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Der Teufelsschlosser

Chapter 8: 5. Auftritt.
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About This Book

Ein dramatisches Gedicht in drei Aufzügen zeichnet das Leben eines jungen Schlossers, der vor ein geschlossenes Tor gelangt und von einer geheimnisvollen, roten Gestalt ein Angebot zur schnellen Anerkennung erhält. Gegen Versprechen von Reichtum und Ruhm soll er ein unerreichbar scheinendes Schloss öffnen; die Folge von Versuchung, Ehrgeiz und Entscheidungsdruck entfaltet sich über Zeiträume von zwanzig und zehn Jahren. Neben Werkstatt- und Marktleben treten familiäre Bindungen, Liebesinteressen und das öffentliche Urteil hervor, während moralische Fragen nach Preis, Schuld und Pflicht das soziale Gefüge und das persönliche Schicksal der Figuren immer wieder prüfen.

(Alle andern haben sich entfernt, nur die anfängliche Gruppe bleibt. Ganz im Hintergrund steht Franz und schaut noch immer den Davonziehenden nach.)

5. Auftritt.

Erster, zweiter, dritter Bürger. Das Weib. Wendel.
Dritter Bürger: Sagt Leute, ehrlich, wie gefiel es euch?
Ging euch denn gar nichts ab bei der Geschichte?
Erster Bürger: Ein wenig kurz war’s.
Dritter Bürger: Sonst mißfiel euch nichts?
Zweiter Bürger: Wenn ich’s aufrichtig sagen soll: der Mux
War gar zu wenig höflich und bescheiden,
Nahm alles hin, als ob es so sein müßt;
’s ist alles recht, es ist ja sein Verdienst,
Doch braucht er sich drum nicht so aufzublasen.
Wenn einem Christenmenschen etwas glückt
Und man ihn lobt, so schickt sich’s, daß er sage:
Mit Gottes Hilfe habe ich’s vollbracht,
Mit Gottes Hilfe werd’ ich’s weiterbringen.
Dritter Bürger: Aha! Das ist’s, was ich euch sagen wollt,
Doch horcht, was ich euch weiter drüber sage.
Nicht Hochmut war’s, daß Mux es unterließ,
Den Namen Gottes heute auszusprechen,
Er hat es nicht gewagt.
Zweiter Bürger: Warum denn nicht?
Dritter Bürger: Weil ihm der Teufel half bei seinem Werke,
Das ging mit rechten Dingen nimmer zu.
Das Weib: Herrgott im Himmel, wenn das richtig wäre!
Zweiter Bürger: Dann möchte ich in Muxens Haut nicht stecken
Und wär’ er noch so reich und angeseh’n.
Erster Bürger: Wenn er dem Teufel wirklich sich verschrieben,
Dann hol’ ihn auch der Teufel! Wendel komm’!
Wendel: Hoch soll er leben!
Zweiter Bürger (lachend): Doch der Teufel nicht?
Wendel: Hoch soll er leben, dreimal, dreimal hoch!
Erster Bürger (gibt dem Knaben einen Klapps):
Schweig, Esel du!
Wendel (heulend): Ihr habt es doch gesagt,
Ich soll recht schrei’n.
Erster Bürger: Nun ist es schon genug;
Wir gehen heim, die Lust hat nun ein Ende. (Alle
ab, bis auf Franz, der im Hintergrunde bleibt.)

6. Auftritt.

(Lene kommt atemlos hergeeilt und überschaut den Festplatz. Sie ist in bescheidenem Sonntagsputz.)
Lene. Später Franz.
Lene: Da ist der Platz — doch ist schon alles leer,
Hier hängt das Schloß, das Fest ist längst vorbei,
Ich kam zu spät, zu spät trotz aller Eile.
Wo er wohl ist? Ich sehn’ mich so nach ihm
Und kann ihn nicht erreichen! (Franz tritt hervor.)
Franz: Sucht ihr Mux?
Lene (fährt zusammen): Um Gott, wie habt ihr mich erschreckt! Wer seid ihr?
Franz: Marbachers Altgesell, der Franz. Und ihr?
Lene: Ich bin die Lene, Martins Braut.
Franz (erfreut): Ei so?
Da hol’ ich ihn, das wird ihn sicher freuen.
Lene: Ach, könnt ihr das? Dann tut’s, ich bitt euch drum!
(Franz läuft fort, Lene schmiegt sich an den Baum.)

