meter breiter Streifen verläuft. Es steht den Wissenbacher Schiefern gleich und wird von Tentakuliten-Schiefern überlagert.
Die jüngsten Schichten des Mittel-Devon sind die durch reiche Eisensteinslager ausgezeichneten Stringocephalenkalke (Leitmuschel Stringocephalus Burtini, Burtins Eulenkopf) der Elbingeroder Mulde, die auch in dem soeben genannten „Eisensteinszuge“ zwischen Herzberg und Altenau auftreten.
Das Ober-Devon ist in seiner unteren, älteren Zone vorwiegend Intumescenskalk, in seinen oberen, jüngeren Schichten Cypridinenschiefer. Jener ist nach der zu den Ammonshörnern gehörenden Goniatites intumescens, dieser nach dem Muschelkrebs benannt. In die Intumescensstufe gehört vor allem der völlig ungeschichtete Massenkalk des höhlenreichen Iberges und Winterberges bei Grund, eines Korallenriffes mit dem reichsten Schatze von Versteinerungen, und der „Iberger Kalk“ der Elbingeroder Mulde mit den berühmten Rübelander Höhlen. Auch die schwarzen Kalke (mit Cardiola angulifera) am Wasserfallfelsen bei Romkerhalle, am Kellwasser u. s. w. gehören diesem unteren Niveau an. — Cypridinenschiefer finden sich u. a. im Diabaszuge der Klausthaler Hochebene, und als Clymenienkalk bei Lautenthal, am genannten Wasserfall, bei Mägdesprung u. a. O.
Die nicht devonischen Schichten des Oberharzes gehören dem Karbon (der Kohlenformation) an, für den der englische Lokalname Kulm hier zuerst in Anwendung gebracht ist. Seine unteren Schichten bestehen aus Kiesel- und Posidonienschiefern, seine oberen aus Grauwacke.
Die Kieselschiefer, meist grau oder schwärzlich, vom Messer nicht ritzbar, S-förmig gestaucht und gefaltet, finden sich in geringer Mächtigkeit in der Gegend von Lautenthal und im mehrgenannten Diabaszuge, vielfach im Wechsellager mit hellem Wetzschiefer, schwarzem Alaunschiefer und (z. B. am Lerbacher Hüttenteiche) bunten, rotgrünen Adinolen (Bandjaspis). Die Charakter-Versteinerung Posidonia Becheri (Bechers Poseidon-Klaffmuschel), die den mit den Kieselschiefern unmittelbar verknüpften, doch auch — in zwei breiten Zonen zwischen Schulenberg und Laubhütte — unabhängig auftretenden eigentlichen „Posidonienschiefern“ eignet, findet sich nicht selten auch in jenen. Vereinzelt (z. B. zwischen Hübichenstein und Iberger Kaffeehaus) sind schwärzlich-graue Kalke eingelagert, die gleichfalls dem unteren Kulm angehören.
Dagegen nehmen die Kulm-Grauwacken, die jüngsten Schichten des Kerngebirges, am Tage große Flächen ein. Im frischen Zustande blaugrau, durch Verwitterung rostbraun, auch rot, besteht dieses meist in dicken Bänken abgelagerte Gestein im wesentlichen aus Sandkörnern, die nebst Bruchstücken von Gangquarz, Kieselschiefer und Thonschiefer sowie Feldspat- und Kalkspatkörnern in ein thonig-sandiges Bindemittel gebettet sind. In der Gegend von Grund haben diese Bestandteile, unter denen sich Granit- und Porphyrgerölle nichtharzischen Ursprungs finden, oft Faustgröße. Die pflanzlichen Versteinerungen, unter denen neben undeutlichen kohligen Blattabdrücken namentlich die Calamiten (baumartige Schachtelhalme) vertreten sind, kommen nur sporadisch, von tierischen nur die Posidonienmuschel ganz vereinzelt vor. Als Baustein — namentlich bei Klausthal — schön zu bearbeiten, liefert die Grauwacke in den großartigen Steinbrüchen bei Wildemann treffliche Pflastersteine.
Dem gleichen Niveau wie die von erzreichen Gangspalten durchsetzte Oberharzer Grauwacke gehören die Tanner und Elbingeroder Grauwacke, sowie die „Zorger Schiefer“ an.
