„Das ist ein Traum,“ fuhr Gistel fort, „das Reich des Volkes hat ein Ende. Unter der Herrschaft der Franzosen muß ein Untertan seinem Herrn gehorchen. Die Vorrechte, die ihr schwachen Fürsten abgetrotzt habt, sollen überprüft und eingeschränkt werden; denn ihr werdet gar zu hochmütig durch die Gunst, die wir selbst euch bewiesen haben, und erhebt euch wider uns wie undankbare, verächtliche Diener.“
Ein Zornesblitz schoß aus De Conincks Auge. „Verächtlich!“ rief er, „das weiß Gott, wer von beiden verächtlich ist, das Volk oder die entarteten Leliaerts. Ihr vergeßt Vaterland und Ehre, um feige dem fremden Gebieter zu schmeicheln; demütig kniet ihr vor einem Fürsten, der Flandern den Untergang geschworen hat; und warum? Um eure tyrannische Zwingherrschaft über das Volk wiederzuerlangen, aus Habsucht! Wartet nur! das glückt euch nicht. Denn wer die Früchte der Freiheit einmal gekostet hat, dankt für eure Gunst. Ihr seid ja doch Sklaven der Ausländer! Glaubt ihr etwa, daß die Brügger die Sklaven anderer Sklaven werden sollen? O, ihr täuscht euch, ihr Herren. Mein Vaterland ist groß geworden, das Volk hat seine Würde erkannt, und euch ist das eiserne Zepter für ewig entrissen.“
„Schweigt! Ihr Aufrührer,“ rief Gistel, „die Freiheit steht Euch nicht zu. Ihr seid nicht für sie geschaffen.“
„Die Freiheit,“ antwortete De Coninck, „haben wir mit dem Schweiß unseres Angesichts, mit unserem Herzblut erkauft – und Ihr solltet sie vernichten?“
Gistel lächelte spöttisch und fuhr fort:
„Eure Worte und Drohungen sind leerer Schall, Meister. Mit den französischen Truppen werden wir dem Ungestüm schon die Flügel beschneiden. Andere Gesetze werden die Gemeinden beherrschen; der Starrsinn hat lange genug gewährt. Seid nur ruhig, es ist dafür gesorgt, daß Brügge demütig seinen Nacken beugen wird und Ihr – werdet das Sonnenlicht nicht mehr erblicken.“
„Tyrann!“ rief der Obmann der Weber, „Ihr Schande von Flandern! Wölbt sich das Grab Eurer Väter nicht in dieser Erde? Ruhen ihre heiligen Gebeine nicht in dem Schoß des Landes, das Ihr dem Fremden verschachert, Ihr Bastard? Die Nachwelt wird das Urteil über Eure Schandtat fällen, und in den Chroniken Eurer Kinder wird man den Fluch über Euren Verrat lesen.“
„Genug von Euren lächerlichen Schmähungen!“ rief Gistel; „in den Kerker der Missetäter mit ihm, bis der Galgen ihn empfängt.“
Auf dies Geheiß ward De Coninck über die Treppen in ein unterirdisches Verlies geführt. Ein eiserner Gürtel umschloß ihn, und eine Kette fesselte seinen linken Fuß an seine rechte Hand. Er bekam etwas Wasser und Brot; dann wurde der Kerker geschlossen, und er blieb allein an diesem dunklen Orte.
Die Worte des Zöllners hatten ihn tief erschüttert: er sah die Freiheit seiner Vaterstadt ernstlich bedroht. In seiner Abwesenheit konnte es den Leliaerts möglicherweise glücken, mit den französischen Truppen die Stadt einzunehmen und den Bau zu zerstören, dem er sein ganzes Leben geweiht hatte. Dieser Gedanke war für den Volksfreund furchtbar. Rüttelte er zuweilen schmerzlich an seinen Ketten, dann war es ihm, als sähe er seine Brüder in solchen Fesseln, als Opfer schändlichster Knechtschaft. Und dann erschimmerte eine bittere Träne auf seinen Wangen.
Die Leliaerts hatten schon längst einen verräterischen Anschlag unter sich vereinbart. Bisher konnten sie ihre Herrschaft in Brügge nicht fest begründen; denn da alle Bürger bewaffnet waren, so konnte man sie nicht zwingen, die Befehle auszuführen. Wollte der Magistrat gegen die Bürgerschaft Gewalt anwenden, dann kamen die schrecklichen Goedendags zum Vorschein, und alle Anstrengungen blieben fruchtlos, – die Zünfte waren zu mächtig. Um nun ein für allemal dies lästige Hindernis fortzuräumen, waren die Leliaerts mit dem Landvogt Châtillon übereingekommen, am nächsten Morgen ganz früh die Bürgerschaft zu überfallen und zu entwaffnen. Châtillon sollte zur selben Stunde mit fünfhundert französischen Reitern vor den Toren stehen. De Coninck allein war es möglich, diesen Plan zu entdecken, so geheim man ihn auch halten mochte. Er verfügte über geheime Hilfsmittel, denen die Französlinge vergeblich nachzuspüren gesucht hatten. Der Obmann der Weber war listiger als sie alle, das wußten sie. Und um dem Volke seinen schlauen Beschützer zu entreißen und es hierdurch arg zu schwächen, hatten sie ihn gefangengenommen. Brakels Enthüllungen über den Widerstand der Weber diente ihnen nur als Vorwand.
Nachdem sie die Stadt Brügge derart durch nichtswürdige Anschläge den geldgierigen Fremden verkauft hatten, wollten sie sich trennen. Da flog die Saaltür auf, und ein Mann drängte sich gewaltsam durch die Wächter. Mit stolzem Schritte trat er zu dem Magistrat und rief:
„Die Zünfte von Brügge lassen euch fragen, ob ihr De Coninck loslassen wollt oder nicht? Ich rate euch, bedenkt euch nicht lange!“
„Meister Breydel,“ antwortete Gistel, „Ihr habt keine Erlaubnis, in diesen Saal zu treten; verlaßt ihn schleunigst!“
„Ich frage euch,“ wiederholte Jan Breydel, „ob ihr den Vorsteher der Wollweber loslassen wollt?“
Gistel flüsterte leise einer der Magistratspersonen etwas ins Ohr und rief dann:
„Wir beantworten die Drohungen eines starrköpfigen Schurken mit der verdienten Strafe: Nehmt ihn gefangen!“
„Ha, ha! Nehmt ihn gefangen?“ rief Breydel lachend, „wer soll mich denn gefangennehmen? Wisset denn, daß die Bürgerschaft im Begriff steht, sich des Prinzenhofs gewaltsam zu bemächtigen, und daß ihr alle mit eurem Leben für das Leben des Obmanns der Weber haftet. Das Liedchen wird gleich anders klingen, das versichere ich euch.“
Derweile waren einige Wachen herangekommen und hatten den Vorsteher der Fleischer beim Kragen gepackt; einer richtete schon die Stricke, mit denen er gebunden werden sollte. Während Breydel sprach, hatte er diese Vorbereitungen kaum beachtet; als er sich nun aber von den Leliaerts den Wachen zuwandte, entrang sich ein dumpfer Laut seiner Brust, gleich dem Gebrüll eines Stieres. Flammenden Auges blickte er seine Häscher an und rief:
„Denkt ihr, Jan Breydel, ein Fleischer von Brügge, läßt sich wie ein Kalb binden? Ho, ho, heute jedenfalls nicht!“
Er hatte diese Worte mit fürchterlicher Wut ausgestoßen. Nun hieb er dem Söldner, der ihn beim Wams festhielt, so gewaltig mit der Faust auf den Kopf, daß der wankend zu Boden stürzte. Wie ein Blitz fuhr er unter die erschrockenen Wächter, warf eine Menge nieder, und als er zur Tür gelangt war, drehte er sich um und fuhr die Leliaerts heftig an:
„Das sollt ihr büßen, ihr Halunken! Einen Fleischer von Brügge binden! Schmach! Wehe euch, Tyrannen! Hört ihr, die Trommel der Fleischer schlägt euren Totenmarsch!“
Er hätte sie noch weiter bedroht; aber er konnte den andringenden Wachen nicht länger widerstehen und lief wütend die Treppe hinab.
Ein dumpfes Geräusch wie ferner Donner ertönte in diesem Augenblick von der anderen Seite der Stadt her. Die Leliaerts erbleichten, dies drohende Unwetter jagte ihnen Furcht ein. Doch sie wollten ihren Gefangenen nicht loslassen, stellten mehrere Wachen vor dem Hof auf, um den Ansturm des Volkes abzuwehren, und ließen sich durch Kriegsknechte bis heim geleiten. – Eine Stunde später war die ganze Stadt in Aufruhr.
Die Sturmglocke ertönte, die Trommeln der Zünfte dröhnten durch alle Straßen, und ein furchtbares Getöse, gleich dem Geheul eines Orkans, fegte durch die Stadt. Türen und Fenster wurden geschlossen, und die Wohnungen öffneten sich nur, um den bewaffneten Hausvater hinauszulassen. Die Hunde bellten fürchterlich, als hätten sie den Wehruf verstanden, und vereinten ihre rauhe Stimme mit dem Geschrei ihrer racheheischenden Herren. Große Volkshaufen liefen eilig hin und her. Der eine hatte eine Keule, der andere einen Goedendag oder eine Streitaxt. Inmitten der wogenden Scharen konnte man die Fleischer leicht an ihrem blinkenden Schlachtbeil erkennen. Die Schmiede mit ihren großen Vorhämmern auf den Schultern begaben sich ebenfalls zum Sammelplatz bei dem Weberpand. Hier standen bereits unzählige Zunftgesellen, und ihre Zahl wuchs in dem Maße, als sich die angekommenen Freunde unter ihre Fahne scharten.
