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Der Weltkrieg, Deutsche Träume: Roman cover

Der Weltkrieg, Deutsche Träume: Roman

Chapter 37: XXXV.
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About This Book

A speculative political-military narrative offers a prophetic vision of a global war sparked by imperial rivalry and colonial tensions. Through council scenes, military recollections, and imagined dispatches, it traces how strategic calculations and nationalist anxieties lead major continental powers to align against a maritime empire. Episodes shift between diplomatic conferences, frontier postings, and the narrator's reflections, depicting mobilization, alliance-building, and an envisioned redistribution of overseas possessions as the conflict unfolds and reshapes international order.

XXXV.

Die langen Fensterreihen von Hampton Court Palace bei London waren trotz der vorgerückten Nachtstunde noch hell erleuchtet. Der vom Regiment der Königs-Ulanen gestellte Doppelposten vor dem Portal kam nicht zur Ruhe, denn ein unausgesetztes Kommen und Gehen hoher Offiziere von den Armeen der drei verbündeten Nationen verlangte die militärischen Honneurs. Unmittelbar nach der für England so unglücklich verlaufenen Seeschlacht bei Vlissingen waren eine große französische Armee und einige Garde-Regimenter des Zaren bei Hastings an der englischen Küste gelandet worden und lagen nun im besten freundnachbarlichen Einvernehmen mit den französischen und den von Schottland her anmarschierten deutschen Truppen im Lager von Aldershot. Das Hauptquartier des Prinz-Admirals war nach Hampton Court verlegt worden, dessen stilles, altehrwürdiges und altberühmtes Schloß damit plötzlich zum Mittelpunkt eines regen militärischen und diplomatischen Lebens wurde.

Ernsthafte kriegerische Operationen kamen zwar kaum noch in Frage, denn die Voraussetzung, daß die Landung großer feindlicher Heere tatsächlich das Ende des Feldzuges bedeuten würde, hatte sich als zutreffend erwiesen.

Bei dem Widerstand, den englische Truppenkörper den Franzosen auf ihrem Vormarsche gegen London zu leisten versucht, hatten zwar die englischen Freiwilligen ihre Tapferkeit und ihren patriotischen Opfermut im hellsten Lichte gezeigt, aber sie hatten den Siegeslauf des besser geleiteten Gegners nicht mehr aufhalten können. So war der Abschluß eines Waffenstillstandes zum Zwecke von Verhandlungen über den von England angebotenen Frieden erfolgt, noch ehe die von Schottland her vorrückenden deutschen Truppen Gelegenheit gehabt hatten, in die kriegerischen Ereignisse zu Lande einzugreifen.

Der Friedensschluß, von allen Kulturnationen des Erdballs herbeigesehnt, konnte als gesichert gelten, wenn auch kein Zweifel darüber bestand, daß seiner endgültigen Unterzeichnung noch lange und schwierige Verhandlungen würden vorausgehen müssen. Der von dem deutschen Reichskanzler angeregte Gedanke, einen allgemeinen Kongreß nach dem Haag einzuberufen, auf dem nicht nur die kriegführenden Parteien sondern alle Regierungen vertreten sein sollten, hatte allgemeine Zustimmung gefunden, da alle Staaten an der Neugestaltung der Machtverhältnisse interessiert waren. Die Erledigung der Friedenspräliminarien aber mußte zunächst Sache der kriegführenden Mächte sein, und es waren zu diesem Zwecke außer dem deutschen Reichskanzler, Freiherrn von Grubenhagen, der französische Minister des Auswärtigen, Delcassé, und der russische Staatssekretär Witte, in Begleitung des Grafen Lambsdorff, mit einem ganzen Stabe von Beamten und diplomatischen Hilfsarbeitern in Schloß Hampton Court eingetroffen.

Die Vorverhandlungen zwischen diesen Staatsmännern und den englischen Bevollmächtigten, dem Premierminister und ersten Lord des Schatzes Balfour und dem Lordpräsidenten des Geheimen Rates, Marquis von Londonderry, wurden mit rastlosem Eifer betrieben. Ueber ihr bisheriges Ergebnis aber wurde von allen Beteiligten das strengste Stillschweigen bewahrt.

Dafür, daß die Heerführer sich trotz der beginnenden Friedensverhandlungen nicht der Untätigkeit hingaben, war das Verhalten des Prinz-Admirals ein augenfälliger Beweis. Obwohl er sich der diplomatischen Aktion ganz fernhielt und sich lediglich mit den militärischen Angelegenheiten befaßte, war für ihn nicht nur jede Minute des Tages, sondern auch ein guter Teil der Nachtstunden ausgefüllt durch Arbeiten und Besprechungen mit den Herren seines Stabes, mit den leitenden Offizieren der Landarmee, sowie mit den Oberkommandos der verbündeten französischen und russischen Armee. Jedermann war voll Bewunderung für die nie versagende Frische und die unermüdliche Arbeitskraft des Prinzen, dessen hohe, schlanke Germanengestalt und dessen blondbärtiges Antlitz mit den ruhigen klaren Seemannsaugen auf niemanden, der ihm nahetrat, ihre imponierende Wirkung verfehlten. Nur sein kaiserlicher Bruder, der alle Fäden der politischen Aktion in der Hand hielt, mochte den Prinzen in der traditionellen Hohenzollern-Arbeitskraft in dieser großen Zeit noch übertreffen.

Es war nahe an Mitternacht, als nach einer langen, mit großer Lebhaftigkeit geführten Beratung der französische General Jeannerod das Arbeitskabinett des Prinzen verließ. Die Tür hatte sich kaum hinter ihm geschlossen, als der diensttuende Adjutant des Prinzen mit einem merklichen Ausdruck des Erstaunens im Klang der Stimme meldete:

„Seine Exzellenz der Herr Reichskanzler, Freiherr von Grubenhagen!“

Bis in die Mitte des Zimmers ging der Prinz dem Eintretenden entgegen und schüttelte ihm kräftig die Hand.

