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Der Schatz der Sierra Madre

Chapter 17: 16
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About This Book

The narrative follows a group of characters, primarily focusing on their desperate quest for wealth in the Sierra Madre mountains. The story explores themes of greed, survival, and the harsh realities of human nature as the characters navigate the challenges of mining for gold. It delves into the moral dilemmas faced by individuals driven by the desire for riches, highlighting the impact of wealth on relationships and personal integrity. The setting serves as a backdrop for the exploration of ambition and the consequences of pursuing material gain, ultimately reflecting on the futility and dangers of such pursuits.

16

er blasse Neid muß es der Donja Maria lassen, daß sie sich den zahlreichen Aufgaben besser gewachsen zeigte als ihr ehemaliger Gatte. Sie fürchtete weder Tod noch Teufel, weder marodierende Banditen noch rebellierende Indianer, und sie wäre sicher auch noch mit der Inquisition in irgendeiner Weise fertig geworden, wenn die Frage an sie herangetreten wäre. Sie war robust, ausdauernd und unternehmend; aber wenn sie damit nicht durchkam, so gewann sie um so sicherer mit ihren diplomatischen Fähigkeiten. Sie konnte lachen, wenn es ihr nützlich erschien, sie konnte weinen, wenn sie das für wertvoller hielt, sie vermochte zu fluchen wie ein Straßenräuber, und sie konnte inniger beten als ein Franziskanermönch. Arbeiten konnte sie für sechs Indianer, und wenn es nicht so ging, wie sie es wollte, dann packte sie mit gesunden Fäusten selbst zu, und die Indianer, ungewohnt, eine Frau so schwere Arbeit scheinbar spielend verrichten zu sehen, gerieten in eine Art von Bann, wo sie tun mußten, was Donja Maria von ihnen verlangte. Das ging so Jahre hin. Schließlich aber bekam sie doch eine solche Sehnsucht nach Spanien, nach einem sauberen Hause, einer guten Küche, einem molligen Schlafzimmer und nach einem Gesponst, mit dem sie hätscheln und tätscheln konnte, daß sie sich eines Tages entschloß, aufzupacken und abzuziehen. Als sie ihr Vermögen überschlug, fand sie, daß es reichen konnte für jeden Luxus, der sich nur ausdenken lasse.

Sie hatte sich einen bewaffneten Schutztrupp herangebildet, der dafür diente, die Mine und die aufgespeicherten Schätze zu bewachen und zu verteidigen. Der Trupp bestand aus Indianern, einigen Mestizen und zwei spanischen Soldaten, die desertiert oder entlassen worden waren. Einer dieser beiden Spanier machte sie zum Führer bei Tage und den andern zum Führer in der Nacht.

Das Metall, von dem etwa ein Sechstel Gold, alles übrige aber gediegenes Silber war, hatte sie in rohe Blöckchen und Barren gegossen, damit es sich leichter transportieren lasse. Diese Blöckchen wurden in Kisten sicher verpackt. Wie groß der Reichtum war, den sie aus der Mine geholt hatte, ist daraus zu ersehen, daß sechzig Maultiere, jedes einzelne bis zur Grenze der Tragfähigkeit beladen, nötig waren, um das Metall abzutransportieren.

Die Karawane mit ihren zwanzig bewaffneten Begleitmannschaften machte sich auf die Reise. Zweitausend Kilometer bis nach der Hauptstadt Mexiko. Keine richtige Straße, über Wüstengelände, über steile Gebirge, durch Flüsse, durch Schluchten und Felsklammen, durch Urbusch und Urwald, durch Dschungelgebiete, einige Tage in den eiseskalten Winden der Sierra, dann in der glühenden Hitze der tropischen Regionen und dann wieder über schneebedeckte Gebirgspartien und wieder durch fieberschwüle Dschungellandschaften.

Und dann kam ein Abend, wo ihr das Lager merkwürdig bewegt erschien. Sie sah näher zu und fand, daß der eine Spanier den Versuch gemacht hatte, die Dinge zu seinen Gunsten zu ändern. Er kam zu ihr und fragte: ‚Wollen Sie mich heiraten oder nicht, Donja Maria?‘ ‚Ich, Sie? Einen solchen Straßenräuber? Einen, der vom Galgen heruntergefallen ist, weil der Henker einen morschen Strick gebraucht hat, statt eines guten neuen?‘ Darauf sagte der Bursche: ‚Ich nehme es auch ganz gern ohne Sie, Senjora. Ich kriege auch noch eine Hübschere.‘ ‚Was nehmen Sie ohne mich?‘ fragte Donja Maria. ‚Was da in den Kisten ist.‘ ‚Nicht, solange ich dabei bin, du Bastard.‘ Der Mann hob die Hand, zeigte rüber, wo die Leute lagerten, und sagte grinsend: ‚Dann sehen Sie nur erst einmal dorthin, vielleicht überlegen Sie es sich mit der Heirat. Eine Stunde will ich schon gern warten.‘ ‚Da magst du auch gut dein ganzes Leben warten, wenn du nicht vorher gehenkt wirst.‘

