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Der heilige Bürokrazius: Eine heitere Legende cover

Der heilige Bürokrazius: Eine heitere Legende

Chapter 25: Finis
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About This Book

A satirical, episodic legend follows a sanctified figure devoted to administrative ritual and his offbeat ministry, framed by a mock-sermon narrator. Through a sequence of humorous chapters — including a celebrated fasting sermon, celestial petitions, the saint’s earthly mission, the recruitment of eccentric followers, disputations, whimsical inventions, culinary interludes, and clashes with political agitators — the narrative lampoons bureaucracy, title-seeking, and human vanity. The tone blends affectionate parody with moral observation, using caricatured episodes and comic ritual to explore institutional absurdity, social pretensions, and the curious ways authority and piety intersect.

Durch das erhabene Vermächtnis des heiligen Bürokrazius bewegen sich die Gedankenkreise seiner Jünger vornehmlich in Stampiglien. Dadurch brauchen sie die kostbaren Gefäße ihrer Denkfähigkeit nicht immerwährend zu strapazieren, sondern können sich sonder Überanstrengung des Geistes auf die Druckfähigkeit der Stampiglien verlassen.

Es fehlet uns nur noch diejenige Stampiglie, welche dem Sigillum maximum des heiligen Bürokrazius entsprechen würde. Selbige Stampiglie wäre aber den Menschen, die sich vor den Einrichtungen des heiligen Bürokrazius ehrfurchtsvoll beugen, ganz besonders feierlich aufzudrücken. Sie wäre ihnen aufzudrücken auf ihren sterblichen Leichnam anselbsten. Sie wäre ihnen in memoriam Sancti Bürokrazii aufzudrücken auf denjenigen Teil ihres corporis humani, allwo auch der heilige Bürokrazius den Verstand sitzen hatte. Und diese Stampiglie, dieses Sigillum maximum Sancti Bürokrazii hätte in feierlichen Lettern nur das einzige Wort zu tragen: „Rindviech!“

Wie der heilige Bürokrazius seine Jünger belehrte.

Nachdem der heilige Bürokrazius solchergestalt für das Wohlergehen der Menschen in unablässiger Mühsal gesorget hatte, war sein eifrigstes Bestreben, auch recht zahlreiche Jünger anzuwerben, welche sein Erbe ungeschmälert erhalten und verwalten sollten, wenn es dem Himmel eines Tages gefallen würde, ihn aus diesem irdischen Jammertale zu der ewigen Herrlichkeit gnädigst abzuberufen.

Sein heiliger Kollege und Stallknecht, der Amtsschimmelmistsachverständige Sankt Stultissimus konnte dem heiligen Bürokrazius für die Dauer seines Erdenwallens nicht genügen, sintemalen Sankt Stultissimus sich immer mehr auf sein spezielles Fach, die Kultur des Roßmistes verlegte und den übrigen weltumfassenden actionibus Sancti Bürokrazii nicht immer das genügende Verständnis entgegenbrachte. So wäre es füglich wohl nicht anzunehmen gewesen, daß dieser roßmistsachverständige Heilige jemals auf die umwälzende Erfindung der Stampiglien gekommen wäre.

Es wäre aber auch ungerecht, solches von dem durch unsterbliche Verdienste gesegneten Heiligen zu verlangen. Ist es doch dem heiligen Sankt Stultissimus zu verdanken, daß der Amtsschimmel in unverlöschter Gloria und eiserner Gesundheit lebet und gedeihet und daß sein Mist sich in erhabenen Mengen vermehret, was schon für das Dekoktum des respektvollen Ergebenheitstränkleins von unermeßlichem Werte ist.

Der Schreiber dieser Legende hat es dahero für notwendig befunden, dem heiligen Stultissimus in hoc loco egregio, an dieser hervorragenden Stelle ein besonderes Ehrenkränzel zu flechten, bevor er sich in die Beschreibung der anderen Heiligen aus dem Kreise des heiligen Bürokrazius des näheren einlasset.

Denn schließlich und endlich war der heilige Stultissimus der erste Heilige, der sich Sankt Bürokrazio zugesellte. Der andächtige Leser wird sich noch des wunderbaren Zusammentreffens zwischen den beiden Heiligen erinnern und Sankt Stultissimum schon von dieser Schilderung her tief in sein Herz geschlossen haben. Wie denn auch Schreiber dieser Legende seiner mit innigster Liebe gedenket und sein Bildnis in der im weiteren Verlaufe dieser Legende zu eröffnenden Galleria der Heiligen um den heiligen Bürokrazius primo loco aufhängen will.

Bevor aber scriptor hujus vitae sanctorum dich geneigten und großgünstigen Leser als kunstbeflissener und gewissenhafter Kustode in die Bilder-Galleria geleitet, allwo die größten heiligen Jünger Sancti Bürokrazii abkonterfeiet hängen, muß er dir zum besseren Verständnis derer Picturen zuvörderst noch vermelden, wie der heilige Bürokrazius seine Jünger belehret hat.

Es sprach aber der heilige Bürokrazius zu seinen Jüngern, als er dieselben um sich versammelt hatte, folgendermaßen ... Hocket euch auf eure Sitzflächen, wie ich auf der meinen hocke, und erfasset meine Worte in meinem Geiste und in meiner heiligen Art zu denken!

Bedenket zunächst, was ist das liebe Publikum? Das liebe Publikum ist nichts als eine blöde Herde ohne Verstand und geistige Fähigkeiten. Sonst würde es euch längst verprügelt haben. Habt ihr aber je gehöret, daß eine Viehherde ihren Hirten verprügelt? Das habt ihr niemals gehöret. Also stehet das liebe Publikum auf dem Standpunkte des lieben Viehes und in mancherlei Dingen auf einem noch viel tieferen Standpunkte. Sintemalen jedoch jegliches Vieh, das wir in unseren Ställen halten, ein Nutzvieh sein muß, so ist auch das liebe Publikum euretwegen als Nutzvieh auf Erden und nicht ihr des lieben Publikums wegen. Ihr seid es, die ihr Hü und Hott rufet, und das liebe Publikum hat es gelernet, eurem Rufe zu gehorchen.

