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Der Wehrwolf: Eine Bauernchronik

Chapter 5: Die Weimaraner
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About This Book

A multigenerational chronicle follows a cluster of heath farmers centered on one prominent farm as they clear and cultivate wild moorland, defend their homes against beasts, raiders and feudal intrusions, and weather changing political and social pressures. The narrative traces daily labor, communal customs and violent confrontations, the uneasy adoption of external religion and law, and the toll of war and plunder on families and character. Evocative attention to landscape and rural rhythms frames themes of resilience, honor, and the persistence of rough communal traditions amid external encroachments.

Herzog Christian hat uns wohl bedacht,
Bier und Branntwein uns mitgebracht,
Musikanten zum Spielen,
schöne Mädchen zum Vergnügen
bei Bier und bei Wein,
lust'ge Braunschweiger woll'n wir sein!

Die Weimaraner

Es war von da ab sehr still auf dem Wulfshofe. Die Bäuerin kam langsam wieder zu Kräften, aber sie wurde lange nicht mehr die lustige Frau von ehedem; sie blieb blaß und in sich gekehrt und verjagte sich bei jeder Kleinigkeit.

Der Bauer war auch anders geworden; die Wut und der Ingrimm fraßen ihm das Herz ab. Er hatte es verlernt, bei der Arbeit zu flöten, und wenn er lachte, so war das, als ob die Herbstsonne einen Augenblick durch die Wolken kam.

Es war auch keine Zeit zum Flöten und Lachen. Die Steuern nahmen immer mehr zu, Bettelvolk aller Art zog im Lande umher, Westfalen, Friedländer, Lipper, die bis dahin in Ruhe und Frieden gelebt hatten, aber jetzt mit dem weißen Stocke gehen mußten, weil ihnen die Mansfelder oder die Braunschweiger alles genommen und ihnen noch dazu das Dach über dem Kopfe angesteckt hatten.

Schrecklich war es, was die Leute zu erzählen hatten, mehr als ein Mensch aushalten kann, ohne verrückt zu werden. Harm traf mitten in der Haide eine Frau an, die sang und betete und lobte Gott für seine Güte. Er hatte das nicht mit ansehen können und sie mit auf den Hof genommen, wo sie halbwege wieder zu sich kam. Sie hatte auf einem guten Hofe gesessen; ihr Mann war zu Tode gequält, ihre drei Töchter und der kleine Junge auch; da war sie übergeschnappt und in die Welt hineingelaufen.

Sie aß wie ein Wolf und erzählte dazwischen; es war gräßlich anzusehen, wie sie dabei trockene Augen behielt, in einem fort lachte und wieder betete und Gott zum Lobe sang. Der Bauer war froh, als sie ging, obzwar sie ihn von Herzen dauerte, aber die Bäuerin war ganz krank von dem geworden, was die fremde Frau erzählte, und dreimal fuhr sie in der Nacht in die Höhe und schrie und beruhigte sich erst wieder, als Harm ihre Hand nahm und ihr zusprach. Am anderen Tage war sie so elend, daß sie nicht aus dem Bette konnte, und jedesmal, wenn eine Tür zuschlug, verjagte sie sich.

Seit der Zeit verbot der Bauer es seinen Leuten, von dem zu reden, was in der Welt vorging; soweit es sich machen ließ, blieb er auf dem Hofe und ließ die Feldarbeit den Knechten. So sauer es ihn auch ankam, er zwang sich zum Lachen und Flöten, denn er merkte, daß das der Frau gut tat, und bei kleinem wurde es mit ihr besser. Wenn sie dann abends den Jungen zu Bett brachte und der redete Korn und Kaff durcheinander und quiekte und lachte, dann konnte sie auch wieder mitlachen; aber es war doch nicht mehr das Lachen, das sie früher hatte und bei dem es dem Bauern immer ganz heiß unter dem Brusttuche wurde. Ihr Vater, der sich jetzt viel auf dem Wulfshofe blicken ließ, gab sich alle Mühe, sie mit seinen Dummheiten aufzumuntern, aber es war und blieb doch man ein halbes Werk.

Da das Auspressen und Plündern und das Quälen und Martern kein Ende nahm, hatten die Bauern rund um das Bruch miteinander abgemacht, sich gegenseitig bescheid zu geben, damit das Vieh und die Frauensleute geborgen werden konnten. Alle paar Wochen mußte einer der Knechte losjagen, wenn von irgendwo schlimme Post kam, oder die Ödringer trieben Hals über Kopf ihr Vieh in den Burgwall mitten im Bruche und ließen ihre Frauen und Mägde so lange in den Plaggenhütten, bis die Luft wieder sauber war. Seinen besten Knecht hatte der Wulfsbauer dabei eingebüßt. Er war zum nächsten Dorfe geritten, um anzusagen, daß ein Haufen weimarscher Kriegsknechte auf dem Wege war; am anderen Tage war der Schimmel wieder da, aber mit Blut auf dem Rücken und einem Streifschuß am Halse; Katz aber kam nicht wieder.

Bis dahin hatte der Wulfshof unter dem Kriege weniger ausgestanden als die anderen Höfe in Ödringen, weil er zu sehr abseits lag. Auch Landstreicher fanden sich deshalb selten hin. Da kam an einem Herbstmorgen, als es über Nacht zum ersten Male gefroren hatte, ein Zigeunerweib angebettelt, das ein halbnacktes Kind an der Brust hatte. Ulenvater wollte den Hund auf sie loslassen, aber seine Tochter und der Bauer wehrten es ihm. »Vater,« sagte die Bäuerin, »sie hat ein Kind an der Brust und sieht halb verhungert aus!« Der Alte brummte, als sie der Frau warme Milch, Brot und getragene Kleider gab, und der Altvater Wulf, der nicht mehr viel sagte, seitdem er sich auf die Leibzucht begeben hatte, meinte: »Wenn dich das man nicht gereuen wird, Mädchen!«

Am Nachmittage kamen dreißig Weimaraner unter einem Offizier auf den Hof. Mitten über die Haide, wo kaum ein Weg war, kamen sie, und der Altvater sagte: »Da haben wir es schon!« Sie verhielten sich ziemlich anständig, weil es ihnen an Wurst und Brot nicht fehlte und der Offizier darauf sah, daß sie nüchtern blieben, weil sie noch einen großen Marsch vorhatten. Aber ob der Bauer sich noch so sehr sträubte, er mußte zwei Gespanne herleihen, und weil der Knecht von einem Pferd geschlagen war und ein steifes Knie hatte, mußte Harm selber mit, so schwer ihn das auch ankam.

Anfangs hieß es, seine Pferde würden bloß bis Burgdorf gebraucht; aber als man auf der hohen Haide war, kam ein Zigeuner angelaufen, sprach mit dem Führer und der Zug schwenkte nach Wettmar ab, wo zwei Wagen mit Hafer standen, die Wulf weiterbringen sollte.

