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Der Schatz der Sierra Madre cover

Der Schatz der Sierra Madre

Chapter 4: 3
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About This Book

The narrative follows a group of characters, primarily focusing on their desperate quest for wealth in the Sierra Madre mountains. The story explores themes of greed, survival, and the harsh realities of human nature as the characters navigate the challenges of mining for gold. It delves into the moral dilemmas faced by individuals driven by the desire for riches, highlighting the impact of wealth on relationships and personal integrity. The setting serves as a backdrop for the exploration of ambition and the consequences of pursuing material gain, ultimately reflecting on the futility and dangers of such pursuits.

3

as Dorf, von dem die Indianer vergangenen Abend gesprochen hatten, war nur kaum zwanzig Minuten entfernt. Daß hier ein Esel angebunden war und graste, bewies ja schon genügend, daß ein Dorf nicht weit sein könne. Aber man kann sich auch täuschen, denn es kann der Esel eines Holzfällers oder eines Kohlenbrenners sein.

In dem Dorf bekamen sie etwas zu essen, Bohnen, Tortillas und Tee aus Zitronenblättern. Spät am Nachmittag kamen sie in das erste Camp. Dobbs ging gleich zu dem Aufseher, aber es war keine Stelle frei.

„Wollen Sie essen?“ fragte der Aufseher.

„Ja“, sagte Dobbs. „Wir möchten auch gern übernachten hier, wenn es geht.“

„Es wird sich wohl auch dafür ein Plätzchen finden“, sagte der Aufseher und ging wieder in seine Baracke, nachdem er zur Küchenbaracke rübergewinkt hatte.

Der Indianer ging den beiden nicht vom Halse. Er heftete sich an sie, als sei er an sie angebunden. Als sie nun rüberkamen zur Küche, guckte sie der chinesische Küchenvorsteher an, und dann entschied er, daß sie in der Küche zu essen hätten. Es war des Indianers wegen. Wären Dobbs und Barber allein gewesen, so hätten sie in dem Speiseraum für die weißen Arbeiter gegessen. Mit dem Indianer ging das nicht, weil die ihre eigene Küchenbaracke haben.

„Den Mann müssen wir uns vom Halse schaffen“, sagte Dobbs kauend. „Wir können doch nicht mit ihm in all den Camps herumziehen. Das geht so nicht mehr.“

„Morgen früh werden wir ihn heimjagen“, erwiderte Barber, der sich den Appetit nicht verderben wollte dadurch, daß er jetzt Pläne entwarf.

Später gingen Dobbs und Barber zu den Arbeitern, um zu hören, was hier oder in den Nachbarcamps los sei.

„Nichts ist los“, sagte ein langer Schwede. „Alles tote Brunnen. Vier haben Salzwasser, zwei haben Sand und acht nichts als Lehm. Bauen alle ab. Braucht gar nicht weiterzugehen. Weiter runter nach Süden wird wieder neu gebohrt. Aber da könnt ihr von hier aus nicht hin. Da müßt ihr über Panuco, oder ihr könnt auch über Ebano, da kommt ihr in den andern Distrikt.“

Sie fanden Schlafgelegenheit in einem Lagerschuppen auf alten Säcken, wo sie vor Eseln sicher waren, und den Schlaf, den sie der Tiger wegen in der vergangenen Nacht verloren hatten, nachholten.

Es gab am Morgen auch noch ein leichtes Frühstück, und dann marschierten sie ab.

„So, ehe wir nun noch zu den zwei andern Camps gehen, wo vielleicht was los ist oder wo wir wenigstens unser Essen holen können, müssen wir den Indianer umbringen“, sagte Dobbs, als sie eine halbe Stunde vom Camp fort waren.

