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Der Schatz der Sierra Madre

Chapter 18: 17
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About This Book

The narrative follows a group of characters, primarily focusing on their desperate quest for wealth in the Sierra Madre mountains. The story explores themes of greed, survival, and the harsh realities of human nature as the characters navigate the challenges of mining for gold. It delves into the moral dilemmas faced by individuals driven by the desire for riches, highlighting the impact of wealth on relationships and personal integrity. The setting serves as a backdrop for the exploration of ambition and the consequences of pursuing material gain, ultimately reflecting on the futility and dangers of such pursuits.

17

ie Reisenden hatten mit ihrem Packzuge einen weiten Umweg zu gehen, um zu vermeiden, das Dorf, wo Curtin die Einkäufe zu machen pflegte, nicht zu berühren und nicht von den Bewohnern gesehen zu werden. Sie wollten die Leute des Dorfes in dem Glauben lassen, daß Curtin noch immer dort oben sei. Als sie weit aus dem Bereiche des Dorfes waren, blieben sie auch nicht auf den Wegen, sondern wanderten Pfade, wo sie sicher waren, selten jemand zu begegnen. Je weiter sie aus dem Distrikt sich entfernten, desto mehr durften sie hoffen, ungesehen die Stadt zu erreichen. Waren sie erst einmal in der Stadt, dann waren sie und ihr Gut in Sicherheit. Da gingen sie in ein Hotel, packten alles schön um und setzten sich mit unauffälligen Koffern in die Bahn.

Sie hatten jetzt kaum noch bares Geld in der Tasche, einige Pesos, und die sollten reichen bis zur Stadt. Dort konnten die Esel und was man sonst nicht brauchte, verkauft werden, und das gab dann das Fahrgeld. Aber die Stadt mußte erst geschafft werden. Und das erforderte seine Zeit. Die Entfernung war nicht so erheblich. Aber die Wege wollten sie nicht gehen, weil sie dort leichter Banditen oder Landpolizei treffen konnten als auf den versteckten Pfaden. Je weniger Leuten sie begegneten, um so lieber war es ihnen.

Nun liefen die Pfade nicht alle so, wie sie es gewünscht hätten. Alle Pfade führen entweder zu einem Dorf oder zu einer menschlichen Behausung. Da stießen sie zuweilen ganz plötzlich auf ein Dorf, wenn sie es weder erwartet noch gewollt hatten. Und waren sie erst einmal in Sicht eines Dorfes, so konnten sie nicht gut umkehren. Das hätte sie verdächtig gemacht.

So kamen sie am zweiten Tage in ein Indianerdorf. Es hatte sich nicht vermeiden lassen. Sehr ungewöhnlich ist es nicht, daß eine Eselkarawane durch einen Ort zieht. Daß nur weiße Männer diese Karawane führen, ist zwar selten, aber es machte sich niemand Gedanken darüber, weil die Weißen ja manchmal recht merkwürdige Ideen haben.

Als sie nun mitten im Ort waren, sahen sie vor einer Hütte vier Mexikaner stehen. Drei von ihnen hatten einen Patronengürtel umgeschnallt und hinten auf der Hüfte den Revolver.

„Das ist Polizei“, sagte Dobbs zu Howard. „Jetzt sitzen wir drin.“

„Scheint wahrhaftig Polizei zu sein“, erwiderte der Alte.

Dobbs hielt die Esel an, aber Howard stieß ihn an und sagte: „Nur keine Dummheiten jetzt. Wenn wir so plötzlich anhalten oder gar umkehren, dann sind wir fertig. Dann merken die gleich, daß hier etwas nicht stimmt. Nur ganz ruhig darauflos, als ob wir ein klares Gewissen hätten. Das haben wir ja auch. Es ist nur wegen der Taxe und der nicht eingeholten Lizenz.“

„Kann uns aber den ganzen Bettel kosten.“ Dobbs fluchte.

Inzwischen kam auch Curtin näher.

„Was will denn der Mann mit der Brille?“ fragte er und deutete mit dem Kopf hinüber zu dem Manne, der nicht bewaffnet war, und der am Eingang zu der Hütte stand und offenbar mit den Bewohnern redete.