Als der Trupp groß genug war, stieg Jan Breydel auf einen Wagen, der sich zufällig auf dem Platze befand, und schwang sein Schlachtbeil in furchtbaren Kreisen um sein Haupt.
„Männer von Brügge,“ schrie er, „es gilt jetzt Leben und Freiheit! Wir wollen den Verrätern zeigen, wie es mit den Brüggern steht und ob ein Pfund Sklavenfleisch unter uns zu finden ist; denn das glauben sie schon. Meister De Coninck liegt in Ketten – mag denn unser Blut für seine Befreiung fließen! Dies ist für alle Zünfte Pflicht, für die Fleischer ein Fest! Geschwind die Ärmel aufgestreift!“
Während die Fleischerzunft diesen Befehl ausführte, entblößte er selbst seine sehnigen Arme bis an die Schultern und rief, vom Wagen springend:
„Vorwärts und Heil! Heil De Coninck!“
„Heil De Coninck!“ riefen alle. „Vorwärts! vorwärts!“
Gleich den rollenden Wogen der brausenden See strömte die Menge zum Prinzenhof. Todesschreie und Waffenklirren begleiteten die furchtbare Schar. Die Rufe der Männer und das Heulen der Hunde mengte sich mit Glockenschall und Trommelwirbel. Es schien, als wären die Bürger von allgemeiner Raserei ergriffen.
Kaum wurden die Wachen dieser wütenden Rotte ansichtig, so flohen sie nach allen Seiten und ließen so das Gebäude schutzlos; aber nicht alle hatten sich durch die Flucht retten können, denn im Nu lagen mehr als zehn Leichen auf dem Vorhof.
Rasend wild, wie ein gereizter Löwe, stürmte Breydel die Treppen hinauf und warf einen französischen Diener, den er im Gange betraf, von oben hinab unter das Volk. Das unglückliche Opfer ward auf den Spitzen der Goedendags aufgefangen und sofort mit Keulen erschlagen. Bald erfüllte das Volk den ganzen Hof. Breydel hatte einige Schmiede herbeigerufen und ließ die Türen der Kerker sprengen. Zu ihrem größten Schmerz fanden sie sie alle leer. Nun fluchten sie noch wilder, daß sie den Tod De Conincks rächen wollten.
Als die Weber erfuhren, daß ihr Obmann nicht zu finden war, ließen sie sich nicht mehr halten; statt weiter nach ihm zu suchen, liefen sie in Scharen nach den Wohnungen der vornehmsten Leliaerts und zertrümmerten dort alles. Doch gelang es ihnen nicht, einen einzigen Leliaert aufzuspüren, denn die hatten den Besuch vorausgesehen. Eben wollte Breydel voll Verzweiflung und Rachedurst den Prinzenhof verlassen; da trat ein greiser Tuchwalker zu ihm und sprach:
„Meister Breydel, Ihr sucht nicht gut; es gibt noch einen Kerker an der anderen Seite des Gebäudes, ein tiefes Loch, in dem ich schon ein Jahr meines Lebens verbracht habe. Kommt, folgt mir, bitte.“
Durch mehrere Gänge hindurch gelangten sie zu einer kleinen eisernen Tür. Der alte Walker nahm einem der umherstehenden Schmiede einen großen Hammer aus den Händen und zertrümmerte das Schloß mit wenigen Schlägen, doch die Tür ging nicht auf. Ungeduldig riß Jan Breydel den Hammer an sich und schmetterte so gewaltig wider die Tür, daß gleichzeitig alle Klammern aus der Tür sprangen. Nun die Tür zusammengebrochen war, konnte man in den Kerker sehen. In einem Winkel stand De Coninck, mit einer schweren Kette an die Mauer gefesselt. Voll leidenschaftlicher Freude lief Jan Breydel ihm entgegen und umarmte den Freund wie einen wiedergefundenen Bruder.
„O Meister!“ rief er, „welche Freudenstunde für mich! Ich wußte nicht, daß ich Euch so innig liebte.“
„Ich danke Euch, tapferer Freund,“ gab De Coninck zur Antwort, während er den Kuß des erregten Fleischers erwiderte. „Ich wußte wohl, daß Ihr mich nicht im Kerker sitzen lassen würdet; zu gut kenne ich Euren edlen Mut. Ihr seid wie die Vlaemen von echtem Schrot und Korn.“
Dann wandte er sich zu den anderen und rief mit einer Begeisterung, die leidenschaftlich zu Herzen ging:
„Brüder! Ihr habt mich heute vom Tode befreit. Euch weihe ich mein Blut; eurer Freiheit jeder Funke meiner Seele! Betrachtet mich nicht mehr als einen Obmann, als einen Weber, der unter euch wohnt, sondern als einen Mann, der vor Gott geschworen hat, eure Freiheiten gegen den Feind zu schützen. Unverbrüchlich sei der Eid, der durch die dunklen Gänge meines Gefängnisses hallte! Mein Blut, mein Leben, meine Ruhe dem Vaterland …“
Der Ruf: „Heil De Coninck! Heil! Heil!“ verschlang seine Stimme und dröhnte weithin durch das Gefängnis. Von Mund zu Mund ging der Schrei hinaus, und bald hörte man nur ihn allein in der ganzen Stadt, ja selbst die Kinder stammelten: „Heil De Coninck!“
Der eiserne Gürtel wurde durchgefeilt, und De Coninck trat mit Jan Breydel in das Haupttor. Kaum aber hatte das harrende Volk die Fesseln an seinen Händen und Füßen bemerkt, da erhob sich von allen Seiten ein rasendes Mordgeschrei. Tränen der Rührung und der Wut strömten aus den Augen der Zuschauer, und der Ruf: „Heil De Coninck!“ erdröhnte mit donnernder Gewalt[25]. Plötzlich stürzte ein Haufe Weber zu De Coninck und hob ihn voll Eifer auf den blutigen Schild eines erschlagenen Kriegsknechts. Mochte sich auch der Obmann gegen diese Ehrung sträuben, mußte er es dulden, daß man ihn derart sieghaft durch alle Straßen der Stadt trug.
Es war ein seltsames Schauspiel. Tausende von Menschen liefen mit Messern, Beilen, Speeren, Hämmern, Keulen und anderen Zufallswaffen schreiend und wie toll über den Markt. Ob ihren Häuptern auf dem Schilde saß De Coninck; er hatte noch an Händen und Füßen seine Fesseln. Neben ihm gingen die Fleischer mit bloßen Armen und blinkenden Beilen. Als solchermaßen eine gute Stunde vergangen war, verlangte De Coninck die Obmänner und Anführer der Zünfte zu sprechen und bedeutete sie, daß es sich um eine höchst wichtige Angelegenheit der Bürgerschaft handelte. Er ersuche sie deshalb, am Abend in seine Wohnung zu kommen, um die nötigen Maßregeln zu besprechen.
Alsdann dankte er dem Volk und empfahl ihm stete Bereitschaft, zu den Waffen zu greifen. Nachdem dann seine Hände und Füße von den Ketten befreit waren, wurde er unter dem Jubel der Brügger bis an die Tür seiner Wohnung in der Wollstraße geleitet.
IX.
Bevor die Sonne am nächsten Morgen aufgegangen war, stand Jan van Gistel mit den Leliaerts in voller Rüstung auf dem Gemüsemarkt; wohl dreihundert Reiter und bewaffnete Diener waren dort versammelt. Tiefstes Schweigen herrschte in dem kleinen Heere; denn sollte ihr Anschlag glücken, so durften sie die Bürger von Brügge nicht wecken. Sie erwarteten geduldig die ersten Strahlen der Morgensonne, um das Volk zu überfallen und zu entwaffnen; dann wollten sie De Coninck und Breydel wegen ihres aufrührerischen Trotzes hängen lassen und die Zünfte zur Unterwerfung zwingen. Châtillon sollte am selben Tage seinen Einzug in die entwaffnete Stadt halten, Brügge für immer eine andere Verfassung bekommen. Zu ihrem Unglück hatte jedoch der schlaue De Coninck ihr Geheimnis entdeckt und sich zum Kampfe gerüstet. Zur nämlichen Zeit und ebenso still standen die Weber und die Fleischer mit den anderen Zunftgenossen in der vlaemischen Straße. De Coninck und Breydel gingen etwas abseits von der Schar auf und ab und entwarfen den Plan, nach dem sie handeln wollten. Während die Weber und die Fleischer die Leliaerts angriffen, sollten die übrigen Gesellen sich der Stadttore bemächtigen und dieselben verschlossen halten, damit der Feind von außen keine Hilfe bekäme.
Kaum war dies beschlossen, da tönte die Morgenglocke auf der St. Donatus-Kirche, und weithin hallte das Gestampf der Rosse Jan van Gistels.
