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Der Spielmann: Roman aus der Gegenwart cover

Der Spielmann: Roman aus der Gegenwart

Chapter 17: Werbung
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About This Book

Ein wandernder Spielmann namens Ingo unternimmt eine episodische Reise durch südliche und mitteleuropäische Schauplätze, begegnet Frauen, Künstlern und Pilgerorten, erlebt Liebesverwicklungen, künstlerische Inspiration und innere Unruhe. Der erste Teil schildert seine lebhaften Begegnungen und Abenteuer in landschaftlich sinnlichen Szenen, der zweite Teil führt in eine ruhigere Einkehr mit Erinnerungen, Gesprächen über Kunst, Glauben und Identität sowie Selbstbesinnung. Der Text verbindet detaillierte Natur- und Ortsbeschreibungen mit musikalischen, philosophischen und emotionalen Reflexionen, wobei persönliche Sehnsucht und die Suche nach künstlerischer Bestimmung leitend bleiben.

Zwölftes Kapitel
Der Gutsherr

Sehnsucht ins Ferne, Künft'ge zu beschwichtigen,
Beschäftige dich heut' und hier im Tüchtigen!

Goethe

Z eitenwende bereitet sich vor.

Einzelne Wandrer haben sich abgesondert vom Zeitgeist. Sie suchen untereinander Fühlung. Sie bilden eine heimliche Gemeinde der Ernsten und Stillen. Ihr heiliger Hain ist umschirmt von schwarzen Zypressen. Im Innern aber tragen Fruchtbäume rote und goldne Gaben.

Diese Abgesonderten formen langsam das neue Lebens- und Bildungsideal.

Der Spielmann und Gralsucher Ingo von Stein hatte sich nach jenem Wartburgtage dieser unsichtbaren Gemeinde angeschlossen. Sie ist nicht geformt, diese Gemeinde; sie hat weder Satzung noch Rang und Titel. Doch erkennen sich die Begegnenden daran, daß sie, ohne Hast und Unrast, mit einem stillen und starken Herzen Welt und Ewigkeit erleben und verarbeiten. Das kostbare Gut der Ruhe ist ihnen eigen: die Ruhe der gesammelten Kraft. Und ihre Lebensformen sind edel und einfach.

In ihren Tiefen ist Gebet. Sie glauben nicht mehr an den Verstand, sondern an etwas Umfassenderes: an die Gottheit. Nicht sind sie beherrscht vom Willen zur Macht, sondern von einer größeren Kraft: vom Willen zur Liebe. Mit schöpferischer Liebeswärme erobern sie von innen her. Und ihre Gangart ist still und stetig. Denn sie wissen, was sie wollen: Selbstbesinnung. Aus der Selbstbesinnung aber auf edelste Kräfte erwächst die neugestaltende Tat. Auch fehlt ihnen nicht das Arbeitsfeld: denn sie fangen ihr Gestaltungswerk mit sich selber an.

Aus diesen Saatschulen werden die Führer der Zukunft genommen.

Draußen aber vollziehen sich unterdessen die harten Ereignisse, die dem bisherigen Lebenston ein Ende bereiten.

„So stand einst Oberlin als Zeder mitten in der Revolution”, sagte sich Ingo von Stein, als er sich zu jenem Anschluß an die Gemeinde der Stillen entschloß. „So will auch ich auf meinem Felsen stehen.”

**
*

Jäh war das Glück der Erfüllung über Ingo gekommen. Aus der verhaltenen Kraft seiner Elisabeth war eine Liebe aufgeblüht, wie er sie nie für möglich gehalten hätte.

Fast unmittelbar hinter jenem Tag von Eisenach starb sein Bruder, der Jäger und Sportsmann, als hätte das Schicksal nur auf diesen Augenblick gewartet.

Ingo war nun Herr über ausgedehnten Landbesitz und umfangreiche Forste. Aber sein Herz hatte nie an äußeren Gütern gehangen; seelische Erfüllung war ihm von Kind an als das Wesentliche erschienen, schon als der Knabe Lieblingsgegenstände hergab, nur um dafür Freundschaft einzutauschen und Freude zu machen. Doch war es ihm ein sinnreiches Symbol, daß er nun auch äußerlich den Lehr- und Wanderjahren entnommen und auf den festen Boden der jetzt anhebenden Mannes- und Meisterjahre gesetzt war. Noch blieb seine eigentliche Kraft und Lebensbestimmung verdeckt und wartend; seine Stunde war noch nicht gekommen; er fühlte sich als Vorbereiter einer neuen Lebensstimmung für ein neues und wieder mehr innerliches Geschlecht.

Und in diesem wichtigen Punkte verstand er sich ausgezeichnet mit dem Vertreter der älteren Generation, der bei Ingo im Hause lebte: mit seinem alten Vater. Dieser Edelmann war von wunderbarer Geistesfrische, wenn er auch durch seine Gicht an den Stock und durch leidige Gewohnheit an die lange Pfeife gekettet war und in seinem Lederstuhl, von den beiden Doggen umlagert, einem Invaliden ähnlich sah. Er trug die Bartform des alten Kaisers, unter dem er die siebziger Schlachten mitgefochten hatte und mit dessen vornehm zurückhaltender edelmännischer Art er auch innerlich verwandt war. Unter Ingos anregendem Geisteshauch lebte der Alte wieder auf; denn er hatte immer eine stille Vorliebe für diesen jüngeren Sohn gehegt, dessen unzeitgemäße Sehnsucht er recht wohl nachfühlen konnte.