Ihr dürfet eure Macht und Gewalt nicht aus den Händen lassen. Seid daher zu dem lieben Publico so grob, als ihr es nur immer vermöget. Seid sackgrob, seid kotzengrob! Je saugröber ihr seid, desto mehr Ehrfurcht werdet ihr in dem lieben Publikum erwecken. Betrachtet das liebe Publikum als euren gefügigen Stiefelknecht und als euren euch durch ewige Vorherbestimmung bestimmten Stiefelabstreifer. Übet euch Tag und Nacht, auf daß ihr es gehörig anschnauzet und beflegelt und jegliche üble Laune an ihm auslasset.

Vornehmlich aber müsset ihr das Schnauzen lernen. Schnauzet das liebe Publikum an bei jeder Gelegenheit oder Ungelegenheit. Schnauzet es an, daß es vor euch zittert und bebet. Dann wird es auch niemals auf die gefährliche Entdeckung kommen, wie dumm ihr seid. Denn wenn es einmal eure Dummheit entdecket, dann habt ihr eure Rollen ausgespielet auf Erden.

Es gibt aber kein besseres Mittel, euren Blödsinn zu verstecken und ihn mit dem Firnis der höchsten Weisheit zu bekleistern, als justament das Anschnauzen. Wer das Schnauzen verstehet, der brauchet keine Beweise. Vielmehro bögelt er seinen Widersacher also gründlich nieder, daß dagegen das schwerste Bügeleisen nur ein sanftes Löcken ist.

Lasset euch hängende Schnauzbärte wachsen zum Zeichen eurer Würde. Schnauzbärte also lang wie Zöpfe. Dann habet ihr drei Zöpfe hangen. Einen Zopf hinten und zwei Zöpfe vorne über euer ungewaschenes Maulwerk. Aller guten Dinge sind drei.

Ihr müsset das liebe Publikum sekkieren, schikanieren und peinigen. Denn Menschenfleisch muß gepeiniget werden. Ihr erwerbet euch dadurch unsterbliche Verdienste für den Himmel. Hinwiederum aber verhelfet ihr dem lieben Publico zur himmlischen Seligkeit. Denn es lernet in eurer Behandlung schon hienieden auf Erden so vielfältige Qualen des Fegefeuers kennen, daß es einen großen Teil seiner Sünden abbüßet und aus dem Purgatorio eurer Folterungen vom Mund auf in den Himmel fahret.

Lasset das liebe Publikum ja nie zum Denken kommen; denn sobald es denket, erschlaget es euch. Kommt ihm dahero mit dem Erschlagen zuvor wie ein geschickter Fechter seinem Widersacher. Erschlaget rechtzeitig in ihm die Fähigkeit zum Denken, auf daß ihr nicht anselbsten erschlagen werdet.

Lasset das Publikum nicht zur Ruhe kommen vor lauter neuen Verordnungen. Denn nichts frißt der Mensch lieber und gläubiger, als beschriebenes und bedrucktes Papier, vornehmlich dann, wenn es eine Stampiglie hat. Dahero habe ich euch ja auch die Stampiglien erfunden. Lasset also das liebe Publikum vor lauter neuen Verordnungen, Stampiglien und Zusatzverordnungen und Verordnungen zu den Zusätzen der Zusätze nicht mehr zur Vernunft kommen. Dadurch müsset ihr das liebe Publikum in einer immerwährenden Drehkrankheit erhalten. Denn ich warne euch noch einmal: wenn es zur Vernunft kommt, dann ist es um euch geschehen.

Es wird aber nie zur Vernunft kommen, wenn ihr meine Lehren pünktlich befolget. Schnauzen und verordnen und wieder verordnen und abermals schnauzen. Darin werden die Menschen eure höchste Weisheit erblicken, und alle werden zu euch aufschauen wie zu erhabenen Geschöpfen, und niemand wird jemals bemerken, was für Rindviecher ihr alle miteinander seid. Amen.

Bilder-Galleria der Jünger des heiligen Bürokrazius.

Nachdem vorstehende Rede des heiligen Bürokrazius genau aufgezeichnet ist, wollen wir zusammen die versprochene Wanderung durch die Galleria seiner größten erwählten Jünger unternehmen.

Tritt ein, geliebtes Publikum, sieh und staune! Allhiero hängen sie alle.

Aber wollet mich nicht mißverstehen, sintemalen das Wörtchen hängen eine recht kitzliche Nebenbedeutung hat. Ihr dürfet etwan nicht glauben, daß diese Galleria, welche euch erkläret werden soll, der Meister Knüpfauf aufgehenkt hat, dieweilen sotane Hälse keinen anderen Kragen verdienen, als den der Seiler spendieret.

Schreiber dieser Legende weiß es ganz gewißlich, daß etwelche unter euch Lesern so frevelhaft sind, den nachhero benamsten und beschriebenen Jüngern des heiligen Bürokrazius zu wünschen daß sie hangen möchten wie die armen Schelme und Sünder am Galgen.

Dieses heimtückische Gaudium soll euch aber gründlich versalzen werden, ihr gottlosen Spottvögel, sintemalen die Jünger des heiligen Bürokrazius bis anhero bloß in effigie hangen, allwo ihr sie zur männiglichen Erbauung betrachten könnet.

Beschauet dahero den heiligen Stallmeister Stultissimus, abkonterfeit, wie er leibte und lebte. Bewundert die Nachdenksamkeit seiner Zehen und die Insignia seiner Würde, welche fürstlichen Zieraten vergleichsam sind. Er traget zwar nicht Zepter und Reichsapfel, aber dafür einen Roßknödel und eine Peitsche. Der verklärte Geist des Amtsschimmels durchleuchtet seine überirdischen Gesichtszüge. Es ist schon genug von ihm gesaget worden, folget dahero eurem getreuen Kustoden weiter in der Galleria zu den anderen höchst respektabeln Heiligen.