„Ich danke Ihnen, Exzellenz, daß Sie trotz der späten Stunde und trotz der Arbeitsüberhäufung meiner Bitte um eine Unterredung noch heute Folge geleistet haben. Ich hatte zu dieser Konferenz einen besonderen Grund, den Sie verstehen werden, wenn ich Ihnen sage, daß allerlei Gerüchte von übertriebenen Forderungen unserer Verbündeten zu mir gedrungen sind. Mein bisheriges Verhalten wird Ihnen ein Beweis dafür sein, daß ich nicht die Absicht habe, mich in die diplomatischen Verhandlungen einzumischen oder gar einen Einfluß in dem einen oder andern Sinne auszuüben. Ich fühle mich hier nicht als Staatsmann, sondern nur als Soldat, und gerade deshalb, meine ich, können Sie um so offener zu mir sprechen. Man sagte mir, es sei bei der Feststellung der Friedensbedingungen auf eine völlige Vernichtung Englands abgesehen.“

Der Kanzler, dessen männlich-charaktervollem Gesicht trotz der fast übermenschlichen Arbeitsleistungen nichts von Erschlaffung anzumerken war, sah dem Prinzen freimütig ins Auge und bewegte verneinend den Kopf.

„Königliche Hoheit sind nicht zutreffend unterrichtet worden. Eine Absicht, England zu vernichten, besteht weder bei uns, noch bei einem unserer Verbündeten. Allerdings herrscht darüber volle Einigkeit, daß dieser furchtbare Krieg nicht vergebens geführt sein darf und daß der Preis auch der Größe der Opfer entsprechen muß, mit denen er erkauft wurde.“

„Und wem soll dieser Preis zufallen?“

„Allen Nationen, Königliche Hoheit! Denn es wäre ein Frevel gewesen, diesen Weltenbrand zu entzünden, wenn es nicht in der sicheren Voraussetzung geschehen wäre, daß seine läuternden Flammen den Boden vorbereiten würden für das Glück und den Frieden der Völker. Jahrhundertelang hat Britannien seine Machtmittel dazu mißbraucht, die eigenen Reichtümer auf fremde Kosten zu vermehren. Skrupellos wußte es alles an sich zu raffen, was ihm erreichbar war, und damit, daß es bei jedem Schritt wichtige Lebensinteressen anderer Nationen verletzte, forderte es jenen Widerstand heraus, der jetzt die Zertrümmerung seiner Weltmacht-Stellung herbeigeführt hat. Das Glück der Völker erblüht nur aus einem auf lange Zeit hinaus gesicherten Frieden, und nur eine gerechte Verteilung des Besitzes der Erde kann den Weltfrieden gewährleisten. Darum wird England notwendig einen wesentlichen Teil seines überseeischen Besitzes ausliefern müssen. Rußland will den Weg zum indischen Ozean freihaben, denn nur wenn es eine genügende Anzahl von Häfen hat, die das ganze Jahr hindurch offen bleiben, werden die ungeheuren Reichtümer seines Bodens aufhören ein toter Besitz zu sein. Und Frankreich — —“

„Bleiben wir zunächst bei Rußland, Exzellenz! Hat die russische Regierung ihre Forderungen bereits formuliert?“

„Diese Forderungen ergeben sich im wesentlichen schon aus der Kriegslage, denn sie gipfeln in der Abtretung von Britisch-Indien an Rußland. Was unser östlicher Nachbar darüber hinaus anstreben wird, soll weniger zu seiner Bereicherung, als zur Sicherung des europäischen Friedens dienen. Die ständige Gefahr, die der Ruhe Europas aus dem Wetterwinkel der alten Welt, der Balkanhalbinsel, droht, muß endlich beseitigt werden. Unter den beteiligten Mächten ist ein grundsätzliches Einverständnis darüber erreicht worden, daß die Interessen-Sphären Rußlands und Oesterreichs auf dem Balkan in einer Weise abzugrenzen sind, die eine definitive Regelung der Verhältnisse in den Balkanstaaten zur Folge hat. Es ist die Rede von einem selbständigen Königreich Macedonien unter der Herrschaft eines österreichischen Erzherzogs. Das Aequivalent für diesen Zuwachs der österreichischen Macht gegenüber dem russischen Reiche wird allerdings erst auf dem Haager Kongreß endgültig gefunden werden müssen. Jedenfalls aber soll den Gefahren, die dem europäischen Frieden von Bulgarien, Serbien und Montenegro her drohen, für die Zukunft wirksam vorgebeugt werden.“

„Aber fürchten Sie denn nicht, daß sich der Sultan einem solchen Ausgleich, der doch im wesentlichen auf Kosten der Türkei erfolgt, widersetzen wird?“

„Der Sultan wird sich der Macht der Verhältnisse beugen müssen. Wir dürfen nicht vergessen, Königliche Hoheit, daß der europäische Besitzstand der Türkei bisher viel weniger durch geheiligte Anrechte der Pforte als durch die Uneinigkeit der Großmächte aufrecht erhalten wurde. Die unaufhörlichen macedonischen Wirren haben gezeigt, daß der Sultan ebensowenig die Kraft als den guten Willen hat, den unter seiner Herrschaft stehenden Balkanländern eine den Forderungen moderner Kultur entsprechende Verwaltung zu geben. Wenn die Pforte den Rückhalt verliert, den sie bisher an England hatte, entfällt für den Sultan zugleich jede Möglichkeit eines ernsthaften Widerstandes.“

„Und was ist hinsichtlich Aegyptens geplant?“

„Aegypten bedeutet den Siegespreis für Frankreich, dem damit ja nur das zurückgegeben wird, was es auf Grund einer glorreichen Geschichte mit Recht beanspruchen darf. Die Souveränität des Sultans, die ja lediglich eine Formsache ist, wird auch weiter bestehen bleiben. Aber die Stellung, die jetzt England in Aegypten einnimmt, wird — mit einer Einschränkung allerdings — von nun an Frankreich zufallen.“

„Mit welcher Einschränkung?“

„Nicht Frankreich allein wird die Verwaltung führen, sondern eine internationale Kommission, von allen Mächten eingesetzt, wird unter Frankreichs Vorsitz an Stelle der jetzigen englischen Verwaltung treten. Die erste Bedingung hierzu ist, daß England alle seine finanziellen Forderungen und seinen großen Besitz an Aktien des Suezkanals den alliierten Mächten zediert. Diese Finanzopfer sollen zugleich einen Teil der Kriegsentschädigung bilden, die England zur Last fällt.“

„Weitergehende Ansprüche erhebt Frankreich nicht?“

„Frankreich ist mit den Erfolgen dieses Krieges um so mehr zufrieden, als eine Angliederung Belgiens an die französische Republik sehr wahrscheinlich ist. Deutschland beansprucht indessen für sich den Hafen von Antwerpen, den wir gleich bei Beginn des Krieges besetzt haben.“

„Wenn ich recht unterrichtet bin, war davon die Rede, daß Aden an Frankreich fallen oder neutralisiert werden solle?“