Elisabeth, in dem schwarzen Kleid der Trauer noch anziehender, hatte ihre Mutter verloren und war in aller Stille Ingos Gattin geworden. Über ihrem Wesen lag jener Schimmer von Wärme, den man mit dem Worte Innigkeit bezeichnen könnte, einem Worte, das mit Innerlichkeit verwandt ist. Kind, Jungfrau und reifes Weib schienen alle drei in dieser stillen und feinen Gestalt erhalten zu sein, einander ergänzend, nicht störend. Ihre stattliche äußere Erscheinung war von gebietender Hoheit, die aber von der etwas gedämpften und guten Stimme und von einem einfachen, kindlichen, ja fast schüchternen Lächeln des Wohlwollens wieder ausgeglichen wurde. Es war in ihr etwas wie seelische Leuchtkraft. Es gibt Menschen der Erfüllung, wie es Menschen der unruhigen Sehnsucht gibt; Elisabeth war ein Mensch der Erfüllung. Alles Unstete wird in solchen Naturen selige Gegenwart. Sie sind nicht mehr Hitze, sondern Wärme, nicht mehr Kometen, sondern Planeten oder gar Sonne. Dem Unerfüllten ist die Welt romantisch: aber die Erfüller machen die Welt traulich und heilig. In ihnen ist etwas, was der Romantiker leicht unterschätzt: die große Geduld. Sie haben es nicht mehr nötig, Tempelsucher zu sein: sie sind bereits Tempelbauer und Tempelhüter.

Diese drei, mehr oder minder auf Innerlichkeit und Gehaltenheit abgestimmten Menschen bildeten nun im Thüringer Herrenhause, im Herzen Deutschlands, den Grundstock der neuen Familie. Und es war eigenartig, daß gerade die einfachsten Menschen des Gutes, von der Waschfrau bis zum Feldarbeiter und Waldgänger, dem anscheinend durch Klüfte hoher Bildung von ihnen getrennten neuen Gutsherrn und seiner wahrhaft herzensadligen Gattin Zutrauen entgegenbrachten. Denn sie spürten in diesem jungen Ehepaar reines Menschentum. Auf den Höhen wahrer Bildung wird der Mensch wieder einfach.

Dabei legte Ingo großen Wert auf eine auserwählte und geschmackvolle Bibliothek. Mit ebensolcher Sorgfalt wählte er seinen Wandschmuck, wobei besonders sein Liebling Feuerbach neben alten Meistern in guten Kopien vertreten war. Flügel und Meisterharmonium zierten den großen Saal, der noch mit Jagdtrophäen und Waffen gefüllt war von der andren, der sportsmäßig unruhigen Generation, für die das Tuten eines Automobils wohllautender war als eine Sonate von Beethoven.

In diesem Saale war an einem Winterabend, der etwas Neuschnee über die Fichten gestreut hatte, das Ehepaar Trotzendorff zum ersten Male bei den Jungvermählten zu Gast. Und seltsamerweise hatte sich noch ein Bekannter eingefunden, den einst Ingo in Cette und Lourdes so gut wie gar nicht beachtet hatte: der ernste, etwas trockene Fabrikant Muthner.

Der Diener reichte Tee herum; der Vater hielt sich rauchend im Hintergrunde. Auch Muthner, der ohne seine ägyptischen Zigaretten unglücklich war, bat um die Erlaubnis, rauchen zu dürfen, was die Damen gern gewährten. Und dennoch blieb, bei aller äußeren Gemütlichkeit und bei aller Gedämpftheit auf diesen vielen Fellen und bequemen Polstern des Salons, eine feine Trauer die eigentliche Stimmung.

„Es ist noch kein ganzes Jahr verflossen seit der Riviera”, stellte der Gutsherr fest. „Und was hat uns dieses eine Jahr gebracht! Als hätten sich zehn Jahre in diese kurze Zeitspanne eingepreßt! Erinnert ihr euch jenes Gespräches über die Titanic, Friedel und Richard? Und wer spricht heut' noch von der Titanic! Alle Welt ist voll vom Balkankrieg.”

„Die Geschäftslage ist drückend ernst”, warf der Fabrikant ein.

„Auch in die Feier der Befreiungskriege will kein rechter Schwung kommen”, bedauerte Trotzendorff.

Der Major z. D. hatte sich den nach seiner Meinung schmachvoll mißglückten Wartburgtag so zu Herzen genommen, daß ein Unmut in ihm zurückgeblieben war. Und bei nächster Gelegenheit hatte er sich aus dem Hofdienst zurückgezogen und sich als Offizier zur Disposition stellen lassen. Vereinstätigkeit und statistische Arbeiten machten ihm nun Freude. „Innere Arbeit am deutschen Volke” nannte er das mit seinem etwas doktrinär betonten vaterländischen Bewußtsein. Friedel saß wieder mit ihrem ganzen blühenden Künstler-Naturell neben dem anders gearteten Gatten, so prächtig erholt, daß sie sogar ein wenig zur Fülle neigte, was ihr keinen geringen Kummer verursachte.

„Es geht mir mit diesen Feiern sonderbar”, bemerkte Ingo. „Ich bin doch sonst ziemlich leicht in der Handhabung von Feder und Laute. Aber wenn ich mit meinem Verwalter fertig bin und mich dann wieder zu diesem Stoß von illustrierten Büchern über 1813 wende — ich weiß nicht, wie es kommt: ich vermag nicht recht mitzujubeln.”

