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Der Wobbly

Chapter 27: 4
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About This Book

The narrative explores the lives of cotton pickers in Mexico, highlighting their struggles and camaraderie as they seek work under harsh conditions. It begins with a group of diverse characters, including a man from the train, who gather at a station, all aiming to find their way to a cotton-picking job. Through their interactions, the story delves into themes of poverty, labor exploitation, and the shared experiences of the working class. The characters' conversations reveal their backgrounds and aspirations, while the setting emphasizes the challenges they face in their pursuit of a better life.

4

s waren immer ein paar Gäste im Café, die von Senjor und Senjora Doux bedient wurden. Aber Geschäft konnte man es nicht nennen. Wir in der Bäckerei hatten auch nicht viel zu tun, nur gerade die Bestellungen, die aus dem Hause gingen.

Es war zwei Tage später und am Nachmittag. Es mochten vielleicht sechs oder acht Gäste im Lokal sein. Unter ihnen war ein Polizeiinspektor namens Lamas. Er war ständiger Gast in der La Aurora, kam am Nachmittag und kam am Abend. Er hatte bei Senjor Doux eine ganz nette Rechnung stehen, die er immer „morgen“ bezahlen wollte. Obgleich er gut verheiratet war und zwei Kinder besaß, hatte er doch außerdem drei Geliebte, die er alle unterhalten mußte. Das kostete Geld, und das Geld mußte herangeschafft werden. Darum hatte er auch überall Schulden. Also die Gäste saßen da drin im Café und aßen ihr Eis oder tranken geeiste Erfrischungen. An einem Tisch wurde Domino gespielt und an einem andern Karten.

In den Vereinigten Staaten sind ja die Streikposten gute und fromme Bürger, die an Gesetz und Autorität glauben. Wenn sie Streikposten stehen, so tun sie das gerade so, als ob sie einem aufgebahrten Leichnam die Ehrenwache geben. Sie sagen kein Wort, und wenn die Polizisten kommen und sagen: „Sie müssen weiter zurücktreten, Sie stören den Verkehr“, so tun sie das sofort, als ob der Polizist sie bezahlte und nicht der Polizist von ihrem Gelde lebte. Dort haben die Arbeiter noch Disziplin, und sie sind gedrillt wie Soldaten.

Hier dagegen haben die Arbeiter nur wenig Disziplin, und die Sekretäre müssen tun, was die Mitglieder wollen. Und es ist merkwürdig, sie gewinnen beinahe jeden Streik.

„He, du Hurensohn da drin,“ rief einer der Posten einem Gaste zu, „friß doch nicht das Eis. Das ist doch nur Wasser und Zucker. Nicht ein Löffel voll Sahne drin. Der Sauhund da will doch aus deiner Portion das herausschlagen, was er sonst verdient, wenn nicht gestreikt wird.“

Der Gast hielt es offenbar mit dem Wirt; er rief hinaus: „Bezahlst du das Eis oder ich, du Dreck.“

„Paß nur auf, du Eiterbeule, daß ich dir nicht mal reinkomme“, sagte jetzt der Posten, und seine Rede wurde mit lautem Gelächter begleitet. Einer der Gäste hatte eine Dame bei sich, die aus Strohhälmchen ihre Squeeze saugte.

„Ist sie noch eine Jungfrau?“ rief jetzt ein andrer Streikposten hinein. „Mach nur schnell, Rodriguez, ehe dir ein andrer zuvorkommt.“

Die Dame tat, als hätte sie nichts gehört. Aber der Herr, der bei ihr saß, rief zurück: „Dann lade ich dich ein, du Faulenzer. Für nützliche Dinge bist du ja nicht zu gebrauchen.“

„Richtig, Faulenzer,“ sagte der Posten, „an wen verkaufst du sie denn heute abend? Zwanzig Centavos bezahlt einer wohl noch und ein Glas Eiswasser.“

Nun kam Senjor Doux zur Tür und sagte: „Stören Sie hier meine Gäste nicht, wer nicht hergehört, fort!“