Nun setzten sich auch die Zünfte in Bewegung und zogen in größter Stille den Leliaerts entgegen. Auf dem Markt erblickten die beiden feindlichen Haufen einander. Die Französlinge traten eben aus der Breydelstraße, während die Zünfte noch in der vlaemischen Straße waren. Die Leliaerts erschraken gewaltig, als sie merkten, daß ihr Geheimnis entdeckt war. Doch gaben sie ihren Plan nicht auf, denn sie waren Ritter und mutige Krieger. Bald ließ die Kriegsdrommete ihre ermunternden Klänge ertönen, die Rosse stoben mit ihren Reitern gegen die noch in der vlaemischen Straße zusammengedrängten Bürger. Die gefällten Speere der Leliaerts kreuzten sich mit den Goedendags der Weber, die standhaft den Stoß abwarteten. Aber aller Mut, alle Gewandtheit der Zunftleute war vergebens, sie konnten ob ihrer ungünstigen Stellung der Gewalt des stürmischen Angriffs nicht widerstehn. Fünf aus dem ersten Glied fielen tot oder verwundet nieder und so ward es den Reitern möglich, die Schlachtordnung zu durchbrechen. Drei Abteilungen wichen zurück; die Leliaerts glaubten sich schon Herren des Schlachtfelds und brachen in den Siegesruf aus: „Monjoie St. Denis! Frankreich! Frankreich!“ – Sie stachen und hieben links und rechts auf die Weber ein und bedeckten den Platz mit den Leichen der Bürger.
De Coninck wehrte sich tapfer an der Spitze mit einem langen Goedendag und verhinderte einige Zeit, daß die ersten Glieder zerstreut wurden. Diese hatten allein die ganze Macht der Leliaerts wider sich; denn da die Straße sie einschloß, konnten die hintersten Glieder nicht in den Kampf eingreifen. Doch die Zurufe und das Beispiel des Obmannes beschworen das Schicksal nicht lange. Mit erneuter Kraft griffen die Leliaerts die vorderen Scharen an und warfen sie in großer Verwirrung aufeinander. Das geschah so schnell, daß schon viele getötet waren, ehe Jan Breydel den Kampf bemerkte. Denn er stand mit seiner Zunft weiter hinten in der Straße. Erst eine Wendung, die De Coninck angeordnet hatte, zeigte ihm endlich, in welcher Gefahr die Weber schwebten. Er brüllte mit heiserer Stimme einige unverständliche Worte, wandte sich dann zu seinen Leuten und rief:
„Vorwärts, Fleischer, vorwärts!“
Wie rasend fuhr er durch die Weber hin und stürmte mit all den Seinigen auf die Reiter los. Der erste Schlag seines Beils ging durch die Nasenplatte und den Kopf eines Pferdes, der zweite streckte dessen Reiter zu seinen Füßen hin. Im Nu war er über vier Leichen hinweg und kämpfte grimmig weiter, bis er selbst eine kleine Wunde an dem linken Arm erhielt. Der Anblick des eigenen Blutes brachte ihn vollends außer sich. Wutschäumend erspähte er den Ritter, der ihn verwundet hatte, mit jagendem Blick warf er sein Beil fort, bückte sich dann unter den Speer seines Feindes, sprang am Pferde hinauf und umklammerte den Leliaert. Mochte der auch fest im Sattel sitzen, der Kraft des tollen Breydel konnte er nicht widerstehen: er flog aus dem Sattel und stürzte zu Boden. Während der Obmann der Fleischer seine Rache an ihm kühlte, hatten sich seine Genossen und die übrigen Zunftleute stracks auf die Leliaerts geworfen und viele niedergeschmettert. Da der Kampf lange auf demselben Platze stand, so türmten sich die Leichen von Menschen und Pferden, und Ströme von Blut färbten die Straße dunkelrot.
Bald konnte nichts mehr dem wuchtigen Ansturm der Zünfte widerstehen, denn mit dem Weichen der Leliaerts konnten sich ihre Feinde auf dem Markte ausbreiten und nunmehr sämtlich in den Kampf eingreifen. Offenbar suchten sie die Reiter zu umzingeln und dehnten deshalb ihren rechten Flügel bis zum Eiermarkt aus. Nun wandten die besiegten Ritter ihre Pferde und flohen eiligst, um dem drohenden Tode zu entgehen. Die Weber und Fleischer verfolgten sie mit Siegesgeschrei; doch sie konnten sie nicht einholen, da alle gut beritten waren.
Beim Klange der Drommeten und dem Lärm des Kampfes war die ganze Stadt in Aufruhr geraten. Bald war alles auf den Beinen. Tausende bewaffneter Bürger strömten aus allen Straßen herbei, um den streitenden Brüdern beizustehen; aber der Sieg war schon erfochten. Da die Leliaerts auf die Burg geflohen waren, so wurde dieser Platz von den Zunftgenossen rings umzingelt und bewacht.
Während sich dies auf dem Markte zutrug, umringte der Landvogt Châtillon die aufrührerische Stadt mit fünfhundert französischen Reitern. Er hatte vorausgesehen, daß die Brügger nach alter Gewohnheit die Stadttore geschlossen halten würden und deshalb auch das Nötige zur Beseitigung dieses Hindernisses vorbereitet. Sein Bruder Gui de Saint-Pol mußte mit zahlreichem Fußvolk und den nötigen Angriffsmaschinen zu ihm stoßen. In Erwartung dieser Hilfe entwarf er bereits einen Plan für den Sturm und suchte die schwächste Seite der Stadt ausfindig zu machen. Obgleich er nur wenig Mannschaften auf den Wällen sah, hielt er es doch nicht für ratsam, mit Reitern allein etwas zu unternehmen; denn er wußte wohl, was für ein unbändiges Volk in Brügge wohnte. Eine halbe Stunde später erschien in der Ferne der Zug Saint-Pols. Die Spitzen der Speere und die Streitäxte blitzten in den ersten Strahlen der Sonne, und eine undurchdringliche Staubwolke erhob sich vor den Pferden, welche die Sturmwerkzeuge zogen. Die wenigen Bürger, welche die Tore und Wälle bewachten, sahen nicht ohne Furcht die zahlreichen Haufen nahen. Als sie der schweren Balken und Sturmwerkzeuge ansichtig wurden, beschlich sie eine bange Ahnung. In wenig Augenblicken verbreitete sich die Schreckenskunde durch die ganze Stadt, und die Herzen der Frauen packte Weh und Angst.
Die bewaffneten Zunftleute waren noch um die Burg geschart, als die Nachricht von dem heranrückenden feindlichen Heere sie überraschte. Sie ließen einige Mannschaften auf dem Platze zurück, um einen Ausfall der verschanzten Leliaerts zu verhindern, liefen eiligst zu den Wällen und verteilten sich auf den bedrohten Mauern. Als sie sahen, wie die französischen Söldner bereits die Balken zu den furchtbaren Werkzeugen zusammenfügten, ward ihnen um ihre Vaterstadt bange. Die Belagerer arbeiteten in ziemlicher Entfernung von den Mauern der Stadt und waren außer dem Bereich der Pfeile, die ihnen von dort zugeschleudert wurden. Ruhig setzten sie ihre Arbeiten fort, während Châtillon mit seinen Reitern jeden Ausfall der Bürger verhinderte. Alsbald erhoben sich denn auch schon im Lager der Franzosen hohe Türme mit Fallbrücken; Sturmrammen und Ballisten waren auch fast fertig, und alles kündigte den Brüggern ein furchtbares Schicksal an. Trotz der großen Gefahr war den Mienen der Zunftleute keine feige Furcht anzumerken. Starr und regungslos blickten sie auf den Feind. Ihre Herzen schlugen rascher, und ihr Atem flog; aber das war nur der erste Eindruck beim Anblick des feindlichen Lagers. Bald strömte das Blut freier in ihren Adern, ohne daß sie die Augen vom Feinde abzuwenden brauchten; mannhaftes Feuer glühte auf ihren Wangen, und die Herzen sämtlicher Bürger waren von Rachedurst und Heldenmut beseelt.
Ein einzelner Mann stand heiter und froh auf dem Walle. Seine Lebhaftigkeit, sein zufriedenes Lächeln ließ annehmen, daß er einer glücklichen Stunde entgegensah. Bisweilen wandte er sein flammendes Auge vom Feinde auf das Schlachtbeil, das in seiner starken Faust blitzte, und dann streichelte er den Mordstahl mit zärtlicher Liebe. – Es war der unverzagte Jan Breydel.
Die Obmänner der Zünfte versammelten sich bei De Coninck und erwarteten schweigend seinen Rat und seine Befehle. Wie gewöhnlich bedachte der Obmann der Weber sich lange und blickte träumerisch zum französischen Heere hinüber. Das dauerte dem unruhigen Breydel zu lange, und er rief ungeduldig:
„Nun, Meister De Coninck, was befehlt Ihr denn? Sollen wir einen Ausfall machen und die französischen Snakkers überfallen, oder sollen wir sie auf unsern Wällen totschlagen?“
Der Vorsteher der Weber antwortete nicht; er starrte noch immer in tiefem Nachdenken auf die feindlichen Arbeiten und zählte genau die großen Sturmwerkzeuge.