Sie ging aber doch rüber zu den Leuten und fand, daß der Bursche eine schöne Arbeit geleistet hatte. Der andre Spanier und die Indianer waren gebunden, während die Mestizen auf der Seite dieses Mannes waren und an dem Geschäft teilzunehmen gedachten. Sie standen da, die Pistolen im Gürtel, und sahen die Frau frech und grienend an.

‚Schöne Arbeit, das muß ich sagen‘, meinte Donja Maria zu dem Burschen, der ihr hinterher folgte. ‚Nicht wahr?‘ gab er zur Antwort. ‚Da werden Sie wohl nun nicht mehr lange überlegen und brav und schön ja sagen‘, fügte er hinzu.

‚Nein, da hast du recht, du Hund von einem Bastard, da werde ich nicht lange überlegen‘, sagte sie. Gleichzeitig hatte sie von einem der Sättel, die auf dem Boden lagen, eine Peitsche ergriffen, und ehe der Mann auch nur sah, was los war, hatte sie ihm einen erbarmungslosen Hieb quer über das Gesicht gezogen, der seine Augen blendete. Er taumelte, und sie ließ blitzschnell ein halbes Dutzend über sein Gesicht nachfolgen. Dann brach er zusammen und rührte sich nicht mehr. Aber sie fing erst an. Die Mestizen waren so erstaunt über das, was sie sahen, daß sie weder an Fortlaufen noch an Schießen dachten. Und als sie zum Bewußtsein kamen, was mit ihrem Führer geschehen war, sausten ihnen auch schon die Peitschenhiebe über das Gesicht. Die nicht fielen, begannen, mit den Armen ihr Gesicht bergend, zu rennen. Donja Maria sprang zu dem andern Spanier und schnitt die Stricke, mit denen er gefesselt war, mit ein paar kurzen Rucken auf. Der befreite sofort die Indianer, und die waren im Nu auf den Pferden und lassoten die Mestizen ein.

‚Häng’ den Bastard‘, rief Donja Maria und zeigte auf den Spanier, der sie zu heiraten gedacht hatte und der sich schwerfällig vom Boden zu erheben begann. Eine halbe Minute später hing er. ‚Was habe ich dir Hund gesagt?‘ rief sie ihm zu, während die Indianer ihn hochzogen. ‚Ich habe dir doch gesagt, daß du vorher gehenkt wirst. Und mit euch?‘ wandte sie sich den Mestizen zu. ‚Euch müßte ich auch hängen lassen. Aber ich werde euch noch ein Loch offen lassen, ihr lauft ja doch alle dem Henker in die Schlinge, und ich will ihm nicht das Geschäft verderben. Aber das kann ich euch sagen, wenn ihr das noch einmal versucht, peitsche ich euch persönlich, bis die Fetzen von eurem Kadaver hängen, dann lasse ich euch rösten und darauf hängen. Ihr braucht nicht zu bleiben, könnt gleich gehen, brauche euch nicht. Lohn kriegt ihr nicht, und die Pistolen nehme ich euch auch wieder ab. Aber wenn ihr durchaus bleiben wollt, schenke ich euch in Mexiko die Pistolen, die Sättel und die Pferde, die ihr reitet. Höre mal, du Spanier,‘ sie ging nun zu dem Manne hin, der auf ihrer Seite war, ‚wie heißt du? Ja, Rügo. Wenn wir in Mexiko sind, kriegst du‘ – sie hatte sagen wollen ‚das ganze Maultier‘, überlegte es sich aber noch rechtzeitig und sagte: ‚da kriegst du die rechte Seitenladung des Mulas da drüben, und die Indianer kriegen die halbe Ladung der linken Last, die können sie sich teilen.‘ Damit war die Meuterei zu Ende.

Da waren aber auch die marodierenden Horden, mit denen man sich herumzubalgen hatte und gegen die sie die Fracht auf Blut und Leben zu verteidigen hatte. Was scherten sich die Horden um Blut und Leben? Die kämpften bis auf den letzten Tropfen, denn es gab immer nur zu gewinnen, und auf das Leben, das sie dagegen einsetzten, pfiffen sie, weil darüber ja sowieso schon lange in einem Gerichtsurteil, oft in mehreren, endgültig verfügt war.