„Ist wahrscheinlich ein Regierungskommissar“, sagte Dobbs. „Weiß der Henker, was hier los ist. Laß uns ganz ruhig weitergehen.“

Die Mexikaner hatten die Ankommenden nicht bemerkt. Erst als sie den Platz erreichten, wo die Hütte stand, drehte sich einer der Polizeileute nach ihnen um. Dann schien er den andern etwas zu sagen, und darauf drehten sich alle um und sahen den Reisenden nach, die gemächlich weitergingen. Als sie schon den Platz beinahe überschritten hatten, rief mit einem Male einer der Männer ihnen nach: „Hola, Senjores, un momento!“

„Nun sitzen wir fest“, sagte Dobbs halblaut.

„Ich gehe rüber, allein,“ schlug Howard vor, „ihr bleibt hier bei den Eseln. Ich will hören, was die wollen.“

Howard ging hinüber. Als er vor den Männern stand, sagte er: „Guten Tag, womit können wir dienen?“

„Kommen Sie von den Bergen runter?“ fragte einer der Beamten.

„Ja, wir haben gejagt.“

„Sind Sie alle geimpft?“ fragte der Mann nun.

„Ob wir was? Ob wir geimpft sind?“ Howard sprach es mit leichten Worten, denn er hatte sofort erkannt, was die Männer hier wollten.

„Freilich, wir sind alle geimpft. Schon als ganz kleine Kinder. Das ist bei uns gesetzlich. Ich bin sicher schon zehnmal geimpft worden in meinem Leben.“

„Wann das letztemal?“

„Vor zwei Jahren.“

„Haben Sie das Certificado bei sich?“

Howard lachte: „Das trage ich doch nicht immer in der Tasche.“

„Natürlich nicht“, sagte nun der Mann. „Aber dann muß ich Sie jetzt hier impfen. Wir sind die Impfkommission, und wir müssen jeden impfen, den wir hier in den Dörfern treffen.“

Der Mann mit der Brille ging in die Hütte und kam mit seinem Kasten hervor. Er öffnete ihn, Howard entblößte den Oberarm, und der Mann kratzte ihm mit der Nadel ins Fleisch. „Mit Ihnen haben wir es leichter als mit den Leuten hier“, sagte er lachend. „Hier die Leute müssen wir auflauern, die rennen in die Berge und in das Dickicht, weil sie glauben, wir wollen ihnen den Kopf abschneiden.“

„Ja,“ meinte einer der Polizeimänner, während er ein Buch herausnahm, „hier die gesamte Einwohnerschaft zu impfen, kostet uns mehr Mühe, als wenn wir eine Horde Banditen einfangen sollen. Aber die Seuche nimmt überhand, wenn wir nicht alles hier zum Impfen herankriegen. Die Kinder, das ist das Schlimmste. Die Frauen machen ein Geschrei, als ob wir die Kinder ermorden wollten, und kämpfen wie Wahnsinnige mit uns, wenn wir die Nadel ansetzen wollen. Da, sehen Sie mein Gesicht, ganz zerkratzt von den Weibern, und hier mein Kollege hat eine schwere Beule am Kopfe, wo ihn die Weiber mit einem Stein getroffen haben. Wir sind schon vier Tage hier. Alle haben sich verkrochen, und wir müssen sie aushungern, bis sie wieder hereinkommen. Nach und nach kommen sie ja, weil sie gesehen haben, daß die Kinder, die wir schon geimpft haben, noch immer am Leben sind. Aber wie sollen wir es ihnen denn klarmachen, daß wir nur zum Besten der Leute und ihrer Kinder hier arbeiten.“

Während der Zeit hatte er in dem Buche herumgeblättert und kam zu den leeren Blättern.

„Schreiben Sie hier auf beide Seiten Ihren Namen hin“, sagte der Beamte.

Howard schrieb und gab das Buch zurück.

„Ihr Alter?“

Der Beamte schrieb es ein, unterschrieb das Blatt, riß die eine Hälfte des Blattes an der perforierten Linie aus und gab sie Howard.

„Hier haben Sie Ihr Certificado, diesen andern Abschnitt behalten wir in unserm Buch. Schicken Sie Ihre beiden Kameraden auch herüber. Es wird ihnen nichts schaden, auch wenn sie schon zehnmal geimpft sind.“

„Was habe ich denn nun zu bezahlen?“ fragte der Alte. „Wir sind sehr knapp mit Geld.“

„Da haben Sie nichts zu bezahlen. Das kostet nichts. Bezahlt die Regierung.“

„Das wäre ja dann recht billig“, sagte Howard lachend und schob den Ärmel herunter.

