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Der Wobbly cover

Der Wobbly

Chapter 4: 1
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About This Book

The narrative explores the lives of cotton pickers in Mexico, highlighting their struggles and camaraderie as they seek work under harsh conditions. It begins with a group of diverse characters, including a man from the train, who gather at a station, all aiming to find their way to a cotton-picking job. Through their interactions, the story delves into themes of poverty, labor exploitation, and the shared experiences of the working class. The characters' conversations reveal their backgrounds and aspirations, while the setting emphasizes the challenges they face in their pursuit of a better life.

1

ch stand auf der Station und sah mich um, wen von den wenigen Eingeborenen, die dort herumlungerten oder auf dem nackten Erdboden hockten, ich hätte nach dem Wege fragen können.

Da kam ein Mann auf mich zu, den ich schon im Zuge gesehen hatte. Braun verbrannt im Gesicht und am Körper. Vierzehn Tage nicht rasiert. Einen alten, breitrandigen Strohhut auf dem Kopfe. Einen roten Baumwollfetzen, der offenbar einmal ein richtiges Hemd gewesen war, am Leibe. Eine, an fünfzig Stellen durchlöcherte gelbe Leinenhose an den Beinen und an den Füßen die landesüblichen Sandalen.

Er stellte sich vor mich hin und sah mich an. Sicher wußte er nicht, in welche Form und Reihenfolge er die Worte bringen sollte für den Satz, den er mir sagen wollte.

„Was kann ich für Sie tun?“ fragte ich endlich, als es mir zu lange dauerte.

„Buenos dias, Senjor!“ begann er. Dann gluckste er ein paarmal und kam endlich heraus: „Könnten Sie mir vielleicht sagen, auf welchem Wege ich nach Ixtilxochitchuatepec zu gehen habe?“

„Was wollen Sie denn da?“ platzte ich heraus.

Die Unhöflichkeit, ihn nach seinen persönlichen Angelegenheiten zu fragen in einem Lande, wo es taktlos, beinahe beleidigend ist, jemand nach Namen, Beruf, Woher und Wohin auszuforschen, kam mir gleichzeitig zum Bewußtsein. Deshalb fügte ich rasch hinzu:

„Dort will ich nämlich auch hin.“

„Dann sind Sie wohl Mr. Shine?“ fragte er.

„Nein,“ sagte ich, „der bin ich nicht, aber ich will zu Mr. Shine, Baumwolle pflücken.“

„Ich will auch Baumwolle pflücken bei Mr. Shine“, erklärte er nun und heiterte auf; zweifellos weil er einen Weggenossen gefunden hatte.

In diesem Augenblick kam ein langer und stark gebauter Neger auf uns zu und sagte: „Senjores, wissen Sie den Weg zu Mr. Shine?“

„Cotton picking?“ fragte ich.

„Yes, feller. Ich habe seine Adresse bekommen von einem andern schwarzen Burschen in Queretaro.“

So weit waren wir, als ein kleiner Chinese auf uns zugetrippelt kam. Er lachte uns breit an und sagte: „Guten Molgen, Senjoles, Gentlemen! Ich will dolt hin und möchte Sie flagen, wo ist der Weg?“

Umständlich brachte er ein Notizblättchen heraus, las und sagte dann: „Mr. Shine in Ixtilxo...“

„Stopp!“ unterbrach ich ihn laut lachend. „Wir wissen ja schon, wohin Sie wollen, verrenken Sie sich nur nicht die Zunge. Wir wollen auch dort hin.“

„Auch cotton pickin’ dolt?“ fragte der Chinc.

„Ja,“ antwortete ich, „auch. Sechs Centavos für das Kilo.“

Durch diese meine Äußerung war auch mit dem Chinc das kameradschaftliche Band hergestellt. Die proletarische Klasse bildete sich, und wir hätten gleich mit dem Aufklären und dem Organisieren anfangen können.