„Der Gedanke war allerdings angeregt worden, aber die verbündeten Mächte sind zu dem Entschluß gekommen, Aden bei England zu lassen. Dagegen wird sich England verpflichten müssen, keinerlei Ansprüche zu erheben, die den Bau und Betrieb der Bagdadbahn illusorisch machen würden. Der Hafen Koweit am persischen Meerbusen, der südöstliche Endpunkt dieser Bahn, muß unangetastet der Türkei verbleiben.“

„Und Gibraltar? Es rief ja einen Sturm der Entrüstung in England hervor, als plötzlich das Gerücht auftauchte, man würde die Abtretung dieser Festung verlangen.“

„Und doch wird die englische Regierung sich darein finden müssen, denn die Uebergabe Gibraltars ist eine unerläßliche Bedingung der verbündeten Regierungen.“

„Es ist unmöglich, diese natürliche Felsenfestung zu schleifen!“

„Es würde genügen, daß die englische Besatzung zurückgezogen und alle Befestigungen desarmiert würden. Gibraltar wird aufhören, als Festung zu existieren und soll unter bestimmten Garantien an Spanien zurückfallen. Da es indessen nicht in der Absicht der Verbündeten liegt, den englischen Einfluß in der Levante völlig zu zerstören, soll Malta dem britischen Reiche verbleiben. England behält damit im Mittelländischen Meer den wichtigsten Stützpunkt seiner Flotte.“

„Es wird nicht leicht sein, die Annahme dieser Bedingungen bei der englischen Regierung durchzusetzen. Doch Sie haben noch nicht von den Forderungen Deutschlands gesprochen, — Antwerpen berührt nicht direkt die Interessen Englands.“

„Die Politik der deutschen Regierungen wird darin gipfeln, sich gefestigte handelspolitische Beziehungen zu England und seinen Kolonieen und eine Abrundung unseres kolonialen Besitzes zu sichern. Für Deutsch-Südwestafrika verlangen wir deshalb die Walfischbai, den einzigen guten Hafen, der als englisches Besitztum jetzt wie wildes Fleisch mitten im Körper unserer jungen südwestafrikanischen Kolonie sitzt. Außerdem aber müssen wir darauf bestehen, daß auch die ostafrikanischen Gebiete, die wir im Austausch gegen Helgoland aufgegeben haben, uns zurückgegeben werden. Dieser schwere Fehler der deutschen Politik muß ausgeglichen werden, denn die Ueberlassung des Protektorats über Zanzibar an England war ein Schlag, der nicht allein den Eifer unserer besten Kolonialfreunde lähmte, sondern auch unsere ostafrikanischen Kolonieen entwertete.“

„Wenn ich Sie recht verstehe, Exzellenz, ist Ihre Politik darauf gerichtet, den kolonialen Bestrebungen Deutschlands eine festere Basis zu geben.“

„Dies halte ich allerdings für eine der wichtigsten Forderungen unserer Zeit. Wir müssen nachholen, was die Politik der letzten Jahrhunderte verabsäumt hat. Zu derselben Zeit, da Eurer Königlichen Hoheit großer Ahnherr um eine Handbreit Landes, um das kleine Schlesien, sieben Jahre hindurch Krieg führte, gelang es der weitausschauenden englischen Politik, sich mit geringen Opfern in den Besitz von unermeßlichen Ländergebieten zu bringen, die in ihrer Gesamtheit den ganzen europäischen Kontinent weit übertrafen.“

„England war eben seit Jahrhunderten eine Seemacht, die ihr Bestreben auf den Erwerb überseeischer Kolonieen richten mußte.“

„Und was hätte Preußen gehindert, schon vor Jahrhunderten eine achtunggebietende Seemacht zu werden? Unser Unglück war es, daß die gewaltigen Ideen und weitblickenden Absichten des Großen Kurfürsten an der Unzulänglichkeit seiner Mittel scheitern mußten. Hätten seine Nachfolger fortgesetzt, was er begonnen, so hätte Großbritanniens Macht sich niemals zu solcher Höhe emporheben können. Denn auch wir würden uns dann schon in den früheren Jahrhunderten den uns gebührenden Anteil in den außereuropäischen Erdteilen rechtzeitig gesichert haben.“

Der Prinz blickte sinnend vor sich hin. Nach einem kurzen Schweigen fuhr der Reichskanzler fort:

„Königliche Hoheit werden darüber unterrichtet sein, daß in den Niederlanden die feste Absicht besteht, sich im Interesse der Selbsterhaltung dem Deutschen Reiche als ein Bundesstaat anzugliedern, wie es nach dem deutsch-französischen Kriege Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden und die übrigen deutschen Staaten getan haben. Damit würden dann auch die reichen und ausgedehnten niederländischen Kolonieen zu deutschen Kolonieen werden, d. h. sie würden unter Fortbestand der holländischen Verwaltung in den politischen Verband der übrigen deutschen Kolonieen mit eintreten. Auf die niederländische Bevölkerung hat es einen sehr guten Eindruck gemacht, daß wir beabsichtigen, das Unrecht wieder gutzumachen, das England den Buren zugefügt hat. Die Burenstaaten sollen unter Wiederherstellung ihrer Selbständigkeit in dasselbe Verhältnis zu uns treten, in dem sie vor dem Burenkriege zu England standen.“

„Das heißt also: Selbstverwaltung unter Anerkennung der deutschen Oberhoheit. Nun ja, sie sind der Niederländer Stammverwandte. Aber, mein bester Baron, wird das deutsche Volk nicht erschrecken vor den Konsequenzen einer Erweiterung unseres überseeischen Besitzes? Ein größerer Kolonialbesitz erfordert auch eine größere Flotte. Denken Sie doch an die Kämpfe, die die verbündeten Regierungen zu führen hatten, um im Parlament eine Vergrößerung der deutschen Flotte selbst im bescheidenen Umfange durchzusetzen!“

„Diese Schwierigkeit fürchte ich nicht so sehr, denn das deutsche Volk hat den Wert der Flotte schätzen gelernt. Wir sind über das Stadium der tastenden Versuche hinausgekommen und haben Lehrgeld genug bezahlt. Wir müssen festhalten, was wir besitzen und zurücknehmen, was uns durch den leider so wenig kaufmännischen Geist unserer auswärtigen Politik in früheren Jahrzehnten verloren gegangen ist. Dann wird das deutsche Volk auch wieder Vertrauen zu unserer Kolonialpolitik fassen.“

„Wie aber wollen Sie die Lasten aufbringen, die notwendig sind, um unsere Flotte stark und mächtig zu machen?“

