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Der Landjunker: Lustspiel in fünf Aufzügen cover

Der Landjunker: Lustspiel in fünf Aufzügen

Chapter 40: Fünfter Aufzug.
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About This Book

A five-act satirical comedy exposes the ignorance, pretensions, and domestic tyranny of provincial landowners by centering on an uneducated young heir indulged by an overbearing, vulgar mother. Enlightened and principled relatives and visitors contrast with the household's moral shortcomings, sparking comic conflicts that reveal hypocrisy, cruelty, and social pretensions. Through pointed scenes and farcical situations the play critiques failures of education and manners while urging humane reform and the cultivation of reason and virtue.

Fünfter Aufzug.

Erster Auftritt.

Starodum und Prawdin.

Prawdin. Es ist dasselbe Paket, von dessen Eintreffen mich gestern in Ihrer Gegenwart die Frau vom Hause in Kenntnis setzte.

Starodum. Und somit bietet sich jetzt die Möglichkeit, den unmenschlichen Handlungen dieser wütigen Gutsbesitzerin ein Ende zu machen?

Prawdin. Ich habe die Order, Haus und Hof unter Tutel zu stellen bei dem ersten Akt der Willkür, von dem ihre Untergebenen leiden könnten.

Starodum. Gelobt sei Gott, daß die Menschheit noch Schutz finden kann. Glaube mir, mein Freund: da, wo der Souverän denkt, wo er weiß, worin sein wahrer Ruhm besteht – dort kann die Menschheit nimmer ihrer Rechte verlustig gehen; dort werden sehr bald alle fühlen, daß jedermann sein Glück und seinen Vorteil nur darin suchen muß, was gesetzlich ist, und daß er wider das Gesetz verstößt, wenn er seinesgleichen tyrannisiert.

Prawdin. Ich bin hierin Ihrer Ansicht; doch wie schwer ist es, eingewurzelte Vorurteile auszurotten, in denen niedrige Seelen ihre Vorteile finden!

Starodum. Höre, mein Freund. Ein großer Souverän ist ein weiser Souverän. Seine Pflicht ist es, den Menschen zu zeigen, wie sie wahrhaft glücklich werden. Die Krone seiner Weisheit ist – über Menschen zu herrschen, denn Klötze zu regieren – dazu bedarf es keiner Weisheit. Gewöhnlich wird im Dorf der beschränkteste Bauer zum Viehhirten gewählt, denn um das Vieh zu weiden, braucht der Hirt wenig Verstand. Ein seines Thrones würdiger Souverän bestrebt sich, die Seelen seiner Unterthanen mit Hochgefühl zu erfüllen. Das sehen wir mit unsern eigenen Augen.

Prawdin. Das Glück, welches ein Souverän im Beherrschen freier Seelen genießt, ist so groß, daß ich’s nicht verstehe, welche Antriebe ihn ablenken –

Starodum. Wie erhaben muß die Seele eines Souveräns sein, um nie vom Wege der Wahrheit abzulenken! Wie viele Netze sind ausgestellt, um die Seele eines Menschen zu fangen, in dessen Händen das Schicksal von seinesgleichen liegt! Sodann sucht ihn die Menge selbstsüchtiger Schmeichler allaugenblicks zu überzeugen, daß die Menschen seinetwegen erschaffen sind, und nicht – er ihretwegen.

Prawdin. Man kann sich keinen Schmeichler vorstellen, ohne tiefe Verachtung im Herzen zu empfinden.

Starodum. Der Schmeichler ist ein Geschöpf, das weder von andern noch von sich selbst eine gute Meinung hat. Sein ganzes Streben geht dahin, erst eines Menschen Verstand zu blenden und sodann alles aus ihm zu machen, was ihm beliebt. Er ist ein Nachtdieb, der erst das Licht auslöscht und erst dann zu stehlen beginnt.