Der alte Vater nickte.

„Wir von 1870 wußten noch, um was wir kämpften. Wir hatten ein Ideal. Heute hat alle Welt Kriegsfurcht.”

„Vielmehr Furcht vor wirtschaftlichen Schädigungen”, verbesserte der Fabrikant. „Damals hatte man etwas zu gewinnen, heute fürchtet man nur zu verlieren.”

„Nämlich Geld und Gut!” rief der alte Baron aus seinem Sessel zurück. „Und das ist ja wohl schließlich des modernen Menschen höchstes Ideal. Ach, meine Herren, was weiß man heute noch von unsrer Stimmung von 1870? Ich hab' es oft erzählt, wie am Abend einer jener mörderischen Schlachten vor Metz unser alter Kaiser an unser zusammengeschossenes Regiment herangeritten kam. Wahrhaftig, es sah bei uns allerdings kläglich aus, wir waren kaum noch ein Trüppchen. ‚Kinder, ihr habt ja wohl heute schwer gelitten’, sagte der Kaiser mit seiner etwas hohen Stimme, ich hör' ihn heute noch. ‚Ist das alles, was von euch geblieben ist?’ Ich stand vor ihm — was sollte ich melden? ‚Es werden sich ja wohl noch etliche zusammenfinden, Majestät.’ Da warf er einen Blick über uns hin — den vergess' ich nie — und die hellen Tränen liefen ihm über die Wangen. Er sagte dann gar nichts weiter, winkte nur mit der Hand — so — zu uns herüber — Unaussprechliches lag in dieser Handbewegung, etwa als wollt' er gute Kameraden grüßen: Haltet aus, liebe Kameraden, seid bedankt, treue Kameraden, es gilt eine hohe Sache! Oh, da war keiner von uns, der nicht gern sein Leben gelassen hätte.”

Der Alte schwieg bewegt.

„Ja, Sie hatten noch Ideale, Herr Baron!” rief Trotzendorff. „Das Deutsche Reich! Und so war's vor hundert Jahren, als sich Deutschland vom Druck befreite. Aber heute?”

„Ein Krieg von heute würde die europäische Luft reinigen”, führte Ingo die angeschlagenen Gedanken fort. „Und dann wäre Raum und Empfänglichkeit für eine neue Lebensstimmung.”

„Was verstehen Sie eigentlich unter neuer Lebensstimmung?” fragte der Fabrikant.

„Nun, was hab' ich Ihnen neulich geraten, als ich Ihre Fabrik besichtigte, Herr Nachbar? Erfinden Sie ein Entgiftungsmittel und lassen Sie sich ein Patent darauf geben. Ein chemisches Mittel, das unsrer gespannten und mißtrauischen sozialen, politischen und geistigen Luft reinen Sauerstoff zuführt. In Oberitalien traf ich einmal eine feine kleine Dame, ebenso praktisch wie anmutig, die mir die Einrichtungen ihres Arbeiterdorfes zeigte: Milchanstalt, alkoholfreie Wirtschaft, Bade- und Krankenhaus — unpoetische Dinge, die ich aber seither achten gelernt habe. Was ist die Triebfeder bei dieser guten und klugen Witwe? Menschenliebe. Sie ist selber durch Leid gegangen. Und nur so erobert man Herzen, nicht mit Polizei, Paragraphen und Kanonen.”

Dieser Grundanschauung versagten selbst die härteren Elemente der Gesellschaft, Major und Fabrikant, nicht ihren Beifall, wollten aber für Rekruten, Spitzbuben und Feinde unbedingt Polizei und Kanonen geachtet wissen.

„Nicht alles kann mit Menschenliebe erreicht werden”, sagte der Fabrikant. „Das erfahren wir Arbeitgeber bitter genug. Schlagen wir Arbeitsteilung vor! Mag Liebe und Strenge nebeneinandergehen!”

„Der Troubadour hat sich also der sozialen Frage verschrieben?” neckte Friedel. „Und auch die Gedenkfeiern locken dir kein Lied ab? Der unheimliche Rückzug aus Rußland? Die Freiheitsschlachten?”

„Doch, Friedel”, erwiderte Ingo. „Ich habe in der Tat einige Blätter geschrieben. Habt ihr Geduld? So les' ich sie euch vor. Sie sind zugleich Lebensprogramm für mich und mein Weib. Nicht wahr, Elisabeth?”

Er lief in sein Schreibzimmer, kam mit drei Blättern zurück und las ...

I.

„Rückzug aus dem eisigen Rußland! ... Eines Titanen hochgespannte Willensleistung ist von den Göttern zerbrochen worden! ... Durch die weiße Wüste, deren Horizonte sich im Schneelicht verlieren, schlürfen die zerlumpten Reihen der Franzosen, umstäubt von Schneewind und Kosaken — aufgelöste, dumpf marschierende, stumm dahinknirschende Grenadiere ... Welch ein Geräusch! Das Zornweinen einer Armee!

Und zwischen den vereisten Bärenmützen, zu Fuß, um sich wieder zu erwärmen, der Kaiser selber. An toten Soldaten und an Pferdeleichen vorüber. Hinter ihm, gleichfalls abgesessen, der Schwarm der Generalität. Und stumpf über den Schnee schlürfend, schlürfend, schlürfend die Reste der Regimenter ...

