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Der Kunstreiter, 2. Band cover

Der Kunstreiter, 2. Band

Chapter 9: 21.
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About This Book

The narrative follows a traveling equestrian troupe and the rural communities it encounters, alternating set-piece scenes of tavern talk, schoolyard life, and domestic moments. Extended passages contemplate the forest and its trees, likening arboreal life processes to human experience and evoking seasonal and daily rhythms. Interpersonal exchanges in inns and at home reveal local customs, humor, and tensions around guests and accidents, while the troupe's performances and journeys provide occasion for moral observation and episodic adventure. The work blends descriptive naturalism with anecdotal storytelling, presenting village society, provincial character types, and reflective asides without relying on a single continuous plot.

Georg fand dieses Wesen seiner Gattin durch ihr früheres Leben, wenn auch nicht vollständig gerechtfertigt, doch wenigstens entschuldigt, und ertrug es eben um der Tochter willen; Mademoiselle Adele aber fühlte ihr Herz dadurch verletzt und wandte sich mit um so größerer Liebe dem jungen Mädchen zu, dem sie, wie sie recht gut einsah, die Mutter ersetzen mußte. Und das Kind selber kam ihr dabei mit vollem Herzen und inniger Liebe entgegen. Von früh an, ja, solange sie eigentlich denken konnte, an ein wildes, unstetes Leben gewöhnt, in dem sich das junge Herz nicht wohl fühlen, von rauhen Menschen umgeben, an die es sich nicht anschließen konnte, hatte es hier zum erstenmal eine Heimat und in seiner Erzieherin ein Wesen gefunden, das wirklich teil an ihm nahm und ihm mit mütterlicher Liebe ergeben war.

Wohl hatte es der kleinen Eitelkeit geschmeichelt, mit den mühsam erlernten Künsten im Zirkus draußen rauschenden Applaus einzuernten, aber mit heimlichem Neid sah Josefine dabei zugleich unter den geputzten Zuschauern die vielen anderen kleinen Mädchen, die von den Ihrigen gehegt und gepflegt und – nicht gezankt wurden, wenn sie eine Ungeschicklichkeit auf dem Pferde begangen. Das Kind auch fühlte, wenn es sich dessen selbst nicht klar bewußt wurde, ein Bedürfnis nach Pflege. Jene heilige Sympathie, die Mutter und Kind gegenseitig aneinander zieht, wenn sie auch in Georginens Herzen anderen, unheiligeren Empfindungen Raum geben mußte – war in Josefinens Brust ebensogut gepflanzt gewesen und nur die Zeit über verkümmert und niedergehalten worden. Jetzt aber, durch ihrer Erzieherin treue Pflege geweckt, entfaltete sie sich rasch und gewaltig, und bald hing das kleine Wesen mit unendlicher Liebe an der Pflegerin.

Georgine würde selber erschrocken sein, hätte sie einen Blick in dieses aufknospende Kinderherz tun können, in dem ihr Bild nicht mehr wie früher den vollen Raum erfüllte – aber sie hatte andere Dinge im Kopfe, als sich um die Einzelheiten, um die kleinlichen Anhängsel der Erziehung und Pflege ihrer Tochter zu kümmern. Daß sich diese täglich mehr heranbildete, sah sie wohl, und es erfüllte sie mit Freude; nur aber mit dem einen Ziel im Auge, Josefinen einst als einen Stern erster Größe an dem Himmel prangen zu sehen, der allein ihre eigene Welt bildete, dachte sie nicht daran, ob gerade die Nahrung, die das Kind jetzt für Herz und Geist empfing, ihm später dienlich werden könnte. Sie sah nur für sich und die Tochter die Lichtseite des Lebens, dem sie entgegenstrebte, und so blendete diese ihre Augen, daß sie für alles andere gleichgültig – blind wurde.

Mademoiselle Adele hatte indessen im steten Umgange mit Josefinen die Vergangenheit des Kindes kein Geheimnis bleiben können. Die unbewachte Aeußerung der Kleinen, als das Pferd durchging, entdeckte ihr auch nichts Neues, sondern bestätigte nur den schon früher gefaßten Verdacht. Aber nur noch inniger, wenn das überhaupt möglich gewesen wäre, fühlte sie sich dadurch zu dem Kinde hingezogen, dem sie solcher Art ein neues Leben verschaffen half; noch mehr aber wachte sie über all seine kleinen Unarten und Fehler, deren Quelle ihr kein Geheimnis mehr war, und die sie jetzt desto leichter beseitigen oder heben konnte, und dabei durften weder Josefine noch ihre Eltern ahnen, welchen tiefen Blick sie in ihre früheren Verhältnisse getan. Es war ihr genug, daß sie es wußte, dem Kinde zum Nutzen, und das Geheimnis ruhte sicher in ihrer Brust.

Josefine hatte zum Weihnachtsfeste unter anderen Sachen auch mehrere Jugendbücher bekommen, in denen kleine Erzählungen mit hübschen Bildern standen. Das junge Mädchen, das eigentlich hier erst ordentlich lesen gelernt – denn wo wäre ihm früher die Zeit dazu geworden? – verschlang gierig die frische Nahrung, die ihrem Geiste geboten wurde. Eine neue Welt erschloß sich ihr dadurch, und ihrer Erzieherin liebevolle Geduld gehörte dazu, ihr all die tausend und tausend an sie gerichteten Fragen zu beantworten. Eine kleine Erzählung stand aber in dem Buche, die Josefine wieder und wieder durchgelesen, und doch noch keine Frage deshalb an ihre Erzieherin gerichtet hatte. Dieselbe war überschrieben: »Das gestohlene Kind.« Josefine hatte das Buch vor sich auf den Knien und las darin, und zwar wieder und wieder die eine Seite, und Mademoiselle Adele, die lange schon, wenn auch von ihm unbemerkt, die Augen auf dem Kinde haften ließ, wußte, was es las und was seinem kleinen Kopfe nicht recht erklärlich werden sollte. Und dennoch fürchtete sich Josefine zu fragen, die Erzählung berührte für sie verbotenen Grund – ihr eigenes früheres Leben, und von dem gegen andere Leute zu sprechen, hatte ihr die Mutter verboten, und der Vater sie gebeten, es nicht zu tun, und des Vaters Bitte wog in ihrem kleinen Herz viel mehr noch selbst, als das Verbot. Ueber die Worte aber, die sie hier oft und immer wieder durchgelesen, schüttelte sie auch ebenso oft den Kopf. Es war ihr etwas darin nicht klar, aber Mademoiselle Adele – so lieb sie dieselbe hatte, konnte sie nicht darüber fragen – wenn sie einmal wieder mit dem Vater spazieren ginge, sollte der ihr Aufschluß darüber geben. Endlich riß sie sich von der sie fesselnden Seite los und schlug eine andere Erzählung auf.

»Nun, Josefine?« fragte die Erzieherin, die sich die Gelegenheit nicht wollte entgehen lassen. »Was hattest du da, worüber du nicht recht einig warst? Kann ich dir helfen? Hast du vielleicht irgend ein schweres Wort nicht ordentlich verstanden?«

»O nein,« sagte die Kleine, »ich verstehe alle die Worte, die hier im Buche stehen, aber da – da war eine Erzählung...«

»Was für eine Erzählung, mein Herz?«

»Eine Geschichte, wo von einem Kinde erzählt wird, das böse Menschen seinen Eltern gestohlen haben, und zuletzt – finden es die Eltern wieder und freuen sich so darüber.«

»Nun, das ist doch eine sehr erfreuliche Sache, daß die Eltern ihr Kind wiedergefunden haben.«

»Ja – gewiß – aber...«

»Wer waren denn die Leute, die es gestohlen hatten?«

»Kunstreiter,« zögerte das Kind, »und das sind doch keine bösen Menschen?«

»Nein, gewiß nicht,« erwiderte Mademoiselle Adele. »Es gibt wohl auch böse Leute unter ihnen, wie in allen Ständen, aber im ganzen ein solches Urteil über sie zu fällen, wäre höchst ungerecht und sogar schlecht. Das ist doch wohl auch nicht in dem Buche gesagt?«

»Nein – nein, sicherlich nicht – es war auch gewiß ein großes Glück, daß die armen Eltern ihr Kind wiedergefunden haben, aber...«

»Aber? mein Herz? – was ist dir noch darin aufgefallen?«

»Eigentlich wollte ich den Papa darum fragen.«

»Und kann ich es dir nicht auch sagen?«

»Doch nicht so gut wie Papa – der weiß es viel besser.«

»Aber vielleicht kann ich es dir auch erklären, und du magst dann den Papa noch immer darum fragen.«

»Ja,« sagte Josefine, der das einleuchtete.

»So lies mir einmal die Stelle vor, die dir so viel Kopfzerbrechens machte.«

Josefine blätterte einige Seiten zurück.

»Soll ich das Ganze lesen?«

»Nein, ich kenne die Erzählung schon, nur das, was du nicht genau verstehst.«

»Ja – hier steht: Wie dankbar waren die Eltern gegen Gott, daß sie nicht allein ihr Kind, ihre liebe Marie, wieder erhalten hatten, sondern daß die arme Kleine auch dem traurigen Leben unter solchen Leuten entrissen war! Und wie glücklich fühlte sich Marie, als sie sich endlich nicht mehr genötigt sah, unter den rohen Menschen zu leben, indem sie die Schule ordentlich und regelmäßig besuchen und fleißig lernen konnte, und jetzt doch hoffen durfte, zu einem für sie passenden Leben erzogen zu werden, zu einem Leben, das sie zu einem braven Mädchen und einer tüchtigen, wackern Frau heranbilden konnte.«

Das Kind schwieg, als es diese Zeilen gelesen hatte.