7. Auftritt.

Lene (allein): Du lieber Baum, gesegnet sollst du sein,
Du trägst nun unser Glück und Martins Ehre.
Ach, bliebest du doch ewig, ewig stehn
Und brächtest jedem Glück, der sich dir nahte!
Zu denken, daß ein einz’ger, einz’ger Mann
In dieser großen Stadt voll tücht’ger Leute
Das Werk vollbringen konnte! Und der einz’ge
Muß grad mein Liebster sein, kaum kann ich’s fassen,
Ist’s nicht zu groß, zu groß für mich, das Glück?
(Mux kommt eilig und finster.)

8. Auftritt.

Lene. Mux.
Mux: Was willst du hier?
Lene: Ach, Martin, zürn’ mir nicht!
Ich hielt’s nicht aus daheim.
Mux: So kommst du her,
In diesen Kleidern? Wo sich alles schmückt
Zu meinem Ehrentag, der Bürgermeister
Die Kette umlegt, wo die ganze Zunft
Sich einen Festtag macht?
Lene: Sieh mich doch an!
Bist du vom Glanz des Festes so geblendet,
Daß du’s nicht merkst, wie ich für diesen Tag
Mein bestes aus der Truhe hab’ genommen?
Sieh doch das Halstuch, das du mir geschenkt,
Die Nadel auch von dir, und da die Schürze
Aus meiner Mutter Brautkleid.
Mux: Ja doch, ja.
Doch sag’ nun schnell, was willst du? Ich hab’ Eile,
Es warten andre Leute heut auf mich.
Lene: Was ich hier will? O, Martin, wenn du wüßtest,
Wie mir zumute war die ganze Zeit!
Aus jedem Mund konnt’ ich dein Lob vernehmen,
Von allen Seiten wurdest du gerühmt,
Wie du geschickt seist, wie man dich beneidet
Und wie der Bürgermeister dich belobt,
Weil du den Ruhm der Wiener Schlosserkunst
Aufs neu’ gehoben und gefestigt hast.
Wie mir das Herz bei solchen Reden hüpfte —
Und soll ich’s leugnen — bang zugleich auch schlug,
Weil du so lange dich nicht sehen ließest.
Ich konnte kaum vor Sehnsucht mich mehr fassen,
Mir ward zum erstenmal, seitdem ich dien’,
Mein Dienst zuwider; wär’ die Frau nicht krank
Und hätt’ mir leid getan, ich wär’ wahrhaftig
Spornstreichs davongerannt und hin zu dir.
Mux: Ich hätte schwerlich für dich Zeit gehabt.
Lene: Das glaub’ ich wohl; ich bin recht unbescheiden
Und weil ich selber immer an dich denk’,
Mein’ ich, du müßtest stets an mich auch denken.
Wir Mädchen sind gar dumm, wir glauben stets,
Ein Mann sei g’rade so wie wir geartet —
Euch läuft das Herz nicht mit dem Kopf davon.
Du lieber Gott, ich schwatze immerzu
Und war doch so gespannt, von dir zu hören.
Mux: Du sagst ja selbst, daß du aus fremdem Mund
Schon längst gehört, was mir zuteil geworden,
Wozu soll ich es nochmals wiederholen?
Lene: Aus deinem Munde klingt es anders doch.
Gelt, du bist Meister jetzt und wenn du willst,
Kannst du sogleich auch ein Geschäft beginnen?
Es war ja eine Summe ausgeschrieben,
Die hast du doch bekommen?
Mux: Freilich wohl.
Lene: Die Summe ist nicht groß, doch groß genug,
Ein Häuslein außerhalb der Stadt zu kaufen,
Und wenn man wacker schafft und dabei spart,
Kann man’s in kurzer Zeit zum Wohlstand bringen.
Mux: In kurzer Zeit! Das heißt in dreißig Jahren.
Lene: Und wenn nicht früher auch, was liegt daran!
So lang man Kräfte hat, soll man sich mühen,
Hat man ein ruhig Alter nur vor sich.
Mux: ’s ist gut für dich, wenn du zufrieden bist,
Zufriedenheit ist eine schöne Sache.
Lene (sich innig an ihn schmiegend): Dann braucht der Meister eine Meisterin,
Die schafft und sorgt und spart und die das Haus