II.

Wo sind sie heute, die Enkel jener Massen von Hunderttausenden, die der geniale Korse über die Schlachtfelder Europas gejagt hat?

Wiederum bilden sie Massen: sie fronen in den Fabriken.

Wieder um sie her Glut und Rauch, wie einst in den Schlachten um die Großväter. Gespenstische Gestalten stehen mit langen Stangen, wie Kanoniere, und stoßen in rotfließende Glutmasse.

Aus den Schloten züngelt die Überkraft des Hochofenfeuers. Es überflammt an diesem grauen Winterabend selbst die elektrischen Lichtkugeln.

Und aus diesen steilen schwarzen Kaminen wälzt und rollt und ringelt sich, schwer und dick, ankämpfend gegen pressenden Winternebel, der schwarze Rauch und dunkelt dämonisch den Himmel ein.

Sind es die Geschütze von ehedem? Sind sie steil emporgerichtet und beschießen den alten Himmel? Sind die Titanen wieder im Kampf gegen die Götter?

Ein unsichtbarer Herr lenkt den Willen dieser Hunderttausende, benützt ihre Muskeln, zwingt ihre Kraft nach einem bestimmten Ziel. Denn sie sind Elementarkraft, nicht Geist.

Doch sie dienen. Sie dienen, wie sie einst dem Willen und dem Genie Napoleons gedient haben. Und das Feuer, das in Hallen und Höfen blendend flammt, legt einen verklärenden Goldrand um diese rußigen Männer der Arbeit.

III.

Jedem aber ist ein Feierabend beschieden.

Dann ist ein Tor offen, um sich zurückzuziehen aus der Fron und aus der Gattung, seinen Geist wieder heimzurufen aus dem Dienst an der irdischen Lebenspflicht — und dann allein zu sein, sich wieder als einen selbständigen Geist zu wissen, sich wieder als eine einzelne persönliche Seele zu empfinden.

Nun treten in die Gesellschaft dieses aufatmenden Feierabend-Menschen die großen, guten und schönen Gedanken und Gebilde aus dem Reiche des Geistes.

Hier sind keine rauchenden Schlote; hier wirkt keine Erdenschwere. Dahinten sind Spannung, Kampf, Haß und Verdruß; sie sind abgelegt wie ein Panzer. Der Befreite geht im Festgewand seiner Phantasien und Gedanken.

Hier ist die Liebe Königin; ihre Prinzessinnen heißen Schönheit und Weisheit. Die Edlen, die sich im Seelenland begegnen, sind freie Freunde.

Jetzt beginnt das Amt des Spielmanns und des Gralsuchers.

Er spricht zu Menschen, die wieder ihre unsterbliche Würde empfinden.

Und nun fühlst du plötzlich, daß auch Gedankensenden eine Tat ist. In deinem Zimmer wandelnd, an deinem Ofen träumend, bist du mit Geist und Herz nicht an die Enge gebunden. Dein Drang, Schönheit und Güte zu suchen oder zu entzünden, läuft wie ein Strahlenwerk hinaus durch die sternklare Nacht.

Und wenn alsdann an dein eigenes Herz Gutes pocht, du bedrückter Mann der Arbeit; wenn ein Harfenton der Liebe deine eigene Seele berührt, du müde Freundin — so wisse, daß auch andre Herzen liebevolle Gedanken aussenden an alle sorgende, kämpfende, leidende Menschheit.

Und du bist nie allein! ...”


So las Ingo.

Die Gesellschaft gab einen behaglichen Beifall zu erkennen. Aber die unruhig mit den Fingern trommelnde Friedel hatte einen Einwand bereit:

„Lieber Spielmann, jetzt noch ein Schrittchen weiter — und du steckst mit beiden Füßen im sozialen Moralpredigen!”

Man lachte.

„Jawohl!” beharrte sie. „Und das ist heute die größte Gefahr des Künstlers — und alle tappen hinein, alle!”

„Das will ich nicht hoffen, Friedel!” rief Ingo. „Ich hab' auch noch ein paar andre Stimmungen und Geheimkammern. Und überhaupt: das müßte denn doch ein geistverlassener Tropf sein, der das reizvoll-bunte Lebensspiel bloß moralisch deuten wollte. Moralisch kann auch der Philister sein. Die Türpfosten zu meinem Studierzimmer heißen Phantasie und Güte. Und auf dem Querbalken steht der Spruch: Leben entzündet sich nur am Lebendigen!”

Es hatte dies einen leichten Beigeschmack von Zurechtweisung. Elisabeth empfand es, beugte sich zu Frau Friederike hinüber und sagte: „Liebe Friedel, es sind rings um Schloß Waldeck viele Singvögel: da wird er gewiß das Singen nicht verlernen.”

Elisabeth pflegte mit solchem Eingreifen in das Gespräch so sparsam zu sein, daß diese ausgleichende Bemerkung in ihrer freundlichen Sicherheit um so wirksamer war. Es wurde gelacht. Aber man hatte dabei die eigenartige Empfindung: diese Beiden da wissen, was sie wollen!

Als sich der Fabrikant verabschiedet hatte, blätterte die Sängerin anspielenderweise im Klindworthschen Klavierauszug der „Meistersinger” und lobte den prachtvollen roten Ledereinband, den Elisabeth um einige Lieblingswerke ihres Gatten zum Geburtstag hatte besorgen lassen. Sie schlug auf und stieß auf den Namen Hans Sachs.