»Nun?« fragte Adele, »was ist dir dabei aufgefallen, mein Herz?«

»Das letzte, Mademoiselle,« antwortete die Kleine zaghaft: – »und jetzt doch hoffen durfte, zu einem für sie passenden Leben erzogen zu werden, das sie zu einem braven Mädchen und einer tüchtigen, wackern Frau heranbilden konnte. – Konnte sie denn das unter den – Kunstreitern nicht auch werden?«

»Mein liebes Herz,« sagte die Erzieherin mit weicher Stimme, und sie mußte sich Gewalt antun, die Rührung zu verbergen, die jene einfachen, schüchternen Worte hervorgerufen, »das Leben solcher Leute mag an sich manches Schöne und Angenehme haben, und besonders die Männer, die da ihre Geschicklichkeit und Kraft zeigen können, fühlen sich vielleicht oft wohl darin. Ein junges Mädchen gehört aber nicht in einen solchen Kreis – du bist noch nicht alt genug, um zu begreifen, weshalb nicht, aber du wirst es selber fühlen, wenn du nur einige Jahre älter sein wirst. Der Tanz und die Kunststücke auf einem Pferde mögen vielleicht – ich verstehe das nicht – für einen Mann passend und hübsch sein, aber die Frau, das junge Mädchen, die Gott geschaffen hat in stiller Häuslichkeit zu wirken, sind nicht dazu gemacht, sich in solcher Weise öffentlich zu zeigen. Das Publikum, das dabei sitzt, applaudiert allerdings und freut sich an den köstlichen Sprüngen, aber im Herzen denken alle ebenso, und von Tausenden, die in die Hände schlagen und Bravo rufen, möchte gewiß nicht ein einziger sein eigenes Kind zu solchem Leben hergeben.«

»Nicht?«

»Nein, meine Josefine, denn Kinder vor allem gehören in den Schutz des Hauses – Kinder müssen lernen, denn ihre Jugend ist die einzige Zeit, in der sie noch lernen können, und nicht bloß Lesen und Schreiben, was in jetziger Zeit jeder Tagelöhner kann, sondern alles, was sie später einmal im Leben brauchen können, und was sie, wenn sie selber einmal Kinder vom lieben Gott bekommen, diese wieder lehren sollen. Bei einem solchen Leben aber können sie das nicht; sie verfehlen also den Zweck, zu dem sie hier auf Erden bestimmt sind, und wenn sie dann einmal älter werden, fühlen sie es und sind unglücklich. Darum sollen alle Kinder, die nicht nötig haben, schon in so zartem Alter ihr Brot in solcher Weise zu verdienen, dem lieben Gott recht von Herzen danken, daß er sie in Verhältnisse gebracht hat, in denen sie mit anderen guten Menschen leben und sich heranbilden können, und sollen die Zeit, die ihnen also zu ihrer Pflege und Erziehung geboten wird, recht fleißig benutzen – das, mein Kind, meint der Satz, den du nicht verstanden hast.«

Josefine schwieg eine lange, lange Weile; endlich stand sie langsam auf, legte das Buch hin, ging zu ihrer Erzieherin, und das Köpfchen an deren Schulter schmiegend, sagte sie leise: »Und glauben Sie, daß auch ich dem lieben Gott dafür dankbar sein müsse?«

»Wenn du fühlst, mein liebes Kind,« erwiderte gerührt Adele, »daß du gute Menschen um dich hast, die dich lieben und bemüht sind, dein Bestes zu wollen und dein einstiges Glück zu gründen, gewiß.«

Josefine schmiegte sich fester an sie an, legte den Arm um ihre Schulter, und während sie das Antlitz daran barg, quollen ihr ungesehen die großen, hellen Tränen aus den Augen.

20.

In der Residenz *** hatte die so plötzliche Auflösung des Zirkus Bertrand – besonders nach so glänzenden Erfolgen – im Anfange nicht geringe Sensation erregt, und die Tagesblätter füllten ihre Spalten fast eine Woche lang mit den verschiedensten Vermutungen und Gerüchten. Dann kam anderes, was ihre Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, und der Zirkus mit all seinen Angehörigen war vergessen – und doch ließ er in einem Herzen eine tiefe und böse Narbe zurück.

Graf Geyerstein hatte in derselben Zeit, in welcher sich der Zirkus damals trennte, einen mehrwöchentlichen Urlaub erbeten und angetreten, über das Wohin seiner Reise aber strenges Stillschweigen beobachtet. Er war indessen stets in seinem ganzen Wesen ernst und zurückhaltend, und sein Schweigen fiel deshalb nicht besonders auf. Trotzdem gaben sich aber doch verschiedene Personen nicht unbedeutende, wenn auch vergebliche Mühe, den Zweck seines Urlaubs und besonders das Ziel seiner Reise heraus zu bekommen, unter diesen ganz besonders Fräulein von Zahbern – aus Gründen, die ihr selber am besten bekannt waren. Graf Geyerstein nahm aber nicht einmal seinen Burschen mit unterwegs, und ehe man eigentlich recht wußte, wann er reisen wolle, war er plötzlich spurlos verschwunden, und ebenso unerwartet, drei Tage noch vor abgelaufenem Urlaub zurückgekehrt.

In der Zwischenzeit hatte beim Kriegsminister von Ralphen ein großer Ball sein sollen, wenigstens sprach man schon in der Stadt davon und unterhielt sich über die wahrscheinlichen Einladungen. Die älteste Tochter Melanie war aber sehr leidend gewesen, und da die Feier eigentlich ihrem Geburtstag galt, konnte sie natürlich nicht stattfinden, wenigstens nicht zu der bestimmten Zeit. Es hieß, daß sie aufgeschoben wäre.

Die »höheren Schichten der Gesellschaft« beschäftigen sich in dieser Zeit überhaupt viel – vielleicht mehr als nötig – mit der Ralphenschen Familie, bei der jedenfalls eine auffallende Veränderung in einer Hinsicht stattgefunden hatte, wenn auch die Ralphensche Familie selber das nicht zu bemerken oder zu beachten schien.

Jenen Kreisen hatte es nämlich kein Geheimnis bleiben können, war auch nicht als solches betrieben worden, daß Graf Geyerstein sehr häufig das Ralphensche Haus besuche, von dem alten Kriegsminister sowohl, wie von seiner Tochter Melanie sehr gern gesehen sei, und infolge davon natürlich die letztere heiraten würde. Man hatte sich in der Tat schon daran gewöhnt, die beiden jungen Leute als ein Paar zu betrachten, so wenig sie sich selber vielleicht darüber klar geworden. Da plötzlich, nach dem Urlaub des jungen Grafen, änderte sich die ganze Sache, und zwar so auffallend, daß Geyerstein das Ralphensche Haus fast gar nicht mehr oder doch nur selten betrat. Ein desto häufigerer Gast dagegen wurde der junge Graf Selikoff, und wenn dieser selber auch recht gut fühlen mochte, daß er dem Herzen Melanies noch sehr fern stand – obgleich sich seine Bemühungen dahin nicht verkennen ließen, – übernahm die überhaupt zu allen Zeiten sehr rasch mit ihrem Urteil fertige »Gesellschaft« den Ausspruch und erklärte sich dahin: die Alliance mit Graf Geyerstein habe sich aus irgend welchen nicht bekannten Gründen zerschlagen, und Graf Selikoff sei an dessen Stelle gerückt.

Der alte Herr von Ralphen mochte etwas Aehnliches fühlen, ja, fürchten, denn er liebte den jungen Geyerstein wie einen Sohn und kannte den, der an seine Stelle rücken sollte, noch zu wenig, um schon mit einem Urteil über ihn fertig zu sein. Aber er hatte sich auch fest vorgenommen, seiner Tochter in einer Herzensangelegenheit keinen Zwang anzutun, noch ihr sein Urteil aufzudringen. Erst wenn sie selber ihn um Rat fragen würde, war die Zeit zu sprechen für ihn gekommen. Uebrigens durfte er seiner Melanie, wie er glaubte, schon vertrauen, daß sie keinen raschen, unüberlegten Schritt ohne seinen Rat tun würde, und er sah deshalb der nächsten Zukunft mit vieler Ruhe entgegen. Nicht ganz so gleichgültig nahm Exzellenz die Frau Kriegsminister die Sache, und zwar von einem, dem jungen Grafen Geyerstein weniger günstigen Gesichtspunkte aus. Sie hatte ihn ebenso gern wie ihr Gatte, aber – im Vergleich mit dem außerordentlich reichen russischen Grafen, dessen Hilfsquellen wirklich unerschöpflich schienen, war Geyerstein doch eine minder gute Partie für ihre Melanie, und den Rücksichten – der Sorge der Mutter für ihrer Tochter Wohl – mußten alle anderen nachstehen. Nicht so zartfühlend wie der alte Herr dabei, hatte sie allerdings versucht, von Melanie selber die Ursache in dem Wechsel ihres Betragens, wenn nicht ihrer Neigung, zu erfahren, doch ohne Erfolg. Melanie konnte und wollte nicht die wahre Ursache eingestehen, und mit den ausweichenden Antworten, die sie gab, mußte sich, wohl oder übel, die Exzellenz begnügen.

