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Der Wobbly

Chapter 34: 11
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About This Book

The narrative explores the lives of cotton pickers in Mexico, highlighting their struggles and camaraderie as they seek work under harsh conditions. It begins with a group of diverse characters, including a man from the train, who gather at a station, all aiming to find their way to a cotton-picking job. Through their interactions, the story delves into themes of poverty, labor exploitation, and the shared experiences of the working class. The characters' conversations reveal their backgrounds and aspirations, while the setting emphasizes the challenges they face in their pursuit of a better life.

11

enn Sie es gern hören, kann ich auch Deutsch sprechen“, sagte Jeannette. „Ich bin ja aus Charlottenburg.“

„Ich habe geglaubt, aus Paris.“

Darüber fühlte sie sich sehr geschmeichelt; denn die echten Französinnen riefen ihr „Boche“ entgegen, wenn sie sich zankten. Und die Senjoritas zankten sich gern und häufig. Wenn der Zank vorüber war – er war nicht immer wegen der Kundschaft, sondern häufiger wegen Preisdrückerei –, dann war Jeannette wieder „Meine Teure aus Straßburg“, für die sie ein Mitleid empfanden, das auf patriotischer Grundlage ruhte, ein Mitleid, das daheim in Frankreich bereits anfängt, andern Gefühlen Platz zu machen. Aber davon wußte man hier nichts; denn die Französinnen hatten Frankreich schon eine Reihe von Jahren nicht mehr gesehen.

Jeannette, die in Charlottenburg vielleicht Olga hieß, in ihrem Gesundheitspaß aber Jeannette genannt wurde – und dieser Name war durch Photographie beglaubigt –, hatte sich während des Krieges in Buenos Aires aufgehalten. Auch dort war sie sehr tätig in ihrem Beruf gewesen und war zu einem Vermögen gekommen.

„Ich bekam plötzlich Lust, einmal nach Hause zu fahren und zu sehen, wie es dort aussieht“, sagte sie.

Sie fand Vater und Mutter in den elendesten Verhältnissen. Der Vater war in Friedenszeiten ein geachteter Bürger gewesen, Fabrikportier bei einer großen Berliner Firma. Nach dem Kriege war er entlassen worden, weil ein Kriegsinvalide, den das Vaterland nicht unterhalten wollte, untergebracht werden mußte.

Die Leute hatten ihr ganzes Leben lang sich nichts gegönnt, immer nur gespart und gespart, um auf ihre alten Tage etwas zu haben. Sie hatten ihr Geld auf einer mündelsicheren Sparkasse. Als aber dann der Staat durch die Entwertung des Geldes die Mündel, die Dienstmädchen und die alten ehrbaren Leutchen um ihre kleinen Spargüter so gewissenlos betrog, wie es kein Privatmensch je hätte wagen dürfen, ohne daß die Menschen ihn in Stücke gerissen hätten, verwandelte sich das Goldgeld der Familie Bartels – Jeannette sagte mir, das sei ihr deutscher Name, aber ich glaube es nicht – in Papierschnitzel, die so wertlos waren, daß man sie nicht einmal auf verschwiegenem Ort mit Erfolg verwenden konnte.

Die Bartels beschlossen, sich mit Gas zu vergiften; aber von irgendeiner Wohltätigkeits-Vereinigung bekamen sie für zwei Wochen Graupen, Reis, Trockengemüse und eine Büchse Corned Beef. Damit hielten sie sich vier weitere Wochen am Leben, und da fuhr eines schönen Nachmittags Jeannette vor, die soeben von Hamburg und von Buenos Aires gekommen war, ohne sich vorher anzukündigen. Sie brachte so viel Geld mit, daß sie eine ganze Straße in Charlottenburg hätte kaufen können; denn sie hatte Dollars.

„Mädel, Mädel, wie kommst du nur zu so viel Geld?“ hatte die Mutter nur immer wieder gefragt.

