Curtin war in der Tienda des Dorfes gewesen und hatte Proviant eingekauft. Es war der letzte Proviant, den sie benötigten, und er sollte reichen bis zu ihrer Abreise. „Mann, wo steckst du nur so lange?“ fragte Howard, als Curtin angeritten kam und sich schickte, den Tragesel abzuladen.
„Ich wollte grade meinen Esel satteln und dir entgegenkommen“, warf Dobbs ein. „Wir dachten, es sei dir etwas zugestoßen. Du hättest doch eigentlich spätestens um zwei Uhr zurück sein müssen.“
Curtin antwortete nicht, sondern lud den Esel ab und brachte die Säcke zum Feuer. Dann setzte er sich nieder, steckte sich eine Pfeife an, gab den Tabak aus den Säcken heraus, verteilte ihn, und endlich sagte er:
„Ich habe verteufelte Umwege machen müssen. Da unten im Dorfe trieb sich ein Bursche herum. Sagt, er sei von Arizona.“
„Was will denn der hier?“ fragte Dobbs.
„Das wollte ich gern erfahren“, erwiderte Curtin. „Aber die Indianer sagten nur, er sei schon ein paar Tage da und lungere herum. Er fragte die Leute, ob hier Minen seien oder Gold oder Silber. Darauf erklärten ihm die Indianer, Minen seien hier nicht, und Gold gäbe es auch nicht hier, auch kein Silber und überhaupt nichts; sie könnten sich grade recht und schlecht ernähren von Mattenflechten und Töpfemachen. Aber dann sagte ihm der blöde Esel von der Tienda, daß da irgendwo in den Bergen ein Amerikaner herumkrieche, der wilde Tiere jage. Er weiß ja nicht, daß ihr auch hier seid, er kennt ja nur mich. Das denke ich wenigstens. Und da hat er ihm gesagt, daß ich zuweilen käme, um Proviant einzukaufen, und daß ich wohl jetzt in dieser Woche kommen würde. Da hat dann der Bursche aus Arizona gesagt, er wolle auf mich warten.“
„Und da hat dieses dreckige Vieh auch richtig gewartet?“
„Ja, das hat er. Als ich da unten ankam, fiel er mich gleich an, was ich hier täte, ob „was zu machen sei“, ob hier nicht mächtig viel Gold wäre, und all solchen Unfug. Ich war ziemlich kurz angebunden und gab kaum Antwort.“
„Hast du ihm nicht ordentlich etwas vorgesohlt?“ fragte Dobbs.
„Das habe ich. Wenn ich überhaupt antwortete, so habe ich ihm saubere Geschichten geliefert. Aber das half alles nichts. Er wollte durchaus mit zu meinem Camp kommen. Er meinte, hierherum müsse unbedingt Gold sein, er sähe es aus dem Lauf der ausgetrockneten Flüsse, aus dem heruntergeschwemmten Sand und aus Brocken, die vom Gebirge oben abgespalten und heruntergestürzt seien.“
„Das ist ein großer Mann,“ sagte Howard, „wenn der aus solchen Dingen sehen kann, daß hier Gold sein müsse.“
„Gar nichts weiß der Bursche“, fiel Dobbs ein. „Das ist ein Spion, da bin ich ganz sicher. Entweder ein Spion von der Regierung wegen der Taxe, oder er ist ein Spion von den Banditen, die uns auf der Rückwanderung aufheben wollen. Wenn sie auch gar nicht an Gold denken, aber wir haben doch Esel und Werkzeuge und Kleidungsstücke, Messer, Revolver und Felle, wie sie glauben. Das ist alles Wert. Da lohnt es sich schon, uns anzufallen.“
„Nein,“ sagte Curtin, „ich glaube nicht, daß er ein Spion ist. Ich glaube, er ist wirklich hinter Gold her.“
„Hat er denn eine Gräberausstattung?“ fragte Howard.