Wer aber seit einiger Zeit zu den fleißigsten Besuchern des Hauses gehörte, ohne jedesmal erst eine Einladung abzuwarten, war Fräulein von Zahbern, und selbst ein minder herzliches Entgegenkommen, als sie mitbrachte, konnte sie nicht davon zurückschrecken. War Offenheit dabei eine hervorragende Eigenschaft ihres Charakters, so empfand sie für Melanie eine tief innige Freundschaft. Sie gestand ihr, daß sie den Augenblick ordentlich herbeisehne, in dem sie wieder in ihre Arme fliegen könne, und Melanie müsse ihr es ordentlich angetan haben, denn sie wäre nicht imstande, vor ihr auch nur das geringste, was auf ihrem Herzen läge, geheim zu halten. Melanie selber, viel zu gutmütig und zartfühlend, jemanden, der ihr so herzlich entgegenkam, von sich abzustoßen, duldete diese Freundschaftsbezeigungen mehr, als daß sie dieselben erwiderte. Ihr Geheimnis behielt sie aber, und trotz der jungen Dame direkten und indirekten Anspielungen darauf, für sich, und Franziska von Zahbern fand es bei späteren Besuchen im Zühbigschen Hause eben noch so unerklärlich, weshalb Melanie total mit dem Grafen Geyerstein gebrochen habe, wie früher. Daß dem aber wirklich so sei, ließ sich nicht verkennen, und so oft Fräulein von Zahbern den Grafen Selikoff bei Ralphens traf, ebenso oft kehrte sie auch mit vermehrter Verachtung gegen das Menschengeschlecht im allgemeinen und einzelne Individuen insbesondere in ihre eigene stille und einsame Wohnung zurück.

In diese Zeit fiel es, daß Herr von Zühbig seinen Ausflug nach dem Norden machen mußte, wohin ihn seine Frau begleiten sollte. Frau von Zühbig hatte dazu allerdings nicht die geringste Lust, würde ihrem Manne aber doch dieses Opfer gebracht haben, wenn nicht gerade ein heftiges Nervenleiden einen Tag vor seiner Abreise sie an ihr Lager gefesselt hätte. Herr von Zühbig mußte deshalb allein fort; aber auch hierüber schien er sich zu trösten, da ihm noch dazu von anderer Seite die höchste Aufmunterung zuteil ward. Seine königliche Hoheit hatten nämlich geruht, ihm noch einige spezielle Aufträge – allerdings höchst unbedeutender Art, aber doch Aufträge – zu erteilen, und er verließ seine Heimat genau mit einem solchen Gesicht und solchen Gefühlen, mit denen ein anderer an seiner Stelle zurückgekehrt wäre. Herr von Zühbig war aber nicht allein Mensch, er war auch Kavalier, und es ist einmal nicht kavaliermäßig, irgend ein Gefühl des Schmerzes oder der Niedergeschlagenheit – ausgenommen bei Hoftrauer – dem Publikum zu verraten.

Frau von Zühbig erholte sich glücklicherweise gleich nach ihres Gatten Abreise so vollkommen wieder, um ihre gewöhnlichen Whistpartien mit Herrn von Silberglanz und Fräulein von Zahbern ohne Zögern aufnehmen zu können, und da kein Rückfall erfolgte, befand sie sich auch während ihres Gatten Abwesenheit vollkommen wohl, ja, wie sie erklärte, wohler als je. Die Heilung aber selber verdankte sie niemandem weiter als dem Baron von Silberglanz, der nicht unbedeutende magnetische Kraft besaß und dieselbe in einzelnen speziellen Fällen zum Besten seiner Mitmenschen anwandte. Er tat es aber, wie er versicherte, nur ausnahmsweise und selbst dann höchst ungern, da es ihn außerordentlich angriff und seine eigene Gesundheit darunter litt.

Jedenfalls war der Erfolg hier ein vortrefflicher gewesen, und unsere kleine Partie saß eines Abends auch wieder fröhlich beisammen, als draußen die Klingel etwas stark gezogen wurde und Frau von Zühbig, mit dem freudigen Ausruf: »Mein Mann!« die Karten fallen ließ und die neben ihr stehende Teetasse vom Tische warf.

Der herbeispringende Bediente hatte noch nicht die Hälfte der Scherben wieder aufgelesen, als Herr von Zühbig, in Pelz und Mütze, »gestiefelt und gespornt« in das Zimmer seiner Frau trat – und wie glücklich war diese, daß sie den Gatten endlich wieder hatte – flog sie an seinen Hals, unbekümmert um die fremden Menschen, um die Dienerschaft! wie half sie ihm selber, so viel er sich auch dagegen sträuben mochte, Pelz und Schal ablegen, und ruhte nicht eher, als bis er behaglich hinter einer Tasse heißen Tees in der Sofaecke saß! Der »Rubber« mußte natürlich erst ausgespielt werden, Herr von Zühbig drang, als Whistspieler von Fach, selber darauf. Dann aber wurde der Spieltisch beiseite gerückt, und der »Reisende« sollte erzählen – viel erzählen, und zwar alles, was er gesehen und erlebt, und – wenn irgend möglich – ein klein wenig mehr.

Herr von Zühbig befand sich, nach allen ausgestandenen »Beschwerden und Fährlichkeiten« ausnehmend wohl in der weichen Sofaecke, und ebenfalls gerade in der Stimmung, sich mitzuteilen. So offen und ausführlich er aber über alles sprach, was ihn betroffen und was er »durchgemacht«, so waren seine Zuhörer keinen Augenblick im Zweifel darüber, daß er noch etwas – und gerade die Hauptsache – verhehle, und konnten den Moment kaum erwarten, wo er ihnen auch dieses enthüllen würde. Bis jetzt aber waren die Dienstboten noch ab und zu gegangen; die Gouvernante hatte die Kinder hereingebracht, dem Papa die Hand zu küssen und ihm »bonne nuit« zu sagen – es war noch keine ordentliche Ruhe gewesen. Jetzt schien das beseitigt; die Tür schloß sich hinter den letzten Friedensstörern, und Fräulein von Zahbern, die indessen wie auf Kohlen gesessen hatte, rief: »Und jetzt heraus, mein Intendant! wir wissen, Sie haben noch etwas auf dem Herzen, und es drückt Sie ausnehmend, es loszuwälzen. Befreien Sie sich davon – bitte, bitte, erzählen Sie!«

Die junge Dame schlug dabei die Hände zusammen, wie es die lieben Kindlein machen, wenn sie die Eltern um etwas ersuchen wollen – übrigens gehörte sie schon seit längerer Zeit nicht mehr zu den Kindern.

Der Generalintendant sah den kleinen Kreis ihn erwartend umgebender Menschen innig vergnügt an – der Moment war gekommen, auf den er sich schon die ganze Heimfahrt über gefreut, und er erntete jetzt in vollen Zügen die Belohnung dafür ein, daß er es sich versagt hatte, sein Geheimnis leichtsinnig – vielleicht gar durch einen Brief – zu verschleudern.

»Also ein Geheimnis glaubt ihr, daß ich habe?« fragte er schmunzelnd.

»Es ist grausam, wie er uns martert,« rief seine Frau.

»Er spannt uns absichtlich auf die Folter,« sagte Baron von Silberglanz, »und vielleicht ist es nicht einmal der Mühe wert, daß wir uns so darüber den Kopf zerbrechen.« Diese List, es herauszubekommen, war etwas plump, aber auf Herrn von Zühbig von vortrefflicher Wirkung.

»Meinen Sie wirklich?« rief der genannte Herr, sich im Sofa rasch emporrichtend, »aber Sie sollen mir Abbitte tun, Silberglanz – Sie vor allen anderen, denn gerade Sie wird es mehr als alle anderen interessieren.«

»Mich?« rief der Baron erstaunt.

»Tun Sie nicht so unschuldig – als ob wir nicht wüßten, wie Sie für die schöne Bertrand geschwärmt hätten.«

»Die Kunstreiterin?« riefen Fräulein von Zahbern und Frau von Zühbig wie aus einem Munde.

»Georgine Bertrand,« bestätigte der Generalintendant, sich an dem Genusse ihres Erstaunens weidend, »aber« – setzte er plötzlich mit gebrochener Hand hinzu – »Diskretion, meine Herrschaften! Was ich Ihnen jetzt mitteile, geschieht wie unter dem Siegel der Beichte. Ich selber habe versprochen, das Geheimnis zu bewahren, und werde es tun – hier natürlich, unter Freunden, darf man sich aussprechen.«

»Versteht sich, versteht sich,« rief Fräulein von Zahbern rasch und ungeduldig, »aber wo, bester Intendant, wo haben Sie Madame Bertrand gefunden?«

»Madame?« fragte von Zühbig lächelnd, »Madame nicht allein, Monsieur Bertrand, Fräulein Josefine, das ganze Nest, und darin wäre nichts besonders Außerordentliches, aber eben das wo? Das erraten Sie nicht, und wenn ich Ihnen ein Jahr Zeit dazu gäbe.«

»Nun? – o, quälen Sie uns nicht länger.«

»Du bist mehr als grausam, Guillaume.«

»Nun gut, so hören Sie denn – aber noch einmal, stumm wie das Grab!«

»Wie das Grab,« sagten alle drei feierlich.

»Auf dem Gute des Grafen von Geyerstein.«

»Es ist nicht möglich,« platzte Fräulein von Zahbern heraus, während Herr von Silberglanz ebenfalls einen Ausruf des Staunens nicht unterdrücken konnte.