„Gäste? Sind ja alles Hurenbengel, aber keine Gäste“, schrien nun nicht nur die Streikposten, sondern auch andre Burschen, die dabeistanden. „Bezahlen Sie mal einen anständigen Lohn und geben Sie richtiges Essen. Wir sollen Ihnen wohl erst einmal das Leder abziehen. Machen Sie nur ja recht rasch. Lange warten wir nicht mehr und stehen hier auch nicht mehr lange Posten. Dazu haben wir keine Zeit. Dann werden wir mal einen andern Ton anstimmen.“

Nun kam der Inspektor Lamas zur Tür. Er mußte sich wohl für seine Schulden einsetzen. Vorige Woche hatte er auch noch eine Torte für fünfundzwanzig Pesos bekommen mit dem schönen Namen „Adelia“ draufgegossen. Adelia war eine jener drei Geliebten, und die Torte war für ihren Geburtstag bestimmt. Er war noch besonders in die Backstube gekommen und hatte Rosenranken als Verzierungen gewünscht. Diese Torte war er auch noch schuldig.

Er stand eine Weile in der Tür und hörte sich die Reden mit an. Dann zog er seinen Revolver und schlug dem Posten, der ihm am nächsten stand, mit dem Knauf eins über den Kopf, so daß gleich das dicke Blut herausquoll. Dann pfiff er. Es kamen zwei Polizisten, und er ließ alle Posten und einige andre Leute, die in Sympathie mit den Streikenden waren, zur Hauptwache führen.

Kaum waren sie abgeführt, da kam Morales zurück, der drei Stunden abgelöst worden war und jetzt wiederkam, um seinen Posten von neuem anzutreten. Als er hörte, was geschehen war, rief er rein: „Du Hundesohn da drin,“ er meinte Doux damit, „jetzt geht es dir schlecht, das sollst du mal sehen. Bis jetzt haben wir nur Spaß gemacht. Aber wenn du das nicht anders haben willst, wir können auch noch eine andre Flöte blasen.“

Morales ging sofort zum Bureau des Syndikats.

Zehn Minuten darauf war schon der Sekretär auf der Wache.

„Was wollen Sie?“

„Sofort her mit dem Inspektor. Mit dem werde ich jetzt mal ein Wörtchen reden. Der ist besoffen.“

Der Inspektor kam, und der Sekretär wollte seine verhafteten Leute sehen. Auch diese Leute kamen, und der Sekretär fragte nun nach dem Polizeidirektor. Auch der kam, wurde ganz aufgeregt, als er den Sekretär des Syndikats sah, und machte sich gleich an das Geschäft.

„Warum haben Sie den Mann geschlagen?“ fragte der Direktor.

„Er hat die Leute im Café beschimpft.“

Der Direktor sah ihn jetzt voller Wut an: „Wo steht, daß Sie einen Mann, der jemand beschimpft und sonst nichts tut, schlagen dürfen?“

Lamas wollte was sagen, aber der Direktor fiel ihm gleich ins Wort: „Kennen Ihre Instruktion nicht!“ Er wandte sich zum Schreiber: „Schreiben Sie, Lamas ist in Unkenntnis über seine Instruktionen.“

Dann sagte er zu Lamas: „Das ist hier kein guter Platz für Sie. Ich werde sehen, daß ich ein Dorf für Sie kriege, wo Sie kein Unheil anrichten können. Und wenn noch mal etwas Ähnliches vorkommt, werden wir ohne Sie fertig werden müssen. Wird uns nicht schwerfallen. Warum haben Sie die Leute hier verhaftet?“

„Die haben alle Gäste und Senjor Doux beschimpft“, sagte Lamas schüchtern.

„Beschimpft. Beschimpft. Was heißt das, beschimpft?“

„Sie haben Hurensohn gesagt“, verteidigte sich Lamas.

„Wenn Sie jeden verhaften wollen, der Hurensohn sagt, dann werden Sie wohl gleich um das ganze Land eine Gefängnismauer ziehen müssen. Ich glaube, Sie sind nicht ganz richtig im Kopfe.“

„Sie haben die Leute aber auch noch bedroht.“ Es klang recht kläglich, was Lamas sagte und wie er es sagte.