„Hören Sie,“ redete Dobbs den Indianer an, „wir gehen jetzt allein. Wir können Sie nicht gebrauchen.“

Ängstlich blickte der Indianer auf und sagte: „Aber die Tiger, Senjor!“

„Das müssen Sie mit den Tigern allein abmachen“, mischte sich nun Barber ein. „Wir wollen Sie los sein.“

„Ja, das ist richtig,“ sagte Dobbs, „und wenn Sie nicht freiwillig gehen, dann setzt es was, aber etwas Kräftiges.“

Unschlüssig stand der Indianer da. Er dachte nicht daran, zu bitten oder zuzureden. Die beiden hatten gesagt, er solle sich seiner Wege scheren, und damit hatte er sich zufrieden zu geben. Ob er verstand, daß er ihnen lästig sei, ob er begriff, daß die beiden durchaus im Recht seien, sich die Reisegesellschaft zu wählen, die ihnen zusagte, wurde nicht klar. Er stand da und sagte nichts.

Dobbs und Barber gingen los. Aber wie ein verstoßener Hund, der sich von seinem Herrn nicht trennen kann, folgte der Indianer hinter ihnen her. Anhänglichkeit oder Treue oder irgendein ähnliches Gefühl leitete ihn nicht. Er war ein ganz nüchterner Materialist. Er wußte, daß die beiden zu den Ölfeldern gehen; er wußte, daß die beiden immer zu essen bekommen; und er wußte endlich, daß, wenn er sich an sie anhänge, er nie verhungern könne. Ginge er allein, so würde er in keinem Camp auch nur eine Krume bekommen, kaum von seinen eignen Rasseangehörigen, die dort zu Dutzenden in jedem Camp arbeiteten. Die Furcht vor den Tigern war echt. Zu den Camps wollte er unter allen Umständen, um wegen Arbeit zu fragen; aber allein zu gehen oder mit einem andern Indianer traute er sich nicht. Er kannte die Schrecken des Busches und des Dschungels besser als die Weißen.

Nachdem die beiden eine halbe Stunde gegangen waren, drehte sich Barber um und sagte: „Da kommt dieser braune Teufel doch wieder hinter uns hergeschlichen.“

Dobbs nahm Steine auf und begann den Indianer mit Steinen zu bombardieren. Aber der Indianer ging den Steinen gut aus dem Wege und blieb jetzt nur noch weiter zurück, um nicht getroffen zu werden, wenn Dobbs oder Barber ab und zu unversehens einen Stein aufnahmen und ihn auf den Indianer lospfefferten.

„Den werden wir nicht los“, sagte Barber. „Ich weiß kein Mittel mehr.“

„Erschlagen wie eine kranke Katze“, sagte Dobbs wütend, während er wieder einen Stein nahm und ihn nach dem Indianer feuerte.

Richtig, als sie im nächsten Camp ankamen, trottete der Indianer wieder mit ihnen in die Küchenbaracke und bekam seine Portion Essen mit. Der Aufseher machte ein merkwürdiges Gesicht, als er den Indianer hinter den beiden herziehen sah.

Dobbs und Barber erzählten dem Aufseher, daß der Indianer immer hinter ihnen herlaufe, aber der Aufseher zuckte mit den Schultern. Er wußte nicht recht, was er aus den beiden machen sollte, die mit einem Indianer durch die Camps ziehen.

Hier im Camp hatten die beiden den Indianer schön zur Seite, um ihn gründlich zu verprügeln. Aber hier konnten sie es nicht tun. Der Aufseher würde alle drei sofort aus dem Camp verweisen lassen, wenn sie sich zu prügeln anfingen. Und in der Nacht draußen sein im Busch war das letzte, was sich Dobbs und Barber wünschten.

So ging es auch den folgenden Tag. Der Indianer trottete immer getreulich hinter ihnen her, stets aus der Schußweite bleibend, und gegen alles, was die beiden sagten, war er so stumpf, daß nichts mit ihm anzufangen war. Er klebte fest an ihnen.

Da endlich kamen die beiden zu einer Entscheidung. Hier in den Camps herum war sowieso kaum irgendeine Arbeit zu erwarten, und so beschlossen sie, auf dem kürzesten Wege zurück zur Stadt zu gehen. Es war die einzige Möglichkeit, den Indianer loszuwerden.

Gegen Abend kamen sie nach Villa Cuauhtemoc, wo sie den Indianer an der Straße zu den Feldern getroffen hatten. Er war nicht verwundert, daß die Reise schon zu Ende sei. Er hockte sich wieder auf seinen Platz, wo er vor drei Tagen gesessen hatte. Und dort wartete er auf neue Opfer, die zu den Camps gehen wollten.

