Die oben erwähnten Schiffe sind jedoch nicht die einzigen, die zum Heringsfang verwendet werden. Ein anderer, sehr merkwürdiger Typ ist noch in Gebrauch, der « Bom », der aus der « Egmonder Pink » hervorgegangen ist. Dieser « Bom », der so gebaut ist, dass er auf den Strand gesetzt werden kann, hat wie die Pink einen sehr festen Boden und eine Verkleidung mit übereinandergreifenden Planken. Die Länge beträgt das Doppelte der Breite; er hat zwei Masten (einen grossen und einen kleinen), eine Takelung des Besanmastes (Bazaantuig) und lange und schmale Schwerter (etwa ⅓ der Schiffslänge). Die Flut führt die Bommen auf den Strand, von wo sie mit Pferden auf eine Holzdielung gerollt werden, die auf dem Strande angelegt ist. Walzen (aus Holz) sind vorher unter das Schiff geschoben, nachdem es mittels Winden angehoben ist.
Die Herstellung des « Bommenhaven » (Hafen für die Bommen) in Scheveningen macht es unnötig, die Schiffe auf den Strand zu setzen; dadurch wird das Verschwinden der Bommen herbeigeführt werden, weil diese keine Daseinsberechtigung mehr haben, und weil es vorteilhafter ist, Logger zu verwenden. Der für sie gegrabene Bommenhaven wird also die Ursache ihres Verschwindens sein.
Die Herstellung dieses neuen Hafens hat übrigens schon den Bau einiger neuer Bommen mit Kiel veranlasst; man nennt sie « Loggerbom » oder « Lelybom », ein Typ, der die Mitte zwischen einem Logger und einem Bom hält. Der erste dieser Bommen ist im Jahre 1900 in Betrieb genommen, ist aber nicht oft nachgeahmt worden, weil er dem Logger kaum überlegen ist. Diese Fahrzeuge haben alle, wie der Bom, eine Verkleidung mit übereinander greifenden Planken, das Vorderteil dieses letzteren, aber das Hinterteil des Loggers. Der alte und interessante Bom wird nicht mehr gebaut und wird bald der Geschichte angehören wie die Büse und der Bujer. So wird übrigens die letzte Spur des « Koggeschips » verschwinden. Seit 1896 ist ihre Zahl schon von 324 auf 212 gesunken.
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Umfang der Flotte der Bomschuten 1899–1905.
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1899
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1900
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1901
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1902
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1903
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1904
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1905
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Scheveningen
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217
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203
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194
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189
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183
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158
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140
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Katwijk
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67
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68
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69
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71
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74
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70
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66
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Noordwijk
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15
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15
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15
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10
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10
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10
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5
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Egmond
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3
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—
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—
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—
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—
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—
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—
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Haarlem (Ymuiden)
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1
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1
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1
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1
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1
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1
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—
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Maassluis
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—
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—
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—
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—
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—
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—
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—
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Bericht über die
Seefischerei 1905. Seite 149. |
303
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289
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279
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271
|
268
|
239
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211
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DIE GARNELENSCHUTE.
In der « Garnalenschuit » (Schute zum Fang von Krabben) sehen wir den alten « Bom » wieder, und die Ähnlichkeit mit der alten « Egmonder Pink » springt in die Augen.
DIE SCHOLLENSCHUTE ODER BESANSCHUTE.
DIE ZWARTEWAALSCHE GAFFELAAR.
Neben den « Büsen » und den « Hukern » traf man früher noch ein Fischereifahrzeug, das zur Gruppe der « Smakken » gehört. Das ist die Scholschuit (Schute zum Fang von Seezungen) auch Bazaanschuit genannt. In der Zwarten Waal haben sie eine Takelung mit Gaffel (Gaffeltuig), daher ihr Name Zwartewaalsche Gaffelaar.