Obgleich die anderen seine Gedanken auf seinem Gesicht zu lesen suchten, konnten sie doch nichts als kaltes Wägen darin wahrnehmen. Ruhe und Besonnenheit erfüllten De Conincks Herz, doch keine Hoffnung auf ein glückliches Gelingen. Er sah ein, daß es unmöglich war, der Gewalt der Feinde zu widerstehen; denn die riesigen Ballisten und hohen Türme machten die Feinde den Brüggern allzu überlegen, da diese nicht mit so gewaltigen Kriegswerkzeugen ausgerüstet waren. Als er sich genau überzeugt hatte, daß die Stadt, wenn es zum Sturme käme, durch Feuer und Schwert vernichtet werden würde, entschloß er sich zu einem traurigen Mittel; er wandte sich zu den Obmännern und sprach langsam:
„Genossen, die Not drängt; unsere Stadt, die Blume von Flandern, war verkauft gewesen, ohne daß wir es wußten. In dieser Lage kann uns nur Vorsicht helfen. Muß euch auch solch Opfer eurer edelsten Gefühle schmerzen, so bedenkt, bitte, wohl, daß zwar der Held, der sein Blut für die Rechte seiner Mitbürger vergießt, zu preisen ist, doch daß der Tollkühne törig handelt, der sein Vaterland kühnlich in Gefahr bringt. Hier nützt kein Kampf …“
„Was? Was?“ rief Breydel, „hier nützt kein Kampf? Wer gibt Euch diese Worte ein?“
„Vorsicht und Liebe zu meinem Geburtsort,“ antwortete De Coninck. „Wir mögen als Vlaemen auf den Trümmern unserer Stadt mit den Waffen in der Hand sterben; wir würden gern zwischen den blutigen Leichen unserer Brüder jauchzend niedersinken: wir sind ja Männer. Aber unsere Frauen – unsere Kinder – sollten wir wehrlos der zügellosen Rachsucht unserer Feinde ausliefern? Nein, der Mut ist dem Manne verliehen, um seine schwächeren Mitmenschen zu beschirmen … Wir müssen die Stadt übergeben!“
Die Umstehenden erschraken bei diesen Worten, als wäre ein Blitz zwischen ihnen niedergefahren, und sie schauten den Obmann mit zornigen Blicken an. Die Schmach schien ihnen zu groß, und alle riefen in höchster Erregung:
„Die Stadt übergeben? – Wir?“
De Coninck ertrug kalt ihre vorwurfsvollen Blicke und antwortete:
„Ja, Genossen, mag es auch euren freiheitliebenden Herzen mißfallen, es ist dennoch der letzte Ausweg, der uns bleibt, um unsere Stadt vor der Zerstörung zu retten.“
Jan Breydel hatte diese Worte mit bitterem Ingrimm vernommen. Als er merkte, daß schon viele Obmänner schwankend wurden und zur Unterwerfung neigten, trat er leidenschaftlich vor und rief:
„Den ersten, der noch von Übergabe zu sprechen wagt, strecke ich als Verräter zu meinen Füßen nieder! Lieber sterbe ich lachend auf der Leiche eines Feindes, als daß ich ehrlos am Leben bleibe. Was denkt ihr denn – daß meine Fleischer vor der Gefahr beben? Seht sie dort mit ihren aufgestreiften Ärmeln! Ihr Herz pocht wild, ungestüm verlangen sie den Kampf, und ich soll ihnen sagen: übergebt die Stadt! Bei Gott, solche Sprache verstehen sie nicht. Ich sage euch: wir beschützen die Stadt, und wer sich fürchtet, der gehe heim zu Weib und Kind. Die Hand, die das Tor öffnet, reckt sich zum letztenmal – mein Beil soll die Feigheit richten!“
Wutentbrannt eilte er zu seinen Genossen und schritt hastig vor ihren Gliedern auf und ab.
„Die Stadt übergeben! – Wir die Stadt übergeben!“ wiederholte er nochmals voll zorniger Verachtung.
Einige Anführer der Zunft hatten das gehört und fragten ihn erstaunt, was er damit sagen wolle; da brach er los:
„Gnade uns der Himmel, ihr Männer! Mein Blut kocht in den Adern – o über den Schimpf, den unerträglichen Schimpf! Die Weber wollen die Stadt an die Snakkers übergeben. Ich aber beschwöre euch, Brüder, bleibt bei mir, wir wollen als echte Vlaemen sterben. Sehet den Boden, darauf wir stehen, – hier fielen unsere Väter! Wohlan, hier sei auch mein Grab! Ja, dies sei unser Grab und das der Franzosen! Unser Tod mag den feigen Webern zur ewigen Schande gereichen. Wer kein echter Fleischer ist, mag heimgehen. – Sprecht, wer geht mit mir in den Tod?“
Die Fleischer erhoben ein erschreckliches Geheul, und dreimal erdröhnte das furchtbare Wort: Tod! gleich einem Stöhnen aus unheilschwangerem Abgrund. „In den Tod!“ erscholl es aus siebenhundert wütenden Kehlen, und in die Rufe mengte sich das furchtbare Getöse der Schlachtbeile, die sie auf dem stählernen Pfriem schliffen.
Unterdessen hatten sich die meisten Obmänner durch De Coninck überzeugen lassen, daß sein trauriger Vorschlag die einzige Rettung war und hätten die Stadt gern übergeben, wenn Breydels Widerspenstigkeit es nicht unmöglich gemacht hätte. Angesichts der vielen schrecklichen Sturmwerkzeuge, die beim feindlichen Heere emporragten, beschlossen sie endlich, ohne Rücksicht auf Breydels Widerstand, mit dem Feind in Unterhandlungen zu treten. Als der gereizte Breydel ihre Absicht merkte, brüllte er vor Wut wie ein verwundeter Löwe und stürmte mit einem unverständlichen Geschrei auf De Coninck los. Die Fleischer sahen den Zorn ihres Obmannes und folgten ihm in Unordnung und voller Rachegier.
„Tod! Tod!“ heulte der rasende Haufe, „Tod dem Verräter De Coninck!“
De Conincks Leben schwebte in großer Gefahr; dennoch sah er die wütende Schar herankommen, ohne die geringste Furcht zu verraten. Wie man Wahnsinnige mitleidig anschaut, so blickte er mit verschränkten Armen, fest und unerschüttert den anstürmenden Fleischern entgegen. Mitten aus der wogenden Menge ertönte immer heftiger der schreckliche Ruf: „Tötet ihn, den Verräter!“ und schon schwebte das Beil über dem Haupte des großen Mannes. Er stand ungebeugt wie eine Rieseneiche, die der Gewalt des Sturmwindes trotzt, und von dem Bollwerk, darauf er stand, beherrschte er die Menge wie ein König.
In diesem Augenblick vollzog sich in Jan Breydels Zügen eine seltsame Wandlung. Als wäre er jählings aller Kraft beraubt, ließ er das Beil schlaff an seiner Seite niedersinken. Er bewunderte die Größe des Mannes, dessen Ratschläge er nicht hatte annehmen wollen. Doch nur einen Augenblick; denn alsbald sah er, in welcher Gefahr der Freund schwebte. Er warf den Fleischer, der schon sein Beil über De Conincks Haupte schwang, zu Boden und schrie:
„Halt, ihr Männer! Haltet ein!“
Anfangs wurde dieser Befehl nicht gehört, denn in dem wirren Mordgeheul konnte eine einzelne Stimme nicht durchdringen. So stellte sich Breydel drohend vor den Weberobmann und ließ zornig sein Beil kreisen. Nun erst begriffen seine Gehilfen, daß er De Coninck beschirmen wollte; sie senkten die Waffen und harrten mit drohendem Murren, was kommen würde.
Während sich Breydel bemühte, sie zur Ruhe zu bringen, kam ein Herold aus dem französischen Lager zum Fuß der Mauer, auf der sie standen. Die Aufmerksamkeit der erregten Bürger wandte sich daher dem feindlichen Boten zu. Der rief den Belagerten zu: „Im Namen des mächtigen Königs Philipp von Frankreich läßt euch aufrührerische Untertanen mein Feldherr Châtillon fragen, ob ihr die Stadt auf Gnade oder Ungnade übergeben wollt? Gebt ihr nicht binnen zehn Minuten entsprechende Antwort, so wird eure Feste durch Sturmwerkzeuge zerstört und alles durch Feuer und Schwert vernichtet.“
Alle richteten ihre Blicke auf De Coninck. Ihn, den sie eben noch töten wollten, schienen sie nun um Rat zu bitten. Selbst Breydel schaute ihn fragend an; doch keiner erhielt die gewünschte Antwort. De Coninck stand schweigend unter ihnen, als ob ihn dies alles gar nichts anginge.
„Nun, Freund De Coninck, wozu ratet Ihr denn?“ fragte Breydel.
„Daß man die Stadt übergibt,“ kam es kalt zurück.
Aufs neue begannen die Fleischer zu murren und zu toben. Doch ein gebieterisches Zeichen Jan Breydels brachte sie zur Ruhe.
„Glaubt Ihr nicht, De Coninck,“ fragte er, „daß wir mit unverzagtem Mut die Stadt verteidigen können? Läßt hier auch größte Tapferkeit keinen Erfolg erwarten? O unselige Stunde!“
Deutlich konnte man bei dieser Frage den tiefen Schmerz in Breydels Zügen lesen. Hatten seine Augen auch vordem in Kampfeslust geglüht, jetzt war aller Heldenmut darin erloschen.
De Coninck erhob nun seine Stimme und sprach zu der umstehenden Menge:
„Ihr alle seid meine Zeugen, daß nur Liebe zum Vaterland mich leitet. Für meine Vaterstadt gab ich mich eurer tollen Wut preis, und so wäre es mir auch nicht schwer gefallen, durch Feindeshand zu fallen; aber der Schutz der Perle Flanderns ist mir heilige Aufgabe. Schmäht mich, verhöhnt und verspottet mich wie einen Verräter; ich kenne meine Pflicht. Nichts, und mag es auch noch so schmerzlich sein, kann mich von diesem Ziel abbringen; aber einst werde ich euch befreien, wenn ich auch jetzt nicht nach euren Wünschen handle. Zum letzten Male sage ich es euch: es ist unsere Pflicht, die Stadt zu übergeben.“
Wer bei dieser kurzen Ansprache Breydels Mienen beobachtet hätte, hätte die verschiedensten Regungen wahrgenommen: Trotz, Mut und Kummer wechselten darin, und sein Händeringen verriet den Kampf mit seiner Leidenschaftlichkeit. Als die Worte: „Wir müssen die Stadt übergeben“ noch einmal wie ein Todesurteil an sein Ohr schlugen, umfing ihn inniger Gram, und er stand eine Weile wie in Gedanken verloren.