Es kommet nunmehro in der Heiligengalleria der heilige Sankt Grobian. Er hat des heiligen Bürokrazius wohlmeinende Lehren vom Schnauzen am allergründlichsten erfasset. Er hat sich das Sprechen ganz und gar abgewöhnet und sich nur zum Schnauzen bekehret. Sein Bildnis ist dahero auch zum Schnauzen ähnlich getroffen. Er hat sich zum gröbsten Lümmel unter allen Jüngern des heiligen Bürokrazius entwickelt und bildet sich einen Patzen darauf ein. Sein Schnauzbart ist auch der gewaltigste von allen anderen Schnauzbärten und hängt ihm beiderseitig wie einem Seehund herunter. Davon der Schnauzbart sich jedoch unterscheidet, dieweilen er nicht von salzigem Meerwasser triefet, sondern zumeist von Bier, Wein und anderen alcoholicis, denen Sankt Grobian nicht abgeneiget ist. Braucht er sie doch zur Anfeuchtung seiner Schnauzen und zur Auffrischung seines Geistes.

Der heilige Sankt Grobian blühet und gedeihet vornehmlich an den Schaltern. Er besitzet die Nerven eines Büffels, derohalben man ihn auch Schalterbüffel benamsen könnte. Beobachte, o geduldiges und vielgeprüftes Publikum, wie sich an den Schaltern oftmals ein wildes Gebrülle erhebet. Dann recket sich der struppige Schädel Sankt Grobians heraus, gleichsam wie aus einer offenen Stalltüre, und brüllet und schnauzet dir in dein angstverzerrtes Gesicht, daß du den Schlotterich in allen Gliedern bekommest.

Nunmehro wenden wir uns von dem heiligen Grobian zu dem nächsten Heiligen in der Galleria. Das ist der heilige Blödian. Erstarre in Ehrfurcht vor ihm, geliebter Beschauer; denn seine heilige Dummheit grenzet an das Übermenschliche und Unbegreifliche. Dahero hat der heilige Blödian mit dem heiligen Bürokrazius auch am meisten Ähnlichkeit in seiner ganzen Physiognomia. Sie könnten Zwillingsbrüder sein. Aus diesem erstaunlichen Naturspiele ersiehest du, andächtiger Beschauer, wie auch geistige Verwandtschaft in körperlichen Zügen sich auszuprägen pfleget. Der heilige Sankt Blödian, der ist es, welcher am gründlichsten im Geiste der Stampiglien denket, für den es außerhalb derselbigen kein Heil gibt. Was wäre Sankt Blödian auch ohne Stampiglien! Ein Kind ohne Mutterbrust oder Lullbüchsen, ein Lahmer ohne Krücken, ein Stuhl ohne Beine.

Folget der heilige Sankt Schlamprian. Er ist bildlich dargestellet mit einer langen, schier in die Unendlichkeit reichenden Bank, auf die er alles zu schieben pfleget. Ungeduldige Menschen, welche es leider noch immer gibt, sollen manchmal in die Versuchung kommen, Sankt Schlamprianum auf seine Bank zu legen und ihm eine gehörige Tracht Prügel herunterzumessen. Ist aber bis anhero offenbarlich noch nicht geschehen, dieweilen der heilige Schlamprian froh und vergnüglich weiterlebet.

Reihet sich an der heilige Sankt Schnüfflian. Das ausgedehnteste organum an diesem heiligen Bildnisse ist, wie du, andächtiger Beschauer, alsogleich wahrnehmen wirst, das Riechorgan. Hier findest du die Rüsselnase des heiligen Bürokrazius bis zur höchsten Potentia entwickelt. Sankt Schnüffliani Löschhorn ist eben so lang als beweglich und dringet dahero überall hin. Es ist befähiget, dich zu beschnüffeln vom Kopf bis zu deinen Zehen. Es kriechet dir überall hinein von deinem kleinsten Kastel bis zu deinem kleinsten Leibeltaschel. Sankt Schnüffliani Nase riechet alles, auch das, was gar nicht da ist, dieweilen es vielleicht doch da sein könnte. Sie kann sogar so haarfein werden, daß sie in verschlossene Briefe dringet und deine tiefsten Geheimnisse erforschet. Sintemalen sie aber nur Nase und nicht Gehirn ist, hat sie sich auch des öfteren schon schauderhaft blamieret. Sie schnupfet den Staub der Skripturen und betrachtet diesen Toback als das köstlichste Labsal. Es hat sich noch niemand erdreistet, dem heiligen Sankt Schnüfflian einen gehörigen Nasenstüber auf seinen Gesichtsvorsprung zu geben, so daß selbiger immer länger zu wachsen und schließlich den geduldigen populus zu umschlingen drohet wie die Fangarme der Meerpolypen.

Secundum ordinem zu einem auferbaulichen Beschlusse anjetzo der heilige Sankt Corruptius. Er ist der gemütlichste und umgänglichste von allen Heiligen dieser Galleria, dieweilen er seinen Verstand in den Taschen hat und du dich dahero mit ihm am leichtesten verständigen kannst. Er wird dir in dem Maße mit seinem Verständnisse entgegenkommen, als du ihm seine Taschen füllest. Seine ganze Wirksamkeit findet sich ausgedrücket in der liebenswürdigen Frage: „Wieviel?“ Seine Linke weiß nie, was seine Rechte nimmt. Er kann nur dann beleidiget werden, wenn du ihm einen leeren Händedruck verabreichest.

Der heilige Sankt Corruptius ist das versöhnende Elementum unter seinen heiligen Kollegen. Er macht so vieles gut, was Sankt Grobian, Blödian oder Schlamprian verdorben haben. Er ist oft der einzige Ausweg, das rettende Hintertürl in allen möglichen und unmöglichen Nöten und läßt aus seinen heimlichen Taschen die Erfüllung so mancher Wünsche erstehen als ersprießlich wirkender Nothelfer, als verschmitzt und verständnisvoll lächelnder Bundesgenosse derjenigen, die es verstehen, mit dem gebührenden Nachdrucke um seine Hilfe zu beten. Aus je mehr Banknoten das Gebetbüchlein dieser andachtsvollen Seelen bestehet, je dicker und leibiger es ist, je eifriger sie seine Blätter in brünstigem Flehen wenden, desto gnädiger, huldvoller und erbarmender wird sich ihren Anliegen der heilige Sankt Corruptius zuneigen.