Dieses Schiff ist kürzer als der Huker; es ist ziemlich breit, hat kräftige Rippen und gleicht sehr den « Visschersnikken » von Paesens und Wierum (nicht zu verwechseln mit dem « Binnensnik ») und den « Palingschuiten » von Heeg und Gaastmeer, die die Aale nach London brachten.
Die « Scholschuit », die man in Pernis, Middelharnis und Zwartewaal findet, wird später durch die Schaluppe verdrängt.
Der Walfischfang, der früher so in Blüte stand, ist schon im 19. Jahrhundert völlig verschwunden. Während 1756 sich noch 186 Fahrzeuge mit diesem Fang beschäftigten, geht diese Zahl im Jahre 1785 auf 66 zurück, besonders wegen der hohen Prämien, die England zahlt.
In dem Masse, wie dieses Gewerbe bei uns abnahm, blühte es in England auf. Während es hier nur 26 Walfischfänger im Jahre 1750 gab, stieg diese Zahl im Jahre 1785 schon auf 152. Man bewilligte hier Prämien von 3000 bis 8000 Fl. je nach der Grösse der Schiffe, was bewirkt, dass im Jahre 1854 bei uns nur 2 Walfischfänger in See gehen. (KOENEN, S. 164.)
Zu diesem Fang verwendete man die « Noortsvaerders » sowie die schon oben beschriebenen « Fluitschepen » (Flüten).
Die Heimat der « Büse » ist also Vlaardingen und Enkhuizen, dann findet man auch welche in Maassluis auf einem Teil der Zuiderzee.
Die Heimat des « Bom » ist Scheveningen, Katwijk und Noordwijk, d. h. längs der flachen Küste der Nordsee.
Die der Schaluppe ist Middelharnis, Zwartewaal und Pernis, während man endlich den Logger überall antrifft.
Der alte Huker war besonders in Maassluis vertreten und der « Loggerbom » oder « Leleybom » in Scheveningen.
Man würde sich eine falsche Vorstellung von der niederländischen Fischereiflotte machen, wenn man sich einbildete, dass wir nur 724 Fischereifahrzeuge besitzen. Neben den schon erwähnten Schiffen gibt es eine ausserordentlich grosse Zahl kleinerer Fahrzeuge, die ausschliesslich zum Fischfang benutzt werden. Wenn wir einen Blick in den Bericht über die niederländische Seefischerei im Jahre 1905 werfen, so sehen wir, dass in diesem Jahre (S. 342) die Flotte im ganzen 5334 Schiffe mit einer Gesamttragfähigkeit von 234766 t und einer Gesamtbesatzung von 20141 Mann umfasst. Im J. 1891 sind diese Ziffern 4427, 164259 und 15482.
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Stand der niederländischen Fischereiflotte und
ihrer Mannschaft.
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JAHR
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ZAHL
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LADEFÄHIGKEIT IN m³
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MANNSCHAFTEN
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1905
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5334
|
234766
|
20141
|
|
1904
|
5781
|
215873
|
21228
|
|
1903
|
5922
|
218249
|
21467
|
|
1902
|
5938
|
215660
|
21225
|
|
1901
|
5851
|
199248
|
20164
|
|
1900
|
5719
|
195950
|
19498
|
|
1899
|
5661
|
191530
|
19232
|
|
1898
|
5385
|
186554
|
18709
|
|
1897
|
5318
|
184576
|
18387
|
|
1896
|
5211
|
181953
|
17895
|
|
1895
|
5189
|
179782
|
17643
|
|
1894
|
5151
|
176649
|
17286
|
|
1893
|
4902
|
172603
|
16700
|
|
1892
|
4647
|
167549
|
16142
|
|
1891
|
4427
|
164357
|
15482
|
Ein Teil der kleinen Schiffe ist auf der Nordsee in Tätigkeit, ein kleiner Teil an den Küsten von Friesland und Groningen und der Rest auf den Küstenflüssen von Seeland und Holland sowie auf der Zuiderzee.