Zu Ende der Kulmzeit wurden die bis dahin vom Meere bedeckten paläozoischen Sedimente in Mitteleuropa zu einem gewaltigen Kettengebirge zusammengeschoben, dessen Falten sich vom Centralplateau Frankreichs durch ganz Deutschland, wo sie um das böhmische Gebirgsviereck in einem gegen Norden konvexen Bogen herumliegen, bis nach Rußland verfolgen lassen.
Darum hat der Harz wie der Thüringer Wald und das rheinisch-westfälische Schiefergebirge, deren ursprünglicher Zusammenhang erst allmählich durch die „abradierende“ Thätigkeit des Meeres und durch wiederholte Abbrüche aufgehoben wurde, „niederländisches Streichen“ d. i. seine Schichten haben die Richtung von Südwest nach Nordost. Dieses Zusammenschieben der erhärteten Sedimente geschah durch seitlichen („tangentialen“) Druck und konnte nicht anders, als unter Faltung, Zerreißung und Aufrichtung, selbst Kippung der Schichten geschehen. In die entstandenen Spalten und Risse ergossen sich die sogenannten prägranitischen Eruptivgesteine, besonders Diabas, auch Kersantit und gewisse Porphyre, die feuerflüssig aus dem Innern emporquollen. So ist es auch zu erklären, daß der „Grünstein“ des Diabaszuges zwischen Osterode und Altenau trotz seiner deckenartigen Ausbreitung stets der Richtung der Schichten folgt und an deren späteren Knickungen und Verwerfungen teilnimmt.
Das Harzgebirge sah damals nur wenig und nur in seinen bedeutend emporgehobenen Teilen aus dem Meere hervor. Dieses begann nun seine „abradierende“ Thätigkeit: wie es noch heute an felsiger Meeresküste geschieht, zernagten und unterspülten Wogen und Brandung die trocken gelegten Massen, bis diese zusammenstürzten, zertrümmerten und zerrollten dann die Brocken zu Kies und Schlamm, füllten damit die bei der Faltung entstandenen Vertiefungen aus und bildeten fast ebene „Abrasionsflächen“.
Man nennt diese aus Konglomeraten von Harzgesteinen bestehende Ausfüllung der Mulden das untere Rotliegende. Am stärksten entwickelt ist diese Formation in der Grafschaft Mansfeld, wo sich zwischen ihr mächtige zu Mühl- und Bausteinen geeignete thonige Sandsteine finden, in der Gegend von Ilfeld, wo sie hoch in das Gebirge hinaufsteigt, und im Ermsleber Becken; doch umzieht sie, mehrfach unterbrochen, auch über Lauterberg den Harz bis Hahausen. An drei Stellen, bei Meisdorf und Opperode östlich von Ballenstedt, bei Grillenberg in der Nähe von Wippra und bei Sülzhain-Ilfeld-Neustadt enthält sie auch dunkle Schieferthone und wenig (¾-1½ Meter) mächtige Steinkohlen.
Die Eruptionen dauerten fort. Zunächst entquollen, die Sedimente gewaltsam durchbrechend, dem Innern des noch immer mit Wasser bedeckten Harzes, besonders nördlich von Ilfeld, Ströme schwarzen Melaphyrs und ergossen sich über die unteren Schichten des Rotliegenden; ihnen folgte, weithin alles bedeckend, feuerflüssiger grauer Porphyr, der zum Teil auch in den darüber lagernden mächtigen postporphyrischen Konglomeraten als Geröll noch erhalten ist. Vielleicht sind zur selben Zeit — jedenfalls nach der Kulmperiode und nach der Entstehung des Diabases — die Porphyrmassen aufgestiegen, welche die fast parallelen, von Nord nach Süd streichenden Gangspalten des Kerngebirges zwischen Ilfeld und Wernigerode und Diabaszüge nach ihrer Faltung ausfüllten und durchsetzten; höchst wahrscheinlich auch die gewaltigen Ströme von Quarzporphyr, deren Reste wie im Auerberge bei Stolberg und in der Gegend von Lauterberg (Knollen, Ravenskopf) erkennen, wo einzelne Gänge eine Mächtigkeit von 20 Meter und eine Länge von 11 Kilometer erreichen.