Womit euer getreuer Kustode die Türe der Galleria schließet und euch wiederum entlasset.

Von der Titel- und Ordenssucht.

Es bleibet nunmehro weiters zu vermelden, daß sich unter den Jüngern des heiligen Bürokrazius alsobald auch die Titel- und Ordenssucht auszubreiten begann. Das ist eine gar arge Sucht. Noch viel ärger, als die Maul- und Klauenseuche unter dem lieben Rindviech. Da jedoch der heilige Bürokrazius und seine Jünger das liebe Rindviech noch übertreffen, warum sollen sie nicht auch noch von ärgeren Seuchen heimgesuchet worden sein als das liebe Rindviech?

Die Titelsucht wuchs sich aber zu einer solchen Seuche aus, daß sie mit den Bandwürmern verglichen werden konnte. Denn kein Titel war den nach sotaner Auszeichnung Strebenden mehr lang genug. Je länger der Titel, desto mehr wurde er erstrebet. Ja, es soll solche lange Titel gegeben haben, daß die Titeljäger und Titelträger früher eines seligen Endes verstorben sind, bevor es ihnen gelungen ist, den erjagten Titel ganz auszusprechen.

Etwelche sind auch mitten in der Aussprache ihres Titels ersticket oder von jäher Geisteskrankheit befallen worden, insonderheit von Größenwahn. Schreiber dieser Legende muß es aus zärtlicher Fürsorge für sich selber und für seinen frommen Leser unterlassen, ihm ein Verzeichnis dieser Titel zu versetzen, dieweilen er befürchtet, ansonsten den Bandelwurm im Gehirn zu bekommen oder lectori suo eine ähnliche Krankheit zu bescheren.

Gleich gefährlich wie die Titelsucht hat sich auch die Seuche der Ordenssucht unter den Jüngern des heiligen Bürokrazius zu verbreiten begonnen.

Während beim lieben Rindviech die Maul- und Klauenseuche die Freßwerkzeuge und Gehwerkzeuge des lieben Viehes affizieret, hat sich die Ordenssucht auf sämtliche Knopflöcher der Jünger des heiligen Bürokrazius geworfen.

Bedenke aber, geneigter Leser, wie viele Knopflöcher ein erwachsenes Mannsbild besitzen tut. Was muß das für ein gräulicher Zustand sein, wenn diese sämtlichen Knopflöcher vom obersten Kragenknöpfel bis zum untersten Hosenknöpfel von dieser Seuche befallen sind, immerdar gähnen wie hungrige Mäuler und triefen in Gier und unbefriedigter Sehnsucht.

Und wenn du sie auch stopfest mit einem Bändlein, Sternlein oder Kreuzlein, es werden immer noch genug Knopflöcher übrig bleiben, die nach Sättigung schreien.

Niemals ist noch der Ordenshunger ganz befriediget worden. Denn hast du es, o großgünstiger Leser, jemals erfahren, daß auch die untersten allerinsgeheimsten Knopflöcher, so ein Mannsbild sein eigen nennet, mit Ordensdekorationen ausgezeichnet worden sind? Also gibt es immer noch Knopflöcher, die elendig darben in ihrer Verlassenheit und Zurücksetzung.

Es will jedoch dem Schreiber dieser Legende erscheinen, als ob der Seuche auch dann nicht abzuhelfen wäre, wenn man auch diese untersten, bishero noch immer nicht berücksichtigten Knopflöcher gnädigst auszeichnen würde.

Es stünde alsodann zu befürchten, daß das erwachsene Mannsbild urplötzlich ganz neue Knopflöcher bekäme, die man bis anhero noch gar nicht erfunden hat.

Und es könnte sich ein Schaustück, ein noch niemals dagewesenes spectaculum ergeben, daß das Äußere eines erwachsenen Mannsbildes und Jüngers des heiligen Bürokrazius überhaupt nur mehr aus Knopflöchern bestehen würde.

Als eine unerhörte Vernachlässigung muß es jedoch Schreiber dieser Legende brandmarken, daß es noch niemandem eingefallen ist, die erhabene Bekleidung des Verstandestempels des heiligen Bürokrazius mit reichlichen Knopflöchern zu versehen, wie wir dies bei so vielen puerulis, id est kleinwinzigen Büblein zu finden gewohnet sind. Sotane Vermehrung durch besagte der Dekorierung überaus würdige Knopflöcher wäre vielleicht ein besonders heilsamer Balsam gegen die bohrenden Schmerzen der Ordensseuche geworden.

Wie der heilige Bürokrazius sich erlustierte.

Wir aber wollen uns nunmehro zu einem freundlicheren Bilde wenden. Der heilige Bürokrazius pflegte unter seinen Jüngern auch die höhere Geselligkeit, auf daß sich nach des Tages erschöpfender Arbeit auch die höhere Fidelität, die fidelitas major atque elatior erhübe und die Pflege des Geistes keinen namhaften Abbruch erlitte.

Regelmäßig versammelten sich der heilige Bürokrazius und seine Jünger zu geselligen Abenden. Munter flossen da die Gespräche, anmutig durchflochten von den Erinnerungen des arbeitsreichen Tages. Auch der Gesang kam zu seinem Rechte.

In gebührender Adäquation an die hohen geistigen Fähigkeiten des Heiligen und seiner Jünger bewegte sich dieser erhabene Gesang stets nur auf klassischem Gebiete und trug nicht wenig zur weiteren Schärfung des Geistes der an diesen geselligen Abenden Beteiligten bei.

Eines dieser herrlichen Lieder mag auch dir, großgünstiger Leser, vorgesetzet werden, da es in selten edler Form die höchsten Ideale der Volkswirtschaft im begeisterten Schwunge eines klassischen Dithyrambus verkörpert. Es sind Verse, die es verdienen, in goldenen Lettern auf Marmortafeln ausgehauen zu werden. Lausche, geliebter Leser!...