Es war schon meist Abend, als sie in Bissendorf ankamen. Da ging es wild her; alles lag voll von weimarschen Truppen und es war ein Gebrüll und Getue, daß Wulf ganz dumm zumute wurde. Der Wirt und die Wirtin sahen aus, als wenn sie aus dem Grabe geholt waren; der Magd hing das Haar lose um den Kopf, und Brusttuch und Hemd waren ihr kurz und klein gerissen, und die Kinder saßen auf einem Haufen hinter dem Backhause und streichelten den Hund, den einer von den Kerlen totgeschlagen hatte. Bei ihnen saß der Knecht, hielt sich die Seite und spuckte Blut, denn er hatte einen Kolbenstoß in die Rippen bekommen, weil er sich für die Magd aufgeschmissen hatte.

Wulf wartete und wartete, denn der Offizier hatte ihm gesagt: »Seine Pferde kriegt er wieder.« Es war meist Mitternacht, da gab Wulf für einen Soldaten einen Krug Bier aus, damit der Mann den Offizier an sein Wort erinnern sollte. Gerade wollte er seinen Geldbeutel wieder einstecken, da wurde ihm der aus der Hand gerissen und ehe er sich versah, lag er vor der Türe. Er griff nach seinem Messer, nahm sich aber zusammen und wartete, bis der Offizier schlafen gehen wollte, und als ein langer Mann, den die anderen Herr Oberst anredeten, ihm in den Weg kam, nahm er seinen Hut ab und fragte, ob er jetzt nicht seine Pferde bekommen könnte.

»Maul halten!« schnauzte der Offizier; »was gehen mich seine Pferde an, dummes Bauernvieh!« Wulf würgte es im Halse, aber er hielt sich zurück: »Herr Oberst, der Herr Offizier hat es mir fest und heilig versprochen, daß ich meine Gespanne wieder haben soll,« sagte er, und er wunderte sich selbst darüber, daß er das so ruhig sagen konnte. Der Offizier bekam einen roten Kopf: »Ist er verrückt, dreckiger Lümmel?« schrie er ihn an; »ist er verrückt? Stellt sich der Kerl mir in den Weg! Weg da!« Und als der Bauer nicht sofort Platz machte, schlug er ihn mit den langen gelben Stulphandschuhen, die er in der Hand trug, in das Gesicht, daß es knallte, und ging an ihm vorbei.

Wulf blieb wie ein Stock an der Wand stehen. Er hörte es kaum, daß ein Troßknecht ihm sagte: »Krieg ist Krieg und hin ist hin! Tröste dich, wie ich es getan habe; ich hatte auch einmal Haus und Hof und jetzt bin ich froh, wenn ich Brot und Bier habe.«

Er ging in den Grasgarten und setzte sich auf einen schrägen Baum. Es war eine sternklare kalte Nacht, aber der Bauer merkte die Kälte nicht. Er aß sein Brot und seine Wurst so ruhig wie immer, trank seinen Schnaps und überlegte, was zu machen war. So saß er da, bis es an zu schummern fing und es im Hause wieder laut wurde. Die Magd, die Wasser aus dem Hofe holte, rief ihn an, weil er eine Schüssel Suppe essen sollte, und das tat er auch.

Der Troßknecht kam auch in das Haus und Harm brachte aus ihm heraus, wo es hingehen sollte, und auch, daß der Mann, der ihn geschlagen hatte, ein leibhaftiger Satan und Menschenschinder war. »Der kann dabeistehen und sich högen, wenn sie ein Mädchen zu Tode quälen,« erzählte der Knecht und gab einige Stücke zum besten, daß es dem anderen kalt und heiß durcheinander über den Rücken lief.

Als er weg war, machte der Wulfsbauer sein dümmstes Gesicht und ging bald hier, bald dahin, gleich als wüßte er nicht, wo er vor Langerweile bleiben sollte. Auf einem Fensterbört lag ein Pulverhorn und ein Kugelbeutel; als niemand hinsah, warf er beides über den Zaun unter den Hollerbusch. Dann sah er sich so lange um, bis er eine Büchse fand, und die besorgte er auch beiseite. Zuletzt traf er den jungen Offizier, der bei ihm auf dem Hofe gewesen war; er bat ihn, ihm die Pferde wieder zu verschaffen. Der junge Mensch, der den Abend zuviel getrunken und sein ganzes Geld verspielt hatte, zuckte die Achseln und ging an ihm vorüber, ohne ein Wort zu sagen. Als Harm ihm nachging und ihm sagte: »Ihr habt es mir doch versprochen!« schrie er: »Hast du noch nicht genug? Scher dich zum Teufel!« und dabei hob er die Reitpeitsche.

»Wenn nicht, denn nicht!« sagte der Bauer vor sich hin, ließ sich noch einen Teller Brotsuppe und ein Stück Trockenbrot schenken, denn der Wirt sagte: »Dein Geld haben die Schweine ja doch bei mir versoffen!« Als die Luft rein war, steckte er das Pulverhorn und den Kugelbeutel ein, nahm die Büchse unter seinen Mantel, sah sich um, ob ihn auch niemand gewahr wurde, und dann drückte er sich von einem Baum zum andern, bis er weit genug vom Kruge war und in die Haide kam.

Er war ganz ruhig; er wußte, wie er sich bezahlt machen wollte. Ganz langsam ging er, sich immer in Deckung haltend, im großen Bogen dem Bruche zu und nach der Straße hin, und da suchte er sich eine Stelle, wo lauter Torfstiche waren, so daß kein Reiter dort durchkonnte. Da wartete er, bis es Zeit für ihn wurde.

Hinten in der Haide fiel ein Schuß; im Moore war ein Birkhuhn am Prahlen; ein Fuchs kam quer über die Straße, kriegte Wind von dem Bauern und machte kehrt; Krammetsvögel fielen zu Felde; Mäuse piepten in den Ellernbüschen; eine Elster flog über ihn weg.

Dann blies im Dorfe ein Horn, einmal, zweimal und ein drittes Mal. »Jetzt, jetzt!« dachte Harm. Es dauerte nicht lange und er hörte das Gepolter der Wagen, das Klappen der Peitschen, ein Pferd wieherte, eine Stute; ein Hengst antwortete und dann alle anderen. Der Trompeter blies ein lustiges Stück, die Reiter sangen; schön hörte sich das an. Wulf kannte das Lied; er pfiff die Weise vor sich hin, lachte und dachte: »Gleich, gleich!«

Sie kamen; ein, zwei, drei Reiter, dann ein ganzer Haufen, dann wieder einer, der Trompeter, dann der Fähnrich, ein dicker Mann mit lustigem Gesicht, der junge Offizier, neben ihm noch einer; sie erzählten sich etwas, lachten laut und zielten mit der Hand nach einem Raben, der über die Straße flog und sofort abschwenkte. Dann kam ein Frauenzimmer angeritten, an jeder Seite einen Reitknecht. Das war die Person, die der Oberst bei sich hatte, ein ausnehmend schönes Mädchen. Es drehte sich um und rief etwas hinter sich.

Und dann kam der Oberst. Er sah aus, als wenn er wenig getrunken und gut geschlafen hatte; er klopfte mit seiner rechten Hand, die in dem gelben Stulphandschuh steckte, seinem Apfelschimmel den Hals.