„Wie duftet doch der Flieder
So mild, so stark und voll!”

Laut las sie die Worte, drehte den Kopf nach Ingo und schaute ihn fragend an, indem sie den Flügel öffnete und die Partitur aufstellte.

Es war seit vielen Wochen in dem Trauerhause fast gar nicht gespielt worden. Jetzt setzte sich Ingo vor die Tasten und sang gedämpft, zum Inhalt und der Stimmung des Hauses passend, jenen Monolog des Meisters Sachs. Und bald stand die genesene Freundin hinter ihm und sang die Rolle der Eva. Ein Zwiegesang entfaltete sich; sie hatten seit Lourdes nicht mehr miteinander musiziert. Jetzt aber hatte Ingo die Führung, wandte sich dazwischen um und rief mit Feuer:

„Was für ein reifer Mann und Poet, nicht wahr, dieser Sachs! Dieses innige Motiv, der Nachhall aus Stolzings Lenzlied, so biegsam, daß es von Verträumtheit in Jubel übergehen kann: Lenzes Gebot, die süße Not, die legt' es ihm in die Brust! Das ist wie ein Bach unter Winterschnee: verhaltene, gesammelte Kraft, die noch in sich hat die Melodien vom verflossenen Sommer und schon in sich die künftigen Frühlingslieder. Gesammelte Kraft! Ja, so ist das Gemüt der besten Deutschen! Hans Sachs in dieser Geklärtheit und männlichen Güte, ein Greis und doch jung und mit Jungen fühlend — das ist ein Spielmann! Das ist ein Edelmann!”

Und als Eva bekannt hatte, daß sie nur ihn zum Gemahl genommen hätte, wär' nicht der andre gekommen, nach jenem ganzen Dank der Eva — „O Sachs, mein Freund, du teurer Mann, wie ich dir Edlem lohnen kann?” — sang Elisabeths Gatte bedeutsam weiter:

„Von Tristan und Isolde
Kenn' ich ein traurig Stück,
Hans Sachs war klug und wollte
Nichts von Herrn Markes Glück” ...

Hier brach der Sänger ab und ging in ernstes Phantasieren über, beginnend mit den Anfangsakkorden von Tristan und Isolde, die ja hier im Orchester der Meistersinger ertönen, überleitend zum Karfreitagszauber, dann Erinnerungen von Lourdes und vom Gralsberg verwebend mit eigenen fremdartigen Phantasien, die zu einem Lieblingswerk von Elisabeth hinüberführten, der Nänie von Brahms: „Auch das Schöne muß sterben, das Menschen und Götter bezwinget.”

Hier sprang er auf.

„Doch nicht diese wehmutvollen Chöre sind der rechte Abschluß! Jetzt setzt meine Orgel ein.”

Und mit feierlichen und großen Choralphantasien am Meisterharmonium machte er den Beschluß.

Trotzendorff lag im Polsterstuhl, nickte behaglich und war einem gemächlichen Halbschlummer nahe. Der Abend mit seinem milden Schneelicht fing sachte an, in lange Dämmerung überzugehen. Frau Elisabeth saß in ihrer üblichen graden Haltung und verwandte kein Auge von den Künstlern am Klavier, besonders von Frau Friedel. Und als nun Ingo aufstand, erhob sich rasch auch seine Gattin, deren Geist insgeheim gearbeitet hatte; sie kam heran, legte einen Arm um die Freundin und den andren um Ingo und küßte beide mit einer wortlosen Zartheit, denn sie hatte die Sprache der Musik verstanden.

„Wenn ich doch nur die Hälfte deines Talentes hätte!” seufzte sie dann, den Kopf an Frau Friederikens Wange legend.

„Gutes Kind, wieviel hast du im Herzen!” erwiderte die Künstlerin. „Darf ich manchmal zu dir kommen und Wärme holen, Elisabeth? Es gibt Menschen, nach denen man Heimweh bekommt, wenn man mit ihnen zusammen war — du gehörst zu diesen seltenen Menschen.”

Ingo brachte das Ehepaar persönlich im Wagen an den kleinen Bahnhof.

„Ernste Zeiten, Ingo! Wartezeit! Aber ich denke, wir stehen unsren Mann!” war Richards letztes Wort.

„Auf Wiedersehen, Friedel!”

„Ingo, ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich für dich bin! Was ist das für ein begnadetes Menschenkind! Sie wirkt durch ihr bloßes Dasein. Wir andern — müssen reden und singen, um uns wichtig und beliebt zu machen.”

„Nicht wahr?!”

Sie sagten nicht einmal, wen sie meinten, denn das war ja selbstverständlich.

Als aber Ingo wieder sein Haus betrat, in dem Gefühl, daß doch nun erst seine eigentliche Welt beginne, die heilige Stille, hatte er einen rührenden Anblick. Er hörte Klavier spielen und vernahm dazu Elisabeths feine und gute, doch keineswegs tonstarke Stimme. Leise trat er ein. Die schlanke dunkle Gestalt mit der schweren Haarkrone saß und bemühte sich, Evas Partie zu lernen, indem sie die Singstimme zunächst mit den Fingern nachtupfte und mitsang. Aber sie war, obwohl sie leichte Sonaten einwandfrei spielte, größeren Schwierigkeiten doch nicht gewachsen.