Prawdin. Natürlich liegt die Quelle des menschlichen Unglücks in der Sittenlosigkeit der Menschen; doch die Mittel, die Herzen zu bessern –

Starodum. Liegen in den Händen des Souveräns. Sobald alle sehen, daß man ohne Tugend sich nicht aufschwingen kann; daß man durch keine niedrigen Dienstleistungen den Lohn des wahren Verdienstes zu kaufen vermag; daß nicht die Menschen von den Ämtern, sondern die Ämter von den Menschen Nutzen ziehen sollen – dann wird jeder seinen Vorteil in der Tugend finden, und die Herzen werden gebessert sein.

Prawdin. Sie haben ganz recht. Ein großer Souverän verleiht –

Starodum. Gnade und Freundschaft nach Neigung, Ämter und Würden nach Verdienst.

Prawdin. Damit es keinen Mangel an würdigen Menschen gebe, wird jetzt ein besonderes Augenmerk auf die Erziehung gerichtet.

Starodum. Sie muß in der That das Pfand des Staatswohls sein. Alles Unglück entsteht durch schlechte Erziehung. Freilich – welchen Nutzen kann der Staat von einem Menschen wie Mitrofan ziehen, dessen unwissende Eltern unwissenden Lehrern gar noch Geld zahlen? Wie viele Väter gibt es unter dem Adel, welche die Erziehung ihres Sohnes einem sklavenseelischen Leibeigenen anvertrauen! Nach etwa fünfzehn Jahren gibt’s dann zwei Sklaven: den alten Hofmeister und das junge Herrchen.

Prawdin. Doch Personen aus den höchsten Ständen sorgen für eine tüchtige Erziehung ihrer Kinder –

Starodum. Vollkommen richtig, mein Freund; doch wünschte ich, daß in allen Wissenschaften das Hauptziel jedes menschlichen Wissens nicht vergessen werde: die Tugend. Glaube mir, daß die wissenschaftlich gebildeten, aber demoralisierten Menschen diese Wissenschaften zum argen Werkzeug des Bösen gebrauchen werden. Die Aufklärung erhebt nur eine tugendhafte Seele. So wünschte ich, daß der Erzieher eines jungen Aristokraten denselben täglich auf zwei Fälle aus der Weltgeschichte aufmerksam mache: erstens – wie große Männer das Wohl ihres Vaterlandes fördern, und zweitens – wie ein unwürdiger Würdenträger sein Vertrauen und seine Macht zum Bösen mißbraucht und von der Höhe seines glänzenden Ranges in den Abgrund der Verachtung und des Spottes niederstürzt.

Prawdin. Es ist in der That notwendig, daß jeder Stand eine angemessene gute Erziehung erhält: dann kann man versichert sein – Was für ein Lärm?

Starodum. Was ist geschehn?

Zweiter Auftritt.

Die Vorigen. Milon, Sophie, Jeremejewna.

Milon (stößt Jeremejewna von Sophie, welche von der Alten festgehalten wird, und schreit, einen entblößten Degen in der Hand). Wage es keiner, mir zu nahen!

Sophie (eilt zu Starodum). Onkel, beschütze mich!

Starodum. Mein Kind, was gibt’s denn? } (Gleichzeitig.)
Prawdin. Beleidigt man Sie?
Sophie. O mein Herz!
Jeremejewna. Ich bin verloren!

Milon. Die Bösewichter! Als ich hierher ging, sah ich eine Menge Menschen, die Sophie unter den Armen hielten und sie, die Schreiende und sich Sträubende, in einen Wagen vor der Hinterthür schleppen wollten.

Sophie. Das ist mein Retter!

Starodum. Teures Kind!

Prawdin (zu Jeremejewna). Sofort bekennst du, wohin ihr sie bringen wolltet, sonst sollst du als Verbrecherin –

Jeremejewna. Zur Trauung! ach, zur Trauung!

Frau Prostakowa (hinter der Szene). Halunken! Diebe! Spitzbuben! Zu Tode lass’ ich euch peitschen!

Dritter Auftritt.