Wulf sah in sich genau an, denn er wollte das Gesicht für immer im Gedächtnis behalten. Dann nahm er den Mann auf das Korn, gerade in dem Augenblicke, als der Oberst ihm das volle Gesicht zudrehte. Erst zielte er auf die Brust, aber dann ging er tiefer und so wie es knallte, sah er durch das Feuer, daß der Mann beide Arme über sich warf und nach der Seite klappte, und gleich darauf hörte er ihn schreien: »O Jesus!« und hinterher quietschte das Frauenzimmer auf.

Aber da war der Bauer schon ein Ende weiter. Er hatte es sich vorher genau überlegt, wie er es machen mußte, damit ihn keiner zu sehen bekam. Als das Schreien und Rufen losging und ein Dutzend Schüsse in den Ellernbusch gefeuert wurden, in dem er gelauert hatte, da hatte er schon den Abstich und ein tiefes Flatt hinter sich; von einem Birkenbusche nach dem anderen kriechend kam er zu dem Anberg, von dem aus er nach der Straße hinsehen konnte.

Er mußte lachen, wie sie da hin und her ritten und durcheinanderjagten, gerade als wenn sie das zum Vergnügen taten! Und jetzt lachte er hellwege auf, denn drei Reiter, nein vier, die in das Moor hineinjagten, waren auf einmal weg und das Wasser spritzte auf.

»Dafür ist es eigentlich heute morgen zu frisch,« sagte er vor sich hin und schüttelte den Kopf, als noch drei Reiter in das Bruch ritten. Zwei sanken gleich ein und kehrten um; der eine aber, der einen Schecken ritt, kam beinahe bis zur Haide, aber da brach das Pferd ein, der Reiter schlug in den Morast, daß es nur so quatschte, und das Pferd trabte ledig weiter.

Wulf sprang auf und kroch gebückt von einem Machangelbusch zum anderen, bis er weit genug war. Er sah noch, daß mehrere Reiter abstiegen und zu Fuß in das Bruch gingen; dann aber lief er, was er konnte, bis er da war, wo der Schecke stand, hin und her trat und nicht recht wußte, was er machen sollte, um aus dem Morast herauszukommen. Als er den Bauern sah, prustete er freundlich, und in aller Gemächlichkeit konnte Wulf ihn packen und an einem Busche anbinden.

Er blieb so lange hinter einem Machangel liegen, bis der Zug sich wieder aufmachte. Ungefähr konnte er zählen, wie viele Pferde es waren. Der Apfelschimmel ging ledig und das Frauenzimmer war auch nicht mehr beritten, denn der verrückte rote Hut, den sie aufhatte, war jetzt auf dem einem Wagen zu sehen.

Der Bauer nickte; er wußte, daß er seine Sache gut gemacht hatte. Er lauerte so lange, bis der Zug im Walde verschwunden war und dann noch eine Viertelstunde. Dann ging er vorsichtig dahin, wo er die Büchse versteckt hatte, lud sie auf das neue und kroch dahin, wo der Reiter so schwer gestürzt war. Er fand ihn gleich. Der Mann hatte den Kopf unter der Brust und rührte sich nicht mehr; er hatte sich das Genick abgestürzt.

Es war kein gemeiner Reiter, sondern ein Wachtmeister. Wulf nahm ihm den Gürtel ab, schnitt die Jacke auf, und dann lachte er vor sich hin: elf Dukaten hatte der Kerl in der Rückenbahn eingenäht und sieben auf der Brust, und in der Tasche hatte er drei Taler und noch mehrere Schillinge. Zudem hatte er ein sehr schönes Dolchmesser außer dem Säbel am Gürtel. Das Messer nahm Harm an sich, den Säbel ließ er liegen, aber die beiden langen Pistolen, die er in der Satteltasche des Pferdes fand, behielt er.

Als er in dem Halfter noch weißes Brot, eine Flasche Schnaps, ein gebratenes Huhn und Salz fand, war er vollends zufrieden. Er setzte sich neben das Pferd, frühstückte in aller Ruhe, gab dem Schecken das Brot, das er aus Bissendorf mitgenommen hatte, schlug sich die Pfeife an, rauchte sie langsam zu Ende und ritt dann in schlankem Trabe nach Hause.

Schon von weitem wurde er gewahr, daß seine Frau nach ihm aussah. Sie lachte und weinte durcheinander, als sie ihn sah: »O Gott, Harm,« rief sie, »kein Auge habe ich zugetan die ganze Nacht! Gott sei Lob und Dank, daß du wieder da bist! Was hab' ich mich gebangt! Aber wo hast du den Schecken her? Und wo sind unsere Pferde?«

Ihr Mann lachte lustig auf: »Ja, Mädchen, die habe ich ihnen lassen müssen; aber ich habe sie gut bezahlt gekriegt. Sieh mal!« Er hielt ihr das Geld hin. »Aber jetzt bin ich hungrig wie ein Wolf; solchen Hunger habe ich lange nicht gehabt. Gestern bin ich vor Ärger nicht zu meinem Rechte gekommen. Was macht denn der Junge? Und hat sich sonst nichts Besonderes begeben? Um so besser.«

Er war so aufgekratzt und hatte so blanke Augen, daß seine Frau sich über ihn wundern mußte, und die Angst, die sie den Tag vorher und die Nacht gehabt hatte, schlug bei ihr in lauter Freude um. So wurde es ein Tag, wie er auf dem Hofe lange nicht mehr gewesen war, so viel Lachen und Flöten gab es. Harm trug seinen Jungen Huckepack, ließ ihn auf den Knien reiten und sang ihm dazu das Lied vor, das der Trompeter den Morgen geblasen hatte.

Ein Reiter kam auf den Hof; es war Drewes. »Hast du das Neueste schon gehört?« fragte er Wulf leise und grieflachte dabei wie ein Scharfrichter. »Heute morgen ist der Weimarsche Oberst, oder was er sonst ist, hinter Bissendorf bei der alten Wolfskuhle aus dem Busche totgeschossen. Das heißt, ganz tot ist er nicht gleich gewesen; sie haben ihn noch bis Hope gefahren und da ist ihm die Puste ausgegangen. Ich habe die Geschichte in Mellendorf gehört. Und ein Wachtmeister und ein Reiter sind noch dazu im Bruche ersoffen, als sie hinter dem Scharfschützen hersuchten. Die Döllmer! hätten da wegbleiben sollen!«

Er sah den Wulfsbauern von der Seite an: »Deine Pferde bist du losgeworden, habe ich gehört. Der Knecht sagt, du hast sie gut bezahlt gekriegt. Das ist ja das reine Wunder! Mir haben sie zwei vor dem Pfluge weggenommen und noch nicht einmal ein Gottvergelts dafür gegeben. Schönes Wetter heute! Ich glaube aber, daß es über Nacht umschlägt. Na adjüs auch!«

Er tat so, als ob er gehen wollte, drehte sich aber noch einmal um: »Na, ekelst du dich jetzt noch vor mir, daß ich mir damals den Krückstock blutig gerissen habe? Sei man ruhig, brauchst nichts zu sagen, und ich will auch nichts gesagt haben! Geschäft ist Geschäft. Wir sind keine Leute, die sich etwas schenken lassen, aber umsonst geben wir auch nichts her. Und daß du es weißt: übermorgen wollen wir darüber sprechen, wie es jetzt hier werden soll. Einer für alle und alle für einen muß es heißen, sonst gehen wir allesamt vor die Hunde. In Wettmar haben die Schandkerle zwei Bauerntöchter mit Gewalt verunehrt, in Berghof haben sie einen Häusling so mit Schlägen zugedeckt, daß der Mann daran gestorben ist. Deshalb wollen wir auf dem Hingstberge zusammenkommen, übermorgen um Uhre neune, von jedem Dorfe um das Bruch herum einer oder zwei. Für Ödringen mußt du kommen, denn der Burvogt hat seinen bösen Husten.

