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Der Wobbly

Chapter 38: 15
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About This Book

The narrative explores the lives of cotton pickers in Mexico, highlighting their struggles and camaraderie as they seek work under harsh conditions. It begins with a group of diverse characters, including a man from the train, who gather at a station, all aiming to find their way to a cotton-picking job. Through their interactions, the story delves into themes of poverty, labor exploitation, and the shared experiences of the working class. The characters' conversations reveal their backgrounds and aspirations, while the setting emphasizes the challenges they face in their pursuit of a better life.

15

infach mit der Bahn können Viehherden nicht befördert werden. Das Land ist groß, die Strecken sind so weit, daß die Frachten die Herden auffressen. Das Füttern und Tränken hat gleichfalls seine Schwierigkeiten. Es muß herangeschafft werden zu den Stationen, Futterleute müssen angenommen werden. Durch den langen Transport geht das Vieh auch herunter. Es kann am Ende so kommen, daß der Viehzüchter noch draufzahlen darf, wenn die Reste der Herde am Bestimmungsmarkte angelangt sind.

So bleibt nichts andres übrig, als die Herden über Land zu treiben. In den europäischen Ländern ist das eine ziemlich einfache Sache. Aber hier gibt es keine Straßen. Es müssen Gebirge überstiegen werden, Sümpfe umgangen, Flüsse gekreuzt werden. Man muß stets Wasser zu finden verstehen, weil die Herden sonst zugrunde gehen, und man muß täglich Weidegründe erreichen.

„Was, dreihundertfünfzig Meilen?“ fragte ich Mr. Pratt, als wir uns zur Verhandlung niedergesetzt hatten. „Luftlinie?“

„Ja, Luftlinie.“

„Verflucht. Das können dann sechshundert Meilen werden.“

„Das glaube ich nicht“, erwiderte Mr. Pratt. „Soweit ich Erkundigungen einziehen konnte, läßt es sich nahe an der Luftlinie halten.“

„Was mit der Bezahlung?“ fragte ich.

„Sechs Pesos den Tag. Ich stelle Pferd und Sattelzeug. Beköstigen müssen sie sich selbst. Ich gebe Ihnen sechs von meinen Leuten mit, Indianer. Der Vormann, ein Halbblut, geht auch mit. Er ist ein ganz tüchtiger Mann. Verläßlich. Ich könnte ihm die Herde vielleicht anvertrauen. Aber besser nicht. Wenn er alles unterwegs verkauft und wegrennt, kann ich nichts machen. Seine Frau und seine Kinder wohnen bei mir auf dem Rancho. Aber das ist keine Sicherheit. Suchen Sie mal hier jemand im Lande. Und ich möchte ihm auch nicht soviel Geld mitgeben. Ohne Geld kann ich ihn nicht abschicken; da sind so viele Ausgaben unterwegs. Es ist nicht gut, die Leute zu verführen. Selber kann ich nicht so lange fortbleiben vom Rancho. Wenn man es weißt, dauert es nicht lange, und die Banditen sind herum. Nun hätte ich gern einen weißen Mann, der den Zug übernimmt.“

„Ob ich so ehrlich bin, wie Sie denken, das weiß ich nicht. Noch nicht“, sagte ich lachend. „Ich verstehe es auch, mit einer Herde durchzubrennen. Sie haben mich doch gerade hier auf der Straße aufgegriffen.“

„Ich sehe den Leuten ins Gesicht“, sagte Mr. Pratt. „Aber, um ganz ehrlich zu sein: So auf gut Glück gehe ich ja nun auch nicht. Ich kenne Sie.“

„Sie mich? Ich wüßte nicht woher.“

„Haben Sie denn nicht bei einem Farmer mit Namen Shine gearbeitet?“

„Allerdings“, bestätigte ich.

„Da habe ich Sie gesehen. Sie gingen dann zu den Ölleuten zur Ablösung eines Drillers. Na?“

„Stimmt. Ich erinnere mich aber nicht, daß ich Sie gesehen hätte.“

„Tut nichts. Aber Sie sehen, daß ich Sie kenne. Und Mr. Shines Wort, daß ich mich auf Sie verlassen kann, trotzdem Sie sich immer um Streiksachen kümmern –“

„Ich? Fällt mir gar nicht ein. Was kann ich denn dafür, daß immer zufällig da, wo ich bin, die Hölle losgeht. Ich mische mich nie rein.“

„Lassen wir das beiseite. Bei mir haben Sie keine Gelegenheit. Sie haben den Kontrakt und sind kein Arbeiter. Sie übernehmen es, die Herde zu transportieren, und ich übernehme es, Ihnen das Geld vorzustrecken und Ihnen Tagesdiäten zu zahlen.“

„Kontrakt? Ganz gut. Aber was mit der Kontraktprämie?“ fragte ich.