„Unsere Verhandlungen mit den befreundeten Regierungen von Frankreich und Rußland zeigen, daß in diesen Staaten ebensosehr wie im deutschen Volke der Wunsch nach einer Verminderung des Landheeres besteht. Und in Oesterreich und Italien regt sich machtvoll dasselbe Bestreben, die Landmacht zu verringern. Die Völker würden unter der Last zusammenbrechen, wenn die Ausgaben für die Armee noch weiter stiegen. Verringern wir unsere Landarmee, so gewinnen wir die Mittel zur Vermehrung unserer Marine. Jetzt, nach dem siegreichen Kriege, ist der Augenblick gekommen, wo wir auf dem ganzen Kontinent die ungeheuren stehenden Heere auf einen der finanziellen Leistungsfähigkeit der Völker entsprechenden Stand zurückführen können. Der äußere Feind ist besiegt; wir dürfen nicht daran denken, den inneren Feind durch eine übermäßige Belastung aller Stände heraufzubeschwören.“

„Sie sprachen vorhin von einem wenig kaufmännischen Geist in unserer auswärtigen Politik. Wie ist dieser Vorwurf zu verstehen?“

„Ganz buchstäblich, Königliche Hoheit! Der Vertrag, der Zanzibar aufgab, um Helgoland zu gewinnen, wäre niemals möglich gewesen, wenn unsere Diplomatie es der englischen an jenem Weitblick und jenem Verständnis für wirtschaftliche Fragen gleich täte, die ich eben nicht anders bezeichnen kann, als mit dem Ehrentitel ‚kaufmännischen Geistes‘. Dieser kaufmännische Geist ist die Triebfeder in Industrie und Landwirtschaft, in Handel und Handwerk, wie überhaupt in dem gesamten Erwerbsleben, und es ist notwendig, daß dieser kaufmännische Geist auch in unseren Ministerien als eine notwendige Voraussetzung für die Qualifikation zur Beurteilung der wirtschaftlichen Interessen des Volkes anerkannt wird. In keiner anderen Hinsicht können unsere Staatsmänner und Beamten und unsere erwerbenden Stände von unserem besiegten Gegner mehr lernen, als gerade in dieser. Daß es eine Nation von Kaufleuten ist, hat England groß gemacht, während unsere wirtschaftliche Entwicklung und unsere Geltung nach außen hin vielleicht durch nichts anderes so sehr behindert worden sind, als durch die Geringschätzung, mit der bei uns die erwerbenden Stände bis in die jüngste Zeit hinein behandelt wurden. In England stand auf der gesellschaftlichen Stufenleiter der Kaufmann stets über dem Offizier und dem Beamten. Bei uns bedeutet er neben diesen beiden Kategorieen fast einen Staatsbürger zweiter Klasse. Was in England nur als Mittel zum Zweck Geltung hat, das wird bei uns als Selbstzweck angesehen. Der Geist jener starren Bureaukratie, über die schon Fürst Bismarck geklagt hat, ist in unserem Deutschen Reiche von den niedrigsten bis zu den höchsten Stellen hinauf, leider mit nur geringen Ausnahmen, noch immer der herrschende, und aus dem mangelnden Verständnis für die Bedeutung des wirtschaftlichen Lebens resultiert dann die niedrige Wertschätzung der erwerbenden Stände. Der gesunde kaufmännische Geist, der durch das ganze englische Staatsleben geht, entzieht auch der Sozialdemokratie in England den Boden, während sie bei uns von Jahr zu Jahr an Boden gewinnt. Ich habe die Ueberzeugung, daß unser deutsches Volk die Sozialdemokratie nicht zu fürchten braucht, denn es kommt bei der Bekämpfung wirtschaftlicher Schäden weniger auf die Regierten an als auf die Regierenden.“

„Es mag manches Wahre sein in dem, was Sie da sagen, Herr Reichskanzler! Aber die Vergrößerung unseres Kolonialbesitzes wird ja in erster Linie dem Handel zu Gute kommen, und damit wird naturgemäß auch bei uns der Kaufmann zu größerer Bedeutung gelangen. Man hört ja schon jetzt von großen Plantagengesellschaften, die mit enormem Kapital ins Leben gerufen werden sollen.“

„Gerade gegen die Bildung dieser Gesellschaften denke ich meinen ganzen Einfluß geltend zu machen, Königliche Hoheit! Könnten wir doch keinen verhängnisvolleren Fehler begehen, als den, daß wir die Land- und Bodenspekulation, die in den alten Kulturstaaten so unheilvolle Früchte gezeitigt hat, auch in unseren Kolonieen staatlich privilegierten. Grund und Boden dürfen kein Spekulationsobjekt sein, sondern müssen Staatseigentum bleiben. Zu den Ständen, die heute wirtschaftlich am meisten leiden, gehört die Landwirtschaft. Nur eine Erhöhung der Schutzzölle kann die ackerbautreibende Bevölkerung vor der dringenden Gefahr des wirtschaftlichen Ruins bewahren. Mit dem erhöhten Schutzzoll wird die gesteigerte Rentabilität des Bodens eintreten, doch im Zusammenhange damit auch eine weitere Preissteigerung des Bodens, da er eben auch ein Handelsartikel ist. Mit dem Steigen der Bodenwerte wachsen dann aber gleichzeitig auch die Zinsen, die aus Grund und Boden herauszuwirtschaften sind, und ich muß aus diesem Grunde fürchten, daß trotz einer Erhöhung der Schutzzölle die Landwirtschaft schon in der nächsten Generation unter der weiteren Steigerung der Bodenpreise und den sich daraus ergebenden erhöhten Zinsanforderungen zu leiden haben wird.