»So, was ich noch sagen wollte! Die Schwefelbande, die gestern in Bissendorf lag, kommt hier nicht wieder her. Sie sind froh, wenn sie erst hier weg sind, denn der papistische General, Till oder so ähnlich heißt er, ist ihnen auf der Naht. Wollen hoffen, daß er hier nicht vorbeikommt. Addern und Schnaken sind zweierlei, aber Gift haben sie alle beide.«

Er sah ihn von der Seite an: »Also brauchst du keine Bange zu haben, daß sie das Geschäft reut, und daß du das Geld wieder hergeben mußt, und den Schecken, den du zugekriegt hast. Aber das Pferd sieht zu dummerhaftig aus; ich würde es ein bißchen auffärben, sonst lachen dich die Leute aus, wenn du damit pflügst, und sagen: der Wulfsbauer pflügt jetzt mit seiner schwarzbunten Kuh! Na, denn also bis übermorgen!«

Damit ging er. Harm tat, wie Drewes ihm geraten hatte, und am Abend war der Schecke ein Rappe. Er war kaum mit der Arbeit fertig, da war der Engenser wieder da. »Mensch,« sagte er, »du mußt mithelfen. Eben kommt von Wiekenberg Botschaft, daß an die dreißig Kerle durch das Bruch ziehen. In Wiekenberg haben sie einen Hof angesteckt und die Leute lahm und krumm geschlagen. So fünfzig bis sechzig Leute kriegen wir zusammen. Auf auf zum fröhlichen Jagen!«

Der Wulfsbauer machte ein verdrießliches Gesicht; er hatte geglaubt, sich so recht ausschlafen zu können, und nun konnte er wieder die Nacht um die Ohren schlagen und wie ein Wolf im Busche liegen. Und dann seine Frau, so lustig war sie seit langer Zeit nicht gewesen. Ihre Augen lachten man so, wenn sie ihn ansah, und Backen hatte sie wie damals, ehe ihr das Unglück zustieß. Außerdem, wer weiß, wohin die Leute, von denen Drewes redete, zogen? Und schließlich: sie hatten ihm ja nichts getan! Das mit dem Obersten, das war etwas anderes; der hatte ihn in das Gesicht geschlagen! Aber aus dem Hinterhalte Leute über den Haufen schießen, mit denen er gar nichts vorgehabt hatte, das war ihm nicht nach der Mütze.

»Weißt du was, Drewes?« sagte er, »ich kann den Kopp nicht halten; ich habe die ganze Nacht draußen aufgesessen und den Tag über in Moor und Haide zugebracht. Und meine Frau, du weißt ja, wie die ist! Zum ersten Male seit damals ist sie wieder wie vordem; heute kann ich nicht von ihr fort. Ich habe genug Sorge um sie gehabt das ganze Jahr. Und ob ich nun mit dabei bin oder nicht, davon wird der Brei auch nicht dicker, zumal ich kein Pferd habe, auf das ich mich verlassen kann. Laß mich dabei lieber weg, heute wenigstens!«

Der Engenser sah ihn von der Seite an. »Ist wahr, du siehst aus, als wenn dir der Kopp nach dem Bette hängt. Na, wir werden auch so mit ihnen fertig werden. Vielleicht, daß du morgen früh nachkommst, denn wir wollen gleich los, damit wir sie vor Tau und Tag in die Mache kriegen. Aber das nächstemal rechnen wir auf dich. Bedenke, wenn du uns nicht hilfst, meinst du, daß ein anderer für dich die Finger rühren wird? Du hast doch schon genug ausgestanden, als daß du noch erst warten willst, bis dir wieder einer was tut, ehe du zuschlägst. Tote Füchse beißen nicht mehr! Aber wie du willst. Und denn adjüs auch!«

Harm wurde ordentlich das Herz leicht, als Drewes fort war, und als er in das Haus ging, pfiff er das Lied vor sich hin, das die Reiter den Morgen gesungen hatten:

Nichts Schönres kann mich erfreuen,
als wenn der Sommer angeht;
da blühen die Rosen im Garten,
ju ja im Garten;
Trompeter, die blasen ins Feld.

Die Marodebrüder

Es war keine schlechte Jagd gewesen, die die Bauern gemacht hatten. Als der Nebel in die Höhe ging, hatten sie die Bande ankommen sehen. Sie warteten, bis sie sie mitten im nassen Bruche hatten, und dann schossen sie sie zusammen wie eingelappte Hirsche; nicht einer kam gesund davon. Zweiundzwanzig waren es, die dalagen, alte Kerle mit Gesichtern wie Leder, und junge Burschen, die wie Milch und Blut aussahen. Einer von ihnen, den Drewes übergeritten hatte, hatte geschrien: »Erbarmen! Meine Mutter!« Aber das hatte ihm nichts geholfen; der Engenser schlug ihn tot und schrie: »Junge Katzen kratzen auch!«

Er lachte, als er dem Wulfsbauern das erzählte, als wäre es bloß ein Spaß gewesen, und seine breiten weißen Zähne blänkerten man so. »Ja, diesmal hat's geschlumptgriente er. »Und für umsonst haben wir die Arbeit nicht getan,« warf er hinterher; »auf meinen Teil sind allein elf harte Taler gekommen. Ein Schade, daß es keine Reiter waren! ein paar billige Pferde, die hätten mir schon gepaßt. Und nun will ich nach Hause, sonst kriege ich es mit meiner Altschen zu tun.« Er schüttelte sich und Harm lachte, denn er wußte, daß Christel Drewes ein Maulwerk hatte, gegen das keiner ankonnte.

Rose rief Harm zum Essen; das Herz lachte ihm im Leibe, als er sie ansah. Das Leben war schön, trotz alledem! Und endlich mußte es doch wieder Frieden werden; die hohen Herren mußten es doch leid werden, das Kriegsspielen, das sie ein Heidengeld kostete und viel Menschen dazu. Was man so bei Wege hörte, war ja auch zu schrecklich: überall Mord und Brand und Pest und Hungersnot. Da war es im Bruche doch noch besser. Krieg ist Krieg und beim Gänserupfen fliegen Federn. Das ist einmal nicht anders!

So dachte der Bauer und freute sich über seine glatte Frau und den Jungen, der von Tag zu Tag niedlicher wurde und alle Augenblicke ein paar Wörter mehr konnte. Er dachte: »Wenn erst noch ein Kind da ist und Rose mehr Arbeit damit hat, dann wird sie über alles eher fortkommen.« So wurde es denn auch. Es kam ein kleines Mädchen an, ein kräftiges und gesundes Kind, und nun wurde die Frau wieder, wie sie früher war.