Dobbs und Barber gingen am selben Abend zurück zum Flußufer. Übersetzen konnten sie nicht mehr. Sie schliefen hier auf dieser Seite des Flusses unter einem breitästigen Baum, wo sie noch drei andre Schlafgäste antrafen, die hier schon seit vier Wochen ihr Leben fristeten, im Freien unter diesem Baum schliefen und ihre Mahlzeiten von den Tankschiffen bezogen. Es gab hungrige Tage, und es gab fette Tage. Es gab Tage, wo sie auf keinem Schiff auch nur einen Bissen Brot erhielten, und es gab wieder Tage, wo sie auf drei oder vier Schiffen zu Mittag oder zu Abend essen gehen konnten. Es war das reine Lotteriespiel.

Am nächsten Morgen setzten die beiden mit der Fähre rüber zur Stadt. In den paar Tagen, die sie fortgewesen waren, hatte sich in der Stadt nichts geändert. An der Bank, vor dem Imperial, vor den Speiserestaurants, in denen die Ölleute verkehrten, trieben sich noch genau die gleichen Burschen herum, die zwei, drei, sechs Wochen vorher dort gewesen waren und ihre Sprüchlein hergesagt hatten.

Barber ging wieder seine eignen Wege, und Dobbs war in der Zwischenzeit nur um das klüger geworden, daß in den Ölfeldern die Arbeit ebenso knapp sei wie hier. Diese Erfahrung war etwas wert. Man machte sich keine Vorwürfe, daß man nicht jede Gelegenheit, die sich einem böte, mit beiden Händen ergriffe. Mehr konnte man nicht tun, als daß man der Arbeit nachlief, wo immer welche auftauchte. In den Feldern war keine und hier war keine.

Aber eines Morgens bekam Dobbs etwas zu tun. Maschinenteile verladen. Es war schwere Arbeit, und es gab nur drei Pesos den Tag, von denen sich nichts ersparen ließ. Nach fünf Tagen war auch diese Arbeit beendet. Er stand dann eines Tages an der Fähre, die hinübergeht zu dem Bahnhof für die Bahn nach Panuco. Da kamen fünf Leute gelaufen, die es sehr eilig zu haben schienen.

Einer von den Leuten, ein untersetzter, knorriger Mann, sah Dobbs dastehen. Er hielt an, sagte ein Wort zu seinen Begleitern und rief dann rüber zu Dobbs: „Sie, he! Suchen Sie Arbeit?“

„Ja“, rief Dobbs und kam einen Schritt näher.

„Kommen Sie her! Flink! Ich habe Arbeit für Sie, wenn Sie tüchtig zupacken können.“

Dobbs war jetzt ganz dicht herangekommen.

„Ich habe da einen Kontrakt übernommen, ein Camp aufzuriggen. Ein Mann ist mir ausgeblieben. Wird Fieber haben oder Malaria. Weiß ich nicht. Kann nicht auf den Jungen warten. Sie können an seine Stelle treten.“

„Gut, mache ich. Was wird gezahlt?“ fragte Dobbs.

„Ich zahle acht Dollars den Tag. Verpflegung geht ab. Macht einsachtzig oder zwei, weiß ich noch nicht. Sechs Dollars bleiben Ihnen klar in der Tasche. He? Was ist?“

„Ich komme mit.“ Dobbs, der zehn Minuten vorher einer Beschäftigung, die nur zwei Dollars den Tag brachte, nachgelaufen wäre wie eine hungrige Katze, ist jetzt so, als ob er dem Contractor einen Gefallen erwiese, wenn er mitginge.

„Da müssen Sie aber gleich kommen, auf der Stelle“, sagte nun der Contractor hastig. „So wie Sie da sind. Ihre Sachen zu holen, dazu haben wir keine Zeit. Der Zug nach Panuco fährt in einer Viertelstunde, und wir müssen noch übersetzen. Also los, los! Hurtig, abgefegt!“

Er packte ihn am Ärmel und zerrte ihn hinter sich her zur Fähre.