„Ich habe einen Viehherdenbesitzer in Argentinien geheiratet, der zwei Millionen Stück Rindvieh hatte. Der ist nun gestorben und hat mir sein ganzes Vermögen hinterlassen.“

„Wer hätte das gedacht, Mädel, daß du einmal solches Glück im Leben haben würdest!“ sagte die Mutter, und Jeannette wurde in der Straße bald bekannt als die „Argentinische Millionenwitwe“. Das klang besser als zu sagen, die Olga Bartels, die in Argentinien einen Millionär geheiratet hat. Mit „Argentinischer Millionenwitwe“ konnte die Verwandtschaft, die Bekanntschaft und die Nachbarschaft besser prunken und mehr Geschwätz machen als mit Olga Bartels. Eine Olga Bartels in der Familie oder in der Nachbarschaft zu haben, das konnte jeder, eine argentinische Millionenwitwe zu kennen, das umgab einen mit einem Glorienschein.

Mit einer Handvoll Dollar kaufte Jeannette ihren Eltern ein Etagenhaus, das im Frieden wenigstens dreihunderttausend Mark wert gewesen war. Sie ließ es auf ihren Namen schreiben – so geschäftstüchtig war sie, das lernt man draußen –, aber alle Einkünfte aus dem Hause ließ sie den Eltern. Dann kaufte sie ihnen noch eine gute Anzahl solider Aktien, die den Kurs immer mitmachen mußten, und hinterlegte sie bei einer guten Bank mit der Anordnung, daß die Dividenden gleichfalls ihren Eltern an den Fälligkeitstagen ausgezahlt werden sollten.

Und dann machte sich Jeannette einige gute Wochen. Die hatte sie auch nach den anstrengenden Jahren ehrlich verdient.

Zum richtigen Genuß dieser guten Wochen gehörte natürlich auch die Mitwirkung des andern Geschlechts. Das gehört immer dazu, sonst kann man schwerlich von einem guten Leben oder von Vergnügen sprechen. Aber Jeannette machte kein Geschäft daraus, und sie suchte sich die Herren aus, mit denen sie sich erfreuen wollte.

Die Familie war in das große Haus gezogen und hatte, mit hoher obrigkeitlicher Genehmigung des Wohnungsamtes, die Mansardenwohnung einnehmen dürfen, die Jeannette auf ihre Kosten zuvor einbauen ließ. Eines Morgens, als der Vater zu ihr in das Schlafzimmer kam, das sie sich eingerichtet hatte, fand er einen Herrn in ihrem Bett. Die beiden Bettgäste hatten lange in einem Restaurant gesessen, reichlich Sekt getrunken, und so war es geschehen, daß der Herr nicht rechtzeitig erwacht war, um sich zu anständiger Stunde angemessen und schweigend zu empfehlen.

Der Vater wollte den Herrn verprügeln oder erschießen oder sonst irgend etwas Grauenhaftes mit ihm angeben. Der Herr hatte Takt, war gut erzogen, und mit äußerster Geschicklichkeit gelang es ihm, sich trotz der Angriffe des Vaters anzukleiden und dann mit Hilfe Jeannettes die Tür und die Treppe zu erreichen.

Damit war er in Sicherheit. Nicht so Jeannette, die nun allein den Angriffen ihres Vaters, der seine Kräfte nicht mehr nach zwei Fronten zu verausgaben brauchte, ausgesetzt war. Die Mutter sprang ihr bei.

Die guten, wohlsituierten Familien, die dort im Hause wohnten, würden von den Ereignissen gar nichts gehört haben, wenn nicht der Vater in seiner gekränkten und schwer beleidigten Bürgerehre sich so blöde betragen hätte, daß die Leute es erfahren mußten, auch wenn sie vielleicht gar kein Interesse daran gehabt hätten, ob Jeannette lieber allein oder in Gesellschaft schlafe.

„Bist du dazu hergekommen, du Hure, daß du uns solche Schande hier vor den Leuten antust?“ brüllte der alte Bartels auf Jeannette ein. „Da wollte ich doch lieber, daß ich mich hier anständig vergiftet hätte, als solche Schmach an meiner eignen Tochter zu erleben. Eine Hure bist du, nichts weiter. Ich verfluche dich, ich sage mich los von dir, ich verstoße dich aus meinem Hause.“

Die Mutter wollte schlichten, aber der Alte wurde dadurch nur noch verrückter. Die Ehre des Fabrikportiers war für ewig in den Kot getreten. Mit Ehren war er grau geworden, wie er hundertmal versicherte, und nun, während er schon mit einem Fuße im Grabe stand, mußte er noch so etwas an seiner Tochter erleben, die er wie einen Engel im Paradiese angesehen hatte.