Der Krieg war zwar immer noch nicht zu Ende, aber auf dem Wulfshofe merkte man von ihm beinahe nichts. Ab und zu kamen Truppen durch das Land, bald von dieser, bald von jener Art, und dann ging es da, wo sie herzogen, nicht sauber zu; mehr als einmal war am Tage Rauch und am Abend ein roter Schein über dem Bruche zu sehen.

Hin und wieder ließen sich auch Marodebrüder und Parteigänger blicken, sahen sich aber sehr vor; denn das Bruch war bei allen Landstreichern verrufen. Hin ging mancher, aber her kam so leicht keiner; denn Drewes hatte einen richtigen Kundschafterdienst zugange gebracht, und sobald das Horn rief, liefen die Bauern zusammen und Gnade Gott, wen sie fingen! Das Bruch konnte schlimme Geschichten erzählen, aber es schwieg. Bloß die Warnzinken, die die Zigeuner an allen Feldsteinhaufen und Wahrbäumen angebracht hatten, und manches blanke Goldstück, mancher harte Taler, den die Bauern im Kasten hatten, manches Pferd, das in ihren Ställen stand, und die Pistolen, Spieße, Kugelbüchsen, Säbel und Dolche, die in allen Dönzen hingen, sprachen von den Männern, deren Eigentum sie einst waren und über deren Knochen jetzt Moorerde lag und Kraut wuchs.

Einige Jahre trieben die Bauern das so in aller Stille; jeder Mann wußte darum, aber keiner sprach darüber. Drewes führte eine harte Hand und es hieß, daß der Häusling Metjen aus Ehlershausen, der in dem Verdachte stand, es mit den Tillyschen gehalten zu haben, indem er ihnen den Weg durch das Bruch gewiesen hatte, und der drei Tage darauf vor seinem Hause mit einer Wiede um den Hals im Apfelbaume hing, von Drewes und zwei anderen Bauern dahingebracht war.

Es war ein prachtvoller Vorherbsttag, als der Wulfsbauer Nachricht bekam, er solle bei vier Uhr am Hingstberge sein; es war die dreifache Schatzung auch für die Knechte und Mägde ausgeschrieben, und darüber sollte verhandelt werden, wurde ihm gemeldet. Es war so warm, daß ihm der blanke Schweiß unter dem Hute herauslief, als er durch das Bruch ritt. Unter dem blauen Himmel flog ein Adler in die Runde; bald war er silbern, bald sah er wie Gold aus. Hier und da war die Haide noch am Blühen und alle Augenblicke flog ein Haufen von kleinen Vögeln über das Bruch und zwitscherte.

Harm holte tief Luft und während er so dahinritt, flötete er sein Leiblied vor sich hin und dachte: »Bei achte, wenn die Kinder schlafen gehen, bist du wieder zurück.« Er freute sich, wenn er daran dachte, wie sie gnickern und quietschen würden, wenn er sie kitzelte.

Am Hingstberge waren an die hundert Bauern zusammen. Sie standen in kleinen Haufen um das alte Heidengrab und sprachen vom Wetter und über das Vieh, oder saßen am Boden und vesperten oder rauchten. Drewes hatte es sich auf einem der großen Steine bequem gemacht; er hielt die Pfeife zwischen den Zähnen und schnitt Kerben in seinen Schwarzdornkrückstock. So genau machte er das, als wenn es darauf ankam, daß eine nicht anders als die übrigen war. Als er den Ödringer abspringen sah, nickte er ihm zu und sagte: »Feines Grummetwetter heute! Eigentlich zu schade zum Verklöhnen; aber es mußte sein, denn wir haben wichtige Angelegenheiten.«

Nach einer Viertelstunde sagte er dem Knecht, den er bei sich hatte: »Jetzt sind sie wohl alle da; man zu!« Da blies der Junge dreimal in das Horn. Jeder hörte auf zu reden oder zu essen und machte, daß er nach dem alten Heidengrabe kam, auf dem Drewes stand, sich auf seinen Stock stützte und sich so lange umsah, bis alles Reden aufhörte.

»Liebe Freunde,« fing er an, »ich habe euch heute etwas zu sagen, das euch glatt heruntergehen wird. Wir haben schwere Jahre hinter uns, und wer weiß, was noch kommt. Es ist so, als ob unser Herrgott für eine Weile die Herrschaft abgegeben hat und nun hat der leibhaftige Satan das Leit in der Hand. Hier am Bruche ist es noch halbwege gegangen. Der eine oder der andere von uns hat ja Haare lassen müssen, manch einer auch ein Stück Fell und womöglich Fleisch und Blut, aber anderswo ist es gräsig hergegangen. Was der Mansfelder schonte oder der Braunschweiger, der ja nun seinen Lohn gekriegt hat, denn im Westfälischen hat ihn der Till oder wie er heißt, geweift, daß seine mehrsten Leute ihr eigen Blut gesoffen haben, ja, wo war ich doch? ach so: oder ob es die Kaiserlichen sind, die Papisten und Ligisten, sie sind von ein und derselben Boshaftigkeit. Nicht Frauen noch Kinder sind sicher vor den Hunden.«

Er sah Mann um Mann an: »Ein jeder Mensch, und ist er noch so arm, Frau und Kinder sind ihm ans Herz gewachsen, und an Haus und Hof hängt er. Wir wollen dafür sorgen, und so weit es sich hat machen lassen, haben wir es schon getan,« und damit zeigte er auf das Bruch und lachte und die Männer lachten alle leise. »Aber bislang mußten wir uns heimlich unserer Haut wehren, mußten wie die Strauchdiebe uns herumdrücken, wenn wir das Gesindel, das sich hier herumtrieb, los sein wollten, und einer konnte dem anderen nicht mehr gerade in die Augen sehen. Von jetzt ab können wir das frei tun.«

Er hob seinen Stock hoch und zeigte die Kerben daran. »Seht her! ich habe einhundertundsiebzehn Kerben hier eingeschnitten, zweiunddreißig auf der einen und die übrigen auf der anderen Seite. Die fünfundachtzig Kerben bedeuten, daß ich mitgeholfen habe, fünfundachtzig Landstreicher, Gaudiebe, Tatern und Marodebrüder und einen verräterischen Hund dahinzubringen, wo sie von Gottes und Rechtes wegen hingehören, unter die Erde nämlich, daß die Würmer sie fressen, wenn sie sich davor nicht ekeln. Die zweiunddreißig Kerben aber, meine Freunde, die bedeuten, daß ich zweiunddreißig Menschen von dieser Art mit meiner eigenen Hand beiseite gebracht habe.«

Er holte tief Luft, wischte sich mit der Hand über die Stirn und sprach leiser: »Unser Herrgott wird mir das vergeben. Auge um Auge, Zahn um Zahn, so lehrt uns die Schrift. Wir sind hier keine Räuber und Mörder, aber wenn der Wolf uns über das Weidevieh kommt und der Marder uns an die Hühner geht, dann besinnen wir uns nicht lange. Ich habe bis zu dem Tage, daß das Schinden hier losging, keinem Menschen einen Schlag gegeben, seitdem ich die Jungenshosen aushabe, und lieber wäre es mir, ich hätte reine Finger. Aber was sein muß, muß sein, und ich schlafe so gut als wie vordem, und ich glaube, es ist keiner unter uns, der das von sich nicht auch sagen kann.«