„Bedroht. Was verstehen Sie denn darunter?“

„Sie haben gesagt, sie wollen Senjor Doux erschlagen.“

„Das haben wir nicht gesagt“, riefen die Verhafteten.

Der Direktor sah Lamas ironisch an und sagte: „Hat zu Ihnen noch nie jemand gesagt, daß er Sie erschlagen wolle? Haben Sie dann Ihre Frau und Ihre Freunde und Bekannten auch gleich verhaftet und mit dem Revolverkolben über den Kopf geschlagen?“

„Das schien aber hier sehr ernst zu sein“, sagte Lamas.

„Um Ihre Haut oder um was? Hat einer von denen, die Sie verhaftet haben, jemand geschlagen oder beraubt oder das Café des Senjor Doux demoliert? Sicher nicht, denn dann würden Sie mir das gleich erzählt haben. Wir und Sie sind dazu da, um das Eigentum und die Person des Senjor Doux zu schützen, aber es steht nicht in der Verfassung, daß wir dazu da seien, ihm zu helfen, Löhne zu zahlen, von denen kein Mensch leben kann, und ihm zu helfen, seine Leute jeden Tag so lange zu beschäftigen, daß sie nicht einmal mehr Zeit finden, mit ihrer Familie spazierengehen zu können. Wenn die Leute sich das gefallen lassen, das geht uns nichts an; aber wenn sie es sich nicht mehr länger gefallen lassen wollen, dann ist es nicht unsre Aufgabe, die Leute deshalb zu verhaften. Warum verträgt sich Senjor Doux nicht mit seinen Leuten? Dann hätte er gleich Ruhe. Aber diese Unordnung kann nicht weitergehen. Das kann ja zu Ruhestörungen führen. Ich werde sofort anordnen, daß das Café La Aurora für zwei Monate geschlossen wird. Dann ist da Ruhe.“

Er wandte sich zum Schreiber: „Füllen Sie gleich das Schließungsdokument aus, für zwei Monate. Ich werde es unterzeichnen und beim Gouverneur verantworten. Und Sie, Senjor Lamas, betrachten sich als vorläufig Ihres Dienstes enthoben, bis ich vom Gouverneur unterrichtet bin, wohin Sie versetzt werden. Die Verhafteten sind entlassen. Außerdem irgendwelche Beschwerden?“

„Nein“, erklärten die Leute.

Der Direktor stand auf, gab dem Sekretär des Syndikats, der sich verabschiedete, die Hand und sagte zu ihm: „Wir haben ja nun in der Angelegenheit nichts mehr zu tun. Das Weitere liegt jetzt bei Ihnen. Es war gut, daß ich so schnell zu erreichen war. Es sind immer noch welche da, die nicht mitkönnen.“

„Oder die nicht mitwollen, weil sie gebunden sind“, setzte der Sekretär fort.

„Er wird einen Platz bekommen, wo er Ersparnisse machen kann, weil er keine Ausgaben hat. Ich habe schon einen Platz für ihn, eine Banditenregion. Wenn er etwas wert ist, da kann er es zeigen. Und wenn er nichts wert ist, werden wir ihn feuern. Er gehört immer noch zu dem alten Stock, die glauben, daß die Diktatur die einzig richtige Form des Regierens ist. Wir haben sie bald alle raus, und es ist ganz gut, wenn die Letzten, die wir drin haben, in alte Fehler verfallen und sich uns so zu erkennen geben.“

„Ha!“ rief der Sekretär aus, „in den Staaten drüben sind diese alten Fehler urmoderne Einrichtungen.“

„Weiß ich,“ erwiderte der Direktor, „aber wenn wir schon vieles nachmachen, so müssen wir doch nicht alles nachmachen, und besonders müssen wir nicht das nachmachen, was in unsre Zeit nicht mehr hineinpaßt. Diese Mittel waren einmal gut, vielleicht, heute sind sie die dümmsten Mittel, die man anwenden kann. Und sie werden auch drüben nur von Eseln angewandt; und Esel haben die da drüben ja viel mehr als wir, wenn es sich um zweibeinige handelt.“