Wir dürfen in unseren Kolonieen nicht in den gleichen Fehler verfallen, der in den heutigen Kulturstaaten die soziale Frage geboren hat. Nach einem höheren Gesetz, als es menschliche Unvollkommenheit geschaffen hat, gehört die Erde den Geschöpfen, die auf ihr und durch sie leben. Darum darf der Boden unserer Erde kein Handelsobjekt sein. Er ist untrennbar mit dem Staatskörper verwachsen. Ich wage nicht zu hoffen, daß es mir oder einem meiner Zeitgenossen beschieden sein wird, die soziale Frage zu lösen, doch ich werde nicht müde werden, meinen ganzen Einfluß dafür einzusetzen, eine falsche Bodenpolitik wenigstens in unseren jungen Kolonieen zu verhindern. Das Unrecht stirbt an seinen Folgen, denn mit dem Unrecht wächst zugleich sein Rächer auf. Ein verhängnisvolles Unrecht aber war es, daß die Menschheit den Boden, der sie ernährt, zum Spekulationsobjekt werden ließ. Diese unheilvolle Saat zeitigt unheilvolle Früchte. Es muß die höchste Aufgabe aller Regierungen sein, die Bodenreform, diese große, das Schicksal einer Welt entscheidende Frage, mit allen gesetzgeberischen Machtmitteln durchzuführen. Jetzt, wo nach menschlicher Voraussicht der Friede gesichert ist, wo äußere Gefahren den Bestand unseres Reiches nicht mehr bedrohen, jetzt enthebt uns nichts mehr der ernsten und heiligen Verpflichtung, mit dem größten und gewaltigsten Reformwerke der Menschheit zu beginnen. Dann führt uns unser Weg — vom Weltkrieg zum Weltfrieden.“

In demselben Augenblick öffnete sich die Tür des Gemaches, und aus den Händen eines von dem diensttuenden Adjutanten eingeführten Feldjägers nahm der Prinz einen mit der Kaiserkrone und dem Initial des kaiserlichen Namens geschmückten Brief entgegen.

Der erste Schimmer des anbrechenden Morgens fiel in die geöffneten Fenster, und durch die Wipfel der uralten Parkbäume von Hampton Court ging ein geheimnisvolles Rauschen und Raunen, wie wenn sie Zwiesprache hielten über den wunderbaren Wechsel der Geschicke, deren stumme Zeugen sie seit den fernen Tagen ihrer Jugend gewesen.

Die blauen Augen des Hohenzollernprinzen aber leuchteten in freudigem Stolze auf, während sie das kaiserliche Handschreiben überflogen. Ein paar Sekunden lang herrschte tiefe Stille. Dann wandte sich der Prinz dem Reichskanzler zu:

„Wir gehen einem großen Tage entgegen, Exzellenz! An der Spitze der verbündeten Armeen wird Seine Majestät der Kaiser in London einziehen. Der Friede ist gesichert. Gebe Gott, daß es der letzte Krieg sein möge, den wir für das Glück und die Zukunft der deutschen Nation führen mußten!“

Ende.


In demselben Verlage von W. Vobach & Co., Berlin und Leipzig, ist erschienen:

Regiments-Indiskretionen.

Ein Offiziers-Roman
von
Teo von Torn.

Preis 3 Mark geheftet, 4 Mark gebunden.

Wo viel Licht, da ist auch viel Schatten. Verfasser hat versucht, beides gleichmäßig zu verteilen. Er schildert äußerst spannend und wahrheitsgetreu das dienstliche und gesellschaftliche Leben in kleinen Garnisonen, unter besonderer Berücksichtigung der Lebensgewohnheiten der Offiziersdamen. Teo von Torn ist es meisterhaft gelungen, den richtigen Ton zu treffen, ohne der Uebertreibung anheim zu fallen. Ein Buch, das allenthalben Aufsehen erregt.

Venus als Siegerin.

Ein Offiziers-Roman
von
Caesar Magnus.

Preis 3 Mark geheftet, 4 Mark gebunden.

Unter dem Pseudonym Caesar Magnus hat ein höherer preußischer Generalstabs-Offizier diesen hochinteressanten Roman geschrieben, welcher den Gegensatz der Forderungen der Konvenienz zu dem sich ungern an Gesetze bindenden Genie zum Vorwurf hat und gleichzeitig zeigt, daß auch der erweckte Mann den Lockungen der Liebe, noch dazu der verbotenen, zu der Frau eines anderen Mannes nicht widersteht und daran zu Grunde geht. Sehr ansprechend ist der Fürst eines kleinen deutschen Landes geschildert, der über kleinlichen Vorurteilen erhaben, den als Offizier Geächteten doch als Dichter zu würdigen und zu ehren weiß.

In allen Buchhandlungen zu haben.

Verlag von W. Vobach & Co., Berlin und Leipzig.


Gegen den Strom.

Ein Zeitroman
von
Ludwig Rohmann.

Preis 90 Pf. geheftet, 1 Mark gebunden.

Der Verfasser entwirft ein überaus fesselndes Kulturbild aus Pomerellen, dem alten Kassubenlande, dessen polnisch sprechende Bewohner noch heute die Herrlichkeit des Polenreichs nicht vergessen können und den deutschen Usurpatoren mit glühendem Haß begegnen. Zugleich geißelt er scharf den geltenden Ehren- und Duell-Kodex, dessen verderbliche Folgen durch die Schicksale eines hoffnungsvollen, aus seiner Bahn gedrängten Juristen illustriert werden. Eine innige Liebesgeschichte ist mit dem Grundthema geschickt verwoben.

Sinkende Sonnen.

Ein Künstler-Roman
von
Georges Ohnet.

Preis 3 Mark geheftet, 4 Mark gebunden.

Ein Künstler-Roman, in welchem der Verfasser des „Hüttenbesitzers“ in einer gewissen wehmütigen Beleuchtung uns das untergehende Gestirn eines gefeierten Malers zeigt, der seinen Ruhm überlebt hat, an der Grenze seiner Schaffenskraft angekommen ist, um so mehr, als er auch seine Herzenswünsche aufgeben muß. Das Mädchen, das er liebt, das er einst als Modell von der Straße aufgelesen und das er wie eine Pflegetochter zur Künstlerin herangebildet, schenkt ihr Herz einem jüngeren genialen Maler. Der Künstler endet durch Selbstmord. Der Roman ist ein fein ausgeführtes Seelengemälde; das Milieu des Ateliers ist besonders gut getroffen, ebenso einzelne Charakterköpfe, wie die Schriftstellerin Zélie Bazin und der Journalist Teneran.

Professor G. Schönleber schrieb uns: „Ich habe „Sinkende Sonnen“ mit großem Interesse gelesen. Das Buch enthält nur Wahres, der Verfasser versteht Künstler, wie sie in der Tat fühlen, seine Personen sind typisch, auch ohne Pariser Atmosphäre.“

In allen Buchhandlungen zu haben.

Verlag von W. Vobach & Co., Berlin und Leipzig.


Pflug und Schwert.

Historischer Roman
von
Heinrich Vollrat Schumacher.