Jeannette hörte sich das alles an, ohne zu antworten. Es kam ihr so fern vor, so fremd, so lächerlich und so unsagbar dumm zugleich. Es war ihr, als ob das irgendwo auf einer Theaterbühne geschehe, wo sie Zuschauerin sei, und sie fand das Stück herzlich abgeschmackt und unmodern.

Erst als der Vater zum dritten Male wiederholte: „Ich verstoße dich aus meinem Hause. Du bist nicht mehr meine Tochter!“ da begriff sie, daß sie selbst gemeint sei. Und nun legte sie los, und sie sprach viel weniger aufgeregt als der Vater. Sie regte sich überhaupt nicht auf dabei, sondern sagte es in Form einer erregten Unterhaltung: „Deine Tochter? Das Leben hast du mir allerdings gegeben. Aber ich habe dich nicht darum ersucht, und ob ich gerade dich gewählt haben würde, wenn ich gefragt worden wäre, das glaube ich kaum. Denn mit deiner mickrigen Ehrlichkeit und Wohlanständigkeit ist es nicht weit her, wenn sie dir nicht einmal einen Lebensabend verbürgt, wo du wenigstens satt zu essen hast. Dann schon lieber Schneppe, das sage ich dir ganz frei ins Gesicht, oder Bandit oder Einbrecher. – Mit welchem Recht willst du mich denn überhaupt verstoßen? Vielleicht mit dem Rechte meines zufälligen Vaters? Ein schöner Vater bist du mir. Noch niemals in meinem Leben hat jemand Hure zu mir gesagt. Ich hätte ihm das Gesicht zerfleischt. Aber es hat auch nie jemand gewagt, das zu mir zu sagen. Das konntest du nur fertigbringen. Und damit wir nun gleich ganz klar miteinander sind: Du hast recht, ich bin was du sagst. Aber wovon lebst du denn? Womit habe ich dir das Leben gerettet? Mit Hurengeld.“

Der Vater sagte nichts darauf. Er starrte sie nur an. Die Mutter hatte sich auf einen Stuhl gesetzt und weinte leise vor sich hin. Sie als Frau mit dem feineren Empfinden, das Männern meist versagt ist, hatte wohl schon ein wenig von der Wahrheit geahnt. Aber eine schlichte Lebensklugheit, gewonnen in einem mühseligen arbeitsreichen Leben, hatte sie geleitet, die Dinge nicht unnötig anzutasten, die umfallen können. Die bestimmte Wahrheit nicht zu kennen und nicht zu erforschen, hielt sie für weise und für zweckmäßig. Das Leben ließ sich dann leichter ertragen.

Jeannette war im Zuge, ganze Arbeit zu machen und volle Klarheit zu verbreiten. Dieser Nimbus als Millionärswitwe hatte ihr von Anfang an nicht recht gefallen. Sie hatte es eigentlich auch nicht selbst erfunden, sondern es war so beim Ausfragen nach der Herkunft ihres Reichtums in sie hineingeredet worden. Und sie hatte es gehen lassen damit. Sie dachte sich, wozu große Trommeln rühren für die kurze Zeit, die sie hier auf Besuch war.