„Wir wissen ja,“ sagte nun einer der andern Beamten, „daß Sie alle geimpft sind, oder wir nehmen es wenigstens an. Aber wir tun es hier mit Vorliebe, daß wir Sie impfen. Wir sind recht dankbar, daß Sie gerade hier zur rechten Zeit vorbeikommen. Die Einwohner hier, die sehen von ihren Verstecken aus ja jede Bewegung, die wir machen. Darum haben wir uns auch gerade diese Hütte ausgesucht, die steht am freiesten. Wenn die Leute nun sehen, daß wir keinen Unterschied machen zwischen Indianern und Weißen, und daß Sie hier Ihren Arm hinhalten, als ob Sie das jeden Tag täten, so bekommen die Leute Vertrauen und sehen, daß es nicht das Leben kostet.“

Howard ging hinüber und schickte Dobbs und Curtin zum Impfen.

„Ich wüßte nicht, was ich lieber täte,“ sagte Curtin lachend, „jeden Augenblick dachte ich, sie werden kommen und dumme Fragen machen.“

„Wenn es dir Vergnügen macht,“ sagte Howard, „dann kannst du denen erzählen, was du in den letzten Monaten getan hast. Die haben kein Interesse für deine Familienangelegenheiten. Die sind die Impfkommission, und alles, was nicht mit Impfen zu tun hat, läßt sie kalt. Die impfen einen verfolgten Banditen, der gerade vorüberkommt, und lassen ihn laufen. Es gehört nicht zu ihrem Geschäft, Banditen einzufangen.“

„Na, na,“ unterbrach Dobbs, „besser, du hältst das Maul, wir lassen uns impfen, und dann sofort weiter.“

„Habe ich denn gesagt, daß wir uns hier niederlassen sollen?“

„Aber du redest gerade so, als ob wir denen um den Hals fallen sollten“, sagte Dobbs und trottete hinüber zu der Hütte.

Howard schüttelte den Kopf mit einer bedauernden Gebärde und wandte sich an Curtin: „Dieser Dobbs ist ohne Humor, was ich immer sage. Ich falle doch lieber einer Impfkommission um den Hals als einer Polizeitruppe, die Minen kontrollieren geht, in die Hände. Nun laufe nur rüber, Curtin, und lasse dir dein Papier geben, daß wir weiterkommen.“

Am Abend lagerten sie in der Nähe des Örtchens Amapuli. Sie hatten dort bleiben müssen, weil man ihnen gesagt hatte, daß sie bis zur nächsten Wasserstelle vor Einbruch der Nacht nicht kommen könnten.

Während sie noch ihr Abendessen bereiteten, kamen vier Indianer des Dorfes zu ihrem Lager. Sie grüßten und fragten sehr höflich, ob sie sich niedersetzen dürften.

„Como no?“ sagte Howard. „Warum nicht, Sie stören uns in keiner Weise.“

Die vier Indianer saßen eine Weile und sahen zu, wie die Fremden ihr Fleisch rösteten und ihren Reis kochten.

„Sie kommen gewiß von weit her,“ sagte endlich einer der Indianer, „und Sie wollen gewiß noch weit reisen? Sie sind wohl sicher sehr kluge Männer.“

Curtin sagte: „Wir können Bücher lesen, und wir können Briefe schreiben, und wir können mit Zahlen rechnen.“

„Mit Zahlen?“ fragte einer. „Zahlen? Das kennen wir nicht.“

„Zehn ist eine Zahl,“ erklärte Curtin, „und fünf ist eine Zahl.“

„Oh,“ meinte nun einer der Besucher, „das ist nur halb. Zehn ist nichts, und fünf ist nichts. Sie meinen zehn Finger oder fünf Bohnen oder drei Hühner, nicht wahr?“

„So ist es“, mischte sich Howard ein.

Die Indianer lachten, weil sie es verstanden hatten, und einer sagte: „Zehn kann man nicht sagen. Man muß immer sagen, was zehn? Zehn Vögel oder zehn Bäume oder zehn Männer. Wenn man zehn oder drei oder fünf sagt, ohne daß man auch sagt, was man meint, so ist das ein Loch, und das ist leer.“

Dann lachten sie wieder. Nach einem längeren Schweigen sagte dann einer: „Mein Sohn ist ins Wasser gefallen. Wir haben ihn gleich wieder gefischt. Aber ich glaube nicht, daß er tot ist. Er wacht aber nicht auf. Sie haben gewiß Bücher gelesen und wissen, was man tun kann.“

Howard fragte: „Wann ist Ihr Sohn ins Wasser gefallen? Gestern?“

„Nein, heute nachmittag. Aber er wacht nicht auf.“

„Ich werde mit Ihnen gehen und mir Ihren Sohn ansehen“, sagte Howard. „Ich werde sehen, ob er tot ist.“

Die Männer standen auf, und Howard ging mit ihnen. Sie kamen in ein Haus, das aus getrockneten Lehmziegeln gebaut war. Auf einem Tische lag eine Matte, und auf der Matte lag der Verunglückte.