Mr. Pratt schwieg eine Weile, dann nahm er sein Notizbuch, rechnete und sagte: „Ich habe zwei Meilen vom Markt, wo ich sie zum Verkauf bringen will, eine Weide gepachtet. Sie ist aufgezäunt. Wenn ich die Herde in der Weide halten kann, brauche ich nicht die Preise zu nehmen, sondern kann meinen Vorteil wahrnehmen, bis man mir kommt. Wahrscheinlich kriege ich mehrere Schiffsladungen in Auftrag. Andernfalls verkaufe ich dutzendweise. Macht bessern Preis, als wenn ich die ganze Herde auf einmal losschlagen muß. Ich werde mal sehen. Ich habe einen guten Kommissionär da, der schon jahrelang mit mir arbeitet und immer gute Preise geholt hat.“

„Das ist alles ganz gut,“ flocht ich ein, „aber das alles hat nichts mit meinem Kontrakt und meiner Prämie zu tun.“

„Well, für jeden Kopf, den Sie gesund durchkriegen, bezahle ich Ihnen extra sechzig Centavos. Wenn Sie weniger als zwei Prozent Verlust haben, noch einmal hundert Pesos.“

„Und das Risiko?“

„Was Sie mehr verlieren als zwei Prozent, dafür ziehe ich Ihnen pro Kopf verlorenes Vieh fünfundzwanzig Pesos ab“, sagte Mr. Pratt.

„Warten Sie einen Augenblick“, sagte ich. Ich rechnete rasch auf einem Zeitungsrand und antwortete dann: „Abgemacht. Einverstanden. Geben Sie mir den Kontraktzettel.“

Er riß ein Blatt aus seinem Büchlein aus, schrieb mit Bleistift die soeben vereinbarten Bedingungen auf, unterschrieb den Zettel und gab ihn mir. „Ihre Adresse?“ fragte er.

„Meine Adresse?“ sagte ich. „Ja, meine Adresse, das ist so eine Sache. Sagen wir hier, sagen wir: Hotel Palacio.“

„Gut.“

„Wie ist denn das? Ist der Transport schon ausblockiert?“ fragte ich.

„Nein, es ist noch nicht ein Kopf ausblockiert. Wir nehmen einen kleinen Prozentsatz Einjährige und in der Masse Zwei- und Dreijährige. Vierjährige habe ich nicht viel. Ein paar können Sie mithaben. Beim Ausblockieren helfe ich Ihnen.“

„Ist alles gebrannt mit Ihrem Zeichen?“

„Alles, damit haben wir nichts zu tun.“

„Was mit den Leitstieren?“

„Das ist die Sache. Da müssen Sie zusehen, wie Sie die kriegen.“

„Ist recht. Werden wir schon einangeln.“

Mr. Pratt stand auf: „Nun wollen wir erst einen gießen, und dann lade ich Sie zum Abendessen ein. Nachher habe ich Privatgeschäfte.“ Diese Privatgeschäfte kümmerten mich nicht.

Als wir uns nach dem Abendessen trennten, fragte Mr. Pratt, wieviel ich Vorschuß haben wolle. Ich sagte ihm, daß ich nichts brauche.

„Was, Sie brauchen keinen Vorschuß?“ fragte er erstaunt. „Das kommt mir aber doch recht merkwürdig vor. Wo haben Sie denn das Geld gemacht?“

„In der Spielbank.“

„Da werde ich heute abend später auch mal hingehen, vielleicht gewinne ich Ihren Lohn und Ihre Prämie.“

„Von mir aber nicht,“ sagte ich, „denn ich komme nicht. Ich halte, was ich habe.“

„Von Ihnen wollte ich es auch nicht holen. Den andern will ich es abnehmen. Da sind immer so verrückte Kerle drin, die aus den Kamps hereinkommen, die können es nicht schnell genug hergeben. Ich mache Solotisch mit zweien oder dreien dieser Vögel. Wenn Sie lernen wollen, wie das gemacht wird, dann kommen Sie hin und sehen Sie zu“, riet er mir.

„Ich habe kein Interesse“, sagte ich und ging meiner Wege.