Die Fleischer und die anderen Zunftleute blickten in tiefem Schweigen abwechselnd die beiden Obmänner an.
„Meister Breydel,“ rief De Coninck, „wenn Ihr an unserem Untergang nicht schuld sein wollt, so sagt rasch ja. Dort kommt der Herold der Franzosen zurück; die zehn Minuten sind vorüber!“
Breydel erwachte plötzlich aus tiefem Sinnen und sagte traurig:
„Ihr wollt es, Meister? Muß es so sein? Wohlan, so übergebt die Stadt!“
Bei diesen Worten ergriff er gerührt De Conincks Hand; zwei Tränen innigen Schmerzes entfielen seinen Augen, und ein dumpfer Seufzer schlich über seine Lippen. Die beiden Obmänner sahen sich mit einem Blick an, darin sich ihr ganzer Seelenzustand widerspiegelte. Sie verstanden sich und schlossen einander gerührt in die Arme.
So lagen die zwei größten Männer Brügges – Heldenmut und Vernunft – Brust an Brust, in gegenseitige Bewunderung versunken.
„O tapferer Bruder!“ rief De Coninck, „Ihr besitzt eine große Seele! Welch inneren Kampf habt Ihr durchlebt! Aber Ihr habt ihn bestanden!“
Bei diesem rührenden Anblick ging ein Freudenblitz durch die ganze Schar, und alle Uneinigkeit schwand aus den Herzen der tapferen Vlaemen. Auf De Conincks Befehl ertönte dreimal schmetternd das Horn der Weber, und ihr Herold rief dem französischen Boten zu:
„Gibt Euer Feldherr unserem Gesandten freies Geleit?“
„Er gibt sicheres Geleit, nach Kriegsgebrauch, bei seiner Treue,“ lautete die Antwort.
Auf diese Zusicherung hin wurde das Fallgatter aufgezogen, die Brücke niedergelassen, und zwei Bürger verließen die Stadt: De Coninck und der Herold der Zünfte. Als sie ins französische Lager kamen, wurden sie in das Zelt des Feldherrn Châtillon geführt. De Coninck nahte sich mit kühner Miene dem Landvogt und sprach:
„Herr von Châtillon, die Bürger von Brügge lassen Euch durch mich, ihren Gesandten, verkünden, daß sie nicht nutzlos Menschenblut vergießen wollen und deshalb beschlossen haben, Euch die Stadt zu überliefern; da aber nur dies edle Gefühl sie zur Unterwerfung drängt, lassen sie Euch folgenden Vertrag anbieten: Daß die Kosten des königlichen Einzugs nicht durch eine neue Belastung des dritten Standes beschafft werden, daß der Magistrat abgesetzt und keine Untersuchung der Gründe des Aufruhrs angestellt wird. Wollet mir nun sagen, ob Ihr auf diese Bedingungen eingeht!“
Die Züge des Landvogts verfinsterten sich.
„Was bedeutet diese Sprache,“ rief er, „wie wagt Ihr es, mir Bedingungen zu stellen, da ich nur meine Sturmwerkzeuge vorzubringen brauche, um eure Mauern in Trümmer zu verwandeln?“
„Das mag sein,“ erwiderte De Coninck, „aber ich sage es Euch und wäge meine Worte wohl: ehe ein Franzose unsere Wälle besteigt, sollen die Gräben unserer Stadt mit den Leichen Eurer Leute gefüllt werden. Es fehlt uns keineswegs an Kriegsgerät, und die Geschichte bezeugt, daß die Brügger für ihre Freiheit zu sterben wissen.“
„Ja, ich weiß, daß ihr euch immer durch eure Starrköpfigkeit ausgezeichnet habt; aber die kümmert mich wenig, denn der Mut der Franzosen kennt keine Hindernisse. Ich will die Stadt auf Gnade oder Ungnade haben, das ist meine Antwort.“
Châtillon war beim Anblick der vielen Zunftleute und ihrer trotzigen Haltung auf den Wällen im Hinblick auf die bevorstehende Schlacht von banger Sorge erfüllt worden. Aus Vorsicht war ihm die Übergabe der Stadt erwünscht. Er kannte die Unerschrockenheit der Brügger, und er war daher sehr froh, als die Ankunft De Conincks seinen Wunsch zu künden schien; aber die vorgeschlagenen Bedingungen gingen ihm wider den Strich. Dennoch würde er sie vielleicht zugestanden haben mit dem Hintergedanken, ihrer Erfüllung sich später irgendwie zu entziehen; aber er mißtraute dem Obmann der Weber und zweifelte an der Aufrichtigkeit seiner Worte. Um festzustellen, ob sich die Brügger wirklich bis zum Äußersten verteidigen wollten, gab er mit lauter Stimme den Befehl, die Sturmwerkzeuge in Tätigkeit zu setzen.
Während der Verhandlung hatte De Coninck unverwandt die Züge des Feldherrn beobachtet und Unentschlossenheit und Verstellung darin gelesen. So gewann er die Überzeugung, daß Châtillon einen Kampf nicht wünschte. Er bestand daher auf seinen Vorschlägen ungeachtet der Anstalten, die schon für den Sturmlauf getroffen wurden. Die kalte Standhaftigkeit De Conincks täuschte den französischen Feldherrn. Er glaubte nun sicher, daß die Brügger ihn nicht fürchteten und ihre Stadt hartnäckig verteidigen würden; und weil er nicht sein ganzes Heer samt Flandern um dieses einzigen Handels willen aufs Spiel setzen wollte, so begann er, mit De Coninck über die Bedingungen der Übergabe zu unterhandeln. Nach langem Hin- und Herreden einigten sie sich endlich dahin, daß der Magistrat im Amte bleiben solle; die übrigen Punkte wurden den Brüggern zugestanden. Der Landvogt machte seinerseits zur Bedingung, daß er beliebig viel Soldaten in die Stadt legen könne.
Als der Siegelbrief von beiden aufgesetzt und unterzeichnet war, kehrte De Coninck mit dem Herold der Weber zur Stadt zurück. Die Bedingungen wurden in allen Straßen verkündet. Eine halbe Stunde später hielt das französische Heer mit Posaunenschall und fliegenden Bannern siegprunkenden Einzug; die Zunftleute dagegen zogen sich voll Schmerz und Kummer in ihre Wohnungen zurück. Nun kam auch der Magistrat mit den Leliaerts aus der Burg hervor, und scheinbare Ruhe breitete sich über die Stadt.
X.
Da sich die Stadt Brügge jetzt ganz in der Macht der Franzosen befand, so begann Châtillon, ernstlich an die Erfüllung der Wünsche der Königin zu denken. Sie hatte ihn angewiesen, die junge Machteld van Bethune nach Frankreich zu schleppen. Daran schien ihn nichts zu hindern, weil seine Kriegsknechte die Stadt besetzt hielten. Aber Gründe der Klugheit hielten ihn vorerst davon zurück. Vor allem wollte er seine Macht in Brügge befestigen, die Zünfte knechten, ein Kastell bauen[26]. Dann erst gedachte er, die Tochter des Löwen von Flandern gefangenzunehmen und der Königin auszuliefern.
Adolf van Nieuwland war beim Einzug der Franzosen um Machteld höchlichst besorgt gewesen, da er sie jetzt schutzlos den Feinden preisgegeben glaubte. De Conincks tägliche Besuche und seine ununterbrochene Wachsamkeit vermochten ihn anfangs nicht zu beruhigen, und erst als die Franzosen mehrere Wochen hindurch nichts Feindseliges unternommen hatten, begann er anzunehmen, daß sie das Edelfräulein van Bethune vergessen hatten und ihr kein Leid antun würden. Sein kräftiger Körper und die sorgfältige Behandlung Meister Rogaerts hatten seine Wunden zur Heilung gebracht; er bekam wieder Leben und Farbe, aber eine tiefe Traurigkeit lag noch auf seinem Antlitz. Der unglückliche Ritter sah die Tochter seines Fürsten und Wohltäters täglich bleicher werden, von trüben Gedanken gepeinigt siechte Machteld matt und krank dahin, wie eine welkende Blume. Und er, der ihrer aufopfernden Pflege das Leben verdankte, konnte ihr nicht helfen, sie nicht trösten. Waren auch seine Worte noch so freundlich, sie vermochten nichts bei dem gebeugten Mägdelein, das beständig um den Vater seufzte und weinte. Noch keine Kunde hatte sie bisher von ihm erhalten, und sie sah sich für immer von ihrer teuren Familie getrennt. Adolf suchte ihren Gram zu verscheuchen; er dichtete Verse und Lieder für sie, spielte auf der Harfe oder besang Robrechts Heldentaten; aber das alles beeinflußte die Stimmung des Mädchens nicht, ihre düsteren Gedanken waren durch nichts zu bannen. Sie war sanft, freundlich und dankbar, doch ohne Leben, ohne Empfindung oder irgendeine Neigung; selbst ihr Falke trauerte einsam und vergessen.