„Ich habe keine gesehen. Er hat ein Maultier, auf dem er reitet, eine Decke, einen Kaffeekessel, eine Pfanne und einen Sack, wo er wahrscheinlich noch ein paar Lumpen drinhaben mag. Das ist alles.“
„Mit seinen Fingern kann er das Gold nicht rausbuddeln“, sagte Dobbs. „Vielleicht hat man ihm die Werkzeuge gestohlen, oder er hat sie verkaufen müssen. Aber was haben wir denn mit diesem Windhund zu tun?“
Curtin kratzte sich am Kopf und wollte sich dann die Fingernägel betrachten. Als er aber bemerkte, daß Dobbs und Howard ebenfalls auf seine Fingernägel guckten, ließ er die Hand sinken und nahm sich wieder einmal vor, es nicht mehr zu tun. Dobbs und Howard jedoch hatten diesmal nicht deshalb auf seine Fingernägel geschaut, um ihn daran zu erinnern, daß er in wenigen Tagen auf dem Rückwege zur Zivilisation sei. Sie hatten vielmehr aus reiner Gedankenlosigkeit die altgewohnte Bewegung Curtins verfolgt. Man darf es auch nicht einmal Gedankenlosigkeit nennen. Ihre Gedanken waren mit dem geheimnisvollen Burschen aus Arizona beschäftigt, und sie hatten das unklare Empfinden gehabt, als ob dadurch, daß Curtin sich seine Fingernägel betrachte, wie er es gewohnt sei, sich das Geheimnis, das jenen Burschen umgab, lüften könne.
Curtin stierte ins Feuer. Dann sagte er: „Ich konnte nichts aus ihm machen. Er sieht nicht so aus, als ob er von der Regierung oder von den Banditen sei. Er sieht ziemlich unschuldig aus, als ob er das, was er sage, auch wirklich meine. Aber wir haben schon etwas mit ihm zu tun, wenn Dobbs auch glaubt, wir haben es nicht. Er ist mir gefolgt. Er fragte erst, ob er nicht mit in mein Camp kommen könne. Das habe ich ihm verweigert. Dann ist er hinter mir hergeritten. Ich bin stehengeblieben und habe ihn abgewartet. Dann habe ich ihm gesagt, er solle sich zum Teufel scheren und mich nicht belästigen. ‚Ich will Sie ja aber gar nicht belästigen,‘ sagte er darauf, ‚ich will nur ein paar Tage in Gesellschaft sein, ich bin schon ganz verrückt, immer so hier im Gebirge herum und immer nur mit diesen Indianern. Ich möchte ein wenig sprechen und ein paar Abende mit einem weißen Burschen am Feuer sitzen. Dann gehe ich wieder.‘ Da habe ich ihm gesagt, er solle sich einen andern Kameraden suchen, ich wolle nichts mit ihm zu tun haben. Strolch konnte ich ja nicht gut sagen, er hätte es mir wiedergeben können, wie wir schon aussehen.“
„Wo ist er denn jetzt?“ fragte Howard.
„Er ist doch nicht etwa hier?“ sagte Dobbs und drehte sich um.
„Das glaube ich nicht“, erwiderte Curtin. „Ich machte alle möglichen Umwege und Windungen durch das Gebüsch. Aber wenn ich den Weg übersehen konnte, sah ich immer, daß er auf dem richtigen Wege hierher war. Wäre ich zu Fuß gewesen, hätte ich ihn völlig abgeführt. Aber nun versuche das einmal, wenn du zwei Esel hast. Es ist ja auch nur nötig, daß er weiß, daß hier jemand im Gebirge haust, und wenn er die Richtung nur ungefähr weiß, so muß er heute oder morgen oder übermorgen auf uns stoßen. Das wird er sicher. Es ist nur eine Frage: Was tun wir mit dem Manne, wenn er hier auftaucht? In seiner Gegenwart können wir nicht zur Mine.“
„Das ist eine böse Sache, eine sehr böse Sache“, sagte Howard. „Wenn es ein Indianer wäre, das wäre nicht so schlimm. Der bleibt nicht, der geht wieder zu seinem Dorfe, zu seiner Familie. Aber dieser Bursche klebt wie Pechpflaster. Der riecht auch gleich, daß hier was los ist. Denn warum sollen sich denn gerade hier drei Weiße verkriechen? Hier im Gebirge? Wir können ihm nur erzählen, daß wir drei Raubmörder seien, die sich hier verborgen halten müssen. Aber wenn er dann runtergeht, kriegen wir ein Regiment Soldaten her, und dann ist es aus mit unsern schönen Zukunftsplänen. Und wenn da ein Offizier unter den Soldaten es wirklich glaubt von wegen den Raubmördern, läßt er uns vielleicht gar auf der Stelle niederknallen, um ganz sicher zu sein, daß wir ihm nicht entwischen.“
„Es ist ganz einfach“, sagte nun Dobbs. „Mit dem Burschen werden wir rasch fertig. Wenn er kommt, sagen wir ihm, er möge sich sofort hier aus der Gegend fortscheren, und wenn wir ihn noch einmal hierherum sähen, würden wir ihn mit Blei laden.“
„Das wäre eine rechte Eselei“, meinte Howard. „Dann geht er runter, redet unten dummes Zeug, trifft vielleicht gar irgendwo Landpolizei, und wir haben hier den schönsten Bockmist. Dann kannst du ihm auch ebensogut erzählen, daß wir entsprungene Sträflinge von der Heiligen Maria sind.“
„Well, bleibt eben nur der grade Weg.“ Dobbs sah entschlossen aus. „Sobald er kommt, wird er geknipst und fertig. Oder wir hängen ihn an den Baum da drüben und schälen die Rinde ab. Dann haben wir Ruhe.“
Eine Weile sagte niemand etwas zu diesem Vorschlag.
