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Der Satansgedanke cover

Der Satansgedanke

Chapter 21: Es war ein mächtig langer Sack, wie aus dünnem geöltem Zeug, der sich gestaltete wie ein aufstehender Wurm
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About This Book

The narrative interweaves episodes in a Salzburg-area religious and academic milieu, centered on a melancholic noblewoman living in a ladies' convent whose family history and a brutal servant expose moral contradictions around wealth and reputation. Parallel strands follow restless students and townspeople unsettled by the arrival of provocative healers and magicians such as Paracelsus and Faustus, whose powers and comportment elicit both practical reliance and moral dread. The work examines tensions between faith, superstition, and emergent knowledge, showing how rumor, melancholy, and the uncanny shape individual fates.

Es war ein mächtig langer Sack, wie aus dünnem geöltem Zeug, der sich gestaltete wie ein aufstehender Wurm, als der Doktor unter ihm eine gelinde Holzkohlenglut angefacht und sie lang erhalten hatte. Der Wurm, der sich immer mehr, zu des jungen Menschen Staunen, aber nicht Entsetzen, aufblies, war aus Tausenden feiner kleiner und durchscheinender Häutchen zusammengefertigt. „Ich hab’ viel schwarze Kunst und Alchymie treiben müssen, bis ich sie zusammengetauscht hatte von den Goldschlägern, die damit ihr Blattgold aushämmern. Sie brennen nicht leicht an; sei also getrost und hab’ acht, daß die Knoten an unserm Luftwurm sich nicht lösen, die ihn halten; sonst fliegt er uns gar davon.“

Als das Ungebilde sich vollaufgebläht gegen den Himmel steifte und in der waldeinsamen Spätabendluft rötlich zu schimmern begann vom Widerschein des Holzkohlenfeuers, sah Faust den erregten Studenten an und sagte ihm: „Glotz’ nicht so dumm! Das ist mein Teufelsroß, auf dem ich in einer halben Nacht von Prag nach Erfurt geritten bin. Der Rauch steigt doch auch gegen Himmel? Und die Hitze eines Kamines? Ebenso. Lass’ sie eingeschlossen in einem so leichten Sack, na und? — Wir sind jetzt gleich einer Wolken.“

„Wie findet Ihr aber die Richtung?“ stammelte der halb verstehende Junge.

„Die sagen mir die Wolken und die Landkarten. Es ist dort oben stracker Ostwind und das ist eine sehr beständige Luft. Die Wolken, die den Gaisberg bestrichen haben und die viel höheren, die über Untersberg und Stauffen hinwegziehen, die sind alle nach Tirol zu gegangen. Wir werden mit ihnen streichen.“

„Meister!“

„Fürchtest dich?“

„Nein.“

„Wunderst dich?“

„Nach dem, was Ihr gesagt habt, nicht mehr so sehr.“

„Freust dich aufs Fliegen?“

„Das muß göttlich sein, oder teuflisch!“

„Flieg nur drei oder vier Stunden, dann wird’s keines von beiden sein. So, wie mir die Welt und alle Wunder Gottes. Bloß selbstverständlich, und langweilig. Und mit Fleiß und Absicht nehm ich dich mit und zeig dir mein Geheimnis, auf daß du entdecken mögest, was für ein Dreck alle Erfüllung ist und daß es sich wahrlich nicht lohnt, das zu erreichen, was jeder Mistfink längst kann. Und gar nicht darüber zerplatzt vor Hochgefühl und Glück!“