Wenige Wochen nach seiner völligen Genesung wagte sich Adolf langsamen Schrittes aus der Stadt und wandelte sinnend bei Sevecote[27] durch die Felder. Die Sonne stand schon tief am Himmel, und der Westen flammte in leuchtenden Farben. Gesenkten Hauptes, von bitteren Gedanken erfüllt schritt Adolf weiter, ohne auf den Weg zu achten. Eine Träne des Schmerzes feuchtete sein Auge, und zuweilen hob ein Seufzer seine Brust. Tausenderlei Mittel bedachte er, um das Los der jungen Machteld erträglicher zu gestalten, doch seine Verzweiflung nahm nur zu, denn er fand keinen Trost für sie. Er sah sie täglich weinen, immer mehr dahinsiechen, ohne daß man ihr raten, helfen konnte. Für einen mutigen Ritter wie er, war das Gefühl solcher Ohnmacht peinigend, und bisweilen knirschte er erbittert mit den Zähnen – aber was nützt das? Nur eines blieb ihm: Tränen des Schmerzes zu weinen und von besseren Tagen zu träumen.
Schon weit ab von der Stadt setzte er sich, voll trüber Gedanken, am Rande des Weges nieder. Er starrte zu Boden und hing seinen traurigen Vorstellungen nach. Während er also schweren Herzens dasaß, kam ein Mann des Weges. Er trug eine baumwollene Mönchskutte, daran eine weite Kapuze die bis zum Rücken niederhing; ein Greisenbart wallte auf seine Brust herab, und starke Wimpern überschatteten die schwarzen Augen; seine hohlen Wangen waren gebräunt und die Stirn voll tiefer Falten.
Langsamen Schrittes, wie ein müder Reisender, nahte der Mönch mählich dem Platze, wo sich Adolf niedergelassen hatte, und blieb plötzlich vor ihm stehen. Freudige Überraschung belebte seine Züge; offenbar war ihm Adolf wohlbekannt. Aber sein Gesicht wurde gleich wieder ernst und kalt, als wollte er sich verstellen.
Adolf merkte erst jetzt die Anwesenheit des Mönches. Er stand auf und begrüßte ihn mit höflichen Worten.
„Mein Herr,“ erwiderte der Mönch, „ich bin von einer weiten Reise ermüdet, Euer Sitz lockt auch mich zu ruhen. Bitte, laßt Euch durch mich nicht stören.“
Er ließ sich auf den Rasen nieder und winkte Adolf, ihm nachzutun. Der nahm voll Ehrfurcht, doch gern seinen vorigen Platz wieder ein und setzte sich neben den Fremdling. Freilich erregte dessen Stimme seine Aufmerksamkeit: es schien ihm, als hätte er sie schon öfters gehört. Doch er schlug sich diesen Gedanken aus dem Sinne, weil er sich nicht erinnern konnte, wo er diesen Priester gesehen hätte.
Der Mönch schaute den jungen Ritter eine Weile durchdringend an; dann fragte er:
„Ich habe Flandern schon vor geraumer Zeit verlassen; deshalb hätte ich gern von Euch gehört, was sich überhaupt in unserer Stadt Brügge zuträgt.“
„O mein Vater,“ antwortete Adolf, „damit kann ich Euch gern dienen. In unserer Stadt Brügge sieht es schlimm aus: die Franzosen haben sie eingenommen.“
„Das scheint Euch nicht zu gefallen? Ich hörte aber doch, daß die meisten Adligen ihren rechtmäßigen Grafen verleugnet und die Fremden liebevoll empfangen haben.“
„Ach, das ist nur zu wahr! Der unglückliche Graf Gwijde ist von vielen seiner Untertanen verlassen, und gar mancher hat seinen alten Ruhm vergessen; aber nicht allen ist das vlaemische Blut in den Adern versiegt, noch gibt es Herzen, die den Fremdlingen nicht gewogen sind.“
Bei diesen Worten leuchtete sichtliche Freude aus den Zügen des Mönches, und er erwiderte:
„Eure Gefühle, Herr, sind löblich und meiner Achtung wert. Es freut mich aufrichtig, einen edlen Menschen zu finden, in dem noch nicht alle Liebe zu dem unglücklichen Landesherrn Gwijde erloschen ist. Gott lohne Euch Eure Treue.“
„O mein Vater,“ rief Adolf, „wäre es Euch vergönnt, meinem Herzen auf den Grund zu schauen und zu fassen, welche Liebe ich für meinen unglücklichen Herrn Gwijde und die Seinen hege! Ich schwöre Euch: der glücklichste Augenblick meines Lebens wäre der, da ich den letzten Blutstropfen für ihn dahingeben könnte.“
Der Mönch kannte das Menschenherz genügend, um fest an die Worte des jungen Ritters und an seine innige Liebe zu dem gefangenen Gwijde zu glauben. Nach kurzem Sinnen hub er an:
„Wenn ich Euch Gelegenheit gäbe, diesem Eide gemäß zu handeln, würdet Ihr nicht zurücktreten, sondern als Mann allen Gefahren trotzen?“
„Bitte, Vater,“ rief Adolf flehentlich, „bitte, zweifelt weder an meiner Treue noch an meinem Mute. Sprecht rasch, Euer Schweigen drückt mich …“
„So hört denn aufmerksam zu. Ich bin dem Hause Gwijde von Flandern ob mancher Wohltat die größte Dankbarkeit schuldig; Liebe und Erkenntlichkeit, wie ich sie stets für meinen gnädigen Fürsten hegte, trieben mich an, ihm in seiner Bedrängnis beizustehen. Mit diesem Vorsatz verließ ich mein Kloster und zog nach Frankreich. Dort ermöglichten mir Bitten, Geld und mein geistlicher Stand, zu all den edlen Gefangenen Zutritt zu erlangen, und so überbrachte ich dem Vater die Worte des Sohnes, dem Sohne den Segen des Vaters. Im Kerker des Louvre habe ich mit der armen Philippa geseufzt und geweint. Derart habe ich ihre Pein gelindert, ihre Einsamkeit für kurze Zeit unterbrochen. Ganze Nächte hindurch bin ich gereist; oft wurde ich verjagt, geschmäht und verhöhnt. Aber des achtete ich nicht, angesichts des Glückes, meinem rechtmäßigen Fürsten in seiner Bedrängnis dienen zu können. Die Tränen der Dankbarkeit, die bei meinem Kommen flossen, waren mir ein Lohn, den alle Güter der Welt nicht aufwiegen können.“
„Seid gesegnet, edelmütiger Priester,“ rief Adolf, „der Himmel wird es Euch lohnen; aber sagt mir, ich bitte Euch, wie geht es Herrn van Bethune?“
„Er sitzt in einem Turme zu Bourges, im Lande Berry. Sein Los ist nicht zu schlimm, denn er ist von Banden und Ketten frei. Sein Gefangenenwärter ist ein alter Soldat, der im sizilischen Kriege mannhaft unter dem Banner des schwarzen Löwen gefochten hat. So ist er eher Herrn Robrechts Freund als sein Wächter.“
Adolf lauschte mit größter Aufmerksamkeit; mitunter wollte er seine Freude in Worten künden, doch er hielt an sich. Der Mönch fuhr fort:
„Seine Gefangenschaft würde ihn weniger hart bedünken, wenn ihn nicht sein Herz von hinnen zöge; er ist Vater und trübe Ahnungen quälen sein Herz. Seine Tochter ist in Flandern geblieben, und er fürchtet, die tückische, grausame Königin von Navarra wird auch dieses Kind verfolgen und schwere Leiden über sie verhängen. Dieser schmerzliche Gedanke foltert den zärtlichen Vater, und sein Kerker wird ihm unerträglich; bitterste Verzweiflung durchtobt sein Herz, und jeder Tag seines Lebens gleicht den Qualen einer verdammten Seele. Überlegt Euch nun, ob Ihr wirklich entschlossen seid, Euer Leben für den Löwen, Euren Herrn, zu wagen. Der Kastellan von Bourges will ihn gegen Ehrenwort für einige Zeit in Freiheit setzen, falls ein treuer, opferbereiter Untertan sich aus Liebe zu ihm an seiner Statt einkerkern lassen will.“
Der junge Ritter warf sich vor dem Priester nieder und küßte ihm ehrfürchtig die Hand.
„O selig die Stunde!“ rief er, „da ich Machteld diesen Trost verschaffen kann. Sie soll ihren Vater sehen, o Gott! und ich soll diese heilige Sendung vollbringen? Wie pocht mein Herz so froh! Der glücklichste Mensch auf Erden sitzt zu Euren Füßen, ehrwürdiger Priester! Wißt Ihr, in welche Seligkeit, in welch reine Freude mich Eure Worte stürzen? Ja, dankbar will ich die Ketten wie einen kostbaren Schmuck entgegennehmen. Nichts soll mir über diese eisernen Fesseln gehen! O Machteld, Machteld! Könnten dir doch die Lüfte diese Freudenbotschaft künden.“
Der Mönch unterbrach die Begeisterung des Ritters nicht und stand auf; langsam schritt Adolf hinter ihm her, der Stadt zu.