Howard stand auf, sah nach den Kartoffeln, einem unerhörten Luxus, stach darin herum, setzte sich wieder und sagte: „Das mit dem Abknipsen wäre eine Dummheit. Er ist vielleicht ein ganz unschuldiger Tramp, der lieber durch Gottes weite Welt zieht und zu seinem lieben Schöpfer betet dadurch, daß er sich an all dem so recht von Herzen erfreut, was da um ihn herum Schönes zu sehen ist, als daß er sich in den Ölfeldern oder in den Minen abrackert für einen Drecklohn. Und so einen unschuldigen Vagabunden abzuknipsen wäre ein Verbrechen.“
„Wir wissen doch aber nicht, ob er unschuldig oder ein Gauner ist“, protestierte Dobbs.
„Es kann auch herauskommen“, sagte Howard.
„Ich möchte wissen, wie?“ Dobbs wurde nur noch mehr überzeugt, daß sein Plan der beste sei. „Wir graben ihn ein, niemand findet ihn. Wenn die unten erzählen, sie hätten ihn hinaufgehen sehen, wir haben ihn nicht ankommen sehen, damit fertig. Wir können ihn ja auch dort die Schlucht hinunterpfeffern. Kann auch von selber runtergefallen sein.“
„Willst du das machen?“ fragte Howard.
„Warum ich? Wir können ja ein Hölzchen ziehen, wer es zu machen hat.“
Der Alte grinste. „Ja, und der, der es gemacht hat, kann dann sein ganzes Leben vor den beiden andern, die es gesehen haben, auf dem Bauche rutschen. Das ist alles so schön und gut, wenn man ganz allein ist. Aber hier, wie die Dinge liegen, ich jedenfalls sage: Nein.“
„Ich sage auch: Nein.“ Endlich hatte sich auch Curtin wieder in das Gespräch gemischt. „Das ist alles zu teuer, alles zu dumm. Wir müssen etwas andres finden.“
„Bist du denn überhaupt so ganz sicher, ob er dir folgt und ob er hier heraufkommen wird?“ fragte Howard.
Curtin sah vor sich nieder und sagte resigniert: „Ich bin durchaus überzeugt, daß er kommt, und daß er uns auch findet. Er erweckte ganz den Anschein, als ob er –.“ Hier hob Curtin die Augen, sah nach der schmalen Lichtung im Gehölz und sagte mit müder Stimme: „Da steht er schon.“
Weder der Alte noch Dobbs fragte „Wo?“ Sie waren so überrascht, daß sie sogar vergaßen, einen Fluch locker zu machen. Sie folgten den Augen Curtins, und in dem Schatten der hereinbrechenden Nacht, von dem Schein des Lagerfeuers ungewiß beleuchtet, stand der Fremde. Neben sich, am Zügel haltend, hatte er sein Maultier.
Er stand ganz still, rief nicht das übliche „Hallo!“ herüber, rief auch nicht „H’ye“ (How do you do?) und bot auch keinen Abendgruß. Er stand nur da und wartete. Stand da wie ein hungernder Mann, der zu stolz ist, um für irgend etwas zu betteln.
Als Curtin von dem Manne, den er unten im Dorfe getroffen hatte, erzählte, machte sich jeder der beiden Zuhörenden eine bestimmte Vorstellung von dem Aussehen des Mannes. Sowohl Howard als auch Dobbs hatten sich den Mann völlig anders vorgestellt. Dobbs hatte sich einen Mann gedacht mit den rohen, halbvertierten Gesichtszügen eines Vagabunden in den Tropen, der sein Leben fristet von Straßenraub, und der vor keinem Mord zurückschreckt, wenn er ihn um seiner eignen Sicherheit willen oder einer besseren Beute wegen für notwendig hält.