Es fiel auch ein Tier mit seiner Ladung in die Schlucht, und die Ladung mußte geborgen werden, oder ein Tier sank mit seinem Reichtum in einen Sumpf oder verschwand beim Überschreiten eines Flusses. Es war noch sehr in Frage zu stellen, ob es leichter war, die Schätze aus der Mine zu holen, oder ob es leichter war, die Schätze sicher nach Mexiko zu bringen, ohne daß das Leben der Donja Maria auf der Strecke blieb.

Sie durchlebte auf der Reise eine wahrhaft beklagenswerte Zeit, und wenn sie an die harte Zeit der vielen Jahre bei der Mine zurückdachte, so war jene Zeit nicht weniger beklagenswert gewesen. Nie war sie ihres Lebens froh gewesen, seit sie im Besitze der Mine war. Und sie wußte sich nicht einer einzigen Stunde zu erinnern, wo sie sich ihres Lebens oder ihres Schatzes vollkommen sicher gefühlt hatte. In Wahrheit, wenn sie an alles dachte und sich aller Tage erinnerte, so hatte sie das erbärmlichste Leben geführt, das sich nur denken läßt, ein Leben, viel erbärmlicher als das eines Tieres. Immer in Furcht, immer in Sorgen. Schwere Träume störten ihren Schlaf, und sie fand nie eine Erholung aus den qualvollen Gedanken, die sie hetzten und jagten während des Tages. In all dem Jammer ihres traurigen Daseins hatte sie nur ein, nur ein einziges leuchtendes und strahlendes Bild: jenen Augenblick, wenn sie ihren Schatz abgeliefert hatte in dem Sicherheitshause der königlichen Regierung in Mexiko.

Dieser Augenblick, den zu erleben sie ein so erbarmungswürdiges Dasein während der letzten Jahre geführt hatte, kam. Sie erreichte die Stadt Mexiko, ohne daß sie auch nur einen Barren ihres kostbaren Gutes verloren hätte. Sie wurde vom Vizekönig persönlich empfangen, und es wurde ihr die hohe Ehre zuteil, daß der Vizekönig sich mit ihr in Privataudienz lange unterhielt. Ihre Freude und ihre Dankbarkeit gegen den hohen Herrn kannte kaum noch irgendwelche Grenzen, als er ihr versprach, daß er den Schatz, den sie in so harter entsagungsreicher Arbeit erworben habe, in den Gewölben aufbewahren wolle, die sonst nur der Verwahrung des königlichen Schatzes und der Staatsgelder dienen.

Das war viel mehr, als Donja Maria je erhofft hatte. Nirgends in ganz Neu-Spanien, nicht einmal in den Katakomben der Kathedrale oder in einem Kloster war ihr Schatz so gut verwahrt und so sicher aufgehoben wie in den festen Gewölben der Regierung und unter der persönlichen Verantwortung und Bürgschaft des Vizekönigs, der höchsten Macht im Lande. Hier endlich lag ihr Schatz sicher und wohlverwahrt, bis sie ihn unter militärischer Bedeckung zum Schiff transportieren und dann mit sich nach dem Lande ihrer Sehnsucht nehmen konnte. Sie versprach dem Vizekönig für seine gnädige Fürsorge, die er ihr angedeihen ließ, einen Anteil an ihrem Schatze, der hoch genug war, daß selbst ein Vizekönig in Neu-Spanien ihn einen fürstlichen Anteil nennen konnte.

Dann zahlte sie ihren Leuten die Löhne und entließ sie. Hierauf suchte sie ihren Gasthof auf, den besten, den die Stadt hatte.

Und nun endlich, nach so vielen Jahren, konnte sie sich ruhig zum Schlafe niederlegen. Zum ersten Male seit Jahren konnte sie ruhig aufatmen, ruhig und bedachtsam und ungestört essen. Endlich durfte sie auch einmal andre und schönere Gedanken haben, als sie in allen den Jahren in ihrem Hirn herumzuwälzen gehabt hatte.

Aber dann geschah etwas, was sie nicht erwartet hatte, obgleich es keineswegs merkwürdig, sondern ganz natürlich war. Der Schatz verschwand nicht und wurde auch nicht aus den Gewölben bei Nacht und Nebel gestohlen. Aber etwas andres verschwand. Donja Maria hatte sich in dem Gasthofe zum Schlafe niedergelegt, wohlgeborgen in einem weichen, herrlichen Bett. Aber niemand hatte sie wieder aufstehen sehen. Niemand hat je wieder etwas von Donja Maria gesehen. Niemand hat je wieder etwas von ihr gehört. Sie war verschwunden, und kein Mensch konnte angeben, wo sie geblieben war.