Unter ihnen findet man alle Namen der Fischereifahrzeuge, so dass es sehr schwer ist, darin ihren Ursprungsort zu entdecken; überdies haben sich diese Schiffe in den letzten 50 Jahren bei uns derartig vermehrt, dass das Auftreten eines bestimmten Typs an einem Orte noch keineswegs seine Herkunft aus dieser Gegend bestätigt. So findet man unter anderen augenblicklich « Schocker » und « Botter » auf der oberen Maas, wo man sie nie erbaut hat. Überdies verwendet man, seitdem die Fischerei aufblüht, als Fischereifahrzeug alle Arten von Schiffen, die ursprünglich durchaus nicht hierfür bestimmt waren. Um einen genauen Begriff von den Fischereifahrzeugen und ihrer Entwickelung zu erhalten, dürfen wir uns nur mit den hierfür erbauten Schiffen befassen.
Wie wir bei der allgemeinen Klassifikation gesagt haben, kann man sie in Hauptklassen wie folgt einteilen:
a) Schocker; b) Botter; c) Vollschiffe (Knots, Aken u. s. w.); d) Schiffe zum Heringsfang.
DER SCHOCKER.
Dieses Schiff hat ein aufwärts gehendes und langes Vorderteil. Das Hinterteil ist dagegen schmal. Oberhalb der Berghölzer springt der Rumpf stark zurück. Es hat einen graden und sehr schrägen Vordersteven. An dem viereckigen, oberen Ende des Vorderstevens liegt ein Flaschenzug, der einerseits auf dem Vordersteven, andererseits auf einer Stütze (Snoves) ruht, die gut befestigt ist.
Das Fahrzeug hat einen Fischkasten und vorn ein Flütenverdeck, das als Wohnung dient. Während die Schocker früher in der Mitte offen waren, sieht man jetzt grössere, die in der Mitte geschlossen sind. Am Vorderteil hat der Schocker ein kleines Deck, genannt « Kootje ».
Der Schocker hat Schwerter und einen auf ⅘ der Länge liegenden Mast, an der Hauptrippe. Seine Länge beträgt 26,1 m, die Breite 4,48 m, der Tiefgang 0,98 m. Er hat Takelung mit Besanmast (Bazaantuig) und einem grossen Vorstagsegel, das am Bord hinter dem Mast befestigt ist, also ohne durchlaufendes Deck. Dies letztere findet man jedoch manchmal in letzter Zeit. An dem Bugsprietmast kann man einen Klüver anbringen. Während die « Schocker » früher eine Beplankung mit Überlappung hatten, sieht man heut oft welche mit glattem Rumpf. Es sind sehr alte Schiffe; die grossen Modelle stammen jedoch erst aus dem 19. Jahrhundert. Weder WITSEN noch VAN YK erwähnt sie, obwohl sie schon zu ihrer Zeit vorhanden sind, denn es finden sich Zeichnungen davon auf den Tragbahren der reformierten Kirche von Workum etwa aus dem Jahre 1600.
Der « Schocker » stammt von der Zuiderzee und zwar von den Küsten von Overijssel (Vollenhoven), von Schokland, (wahrscheinlich auch Urk) und von Enkhuizen.
Nach dem oben Gesagten würde die Insel Schokland ihren Namen von den « Schockers » haben.
Durch ihren graden und schrägstehenden Vordersteven unterscheiden sich diese Schiffe von den andern Fischereifahrzeugen, welche die Zuiderzee aufsuchen, ausgenommen von der « Haringschuit » (Heringsschute).
DIE HERINGSSCHUTE.
Diese Haringschuit (Schute zum Heringsfang) kann als ein grosser « Punter » oder als ein kleiner « Schocker » mit weniger hohem Bord betrachtet werden.
Es ist also nicht zweifelhaft, dass der alte Schocker, die « Haringschuit » und der « Punter » zur selben Familie gehören. Der Schocker unterscheidet sich nur durch sein erhöhtes und volleres Vorderteil, denn er ist für längere Fahrten auf der Zuiderzee und der Nordsee bestimmt.