D’Sau, d’Sau, d’Sau hat an Schweinekopf,

Und, und, und vier Haxen hat’s aa,

Wann, wann, wann man’s genau betracht’t,

Hat’s an Schwoaf aa.

Ja, ja, hat’s an Schwoaf aa.

Wann, wann, wann ma a Messer nahm’

Und, und, und schneid’t den Schwoaf a,

Aft, aft, aft ist’s a g’stutzte Sau wor’n

Und der Schwoaf a.

Ja, ja, und der Schwoaf a.

Wann, wann, wann ma a Petschierwachs nahm’

Und, und, und pickt den Schwoaf an,

Aft, aft, aft ist’s a pickte Sau wor’n

Und der Schwoaf dran.

Ja, ja, und der Schwoaf dran.

Nimmt, nimmt, nimmt ma den Schwoaf in d’Hand

Und, und, und ziacht a wen’g dran,

Aft, aft, aft hat ma den Schwoaf in der Hand,

Und d’Sau rennt davon.

Ja, ja, d’Sau rennt davon.

Stelle dich nunmehro, o vielgeliebter Leser, mit dem Schreiber dieser Legende, welchen du also getreu begleitet hast, auf die Verstandes- und Geistes-Plattform des heiligen Bürokrazius und seiner Jünger und versetze dich ganz und gar in den Geist dieses Liedes. Er wird dich unwiderstehlich ergreifen, in dich hineinfahren und dich vollständig erfüllen.

Singe dieses Lied unermüdlich immer und immer wieder! Und du wirst sehen, daß du seinen Text nicht mehr loskriegen kannst. Er wird dich verfolgen bei Tag und bei Nacht.

Das Schicksal der petschierten Sau wird dein eigenes Schicksal werden. Es wird der Weihegesang deiner Tage und das Lied deiner Träume werden.

Versuche es dahero, o wohlgeneigter Leser. Du wirst sicher keine Enttäuschung erleben.

Es ist auch gesund für deine Nerven, wenn du dein ganzes Geistesleben auf dieses Lied einstellest. Du wirst dabei gewiß den chronischen Gehirntatterich bekommen. Einerseits ist das jedoch ein wohltätiger Zustand, andererseits hast du dann Aussicht, unter die Jünger des heiligen Bürokrazius aufgenommen zu werden.

Schreiber dieser Legende würde dich, geneigter Leser, mit dem oben vorgeschlagenen Experimente des Liedes von der petschierten Sau gewißlich nicht molestieren, wenn er nicht wüßte, daß du zu der Überzeugung gelangest, welche magische Gewalt in diesem Liede liegt.

Du kannst alsodann nach deiner eigenen Erfahrung allen Verleumdern des heiligen Bürokrazius und seiner Jünger im Harnisch der Entrüstung entgegentreten. Denn es gibt solche Verleumder, welche behaupten, daß das gesellige Leben des heiligen Bürokrazius und seiner Jünger womöglich noch stumpfsinniger ist als ihr sonstiges Dasein.

Das Lied von der petschierten Sau, welches einen Gipfelpunkt der geselligen Freuden des heiligen Bürokrazius und seiner Jünger darstellet, wird jedoch den schlagenden Gegenbeweis liefern, wie einprägsam und tief die gemütliche Art des Heiligen auch außerhalb seiner sonstigen Tätigkeit war, wie voll von eigenartiger Gedankenschärfe und Vorstellungskraft, wie beruhigend aber auch für die strapazierten Nerven der Menschheit.

Wie der bitterböse Kare Revoluzzer den guten König zum Teufel jagte.

Es begab sich aber, daß ein Mensch aufstund, so Kare Revoluzzer geheißen ward.

Das war ein grauslicher Kerl, aber schon ein so grauslicher Kerl, daß er noch grauslicher nimmer sein konnte.

An diesem wüsten Individuum war alles rot. Der Kerl hatte rote Haare und einen roten Bart wie weiland nach glaubhaften Überlieferungen und Schilderungen Judas Ischariot. Dazu trug er auch noch eine rote Mütze auf dem Schädel und ein rotes Hemde an seinem vermaledeiten Leibe. Ja sogar ein knallrotes Krawattel hatte der bitterböse Kare Revoluzzer, das nicht einmal an der Krawatitis posterior ascendens litt, sondern ihm zu beiden Seiten wie zwei rote Fahnen herausflatterte.

Er aß nur roten Schwartenmagen und selbstverständlich auch Blutwurst. Und er hätte natürlich auch nur immer roten Wein getrunken, wenn er ihn gehabt hätte. In Ermangelung desselben trank er seine frische Kellermaß nur aus einem grellroten Maßkrug, der ein rotes Biermerkerl hatte, auf dem ihm die Kellnerin nur mit Rotstift die vertilgten Mengen des edeln Gerstensaftes verzeichnen durfte.

Dieser wüste Kerl wurde bei jeder Gelegenheit feuerrot vor Wut und schimpfte dann gotteslästerlich. Besagter roter Satansbraten war so saugrob, aber schon so pfundsaugrob, daß dagegen der heilige Sankt Grobian als ein gar fein politierter Hofmann gelten konnte.

Der heilige Sankt Grobian schimpfte wenigstens nicht über den guten König, sondern er ließ den guten König regelmäßig hoch leben, wenn er sich in alcoholicis genug getan hatte. Bei der sechsten Maß brachte der heilige Sankt Grobian fast immer ein Hoch auf den guten König aus und rief, daß alles dröhnte: „Vivat hoch der König! Er lebe hoch! hoch! hoch!“ Bei dieser loyalen Kundgebung sträubte sich jedes einzelne Haar in dem langen Schnauzbart des heiligen Grobian vor echter dynastischer Begeisterung.

Davon wußte allerdings der gute König wahrscheinlich gar nichts, wie er von verschiedenen anderen Dingen auch nichts wußte. Deswegen war er aber doch ein guter König. Und der bitterböse pfundsaugrobe Kare Revoluzzer hätte nicht so auf den guten König zu schimpfen brauchen, dieweilen ihm der gute König ja gar nichts getan hatte. Das war dem Kare Revoluzzer aber Blutwurst. Dahero erhub sich bei ihm während der sechsten Maß das Gegenteil der dynastischen Begeisterung.