Das ist eben sehr einfach,“ so schloß Howard seine Erzählung, „die Donja Maria hatte nur eins vergessen, daß Gold auch manchmal unsichtbar macht. Ich wollte euch die Geschichte ja auch nur erzählen, um euch zu zeigen, daß der Transport ebensogut seine Schwierigkeiten hat wie das Suchen und das Graben. Und selbst wenn man alles so schön in Sicherheit zu haben glaubt, so ist das dann noch nicht entschieden, ob man sich davon auch nur eine Tasse Kaffee wird kaufen können. Das alles ist ja der Grund, warum Gold so teuer ist.“

„Gibt es denn da keine Möglichkeit,“ sagte Curtin, „daß man vielleicht herausfinden kann, wo die Mine war? Die Frau hat doch nicht alles ausgebeutet, die hat doch genug zurückgelassen.“

„Die Mine kannst du sehr leicht finden,“ erwiderte Howard, „aber du kommst zu spät. Die wird von einer großen Minengesellschaft ausgebeutet, und sie hat der Gesellschaft schon zehnmal mehr eingebracht, als sie der verschwundenen Senjora gebracht hatte. Die Mine scheint in der Tat unerschöpflich zu sein. Kannst sie ganz leicht finden, sie heißt ‚Donja-Maria-Mine‘, und sie liegt in der Nähe von Huacal. Kannst arbeiten da im Wochenlohn, wenn es dir Vergnügen macht.“

Die Männer saßen noch eine Weile um das langsam verglimmende Feuer, und dann begannen sie aufzustehen. Sie reckten sich, traten mit den Füßen auf den Boden und wollten hinüber zum Zelt gehen.

„Die Geschichte ist schon mehr als hundert Jahre alt“, sagte da Lacaud.

„Das hat ja niemand bestritten“, sagte Dobbs.

„Ich weiß aber eine Geschichte, die nur zwei Jahre alt ist und die ebensogut ist oder noch besser.“

„Ach, halt’s Maul,“ sagte Dobbs gähnend, „wir wollen deine Geschichte nicht hören, auch wenn sie nur eine Woche alt sein sollte. Deine Geschichte kennen wir schon, die interessiert uns ebensowenig wie du. Und wenn du gar nichts sagst, so ist uns das schon am liebsten. Du bist ja ein Ewiger.“

„Ein was?“ fragte Lacaud.

„Ein Nischt“, sagte Dobbs und trottete hinter den beiden, die vorausgegangen waren, nun auch zum Zelt hinüber.

Am folgenden Morgen, dem vorletzten, den sie hier zu verbringen gedachten, waren die drei so aufgeregt, daß sie sich kaum Ruhe nahmen, zu frühstücken. Sie krochen in ihre geheimen Verstecke, und jeder brachte sein Häuflein Arbeitsgut hervor. Es waren Körnchen, Sand und Staub, sorgfältig eingedreht in altes Zeltleinen und mit einem Bindfaden verschnürt. Jeder besaß ein ganz ansehnliches Häufchen solcher Säckchen. Die Aufgabe war nun, diese Säckchen gut und unauffällig zu verpacken. Sie kamen in getrocknete Wildhäute, und so wurden nun festverschnürte Packen gemacht, die durchaus den Anschein erweckten, als seien sie Packen, die nur aus trockenen Fellen bestanden. Diese Packen kamen hierauf in Säcke, und die Ladung war fertig.