Er sah die Männer der Reihe nach an und plinkte dem einen oder anderen, der ihm blanke Augen machte, besonders zu. »Eins aber, meine lieben Freunde,« ging er weiter in seiner Rede, »das drückte uns doch dabei. Was wir taten, mußten wir tun, aber es war uns nicht nach der Mütze, daß wir es ohne die Erlaubnis unseres Herrn Herzogs,« er nahm den Hut ab und alle taten es ihm nach, »tun mußten. Von heute ab,« und er sprach heller und lachte dabei, »ist das anders, denn unser lieber Herr Herzog, den Gott erhalten möge, hat uns wissen lassen, wir sollen zusehen, daß wir uns so gut wehren sollen, wie wir irgend können, und alle Hundsfötter, die hier nicht hergehören, totschießen wie tolle Hunde.«

Er lachte, daß man seine großen Zähne sah: »Na, an uns soll es nicht fehlen, daß unser Herr Herzog seinen Willen kriegt! Lieber wäre es uns ja, wir könnten so leben wie früher, unsere Arbeit in Frieden tun und Gott loben. Aber das ist nun einmal nicht anders und darum sage ich euch: was nicht hierher gehört, was im Lande herumzieht und raubt und stiehlt, was Menschen schindet und Häuser ansteckt, das ist Raubzeug und muß auch so behandelt werden. Schimpf um Schimpf, Schlag um Schlag, Blut um Blut, daran wollen wir festhalten, auf daß es uns gut geht und wir lange leben auf Erden!«

Er wischte sich den Schweiß aus dem Gesichte und schloß: »So, nun wißt ihr, wie ihr dran seid. Und ich denke, meine lieben Freunde, es ist nicht mehr als recht, wenn ich euch bitte, es mir nachzutun,« und dabei nahm er seinen Hut ab, hielt ihn hoch und schrie: »Lang lebe unser Herzog Christian, unser allergnädigster Herr!«

Die Krähen, die über das Bruch flogen, schwenkten zur Seite, so schrien die Männer. Alle hatten sie blanke Augen, als sie zu Drewes gingen und ihm sagten: »Drewsbur, das war aber eine Rede! Besser kann es unser Herr Pastor nicht.« Aber dann horchten sie wieder auf, denn die Wiekenberger erzählten, daß es überall von Kriegsvölkern wimmelte, von Dänen und Ligisten und von Mansfeldern und Braunschweigern, die der Tilly und der Waldstein hin und her jagten wie der Hund die Hühner, und die es mit Brennen und Morden schlimmer trieben als vorher.

Was eigentlich los war, wußte so recht keiner. Der eine sagte: »Die Dänen wollen uns das Land nehmen,« die anderen: »Nein, es ist, daß wir wieder papistisch werden sollen,« und etliche meinten, der Kaiser hätte da nichts mit zu tun, der lebe da unten und frage den Teufel danach, was anderswo vor sich gehe. Der Waldstein und der Tilly wollten sich bloß bereichern an Land und Bargeld; darauf laufe alles hinaus.

Der Wulfsbauer hatte wohl gefunden, daß Drewes ganz ausgezeichnet geredet hatte und daß er in allem recht hatte, aber so ganz war er nicht bei der Sache; er dachte an seine Frau und die Kinder und daß es bei Kleinem Zeit für ihn würde, nach Hause zu reiten, damit er es nicht verpasse, wenn die Kröten zu Bette gebracht würden. Er mußte lachen, wenn er daran dachte, wie Hermken ihn nach dem Mittag so bei den Ohren gerissen hatte, daß es ordentlich weh tat.

Er ritt mit Klaus Hennecke, dem Sohne des Vorstehers, nach Hause. Die Luft war weich und warm; die Kiebitze riefen im Grunde und in der Höhe meldeten sich die Regenpfeifer.

Klaus fing endlich zu reden an: »Mit unserem Vater wird es immer schlimmer; er liegt jetzt schon die achte Woche. Ich glaube, dieses Mal kommt er nicht wieder durch!« Er sah über das Bruch. »Kiek, was ist denn das da für eine putzwunderliche Wolke über Ödringen? I, das sieht ja meist wie Rauch aus! Aber es ist doch wohl bloß eine Wolke.«

Der Ansicht war Harm auch; aber als sie den Bogen um die Torfkuhlen machten und unter den Wind kamen, prusteten beide Pferde auf einmal los und wurden unruhig, so daß die beiden Bauern meinten, sie witterten einen Wolf. Als sie aber ein Ende weiter waren, hielt Hennecke an, schnüffelte und meinte: »Das riecht gewiß und wahrhaftig nach Rauch! Am Ende haben die Lörke von Hütejungens wieder einen Unsinn angestellt.« Harm mußte ihm recht geben, denn es roch nach Rauch, aber er dachte sich weiter nichts dabei.

Zuletzt rochen sie aber nichts mehr, denn der Wind ging unter dem Holze anders. So wie sie aber in der hohen Haide waren, roch es wieder stärker, und als sie die krausen Fuhren hinter sich hatten und oben auf dem Anberge waren, schrien sie wie aus einem Munde: »O Gotte!« Denn da, wo Ödringen lag, war die ganze Luft schwarz.

Sie sahen sich an; einer sah so käsig aus wie der andere. Ohne ein Wort zu sagen, ließen sie die Pferde schneller laufen. Der Brandgeruch wurde immer schlimmer, und was ihnen noch schwerer auf das Herz fiel, das war, daß das Grummet auf den Wiesen noch genau so lag, wie nach dem Mittag, als sie vorbeigeritten waren. Sie jagten, was die Pferde hergeben wollten, und als sie aus dem Walde kamen, hielten sie und zitterten am ganzen Leibe. Vor ihnen auf dem Wege lag der Kuhhirt tot auf dem Rücken und sein Hund schnüffelte an ihm herum.

Sie sprangen ab und sahen sich Tönnes an; er hatte einen Schnitt über den ganzen Hals. Sie zogen ihn beiseite und dann horchten sie nach dem Dorfe hin. Da war es ganz still, nur die Kahkrähen lärmten über den Eichen. Sie gingen Schritt für Schritt näher, die eine Hand am Messer und die andere am Zügel. Im Wege lag eine zerbrochene Steingutflasche, wie sie im Dorfe keiner hatte. Weiterhin fanden sie einen blutigen Lappen und daneben ein Stück Wurst. Sie hielten an und horchten: Nichts war zu hören, keine menschliche Stimme war zu vernehmen, kein Stück Vieh brüllte, kein Hahn gackerte, kein Hund bellte.

So kamen sie an den Reinkenhof. Der stand noch, aber die Fenster waren eingeschlagen, die Türen standen offen, Bettfedern lagen überall verstreut und Stroh und Heu und Hafer. Im Hause war alles kurz und klein geschlagen. Im Flett ging die gelbbunte Katze umher und quarrte gottsjämmerlich. Die Dönze sah aus als wie ein Schweinestall; voller Unrat war sie. Kein Stuhl war mehr heil, kein Teller mehr ganz. Im Grasgarten lagen der Kopf und die Beine und die Kaldaunen von einem rotbunten Kalbe und daneben das Spinnrad, aber in lauter Stücken.