„Elisabeth!” rief Ingo erstaunt, die Türklinke in der Hand.

Sie erschrak und flog empor.

„Meine gute Elisabeth, komm einmal her zu deinem Mann! Sag' einmal, meine süße Santa, was sind denn das für neue Bestrebungen?”

Sie fiel ihm halb lachend, halb verschämt um den Hals.

„Liebster, verzeih! Ich möchte so gern alles mit dir teilen, alles! Auch mit dir singen. Ich möchte dir sein, was dir andre sind.”

„Aber, aber — spricht das meine großherzige Elisabeth? Möchtest du das wirklich? Möchtest du mir etwa meinen lieben alten Konsul Bruck ersetzen und Geister schauen? Oder Trotzendorff? Möchtest du das? Seit wann will mir denn Elisabeth, die mir immer so viel Freiheit gelassen hat, jetzt zu guter Letzt Frau Friedel überflüssig machen? Sind nicht die Freunde da draußen der Stolz unsres Hauses? Die Guten, die zu uns gehören?”

„O ja, du hast recht! Das will ich nicht, wirklich nicht! Im Gegenteil! Vergib, du hast mich da auf einer rechten Schwäche ertappt! Ich dachte nicht, daß du schon so früh zurück wärest.”

„Ich habe ja die Pferde gejagt, daß sie dampften, so sehnt' ich mich, mit meiner Einzigen allein zu sein! Du, mit deiner Seele voll Musik! Hast du nicht Verständnis für große Kunst von Bach bis Brahms — genügt das nicht? Will meine Hausfrau auch noch Sängerin sein? Und daß Meister Wilhelm Raabe dein Lieblingsschriftsteller ist — stellt das nicht deinem literarischen Geschmack ein gutes Zeugnis aus, du Stille im Lande? Komm, küsse mich! Dein Kuß ist Musik, du Süßeste der Süßen! Wir sind wieder allein!”

Und sie sagten sich innige Worte.

Dann gingen sie Arm in Arm in Ingos Arbeitszimmer.

„Hier ist etwas, was dich interessiert, Elisabeth. Da hat mir der Architekt den Plan unsres künftigen Hauses geschickt, den er nach meinen eigenen Angaben ausgearbeitet hat.”

Er breitete den Grundriß über den Tisch aus; und die Gatten vertieften sich in den groß und persönlich angelegten Zukunftsbau.

„Es sieht aus wie ein großes lateinisches T”, bemerkte Elisabeth, „mit einem kleinen Kreis über der Mitte des oberen Querbalkens. Oder wie ein Mensch mit ausgestreckten Armen.”

„Sonderbar, nicht wahr?” versetzte er. „Am Fuße ist der Haupteingang; ein Korridor läuft im Stamm entlang und in den Seitenarmen. Im Kreuzungspunkt ist die Treppe nach oben; dort ist der Vorraum zur Tempelrotunde, die durch diesen Kreis dargestellt wird.”

„Ein Tempel?”

„Ja, das sind nun einmal meine Besonderheiten. Doch dieser Tempel ist noch Geheimnis. Er wird zuletzt gebaut. Und nicht jeder darf ihn betreten.”

„Wir beide betreten ihn gemeinsam, nicht wahr, Ingo?”

„So ist es, Elisabeth. Wir reifen ihm gemeinsam entgegen, das ahnst du ganz richtig. Diese hohen Dinge kann man nicht so ohne weiteres machen, sie müssen wachsen, sie werden geschenkt, wenn die Zeit gekommen ist. Den Tempel der Erfüllung kann man erst verstehen, wenn man durch Erlebnis reif ist. Was würdest du hineinstellen, Elisabeth? Laß einmal sehen!”

Sie besann sich ein Weilchen, dann sagte sie:

„In die Mitte, auf einem Postament und aus reinstem Marmor, den segnenden Christus von Thorwaldsen. Und in die Nischen an den Wänden — es sind doch Nischen drin? — die großen Meister, die du besonders verehrst, lauter weiße Marmorgestalten. Das müßte feierlich stimmen, wenn man unter diese großen Menschen tritt, und es fällt nur von oben Himmelslicht hinein, nicht wahr?”

„Sieh mal an, sieh mal an, mein Weib wird ja schöpferisch! Beginnst wohl schon gleich den Tempelbau?”

Sie hatten die Arme umeinandergelegt, gingen im geräumigen Arbeitszimmer langsam hin und her und plauderten von der Zukunft: er in ernster Symbolik, sie von der weiblichen Freude erfüllt, mit dem Geliebten beraten zu dürfen.

Er sprach über seinen Lieblingsgedanken, drei europäische Grundkräfte zur Harmonie zu bringen: Akropolis, Golgatha und Wartburg — Griechen-Schönheit, Christus-Güte, Germanen-Ernst. Er flocht im Gespräch unsichtbare Rosen um ein unsichtbares Kreuz. Und er teilte seine Gedanken in einer Sprache mit, die ihrer Fassungskraft zugänglich war.

„Diese künftige Einheit herzustellen, ist die Sendung künftiger deutscher Meister”, sprach er. „Die Vorbereitungen dazu können jetzt schon eines Mannes Leben ausfüllen. Deutschland ist das Herz Europas: es hat den Tempel zu bauen. Auch ich will versuchen, vorbereitend in meinem kleinen Bezirk mitzuwirken. Und Elisabeth soll dabei sein.”