Dobbs und Curtin gingen dann auf die Jagd, um noch ein Stück Wild zu bekommen für die Reise. Howard zimmerte Tragsättel für die Esel und überholte das Riemen- und Leinengut, damit sie auf der Reise nicht durch Brüche der Verpackungen aufgehalten würden. Lacaud war wieder seine eigenen Wege gegangen und stöberte in dem Gebüsch in der Nähe der Weidefläche herum. Aber er sagte nicht, was er suche, und von den dreien fragte ihn niemand. Sie betrachteten sein Gebaren weder mit dem Ausdruck von Mitleid noch mit dem von Spott. Mitleid war ihnen fremd, und um ihn zu verhöhnen, dazu fühlten sie sich nicht interessiert genug. Es war ihnen nunmehr ganz gleichgültig, was der Mann tat, solange er ihnen keine Unbequemlichkeiten bereitete. Selbst wenn er einen Berg aus gediegenem Golde gefunden haben würde, sie wären noch sehr im Zweifel gewesen, ob sie ihren Plan, am folgenden Morgen abzureisen, auch nur um einen Tag verschoben hätten. Sie hatten sich in die sofortige Abreise so sehr verbissen, daß nichts sie hätte aufhalten können. Sie waren mit einem Male der Einsamkeit, der Schufterei und der harten Lebensweise so überdrüssig geworden, daß sie nichts nennen konnten, was sie bewogen haben könnte, auch nur einen Tag länger hierzubleiben. Ihre Stimmung war so, daß sie Lacaud halbtot geprügelt haben würden, wenn er auch nur den Versuch gemacht haben würde, sie zu überreden, noch eine Woche hier zu verweilen, weil er einer großen Sache auf der Spur sei. Als Howard so nebenbei hinwarf, daß Lacaud genau zu wissen scheine, was er wolle, denn er handle nicht ganz so träumerisch wie ein Ewiger, da sagte Curtin: „Mich kann nichts verführen. Er könnte mir ein Stück bringen so groß wie meine Faust. Ich will es gar nicht haben.“

„Haben? Warum nicht?“ sagte Dobbs. „Haben schon. Aber wie fortkriegen? Wir können das, was wir haben, ja schon kaum heimkriegen. Ich will nichts mehr, oder er müßte es mir schon nach Durange bringen. Also nun ruhig davon.“

Diesen Abend saßen sie ziemlich schweigsam am Feuer. Jeder war mit seinen Gedanken und Plänen viel zu sehr beschäftigt, als daß er etwas erzählt hätte, oder als daß er einem andern in Ruhe hätte zuhören können. Es war noch dunkel, als sie das Zelt abbrachen und sich auf den Weg machten.

„Du bleibst wohl noch hier?“ fragte Curtin den Lacaud.

„Ja, ich habe hier noch zu tun“, sagte der.

„Dann viel Glück, Junge. Vielleicht haben wir später einmal Zeit, deine schöne Geschichte zu hören“, meinte Dobbs lachend. „Dann kannst du vielleicht auch Beweise bringen.“

Lacaud schob die Hände in die Taschen und antwortete: „Beweise? Beweise, sagst du? Die kann ich jetzt schon bringen. Aber ihr habt ja keine Zeit.“

„Die haben wir auch nicht“, sagte Dobbs. „Darum müssen wir jetzt gehen. Wir haben es eilig, ins Trockne zu kommen.“

Howard gab Lacaud die Hand und sagte: „Ich habe dir da Salz, Pfeffer und noch einige andre Kleinigkeiten zurückgelassen, die uns nur im Wege sind. Kannst du vielleicht brauchen. Da liegt auch noch ein Stück Zelttuch. Magst du auch haben, ist gut für den Regen in der Nacht.“

„Danke“, erwiderte Lacaud.

Auch Dobbs und Curtin schüttelten Lacaud die Hand. Dobbs gab ihm Tabak, und Curtin gab ihm eine Handvoll Patronen. Jetzt, als sie schieden, wurden sie mit einemmal Freunde. Curtin hatte es bereits auf der Zunge, ihn einzuladen, mit ihnen zurückzugehen, weil es ja hier für ihn fürchterlich sein müsse, allein in dem Dickicht zu hocken, und wo gar keine Hoffnung sei, etwas zu finden, weil sie lange genug hier gewesen seien und jedes Steinchen umgewendet hätten und sie genau wüßten, was und was nicht hier zu finden sei. Aber er sagte es nicht und sagte nur: „Good bye.“

Howard hatte ein ähnliches Verlangen. Er wollte ihn ersuchen, mitzukommen, und er gedachte, ihm eine Anstellung in seinem Kino zu geben, als Vorführungsoperateur oder als Hausverwalter. Aber auch er sprach das nicht aus, gab ihm nur die Hand und sagte nur: „Good luck.“

Und Dobbs dachte, daß ein Mann mehr auf der Reise nicht schaden könne, es sei ein Schutz mehr gegen Banditen, und wenn man die Ladung auf vier Mann verteile, sehe sie nicht so auffällig aus, aber er schüttelte ihm die Hand nur kräftig und sagte freundlich: „So long.“

Lacaud hatte jedem ebenfalls ein kurzes Wort zum Abschied gesagt, dann stand er eine Weile und sah den Leuten nach. Als er sie nicht mehr sehen konnte, drehte er sich zum Feuer, stieß mit der Stiefelspitze darin herum und sagte laut: „Schade.“