Auf jeden Fall fühlten wir uns alle vier so wohl wie Brüder, die nach langer Trennung sich plötzlich unerwartet an irgendeinem fremden fernen Punkt der Erde getroffen haben.

Ich könnte nun noch erzählen, in welcher Form ein zweiter Neger, nur halb so lang wie sein Rassenvetter, aber ebenso pechschwarz wie jener, auf uns zuschlenderte, und mit welcher Sorglosigkeit und mit welchem Reichtum an Zeit ein schokoladebrauner Indianer uns ansteuerte, beide mit dem gleichen Ziel der Reise: Mr. Shine in Ixtilxochitchuatepec, Baumwolle pflücken für sechs Centavos das Kilo.

Keiner von uns wußte, wo Ixtil... lag.

Die Station war inzwischen so leer geworden, lag so einsam und verträumt in der tropischen Glut, wie eben nur eine Station in Zentralamerika zehn Minuten nach Abfahrt des Zuges daliegen kann.

Den Postsack, fünfmal mehr Quadratzoll Leinen als Quadratzoll Inhalt, selbst wenn man alle Briefe und Umschläge auseinanderfaltete, hatte irgendein jemand, den kein vernünftiger Mensch für einen Postbeamten gehalten hätte, mitgenommen.

Das Frachtgut: eine Kiste Büchsenmilch – in einem Erdstrich, wo das ganze Jahr hindurch das Gras grünt und ein ganzer Erdteil mit Milch versorgt werden könnte –, zwei Kannen Gasolin, fünf Rollen Stacheldraht, ein Sack Zucker und zwei Kisten Bonbons lagen herrenlos auf dem glühenden Bahnsteig.

Die Bretterbude, wo die Fahrkarten verkauft und das Gepäck abgewogen wurde, war mit einem Vorhängeschloß abgeschlossen. Der Mann, der alle diese Amtshandlungen vorzunehmen hatte, zu denen auf einer europäischen Bahnstation wenigstens zwölf gutgedrillte Leute notwendig sind, hatte die Station schon verlassen, als der letzte Wagen des Zuges noch auf dem Bahnsteig war.

Selbst die alte kleine Indianerin, die zu jedem Zuge erschien mit zwei Bierflaschen voll kaltem Kaffee und in Zeitungspapier eingewickelten Maiskuchen, was sie alles in einem Schilfkorbe trug, schlich bereits durch das mannshohe Gras in ziemlicher Entfernung heimwärts. Sie hielt stets am längsten auf dem Bahnsteige aus. Obgleich sie nie etwas verkaufte, kam sie doch jeden Tag zum Zuge. Wahrscheinlich war es vier Wochen lang immer derselbe Kaffee, den sie zur Bahn brachte. Und das wußten offenbar auch die Reisenden. Andernfalls hätten sie in der Hitze wohl wenigstens hin und wieder einmal der Alten etwas zu verdienen gegeben. Aber das Eiswasser, das in den Zügen kostenlos gegeben wurde, war ein zu starker Konkurrent, gegen den ein so kleines Kaffeegeschäft nicht aufkommen konnte.

Meine fünf proletarischen Klassengenossen hatten sich gemütlich auf den Erdboden neben der Bretterbude gesetzt. In den Schatten.

Freilich, da jetzt die Sonne senkrecht über uns stand wie mit dem Lot gerichtet, gehörte schon eine langausprobierte Übung dazu, herauszufinden, wo eigentlich der Schatten war.

Zeit war ihnen ein ganz und gar unbekannter Begriff; und weil sie wußten, daß ich ja auch dort hin wollte, wo sie hin wollten, überließen sie es mir, den Weg auszukundschaften. Sie würden gehen, wann ich gehe, nicht früher; und sie würden mir folgen, und wenn ich sie bis nach Peru führte, immer in der Gewißheit lebend, daß ich ja zum gleichen Ort müsse wie sie.