„Mein Herr,“ begann jener schließlich, „Eure edlen Gefühle erfüllen mich mit berechtigter Bewunderung. Wohl zweifle ich nicht an Eurem Mute; aber habt Ihr auch bedacht, welchen Gefahren Ihr Euch aussetzt? Wenn die List entdeckt würde, müßtet Ihr Euer Opfer mit dem Leben büßen.“
„Ein vlaemischer Ritter fürchtet den Tod nicht,“ entgegnete Adolf, „nichts kann mich schrecken. Wenn Ihr wüßtet, wie ich seit sechs Monden Tag und Nacht mein Gehirn martere, nach einer Gelegenheit suche, um für das Haus Flandern mein Leben zu wagen, – Ihr würdet mir nicht von Furcht und Gefahr reden. Noch eben, da ich trostlos am Wege saß, bat ich um eine göttliche Eingebung, und durch Euch hat Gott zu mir gesprochen.“
„Wir müssen noch heute nacht fort von hier, damit man nicht hinter unser Geheimnis kommt.“
„Je eher, je lieber! Denn meine Gedanken weilen schon in Bourges bei dem Löwen von Flandern, meinem Herrn und Fürsten.“
„Ihr seid jung, Herr Ritter; aber sonst gleichen Eure Gesichtszüge wohl denen von Herrn Robrecht; nur im Alter seid Ihr gar verschieden. Dies soll uns jedoch nicht hindern; denn meine Kunst wird Euch schnell die fehlenden Jahre verleihen.“
„Was wollt Ihr damit sagen, Vater? Könnt Ihr mich älter machen, als ich bin?“
„O nein. Aber ich kann Euer Gesicht so verändern, daß Ihr Euch selbst nicht wiederkennen sollt. Dazu verwende ich Kräuter, deren Wirkungen ich kenne; denkt aber nicht, daß ich gottlosen Künsten fröhne. Doch nun sind wir ja dicht bei der Stadt: könnt Ihr mir sagen, wo ein gewisser Adolf van Nieuwland wohnt?“
„Adolf van Nieuwland?“ rief der Ritter, „der bin ich ja, mit dem Ihr sprecht!“
Der Priester schien baß verwundert. Er blieb mitten auf dem Wege stehen und blickte den Junker mit geheucheltem Staunen an.
„Wie, Ihr seid Adolf van Nieuwland? Dann ist also Machteld van Bethune in Eurer Wohnung!“
„Diese Ehre ist meinem Haus zuteil geworden,“ antwortete Adolf. „Eure Ankunft wird sie höchlich freuen. Fast kommt der Trost zu spät, den Ihr bringt; denn trauernd siecht sie dahin, als ob sie sterben wollte.“
„Hier, diesen Brief von ihrem Vater könnt Ihr Machteld geben; denn ich merke wohl, daß es Euch glücklich machen wird, ihr Trost zu bringen.“
Dabei holte er unter der Kutte ein Pergament hervor, das mit einem seidenen Faden und durch Siegel verschlossen war und übergab es dem Ritter. Der beschaute es schweigend in höchster Erregung. Seine Vorstellung trug ihn schon zu Machteld, und er spürte die eigne Freude an des Mägdeleins Glückseligkeit. Nunmehr ging ihm der Mönch viel zu langsam; er war immer etwas voraus, denn Ungeduld beflügelte seine Schritte. Als sie in der Stadt bei Adolfs Wohnung angelangt waren, betrachtete der Mönch das Haus, als wollte er es sich einprägen, und sprach:
„Gott mit Euch! Herr van Nieuwland! Heute abend, vielleicht ziemlich spät, komme ich wieder zu Euch. Richtet derweile Euer Gepäck.“
„Wollt Ihr nicht mit mir zu der Jungfrau gehen? Ihr seid so ermüdet: nehmt bitte mit meiner Wohnung vorlieb.“
„Ich danke Euch, Herr; meine Priesterpflichten machen mich anderen Orts nötig. Gegen zehn Uhr treffe ich Euch wieder. Gott nehme Euch in seinen Schutz!“
Damit verließ er den erstaunten Ritter und ging in die Wollstraße, wo er in De Conincks Hause verschwand. Voller Freude über dies unerwartete Glück, das ihm wie ein goldener Traum erschien, pochte Adolf mit heißer Ungeduld an seine Tür. Der Brief des Herrn van Bethune brannte ihm in der Hand, und als der Diener ihm öffnete, stürmte er ungestüm ins Haus.
„Wo ist Machteld? Wo ist Fräulein Machteld?“ fragte er hastig.
„Im Saale an der Straße,“ entgegnete der Diener.
Der Ritter flog die Treppe hinan und öffnete stürmisch die Tür des Saales.
„O edle Machteld,“ rief er, „trocknet Eure Tränen. Nun lacht sonnige Freude, denn unser Unglück ist vorbei!“
Die junge Gräfin saß beim Eintritt Adolfs traurig am Fenster. Sie betrachtete den aufgeregten Junker mit Zweifel und Unglauben.
„Was sagt Ihr?“ rief sie endlich, stand auf und setzte ihren Falken rasch auf den Stuhl, „unser Unglück ist vorbei?“
„Ja, edle Frau, nun harret Euer ein besseres Los. Hier ist ein glückbringendes Schreiben – sagt Euer Herz Euch nicht, von welcher teuren Hand?“
Ehe er noch ausgesprochen hatte, lief Machteld in höchster Aufregung auf ihn zu und riß ihm den Brief aus den Händen. Ungewöhnte Glut färbte ihre Wangen mit flammendem Rot, und Freudentränen entströmten ihren Augen. Sie erbrach das gräfliche Siegel und las den Brief dreimal, ehe sie irgendein Wort zu verstehen schien – ach nein, sie verstand ihn nur zu wohl, das unglückliche Mägdelein. Unaufhaltsam flossen ihre Tränen, aber es war nicht mehr Freude; herber Schmerz entlockte ihr diese Zähren.
„Herr Adolf,“ rief sie schmerzbewegt, „Eure Freude zerreißt mir das Herz. Unser Unglück ist vorbei, sagt Ihr? Da – leset selbst und beweint mit mir meinen unglücklichen Vater.“
Der Ritter ergriff den Brief aus Machtelds Hand und begann ihn gesenkten Hauptes zu lesen. Anfangs glaubte er, der Priester habe ihn betrogen und als Boten einer schrecklichen Nachricht gebraucht; als er aber den ganzen Inhalt des Schreibens kannte, schwand sein Argwohn. Einige Augenblicke sann er schweigend über seine unvorsichtigen Worte nach. Als ihn Machteld so bekümmert sah, bereute sie innerlich den Vorwurf, den sie ihm gemacht hatte; sie trat zu dem traurigen Junker und sagte freundlich:
„Vergebt mir, Herr Adolf. Seid nicht traurig und glaubt nicht, daß ich Euch gram bin, weil Ihr mir zu viel Glück verheißen habt. Ich weiß, wie glühend Ihr auf das Wohl eines armen Mägdeleins bedacht seid. Seid überzeugt, Adolf, daß ich für Eure edelmütige Aufopferung nicht undankbar bin.“
„Edle Machteld,“ rief er, „ein großes Glück kann ich Euch verheißen. Nein, meine Freude ist nicht dahin. Den Inhalt des Briefes kannte ich; aber der war nicht der Grund meiner Freude. Trocknet Eure Tränen, Machteld; ich wiederhole Euch, grämt Euch nicht mehr, denn bald werdet Ihr lange an Eures Vaters Brust ruhen können.“
„O, welches Glück,“ schluchzte Machteld, „sollte es wahr werden? Sollte ich meinen Vater sehen und sprechen? Aber warum quält Ihr mich, Herr Adolf? Weshalb klärt Ihr mir dies Rätsel nicht auf? Sprecht doch, damit meine Zweifel schwinden.“
Ein flüchtiger Schatten verdüsterte die heiteren Züge des Junkers. Er hätte Machtelden die geforderte Erklärung so gern gegeben, aber seine edle Seele duldete nicht, von den eigenen Verdiensten zu sprechen. Mit hörbarer Betrübnis erwiderte er:
„Vergebt es mir, bitte, edle Jungfrau, wenn ich schweige. Seid gewiß, daß Ihr Euren Durchlauchtigen Vater sehen werdet, daß er seine teure Tochter auf dem Boden der Heimat sprechen und umarmen wird; aber mehr darf ich Euch nicht sagen.“
Die junge Gräfin gab sich damit nicht zufrieden. Zweierlei drängte sie, dies Rätsel zu lösen: weibliche Neugier und die noch haftenden Zweifel. In sichtlichem Ärger preßte sie die Lippen aufeinander und sagte schließlich:
„Ach, Herr Adolf, enthüllt mir doch, was Ihr mir verbergen wollt; haltet mich nicht für so unbesonnen, daß ich es zu meinem eigenen Schaden preisgeben würde.“
„Ich darf, ich kann nicht.“
„Es würde mich doch so froh machen, Herr Adolf. Nun also glaube ich Euren Worten nicht. Ihr raubt mir die Freude, die ich erlebt hätte. Sagt mir es doch.“
„Ich bitte Euch, verschont mich, edles Fräulein, ich kann nicht.“
Bei jedem Wort des Ritters wuchs die Neugierde Machtelds. Immer wieder fragte sie ihn nach dem Geheimnis, – vergebens. Endlich packte sie die Ungeduld: als alle Bitten nichts nützten, begann sie aus Ärger wie ein Kind zu weinen. Beim Anblick ihrer Tränen entschloß er sich endlich, ihr alles zu sagen, mochte ihm auch das Eingeständnis der eigenen Aufopferung noch so viel kosten. Machteld las in seinen Zügen ihren Sieg und nahte ihm in froher Erwartung, während er also zu ihr sprach:
„Hört denn, Machteld, wie wundersam ich den Brief und die frohe Nachricht erhielt. In tiefem Sinnen saß ich bei Sevecote und flehte in glühendem Gebet die Gnade des Himmels auf meinen unglücklichen Landesherrn herab. Wie groß war mein Staunen, als ich plötzlich einen Priester vor mir stehen sah! Sofort dachte ich, mein Gebet sei erhört und dieser Mann werde mir Trost bringen – und so war es auch; denn aus seiner Hand empfing ich den Brief, aus seinem Mund vernahm ich die Kunde: Euer Vater kann sein Gefängnis auf einige Tage verlassen, aber ein anderer Ritter muß die Ketten für ihn tragen.“
„Welche Freude!“ rief Machteld aus, „ich werde ihn sehen und sprechen. O mein Vater, mein teurer Vater! Wie dürstet meine Seele nach Eurer Umarmung! Adolf, Ihr macht mich überglücklich; Eure Worte tun so wohl! Aber wer wird die Stelle meines Vaters einnehmen wollen?“
„Der Mann ist schon gefunden,“ gab der Ritter zur Antwort.