„Jawohl, mit Hurengeld“, wiederholte sie mit Nachdruck. „Jede zwei, drei, vier oder fünf Dollar bedeuten einen Mann, der bei mir war. Jetzt kannst du dir ja ausrechnen, wie viele ich hatte, und wie viele ich haben mußte, um dich vor der Gasvergiftung zu retten und deinen ehrlichen Namen zu schützen, damit du und Mutter nicht im Skandalanzeiger und in der Morgenpost als Selbstmörder erschienen. Das hätte dein langes, in Ehren verbrachtes Leben mit einem Schlage verdreckt, denn als Selbstmörder verrecken, ist keine große Ehre. Aber von allen den Männern, die mich besucht haben, hat keiner jemals Hure zu mir gesagt, weder Betrunkene, noch halb verrückte und halb tierische Seeleute, die von langer Fahrt kamen und wie die jungen Stiere sich benahmen. Alle sagten sie einen freundlichen und höflichen guten Abend zu mir, wenn sie mich verließen, und die meisten sagten sogar ein höfliches und ernstgemeintes ‚Herzlichen Dank, Senjorita!‘ Und warum? Weil ich nie jemand betrog. Das, was du vielleicht Ehre nennst, ist nicht meine Ehre. Meine Ehre und mein Stolz sind, daß jeder, der bei mir war, für sein gutes und oft sehr schwer verdientes Geld gute und echte Ware bekam. Ich war das Geld immer wert und bin es heute mit meiner reichen Erfahrung erst recht wert. Und das ist mein Stolz, und das ist meine Ehre, nie jemand zu betrügen.

Na gut, ich bin eine Hure. Aber ich habe Geld, und du mit deinen Ehren hast keins. Heute aber gibt dir niemand etwas für deine Ehre, noch nicht einmal eine gutbezahlte Vertrauensstellung; selbst da mußt du noch Kaution stellen, und wenn ich die nicht vorstrecke, kannst du hier den ganzen Tag in der Bude hocken und Muttern das Leben zur Hölle machen mit deinem ewigen Herumlamentieren. Wenn es dir Vergnügen macht, kannst du ruhig auf die Straße gehen und allen Leuten erzählen, daß die argentinische Millionenwitwe eine Schneppe ist. Ich mache mir nicht so viel daraus, nicht so viel. Ich habe bereits mein Visum. Ich wollte erst in drei Wochen reisen, aber nun fahre ich in einer Stunde schon. Mache mir noch ein paar schöne Wochen in Scheveningen und Ostende – ich kann es mir ja erlauben –, und dann geht es wieder los. Um mein Ziel zu erreichen, brauche ich nämlich noch fünfzehntausend Dollar. Und nun bitte, laß mich allein, ich ziehe mich an und packe meine Koffer.“

Der Vater verließ das Zimmer wie ein Automat; die Mutter blieb noch eine Weile. Aber als die Tochter ihr sagte: „Sieh nach dem Vater, laß ihn nicht allein. Er macht vielleicht Dummheiten. Er begreift ja so langsam, daß es in der Welt verschiedene Wege gibt, um sein Leben zu fristen“, da ging die Mutter auch, und Jeannette packte so rasch, daß sie in kaum einer halben Stunde angezogen und mit ihren beiden gepackten und verschlossenen Koffern in dem kleinen Korridor stand.

Dann sprang sie rasch zur vierten Etage hinunter, wo sie bat, das Telephon benutzen zu dürfen, um ein Auto zu bestellen.

Ehe die Alten überhaupt recht zur Besinnung kamen, was eigentlich los war, tutete unten das Auto, Jeannette rief den Chauffeur herauf, die Koffer zu holen, und als die Koffer heraus waren, öffnete sie ihre Handtasche, legte zweihundert Dollar auf den Tisch, umarmte und küßte ihre Mutter, dann nahm sie, ohne zu fragen, ihren Vater beim Schlafittchen, küßte ihn ab und sagte: „Na, lieber Vater, lebe wohl. Nimm es mir nicht so übel und sei nicht so tragisch. Ich wäre sonst am Typhus gestorben. Und um das Hospital bezahlen zu können und die Injektionen, brauchte ich Geld, und so fing es an. Und als ich raus kam, war ich zu schwach, um arbeiten zu können, und weil ich so abgezehrt aussah, gab mir auch niemand Arbeit, und so ging es dann weiter. Es hat mir das Leben gerettet und dir und Muttern. So, nun weißt du alles und kannst dir den Rest zusammenreimen. Na, lebe wohl. Wer weiß, ob ich dich noch einmal lebend wiedersehe.“