Howard sah ihn sehr sorgfältig an, hob die Augendeckel, legte sein Ohr auf die Brust, fühlte die Hände und Füße ab und sagte: „Ich will einmal versuchen, ob er zu sich kommt.“

Er machte eine Viertelstunde lang Atembewegungen, dann ließ er dem Jungen heiße Umschläge auf den Leib legen, rieb die Füße und Hände, und als er sein Ohr wieder auf die Brust legte, fand er, daß das Herz zu schlagen begann. Nach einer Stunde begann der Junge selbst zu atmen, und wenige Minuten darauf öffnete er die Augen.

Die Männer und Frauen, die in der Hütte standen, hatten der Tätigkeit des Fremden zugesehen, ohne einen Laut zu äußern. Die beiden Frauen, die sich mit dem Erwärmen der Umschläge befaßten, verständigten sich nur durch Gesten oder durch ein leise geflüstertes Wort. Selbst jetzt, als der Junge völlig erwacht war, trauten sich die Leute nicht zu sprechen.

Howard nahm seinen Hut, setzte ihn auf und ging zur Tür. Niemand hielt ihn zurück, und niemand sagte etwas. Nur der Vater kam ihm nach, gab ihm die Hand und sagte: „Vielen Dank, Senjor.“ Dann ging er wieder zurück in sein Haus.

Es war nun finster geworden, und Howard hatte Mühe, das Lager zu finden. Aber der Lichtschein des Feuers zeigte ihm endlich den Weg.

„Was hast du denn ausgerichtet?“ fragte Dobbs.

„Kleinigkeit“, sagte Howard. „Künstliche Atmung, und da kam er schon. Hatte nur gerade einen Schock. Wäre sicher nach ein paar Stunden selbst hochgekommen ohne Hilfe. Hat gerade ein Maulvoll Wasser abbekommen. Habt ihr mir noch etwas übriggelassen vom Fleisch?“

Vor Sonnenaufgang waren sie schon wieder auf dem Marsche. Sie wollten recht bald Tomini erreichen und versuchen, dort das Hochgebirge zu kreuzen.

Als sie ihre Mittagsrast beendet hatten, die Esel aufgepackt waren und sie eben begannen, die Tiere auf den Weg zu bringen, sagte Curtin: „Was ist denn da los? Sieht ja aus, als ob wir jemand auf den Hacken haben.“

„Wo?“ fragte Dobbs. „Ja, jetzt sehe ich. Indianer auf Pferden. Die brauchen doch aber nicht gerade auf unsern Hacken zu sein. Können doch ebensogut auf einem Spazierritt sein oder zu Markt reiten.“

Es dauerte nicht lange, und die Reiter waren herangekommen. Sie erkannten die vier Indianer, die ihnen gestern abend den Besuch abgestattet hatten, und außerdem waren da noch zwei Männer, die Howard in dem Hause gesehen hatte.

Die Männer grüßten, und dann sagte der eine: „Aber, Senjores, warum sind Sie uns denn fortgelaufen?“

Howard lachte und sagte: „Wir sind nicht fortgelaufen, aber wir müssen weiterreisen, wir müssen zur Stadt. Wir haben dort wichtige Geschäfte, die eilig sind.“

„Oh,“ sagte der Indianer, dessen Sohn in Lebensnöten gewesen war, „Geschäfte können warten. Geschäfte sind nicht eilig. Es gibt noch mehr Tage, nicht nur heute und nicht nur morgen und nicht nur übermorgen. Aber ich muß Sie doch erst einladen. Ich kann Sie doch nicht fortlassen. Sie haben meinem Sohn das Leben wieder zurückgegeben. Dafür müssen Sie mein Gast sein. Zwei Wochen. Ach, das ist zu wenig. Sie müssen sechs Wochen lang mein Gast sein. Ich habe Land. Ich habe viel Mais. Ich habe Kühe. Ich habe viele Ziegen. Ich gebe Ihnen jeden Tag einen guten Truthahn zu essen und Eier und Milch. Meine Frau wird Ihnen jeden Tag Tamales machen.“