»Nicht möglich, meine Gnädige?« lächelte von Zühbig. »Ich gebe Ihnen mein Wort, und es ist das Wort eines Mannes, der Erfahrung in der Welt gesammelt hat. Es existiert außerordentlich viel Unmögliches in eben dieser Welt.«

»Und ich sehe daran eben gar nichts Außerordentliches,« bemerkte seine Frau. »Geyerstein hat sich in die Bertrand vergafft – das wußten wir schon damals, nur daß er den Mann mit auf das Gut nimmt, ist etwas außergewöhnlich – und selbst das vielleicht nicht einmal,« setzte sie achselzuckend hinzu.

»Bertrands auf dem Gute des Grafen Geyerstein,« wiederholte noch einmal Fräulein von Zahbern, als ob sie die Worte in einer Verzückung spräche – was Frau von Zühbig gesagt, hatte sie gar nicht gehört – »und wissen Sie das ganz gewiß?«

»Ich weiß nicht, ob Sie das gewiß wissen nennen können, meine Gnädige,« erwiderte lächelnd Herr von Zühbig, »aber ich habe mit ihnen zu Abend gespeist, habe dort übernachtet und gefrühstückt, und bin von Monsieur Bertrand oder vielmehr Baron von Geyfeln noch ein Stück begleitet worden.«

»Baron von Geyfeln?« fragte Frau von Zühbig, »wer ist das nun wieder? Den Namen kenne ich ja gar nicht.«

»Nun, ma chere, die Sache ist sehr klar. Den Namen Bertrand braucht die Familie nicht mehr und nennt sich einfach jetzt: von Geyfeln.«

»Monsieur Bertrand?« rief die gnädige Frau entrüstet, »aber das darf er ja gar nicht. Wie kann sich der Mensch Baron nennen?«

»Liebes Herz,« beschwichtigte sie ihr Gatte, »wer fragt dort danach, wen kümmert oder geniert es? und es nennen sich so viele Menschen Baron, die – hm, noch eine Tasse Tee, mein Schatz. Ich bin wirklich ganz ausgetrocknet angekommen. – Nun, Silberglanz, Sie sitzen ja ganz versteinert da! An was denken Sie?«

»Ich? sonderbare Frage! an diese unerwartete Nachricht – dieser stille Duckmäuser, dieser Graf Geyerstein!«

»Ja, stille Wasser sind tief, lieber Freund,« bemerkte Frau von Zühbig, »mir haben Sie immer nicht glauben wollen.«

»Aber, gnädige Frau!« rief von Silberglanz, »kein Mensch hat doch eine Ahnung haben können, daß Geyerstein...«

»Kein Mensch?« unterbrach ihn die Dame lächelnd, »wir sind nicht alle so kurzsichtig wie Sie. Fragen Sie die Zahbern, was wir schon vor langen Wochen miteinander besprochen haben.«

»Ich kann noch gar nicht wieder zu mir selber kommen,« stöhnte die Genannte, »es ist zu unglaublich. Und deshalb der lange Urlaub!«

»Er übt noch Entsagung genug,« lächelte Frau von Zühbig, »und wird selber über die Dauer seines Urlaubs ganz das Gegenteil gedacht haben, liebe Franziska.«

»Aber wie geht es den – Leuten?« fragte von Silberglanz, »fühlt sich denn die Dame in solchem Doppelverhältnis wohl?«

»Was kann das uns interessieren!« bemerkte die gnädige Frau.

»Es ist doch immer interessant in psychischer Hinsicht,« sagte von Silberglanz.

»Da hat der Baron recht,« bestätigte von Zühbig, »und nur aus diesem Grunde war auch mir das Begegnen dieser Leute – ich wurde genötigt, dort zu übernachten, weil ich ein Rad zerbrochen hatte – höchst interessant.«

»Gott, wie romantisch!« rief Silberglanz.

»Wenn man mit so vielen Menschen zu tun hat, wie unsereiner,« fuhr der Intendant fort, »so gewinnt man einen raschen Ueberblick über Charaktere und Seelenzustände, und ich glaube, ohne mir zu schmeicheln, daß ich mich darin als Autorität betrachten darf. Ich weiß wenigstens seit langen Jahren kein Beispiel, daß ich mich nach solchem gefaßten Urteil geirrt hätte. Demzufolge schien sich Monsieur Bertrand, oder besser gesagt: Baron von Geyfeln, außerordentlich behaglich in seiner neuen Würde zu fühlen.«

»Und seine Frau?«

»Aber was für Interesse nehmen Sie an dem Seelenzustand der Frau?«

»Nur ein allgemeines, meine Gnädigste, auf Parole; nur ein allgemeines. Herr von Zühbig wird mir darin recht geben.«

»Vollkommen, lieber Silberglanz,« lächelte Herr von Zühbig, und der Blick, den er dabei heimlich dem Baron zuwarf, hatte etwas von einem Faun, »die Frau schien sich übrigens, wie ich fest überzeugt bin, nicht glücklich in diesen Verhältnissen zu fühlen. Sie sprach mit Entzücken von ihren früher gefeierten Triumphen, sobald der Herr Gemahl nur einmal den Rücken wandte – was, beiläufig gesagt, sehr selten geschah.«

»Gemahl,« sagte Frau von Zühbig verächtlich, »ich glaube gar nicht, daß die beiden miteinander getraut sind.«

»Ist auch gar nicht notwendig, mein Schatz,« lächelte ihr Gatte, »und, wie du ganz richtig bemerkst, unter den stattfindenden Verhältnissen in der Tat unwahrscheinlich. Desto mehr gerechtfertigt bleibt aber dann meine Behauptung, daß sie sich nicht behaglich unter solcher Aufsicht fühlen könnte – wenn nicht Bertrand doch immer ein sehr hübscher, stattlicher Mann wäre.«

»Ich begreife aber nicht, daß Graf Geyerstein sie zusammenläßt.«

»Wird es nicht hindern können; es gäbe auch sonst zu viel Aufsehen. So verläuft die Sache ganz ruhig und gleichmäßig, denn Herr von Geyfeln ist dem Namen nach der Pachter seines dortigen Gutes, und daß der Eigentümer seine Pachtersleute dann und wann besucht und nach der Wirtschaft sieht, ist nicht mehr wie in der Ordnung, kann wenigstens keiner Seele auffallen.«

»Eine schöne Wirtschaft, die sie dort mitsammen führen werden!«

»Allerdings,« lächelte Herr von Zühbig, »Madame Georgine bleibt immer eine schöne Frau.«

»Es war sehr rücksichtslos von ihrem Gatten, euch so wenig allein zu lassen,« bemerkte etwas boshaft Madame.

»Mein bester Engel, du glaubst doch nicht etwa, daß...«

»Daß Monsieur Bertrand eifersüchtig wäre? – nein. Die Leidenschaft scheint er wenigstens nicht zu kennen. Aber weshalb sollte sich die Donna da unbehaglich fühlen?«

»Aus Langerweile, ma chere, jedenfalls aus Langerweile; denke nur, wie lange Graf Geyerstein schon wieder in der Stadt ist, und für eine Frau, die an ein solches Leben, wie das frühere, gewöhnt war, mag es wahrhaftig kein Spaß sein, auf einem Fleck in einer quasi Wildnis zu hocken.«

»Warum ist sie nicht bei ihrer Kunst geblieben?«

»Das ist mir auch unerklärlich,« versicherte Silberglanz.

»Aber bildschön ist sie, das muß man ihr lassen,« versicherte von Zühbig, vielleicht nur, um seine Frau damit zu necken. »Ich gebe Ihnen mein Wort, Baron, in dem kleinen Morgenhäubchen sah sie rein zum Anbeißen aus« – und er küßte dabei auf das zarteste die Spitzen des dritten Fingers und Daumens seiner linken Hand.

»Du bist immer sehr leicht entzündet, mon cher,« sagte seine Frau, »sie hat ein ganz alltägliches Gesicht, und nur hübsche Augen.«

»Was?« fuhr ihr Gatte erstaunt nach ihr herum, »Silberglanz, ich bitte Sie um Gottes willen, nehmen Sie meine Partei – Georgine nicht schön? Ich gebe dir mein Wort, Amelie, sie ist das verführerischste Weib, das ich in meinem Leben gesehen habe – present company, versteht sich, always excepted.«

»Sie hat auch Anbeter genug gehabt,« seufzte von Silberglanz, während Frau von Zühbig mit den Achseln zuckte.

»Und über die neuen die alten doch nicht vergessen,« lächelte mit einem bezeichnenden Blick Herr von Zühbig.

»Wieso?« fragte leicht errötend der Baron.