Howard dagegen dachte sich den Fremden als den üblichen Goldsucher, robust, wetterfest, Gesicht wie Leder, Hände wie ausgetrocknete Baumwurzeln, keine Gefahr fürchtend und keine Hindernisse kennend, um kein Mittel verlegen, den Sinn und alle Gedanken stier und hartnäckig auf das einzige Ziel gerichtet, Gold zu finden und es rücksichtslos auszubeuten. Er hatte die Vorstellung eines grundehrlichen Goldsuchers von gutem Schlage, der niemals ein Verbrechen begehen wird und einen Mord nur dann verübt, wenn es der Verteidigung seiner Mine oder seiner Beute gilt.
Und nun waren beide überrascht. Der Fremde fügte sich weder in die Vorstellung des Dobbs noch in die des Howard ein. Er sah so ganz anders aus. Diese Tatsache, daß er so anders aussah, als sie ihn sich vorgestellt hatten, und die andre Tatsache, daß er so plötzlich, viel rascher, als sie erwartet hatten, da vor ihren Augen stand, waren der Grund, daß niemand etwas sagte, keiner einen Ausruf des Überraschtseins fand.
Der Fremde stand noch immer still in der schmalen Öffnung, die durch das Gebüsch zum Lager führte. Er schien genau so überrascht zu sein wie die drei Männer, die am Feuer saßen. Er hatte nur den einen Mann, Curtin, hier zu treffen erwartet, und zu seinem Erstaunen fand er drei Männer. Das Maultier schnüffelte an dem Gebüsch herum. Dann roch es wahrscheinlich die Esel der Männer, und es begann zu brüllen. Es stieß aber nur einen Schrei aus. Noch mitten in dem Schrei, ohne ihn zu vollenden, verstummte es, als ob es Angst bekäme vor der Schweigsamkeit, die hier zwischen den Männern herrschte.
Die drei fanden noch immer keine Worte, sie achteten weder auf das Feuer noch auf die Mahlzeit, die auf dem Feuer brodelte. Sie starrten nur immer auf den Fremden, und sie schienen zu erwarten, daß er irgend etwas sage oder irgend etwas täte. Aber er rührte sich nicht.
Nun stand Dobbs auf und ging mit langsamen Schritten auf den Eindringling zu. Er hatte die Absicht, ihn barsch anzufahren, was er hier wolle, wie er hierherkomme, wer er sei. Aber als er nun dicht vor ihm stand, sagte er nur: „Hallo!“ Der Fremde sagte ebenfalls: „Hallo!“
Dobbs hatte die Hände in den Hosentaschen. Er wußte nicht, was er sagen sollte. Dann endlich: „Kommen Sie rüber zum Feuer.“
„Danke“, sagte der Fremde kurz.
Er kam näher, hob den alten Sattel mit den beiden Sackpacken vom Maultier, koppelte die Vorderbeine des Tiers, gab ihm einen Schlag mit der Hand auf den Schinken, und dann trottete es langsam in jene Richtung, wo die Esel weideten.
„Guten Abend“, grüßte er und setzte sich an das Feuer.
Nur Howard antwortete: „Wie geht es?“
„Hm!“ erwiderte der Fremde.
Curtin rührte in den Bohnen herum und schüttelte die Kartoffeln durch. Howard wendete das Fleisch, und Dobbs, der sich noch nicht wieder gesetzt hatte, hackte das Holz kurz und warf es auf.
„Ich weiß wohl, daß ich nicht willkommen bin hier“, sagte der Fremde.
„Das habe ich Ihnen ja unten schon deutlich genug klargemacht.“ Curtin sah nicht auf, während er das sagte.
„Ich kann nicht immer nur mit den Indianern zusammenhocken. Ich würde gern wissen, wie richtige Menschen aussehen.“
„Dann gehen Sie doch raus und sehen Sie sich sie an.“ Howard war recht unhöflich. „Wir wissen auch nicht, was draußen geschieht.“
„Wir sind auch gar nicht interessiert“, warf Dobbs brummig ein. „Wir haben andre Sorgen. Damit Sie es auch gleich wissen, diese andre Sorge sind Sie. Wir können Sie hier durchaus nicht gebrauchen, nicht einmal zum Feueranzünden. Besser, Sie machen sich morgen früh auf und davon. Sonst können wir sehr unangenehm werden.“
Der Fremde sagte nichts darauf. Er saß still und sah zu, wie die andern sich mit dem Abendessen beschäftigten. Als es fertig war, sagte Curtin: „Langen Sie zu und essen Sie. Heute wird es für Sie ja mitreichen. Ob morgen noch, das werden wir erst sehen.“
Die Mahlzeit ging sehr schweigsam vorüber. Wenn einer etwas sagte, so bezog es sich nur auf das Essen, daß das Fleisch nicht gut sei, oder die Bohnen zu hart und die Kartoffeln zu wässerig. Der Fremde mischte sich nicht in das Gespräch. Er aß nur wenig.