„Wir danken Ihnen von ganzem Herzen,“ sagte Howard, „aber wenn wir nicht rechtzeitig in der Stadt sind, verlieren wir unser Geschäft.“

„Geschäfte laufen nicht davon“, sagte nun ein andrer der Indianer. „Geschäfte sind zäh wie das Fleisch einer alten Ziege. Geschäfte machen Sorgen. Warum wollen Sie sich Sorgen machen, wenn Sie es so gut bei uns haben sollen. Sie werden keine Sorgen haben, und wir haben auch Musik und Tanz.“

„Nein, wir müssen gehen, wir müssen ganz bestimmt zur Stadt“, sagte Dobbs, und er wurde ein wenig ärgerlich.

„Wir haben Ihr Geschenk angenommen,“ sagte nun der Vater, „und Sie müssen auch unser Geschenk annehmen.“

Als die Indianer sahen, daß es schwieriger war, die Fremden zu Gast zu bitten, als sie sich gedacht hatten, sagte einer: „Die beiden jüngeren Männer mögen ruhig gehen, aber du,“ und er wendete sich Howard zu, „du darfst nicht gehen. Der Sohn meines Bruders würde sicher sterben, wenn wir dich nicht zu Gaste bitten. Wir müssen deine Medizin bezahlen, weil du so gut warst zu dem Jungen.“

So verärgert die drei Reisenden auch waren, so sehr sie sich wehrten, sie konnten nicht entkommen. Sie waren umringt von den sechs Männern und waren in deren Gewalt.

Endlich kam Dobbs auf einen Gedanken. Er sagte zu Howard: „Die Dummheit, die wir gestern getan haben, läßt sich nicht rückgängig machen. Die sind zufrieden, wenn du bleibst. Sie wollen nur dich hierbehalten. Wir gehen weiter, und du kannst später nachkommen. Das ist der einzige Ausweg.“

„Du hast gut reden“, sagte Howard. „Aber was wird aus meinen Packen?“

„Die behältst du bei dir“, sagte Curtin.

Dobbs widersprach und sagte: „Würde ich nicht raten. Die stöbern das durch und nehmen es dir weg, oder sie reden herum, und es kommt heraus, und wenn die dich nicht erschlagen, dann hören Banditen davon und lauern dir auf.“

„Was soll ich denn nun tun?“ fragte Howard.

„Wir nehmen dein Gut mit und liefern es bei der Bank auf deinen Namen ein. Oder traust du uns etwa nicht?“ Das sagte Dobbs.

„Trauen? Warum nicht trauen?“ Howard lachte und sah von einem zum andern. „Wir haben ja beinahe ein ganzes Jahr zusammen gelebt und zusammen gearbeitet. Da war doch immer etwas zu trauen. Oder etwa nicht?“

Und da ihnen nichts weiter übrigblieb, mußten sie zu einer Entscheidung kommen, mit der auch die Indianer zufrieden waren. Denen war es nur darum zu tun, Howard ihre Dankbarkeit zu erweisen. So schien es der beste Ausweg zu sein, daß Howard den beiden Arbeitsgenossen sein Gut übergab. Beide übernahmen die Verantwortung für die Ablieferung, und beide gaben ihm einen Zettel, auf dem sie das Gut quittierten, soundso viele Säckchen, jedes ungefähr das gleiche Gewicht von soundso vielen Gramm ausgewaschenen Sandes.

„Und wo liefert ihr es ab?“ fragte Howard.

„Wir geben es in ein Safe der Banking Company in Tampico, auf deinen Namen“, sagte Curtin.

„Gut denn“, sagte Howard, und sie schieden voneinander.

„Ist ja nur ein paar Wochen, Alter“, sagte Curtin. „Ich warte auf alle Fälle auf dich in Tampico. Triffst mich im Southern oder im Imperial. Ich würde mit dir hierbleiben, aber das ist ja solche Zeitvergeudung, und du weißt doch, ich habe jemand auf mich warten.“

Howard bekam eines der Pferde, während der Indianer, der sein Pferd hergegeben hatte, zu einem andern Manne mit aufs Pferd stieg. Dann zogen sie lachend und zufrieden in ihr Dorf, Howard im Triumph in ihrer Mitte führend.