Ebenso jung ist der Granit, den man einst für das eigentliche Urgestein unseres Planeten hielt. Er tritt in zwei großen Massiven auf: Ramberg-Bodethal und Brocken-Okerthal. (Der Okergranit ist eine nur oberflächlich abgetrennte Partie des Brockengranits.) Die vom Hexentanzplatz auslaufenden Apophysen („Auswüchse“, Ausläufer), denen das Brockenmassiv bei Hasserode kleinere Gänge derselben Facies entgegensendet, lassen keinen Zweifel darüber, daß der Granit erst nach der Faltung des Gebirges und später als der Diabas emporgequollen ist. — Rings um beide Granitmassen sind durch die schnellere Abkühlung und Erstarrung der feuerflüssigen Ströme die Sedimentsteine in der Weise verändert, daß sie sich durch krystallinische Beschaffenheit und massige Struktur, größere Härte und muschligen Bruch von den gleichnamigen nicht veränderten Gesteinen unterscheiden. Durch diese „Kontaktmetamorphose“ sind der Hornfels und seine Verwandten entstanden.
Nach diesen Ergüssen und Bildungen, die in die lange Periode des Rotliegenden fallen, erfolgte in dem größten Teile Deutschlands eine allgemeine Senkung der Erdrinde. Das Meer, welches über dem Harze flutete, wurde somit tiefer und lagerte seinen Schlamm gleicherweise auf den abradierten Ebenen der alten Sedimente, wie auf den in den Becken und Mulden neu entstandenen Geröllmassen des Rotliegenden ab. Bei ihrer Erhärtung bildete diese neue Ablagerung Zechstein und Kupferschiefer. Diese stets zusammen auftretenden Schichten — die mit dem Rotliegenden auch Perm heißen — umziehen den ganzen Südrand des Harzes von Hahausen bis in die Grafschaft Mansfeld, doch hat sich bis jetzt nur in dieser, wo Silbererze die vom Schiefer eingeschlossenen Kupfererze begleiten, das Flöz bauwürdig erwiesen. Die oberen Schichten der „Zechsteinformation“ bestehen aus Anhydriten und Gipsen, die besonders aus dem an Höhlen und Erdfällen reichen Zuge bekannt sind, der — vielfach pittoreske Felspartieen bildend — den Südrand des Harzes von Badenhausen bis Sangerhausen mauerartig umwallt; ferner aus Dolomiten und Letten; und auch die bis 1000 Meter mächtigen Steinsalze und die darüber lagernden Kalisalze, deren Abbau im letzten Jahrzehnt mit regem Eifer begonnen hat, gehören noch in diese Formation. —
Die Bildung der Bergzüge und Hügelreihen, welche den Harz im Norden mantelartig umziehen, und die Ausfüllung der von da in das Gebirge eingreifenden Thäler ist in den nun folgenden drei geologischen Perioden der Trias-, der Jura- und der Kreideformation erfolgt.
Die Trias (d. i. bunter Sandstein, Muschelkalk und Keuper) legen sich bandförmig von Hahausen bis Gernrode in der Weise um den Nordrand, daß der Sandstein — dem die Solquelle bei Harzburg entspringt — und der Keuper, der meistens als Letten und Mergel auftritt, die Thäler, der Muschelkalk die — später umgekippten — Höhen bildet. (Am Südrande liegen die Trias wegen der Breite der Zechsteinformation weit ab vom Gebirge.) — Der Jura kommt nur in dem Busen des Schiefergebirges zwischen Langelsheim und Harzburg und in der Nähe von Quedlinburg vor; seine Liasschichten liefern der Harzburger Hütte schönen Roteisenstein. — Die Kreide, mit ihren unteren Schichten, Hils und Gault, bis Harzburg, mit jüngeren bis Ballenstedt reichend, führt in der unteren Lage des Gault guten Quadersandstein, der vor dem Breitenthor vor Goslar den zu einer Kapelle ausgehöhlten Felsen der Klus bildet und am angrenzenden Petersberge zur Anlage eines großartigen Steinbruchs Anlaß gegeben hat. Den Schichten der senonen Kreide gehören der durch seinen Reichtum an Petrefakten ausgezeichnete Sudmerberg bei Goslar und die Quadersandsteinreihe Regenstein-Teufelsmauer an.