Da fing der Alte an zu weinen, nahm sie in seine Arme, küßte sie und sagte: „Leb’ wohl, Kind. Ich bin halt alt. Das ist alles. Es ist schon gut. Du mußt das besser wissen. Schreibe manchmal. Mutter und ich, wir werden uns immer freuen, wenn wir etwas von dir hören.“

Dann töffte sie ab. Die Alten haben sich mit der Zeit mit dem Hurengelde völlig abgefunden. Jeannette sendet vierteljährlich eine schöne Summer rüber, und die Annahme wird nie verweigert. Ehre entwickelt sich nur und erhält sich nur, wenn man nicht zu hungern braucht; denn das Ehrgefühl richtet sich nach den Mahlzeiten, die man hat, nach denen, die man sich wünscht, und nach denen, die man nicht hat. Darum gibt es drei Hauptklassen und drei verschiedene Ehrbegriffe.

„Und dann“, erzählte mir Jeannette weiter, „bin ich nach Santiago gekommen, darauf nach Lima und endlich hierher. Man muß schon etwas können und muß schon gute Männerkenntnis haben, wenn man hier Geschäfte machen will. Die Konkurrenz ist groß.“

„Das können Sie doch nicht für immer betreiben, dieses Geschäft“, sagte ich.

„Natürlich nicht“, erwiderte Jeannette. „Das Traurigste unter diesem Himmel ist eine alte Dame, die hier vor der Tür sitzen oder auf und ab wandern muß und sich zu Dingen hergeben muß, die wir mit energischer Handbewegung ablehnen. Ich mache mit, bis ich sechsunddreißig bin, und dann wird Schluß gemacht. Ich habe gespart und habe nie gelumpt. Wollen Sie wissen, wie hoch mein Bankguthaben hier auf der amerikanischen Bank ist? Sie würden es ja doch nicht glauben, und es tut ja auch nichts zur Sache. Dann kaufe ich mir ein Gut in Deutschland oder eine Farm in Kanada, und dann wird geheiratet.“

„Geheiratet?“ fragte ich.

„Was dachten Sie denn? Natürlich. Mit sechsunddreißig. Dann fängt doch die Freude am Leben erst an. Und ich werde schon etwas aus meinem Leben und aus meiner Ehe machen. Ich habe ja die Erfahrung und die Männerkenntnis, ich verstehe schon, meinem Manne ein Leben und ein Bett zu bereiten, daß er den Wert seines Schatzes erkennt.“

„Aber das ist doch etwas viel gewagt. Die Welt ist klein, sehr klein. Und es kann doch gelegentlich eine Begegnung mit einer, nun sagen wir es ruhig, mit einer Zwei- oder Fünf-Dollar-Bekanntschaft stattfinden, die das paradiesische Eheleben zerschmettert.“

Jeannette lachte und sagte: „Nicht mit mir. Da kennen Sie mich nicht. Ein solches Höllenleben führe ich nicht. Das überlasse ich den dummen Frauenzimmern. Ich habe damals meinem Vater gesagt: Meine Ehre ist, daß ich niemals jemand betrogen habe, und daß ich niemals jemand betrügen werde. Also vor allen Dingen nicht meinen Mann. Bevor wir zu ernsten Abmachungen kommen, werde ich ihm ohne irgendeine Einschränkung sagen, wo ich mein Geld herhabe. Steht er über dieser Angelegenheit, dann werde ich ihm sagen: Gut, wir heiraten unter folgender Bedingung: Du wirfst mir niemals vor, wie ich zu meinem Vermögen kam, und ich werfe dir niemals vor, daß du von diesem Gelde ein angenehmes Leben führen darfst. Denn das Geld behalte ich in der Hand, und er kriegt genug, daß er mich nicht anzubetteln braucht. Ich werde ihn mir vorher schon gut genug ansehen, daß ich nicht in den falschen Hut greife, wenn ich mein Los ziehe.“

Der Mann, der sie bekam, durfte dem Schicksal vielleicht dankbar sein. Denn wenn er kein Spaßverderber war, würde er nach einer Woche erfahren, daß Jeannette das Fünffache ihres Vermögens wert sei, weil sie die Ehe sicher nicht langweilig werden läßt. Sie gewißlich ließ keine Wünsche unerfüllt.