Es stritten sich aber gleich wie bei Homeros der Städte sieben um die Ehre, der Geburtsort des bitterbösen Kare Revoluzzer gewesen zu sein. Schreiber dieser Legende vermeinet, daß der weitbeschreite Kare Revoluzzer von Ithaka oder von dort irgendwo in der Nachbarschaft herstammet und daß er einen der trojanischen Helden zu seinem Altvorderen hat, sintemalen selbige Helden auch schon so fürtrefflich das Schimpfen verstunden wie der Kare Revoluzzer.

Dieser wüste Kerl, den der höllische Schürmeister quintelweis in seine Bratpfannen holen soll, auf daß besagter Teufelsbraten nur recht langsam und in den allerkleinsten Stücklein schmore, schimpfte aber nicht nur auf den guten König, sondern er jagte eines Tages den guten König sogar zum Teufel, obwohl ihm der gute König niemals etwas getan hatte, was schon weiter oben gerechtermaßen ist vermerket worden.

Wie konnte das aber sich ereignen, daß der Kare Revoluzzer den guten König zum Teufel jagte, wo doch der gute König auf seinem Throne saß und der Kare Revoluzzer höchstens eine schmierige Bierbank mit seiner Hinterfront beschwerte?

Das kam dahero, dieweilen der Kare Revoluzzer ein großer Volksredner und dessentwegen sehr gefährlich war. Er berief immer wieder Volksversammlungen ein und schimpfte dann vor den Versammelten immer wieder über den guten König, der ihm gar nichts getan hatte.

Bevor er den guten König zum Teufel jagte, hielt er in einer großen Volksversammlung eine große Rede, die er dann auch drucken und an allen Straßenecken anschlagen ließ. Dahero ist uns diese Rede noch heutigen Tages erhalten und soll auch dem geneigten Leser dieser Legende nach ihrem vollen Inhalte mitgeteilet werden.

Es sprach aber der Kare Revoluzzer in dieser Rede ...

Zu was brauchen ma denn an Kini? Mir brauchen koan Kini. Oder woaß vielleicht wer, zu was ma an Kini brauchen? Der soll’s nur sagen, der wo woaß, zu was ma an Kini brauchen. Der soll’s nur sagen. Dem hau’ i aber schon a solchene in sei’ Fotzen. Aber schon a solchene. Schon a solchene. Also woaß wer, zu was ma an Kini brauchen? Koa Mensch woaß, zu was ma an Kini brauchen. Also brauchen ma koan Kini. Und weil ma koan Kini brauchen, brauch’ ma koan Kini.

Was is denn überhaupts a Kini? Gar nix is a Kini. A Schmarrn is a Kini. Und weil a Kini a Schmarrn is, brauch’ ma koan Kini, weil ma koan brauchen! Oder brauch’ ma vielleicht an Kini? Und weil ma koan Kini brauchen, lass’ ma uns aa koan Kini mehr g’fallen. Warum sollen ma uns aa an Kini g’fallen lassen, wo ma koan brauchen! Wir lassen uns überhaupt nix mehr g’fallen. Also lassen ma uns aa koan Kini mehr g’fallen, weil ma koan Kini brauchen. Oder brauchen ma vielleicht an Kini?

Mir san mir! Oder will vielleicht wer bestreiten, daß mir mir san? Und weil mir mir san, können mir uns selber regieren und brauch’ ma koan Kini, der wo uns regieren tut und den wo wir zahlen tun müssen. Mir können uns selber zahlen für’s Regieren, weil mir mir san. Und weil mir koan Kini mehr brauchen, den wo mir zahlen tun müssen für’s Regieren und weil ma überhaupts koan Kini mehr brauchen, weil mir mir san, jagen mir den Kini zum Teufel! Mir brauchen koan Kini, weil ma koan Kini brauchen. Oder brauch’ ma vielleicht an Kini? Koan Kini brauch’ ma. Also jagen ma den Kini zum Teufel!...

Diese Rede machte einen so gewaltigen Eindruck auf die versammelten Volksmassen, daß es dem bitterbösen Kare Revoluzzer wirklich gelang, den guten König zum Teufel zu jagen. Darauf gründete der bitterböse Kare Revoluzzer einen knallroten kommunistischen Freistaat ohne Kini.

Wie besagter Höllenbraten den heiligen Bürokrazius erschlagen wollte und von diesem glorreich widerleget wurde.

Damit, daß er den guten Kini, der ihm nie was getan hatte, zum Teufel gejagt hatte, ließ es sich dieser Höllenbraten aber noch lange nicht genügen. Sein ganzer roter Haß richtete sich jetzunder gegen den heiligen Bürokrazius. Der war ihm schon lange ein Dorn im Auge. Er berief dahero eine neue Volksversammlung ein, die ganz rot war, dieweilen nunmehro alle Versammelten die Tracht des bitterbösen Kare Revoluzzer trugen.

Von einer rot ausgeschlagenen Tribuna sprach der Kare Revoluzzer nunmehro folgendermaßen gegen den heiligen Bürokrazius ...

Zu was brauchen ma denn den heiligen Bürokrazi, den Pazi? Zu was brauchen ma den Pazi, den heiligen Bürokrazi? Mir brauchen koan heiligen Bürokrazi, weil ma koan brauchen! Oder woaß vielleicht wer, zu was wir den heiligen Bürokrazi brauchen? Dem stier’ i aber schon a solchene in sei’ Fressen! Aber schon a solchene! A solchene! Also koa Mensch woaß, zu was ma den heiligen Bürokrazi brauchen.

Mir san mir. Und weil mir mir san, lassen mir uns aa nix mehr g’fallen, aber schon gar nixn nit, aa nit den heiligen Bürokrazi, den Pazi! Was machen ma nachher mit dem heiligen Bürokrazi, weil ma ihn nit brauchen, den Pazi? Erschlagen tuan ma den Bürokrazi, den Pazi, weil ma ihn nit brauchen den Bürokrazi!