In Ordnung hält und es mit Lieb’ erfüllet,
Die nimmermüd’ nach Tages Müh’ und Last
Des Abends frohe heit’re Mienen zeigt
Und ihres Mannes Sorgenfalten glättet.
Mein Martin, gelt, wir werden glücklich sein
Wie Vöglein, die in einem Busche nisten?
Weißt du, was mich besonders noch erfreut?
Daß ich mein armes altes Mütterlein
Zu mir kann nehmen, kann es treulich pflegen
Und ihm vergelten, was es mir getan. —
Was hast du, Liebster, nur? Du schaust so finster
Und sprichst kein Wort, indessen mir der Mund
Nicht stille stehen will vor lauter Freude.
Mux: Ihr Weiber habt es leicht, ihr schwatzt so viel,
Und springt ein herbes Wort euch von den Lippen,
So schüttet ihr so viele milde nach,
Daß man das herbe beinah’ kann vergessen.
Bei uns ist jedes Wort ein Hammerschlag
Und traf der Schlag, so lassen wir ihn sitzen
Und halten nicht den Balsam gleich bereit.
Lene: Hab’ ich vielleicht ein hartes Wort gesagt?
O, dann vergib, ich hab’ es nicht gemerkt,
Und hab’ es sicherlich nicht so gemeint.
Mux (heftig): Du tatest’s nicht, ich aber will es tun.
Daß du’s nur weißt, heut’ in vier Wochen will
Ich Hochzeit machen mit des Meisters Tochter.
Lene (aufschreiend): Barmherz’ger Himmel! Nein, das kann nicht sein,
Martin, das ist nicht wahr, laß diesen Scherz!
Mux: Es ist kein Scherz, es ist die reine Wahrheit,
Ich hab’ des Vaters und der Tochter Wort.
Lene: Sie gab’s gezwungen dir, wenn sie es gab.
O, du begehst da eine Doppelsünde,
Das Mädchen liebt den Franz, es ist bekannt,
Und du, du trägst ja mich in deinem Herzen.
Mux: Nicht gar so tief, als du wohl glauben magst.
Lene: Du willst die Liebe auch zu mir verleugnen?
O Martin, das tu’ nicht! Ich will ja nie
In deinen Weg mich drängen, will ganz still
Die Hoffnung auf ein künft’ges Glück begraben,
Nur raube mir nicht die Vergangenheit,
Trüb’ der Erinn’rung mattes Glück mir nicht.
Ich zürn’ dir nicht und wünsch’ dir alles Glück,
Nur laß das eine mir, laß mir den Glauben,
Daß ich dir teuer war und daß ich nur
Der Reicheren und nicht der Lieb’ren weiche.
Gib mir ein letztes, süßes Schmeichelwort,
Sag’, daß du mich beklagst, daß du zuweilen
An mich noch denken wirst und an die Stunden,
Die wir im trauten Zwiegespräch verbracht.
Du schweigst noch immer, Martin? Wärs denn möglich,
Daß du sie lieber hast? Noch vor zwei Tagen
Hast du mit Zärtlichkeit mich überhäuft,
Es konnte sich so schnell dein Sinn nicht ändern.
So spricht doch endlich! Aus Barmherzigkeit
Sag’ mir ein Wort, das meinem Herzen schmeichelt,
Das mich an deine Liebe glauben läßt,
Das als Erinn’rung ich bewahren kann.
(Mux, der bei dem Wort »Barmherzigkeit« heftig zusammengezuckt ist, richtet sich jetzt straff auf und spricht hart und rauh.)
Mux: So soll ich lügen aus Barmherzigkeit?
Das kann ich nicht, ich tu’ nichts aus Erbarmen.
Ich hab’ gespielt mit dir und deiner Liebe,
Und weil des Spiels ich überdrüssig bin,
Werf’ ich das Spielzeug fort und werde ernst.
Lene: Martin, die Wahrheit mag dir Gott verzeihen,
Denn sie ist größ’re Sünde sicherlich,
Als eine Lüge jetzt gewesen wäre,
Die du aus Mitleid hättest mir gesagt.
Ich fluch’ dir nicht; in deinem eig’nen Herzen
Lebt dir ein Feind, der mich noch rächen wird.