»Ein andermal,« beschwichtigte ihn der Intendant, und seine Frau sagte: »Du bist unausstehlich heute – aber, liebe Franziska, Sie sprechen ja kein einziges Wort mehr und sitzen da, stumm wie ein Fisch; doch natürlich, solches Interesse können wir nicht an der Dame nehmen, wie die beiden Herren da, die nur in der Erinnerung an sie in einer wahren Verzückung schwimmen.«

»Sie tun mir unrecht, gnädige Frau,« verteidigte sich von Silberglanz, »aber das Interesse, das wir an einer bekannten Persönlichkeit nehmen, noch dazu, wenn sie uns in solcher Art ins Gedächtnis zurückgerufen wird, ist wohl erklärlich. Fräulein von Zahbern wird ganz meiner Meinung sein.«

Fräulein von Zahbern war es in der Tat, ja, so überrascht durch die Nachricht geworden, daß sie im ersten Augenblick wirklich nur daran dachte, auf welche Weise sie dieselbe am besten verwerten könne. Durch Frau von Zühbigs Anrede kam sie auch erst wieder zu sich selbst und erwiderte darauf: »Nein, natürlich nicht – interessant bleibt es allerdings immer, aber was gehen uns eigentlich die Leute weiter an. Lieber Gott, man hat so viel mit sich selber zu tun, daß man sich wahrhaftig nicht auch noch um andere Menschen zu bekümmern braucht.«

»So laßt denn Monsieur Bertrand und seine Donna ruhen, wenn ich bitten darf,« sagte Frau von Zühbig, der das Gespräch unangenehm wurde. »Ich hätte dem Grafen Geyerstein einen besseren Geschmack zugetraut, aber über Geschmack läßt sich nicht streiten. Apropos, Geyerstein – die Alliance mit Melanie und Selikoff ist also so gewiß wie arrangiert.«

»Natürlich,« sagte von Zühbig, »das war vorauszusehen.«

»Ich bitte um Verzeihung!« rief Fräulein von Zahbern rasch, »so ganz bestimmt und ausgemacht ist die Sache doch noch nicht. Ich bin fast täglich im Ralphenschen Hause und müßte da auch etwas davon erfahren haben.«

»Liebe Franziska,« sagte Frau von Zühbig gutmütig, »ereifern Sie sich nicht; die Sache ist in der Tat so gut wie geschehen. Ich gebe Ihnen mein Wort darauf, und ich habe sehr sichere Quellen. Die Verlobung wird in drei Wochen bei Gelegenheit des Hochzeitstages der Exzellenzen bekannt gemacht werden, und der große Ball ist auch bis auf jenen Tag verschoben worden. Sie sehen, daß ich ganz genau unterrichtet bin.«

»Und Sie glauben wirklich?«

»Von glauben ist da gar keine Rede mehr, liebe Franziska, die Sache ist geschehen, und ich denke, Melanie macht an dem Russen eine bessere Partie, als an dem armen Grafen Geyerstein.«

»Nun, mein Kind, Geyerstein ist doch nicht so arm?«

»Er braucht dann sehr viel, mein liebes Herz, denn hier in der Stadt wissen wir genau, daß er sich, in der letzten Zeit besonders, außerordentlich eingeschränkt und nur das Allernötigste ausgegeben hat. Lieber Gott, so etwas kann ja in den Verhältnissen, in denen wir nun einmal leben, kein Geheimnis bleiben und spricht sich aus. – Aber was ist das, Sie wollen schon fort?«

»Mama erwartet mich,« sagte Fräulein von Zahbern, die aufgestanden war und ihren Schal festigte, »es ist auch schon spät, und nach so langer Abwesenheit werden Sie mit Ihrem Herrn Gemahl noch manches zu besprechen haben.«

»Aber Sie können doch nicht allein gehen?«

»Wenn mir das gnädige Fräulein erlauben, werde ich Sie begleiten,« sagte Baron Silberglanz, ebenfalls aufstehend. »Fräulein von Zahbern hat recht, es ist Zeit, daß wir gehen.«

»Aber ich bitte Sie, Baron.«

»Auf ein andermal, mein lieber Zühbig. Wenn jemand von einer größeren Reise zurückkommt, tut ihm Ruhe wohl. Gnädige Frau, ich habe die Ehre.«

»Wenn Sie also nicht anders wollen, bon soir, Baron,« sagte Herr von Zühbig, »hoffentlich haben wir bald wieder das Vergnügen, Sie bei uns zu sehen. Mein gnädiges Fräulein, kommen Sie gut nach Hause, Sie haben ja nicht so weit. – Aber noch einmal bitte ich in der bewußten Angelegenheit um Ihre Diskretion. Herr von Geyfeln hat mich selber gebeten, hier in *** nichts von dem Zusammentreffen zu erwähnen, und ich werde auch darüber schweigen wie das Grab. – En famille ist es natürlich eine andere Sache.«

»Nicht eine Silbe!« rief Baron Silberglanz beteuernd.

»Gute Nacht, meine liebe Franziska,« sagte Frau von Zühbig, die aufgestanden war und Fräulein von Zahbern zärtlich umarmte und küßte, »gute Nacht, mein liebes Herz. Verwahren Sie sich nur ja recht gut, daß Sie sich nicht erkälten; es ist entsetzlich rauh draußen und Ihre Gesundheit überdies so zart.«

»Gute Nacht, meine liebe Amelie,« erwiderte die junge Dame, »haben Sie keine Angst um mich; ich bin vortrefflich eingepackt, und die paar Schritte lauf' ich schnell hinüber. – Gute Nacht, Herr Intendant. Morgen müssen Sie uns noch mehr von Ihren Reisen erzählen.«

Frau von Zühbig begleitete die Freundin bis zur Tür, und hier umarmten sich die beiden Damen nochmals auf das Herzlichste; der Baron empfahl sich ebenfalls, und die beiden Gatten blieben allein.

»Die arme Zahbern dauert mich,« sagte Frau von Zühbig, indem sie zu ihrem Platze auf dem Sofa zurückkehrte, »sie hatte sich so feste Rechnung auf den jungen Russen gemacht.«

»Auf den Selikoff?«

»Gewiß. Einmal glaubte sie ihn auch schon ganz sicher im Netz zu haben; er war ihr aber zu klug. Hast du nicht gesehen, wie sie ordentlich gelb vor heimlichem Aerger wurde, als ich ihr erzählte, daß die Verbindung fest beschlossen sei?«

»Das glaub' ich, daß ihr die Partie recht gewesen wäre,« lachte ihr Gatte, »ein solcher Goldfisch!«

»Irgend eine, bester Freund,« versicherte Frau von Zühbig nachlässig. »Lieber Gott, Franziska ist nun einmal in den Jahren, in denen sie einen Mann bekommen muß – wenn sie sich nicht ihr übriges Leben ohne einen solchen behelfen soll, und ich glaube kaum, daß sie sehr wählerisch darin sein würde. Natürlich ist ihr der beste der liebste. – Aber was war denn das, worüber du dich noch mit Silberglanz besprechen wolltest?«

»Ich? – mit Silberglanz?«

»Wegen der Donna.«

»Ach so,« lachte der Intendant, »weiter nichts als ein Scherz, liebes Kind. Der arme Silberglanz war bis über die Ohren in jene Kunstreiterin verliebt, und rein toll vor Eitelkeit, wie er einmal ist, glaubt er alles, was dem Nahrung gibt. Ich werde mir einen Scherz mit ihm machen und ihm erzählen, daß sich Georgine angelegentlich nach ihm erkundigt und mir unter der Hand zu verstehen gegeben habe, daß ich ihn wissen lassen möchte, wo sie schmachte.«

»Du irrst dich darin doch vielleicht in dem Baron.«

»Gott bewahre, liebes Herz – ich irre mich nie. Aber ich bin müde, mein Schatz, und werde heute früh zu Bett gehen. Bitte, laß mir noch die indessen eingegangenen Briefe und Zeitungen bringen.« Frau von Zühbig läutete, und ihr Gatte saß bald, behaglich im Sofa zurückgelehnt, hinter einem Haufen aufgerissener Papiere.

21.

Frau von Zühbig kannte ihre Freundin Franziska so genau wie Herr von Zühbig den Baron, und beide verließen an dem Abend das Zühbigsche Haus trotz aller Freundschaftsbezeugungen mit einem Stachel im Herzen, der aber nur die junge Dame wirklich schmerzte. Unterwegs blieb sie auch außerordentlich einsilbig, trotz aller Bemühungen des Barons, der es für seine Pflicht hielt, sich liebenswürdig zu machen. Zu Hause angekommen, sagte sie ihrer Mutter kaum guten Abend, schloß sich dann in ihr Zimmer ein, warf sich in ihr Sofa, und ihr Gesicht in die Hand stützend, starrte sie finster brütend vor sich nieder. Fräulein von Zahbern hatte Augenblicke, in denen sie hübscher aussah als in diesem.

»Also doch,« murmelte sie leise vor sich hin, mit dem Fuße dabei den Teppich schlagend, »also doch! – Diese kokette Ralphen, dieses unreife, eingebildete Ding, voll Kapricen und Launen! Und wie scheinheilig und unschuldig die – Person gegen mich tat! ob ihr je ein Wort davon über die Lippen gegangen wäre! Das ist Freundschaft, das ist Vertrauen – die kleine giftige Schlange, die! Und was für eine Ursache nur sie und Geyerstein auseinander gebracht haben mag? – Sie hat ihn geliebt, ich weiß es bestimmt, ja, meinen Kopf möcht' ich zum Pfande setzen, daß sie ihn noch liebt; sie kann sich einmal nicht verstellen, so viel Mühe sie sich gibt, und als ich ihr neulich nur den Namen nannte, wurde sie bald blaß und bald rot. Hätte ich damals meinen Vorteil verfolgt, ich glaube, ich hätte sie zu einem Geständnis bringen können, aber meine alberne Gutmütigkeit ließ es nicht zu. Gutmütigkeit für solches Entgegenkommen! – Doch warte,« setzte sie entschlossen hinzu, als sie aufsprang und mit raschen Schritten in ihrem Zimmer auf und ab lief, »jetzt hab' ich dich! Liebt sie den Geyerstein wirklich noch, so ist er auch zurückgetreten und nicht sie, und das zu erfahren, hab' ich jetzt ein prachtvolles Mittel. Die Zühbigsche Nachricht ist Gold wert, und daß ich ihr das Gift tropfenweise beibringe, darauf kann sie sich verlassen. Hat sie Selikoff wirklich so fest umgarnt – ist die Verbindung beschlossen und festgesetzt, wie diese boshafte Zühbig behauptet, so kann ich darin so nichts mehr verderben – nur meine Rache will ich noch haben. Der Wurm krümmt sich, wenn er getreten wird, aber die Schlange sticht, und ich will selber jetzt einmal die Zeitlang die Schlange spielen. Wie sie die Neuigkeit wohl aufnehmen wird? – Ich bin neugierig, ob sie sich so weit verstellen kann! – Aber nein, dazu fehlt ihr Charakterstärke, denn sie ist ja noch weiter nichts als eine arme, hilflose Kokette.«

Fräulein von Zahbern hatte sich selber in eine recht fatale, unangenehme Laune hineingedacht und gesprochen, und würde, um dem Resultate zu entgehen, wenn andere Personen gegenwärtig gewesen wären, jedenfalls zu Tränen und Krämpfen ihre Zuflucht genommen haben. Eingeschlossen aber in ihr Zimmer, dachte sie an nichts derartiges, sondern kleidete sich aus, ging zu Bett und grübelte unter der warmen Decke über die Rachepläne weiter.