Weil mir mir san und weil mir uns nixn nit g’fallen lassen und weil mir erschlagen können, wen wir wollen! Drum haut’s eahm oane eini dem heiligen Bürokrazi, dem Pazi, und schlagt’s eahm die Zähnd in Rachen abi, daß s’ eahm in Doppelreihen da außermarschieren, wo er den Verstand hat! Mir san mir!...

Auf diese Rede des Kare Revoluzzer erhub sich ein fürchterliches Gejohle in der Versammlung. Der heilige Bürokrazius war aber anwesend, und es war große Gefahr vorhanden, daß es ihm an den Kragen ging. Er setzte sich jedoch zur Wehre, und es gelang ihm, den bitterbösen Kare Revoluzzer glorreich zu widerlegen.

Es sprach aber der heilige Bürokrazius, nachdem er sich mühsam Gehör verschafft hatte, die folgenden denkwürdigen Worte ...

Meine vielgeliebten andächtigen Zuhörer! Es ist eine große Gemeinheit von meinem sehr geehrten Herrn Vorredner, daß er mich erschlagen will. Ich hätte ihm das gar nicht zugetrauet. Bedenket, was ihr dann beginnet, wenn ihr den heiligen Bürokrazius erschlagen habet. Wer wird euch noch auf Erden beglaubigen, wer ihr seid? Wer wird euch registrieren und numerieren? Ohne den heiligen Bürokrazius seid ihr überhaupt nicht mehr vorhanden.

Ich gebe es gerne zu, daß unter meinen Jüngern und Anhängern sehr viele Esel sind. Aber bedenket des weiteren, daß Gott der Herr diesem so sehr verachteten Vieh eine große Ehre angetan hat, indem er auf ihm zu Jerusalem eingeritten ist. Ihr müsset dahero auch die Esel unter meinen Jüngern hochachten und schätzen.

Und so ihr euch auch im heiligen Zorne manchmal versuchet fühlet, mich oder einen meiner Mitesel zu erschlagen, lasset euch ja nicht dazu verleiten, sondern erinnert euch an die Worte der heiligen Schrift: Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes. Dixi et salvavi animam meam!...

Auf diese Worte des heiligen Sankt Bürokrazius erhub sich ein brausender Jubel in der Versammlung.

Nachdem es dem heiligen Bürokrazius durch seine Rede gelungen war, das liebe Publikum wiederum auf seinen ursprünglichen Standpunkt zurückzuführen, hatte er den Kampf gegen den bitterbösen Kare Revoluzzer gewonnen und diesen feuerroten Teufelsbraten glorreich widerleget.

Obwohl es diesem wüsten Gesellen geglücket war, den guten König zum Teufel zu jagen, der ihm niemals etwas getan hatte, so glückete es ihm keineswegs gleichermaßen, den heiligen Bürokrazius zu erschlagen.

Das liebe Publikum vermochte sich auch unter dem Einflusse des bitterbösen Kare Revoluzzer nie und nimmermehr von dem heiligen Bürokrazius zu trennen.

Das darf dich, o großgünstiger Leser, nicht arg wundernehmen. Denn es ist leichter, einen König zum Teufel zu jagen, wenn er dir auch nichts getan hat, als einem Heiligen den Garaus zu machen, und vornehmlich dem mächtigsten Heiligen, der jemals auf Erden erstanden ist, dem heiligen Bürokrazius.

Wie der heilige Bürokrazius gen Himmel fuhr und seinen himmlischen Einfluß auf den Kare Revoluzzer wirken ließ.

Nachdem der heilige Bürokrazius zu der Überzeugung gelanget war, daß er auch in dem knallroten kommunistischen Freistaate des Kare Revoluzzer unbehelliget sein heiliges Dasein weiterführen werde, lud er seine Jünger und Anhänger zu einem Festabende ein, an dem das Weihelied von der petschierten Sau mit besonderer Inbrunst gesungen wurde.

Der bitterböse Kare Revoluzzer aber grinste wütend zu den Fenstern des Lokales derer Versammlung herein. Er getraute sich jedoch nicht mehr zu brüllen: „Zu was brauch’ ma den heiligen Bürokrazi, den Pazi!“ — weil er fürchtete, daß er derohalben belanget werden könnte. Wenn er auch den guten König zum Teufel gejagt hatte, der ihm nie was getan hatte, so sah er doch ein, daß es ihm niemals gelingen würde, den heiligen Bürokrazius zum Teufel zu jagen, geschweige denn ihn zu erschlagen.

Der heilige Bürokrazius aber, welcher zur Erkenntnis gelanget war, daß er nunmehro seine heilige missionem auf Erden vollkommen erfüllet hatte und daß er die Früchte seiner Sendung seinen Jüngern überlassen könnte, verabschiedete sich an jenem Festabend ganz besonders feierlich von seinen Jüngern.

Er sprach zu ihnen: „Hocket euch auf den Sitz eures Verstandes, meine Vielgeliebten und Getreuen! Ich will heute von euch scheiden und gen Himmel fahren, dieweilen es mich schon lange gelüstet, in dieser Gegend Nachschau zu halten, ob da droben auch alles registrieret, numerieret und ordnungsgemäß eingetragen worden ist. Mich will es völlig bedünken, daß ich in der himmlischen Gloria noch gewaltige Aufgaben zu erfüllen haben werde. Ich höre schon die Stimmen der Heiligen und Erzväter über mir, welche in Sehnsucht nach mir rufen, dieweilen ihnen der liebe Gott die auferbauliche Gesellschaft des saudümmsten Heiligen versprochen hat, der zu sein ich bekanntlich die himmlische Ehre habe. Ich hinterlasse den Menschen zu ihrem Troste dich, den heiligen Stultissimus, dich, den heiligen Grobian, und dich, den heiligen Blödian, und dich, den heiligen Schlamprian, und dich, den heiligen Schnüfflian, und nicht zuletzt dich, den lieben, guten, gemütlichen und für alle irdischen Drangsale verständnisvollen heiligen Corruptius.“

Bald nachdem der heilige Bürokrazius solches gesprochen hatte, erhub er sich und fuhr gen Himmel. Zufällig schloß gleichzeitig das neuerlich angestimmte Weihelied der Tafelrunde mit den erhebenden Worten: „D’Sau rennt davon!“

Seine Jünger starrten dem Heiligen noch lange nach und sahen den Sitz seines Verstandes gleich einem leuchtenden Gestirne zwischen den Wolken verschwinden.