Dann wandte er sich wieder den Plänen zu.

„Um das ganze Haus wird sich im Halbkreis oder in Eiform ein kleines Gitter ziehen, das innerhalb des Parkes den Hausbezirk noch einmal umfriedet. Sinnvolle Blumenanlagen und Statuen werden sich diese Umfriedung entlangziehen. Am linken Flügel mündet der Fahrweg ein, läuft vor den Haupteingang und dann am rechten Flügel wieder hinaus zu den Wirtschaftsgebäuden, führt also ungefähr am inneren Gitter entlang, wo die Statuen grüßen, die gleichsam das Ganze umwachen.”

„Und was steht hier über der Eingangspforte?”

„Dort ist in der höchsten Mitte des Steinbogens ein steinernes Kreuz; darum ein Kranz von sieben Rosen, vier unterhalb, drei über dem Querbalken; die mittlere dieser drei oberen Rosen ist angeheftet am Stamm. Unter diesem Rosenkreuz ist eine Marmortafel, darauf in Goldschrift folgende Worte:

„Hier ragt in Stein das Zeichen edler Großen,
Und diesem Zeichen sei das Haus geweiht:
Haus Waldeck steht im Bann von Kreuz und Rosen,
Von heitrem Ernst, von ernster Heiterkeit.
Und wer des Zeichens tiefren Sinn erfaßt,
Der sei willkommen als erles'ner Gast.”

Es war dunkel geworden. Aber das geheimnisvolle Schneelicht und ein blauer Nachthimmel mit vielen Sternen ließen es nicht ganz finster werden.

Die glücklichen Liebenden kosteten so recht die traute Wärme dieser Schummerstunde. Und es war schwer zu entscheiden, was ihnen inniger am Herzen lag: diese Pläne selber oder die Wonne des gemeinsamen Plänemachens, in dem sich ja symbolisch nur wieder ihr eigenes tiefstes Lieben oder Sehnen aussprach.

Er setzte sich in den Schaukelstuhl; sein Weib schmiegte sich auf seine Kniee und in seine Arme. Warm und nahe gingen ihres Busens Atemzüge. Man hörte nur das Ticken der Uhr. Und sie träumten in die erhabene Winternacht.

Um Park und Haus erhoben sich rechts und links Tannenberge; aber die vordere Seite war weithin offen; und erst ganz fern schloß sich der Horizont durch die zart geschwungene Linie bewaldeter Hügel. Man konnte dort an hellen Tagen eine Lücke unterscheiden, und in der Lücke eine Bergstraße, die hinausführte in neue Länder und Weiten. Dorthin schaute der Gutsherr oft und gern. Denn nicht ganz verklungen war die Melodie der Sehnsucht, die ihn einst hinausgetrieben hatte, der Ferndrang, das Iphigenien-Heimweh am Ufer von Tauris. Aber ihn durchdrang die männlich-sichere Empfindung: jene Schönheit auf dem Rivierahügel, jene Geister vom Montserrat — sie sind nicht draußen, sie sind nahe bei mir und in mir; ich habe die weite Welt hereingeholt in die erweiterte Enge.

„Kreuz und Rosen”, sagte Frau Elisabeth träumerisch, ihren Gatten umrankend wie ein Rosenzweig. „Ist es nicht Verklärung des Lebens durch die Liebe? Oder was ist des Zeichens tieferer Sinn?”

„Das werden wir alles noch verstehen lernen, Elisabeth.”

„Wir? Du verstehst es ja schon.”

„Nicht ohne dich. Diese Geheimnisse offenbaren sich nur durch Liebe, nicht durch Verstand. Darum verstehe ich sie nicht ohne dich — und du nicht ohne mich. Ich erlebe und erlerne in dir und du in mir. Und unsere Liebe hat schon alle künftigen Erkenntnisse in sich — wie eine Rosenknospe die künftige Rose.”

Ende

Verlag von Greiner & Pfeiffer, Stuttgart

Friedrich Lienhards Werke

Lyrik

Lebensfrucht. Gesammelte Gedichte. 4., auch die Sammlungen „Lichtland” und „Kriegsgedichte” umfassende Gesamtausgabe. 6 Mk., geb. 7 Mk.

Die Schildbürger. Frühlingsdichtung in zehn Gesängen. 2. Aufl. 4 Mk., geb. 5 Mk.

Dramatik

Till Eulenspiegel. Narrenspiel in drei Teilen. 4. Auflage. 2.50 Mk., geb. 3.50 Mk.

Münchhausen. Lustspiel. 3. Auflage. 2 Mk., geb. 3 Mk.

König Arthur. Trauerspiel. 3. Auflage. 2 Mk., geb. 3 Mk.

Gottfried von Straßburg. Schauspiel. 3. Aufl. 2 Mk., geb. 3 Mk.

Odilia. Legende. 2. Auflage. 2 Mk., geb. 3 Mk.

Wieland der Schmied. Dramatische Dichtung. 4. Auflage. 2 Mk., geb. 3 Mk.

Wartburg. Drei dramatische Dichtungen: „Heinrich von Ofterdingen”, „Die heilige Elisabeth”, „Luther auf der Wartburg”. 4. Auflage. Je 2 Mk., geb. 3 Mk.; in einem Band 5 Mk., geb. 7.50 Mk.

Odysseus auf Ithaka. Dramatische Dichtung. 2. Aufl. 2 Mk., geb. 3 Mk.