Melanie saß am nächsten Tage allein mit Luise in ihrem Zimmer und arbeitete an einer Stickerei. Graf Selikoff hatte sie gerade verlassen, und ein prachtvolles Blumenbukett lag vor ihr auf ihrem Arbeitstische – aber ihr eigenes Antlitz paßte nicht zu den blühenden Rosen und Kamelien, mit denen es prangte. Sie sah bleich und angegriffen aus, und ein schmerzlicher Zug umzuckte den feingeschnittenen Mund.

»Ich will ein Glas Wasser holen,« sagte Luise aufstehend, »die Blumen welken sonst so schnell.«

»Ich danke Ihnen,« erwiderte Melanie, »aber bitte, setzen Sie die Blumen in das andere Zimmer hinüber, ich habe Kopfschmerzen, und die Rosen duften mir zu stark.«

»Sie sehen heute leidend aus, Melanie,« sagte Luise, zu ihr gehend und leise ihre Stirn küssend, »fehlt Ihnen etwas?«

»Nein, nicht das geringste weiter,« lächelte das junge Mädchen, »ein rheumatischer Kopfschmerz jedenfalls; ich fürchte fast, daß ich mich gestern beim Nachhausekommen erkältet habe.«

»Sie waren auch so leicht angezogen.«

»Es wird vorübergehen – da kommt jemand.«

»Es ist Rosalie – sie wird mich zum Spazierengehen abholen wollen. Begleiten Sie uns vielleicht ein wenig?«

»Heute nicht – Ruhe wird mir besser sein. Was hast du, Rosalie? Du siehst ja so verdrießlich aus! Ist dir etwas geschehen?«

»Mir?« sagte das junge Mädchen, indem sie zu der Schwester ins Zimmer trat und ans Fenster ging, »was soll mir geschehen sein? Ich ärgere mich nur über jemanden.«

»Ueber wen? – wer hat dir die Ursache dazu gegeben?«

»Ueber wen? – über den Grafen Geyerstein – es ist recht häßlich von ihm!«

»Was, mein Herz?« sagte Melanie und fühlte dabei, wie ihr das Blut zum Herzen zurückschoß.

»Und hast du es denn auch vergessen?« rief Rosalie erstaunt, »ist denn nicht heute mein Geburtstag, an dem er jedesmal morgens bei mir gewesen, und den er mit uns gefeiert hat, und habe ich ihn auch heute nur mit einem Auge zu sehen bekommen? Ja – vorbei geritten ist er vorhin – vor einer Viertelstunde, gerade wie des Grafen Selikoff Wagen vorgefahren war, aber ob er auch nur heraufgesehen und gegrüßt hätte – Gott bewahre! Ich bin so ernstlich böse auf ihn, daß ich ihn recht tüchtig auszanken werde, wenn er das nächste Mal wieder zu uns kommt. Da ist Graf Selikoff viel freundlicher – wenn er nur das Zeichnen verstände!«

»Er wird heute Dienst gehabt haben, Rosalie,« sagte Melanie leise, »und da, weißt du wohl, kann er nicht abkommen, wenn er auch gern möchte.«

»Ach was,« rief das junge Mädchen, »die ganze Woche, und die ganzen letzten vier Wochen hat er nicht in einem fort Dienst gehabt, und wenn er kommen wollte, hätte er gewiß schon einmal Zeit dazu gefunden – und heute hatte ich mich so darauf gefreut, denn meine große Schweizerlandschaft hat er noch nicht einmal gesehen. Was macht denn Graf Selikoff so lange bei der Mama drüben? Ich wollte eben hinüber und wurde nicht hineingelassen.«

»Ich weiß es nicht; er hat doch wohl etwas mit ihr zu besprechen.«

»Kommen Sie, Komtesse,« sagte Luise, die recht gut fühlte, wie das Gespräch der Schwester peinlich wurde, »es wird sonst zu spät zu unserm Spaziergang heute.«

»Ich kann heute nicht gehen,« rief Rosalie rasch, »Mama hat mir Besuch geladen – da fährt er fort,« unterbrach sie sich selber. »Gott sei Dank! jetzt kann ich hinüber und Mama fragen, welches Kleid ich anziehen soll.« Und mit den Worten huschte sie leicht und fröhlich aus der Tür hinaus, allen Aerger in dem einen Gedanken ihres Anzuges vergessend.

»Fräulein von Zahbern läßt fragen, ob es der gnädigen Komtesse genehm wäre,« meldete in dem Augenblick die Kammerjungfer durch die halbgeöffnete Tür.

»Lieber Himmel,« sagte Melanie erschreckt, »gerade heute!« aber es blieb ihr nicht einmal Zeit, den Satz zu vollenden, denn Fräulein von Zahbern hüpfte auf Melanie zu, und sie umarmend und küssend, sagte sie lachend: »Ich konnte mir die Freude nicht versagen, unserer kleinen Rosalie zu ihrem Geburtstage zu gratulieren – und wo steckt denn der kleine, liebe, wilde Engel?«

»Rosalie, liebe Franziska, ist eben zu ihrer Mutter gegangen; sie wird aber jedenfalls bald zurückkehren. Bitte, nimm so lange Platz.«

»Du siehst auch heute wieder angegriffen aus,« sagte Fräulein von Zahbern, indem sie der Gouvernante, ohne diese selbst nur eines Grußes zu würdigen, Mantel und Muff überließ, den Hut dann auf einen nahen Stuhl legte und sich die Locken vor dem Spiegel ordnete, »fehlt dir etwas, mein Herz?«

»Etwas Migräne, mein altes Leiden, vielleicht auch nur eine Erkältung, die ich mir gestern abend beim Nachhausegehen zugezogen.«

»Ach ja. Ihr hattet ja euer Kränzchen bei Schodens gestern. Nun, was macht unsere überschwengliche Euphrosyne? schmachtet sie noch? – Ich begreife wahrhaftig nicht, wie sie bei dem Vater auf diese Weise hat ausarten können. Sie webt und lebt und schwebt immer in einer höheren Welt, und kommt mit uns anderen armen Sterblichen eigentlich nur bei Kaffeegesellschaften zusammen – hahaha!«

»Euphrosyne,« sagte Melanie gutmütig, »ist ein sehr liebes, braves Mädchen, und wenn sie kleine Eigenheiten hat, dürfen wir die recht gern, ihrer anderen vortrefflichen Eigenschaften wegen, übersehen oder müssen sie doch wenigstens milde beurteilen. Sie spricht zum Beispiel nie ein böses oder gehässiges Wort über einen andern hinter dessen Rücken, und das ist doch gewiß schon viel wert.«

»Weil sie unsere Schwächen nicht sieht,« lachte Fräulein von Zahbern, »ihr Auge hängt ja immer an den Wolken und ihren Idealen. Bei Zühbigs hat sie neulich geschwärmt, daß mir Amelie versicherte, es sei gar nicht mehr zum Aushalten gewesen. – Apropos, Zühbig, der Intendant, ist gestern von seiner nordischen Reise, wie er es nennt, zurückgekehrt und hat eine ganze Tasche voll Neuigkeiten mitgebracht.«

»Das läßt sich denken,« lächelte Melanie, »und er ist jetzt gewiß recht in seinem Element.«

»Er hat auch eine Entdeckung gemacht.«

»Wirklich? – einen neuen Stern am Theaterhimmel entdeckt? Der wird nach ihm benannt werden müssen. Doch hoffentlich einen Planeten, den wir in dem Falle auch einmal auf seiner Wanderung bewundern dürfen.«

»Nein, einen alten Stern,« sagte Fräulein von Zahbern, »einen Stern, der nur eine Zeitlang vom Horizont verschwunden war – einen Stern erster Größe noch dazu. Die Frau des Georg Bertrand.«

»In der Tat?« sagte Melanie ruhig, »aber ich glaube, die Entdeckung wird im öffentlichen Zirkus und mit Hilfe des Programms nicht so außerordentlich schwer gewesen sein.«

»Sie reitet ja nicht mehr, schon seit sie von hier fort ist,« rief Fräulein von Zahbern rasch, »hat sich auch in ihren Verhältnissen, ja selbst in ihrem Namen sehr gebessert und heißt jetzt Frau von Geyfeln.«

»Von Geyfeln?«

»Und selbst das ist noch nicht das Merkwürdigste,« setzte das gnädige Fräulein still vor sich hin lachend hinzu. »Du rätst gewiß nicht, Melanie, auf wessen Gut sie sich befindet.«

»Wie soll ich das raten?« sagte Melanie, die sich alle Gewalt antun mußte, ihre Fassung zu bewahren; sie schöpfte dabei viel Atem, denn es war, als ob eine eiserne Hand ihr die Brust zusammenschnüre, »Land und Leute dort sind mir vollkommen fremd.«

»Wer hätte das dem stillen Grafen zugetraut!« fuhr Fräulein von Zahbern fort, und ihr Blick hing lauernd an den Zügen der Gepeinigten, »Amelie hat aber ganz recht: Stille Wasser sind tief, und die Ruhigen haben es oft faustdick hinter den Ohren.«

»Von welchem Grafen sprichst du?« fragte Melanie. Sie wußte, welcher Name folgen würde und mußte, aber sie hatte einen von der Freundin unbewachten Blick aufgefangen; sie fühlte, daß sie beobachtet wurde, welchen Eindruck die Nachricht auf sie mache, sie wußte, daß Franziska im Innern triumphieren würde, wenn sie sich schwach zeigte, und ihre ganze Kraft zusammenraffend, dem zu begegnen, sah sie ruhig in der Redenden Auge.