2 Bände. Preis 6 Mark geheftet, 7 Mark gebunden.

Seine Exzellenz der Reichskanzler Graf Bülow schrieb uns: „Die Verlagsbuchhandlung W. Vobach & Co. hat mir durch Uebersendung des Romans „Pflug und Schwert“ von Heinrich Vollrat Schumacher, wie nicht minder durch die Ausführung des gefl. Schreibens eine besondere Freude gemacht. Ich wünsche dem Roman einen Platz auf vielen deutschen Tischen und seinem Verfasser Schaffenslust und gutes Gelingen seinen weiteren Arbeiten.“

Die großen Leidenschaften, wie sie die ungeheuren Umwälzungen der napoleonischen Kriege entfacht, die glühende Vaterlandsliebe, der bis zur Selbstentäußerung sich erhebende ideale Sinn der Freiheitskrieger und dem gegenüber die finstere Selbstsucht, die vor nichts zurückschreckende Habgier, die in der Not des Vaterlandes und den Bedrängnissen ihrer Nachbarn den eigenen Vorteil sucht, sie geben auf einem mit realistischer Kraft gemalten Hintergrund ein jeden Leser ergreifendes Bild. Die Sprache des Romans ist edel und erhebt sich stellenweise zu wunderbarer Schönheit.

Prinzessin Fee.

Eine Hofgeschichte
von
Paul Oskar Höcker.

2 Bände. Preis 2 Mark geheftet, 2,50 Mark gebunden.

Dieser Roman ist wie kaum ein zweites Werk des beliebten Autors geeignet, das Interesse der weitesten Kreise zu erregen. Die Erzherzogin Fedora und ihre Schicksale, die in dramatisch bewegter Handlung sich vor uns abspielen, sind keine bloßen Phantasiegebilde des Dichters, sondern lehnen sich an tatsächliche Vorgänge in einem Fürstenhause an. Es handelt sich um die Schöpfung eines Dichters, der mit offenen Augen durchs Leben geht, um das, was er dort sieht, frei, allein dem künstlerischen Gesetze folgend, zu gestalten. Neben den ernsten und ergreifenden Szenen, die die inneren Kämpfe und Leiden der Heldin schildern, bricht immer wieder, die Härten des Lebens vergoldend, der liebenswürdige Humor des Dichters durch und entzückt mit seiner tiefen Innerlichkeit.

In allen Buchhandlungen zu haben.

Verlag von W. Vobach & Co., Berlin und Leipzig.


Berenice.

Kulturgeschichtlicher Roman aus der Zeit der Judenverfolgungen
von
Heinrich Vollrat Schumacher.

2 Bände. Preis 2 Mark geheftet, 2,50 Mark elegant gebunden.

Eine treffliche Arbeit, in welcher sich Wissenschaft und Kunst zu einem höchst anziehenden Werke verbinden. Einzelne Scenen desselben sind mit markerschütternder Kraft geschrieben. Die Zerstörung der heiligen Stadt, der Brand des Tempels, die Preisgebung der gefangenen Judäer in der Arena an die wilden Bestien, die Anteilnahme des Volkes an dem ihm willkommenen, blutigen Schauspiele sind prachtvoll, wenngleich schrecklich, und erinnern in der Plastik ihrer Furchtbarkeit an die Zerstörung Jerusalems von Kaulbach in der Pinakothek. Doch kommen auch Stellen von rührender Zartheit in „Berenice“ vor, in denen der Leser ausruht, so das Gespräch der beiden blutsverwandten Judäerinnen, der stolzen Salome und der lieblichen Thamar, der Tochter Johannes von Gischala, welche keine sklavische Nachahmung der „Schwestern“ von Georg Ebers sind, allein doch durch einen Familienzug an dieselben erinnern; die Flucht Debora-Berenices mit Reguel nach Beth-Iden, und die Liebe Gabbas, des Zwerges, zu seiner Jugendgefährtin, der Germanin Wunnehild, und die poetischen alten Sagen, welche in dem Roman geschickt verwebt sind, und unter welchen die von der Liebe Hadad-Rimmons und der Göttin Derketo, aus welcher sich die Adonissage entwickelt haben soll, als eine der schönsten bezeichnet werden muß.

Familie von Ellernbruck.

Humoristischer Roman
von
Käthe van Beeker.

Preis 3 Mark geheftet, 4 Mark gebunden.

Die Verfasserin führt den Leser in das gut beobachtete und mit liebenswürdigem Humor geschilderte Milieu einer hocharistokratischen Offizierfamilie, welcher von all dem Glanze einer ruhmvollen Vergangenheit nichts geblieben ist, als der unbefleckte Ehrenschild ihres gräflichen Wappens. Wie nun in diese unsichtbare Mauer von Standesbewußtsein und — Standesvorurteil aus dem Kreise der eigenen Familie heraus nach und nach Bresche gelegt wird, wie der Sohn und die jüngste Tochter, die so tapfer als Selektanerin und angehende Lehrerin den Kampf ums Dasein aufnimmt, ihre moderne Anschauung von den Pflichten des Adels gegenüber den Aufgaben und den Anforderungen ihrer Zeit zur Geltung bringen, das hat die Verfasserin mit frischer, überzeugender Anschaulichkeit geschildert.

In allen Buchhandlungen zu haben.

Verlag von W. Vobach & Co., Berlin und Leipzig.


Vobachs
illustrierte Roman-Bibliothek


Jeder Band kostet 1 Mark gebunden.

Der Verdacht. — Roman von Teo von Torn.

Mit unerbittlicher Folgerichtigkeit ziehen sich die Fäden der Handlung zu dem unheilvollen Konflikt über dem Haupte der Schuldigen zusammen. Es ist ein äußerst fesselnder Roman, der nur wenige seinesgleichen hat.

Zum Frieden. — Roman von Hilde von Selkow.

Die tief ergreifende Geschichte einer Ehe, wie sie in den Kreisen der oberen Zehntausend so oft geschlossen wird, ist diesem gemütvollen Roman zu Grunde gelegt. Mit immer wachsender Anteilnahme folgen wir den inneren Kämpfen des treuen Frauenherzens, das sich langsam zur Entsagung durchringt, um endlich zum Frieden zu gelangen.

Durch Kampf zur Krone. — Roman von Ada von Gersdorff.

Ein hohes Lied von der siegenden Macht der Liebe verdient dieser Roman genannt zu werden. Wie die Liebe im Weibe alle Zweifel, die von fremder Hand in ihre Seele gesät werden, siegreich überwindet, wie die Liebe, die anfangs in blindem Vertrauen dem Manne ihrer Wahl folgt, sich im Kampfe des Lebens zum bewußten Glauben an den Geliebten durchringt, wie sie für beide Gatten zur Krone des Lebens wird, das ist mit packender Darstellungskunst in diesem Roman der berühmten Schriftstellerin geschildert.