Als das Mahl vorüber war, zündeten sich die drei ihre Pfeifen an.
„Haben Sie Tabak?“ fragte Dobbs.
„Ja“, sagte der Mann ruhig, und er begann, sich eine Zigarette zu drehen. Die drei, um nicht ganz stumm dazusitzen und gleichzeitig den Fremden von der Fährte abzulenken, redeten von Jagd. Aber weil sie sich mit Jagd nicht befaßten, so klang ihre Rede nicht sehr überzeugend. Sie hatten auch das Gefühl, daß der Fremde mehr von Jagd verstand und von Fellen und allem, was mit diesem Geschäft zusammenhing, als sie. Dadurch wurden sie unsicher und begannen davon zu sprechen, das Camp hier aufzugeben und nach einer andern Gegend zu ziehen, wo es mehr Großwild gäbe.
„Das ist hier überhaupt keine Jagdgegend“, mischte sich der Fremde plötzlich ein, als die andern gerade eine auffallend lange Gesprächspause machten. „Aber das ist hier eine gute Goldgegend. Hier ist Gold. Ich sah es schon vor einigen Tagen an den alten ausgetrockneten Flußläufen, die hier vom Gebirge herunterkommen.“
„Hier ist kein Gold“, erwiderte Dobbs. „Wir sind lange genug hier, um das zu wissen. Wir würden auch lieber Zahldreck buddeln als jagen. So ein Unsinn!“ fügte er höhnisch lachend hinzu. „Kleinkindergewäsch. Wir sind auch nicht von gestern, und wir können auch Goldklumpen von Kieselsteinen unterscheiden. Brauchen Ihre Ratschläge nicht.“
Er stand auf und ging zum Zelt, um sich schlafen zu legen.
Niemand hatte etwas dazu gesagt, und der Fremde schien die unhöfliche Redeweise des Dobbs nicht übelzunehmen. Vielleicht war er eine solche Art und Weise der Unterhaltung auch gewohnt.
Howard reckte sich und gähnte. Curtin klopfte seine Pfeife aus. Dann standen beide nacheinander auf und gingen langsam ebenfalls zum Zelt. Sie sagten weder „Gute Nacht!“ zu dem Fremden, noch luden sie ihn ein, mit in das Zelt zu kommen.
Der Fremde stand nun auch auf. Er pfiff, und nach einer Weile kam sein Maultier humpelnd heran. Er ging ihm entgegen, klopfte es freundlich auf den Nacken, sprach einige Worte zu ihm, und durch einen Schlag mit der flachen Hand trieb er es wieder seiner Wege.
Dann legte er Holz aufs Feuer, setzte sich und summte vor sich hin. Endlich stand er wieder auf und ging zu seinem Sattelzeug. Er brachte einen der beiden Packsäcke zum Feuer, zerrte eine Decke daraus hervor, rollte sich lang in die Decke ein, legte sich mit dem Kopf auf den Pack, streckte die Füße dem Feuer entgegen und begann zu schlafen.
Drinnen im Zelt wurde geredet. Es war weit genug vom Feuer entfernt, daß der Fremde nichts verstehen konnte. Sie sprachen auch nur halblaut, aber doch sehr eifrig.
„Ich bin aber doch dafür,“ sagte Dobbs, „daß wir ihn uns vom Halse schaffen. Auf irgendeine Weise.“
„Bis jetzt wissen wir doch noch gar nicht, was mit ihm ist.“ Der Alte sagte es in einem beruhigenden Tone. „Er sieht durchaus unschuldig aus. Ich denke auch nicht, daß er ein Spion ist. Sieht nicht danach aus. Würde auch nicht allein kommen und wäre auch nicht so verhungert. Ich denke, er hat etwas auf dem Gewissen. Die sind hinter ihm her, irgendeiner Sache wegen.“
„Man könnte einen Streit mit ihm anfangen,“ sagte Curtin, „und dann wischt man ihm eins für gut.“
„Das hört sich recht drollig an,“ sagte Howard, „aber es ist nicht sehr empfehlenswert. Es ist dreckig.“
„Dreckig hin, dreckig her.“ Dobbs fuhr ihn wütend an. „Wir müssen ihn loswerden, das ist alles. Er ist doch rechtzeitig gewarnt worden.“
Sie redeten noch eine Weile, kamen jedoch immer wieder auf dasselbe heraus, daß er hinweg müsse, aber daß sein Umbringen manche Nachteile habe. Darüber schliefen sie endlich ein.