Ahasver am Rhein. Trauerspiel. 1.50 Mk., geb. 2.50 Mk.

Phidias. Schauspiel in drei Aufzügen. 2.50 Mk., geb. 3.50 Mk.

Epik und Prosa

Helden. Bilder und Gestalten. 3. Auflage. 4 Mk., geb. 5 Mk.

Oberlin. Roman. 45. Auflage. 7.50 Mk., geb. 9 Mk.

Der Spielmann. Roman. 30. Auflage. 5 Mk., geb. 6 Mk.

Der Einsiedler und sein Volk. Novellen. 11. Auflage. 4 Mk., geb. 5 Mk.

Wasgaufahrten. 12. Tausend. 4 Mk., geb. 5 Mk.

Thüringer Tagebuch. 23. Auflage. 4.50 Mk., geb. 5.50 Mk.

Neue Ideale. Gesammelte Aufsätze. 2. Auflage. 4 Mk., geb. 5 Mk.

Wege nach Weimar. 6 Bde. 4. Aufl. Jeder Band einzeln geb. 6 Mk.

Deutschlands europäische Sendung. Kriegsgedanken. 18. Tausend. 50 Pfennig.

Deutsche Größe (Schillers Gedichtentwurf). 50 Pfennig.

Jugendjahre. Erinnerungen. 6. Auflage. 4 Mk., geb. 5 Mk.

Lesebuch aus Lienhards Werken, herausgeg. von Kreuzberg. 1 Mk.

Friedrich Lienhard

Deutsche Dichtung

160 Seiten. Gebunden Mk. 1.50

Wie eine fesselnde Erzählung packt das Büchlein und umspinnt uns mit dem Zauber deutscher Dichtung. Von dem sagenhaften germanischen Nationalepos und Minnegesang des Mittelalters bis zu den modernen Schöpfungen unserer Zeitgenossen zeigt uns der Verfasser den Weg, die tiefen Schönheiten unserer deutschen Literatur zu finden, das Wesen wahrer Dichtung zu erleben und sie zarter und fester als bisher mit unserem Herzblut und Seelenleben zu verbinden. Lienhard wählt für die Gliederung der deutschen Literatur drei sinnbildlich vertiefte Namen „Wartburg, Wittenberg, Weimar” und verbindet mit dieser Einteilung Mittelalter, Reformation und Neuzeit. Ein prächtiges Büchlein, das jeden Gebildeten die deutsche Dichtung als einen kostbaren Besitz unserer Nation besser werten läßt, und das auch dem Fachmann Neues sagen und Altes neu prägen wird.

Das klassische Weimar

3. Auflage. 123 Seiten. Gebunden Mk. 1.50

„Als treuer Hüter steht Friedrich Lienhard am Tor des Graltempels der idealistischen Weltanschauung unserer klassischen Kunst von Weimar. Und mit tiefen Begeisterungen, mit priesterlicher Weihe, mit echter Wärme, ein wahrhaft Gläubiger, weist er uns immer wieder hin auf das einzig Eine, was uns not tut: daß wir die Seele, das Wesen dieser Weimarer Kultur uns wahrhaft innerlich aneignen und das ganze tiefe Empfinden, die Sicherlichkeit und Gewißheit von ihrer vollkommenen und höchsten Schönheit und Wahrheit in uns erfahren. In großen Linien zeichnet er den Entwicklungsgang, den Aufstieg von Friedrich dem Großen und Klopstock bis zur Vollendung in Goethe, und legt den Wert und die Bedeutung der Führer in ihren Besonderheiten dar.”

Julius Hart, Der Tag.

Einführung in Goethes Faust

3. Auflage. 116 Seiten. Gebunden Mk. 1.50

„Auf eigenem Wege bahnt Friedrich Lienhard seinen Hörern den Zugang zum Innersten der Dichtung. Er erfaßt den Faust als Mysterium, als Erlösungswerk, leitet ihn aus dem religiösen Untergrund der Persönlichkeit Goethes ab, die er zuerst in ihrem Werden und Sein mit großen Linien zeichnet, und nennt den „Faust” glücklich ein Drama vom inneren Menschen ... Auch denen, die von der gewöhnlichen Faustliteratur nichts wissen wollen (und ihre Zahl scheint mir immer größer zu werden), kann ich Lienhards Buch warm empfehlen.”

Das literarische Echo.

Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig

Anmerkungen zur Transkription

Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen gebräuchlich waren, wie:
  • andere -- andre
  • benützt -- benutzt
  • Goethe-Band -- Goetheband
  • Grashupfer -- Grashüpfer
  • Helena-Tragödie -- Helenatragödie
  • Riviera-Hügel -- Rivierahügel
  • tapferen -- tapfren
  • unsere -- unsre
  • Wanderer -- Wandrer
Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert.
Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen:
  • Der Schmutztitel wurde entfernt.
  • S. 9 „Schaller & Ko.” in „Schaller & Co.” geändert.
  • S. 46 „Les Beaux” in „Les Baux” geändert.
  • S. 48 „Flotillen” in „Flottillen” geändert.
  • S. 71 „Scylla” in „Skylla” geändert.
  • S. 122 „Bhagavad Ghita” in „Bhagavad Gita” geändert.
  • S. 127 „Park Guell” in „Park Güell” geändert.
  • S. 141 „Kalvinistenstadt” in „Calvinistenstadt” geändert.