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Der Teufelsschlosser

Chapter 34: 22. Auftritt.
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About This Book

Ein dramatisches Gedicht in drei Aufzügen zeichnet das Leben eines jungen Schlossers, der vor ein geschlossenes Tor gelangt und von einer geheimnisvollen, roten Gestalt ein Angebot zur schnellen Anerkennung erhält. Gegen Versprechen von Reichtum und Ruhm soll er ein unerreichbar scheinendes Schloss öffnen; die Folge von Versuchung, Ehrgeiz und Entscheidungsdruck entfaltet sich über Zeiträume von zwanzig und zehn Jahren. Neben Werkstatt- und Marktleben treten familiäre Bindungen, Liebesinteressen und das öffentliche Urteil hervor, während moralische Fragen nach Preis, Schuld und Pflicht das soziale Gefüge und das persönliche Schicksal der Figuren immer wieder prüfen.

(Sie geht nach der Tür; wie sie dieselbe öffnen will, ruft Mux in zärtlichem, sehnsüchtigem Tone ihr nach.)
Mux: Lisbeth!
(Sie kehrt mit einem Jubelruf zurück und fällt ihm zu Füßen.)
Lisbeth: Mein Vater, o ich wußt’ es ja,
Ihr könnt mich nicht so von euch gehen lassen.
(Er beugt sich zu ihr herab und will eben seine Hände auf ihr Haupt legen, da erscheint in der Mitteltür glutumstrahlt die Gestalt des Teufels und verschwindet gleich wieder. Mux erschrickt, läßt die Hände sinken und bleibt eine Weile regungslos; er faßt sich aber rasch und spricht kalt zu Lisbeth.)
Mux: Da nimm den Krug und füll’ ihn! Sag’ der Ursel,
Von diesem Abend an sei’s ihr Geschäft.
Lisbeth: Deshalb, mein Vater, rieft ihr mich zurück,
Deshalb allein?
Mux: Was dachtest du denn and’res?
Lisbeth (tonlos): Nichts, Vater, nichts. (Sie erhebt sich
langsam, nimmt den Krug und geht hinaus.) Ich will es gleich besorgen.

22. Auftritt.

Mux (allein): Noch liegt der Schrecken mir in allen Gliedern,
Doch ist’s ein Glück, daß er mir jetzt erschien,
Der Höllengeist. Noch einen Augenblick
Und zärtlich drückt’ mein Kind ich an die Brust,
Gab ihm den Segen, den es heiß erflehte.
(Lisbeth tritt wieder ein.)

23. Auftritt.

Mux. Lisbeth.
Lisbeth (stellt den Krug auf den Tisch): Braucht ihr noch was?
Mux: Nein, du kannst gehn.
Lisbeth: Lebt wohl! (Sie geht weinend hinaus.)

24. Auftritt.

Mux (allein): Mein einzig Kind! Ich werd’ es wohl vermissen,
Hätt’ nicht geglaubt, daß es so wert mir ist.
Wie still’s im Zimmer ist! Sie lärmte nie,
Und doch ist mir’s, als wär’ jemand gestorben,
Weil ich nun weiß, daß sie für immer geht.
Nach Liebe nur allein ging all’ ihr Sehnen,
Von Liebe war ihr ganzes Herz erfüllt,
Von Liebe selbst für mich, der’s nie verdiente —
Ob sie mich jetzt wohl aus dem Herzen stieß,
Ob sie mich bald und gerne wird vergessen?
(schmerzlich) Lisbeth, vergiß mich nicht, behalt’ mich lieb,
Und fluch’ dem Vater nicht, den sein Geschick
Zur Härte und zur Grausamkeit verdammt!
(Es pocht; er faßt sich schnell und blickt finster drein.)