DER PUNTER UND DIE GONDEL.
Dem Punter begegnet man im Norden von Overijssel als Binnenschiff. Wenn es grösser ist, so dient es als Fischereifahrzeug.
Die « Haringschuit » findet man auch längs der Küste von Geldern, während man längs der Küste von Nordholland ein kleines Schiff antrifft, das dem « Punter » gleicht; das ist die « Vischschuit van Aalsmeer », die neben dem schwereren « Snik » oder der « Gondel » (der alten Kag) fährt, wie man anderswo den festgebauten « Schocker » neben dem « Punter » findet.
Die « Gondel », ein Schiff mit Fischkasten, wird indessen als Binnenschiff verwendet, d. h. auf den Seen. Sehr selten wagt sie sich auf das Meer. Der grade Vordersteven geht indes ziemlich hoch, unter geringer Neigung.
Denselben Merkmalen begegnen wir bei der « Wierschuitje » von Wieringen, wo man auch die « Haringschuit » antrifft.
DER HOOGAARS.
In Südholland findet man denselben Typ bei der alten Kinderdijkschen Hoogaars und der « Steekschuit » vom « Biesbosch » und in Seeland bei der « Steekschuit » und dem « Hoogaars », während der « Hengst » und der « Veerhengst » ebenfalls « Hoogaars »-Arten sind, die kleine Änderungen erfahren haben. Ferner gleicht die « Tholensche Schouw » völlig der « Beyerlandschen Schuitje », die auf den Inseln von Südholland in Gebrauch ist. Sie zeigen beide das hohe und breite Vorderteil; sie haben keinen Vordersteven, die Beplankung endet vielmehr in der Spitze des Vorderteils. Es sind also « Aken ».
Der Hoogaars hat also einen graden und über die Horizontale schwachgeneigten Vordersteven, der viel schwächer ist als der des « Schockers ». Die Beplankung, die bisher aus übereinandergreifenden Planken bestand, ist jetzt glatt. Sein Vorderteil ist ein wenig schlanker als das des « Schockers », sein Hinterteil etwas voller. Das Vorderteil ist bedeckt, das Mittelstück des Schiffes offen, während das Hinterteil mit einer erhöhten Kajüte versehen ist. Diese Schiffe haben ein schmales Steuerruder, führen Schwerter, besitzen eine Takelung am Besanmast mit Stagsegel und « Bugspriet-Klüver ». Sie haben wie die « Schocker » und die andern schon genannten Schiffe einen flachen Boden, sind aber nicht mit einem Fischkasten ausgestattet. Die neuen « Hoogaarsen » von grosser Gestalt haben ein volleres Hinterteil nach Art der « Bujer », was in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Typ « Hoogaars-Boeier » (Hoogaars Bujer) hat entstehen lassen. Das Bestreben, das Hinterteil voller zu bauen, bemerkt man jetzt bei allen Fischereifahrzeugen, wodurch die charakteristischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Typen verschwinden werden.
Der « Hoogaars » hat eine Länge von 15 m, eine Breite von 4,50 m.
Der « Hoogaars » von Arnemuide ist etwas kleiner, völlig offen und besitzt am Hinterteil eine kleine Kajüte; die Takelung hat ein Spriet (Spriettuig).
DIE STEEKSCHUTE.
Die Steekschuit, die wie ein « Hoogaars » gebaut ist, hat etwas schwerere Formen und ein weniger zurückgebogenes Vorderteil. Der Vordersteven ist am oberen Ende abgerundet.
DER HENGST.
Der « Hengst » unterscheidet sich wenig von dem « Hoogaars »; man verwendet ihn viel auf dem « Hollandschen Diep » (Willemstad).
Alle obenbeschriebenen Type haben lange und schmale Schwerter, mit Ausnahme der « Tholenschen Schouw », deren Schwerter breiter sind, ganz wie die des « Kinderdijkschen Hoogaars ». Der Fang der Austern und Miesmuscheln beschäftigt augenblicklich viele « Boeier-Aakjes » (Bujeraken).