Um einen Königsthron. — Roman von Emilia Pardo-Bazan.

Mitten hinein in den schweren Kampf zwischen der Pflicht, die den Mann an die ihm gestellten Aufgaben ruft, und der Liebe, die stürmisch ihr Recht begehrt, wird der Held dieses Romans geführt. Vor die Entscheidung gestellt, folgt er dem Rufe der Pflicht und fällt als Held im Kampfe zwischen Pflicht und Neigung.

Bis in den Tod. — Roman von W. Granath.

Eine düstere Episode der Weltgeschichte, das Sterben und Irren eines unglücklichen Königs schildert dieser ungewöhnlich spannende Roman. Die gewaltige Tragik der Ereignisse wird gemildert durch ein zartes Liebesidyll, das sich wirkungsvoll auf dem geschichtlichen Hintergrunde aufbaut.

Der Berghaldnerhof. — Roman von F. Kaltenhauser.

Ein packendes Stück Leben, das zum Hintergrund die großartige Szenerie der Alpenwelt hat. Die Glut der Darstellung, die Wucht der Handlung erinnern an die besten Werke eines Ganghofer.

Treue. — Roman von B. Corony.

Ein Seelendrama, das mit seltenem psychologischen Scharfsinn gezeichnet ist. Das Schicksal eines Weibes, dem wir mit innerster Anteilnahme folgen müssen, ein Stück Leben, über das wir als Motto schreiben müßten: „Liebe ist stark wie der Tod.“

Stolze Herzen. — Roman von Ada von Gersdorff.

Wohl eines der besten Werke aus der Feder der vielgelesenen Schriftstellerin. Die tiefsten Klänge, die die Menschenseele bewegen, werden hier von Meisterhand angeschlagen. Niemand kann das Buch ohne tiefe Ergriffenheit aus der Hand legen.

In allen Buchhandlungen zu haben.

Verlag von W. Vobach & Co., Berlin und Leipzig.

Vobachs
illustrierte Roman-Bibliothek


Jeder Band kostet 1 Mark gebunden.

Der Goldmacher. — Roman von C. Falkenhorst.

Ein fesselndes Kulturbild aus der Zeit der Alchimisten, die den Stein der Weisen suchten. Auf diesem Hintergrunde spielt ein zartes Liebesidyll, dessen Zauber sich kein Leser entziehen wird.

Unter dem Dornenkranz. — Roman von Frieda H. Kraze.

Wie unter dem milden Hauch echter Weibesliebe auch aus dem Dornenkranz, der das Haupt eines in seiner einsamen Höhe wandelnden Dichters umschlingt, endlich nach qualvollen inneren Kämpfen die lachenden Rosen des inneren Glückes erblühen, ist von Meisterhand tief ergreifend in diesem einzig schönen Roman geschildert.

Hexenkünste. — Roman von Gustav Johannes Krauss.

Zwischen Furcht und Hoffnung schwankt der Leser bei der Lektüre dieses Romans, der uns durch die Irrpfade von Leidenschaft und Verbrechen zu den lichten Höhen reinen Liebesglückes emporführt.

Von folgenden Romanen der II. Serie kostet jeder Band
1 Mark geheftet und 1,25 Mark hochelegant gebunden.

Weltuntergang. — Roman von Max Dunckel.

Eine hochdramatische Schilderung der französischen Schreckensherrschaft unter Robespierre. Die sich unter dem Schafott abspielenden verzweifelten Scenen und die leidenschaftlichen Gefühlsausbrüche vor der Hinrichtung im Kerker sind von eminent packender Wirkung.

Klippen. — Roman von Anton von Perfall.

In formvollendeter Darstellung gibt der bekannte Autor hier die Schicksale eines Abenteurers wieder, der bei der Jagd nach dem Glück zwar strauchelt, aber in ernster Arbeit und tiefer Reue einen Fehltritt büßt. Gerade zu meisterhaft sind die seelischen Konflikte gelöst, und bewundernd steht der Leser vor der Hoheit der Seele des Weibes.

Du bist der Mann. — Roman von M. E. Braddon.

Ein äußerst spannender Roman der beliebten Verfasserin, der vor dem Auge des Lesers die fein ersonnenen und geschickt durchgeführten Intriguen entrollt, die angewendet wurden, um eine edle Frau einem unaufrichtigen Manne zuzuführen. Die Handlung ist packend von der ersten bis zur letzten Zeile.

Die Rainhoferin. — Roman von F. Kaltenhauser.

Aufrichtiges Mitleid empfindet der Leser dieses Hochland-Romans mit der Heldin, die in einer ihr aufgezwungenen Ehe alle Qualen des geknechteten Herzens durchkosten muß. Mit seinem psychologischen Verständnis schildert die einem Anzengruber ebenbürtige Verfasserin jene Volkskreise, in denen jahrhundertalte Traditionen noch heute lähmend auf ganzen Familien lasten.

Der Liebe Gebot. — Roman von Elsbeth Borchart. — 2 Bände.

Der Fehltritt eines deutschen Fürsten in seinen Jugendjahren und dessen Konsequenzen hat diese Arbeit zum Vorwurf. Die Seelenstimmung des alternden kinderlosen Witwers, dessen natürlicher Sohn durch Zufall als Leibarzt an den Hof gelangt, ist so fein durchgearbeitet, daß niemand dem Fürsten seine Teilnahme versagen wird. Für jeden, der Hofgeschichten mit ihren tausenderlei Intriguen liebt, wird dieser Roman eine äußerst fesselnde Lektüre sein. Der Liebe Gebot wurde des packenden Inhalts wegen bereits dramatisiert.

In allen Buchhandlungen zu haben.

Anmerkungen zur Transkription

Idiomatische Schreibweisen des Autors wurden beibehalten, wie: Knieen, Kopieen, Melodieen, Physiognomieen, schrieen, umsomehr, Diner.