Die Vorigen. Frau Prostakowa, Prostakow und Mitrofan.

Frau Prostakowa. Bin ich Herrin im Hause? (Auf Milon weisend.) Ein Fremder droht, und meine Befehle werden nicht erfüllt!

Prostakow. Bin ich schuld? } (Gleichzeitig.)
Mitrofan. Die Dienstboten sind schuld.
Frau Prostakowa. Ich will nicht von der Stelle gehen –

Prawdin. Das Verbrechen, dessen ich Zeuge bin, gibt Ihnen als Onkel und dir als Bräutigam das Recht –

Frau Prostakowa. Bräutigam! } (Zusammen.)
Prostakow. Wehe!
Mitrofan. Alles zum Teufel!

Prawdin. – von der Regierung zu verlangen, daß die Beleidigung, welche Fräulein Sophie zugefügt worden, mit aller Strenge der Gesetze bestraft werde. Sofort verklag’ ich diese Frau vor Gericht –

Frau Prostakowa (sich auf die Kniee werfend). Verzeihung, Gnade!

Prawdin. Auch Mann und Sohn sind teilhaftig des Verbrechens.

Prostakow. Ich bin unschuldig! } (Zusammen auf die Kniee stürzend.)
Mitrofan. Verzeihe, verzeihe!

Frau Prostakowa. Ach, ich Hundetochter! Was hab’ ich gethan!

Vierter Auftritt.

Die Vorigen. Skotinin.

Skotinin. Nun, Schwester, einen schönen Streich hast du mir – Ei! Was ist denn das? Alle auf den Knieen?!

Frau Prostakowa (knieend). Verzeihung! Dem Reuigen wird vergeben. Ja, ich bekenne meine Schuld! Gnade! (Zu Sophie.) Beste, goldne Sophie – verzeihe mir, erbarme dich mein und (auf Mann und Sohn weisend) dieser armen Waisen!

Skotinin. Schwester, bist du bei Troste?

Prawdin. Schweige, Skotinin!

Frau Prostakowa. Gott wird dich und deinen teuren Bräutigam segnen! ... Was hast du von meiner Bestrafung?!

Sophie (zu Starodum). Onkel, ich vergesse die mir zugefügte Beleidigung.

Frau Prostakowa (mit erhobenen Händen zu Starodum). Auch du vergib mir Sünderin! Ich bin ja ein Mensch und kein Engel!

Starodum. Wohl weiß ich’s, daß der Mensch kein Engel sein kann: doch muß er auch kein Teufel sein! ... Sowohl ihr Vergehen als auch ihre Reue ist verächtlich!

Prawdin (zu Starodum). Nur Eine Klage Ihrerseits, nur Ein Wort von Ihnen bei der Regierung – und sie ist nicht zu retten.

Starodum. Ich will keines Menschen Unglück; ich verzeihe ihr. (Alle springen auf).

Frau Prostakowa. Er hat verziehen? O, du mein Wohlthäter! ... Nun aber will ich es diesen Kanaillen von Dienstboten zeigen! Jeden nehm’ ich einzeln ins Gebet! Gestehen müssen sie, wer sie aus den Händen gelassen. Nein, ihr Spitzbuben, ihr Diebe – das verzeih’ ich euch nie im Leben!

Prawdin. Und wofür wollen Sie Ihre Leute bestrafen?

Frau Prostakowa. Aber das ist denn doch eine sonderbare Frage! Hab’ ich nicht die Macht, mit meinen Leuten zu thun, was ich will?

Prawdin Sie halten sich also im Recht, nach Laune und Belieben körperlich zu strafen?

Skotinin. Steht’s denn dem Edelmann nicht frei, seine Bedienten zu prügeln, wann es ihm beliebt?

Prawdin. Wann es ihm beliebt? Welch ein viehisches Belieben! (zu Frau Prostakowa) Nein, Madame, es hat niemand das Recht, andere zu tyrannisieren!