„Der Segen des Himmels komme über ihn!“ rief die Jungfrau. „Welch Edelmut, meinen Vater solcherart zu befreien, mir das Leben wiederzugeben! O, stets werde ich diesen Mann lieben, allzeit ihm dankbar sein; er verdient noch mehr. Aber wer ist denn dieser edelmütige Ritter?“
Adolf ließ sich auf ein Knie vor der Jungfrau nieder und rief:
„Wer anders als Euer Diener Adolf, o edle Tochter des Löwen, meines Herrn!“
Machteld blickte den Jüngling voll inniger Rührung an, hob ihn vom Boden auf und sprach:
„Adolf, mein guter Bruder, wie kann ich Euch je Eure Hingabe lohnen? O, ich weiß, was Ihr alles getan habt, um mein Schicksal zu erleichtern. Es ist mir nicht entgangen: auf mein Wohlergehen war Euer ganzes Leben gerichtet. Nun wollt Ihr gar die Ketten meines Vaters auf Euch nehmen und geht vielleicht in den Tod, um mir einen glücklichen Augenblick zu schaffen. Ich unfrohes, trauriges Ding habe das nicht verdient.“
Seltsam feurig erglänzten die Augen des Ritters. Begeistert rief er:
„Fließt nicht das Blut meiner Grafen in Euren Adern, edle Frau? Seid Ihr nicht der teure Sproß des Löwen, des Fürsten, der meines Vaterlandes Ruhm verkörpert? Nie, niemals kann ich ihm seine Wohltaten vergelten; mein Blut, mein Leben habe ich Eurem Durchlauchtigen Hause geweiht. Alles, was der Löwe liebt, ist mir heilig!“
Während Machteld ihn bewundernd anschaute, meldete ein Diener den Priester, und dieser wurde auf Adolfs Geheiß in den Saal geführt.
„Seid gegrüßt, durchlauchtige Tochter des Löwen, unseres Herrn,“ sprach er mit ehrerbietiger Verneigung, während er die Kappe seiner Kutte zurückwarf.
Machteld betrachtete forschend den Mönch und strengte ihr Gedächtnis an, um sich seines Namens zu entsinnen; denn seine Stimme griff ihr tief ins Herz. Plötzlich nahm sie seine Hand; ihre Augen glänzten vor Freude, und sie rief leidenschaftlich bewegt:
„O Gott! Der Herzensfreund meines Vaters – Herr Dietrich! Ich glaubte, alle außer Herrn van Nieuwland hätten uns verlassen. Nun sei dem Himmel Dank, er hat mir einen zweiten Beschützer gesandt! Und ich – ich wagte Euch in Gedanken der Untreue zu beschuldigen! Vergebt meinem bekümmerten Herzen diesen Irrtum, Herr Dietrich.“
Dietrich war ganz verdutzt, daß seine Kunst von einem Frauenauge durchschaut worden war. Ärgerlich legte er seinen Bart ab und erschien nun der Jungfrau in kenntlicherer Gestalt. Adolf erging sich in Danksagungen und drückte ihm mit inniger Freundschaft die Hand. Dann wandte sich Dietrich zu Machteld und sprach:
„Fürwahr, edles Fräulein, ich muß gestehen, Ihr habt ein scharfes Auge. Jetzt freilich heißt es wieder natürlich sprechen. Und doch wäre ich lieber unerkannt geblieben; denn die Maske, die Ihr durchschaut habt, ist für das Wohl meines Gebieters, des Löwen, unentbehrlich. Ich bitte Euch deshalb, nennt bei niemandem meinen Namen, das könnte mir das Leben kosten. Euer Antlitz, edle Jungfrau, trägt die Spuren Eures langen, tiefen Schmerzes; aber die sollen nicht dauern, wenn sich unsere Hoffnungen verwirklichen. Sollte sich jedoch die Gefangenschaft Eures Vaters gegen all' unsere Hoffnung länger hinziehen, so gebietet Euch die Religion, auf die Gerechtigkeit des Herrn zu vertrauen. Ich habe Herrn van Bethune gesehen und gesprochen. Sein Los ist durch das Wohlwollen des Kastellans erleichtert, und er ersucht Euch, seinetwegen nicht zu weinen.“
„Erzählt mir doch, was er Euch gesagt hat, Herr Dietrich. Beschreibt mir seinen Kerker, sein Leben. Nur seinen teuren Namen zu hören, tut meinem Herzen schon wohl.“
Dietrich der Fuchs begann eine eingehende Beschreibung des Turmes von Bourges und erzählte dem Mägdelein alles, was er wußte. Mit der größten Bereitwilligkeit beantwortete er jede kleinste Frage und tröstete sie durch erheuchelte Fröhlichkeit.
Inzwischen war Adolf aus dem Saal gegangen, um mit seiner Schwester Maria seine Reise zu besprechen und anzuordnen, daß man hierzu sein Pferd und seine Waffen instand setzte. Auch hatte er durch einen treuen Diener De Coninck und Breydel benachrichtigt und aufgefordert, über die junge Gräfin zu wachen. Das war freilich unnötig, da Dietrich der Fuchs schon mit geheimen Befehlen beim Weber gewesen war. Sobald Adolf zurückkam, erhob sich Dietrich von dem Sessel und sprach:
„Herr van Nieuwland, ich kann nicht länger bleiben. Geduldet Euch nun, bitte, nur ein wenig, damit ich Eurem Gesicht das nötige Alter verleihe. Fürchtet nicht, daß es Euch irgendwie schaden könnte, und laßt mich gleich beginnen.“
Der Ritter setzte sich vor Dietrich auf einen Sessel und lehnte sein Haupt zurück. Machteld, die dies alles nicht begreifen konnte, stand verwundert neben ihnen. Neugierig verfolgte sie, wie Dietrichs Finger auf Adolfs Gesicht zahlreiche graue Flecken und schwarze Linien zeichneten. Bei jedem Strich erstaunte das Mägdelein mehr; denn die Züge des Ritters veränderten sich und erinnerten an die ihres Vaters. Beim Anblick dieser Wunder pochte der Jungfrau Herz gar ungestüm. Als dann alle Linien recht dastanden, befeuchtete Dietrich Adolfs Wangen und Stirn mit einem bläulichen Wasser und ersuchte ihn, aufzustehen.
„Wir sind fertig,“ sagte er, „Ihr gleicht Herrn van Bethune, als ob ihr beide Kinder desselben Vaters wäret. Und hätte ich Euch nicht selbst so umgestaltet, ich würde Euch mit dem Namen des durchlauchtigsten Löwen begrüßen. Ja, glaubt es mir, ich empfinde wirklich Ehrfurcht vor Eurem neuen Gesicht.“
Die junge Machteld stand sprachlos und wie von Sinnen vor Adolf. Sie konnte sich nicht sattsehen und betrachtete abwechselnd die beiden Ritter, wie man nach der Erklärung eines unbegreiflichen Vorganges fragt. Adolf glich Herrn van Bethune so genau, daß sie hätte glauben können, ihr Vater stände wirklich vor ihr.
„Herr van Nieuwland,“ sagte Dietrich der Fuchs, „wenn Ihr Euer edles Vorhaben glücklich ausführen wollt, so ist es ratsam, daß wir schleunigst abreisen. Wenn Euch ein Feind oder ungetreuer Diener so erblickt, dann schwebt Ihr in der größten Gefahr, Euer Leben nutzlos aufs Spiel zu setzen.“
Adolf sah ein, daß er die Wahrheit sprach.
„Lebt wohl, edle Jungfrau,“ rief er, „lebt wohl und denkt zuweilen an Euren Diener Adolf.“
Sie schluckte die Tränen herunter, die schon in ihren Augen glänzten, und löste ihren grünen Schleier.
„Hier,“ sprach sie, „empfanget das aus den Händen Eurer dankbaren Schwester. Er mag Euch an mich erinnern, die Eure edle Tat nie vergessen wird. Es ist meine Lieblingsfarbe.“
Der Ritter sank auf ein Knie, als er dies Pfand empfing, und drückte es mit dankbarem Blick an seine Lippen.
„O Machteld!“ rief er, „ich habe diese Gunst nicht verdient. Möchte dereinst der Augenblick kommen, da ich mein Blut für das Haus von Flandern vergießen kann: dann werde ich mich Eurer Freundschaft und Güte würdig zeigen.“
„Es ist Zeit; bitte, unterbrecht Eure Danksagungen,“ bemerkte Dietrich.
„Lebt wohl, Machteld!“
„Lebt wohl, Adolf!“
Und der Ritter verließ rasch den Saal. Im Vorhof schwangen er und Dietrich sich in den Sattel; einige Augenblicke später hallten die einsamen Straßen der Stadt von dem Tritt zweier Pferde wieder, bis sie unter dem Genter Tor verschwanden.