»Von welchem Grafen?« lächelte Fräulein von Zahbern, ihres Sieges jetzt gewiß, »von welchem könnt' ich reden als von unserem unvergleichlichen Ritter Bayard ohne Furcht und ohne Tadel, dem Grafen Geyerstein!«

»In der Tat?« erwiderte Melanie, aber so ruhig, als ob Fräulein von Zahbern ihr eben erzählt hätte, daß irgend eine Modehandlung in *** einen neuen Kleiderschnitt erhalten hätte. »Hat sich Madame Bertrand von ihrem Gatten scheiden lassen? dann dürfen wir bald einer Verlobungsanzeige in den Zeitungen entgegensehen.«

»Aber du bist gar nicht erstaunt darüber?« rief Fräulein von Zahbern, die eine stärkere Wirkung erwartet hatte.

»Und warum erstaunt? Graf Geyerstein ist sein eigener Herr und hat niemandem von uns Rechenschaft über seine Handlungen abzulegen. Wenn er mit seiner Familie wegen einer solchen Mesalliance übereinkommt, wen sonst dürfte und würde es kümmern?«

»Von einer Heirat ist vorderhand wohl noch keine Rede,« rief die junge Dame, die ihr, wie sie beabsichtigt, das Gift tropfenweise zumaß, »denn der Graf hat den Herrn Bertrand ebenfalls mit dort hingenommen, und er wie seine Schöne sind angeblich die Pachtersleute auf dem Gute. Eigentlich ist es ein wunderliches Verhältnis, in dem sich die beiden Herren da einander gegenüberstehen; aber dort in der Wildnis kann man sich über manches hinwegsetzen, und Monsieur Bertrand wird wohl schon seinen Nutzen dabei finden.«

»Herr von Zühbig hat sich wohl sehr auf seiner Reise amüsiert?«

»Außerordentlich, und eine Menge Fährlichkeiten dabei erlebt. Einmal brach ihm ein Rad, gerade in der Nähe des Baron Geyfeln, wie Monsieur Bertrand ja jetzt, ich weiß nicht, von wem geadelt, heißt, und er übernachtete dort. Uebrigens hat er mich gebeten, keinen Gebrauch davon zu machen; Baron Geyfeln hat ihn selber darum ersucht, hier in *** nichts davon zu erwähnen, daß er ihn gefunden hätte. – Doch Rosalie bleibt lange. Ist sie noch immer bei der Mama drüben?«

»Wahrscheinlich – sie wird später herüberkommen, um sich ankleiden zu lassen.«

»Dann werde ich doch lieber einmal zur Mama hinüber springen und auch gleich der lieben Exzellenz meinen Glückwunsch zu dem heutigen Tage bringen. Sie ist doch wohl?«

»Ganz wohl.«

»Und was stickst du da Schönes? – das ist ja ganz prachtvoll, ein reizendes Muster. Was wird denn das?«

»Eine Zigarrentasche.«

»Also nicht für den Papa, denn der raucht nicht.«

»Nein.«

»Aha – ein Geheimnis – nun auf Wiedersehen, mein süßes Herz – auf Wiedersehen, ich habe dich lange genug gestört.« Und ihre vorhin abgelegten Garderobestücke mit Hilfe Luisens, die ein stummer, aber erregter Zuhörer des ganzen Gespräches gewesen war, wieder anlegend, rauschte Fräulein Franziska aus dem Zimmer, in dem sie bitteres Weh, weit ärger, als sie wohl je geahnt, ausgesäet hatte.

Melanie war schweigend aufgestanden, sie bis zur Tür zu begleiten – ihr Kuß brannte noch auf ihren Lippen, und ebenso still wollte sie wieder zurück zu ihrem Stuhle gehen, als ihr Blick auf das mitleidsvolle, teilnehmende und für sie ängstlich besorgte Gesicht Luisens fiel.

»Meine liebe, liebe Melanie,« flüsterte die Gouvernante, »glauben Sie um Gottes willen nicht, was das Fräulein Ihnen erzählt hat. Fräulein von Zahbern ist nicht wählerisch in ihren Neuigkeiten, und der Stadtklatsch zieht alles in den Staub, was er erreichen kann.«

Melanie streckte die Hand aus, als ob sie ihr etwas erwidern wollte – aber sie vermochte es nicht. Bis hierher hatte ihre Kraft gereicht, und die Arme um den Nacken des treuen Mädchens schlingend, barg sie das Antlitz an ihrer Schulter und weinte still. Luise störte sie auch nicht darin; sie wußte aus Erfahrung, daß Tränen den wildesten Schmerz lindern, lösen können, und ließ sie sich ruhig ausweinen. Dann aber, als Melanie ihren Platz am Stickrahmen wieder eingenommen hatte und nur noch den Kopf in die Hand gestützt nach den ziehenden Wolken am Himmel hinaufschaute, sagte sie freundlich: »Es ist nicht wahr. Ich habe die feste, innige Ueberzeugung: es ist nicht wahr. Was Herr Zühbig – sollte die Kunde wirklich von ihm ausgehen – veranlaßt haben kann, ein solches Gerücht auszusprengen, weiß ich nicht, daß aber Graf Geyerstein sich mit dieser Frau so weit einlassen sollte, in ein solches, ihrem Manne gegenüber entwürdigendes Verhältnis zu treten, das glaube ich nicht, und wenn« – Luise mochte selber über das Feuer erschrecken, mit dem sie den Grafen verteidigte, denn ruhiger setzte sie plötzlich hinzu – »wenn selbst ein anderer Mund es bestätigte, als der des Fräuleins von Zahbern.«

»Doch, Luise – doch – es ist wahr,« flüsterte leise Melanie, »jedes Wort, das sie gesagt, ist wahr, so oft sie sonst auch übertreiben mag. Eine einzelne Lüge läßt sich erfinden und verbreiten, aber nicht ein ganzes Gewebe von Tatsachen, und daß – Graf Geyerstein jene Frau liebt – des bin ich selber Zeuge.«

»Sie selber?«

»Ja – fragen Sie mich nicht weiter, Luise, aber – ich habe die Beweise, und was mich am meisten schmerzt, ist nur, daß ich noch schwach genug gewesen bin, das so zu fühlen und – wie ich fast fürchte – der Zahbern verraten zu haben. Jetzt ist das vorbei; ich habe mich selber wieder, und wenn mein Herz noch törichterweise an jenem Manne hing, dem es sich in erster Neigung zugewandt, so ist das jetzt vorbei – vorbei für immer. Ihnen, Luise, konnte ich das sagen; ich weiß, wie lieb Sie mich haben, wie gut und treu Sie sind, und daß ich Ihnen vertrauen darf, wie einer Schwester. Ihnen war ja auch meine unglückselige Neigung kein Geheimnis, aber jetzt lassen Sie es abgetan – geschlossen sein zwischen uns. – Eine flüchtige Leidenschaft für jene schöne, verlockende Frau hätte ich ihm vielleicht verzeihen können – ein Verhältnis aber ihrem Gatten gegenüber, in das kein Ehrenmann treten würde, mag ihm Gott vergeben, ich kann es nicht. Wenn von jetzt an der Name des Grafen von Geyerstein noch zwischen uns genannt wird, so sei es als der eines fremden – gleichgültigen Menschen.«

»Und wollen Sie dem Grafen nicht gestatten, sich zu verteidigen?«

»Wie kann er es?« fragte Melanie schnell, »und hat er selbst nur den Versuch gemacht? Er weiß, daß ich das Verhältnis kenne, wenn er auch vielleicht nicht ahnt, daß ich jetzt von seinem ganzen Umfange unterrichtet bin. Von da an mied er selber unser Haus, meine Nähe, und ich bedurfte fast keines stärkeren Beweises, als dieses stille Eingestehen seiner Schuld. Lassen Sie es deshalb abgetan sein, es ist das viel besser so, als wenn wir ihn vielleicht nötigten, Unwahrheiten und Beschönigungen mir gegenüber zu versuchen. Ich kann ihn nicht mehr achten – ich möchte ihn nicht auch noch verachten lernen.«

»Der arme Graf!« seufzte Luise, »und wenn er nun doch unschuldig wäre, wenn irgend ein unglückseliges Mißverständnis...«

»Beruhigen Sie sich, Luise; das ist es nicht. Hätte ich mich nicht selber überzeugt – wüßte ich nicht drei, vier verschiedene Fälle, in denen er mit jener Frau in Verbindung stand, ja, ich würde es auch glauben. Madame Bertrand hat ihn aber sogar verkleidet auf seinem Zimmer besucht – verlangen Sie einen stärkeren Beweis?«

»Das wäre allerdings stark genug, wenn es erwiesen...«

»Es ist erwiesen und die Sache erledigt. Gott sei Dank, ich habe mich selbst wiedergefunden, und keine solche Schwäche soll mich je mehr überwältigen. Aber still; ich glaube, Rosalie kommt zurück und wird ihren Putz in Ordnung bringen wollen.«

»Es ist die Exzellenz,« sagte Luise, »ich höre ihre Stimme.«

»Meine Mutter?«

In diesem Augenblick öffnete sich die Tür, und Ihre Exzellenz die Frau Kriegsminister von Ralphen betrat mit Rosalie das Zimmer.