DER BOTTER.
Abweichend von allen diesen Typen mit gradem Vordersteven gibt es augenblicklich im Westen der Zuiderzee und auf der Insel Urk Type mit gekrümmten Vordersteven. Sie führen eine grosse Anzahl von Namen infolge leichter Unterschiede, gehören aber schliesslich alle zur selben Familie, derjenigen der « Botter », deren Vorläufer die alten « Tochtschuiten » und « Kubboote » gewesen sind; mit Ausnahme des Vorderstevens gilt hier alles, was wir bezüglich der Form der Takelung der « Schocker » gesagt haben. Man sieht sie in Urk und an der Küste der Zuiderzee, längs Nordholland, im Süden von Medemblik sowie längs der Provinz Utrecht und Geldern bis nach Harderwijk. Ihre örtlichen Benennungen wechseln.
Ausser der Form des « Kubboots », findet man diesen Typ als « Vollendammer Kwacken », « Bonse » und « Plüte », sowie in Maassluis als « Platje van Maassluis ».
DER BLAZER.
Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts baut man die « Botter » grösser und voller; daraus ist des Typ Blazer entstanden, dessen gekrümmter Vordersteven sich weniger zurückbiegt, und dessen Hinterteil voller ist als das des « Botters ». Man verwendet ihn zum Fischfang in der Nordsee und begegnet ihm längs unserer Küsten. Man baut augenblicklich « Blazer », die das Hinterteil des « Bujer » haben; so haben wir einen gemischten Typ: den « Blazer-Boeier » (Blazerbujer).
Infolge seiner grossen Stabilität wird dies Schiff bald die « Schocker » und « Botter » ersetzen.
DIE LEMMERAAK.
Bei der Fischerei in der Zuiderzee verwendet man mehr und mehr « Aken ». Sie kommen aus Friesland, wo sie den Namen « Lemmeraak » oder « Lemmerjacht » führen.
Es sind ziemlich kurze, feste und runde Schiffe, wohl geeignet zur Fahrt in flachem Wasser.
DIE BOLLE UND DIE KNOTS.
Dasselbe Schiff trifft man in Urk unter dem Namen « Bolle van Urk » oder auch « Bolletje van Urk ». Diese Fischereifahrzeuge sind also von der Gruppe der « Schmacken » abzuleiten. Es ist sonderbar, dass dieses Schiff sich seit langer Zeit vor Antwerpen findet, unter dem Namen « Knots » von Antwerpen.
DIE JOLLE.
In Stavoren hat man noch die « Stavorensche Jol », ein kleines, kurzes und rundes Schiff mit Kiel, von grosser Stabilität auf dem Wasser. Man begegnet ihm jetzt auch in Enghuizen und in « Medemblik ». Es ist ein Schiff mit übereinander greifenden Planken (manchmal jetzt auch glatt), das man wegen seiner runden Formen oft mit einem Huf vergleicht. Diese Schiffe haben einen Fischkasten, sind aber mit Rücksicht auf den Kiel nicht mit Schwertern ausgestattet. Sie haben eine Takelung mit Spriet (Spriettuig); ihre Ladefähigkeit beträgt 4 bis 6 t. In Helder, Enkhuizen und Medemblik verwendet man viele Fletten, deren Länge bis zu 10 m geht. Das Hinterteil hat einen Spiegel; das ziemlich lange Vorderteil geht unter schwacher Neigung kräftig in die Höhe. Die Planken greifen übereinander; die Schiffe besitzen zwei Kimmungskiele und einen Hilfskiel am hinteren Ende; sie können im allgemeinen 2 bis 5 t laden.
Im allgemeinen schwankt die Tragfähigkeit der « Botter » und « Schocker » von 20 bis 30 t. Die kleineren Type in Huizen können 16 bis 20 t, in Hardarwijk und in Elburg 13 bis 18 t laden.
Die Unterschiede in den Hauptgruppen können der verschiedenen Auffassung der Schiffbauer zugeschrieben werden, ganz wie es Unterschiede in den Kostümen dieses und jenes Landes gibt.
Der Unterschied zwischen den Typen einer und derselben Gruppe ist dagegen das Ergebnis der Verwendung des Schiffs, d. h. also der verwendeten Fischereigeräte, abgesehen von einigen Unterschieden geringerer Bedeutung.
Zum leichteren Verständnis lassen wir hier eine kurze Beschreibung der auf der Zuiderzee gebräuchlichen Fischereigeräte folgen, die dem Bericht über die Fischerei auf der Zuiderzee, veröffentlicht durch die Zuiderzeevereeniging (1905, Seite 35 und folgende), sowie den Jahresberichten über die Seefischerei entnommen ist.
Die Fischereigeräte können eingeteilt werden in bewegliche und feste; die letzteren sind für unseren Zweck von geringerer Bedeutung.
Zu den ersteren gehören:
a. Der « Wonderkuil » (französisch: « Poche miraculeuse », deutsch « Wundertasche »), die wie der « Kwakkuil » und der « Dwarskuil » aus einem Netz, in Form einer Tasche besteht, deren Oeffnung durch ein hölzernes Quadrat offen gehalten wird (vier Stücke Holz, genannt « Juffers-Oorstokken »). Man zieht das Netz vorwärts, indem man den Rahmen vertikal hält, während der ganze Apparat den Boden berührt. Die Fische dringen in die Oeffnung und werden so in dem spitz zulaufenden Sack gefangen. Die Bewegung im Wasser entwickelt das Netz. Der « Wonderkuil » hängt zwischen zwei Bottern, die mit möglichst grosser Geschwindigkeit vorrücken, um die schnell schwimmenden Fische wie die Heringe fangen zu können. Die grossen, schon genannten Botter, die gute Segler sind, eignen sich sehr gut hierzu. Der « Wonderkuil » berührt den Grund fast nicht, wegen der grossen Schnelligkeit, aber jeder Fisch, der sich vor der Oeffnung zeigt, wird sicher gefangen. Die durch die grosse Geschwindigkeit veranlasste Zusammenziehung der Maschen lässt nichts hindurch.
b. Der bei den Fischern von Vollendam gebräuchliche « Kwakkuil » ist ein kleiner « Wonderkuil », der durch ein Schiff, meist einen « Vollendamer Kwak » geschleppt wird. Die Tasche ist dann an zwei Stangen befestigt, die am Hinterteil des Schiffes angebracht sind, wo sie sich kreuzen. Da die Geschwindigkeit geringer ist als die mit dem « Wonderkuil » erreichte, so schleppt das Netz auf dem Grund, so dass Aale, Schollen und Seezungen gefangen werden können.
c. Der « Dwarskuil » (Quertasche), kleiner als der « Kwakkuil » aber von derselben Form, ist an der Seite des Schiffs durch Seile befestigt, die selbst am Vorder- und Hinterteil festgemacht sind. Das Fahrzeug muss beim Fischen also quer vorrücken, was natürlich nicht schnell geht. Das Fahrzeug darf keinen flachen Boden haben, und während des Fischens müssen die Schwerter hochgezogen sein.
Man verwendet den « Wonderkuil » in tiefem Wasser und auf hartem, sandigem Grund; in weniger tiefem Wasser und auf weichem Grund benutzt man den « Kwakkuil » und an den flachen Stellen von Utrecht und Geldern bedient man sich der « Dwarskuilen ».
Die zahlreichen Klagen über die Vernichtung der Fische durch den « Wonderkuil » stammen nicht von gestern; denn schon im Jahre 1559 setzt eine Verordnung die Grösse der Maschen der « Astkens of Steerten » (der Netzenden) fest.