Frau Prostakowa. Ein Edelmann hat nicht das Recht, einen Bedienten durchpeitschen zu lassen, wann es ihm gefällt? Wozu haben wir denn den Ukas von den Rechten des Adels?

Starodum. Die versteht’s, Ukase zu deuten!

Frau Prostakowa. Ihnen ist es lächerlich zu Mut’, mir aber gar nicht, und auf der Stelle will ich jeden einzelnen – (will schnell fort).

Prawdin (hält sie zurück). Bleiben Sie noch, Madame. (Zieht ein Papier aus der Tasche und spricht mit strengem Ton zu Prostakow). Im Namen der Regierung befehle ich Ihnen, sofort Ihr ganzes Hausgesinde und alle Bauern zusammenzurufen und ihnen bekannt zu machen, daß infolge der Unmenschlichkeiten Ihrer Frau – wobei Ihre außerordentliche Beschränktheit ihr freie Hand gelassen – mir die Regierung befiehlt, Ihr Haus und Ihr Dorf unter Tutel zu stellen.

Prostakow. Was müssen wir erleben!

Frau Prostakowa. Was? Ein neues Unglück! Wofür, wofür denn? Daß ich Herrin bin in meinem Hause –

Prawdin. Eine unmenschliche Herrin, deren Boshaftigkeit in einem wohlsituierten Staate nicht geduldet werden kann. (Zu Prostakowa.) Gehen Sie.

Prostakow (ab, die Hände über dem Kopf zusammenschlagend). Was heißt das, was heißt das?!

Frau Prostakowa (schmerzlich). O, wie traurig, wie traurig!

Skotinin (beiseite). Hehe! Auf solche Weise komm’ ja auch ich an die Reihe! Da kann ja jeder Skotinin unter Tutel gestellt werden! ... Besser ist’s, ich verschwinde, bevor –

Prawdin (zu Skotinin). Und du! Ich habe gehört, daß du mit Schweinen unvergleichlich besser umgehst als mit Menschen.

Skotinin. Gnädigster – wie sollte auch mein Herz an den Menschen hängen! Bedenke selbst: die Menschen sind mir zu klug, unter den Schweinen aber bin ich selber der Klügste.

Frau Prostakowa. Alles verloren! Ich bin ruiniert!

Skotinin (zu Starodum). Ich möchte doch gern wissen ... was den Bräutigam betrifft –

Starodum (auf Milon weisend). Hier steht er.

Skotinin. Aha! So hab’ ich hier nichts mehr zu thun. Nun, dann geh’ ich.

Prawdin. Ja, geh zu deinen Schweinen! Vergiß jedoch nicht, jedem Skotinin mitzuteilen, was seiner wartet.

Skotinin. Wie sollt’ ich Freunde nicht warnen! Sagen will ich, daß sie die Leute –

Prawdin. Mehr lieben oder wenigstens –

Skotinin. Nun?

Prawdin. Nicht anrühren.

Skotinin (abgehend). Nicht anrühren.

Fünfter Auftritt.

Die Vorigen ohne Skotinin.

Frau Prostakowa (zu Prawdin). Richte mich nicht zu Grunde! Könnte man den Ukas nicht umgehen? Es wird ja nicht jeder Ukas in Ausführung gebracht!

Prawdin. Ich erfülle meine Pflicht.

Frau Prostakowa. Gib mir wenigstens drei Tage Frist, (für sich) dann soll man mich kennen lernen!

Prawdin. Keine drei Stunden.

Starodum. Gewiß: sie kann in drei Stunden mehr Böses thun, als es in dreißig Jahren gutgemacht werden kann.

Frau Prostakowa. Und du wolltest dich mit solchen Kleinigkeiten abgeben?!

Prawdin. Das ist meine Sache. Fremdes wird den Eignern zurückgegeben werden, und –

Frau Prostakowa. Aber wie willst du mit den Schulden fertig werden? Die Lehrer sind noch nicht bezahlt.

Prawdin. Die Lehrer? (Zu Jeremejewna.) Sind sie hier? Führe sie her.