Die Tertiärformation (Braunkohlenbildung) ist nur ganz schwach am Harzrande vertreten. —
Zur Zeit, als Trias, Jura, Kreide und Braunkohlen sich nacheinander ablagerten, war der Harz noch völlig vom Meere bedeckt. Hätte er auch nur teilweise soweit aus den Fluten hervorgeragt, daß eine Brandung entstehen konnte, so müßten sich Gerölle vom Harzgestein, von Grauwacke, Kieselschiefer u. s. w. in jenen vier Formationen finden. Dem ist aber nicht so. Sie sind eben keine Strandbildungen, sondern genau so zusammengesetzt, wie die in größerer Entfernung vom Harze in ganz Norddeutschland vorhandenen gleichnamigen Gesteine, also Ablagerungen aus flacherem oder tieferem Wasser. Vereinzelte Stückchen Kieselschiefer, welche in der oberen Kreide am Sudmerberge vorkommen, können einesteils aus dem Rotliegenden stammen, andernteils gleichen sie nicht im geringsten dem Schutt, den heutzutage die Flüsse vom Harze hinunterspülen. Und kleine Bröckchen Kieselschiefer, welche sich in der Gegend von Gittelde im Miocän (der mittleren Stufe der Tertiärgebilde) finden, werden aus dem rheinischen Schiefergebirge stammen, da ihre Häufigkeit in der Richtung auf Kassel stetig zunimmt.
Wie am Rande, so müssen sich auch auf dem unter den Wellen liegenden Gebirge selbst die mesozoischen Schichten (welche Tierreste enthalten, die den noch jetzt vorhandenen sich annähern, also Trias, Jura u. s. w.) nacheinander abgelagert haben. Diese mesozoische Decke aber mag in Bewegung gekommen und teilweise fortgespült sein, als der Harz, ohne vorerst noch aufzutauchen, sich zu heben begann. Auf diese Weise sind vielleicht die mesozoischen Gerölle in das „Hilskonglomerat“ des unteren und in das „Sudmerbergkonglomerat“ und das „Heimburggestein“ der oberen Kreide gekommen. Jedenfalls aber ist seine Decke ganz fortgespült und weggewaschen, als der Harz sich mählich aus der Flut erhob.
Dies geschah am Ende der Miocänzeit, zu derselben Zeit, als die Göttinger und Kasseler Berge, der Meißner, die Rhön und fast alle andern Gebirge emporstiegen und auftauchten. Infolge eines Druckes, der „tangential“, in der Richtung der kurzen Achse unserer Gebirgsellipse, also von Südsüdwest nach Nordnordost, wirkte, bauchte und wölbte sich der Harz allmählich auf, die Gesteinsschichten rissen und spalteten dabei senkrecht zur Druckrichtung, also parallel der langen Achse, und brachen in bajonettartig absetzenden Linien von den Vorlanden ab. Die Wirkung dieser Pressung ist verschieden: während die Schichten am Südrande nur eine Aufbauchung von etwa 20° aufweisen, ist im Norden die ehemalige Oberfläche der Kernschichten samt dem darauf gelagerten Zechstein u. s. w. ganz steil aufgerichtet, ja nach Westen sogar übergekippt. Und ebenso ist der massige Granit dem Nordrande näher als dem Südrande in die Höhe gepreßt. Vielleicht wirkte der Druck, der den Harz zum heutigen Gebirge umwandelte und zurecht schob, von Süden; wahrscheinlich war aber schon damals, was zur Erklärung ausreicht, die Erdoberfläche den Südrand entlang höher als im Norden.
Die Überkippung der bei der Zusammenschiebung der Schichten entstandenen Falten hatte auch den (inneren) Bruch derselben und das Hinüberschieben des einen Flügels über sein Liegendes zur Folge: die älteren übergeschobenen Schichten sind jüngeren Bildungen aufgelagert. Diese Überschiebungen, die also nur aus übergekippten Falten hervorgehen können, nennt man Faltenverwerfung. Sie ist besonders bei den sogenannten Ruscheln, schmalen Gesteinsklüften im Innern des Gebirges, die meist mit Gangthonschiefer ausgefüllt sind, klar zu ersehen; hie und da beträgt die Höhe der Verschiebung kaum ein Meter, andernorts aber (am Devonzuge) wenigstens mehrere hundert Meter.