Klaus und Harm sprachen kein Wort. Sie kamen nach Hingstmanns Hof. Da sah es genau so aus, nur daß quer über der Deele der Hütejunge tot dalag; er hatte ein tiefes Loch in der Stirn. Bei Mertens war es nicht anders und auf dem Henkenhofe desgleichen, bloß daß da wenigstens keine Leiche zu finden war. Auch auf den anderen Höfen war geplündert und alles entzweigeschlagen, aber die Bauern schienen rechtzeitig Wind bekommen zu haben, so daß sie sich hatten bergen können.

Mit einem Male sah sich der Wulfsbauer wild um und rief: »Ja, aber wo brennt es denn? Heiliger Gott!« Er saß auf und jagte davon und hinter ihm her jagte Klaus Hennecke. Quer durch die Haide ritten sie, und je weiter sie kamen, um so mehr roch es nach Rauch, und dann hielt Harm Wulf an und sprang ab und machte ein Gesicht, als ob er losweinen wollte und sah dahin, wo sein Hof gestanden hatte, denn da war alles ein Rauch und ein Qualm, bloß daß hier und da eine Flamme zu sehen war.

»Wawawas ist dededenn dadas?« stotterte er. Ihm war, als ob er kein bißchen Kraft mehr in den Beinen hatte, so daß er Klaus an den Arm fassen mußte. Und dann schrie er: »Rose, Rose!« Er lief um die Brandstätte herum, in den Grasgarten hinein, sah in den Sod, kletterte auf den brennenden Balken hin und her, sah gegen Himmel, schüttelte den Kopf und sagte mit einem Lachen, bei dem es Hennecke kalt überlief: »In der Burg, sie wird in der Burg sein!«

Klaus nickte: »Ja, das glaube ich auch. Da werden sie wohl alle miteinander hin sein und das Vieh auch. Und der Junge von Hingstmanns und Tönnes, die werden allein noch draußen gewesen sein, und da mußte es ihnen so gehen. Wollen nach der Burg gehen, und wenn sie da nicht sind, dann müssen wir, ja, am besten ist es wohl, wir reiten dann zuerst nach Engensen; auf dem Drewshofe kriegen wir am ersten Bescheid.«

Sie saßen auf und ritten über die Haide und durch die Fuhren und von da in das Bruch hinein. Es schummerte schon, als sie dort ankamen; der Uhu flog über sie hinweg und als er im Walde war, schrie er hohl. Der Nebel stand dick hinter den Torfstichen, in der Luft klingelten die Enten und in den Wiesen schreckten die Rehe.

Keiner sprach ein Wort; ab und zu hielten sie an und horchten dahin, wo der alte Burgwall lag, und dann sahen sie wieder vor sich auf den Weg, dem man es anmerkte, daß Menschen und Vieh frisch darauf gegangen waren. In der Wohld war es so duster, daß sie absteigen mußten. Hin und her ging es, bald nach rechts, dann geradeaus, dann halb links und so in einem fort. Ab und zu polterte eine Taube vor ihnen weg, oder ein Stück Wild brach durch das Holz. Dann blieben sie stehen und horchten. Aber immer und immer hörten sie keine Stimme und kein Kuhgebrüll.

Endlich war es ihnen, als ob sie ein Licht vor sich sahen, und als sie stehen blieben, hörten sie, daß ihnen gegenüber ein Stück Vieh am Brüllen war. Dann knackte ein Büchsenhahn und hinterher noch einer, und eine Stimme, es war die des jungen Bolle, rief ihnen halblaut zu: »Wer da?« Harm flüsterte ihm zu: »Wir sind es, Harm und Klaus. Wo ist meine Frau?«

Atze Bolle würgte, als er etwas im Halse hatte, und brummte dann: »Komm man erst nach der Burg! Ich habe hier Wache und weiß nicht, wer alles da ist. Es ging ja Hals über Kopf heute, denn wir mußten machen, daß uns das Gesindel nicht kriegte. Aber Ulenvater, den habe ich vorhin gesehen, ehe daß ich wegging.«

»Na, was ist denn das?« meinte er, als etwas Schwarzes an ihm vorbeisprang. Es war Harms Hund. Er stellte sich wie unklug an, bellte und jaulte durcheinander, sprang an dem Bauern in die Höhe, leckte ihm die Hände, lief vor und bellte, kam wieder zurück und mit einem Male setzte er sich hin und heulte so schrecklich, daß Bolle rief: »Ruhig, Teebe

Der erste Mensch, den Wulf sah, als er in den Wall kam, war die Reinkenbäuerin. So wie sie ihn zu Gesichte bekam, schrie sie auf: »O Gotte, Wulfsbur!« und dann fing sie an zu weinen. »Was ist?« schrie Harm, »wo ist Rose?« Aber die Frau weinte, daß es sie stieß, und brachte kein Wort heraus.

Harm sah hin und her, aber wo er einen Menschen ansah, der ging schnell zurück. Endlich fand er seinen Schwiegervater. »Wo ist Rose?« brachte er eben noch heraus, denn er war ganz heiser vor Angst. Der alte Mann hatte ein Gesicht, als wäre er aus dem Grabe genommen. »Ja, Junge,« sagte er und faßte Harm an beide Hände, »ja, Junge,« und dabei fing er bitterlich an zu weinen, »unsere Rose ist bei unserem Herrgott!«

Harm machte eine Bewegung, als wollte er ihm an den Hals springen: »Was sagst du? tot?« Er fing an zu lachen. »Das ist ja, das kann ja, aber so rede doch, kein einer sagt mir, wo Rose ist!« Und dann rief er mit einer Stimme, die sich anhörte, als ob sie zersprungen war, durch den ganzen Wall: »Rose, Rose, wo bist du?«

Neben ihm stand Hingstmann: »Ruhig, Mensch, Renneckenvater liegt im Sterben. Und die Horstmannsche hat vor Aufregung etwas Lüttjes gekriegt und es geht ihr nicht gut.« Er hielt ihm die Flasche hin: »Trink erst mal!« Aber Wulf stieß ihn zurück: »Ich will wissen, was mit meiner Frau los ist, will ich wissen! Und wo sind die Kinder? Mein Hermken und das Lüttje? Kinder und Leute, so tut doch endlich einer das Maul auf!«

Es kamen noch zwei Bauern. »Ja, einmal muß er es doch wissen,« sagte Mertens. Er legte ihm die Hand auf die Schulter: »Ja, Harm, was hilft das alles? Deine liebe Frau ist nicht mehr am Leben; sie ist im Hause geblieben. Und die Kinder auch. Und dein Vater auch und der eine Knecht und ebenso die beiden Mädchen. Weiß der Teufel, wie die beistigen Hunde zu allererst nach dir hingefunden haben, wo dein Hof doch so ablegen ist?«

Harm sah von einem zum anderen; er sah aus wie ein Kind, das sich vor dem Hunde nicht von der Stelle traut. Seine Hände gingen an seinen Hosen auf und ab, seine Lippen beberten, der kalte Schweiß stand ihm vor der Stirn; jeder konnte hören, wie ihm das Herz im Leibe arbeitete und wie ihm die Luft nicht zum Halse herauswollte. Endlich quälte er heraus: »Ja, sind sie verbrannt, oder was ist?«