Auf der dunklen Straße lauerte aber noch immer der bitterböse Kare Revoluzzer. Auch er starrte dem heiligen Bürokrazius nach, wie er gen Himmel fuhr. Seinen Lippen entrang sich der staunende Ausruf: „Da schaut’s amal den Pazi, den Bürokrazi!“ ...

Als die Jünger des heiligen Bürokrazius sich von dem Festabende entfernten, da machte sich der knallrote Kare Revoluzzer heimlich an den freundlichen heiligen Corruptius heran, nahm ihn unter den Arm und bog mit ihm in eine stille Gasse ab, wo sie weder gehöret noch gesehen werden konnten.

Dort fand eine lange Unterredung zwischen dem Kare Revoluzzer und dem heiligen Corruptius statt, die allem Anscheine nach zu einem sehr befriedigenden Resultate führte, sintemalen sich die beiden schließlich mit den untrüglichsten Anzeichen des innigsten Verständnisses und der herzlichsten Freundschaft voneinander verabschiedeten ...

Es erwies sich aber auch alsobald der himmlische Einfluß des heiligen Sankt Bürokrazius an dem bitterbösen Kare Revoluzzer.

Dieser rote Bösewicht wurde nämlich von einer innigen Verehrung für den von dem heiligen Bürokrazius schon längst gestifteten Ratstitel erfaßt. Und so begeistert war diese innige Verehrung, daß der bitterböse Kare Revoluzzer in seinem knallroten kommunistischen Freistaate lauter neue Ratstiteln einführte.

Dem Schreiber dieser Legende ist es wegen mangelnden Platzes nur vergönnet, ein paar Endsilben der betreffenden Titeln in der Räterepublik des Kare Revoluzzer bekanntzugeben, dieweilen bei jedem Titel diesen Silben noch weitere 365 Silben vorangingen, auf daß jeder Tag des Jahres einen festlichen ratsherrlichen Charakter trüge. Die nachfolgenden Titel stellen dahero nur eine durch obbesagten Grund bedungene ärgerliche Verkürzung der wirklichen Gesamttitel dar.

In dieser Verkürzung ernannte der bitterböse Kare Revoluzzer jeden Briefträger zum Geheimen Korrespondenzrat, jeden Leichenkutscher zum Kondolenzrat, jedes Tratschweib zur Frau Geheimen Konferenzrat, jeden Drehorgelmann zum Musikrat, jede Hebamme zur Frau Geburtsrat, jeden Schaffner zum Verkehrsrat, jeden Trambahnschaffner in specialibus zum Ringlinienrat vulgo Rundamadumrat, jeden Kellner zum Schankrat, jeden Käsehändler vulgo Kasstecher zum Obergestankrat, jeden Greisler zum Viktualienrat, jeden Bahnwärter zum Streckenrat, jeden Lokomotivführer zum Oberdampfrat, jeden Friseur zum Verschönerungsrat, jeden Billeteur zum Knipsrat, jeden Krawattenhändler zum Schlipsrat, jeden Pfandverleiher zum Geheimen Pumprat, jeden Gerichtsvollzieher zum Wirklichen Pfändungsrat, jeden Steuereintreiber zum Obervolksbelästigungsrat, jeden Laternenanzünder zum Illuminationsrat, jeden Kassendieb zum Defraudationsrat, jeden Mädchenhändler zum Liaisonsrat, jede Kupplerin zur Frau Geheimen Okkasionsrat, jeden Vereinsmeier zum Koalitionsrat, jeden Schwindler zum Illusionsrat, jeden Schnapsbruder zum Alkoholrat, jeden Hausbesitzer zum Obersteigerungsrat, jeden Hausknecht zum Wirklichen Hinausbeförderungsrat, jedes Radiweib zur Frau Radirat, jeden Stiefelputzer zum Fußbekleidungspoliturrat, jeden Kastanienbrater zum Maronirat, jeden Südfrüchtenhändler zum Limonirat, jeden Charkutier zum Salamirat, jedes Siemanndl zum Wirklichen vortragenden Unterpantoffelheldenrat, jeden Kanalräumer zum Kanalrat, jeden Krakehler zum Krawallrat, jeden Heiratsvermittler zum Matrimonialrat, jeden Revolverjournalisten zum Skandalrat, jede Kuhdirn zur Frau Stallrat, jeden Besoffenen zum Ruhestörungsrat, jeden Vagabunden zum Wirklichen öffentlichen Landstraßenrat, jeden Schieber zum Geheimen Ernährungsrat, jeden Mistfuhrwerker zum Kompostrat, jeden G’scheerten zum Ökonomierat, jeden Löwenbändiger zum Menagerierat, jeden Dilettanten zum klassischen Genierat, jedes Urviech zum Zoologierat, jedes Kamel zum Wüstenrat, jeden Miederfabrikanten zum Geheimen Büstenrat, jeden Verrückten zum Oberspinnrat, jeden Trottel zum Wirklichen Intelligenzrat und alle sonstigen noch mit keinem Ratstitel bedachten Individuen zu wirklich wirklichsten insgeheim geheimsten Generalproletenräten mit dem Titel Seine Herrlichkeit.

Trotzdem wurde eines Tages ein sehr zweifelhaftes Individuum aufgegriffen, von welchem es sich bei näherer Untersuchung herausstellte, daß es nicht einmal einen Ratstitel besaß.

Im Interesse der Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit verfügte der bitterböse Kare Revoluzzer sofort, daß dieses ratlose Individuum wegen monarchistischer Umtriebe in Schutzhaft gesetzet wurde.

Da schaute der heilige Bürokrazius vom Himmel herunter und lachte.

Finis