Mit ihnen dürfen die vormals offenen Spalten nicht verwechselt werden; diese sind jünger, denn sie werden von den (innern) Klüften der Ruscheln in der Richtung abgelenkt.
Die Spaltenverwerfung umfaßt also ein zweites System von Störungslinien. In den „Spalten“, die sich mehrfach bis in die Vorlande verfolgen lassen, lagerte das einsickernde Wasser neben Quarz, Kalkspat und andern Gesteinen namentlich die wertvollen Erze ab und schuf sie dadurch zu „Erzgängen“ um; und wo der Hohlraum nicht ganz gefüllt ward, bildeten sich Quarz- und Erzdrusen mit ihren oft prachtvollen Krystallen.
Eine spätere entgegengesetzte Aufbauchung des Harzes in der Richtung der großen Achse — also von Südost nach Nordwest, durch welche die Schichten auch in der Richtung der kurzen Achse zerrissen und gespalten wurden, so daß nun die einzelnen Schollen oft in unregelmäßig viereckigen Stücken mosaikartig verschoben nebeneinander liegen — scheint auch durch Bildung der Thalfurchen den Flüssen und Bächen den Lauf vorgezeichnet zu haben. Es wäre sonst auffällig, daß das Gebirge die Flüsse nicht auf beiden Ufern gleichweit begleitet. Daß sich diese Spalten auch in den dem Harze vorgelagerten jüngeren Gesteinen unterirdisch fortsetzen, beweisen die mächtigen Quellen bei Altwallmoden und Baddekenstedt, die unzweifelhaft das bei Langelsheim teilweise versiegende (d. i. in die Tiefe fallende) Wasser der Innerste — doch auch das damit verbundener Nebenspalten, denn nach Abteufung der Kalischächte hat es an Reinheit eingebüßt — in gewaltigen Massen wieder zu Tage fördern.
Während durch die schwache, aber stetige Arbeit des Minerallösungen einführenden Wassers die Klüfte, Gänge und Spalten bis auf die Drusenräume immer wieder verkittet und ausgefüllt wurden, erweiterte es, oft bachartig auftretend, die weit klaffenden Hohlräume im Kalk und Dolomit, in Gips und Steinsalz durch seine auflösende Eigenschaft zu großen Höhlen, füllte diese mit Lehm und schmückte ihre Wandungen in späteren Zeiten, als das Gebirge sich weiter gehoben hatte, mit den wundersamen Tropfsteingebilden. Auch die sogenannten Gletschertöpfe beim Iberger Kaffeehause, schlotartige Vertiefungen, sind wohl — ähnlich wie die Erdfälle — auf diese auflösende, nicht auf die mechanische Thätigkeit des Wassers zurückzuführen und als „geologische Orgeln“ anzusprechen. Grundmoräne und Moränenschutt, die Gletscherprodukte im Flachlande, fehlen auf dem Harze; die Geschiebe nordischer Gesteine, welche sich auf der Hochfläche des Unterharzes finden, waren vermutlich in Eisberge eingefroren, welche die Fluten der Eiszeit hierher wälzten.
Auch an der Umwandlung, der „Metamorphose“ der Gesteine ist das sickernde Wasser stark beteiligt. Es löste die Kieselsäure der Eruptivgesteine und „verkieselte“ die mit diesen im „Kontakt“ stehenden Sediment- und Kulmschichten; wo Kalk in den Gesteinen war, bildete es „Silikate“ — Granaten und „Katzenaugen“ und andre — und neben Diabas und Schalstein verwandelte es den Kalk in Eisenstein.
Finden sich in den erwähnten Moränen des Flachlandes große Massen von Harzgesteinen, die es beweisen, daß schon in jener Zeit der Harz soweit als Gebirge hervorragte, daß seine Flüsse Gerölle hinunterführen konnten, so verstärkte eine letzte Heraushebung des Harzes, deren Zeitpunkt wir nicht kennen, diese Wirkung des Wassers bedeutend, denn nun wurden die Berge höher, die Schluchten und Thäler tiefer, das Wassergefälle bedeutender; und der bis heute dauernden Erosion verdanken wir den anmutigen Wechsel von Berg und Thal, der jedwedes Herz erfreut.