Die Männer sahen weg, schließlich sagte Horstmann: »Wir wissen da alle weiter nichts von. Der einzigste Mensch, der am Leben geblieben ist, das ist Thedel. Aber der ist ja wohl ganz von Sinnen geworden; der sitzt da hinten beim Feuer und grient und sieht in einem fort das Messer an, das er in der Hand hat.«

Harm stürzte mehr, als er ging, dahin, wo er den Knecht sitzen sah. Als er vor ihm stand, lachte der ihm in das Gesicht und wies ihm das Messer; aber mit einem Male ließ er es fallen, schlug beide Hände vor den Kopf und heulte los. Der Bauer schüttelte ihn. »Junge, denn sag' du es mir doch, was sich nun eigentlich begeben hat! Kein einer Mensch will was davon wissen.« Er setzte sich neben ihn und legte ihm die Hand über den Hals. »Nun los!« befahl er.

Der Knecht sah ihn zuerst an, als ob er ihn noch kein eines Mal gesehen hatte, und dann fing er an: »Sie sind alle tot, alle miteinander. Die Frau ist tot und Hinnerk ist tot und Hermken ist tot und das Lüttje auch und Trina ist tot und der Altvater ist tot und meine Schwester Alheid ist auch tot. Alle sind tot, bloß ich nicht. Ich war im Busche Holz machen und vor dem Hauen habe ich nichts gehört, als bis daß es zu spät war, denn sie sind aus dem Bruche gekommen.«

Sehr viel konnte er auch nicht erzählen, denn das meiste war schon vorüber, als er zurückkam. Aber das wenige, was er gesehen hatte, das war so, daß er von dem Bauern abrücken mußte, denn der hatte ein Gesicht und ein paar Augen darin, daß es ihm kalt im Genick wurde. Aber der Bauer sagte: »Weiter, man weiter, ich will alles wissen,« und nur ab und zu stöhnte er oder schnatterte mit dem Munde, daß Thedel seine Zähne klappern hörte.

Als er alles aus ihm heraus hatte, sagte er: »Ja, Thedel, ich und du, das ist nun der ganze Wulfshof. Was willst du jetzt machen? Willst du einen anderen Dienst annehmen oder willst du bei mir bleiben? Denn, versteh mich recht, Bauer will ich jetzt nicht mehr spielen; wo der Teufel geerntet hat, habe ich keine Lusten mehr, zu pflügen und zu säen. Aber,« setzte er nach einer kleinen Weile zu, »wo sind die Mordbrenner denn hin?«

Der Junge zuckte die Achseln. »Quer über die Haide sind sie und bei der Schirmfuhre haben sie sich geteilt. Was die Tatern sind, die sind auf Berghof zu, und die anderen, die mögen wohl nach Celle hin sein, denn da wollten sie hin, hat mir der Mann gesagt.«

»Welcher Mann?« fuhr ihm der Bauer dazwischen. Der Junge grieflachte abscheulich. »Der sich an deinem Honigbier so scheußlich besoffen hat, daß er nicht aus der Stelle konnte und in der Haide liegen blieb und schlief.«

»Na, und wo ist er jetzt?« fuhr es Wulf heraus. »Der mag da wohl noch liegen,« griente der Knecht. »Wieso noch liegen?« fragte der Bauer weiter. Der andere lachte über das ganze Gesicht: »Na, weil ich ihm, als er wie ein Faß dalag, die Hände und die Füße zusammengebunden habe und denn auch, weil er, als er sich vernüchtert hatte und ich aus ihm heraus hatte, was ich wissen wollte, wohl nicht viel Leben in sich behalten hat.«

Der Bauer lachte böse: »Was hast du mit ihm angefangen, Thedel?« Und sein Lachen wurde noch tückischer, als der Knecht ihm das Messer wies und ihm erzählte, was er mit dem Manne gemacht hatte. »Denn,« sagte er, »es war der Schlimmsten einer. Gerade der ist es gewesen, der meine Schwester umgebracht hat, er und das heilige Kreuz und der Säugling. Und die müssen auch noch daran, sage ich, oder ich will keinen seligen Tod haben!«

Der Bauer sah ihn dumm an: »Heiliges Kreuz? Säugling? Was heißt das?« Thedel erzählte: »Als meist alles vorbei war und die mehrsten besoffen waren wie die Schweine, bin ich auf allen vieren hinter dem Hagen hergekrochen und da sah ich einen Kerl, der war so lang, wie ich noch keinen Menschen gesehen habe, und der hatte einen ganz kleinen Kopf wie ein Kind und auch genau solche Stimme, wenn er das Maul auftat, und keinen Bart hatte er auch nicht, und zu dem sagten sie Säugling. Und der andere, der war so kurz und dick wie ein Krautfaß, und er hatte einen fuchsigen Knebelbart und zwei Narben im Gesicht, so dick wie ein Finger und so rot wie ein Hahnenkamm, die eine von der Stirn bis in das Maul und die andere von einem Ohr bis an das andere, just so, daß es wie ein Kreuz aussah, und deswegen schimpften sie ihn wohl auch Heiliges Kreuz.«

Er sah vor sich hin: »Die beiden haben meine Schwester hingemartert; ich habe es gehört, wie sie darüber ihre Witze machten, die beiden und der andere, der besoffen in der Haide liegen blieb. Na, dem habe ich es besorgt! Ich hatte ihm das Maul zugestoppt, denn ich dachte: wenn er an zu bölken fängt und die anderen hören es, dann läufst du am Ende dumm an. Die beiden anderen haben noch eine ganze Weile hinter ihm hergeflötjet, bis es ihnen zu langweilig geworden ist. Ich bin bloß neugierig, ob er morgen früh noch am Leben ist!«

Mitten im Reden schlief er ein. Der Bauer deckte ihm einen Mantel über und dabei sah er, daß der Knecht so ruhig schlief, wie immer. Er mußte noch oft hinsehen; wie ein Kind, das keiner Fliege wehtun konnte, sah er aus. Er war der einzige Mensch im ganzen Dorfe, der es nicht mit ansehen konnte, wenn ein Schwein geschlachtet wurde, und dabei hatte er den Mordbrenner geschunden, wie der Henkersknecht einen armen Sünder.

»Recht hat er getan!« dachte der Bauer; »Schimpf um Schimpf, Schlag um Schlag, Blut um Blut, sagt Drewes.« Er sah in das Feuer und sah darin einen langen Kerl mit einem kleinen Kopf und einer dünnen Stimme, und einen anderen, kurz und dick wie ein Faß und mit zwei Narben im Gesicht, die über Kreuz standen. Er sah sie vor sich liegen mit gebundenen Händen, alte Lappen in den Mäulern und Angstschweiß auf der Stirn, und er stand davor, trat sie mit Füßen und hielt ihnen sein Messer vor die Augen.

Lange saß er so da und dachte an weiter nichts. Aber mit einem Male wurden ihm die Augen naß. In einer von den Plaggenhütten weinte ein Kind und eine Frau sang: