WeRead Powered by ReaderPub
Der Skorpion. Band 2 cover

Der Skorpion. Band 2

Chapter 8: 6
Open in WeRead

Explore more books like this:

About This Book

A young woman arrives at unfamiliar lodgings after a painful separation and the death of a close companion, confronting solitude and the anxieties of anonymity while keeping a revolver and personal tokens close. She swings between suicidal impulses and a strong desire to live, feeling both wounded and hardened by grief. The narrative follows her intimate reflections as she makes herself at home in strange rooms, monitors neighbors, and tests her emotional defenses. Quiet scenes of nighttime observation and interior monologue trace a tentative return to engagement with life, complicated by secrecy, longing, and the need for self-protection.

 

Mette wollte sich auf ihren Diwan legen.

Sie hatte trotz der frühen Nachmittagsstunde die Lampe angedreht und die Vorhänge fest zugezogen, um nicht zu sehen, wie der unermüdliche Herbstregen an den grauen Hofwänden entlang troff und rieselte.

Sie hatte Kissen und Decken auf den Diwan gehäuft, einen Stuhl in erreichbare Nähe gerückt, auf dem sie einen ganzen Stoß Bücher aufschichtete – der Nachmittag war lang, und sie würde keine Lust haben, aufzustehen ... sie würde auch keine Lust haben, stunden- und stundenlang sich in ein Buch zu vertiefen. Sie trug ein halb Dutzend Bücher zusammen, mit dem genießenden Vorgeschmack, mit dem ein Feinschmecker sich ein erlesenes Mahl zusammenstellt:

Novellen von Herman Bang, Gedichte von Rainer Maria Rilke, einen Band Dickens – ja, nach Dickens war ihr ganz besonders zumute – dann wollte sie ein klein wenig Spanisch treiben, in dem bilderreichen Werk über das Rokoko blättern, ein paar Briefe des Clemens Brentano an Sophie Mereau lesen. Nein, nicht den Dostojewski, der einen so ganz gefangen nahm, daß man tage- und wochenlang nicht von ihm loskam – und auch nicht die „Antikrists mirakler“ – da mußte sie zu oft nach dem Wörterbuch greifen, um einen Genuß zu haben.

Auf den kleinen, glasbedeckten Tisch am Kopfende stellte sie Zigaretten, Schokolade und eine Vase mit ein paar blaßrosa, süßduftenden Nelken, die sie sich heute in der Stadt gekauft hatte.

Als sie sich eben hingelegt hatte, eine leichte Decke über die Füße gezogen und nach dem obersten Buch griff, klopfte es an die Tür.

Einen Augenblick dachte sie ärgerlich: ‚Warum habe ich nicht abgeschlossen, dann würd’ ich mich jetzt nicht rühren – da könnte, wer wollte, an der Tür rütteln.‘

Aber als auf ihr „Herein“ Gisela die Tür öffnete, freute sie sich doch.

„Oh, wie hübsch haben Sie es hier!“ rief Gisela, ehe sie noch guten Tag sagte. „Nein, ich bitte Sie um Gottes willen, springen Sie nicht auf, sonst lauf ich gleich wieder hinaus. Sie haben sich’s da so nett bequem gemacht, nun dürfen Sie sich bitte nicht von mir aus Ihrer Ruhe aufjagen lassen. Ich wollte zu der kleinen Luigi, aber sie ist nicht da, und da wollt’ ich mir eigentlich nur mal Ihr Zimmer anschauen. Jessas, ist das aufg’räumt bei Ihnen – so sieht meine Bude nicht an hohen Feiertagen aus!“

„Wenn Sie wollen, daß ich nicht aufstehe,“ sagte Mette lächelnd – sie saß auf einen Ellbogen gestützt, einen Fuß angezogen, die zurückgeschlagene Decke in der Hand, immer noch im Begriff aufzuspringen – „dann müssen Sie schon hierher kommen – sonst muß ich Licht anmachen und Sie feierlich in einen Sessel nötigen.“

„Nein, nein, ich komm’ schon,“ Gisela lief nach dem Diwan, drückte Mette auf das Kissen zurück und zog ihr die Decke bis unters Kinn.

„So, meine Schöne, wollten Sie schlafen? Soll ich Sie in den Schlaf singen und mich dann auf den Zehenspitzen hinausschleichen? Schlaf, Kindchen, schlaf!“ Sie stützte sich mit einem Knie auf den Diwan, faßte Mette an beiden Schultern und wiegte sie leise hin und her.

Mette empfand ein leises und nicht unangenehmes Schwindelgefühl. Sie griff nach den beiden Händen, die auf ihren Schultern lagen, und hielt sie fest.

„Lassen Sie das,“ sagte sie mit geschlossenen Augen, „mir wird schwindlig.“

Sie fühlte, daß die schaukelnde Bewegung aufhörte, aber zugleich fühlte sie einen leichten Atem über ihre Stirn streifen und einen weichen Mund sehr leise, sehr zärtlich über ihre Schläfen, ihre Wangen, ihre Augenlider gleiten.

Es war wohltuend, aber sie wehrte sich gegen das Angenehme dieser Empfindung.

‚Ich liebe sie nicht,‘ dachte sie trotzig, ‚ich habe mich nie nach ihrem Mund gesehnt – so kann einem Tier zumute sein, wenn es gestreichelt wird.‘

Der weiche Mund ließ ab von ihrem Gesicht, und Gisela kauerte sich auf dem Diwan nieder.

Ohne jeden Übergang deutete sie auf die Blumen und fragte:

„Von wem haben Sie die schönen Nelken?“

Mette drehte ein wenig den Kopf, um der Bewegung mit den Augen zu folgen.

„Von mir,“ lächelte sie.

„Was heißt das?“

„Was das heißt? Ich habe sie mir heute morgen selbst gekauft!“

„Seltsam!“ Gisela schüttelte den Kopf. „Erwarten Sie Besuch?“

„Nein, warum denn?“

„Weil das für mich der einzig mögliche Grund wäre, um mir Blumen zu kaufen und aufs Zimmer zu stellen!“

„Ich habe sie mir gerade gekauft, weil ich dachte, allein zu sein.“

„Es ist sehr lieb von Ihnen, daß Sie nicht sagen: weil ich hoffte ...“

Mette lächelte: „Also, weil ich fürchtete, allein zu sein!“

„Das ist eine höfliche Lüge,“ sagte Gisela, „aber trotzdem – ich bin schon dankbar, daß ich Ihnen eine Lüge wert bin. Denn ich glaube, Sie lügen selten.“

„Ich weiß nicht.“ Mette dachte ernstlich darüber nach. „Ich glaube, ich habe als Kind ziemlich viel gelogen. Überhaupt, solange ich noch in ‚erzieherischen Händen‘ war. Aber es war ein unfrohes und phantasieloses Lügen – ich habe mir niemals mit Begabung interessante Geschichten ausgedacht –, es war wohl mehr ein Leugnen, ein sehr standhaftes und hartnäckiges.“

„Lügen und leugnen – das ist ein himmelweiter Unterschied. Da haben Sie ganz recht. Aber wenn ein Kind leugnet, heißt es immer ‚es lügt‘ und ‚es ist verlogen‘. Und dabei ist es vielleicht nur schamvoll und hartschädelig und verbohrt. Ich bin so entsetzlich falsch behandelt worden als Kind – warum haben Sie keine Kinder? – Sie wären sicher eine gute, verständnisvolle Mutter.“

„Ich habe noch nicht darüber nachgedacht.“ Mette hob die Achseln. „Ich habe mir immer eingebildet, jede Mutter wäre gut und verständnisvoll – aber das mag wohl daran liegen, weil ich meine nie gekannt habe.“

Gisela lachte bitter auf: „Ich wollte, ich hätte meine auch nie gekannt!“

Mette griff fast erschrocken nach Giselas Hand:

„Das klingt furchtbar, wenn Sie so etwas sagen! War sie so schlimm?“

„Schlimm? Oh, gar nicht schlimm!“ In ihrer Stimme tanzte eine erzwungene Leichtigkeit, „sie war eine brave, tüchtige, vortreffliche Frau. Aber meinem Vater war sie auch zu brav und vortrefflich. Er hat sie verlassen und hat sich zwei Jahre später aufgehängt. Und da ich ihm ähnlich war – schließlich konnte ich nichts dafür, meine Mutter hatte ihn sich ja zum Gatten ausgesucht und nicht ich ihn mir zum Vater –, aber weil ich so ganz in die väterliche Familie hineingeschlagen bin, sah mich meine Mutter schon von vornherein als erblich belastet an. Wissen Sie, es gibt Menschen – und zu denen gehörte meine Mutter – die sind so sittlich, daß sie überall Unsittlichkeiten wittern. Wir mußten mit den Händen auf der Bettdecke schlafen, und wenn wir es einmal im Schlaf vergaßen, und meine Mutter kam, um zu kontrollieren, dann riß sie uns die Decken weg. Ich schwöre Ihnen, ich wußte nicht einmal, warum sie das tat.“

Mette wußte es auch nicht, aber sie fragte auch nicht, weil sie sich schämte, ihre Unwissenheit einzugestehen und mehr noch, weil sie ahnte, daß eine Erklärung ihr peinlich sein würde.

„Das war der Anfang.“ Gisela sprang auf und begann, ruhelos mit unhörbaren Schritten auf dem dicken Teppich hin und her zu gehen. „Und dann ging es weiter. Mit vierzehn hatt’ ich meine ersten heimlichen Rendezvous. Mit einem Tanzstundenjüngling, einem kleinen Gymnasiasten, der womöglich noch harmloser und idealer war als ich. Wie diese Untat ans Licht kam, wurde ich einem furchtbaren Verhör unterworfen: Ob wir uns geküßt hätten, ob wir uns umarmt hätten, und wann und wo und wie ... ich bin dadurch erst auf den Gedanken dieser Möglichkeiten gekommen ...

Genau so wie in der Schule: dicht neben der Schule war ein Papierladen, wo wir immer unsere Hefte kauften. Der Mann hatte Ansichtskarten im Schaufenster, und dabei ein nacktes Frauenbild – die Reproduktion irgendeines Kunstwerkes. Aus dieser Postkarte wurde ein fürchterlicher cas gemacht. Es wurde herausgepreßt, wer von den Mädels vor diesem Schaufenster stehengeblieben war; Eltern und Lehrer gingen gemeinsam vor und zwangen den Mann, alle anstößigen Bilder aus seinem Laden zu entfernen. Widrigenfalls uns anbefohlen wurde, ihn zu boykottieren. Was war die Folge? Es wurde geradezu Sport bei uns, uns irgendwelche Aktbilder zu verschaffen – in der Religionsstunde zirkulierten sie dann unter den Tischen, mit Unterschriften und Bemerkungen versehen – es war wie ein ansteckendes Fieber in der ganzen Klasse, aber den Bazillus hatte man mühsam hineingetragen.

Vielleicht war in einigen unter uns, vielleicht in vielen, eine mühsam zurückgedämmte, unreife Sinnlichkeit – aber Kinder sind lange nicht so schamlos wie Erwachsene und fürchten sich viel mehr, zurückgewiesen zu werden – durch das allgemeine Gespräch über das ‚unsittliche‘ Bild wurden alle Hemmungen übersprungen ... es sprach natürlich jetzt jeder mit jedem von ‚so etwas‘.

Ich habe mich gewehrt, kann ich Ihnen sagen, ich wollte nichts damit zu tun haben – vielleicht hab’ ich mich aus Angst gewehrt, weil ich fühlte, daß mir Schicksal werden könnte, was den andern nur Spielerei war ... wissen Sie, wie Kinder in solchen Fällen sind? Oh, so grausam, so wollüstig, so sadistisch ... weil ich mich wehrte, wurde ich verfolgt ... die ganze Klasse war gegen mich verschworen; ich mußte sehen, was ich nicht sehen wollte, ich mußte hören, was ich nicht hören wollte, ich mußte tun, was ich nicht tun wollte – ich wurde in einen Kessel hineingetrieben, aus dem ich nicht wieder herausfand.“

Sie faltete die Hände und riß die Finger wieder auseinander, daß die dünnen Gelenke knackten, als wollten sie zerbrechen.

„Nein, wie kann man sich nur selber Blumen kaufen,“ sagte sie plötzlich, vor den Nelken stehenbleibend, „warum tun Sie das? Haben Sie an irgendeinen Menschen gedacht, dem Sie sie bringen wollten? Und haben es dann vielleicht nur nicht getan, weil – ja, vielleicht, weil Sie gerade verstimmt miteinander sind.“

„Ich habe keinen Menschen auf der Welt, dem ich Blumen bringen könnte,“ sagte Mette bitter, „höchstens ein Grab, und das kann ich nicht erreichen.“

Sie wußte selbst nicht, wie sie dazu kam, das auszusprechen. Sie wurde glühend rot bei dem Gedanken, daß sie in den Fehler der Vertraulichkeit verfallen könnte – einen Fehler, den sie andern mit einer gewissen überlegenen Nachsicht verzieh, den sie an sich selbst so haßte, daß sie wochenlang keine Ruhe fand, wenn sie sich einmal darauf ertappte.

Vielleicht aber war es nicht einmal das Bedürfnis, sich anzuvertrauen. Vielleicht war es schlimmeres als das. Vielleicht war es irgendwo – noch ganz im Unbewußten – der Wunsch, sich mit diesem heiligen, vernichtenden Schmerz zu drapieren, sich einen neuen, mystischen Reiz zu geben in den Augen dieser ... dieser ...

In diesem Augenblick haßte Mette Gisela Werkenthin.

Es war, als ob Gisela diese Regung fühlte. Sie hatte eine Bewegung begonnen, als wolle sie auf Mette losstürzen, sie mit tröstender, mitleidiger Zärtlichkeit überschütten – und unterbrach sich, um mit gesenktem Kopf und ineinandergeschlungenen Händen sich auf das Fußende des Diwans zu kauern.

„Versprechen Sie mir eines,“ sagte sie leise und wie mit einer niemals aufzuhellenden Freudlosigkeit in der Stimme, „wenn ich einmal tot bin, legen Sie mir Blumen aufs Grab. Nicht zum Begräbnis und nicht einen großen bestellten Kranz.

Ich denke es mir so schön, wenn ich Besuch bekomme, wenn ich schon lange da liege und schlafe – ich liebe Friedhöfe so ... am meisten, wenn sie ein bißchen verwildert sind, ich möchte kein wohlgepflegtes Prunkgrab – einen grauen Stein, schon halb eingesunken und halb mit Efeu überwuchert ... und dann eine schöne Frau im weißen Kleid, die davor steht – nur eine Minute an mich denkt – nicht mit Schmerz, nur mit einer milden Wehmut, und eine Handvoll Blumen über mich streut – ich werde es fühlen, oh, ganz gewiß, ich werde es fühlen.“

Mette richtete sich auf und faßte sie rüttelnd an beiden Schultern.

„Kind!“ sagte sie, „und darum ersuchen Sie mich? Ich werde meine Enkelin beauftragen! Wenn der Stein auf Ihrem Grabe eingesunken ist, flattert meine Asche längst im Winde.“

„Wie lange dauert es, bis ein Stein einsinkt?“ fragte Gisela in einem so komisch-ungeduldigen Klageton, daß Mette auflachte.

„Noch sind Sie ja nicht tot und begraben,“ sagte sie tröstend.

Da sprühten ihr die dunklen Augen wie mit einem plötzlichen Aufflackern entgegen:

„Leider!“ sagte die tonlose Stimme, fast zischend vor Bitterkeit.

Wieder war in Mette eine leise Abwehr.

‚Sie hat sicher kein Recht, so zu sprechen,‘ dachte sie, ‚sie hat sicher nicht so Schweres erlitten ... aber schließlich, wer will abmessen, was einem das Recht auf Verzweiflung gibt, und vielleicht macht es noch viel, viel müder, gegen sich selbst zu kämpfen, als gegen das Schicksal.‘

Da wich die Abwehr, und es war nur ein heißes, hilfloses Mitleid in ihr.

Sie fing an, mit zaghaften Händen das weiche, wirre, dunkle Haar aus der weißen Stirn vor ihr zu streichen. Die brennenden Augen schlossen sich, und auf das schmale Gesicht trat der Ausdruck einer stillen, sehnsüchtigen Seligkeit.

Da Gisela reglos stillhielt und kein Atemzug, kein Pulsen der Adern zu spüren war, überkam Metten ein unheimliches Gefühl.

„Machen Sie die Augen auf,“ bat sie ängstlich, „es macht, glaub’ ich, dies verwünschte violette Licht – Sie sehen aus wie eine marmorne Totenmaske.“

Die breiten Lider hoben sich schwerfällig. In den weit offenen Augen war eine schachttiefe, lichtlose Leere, in die erst allmählich Blick und Leben wiederkehrte.

„Glauben Sie mir, kleine Mette,“ sagte sie mit ihrer leisen, kranken Kinderstimme, „ich werde sehr bald tot sein.“

„Was denken Sie sich unter ‚tot sein‘,“ fragte Mette zaghaft.

„Eine tiefe, kühle, unzerstörbare Ruhe.“ Sie schloß die Augen, und sofort glich ihr Gesicht wieder einer marmornen Maske.

„Ewige Ruhe – das war schon in meiner Kindheit wie eine Melodie, wie ein süßes, geheimnisvolles, verlockendes Lied – als ich ganz klein war und mir gar nichts dabei denken konnte, hab’ ich es gehört – es war ein typischer Ausdruck meiner Mutter: der oder der ist zur ewigen Ruhe eingegangen. Und es hat mich nicht mehr verlassen, ich hab’ es mir immer gewünscht: zur ewigen Ruhe einzugehen.“

Ihre hohe Stimme hatte einen verschwebenden körperlosen Ton.

Unter den langen dunklen Wimpern, die wie Schatten auf den schmalen Wangen lagen, begann es zu blinken, zu glitzern, ein paar Tropfen lösten sich und perlten herunter.

Mette hatte immer noch die beiden Hände um die blaugeäderten Schläfen geschlossen.

„Nein,“ sagte sie, und ohne selbst zu wissen, was sie mit diesem ‚nein‘ meinte, „nein, nein, nein!“

Die Lider hoben sich wie ein Vorhang, und die Augen, ganz erfüllt mit Tränen, in denen das Licht sich brach, schienen noch größer, noch brennender als sonst.

„Nein,“ sagte Gisela, „nein, nein, nein! Noch keine ewige Ruhe, kleine Mette, kleine süße schöne Mette! Aus deinen Fingerspitzen strömt Leben, auf deinen Lippen blüht Leben, aus deinen Augen strahlt Leben. Mir ist, als ob ich schon tot wäre, und du rührtest mich an und sagtest: steh auf und wandle! Oh, wie schwer muß es sein, aus einem schmalen, kühlen Sarge wieder aufzustehen, weil es einem Wundertäter so gefällt!

Ich bin gestorben, kleine Mette, an einer tödlichen Krankheit gestorben, die Fiametta heißt. Wenn du Tote beschwören willst, kleine Zauberin, dann mußt du sie mit deinem Blute nähren, das weißt du doch. Wenn ich leben soll, dann muß ich von deinem Leben trinken.“

Die schmalen Hände krallten sich wie Raubtierpranken in Mettes Schultern und preßten sie zurück auf die Kissen – auf dem ihren ausgestreckt lag der leichte sehnige Körper, dicht über dem ihren schwebte das weiße Gesicht mit den brennenden Augen.

Angst, Grauen, Widerwillen, Mitleid, Zärtlichkeit und das betörende Brausen des eignen und des fremden Blutes stürzten zusammen zu einem tosenden Wirbel, der jeden Gedanken in einem buntschäumenden Abgrund verschlang.