Jeremejewna. Werden wohl dasein. Den Deutschen auch?

Prawdin. Rufe sie alle. (Jeremejewna ab) ... Sorgen Sie nicht, Madame: jedermann soll befriedigt werden.

Starodum (zu der trauernden Prostakowa). Es wird dir selbst wohler zu Mut sein, da du die Macht verloren hast, andern Böses zu thun.

Frau Prostakowa. Danke für die Güte! Wozu taug’ ich, wenn ich in meinem eigenen Hause meine Hände nicht gebrauchen kann!

Sechster Auftritt.

Die Vorigen. Jeremejewna, Wralmann, Kutejkin, Zyfirkin.

Jeremejewna (zu Prawdin). Hier hast du das ganze Gesindel.

Wralmann (zu Prawdin). Ew. Gnaden geruhten mich herzubefehlen.

Kutejkin (zu Prawdin). Gerufen ward ich, gekommen bin ich.

Zyfirkin (zu Prawdin). Was befehlen Ew. Gnaden?

Starodum (sieht Wralmann scharf an). Ei, bist du’s, Wralmann?

Wralmann (erkennt Starodum). Ei – ei – ei – ei! Sie sind’s, gnädiger Herr? (küßt ihm den Rocksaum.) Wie geht es Ihnen, mein Wohlthäter?

Prawdin. Wie? Sie kennen ihn?

Starodum. Wie sollt’ ich ihn nicht kennen? Hat er doch drei Jahre bei mir als Kutscher gedient. (Alle machen Zeichen des Erstaunens.)

Prawdin. Ein schöner Lehrer!

Starodum. Und du bist hier Lehrer, Wralmann? Ich dachte immer, du seist ein guter Mensch und würdest andern nicht ins Handwerk pfuschen.

Wralmann. Was thun, gnädiger Herr! Ich bin nicht der erste, bin auch nicht der letzte. Drei Monate trieb ich mich in Moskau umher, ohne eine Kutscherstelle finden zu können. Da mußt’ ich entweder Hungers sterben oder Lehrer werden.

Prawdin (zu den Lehrern). Auf Befehl der Regierung habe ich dieses Haus unter Tutel gestellt, und ihr seid entlassen.

Zyfirkin. Ausgezeichnet!

Kutejkin. Sie sagen uns ab? Aber sollten wir uns nicht vorher berechnen?

Prawdin. Wieviel hast du zu bekommen?

Kutejkin. Meine Rechnung ist nicht so gering. Für ein halbes Jahr Unterricht; für die Stiefel, die ich im Laufe von drei Jahren vertragen habe; für das unnütze Kommen hierher und zwecklose Warten –

Frau Prostakowa. Unersättliche Seele, du! Wofür?

Prawdin. Mengen Sie sich nicht in andrer Angelegenheit, Madame, bitt’ ich!

Frau Prostakowa. Wo bleibt die Gerechtigkeit: was hat mein Mitrofan von ihm gelernt?

Kutejkin. Das ist seine, nicht meine Sache.

Prawdin. Gut, schon gut! (Zu Zyfirkin.) Wieviel hast du zu bekommen?

Zyfirkin. Ich? Nichts.

Frau Prostakowa. Für ein Jahr hat er zehn Rubel erhalten, für das andre jedoch noch keinen Groschen bekommen.

Zyfirkin. Für jene zehn Rubel hab’ ich im Verlaufe der zwei Jahre Stiefel vertragen. Wir sind also quitt.

Prawdin. Aber für den Unterricht?

Zyfirkin. Nichts.

Starodum. Wie denn – nichts?

Zyfirkin. Nichts nehm’ ich, denn nichts hat der Junge von mir gelernt.

Starodum. Dessenungeachtet mußt du bezahlt werden.

Zyfirkin. Auf keinen Fall! Dem Landesherrn hab’ ich über zwanzig Jahre gedient. Für Dienstleistungen hab’ ich Lohn angenommen, für keine – nie.