25. Auftritt.

Mux. Lene.
Mux: Herein! (Lene tritt ein.)
Wie, ihr? Was wollt ihr denn schon wieder?
Lene (flehend): Verzeiht die Worte, die ich zu euch sprach,
Gebt mir das Geld, das ich zurückgewiesen!
Mux: Nun, euer Stolz hat sich recht bald gebeugt.
Lene: Im Fieber liegt mein Kind, es ruft nach Dingen,
Die nur das Geld verschafft — o gebt es mir!
Vergeßt, was ich gesagt! Auf meinen Knien
Bitt’ ich euch’s ab, wenn ihr’s so haben wollt,
Nur helfet mir, o habt mit mir Erbarmen!
In wenig Tagen steht vielleicht mein Kind
Vor Gottes Richterstuhl und klagt mich an,
Daß ich die Liebe meinem Stolz geopfert.
Es stand in meiner Macht, die letzten Stunden
Ihm zu verschönen und ich tat es nicht;
Das soll nicht sein, das soll mein Kind nicht sagen
Und müßt’ ich mich erniedrigen so tief,
Daß mich von Stund’ an jeder Mensch verachtet,
Gott sieht mein Herz und hebt mich zu sich auf.
Ist doch nichts heiliger auf dieser Erde,
Als einer Mutter Liebe für ihr Kind,
Und was man tut in dieser Liebe Namen,
Das ist geheiligt. O, wie arm und klein
Dünkt mir der Stolz, der vorhin mich bewogen,
Das Geld zurückzuweisen, das ihr gabt.
Wie fühlt’ ich doch am Bette meines Kindes,
Wie alles irdisch ist, wie nur die Liebe
Vom Himmel kommt und wie in ihrem Feuer
Doch alles schmilzt, was von der Erde ist.
Da kehrt’ ich schnell zurück; zu euern Füßen
Leg’ ich gebrochen meinen Stolz nun hin (sie kniet nieder)
Und bitt’ euch recht, gebt jetzt mir jenes Geld.
Mux (hat ihr erregt zugehört und spricht mit erzwungener Rauheit):
Ihr hättet’s früher überlegen sollen,
Ich will nicht Spielball eurer Laune sein.
Lene: Ihr nennet’s Laune? Sehet ihr denn nicht,
Daß ein gemartert Herz das letzte opfert,
Was ihm geblieben ist: sein bißchen Stolz?
Wißt ihr denn nicht, was Elternliebe heißt?
Ihr habt ja selbst ein Kind, ein holdes Kind —
Denkt euch, es läg’ auf seinem Sterbebette
Und flehte euch um eine Labung an,
Ließt ihr da nicht all’ euern Hochmut fahren,
Gingt ihr zu euerm ärgsten Feinde nicht
Und flehtet ihn um Hilfe, könnt’ er helfen?
(In diesem Augenblick geht Lisbeth am Fenster vorbei und winkt dem Vater weinend zu, er preßt ergriffen seine Hände an die Brust, da erscheint wieder für einen Augenblick die Gestalt des Rothmantels an der vorigen Stelle. Mux wendet sich zu Lene.)
Lisbeth (von draußen): Lebt wohl, mein Vater!
Mux (zu Lene): Seht, dort geht mein Kind,
Es gibt euch selber Antwort auf die Frage.
Ich schick’ als Bettlerin es in die Welt,
Weil es der Stimme seines Herzens folgte.
Lene: Das tatet ihr? Dann fleh’ im wohl umsonst,
Ich geb’ es auf, euch ferner noch zu bitten.
Mux: Gut, daß ihr’s einseht! Und nun schert euch heim
Zu eurem Balg, sonst stirbt er unterdessen.
Lene: Martin, ich fluch’ dir nicht, ich tat es nie
Und tu’ es heute weniger als je,
Ich sehe wohl, daß ich’s nicht nötig habe.
Du bist verflucht, du kennst die Liebe nicht,
Aus deinem Herzen hat sich Gott gelöset,
Gott ist die Liebe und du kennst sie nicht.
(Sie geht. Mux sinkt auf seinen Stuhl und vergräbt das Gesicht in die Hände. Nach einer Weile richtet er sich auf.)

26. Auftritt.

Mux (allein): Gott ist die Liebe und du kennst sie nicht!
Wie sie es sagte! Wie ein Racheengel
Erschien sie mir. Bis in das Mark durchbebt
Ward ich von diesen Worten, nie im Leben
Hat etwas mich so tief ins Herz getroffen.
Und hielt’ ich es für Teufelsblendwerk nicht,
Ich glaubte fast, es wäre Gottes Stimme. —
Ich hab’ gelebt, wie ich es mir gewünscht,
In Saus und Braus, im Taumel des Vergnügens —
War es das rechte, was ich mir erwählt?
Durch meine Seele geht ein leise Ahnen
Von einem Glück, so heilig, hoch und hehr,
Wie ich im Leben niemals es empfunden.
(Er schiebt den Stuhl zurück, steht auf und schüttelt unwillig den Kopf.)
Ob ich das Glück errang, ob ich’s verwarf,
Ich hab’ gewählt; nun muß ich bis ans Ziel
Den Weg verfolgen, den ich eingeschlagen;
Ich will ihn gehn, was hält mich davon ab?
(Er greift nach dem Kruge und will ihn ansetzen.)
Da greif’ ich nun schon wieder nach dem Kruge,
Und doch trägt nur der Wein die Schuld daran,
Daß ich so weibermäßig weich geworden.
(Er schleudert den Krug zu Boden, daß der Wein ausfließt.)
Da fließe hin, du gift’ger Zaubertrank,
Der den Verstand mir hat umnebeln wollen,
Der Teufel selber hat mir dich gemischt,
Damit ich seiner List um Opfer falle.
Jetzt bin ich wieder ich, der Martin Mux,
Der aller Bitten, aller Tränen spottet,
Der kühn es aufnimmt mit der ganzen Welt.
O, flucht mir nur, ihr Toren allesamt,
Und keuchet weiter unter eurer Bürde,
Die ihr euch selber aufgeladen habt,
Schleppt sie nur fort, brecht unter ihr zusammen!
Hohnlachend steh’ als Sieger ich vor euch,
Ein freier Mann, der sich an nichts gebunden —
Ich kenn’ die Liebe nicht, ich halt’ das Glück!