Die folgenden Inkonsistenzen wurden beibehalten, da beide Schreibweisen gebräuchlich waren:

  • anderen -- andern
  • anglo-indisch -- angloindisch
  • Aufenthaltes -- Aufenthalts
  • benutzen -- benützen
  • Cantonment -- Kantonnement
  • dunkeln -- dunklen
  • Eingeborenen -- Eingebornen
  • Entwickelung -- Entwicklung
  • Fahrzeuges -- Fahrzeugs
  • Garde-Regiment -- Garderegiment
  • General-Gouvernement -- Generalgouvernement
  • Generale -- Generäle
  • Generalstabes -- Generalstabs
  • gewohnt -- gewöhnt
  • gleichgiltig -- gleichgültig
  • Hilfe -- Hülfe
  • Hill-Station -- Hillstation
  • höheren -- höhern
  • hundertundzwanzigtausend -- hundertzwanzigtausend
  • im stande -- imstande
  • Kaiser Wilhelm-Kanal -- Kaiser-Wilhelm-Kanal
  • Khaki-Anzug -- Khakianzug
  • Kieler Föhrde -- Kieler Förde
  • Kolonieen -- Kolonien
  • Kontre-Admiral -- Kontreadmiral
  • Mac Gregor -- Mc. Gregor
  • Panzer-Schlachtschiff -- Panzerschlachtschiff
  • Papieres -- Papiers
  • Sommer-Uniform -- Sommeruniform
  • Stockwerkes -- Stockwerks
  • Sympathieen -- Sympathien
  • Torpedo-Divisionsboote -- Torpedodivisionsboote
  • Union Jack -- Union-Jack
  • unseren -- unsern
  • wackeren -- wackern
  • weiteren -- weitern
  • Wester-Schelde -- Westerschelde

Die Umwandlung von -ss in -ß an Wortende bei englischen Begriffen (Empreß, Croß) wurde beibehalten.

Folgende Änderungen wurden vorgenommen:

  • S. 6 „Schimonosaki“ in „Schimonoseki“ geändert.
  • S. 15 “ eingefügt.
  • S. 17 ‘ verschoben.
  • S. 17 „ans“ in „aus“ geändert.
  • S. 18 „unserigen“ in „unsrigen“ geändert.
  • S. 23 „außergewöhnliches“ in „Außergewöhnliches“ geändert.
  • S. 23 „austeilen“ in „Austeilen“ geändert.
  • S. 24 „Siebenhuudertfünfzig“ in „Siebenhundertfünfzig“ geändert.
  • S. 28 „sie“ in „Sie“ geändert.
  • S. 29 “ eingefügt.
  • S. 35 „ eingefügt.
  • S. 39 „hätte“ in „hatte“ geändert.
  • S. 43 “ eingefügt.
  • S. 43 „ eingefügt.
  • S. 49 „Gurkas“ in „Gurkhas“ geändert.
  • S. 64 . eingefügt.
  • S. 70 „Rnhe“ in „Ruhe“ geändert.
  • S. 73 „Madharadjah“ in „Maharadjah“ geändert.
  • S. 76 „gegeben“ eingefügt.
  • S. 97 „hunterttausend“ in „hunderttausend“ geändert.
  • S. 104 „ eingefügt.
  • S. 112 „Blindon Blood“ in „Bindon Blood“ geändert.
  • S. 118 „Sie“ in „sie“ geändert.
  • S. 120 „nnd“ in „und“ geändert.
  • S. 128 „Lenten“ in „Leuten“ geändert.
  • S. 131 „Eiudrucks“ in „Eindrucks“ geändert.
  • S. 132 „Wirrwar“ in „Wirrwarr“ geändert.
  • S. 140 „verlornen“ in „verlorenen“ geändert.
  • S. 141 , eingefügt.
  • S. 143 „beizende“ in „beißende“ geändert.
  • S. 149 „voraufgegangenen“ in „vorausgegangenen“ geändert.
  • S. 151 „Cönotaphium“ in „Coenotaphium“ geändert.
  • S. 154 „zurück gebliebeneu“ in „zurückgebliebenen“ geändert.
  • S. 155 „Erkenntnis“ in „Urteil“ geändert.
  • S. 156 „Mean Meer Cantonment“ in „Meean Meer Cantonment“ geändert.
  • S. 159 „er felbst“ in „er selbst“ geändert.
  • S. 165 „Atchison-College“ in „Aitchison-College“ geändert.
  • S. 166 „nnserer“ in „unserer“ geändert.
  • S. 167 „ eingefügt.
  • S. 167 „vor“ in „von“ geändert.
  • S. 174 „Ermouth“ in „Exmouth“ geändert.
  • S. 174 „Russel“ in „Russell“ geändert.
  • S. 181 „Tyroler“ in „Tiroler“ geändert.
  • S. 182 „nnd“ in „und“ geändert.
  • S. 192 „wir“ in „Wir“ geändert.
  • S. 194 „Armee-Gensdarmen“ in „Armee-Gendarmen“ geändert.
  • S. 197 „Majaradjah“ in „Maharadjah“ geändert.
  • S. 224 „Tschatschawadse“ in „Tschadschawadse“ geändert.
  • S. 229 „Anandale“ in „Annandale“ geändert.
  • S. 232 Ellipse „..“ in „....“ geändert.
  • S. 232 „Manore Point“ in „Manora Point“ geändert.
  • S. 233 „Apollo Bander“ in „Apollo Bandar“ geändert.
  • S. 240 “ eingefügt.
  • S. 251 „Admiral Gantaume“ in „Admiral Ganteaume“ geändert.
  • S. 251 „Latouche-Treville“ in „Latouche-Tréville“ geändert.
  • S. 254 „Takellage“ in „Takelage“ geändert.
  • S. 259 „Topsflaggen“ in „Toppsflaggen“ geändert.
  • S. 263 „Dentlichkeit“ in „Deutlichkeit“ geändert.
  • S. 266 , eingefügt.
  • S. 273 „Kadzand“ in „Cadzand“ geändert.
  • S. 278 „Batterieen“ in „Batterien“ geändert.
  • S. 281 „Mittelspersou“ in „Mittelsperson“ geändert.
  • S. 282 „uehmen“ in „nehmen“ geändert.
  • S. 288 „Hallunken“ in „Halunken“ geändert.
  • S. 336 „Abukir“ in „Aboukir“ geändert.
  • S. 337 „Desparate“ in „Desperate“ geändert.
  • S. 341 ‚ eingefügt.
  • S. 358 , eingefügt.
  • S. 358 „Torpedobootflotille“ in „Torpedobootflottille“ geändert.
  • S. 361 „Verhälnissen“ in „Verhältnissen“ geändert.
  • S. 363 „Havarieen“ in „Havarien“ geändert.
  • S. 364 „Krenzerdivision“ in „Kreuzerdivision“ geändert.
  • S. 368 „explodieren“ in „Explodieren“ geändert.
  • S. 375 „Lamsdorff“ in „Lambsdorff“ geändert.
  • S. 380 „Garantieen“ in „Garantien“ geändert.