Unter dem beweglichen Fanggerät sind natürlich die Schleppnetze zu nennen, zum Fang der Heringe, der Anchovis, der Seezungen und der Stinte. Man benutzt sie in allen grossen Fischereihäfen der Zuiderzee. Man schleppt diese Netze zwischen zwei Schiffen irgend welcher Form.
Längs der friesischen Küste fischt man besonders mit festen Geräten, hauptsächlich im Norden von Makkum. Diese Art Fischerei erfordert nur kleine Schiffe (24 bis 30 Reusen auf das Schiff). Man benutzt hierzu Aal- und Heringsreusen; es ist auch wahrscheinlich, dass das alte « Kubboot » seinen Namen dem Fischereigerät verdankt, das « Kub » heisst; es ist dies ein trichterförmiger Weidenkorb, der an seinem unteren Ende geschlossen ist, so dass noch eine kleine Öffnung bleibt; auf diese Öffnung folgt ein kleines seidenes Netz, dessen Öffnung den Aalen den Durchgang gestattet, die sich nun in dem hinteren Teile, dem « Kub », sammeln.
Der Fischfang auf der Zuiderzee ist besonders geartet, weil eine grosse Zahl von Fischern der Zuiderzee die Nordsee besuchen, während andere in den Flüssen fischen und der Rest das ganze Jahr auf der Zuiderzee selbst bleibt. Die ersteren benutzen die grossen « Blazer », « Schocker » und « Botter »; die letzteren verwenden die « Kwakken », « Kubboote » und die « Haringschuiten » (Heringsschuten). Endlich bedienen sich die an zweiter Stelle genannten der « Gondeln », « Lemmeraken », « Punters », u. s. w.
Ausser diesen gibt es jedoch eine ganze Reihe Gelegenheitsfischer, die alle Sorten von Fahrzeugen benutzen. Daraus folgt, dass es sehr schwer ist, die genaue Zahl der in Gebrauch befindlichen Fahrzeuge anzugeben, und dass die in den obigen Tabellen genannten Ziffern nur ungefähr stimmen, soweit sie sich auf die Fischerei in der Zuiderzee beziehen.
DAS WATERSCHIP.
Man kennt seit langem ein Schiff genannt « Waterschip » das zum Schleppen der « Zeekameele » (Art schwimmende Docks) über den Pampus dient. Das « Waterschip » ist ursprünglich ein einfacher « Botter » aus Marken. Wie schon gesagt, stammen die « Zeekameele » aus dem Jahre 1691. Man baute sie später mit festerem Vorder- und Hintersteven und einer Kajüte hinter dem Mast. Das « Waterschip » unterscheidet sich so mehr von den alten « Botters ».
Während das Schleppen der Schiffe zuerst zwei privaten Gesellschaften (der Grossen und der Kleinen Kompagnie) oblag, wurde es nach 1741 durch Vertrag der grösseren Gesellschaft übertragen, die ihren « Waterscheepjes » eine Tafel aus Weissblech am Vordersteven als Unterscheidungszeichen anheftete. Diese Massnahme genügte jedoch nicht, um die Nebenbuhler fernzuhalten. I. J. 1783 wird angeordnet, dass das Admiralswappen auf die Segel der genehmigten Schiffe gemalt würde, wie heut die Segel der Fischereifahrzeuge mit Buchstaben und Ziffern versehen sind.
Als während der französischen Herrschaft die Schiffahrt stillgelegt ist, leiden die « Waterscheepen » derart, dass i. J. 1824 von den 18 vorhandenen 6 zerstört werden. I. J. 1827 wird der Rest infolge der Eröffnung des Nordholländischen Kanals verkauft. (LE COMTE, S. 38.)
Man darf diese « Waterschepen » nicht mit denen der Salzsiedereien verwechseln, die zur Beförderung von Seewasser dienen, von denen einige Abbildungen in unserem Atlas wiedergegeben sind. Mit einer einzigen Ausnahme gehören diese Schiffe zur Gruppe der « Smakken » (Schmacken).