Starodum. Das ist ein guter Mensch! (Starodum und Milon nehmen Geld aus der Börse.)

Prawdin. Schämst du dich nicht, Kutejkin?

Kutejkin (gesenkten Kopfes). Schande über mich Gottlosen.

Starodum (zu Zyfirkin). Hier hast du, mein Freund, für dein gutes Herz.

Zyfirkin. Dank, Euer Gnaden. Geschenke nehm’ ich an, aber unverdiente Zahlung werd’ ich nie beanspruchen.

Milon (gibt ihm Geld). Hier hast du noch, mein Freund.

Zyfirkin. Und nochmals Dank. (Prawdin gibt ihm gleichfalls Geld.) Wofür denn, Euer Gnaden?

Prawdin. Dafür, daß du nicht bist wie Kutejkin.

Zyfirkin. Ei, Euer Gnaden, ich bin Soldat!

Prawdin (zu Zyfirkin). So geh denn mit Gott. (Zyfirkin ab; zu Kutejkin.) Du aber, Kutejkin, komme morgen und schließe deine Rechnung mit der Herrin selbst ab.

Kutejkin (forteilend). Mit ihr selbst? Da zieh’ ich meine Forderungen zurück!

Wralmann (zu Starodum). Euer Gnaden, vergessen Sie Ihren alten Diener nicht! Nehmen Sie mich wieder in Dienst!

Starodum. Aber du hast dich ja ganz von den Pferden entwöhnt.

Wralmann. Nicht doch! Während meines Zusammenlebens mit dieser Herrschaft schien es mir immer, als sei ich unter Pferden.

Siebenter Auftritt.

Die Vorigen. Ein Kammerdiener.

Kammerdiener (zu Starodum). Ihr Wagen steht bereit.

Wralmann. Darf ich Sie fahren?

Starodum. Geh, setze dich auf den Bock. (Wralmann ab.)

Letzter Auftritt.

Die Vorigen ohne Wralmann und den Kammerdiener.

Starodum (zu Prawdin, die Hände Sophiens und Milons haltend). Nun, mein Freund, wir fahren. Wünsche uns –

Prawdin. Jedes Glück, auf welches ehrliche Herzen ein Anrecht haben.

Frau Prostakowa (Mitrofan stürmisch umarmend). Du allein bist mir geblieben, mein Eins und mein Alles!

Mitrofan. Laß mich in Ruhe! ... Hängt sich an wie eine Klette!

Frau Prostakowa. Auch du, auch du kehrst mir den Rücken! O Undankbarer! (Sinkt in Ohnmacht.)

Sophie (zu ihr eilend). Gott, sie ist ohne Besinnung!

Starodum. Hilf ihr, hilf ihr. (Sophie und Jeremejewna sind um Frau Prostakowa beschäftigt.)

Prawdin (zu Mitrofan). Taugenichts! Und du nimmst dir noch das Recht, gegen deine Mutter grob zu sein? Ihre unsinnige Liebe zu dir ist’s, die sie in ein solches Unglück gestürzt hat.

Mitrofan. Aber sie weiß ja selbst nicht, was sie will!

Prawdin. Grobian!

Starodum (zu Jeremejewna). Nun, wie ist ihr jetzt?

Jeremejewna (blickt Frau Prostakowa forschend an, die Hände über dem Kopf zusammenschlagend). Ach, sie wird zu sich kommen!

Prawdin (zu Mitrofan). Mit dir, Freundchen, weiß ich, was ich zu thun habe: dienen sollst du!

Mitrofan. Mir ist alles gleich!

Frau Prostakowa (zu sich kommend, in Verzweiflung). Ich bin verloren! Meiner Macht bin ich beraubt! Wohin soll ich blicken vor Schande? Ich habe keinen Sohn mehr!

Starodum (auf Frau Prostakowa weisend). Das ist die Frucht der bösen Saat!

Druck vom Bibliographischen Institut in Leipzig.