»Fräulein, haben Sie die Güte, Rosalien ankleiden zu lassen,« sagte sie, zu der Gouvernante gewandt, »ich wünsche mit meiner Tochter etwas zu besprechen. Geh, mein Kind, und komme nachher wieder hinüber zu mir – ich erwarte dich in einer halben Stunde.« Die Gouvernante verließ, dem Winke gehorsam, mit ihrem Zögling das Gemach, und Frau von Ralphen, langsam zu Melanie tretend, neben deren Stuhl sie sich auf denselben Fauteuil niederließ, in dem vorhin Fräulein von Zahbern gesessen, sagte freundlich: »Mein liebes Kind – aber ich dächte fast, du hättest geweint; deine Augen sehen so verschwollen aus. Fehlt dir etwas?«

»Nichts, liebste Mutter, nur ein wenig Kopfschmerz hatte ich, und selbst den kaum mehr, denn seit der letzten Viertelstunde fühle ich mich um vieles leichter.«

»Desto besser, denn ich habe ein paar ernste Worte mit dir zu reden.«

»Liebe Mutter!«

»Graf Selikoff war vorhin bei mir, um Abschied zu nehmen. Er war auch vorher bei dir, und du weißt, daß er in Familienangelegenheiten nach Petersburg muß. Wie lange er sich dort aufhalten wird, hängt allerdings von Umständen ab; er hofft aber doch in sechs bis acht Wochen spätestens wieder zurück zu sein, und hat mich indessen feierlich um mein Fürwort bei dir gebeten.« Melanie ließ die Hand mit der Nadel, die sie gehoben hatte, um in ihrer Arbeit fortzufahren, wieder sinken und sah still vor sich nieder, und die Mutter, die sie kurze Zeit beobachtete, fuhr mit langsamer, aber eindringlicher Stimme fort: »Ich brauche dir die Vorteile nicht auseinanderzusetzen, die für dich wie für uns alle aus einer Verbindung mit einem so edlen und angesehenen Hause entstehen würden; Vorteile sollen auch keinen Einfluß bei meiner Tochter auf die Wahl eines Gatten haben, denn, Gott sei Dank, wir können und dürfen die höchsten Ansprüche machen und stehen keinem nach. Aber Selikoff ist auch ein liebenswürdiger und braver Mensch, mit dem eine Frau schon hoffen darf, glücklich und angenehm zu leben, und ich möchte dir die Sache hiermit warm und dringend ans Herz gelegt haben. Eine Zeitlang glaubte ich einmal – und ich meine sogar, ich hätte Ursache dazu gehabt – daß Graf Geyerstein sich um dich bewerbe, und daß du selber ihm nicht abgeneigt wärest. Ich hätte allerdings nicht das geringste gegen Geyerstein einzuwenden; er ist aus edlem Geschlecht, ein braver und wackerer Mann, und der Vater hat ihn besonders gern und hält große Stücke auf ihn, aber – Selikoff ist denn doch eine bessere und schicklichere Partie für dich, und ich habe mit Genugtuung gesehen, daß du selber so zu denken scheinst. Graf Geyerstein mag das auch wohl fühlen, denn er hat sich in letzter Zeit fast auffallend zurückgezogen.« Die Mutter schwieg eine kleine Weile, um die Wirkung zu beobachten, die ihre Worte auf die Tochter machen würden. Melanie aber erwiderte keine Silbe, regte sich nicht, und die alte Exzellenz fuhr fort: »Graf Selikoff hofft, daß er dir nicht ganz gleichgültig sei. Er hat schüchtern, wie er ist – freilich noch nicht gewagt, dich selber darum zu fragen, er ist aber bei mir gewesen, und hat mich ohne Umschweife offen und ehrlich gebeten, ein Fürwort für ihn bei dir einzulegen, also förmlich und in aller Ordnung bei mir, der Mutter, um deine Hand geworben. Ebenso einfach und ohne alle Umschweife frage ich also dich jetzt, Melanie, willst du die Gattin des Grafen Selikoff werden?«

»Liebste, beste Mutter...«

»Laß mich eine einfache Antwort haben, Ja oder Nein; Selikoff selber hat dir noch Zeit mit der Antwort gelassen, bis er zurückkommt, nur für mich verlange ich sie, um darüber beruhigt zu sein; denn diese Ungewißheit reibt mich auf, und das vertragen meine Nerven nicht. Hast du etwas gegen ihn einzuwenden?«

»Nein!«

»Also darf er hoffen, daß du ihm deine Hand reichst, dich wenigstens mit ihm verlobst, sobald er zurückkehrt, denn die Vorbereitungen zu einer Vermählung sind nicht so im Nu beendet, wie die jungen Leute gar nicht selten glauben. Also: Ja oder Nein?«

»Ja!« hauchte Melanie.

»Ich danke dir, mein liebes Kind,« sagte die Mutter mit einiger Rührung, denn sie freute sich, daß ein Lieblingsplan von ihr zur Wahrheit geworden war, und fühlte doch auch dabei, daß Melanie noch irgend etwas auf dem Herzen hatte, das nicht so ganz mit diesem Ja übereinstimmte, ihr also dadurch vielleicht ein Opfer brachte. Sie hütete sich aber wohl, danach zu fragen, denn sie fürchtete und haßte jede Aufregung. Die Hauptsache war überdies erledigt, und alles andere konnte nicht weiter in Betracht kommen.

»Meinst du da nicht vielleicht,« setzte sie nach einer kleinen Pause hinzu, »daß wir dem armen Grafen ein paar Zeilen schreiben sollen, um ihn aus seiner Ungewißheit zu reißen?«

»Nein, ja nicht!« bat Melanie rasch.

»Ich meine nicht eine bestimmte Zusage; nur ein paar freundliche Worte, die ihm Hoffnung machen und seine Rückkehr zu uns vielleicht beschleunigen – wenn er sich überdies nicht schon genug beeilt, um seine Geschäfte zu beenden.«

»Nein, Mama – bitte, nein! Ich kann ihm nicht schreiben, ehe er selber bei mir um meine Hand geworben hat, und – ich möchte auch weiter keine Vermittlung in einer so wichtigen Sache haben. Er hat sich selber diese Frist gestellt, wir dürfen sie auf keinen Fall kürzen.«

»Du hast recht,« sagte die Exzellenz, »das sähe am Ende gar aus, als ob wir es nicht erwarten könnten. Uebrigens scheint er fast einen Brief zu erhoffen, denn er hat mir seine Adresse in Petersburg dagelassen.«

»Kehrt er zurück,« sagte Melanie, »so ist es früh genug, und ich selber brauche die Zeit, mich zu sammeln und – darauf vorzubereiten. Es ist ein wichtiger Schritt, den ich zu tun gedenke – ein Schritt, von dem es keinen Rückweg gibt. Laß mir, liebe Mutter, die mir dazu gegönnte Zeit ungeschmälert, damit ich mich nicht vorher schon als gebunden zu betrachten brauche – versprich mir das.«

»Von Herzen gern, liebes Kind; guter Gott, die kurze Zeit wird überdies so rasch verlaufen, daß man am Ende gar nicht weiß, wo sie geblieben ist, und ich habe noch so erstaunlich viel zu tun! Jetzt mach' mir aber auch kein so trauriges Gesicht mehr; das ist kein Gesicht, wie es sich für ein glückliches Bräutchen schickt. Apropos, ich habe der Rosalie zu ihrem Geburtstage heute Gesellschaft gebeten – ihre gewöhnlichen Spielkameraden und Freundinnen aus der Tanzstunde. Komm später ein wenig zu uns hinüber, das wird dich zerstreuen.«

»Weiß Papa darum?« fragte Melanie, ihre Augen zu der Mutter hebend.

»Um die Kindergesellschaft? – Ja, so, du meinst Selikoffs Antrag? – Nein, er war nicht zu Hause. Es wird ihm nicht so ganz recht sein; ich weiß, er hat sich zu deinem Gatten einen andern ausgedacht, aber er schätzt den jungen Russen doch auch sehr; er weiß, wie gern ihn der Fürst hat, und ist außerdem ein viel zu guter Vater, als daß er deinem Willen Zwang antun sollte. Also beruhige dich darüber nur vollkommen; ein Einspruch von seiner Seite ist nicht zu befürchten. – Aber ich sitze hier und schwatze und schwatze, und drüben warten eine Menge Geschäfte auf mich. Also adieu, meine liebe Melanie, adieu. Sei wieder freundlich – nicht so ernst, mein liebes – glückliches Bräutchen!« Und die Tochter umarmend und küssend, nickte sie ihr noch einmal zu und verließ dann rasch das Zimmer.