Damit überreichte er den an einer grünen Schnur hängenden Schlüssel dem Oberrichter.
»Ich gehorche der Versammlung.«
Er übernahm den Schlüssel, stand auf, trat zu Czinna und hängte ihr denselben um den Hals.
»Berge ihn an deiner Brust, Czinna.«
Czinna errötete bis über die Ohren; sie zog mit einer unwillkürlichen Bewegung das rote Tuch über die Augen, freilich kamen da rückwärts die knabenhaften kurzen Haare zum Vorschein.
Herr Máté Pußta bewegte, gegen das Fenster sich wendend, seinen großen Kopf; das also ist der Ort, wohin keine fremde Hand gelangen kann. Der schneeweiße Busen eines schönen Mädchens.
Der Schneider rief lebhaft aus:
»Canis mater! Der Geselle Laczi.« (Er erkannte ihn an den Haaren.)
Der Oberrichter lächelte.
»So ist es, mein lieber Vater, wenn einmal die Wunder beginnen. Es wird dies einmal zur Chronik werden, wie aus dem Schneidergesellen eine Oberrichtersfrau wurde.«
Die Glorie der Verklärung glänzte auf der Stirn des Mädchens, die magische Kraft seines Blickes vermochte sie aber nicht weiter zu ertragen. Sie glaubte vor Glückseligkeit sterben zu müssen. Ihre Hand ans Herz drückend, stürzte sie aus dem Zimmer. Der Schneider sprang giftig wie ein Hamster in die Höhe.
»Was treibst du für Kabalen mit mir? Wenn du nicht Oberrichter der Stadt Kecskemét wärest, möchte ich dir wohl etwas sagen. Dein Glück dies, wahrlich, dein Glück. Und was bedeuten deine komischen Worte. Was hast du vor?«
»Ich nehme sie zur Frau.«
»Du, zeitlebens Oberrichter der Stadt Kecskemét?«
»Warum nicht?«
Der Alte ließ traurig den Kopf hängen.
»Der Ofner Pascha läßt uns beide umbringen, wenn er es erfährt.«
»Auch gegen den Pascha schützt mich der Mantel. Im übrigen sucht man ja Czinna nicht mehr, da sie sich schon in den Gedanken gefunden haben, daß sie in der Theiß ertrunken sei.«
»Es wird sich schon jemand finden, der es ihm einflüstert. Aber reden Sie doch um Gottes willen, meine Herren, raten Sie ihm ab, stehen Sie doch nicht da wie Holzklötze.«
Auf diese Anrede nahm Gáspár Permete das Wort und redete ihm zu, daß der Herr Oberrichter unter den reichsten Mädchen der Stadt wählen könne; fünfzehn auf jeden Finger, diese niedere Abstammung aber passe nicht zu seinem hohen Rang.
»Das ist nur so gesagt,« meinte Max lachend. »Wie, wenn Czinna von den ägyptischen Königen abstammt?«
»Das, Herr Oberrichter, zu beweisen, würde schwer halten.«
»Genau so schwer, wie Ihnen das Gegenteil, daß sie nicht von den Pharaonen abstammt.«
Permete lachte, auch Máté Pußta lachte; denn die Meinung Máté Pußtas war: »Der Oberrichter weiß schon, was er thut. Man braucht ihm nie dreinzureden.«
Paul Fekete aber nahm die ethische Seite der Sache:
»Eine Oberrichtersfrau kann nicht jede sein, es muß wenigstens eine Person sein, die des Lesens und der Schrift mächtig, in allen Dingen bewandert und dabei eine kluge Person ist.«
»Eh!« meinte Max Lestyák ärgerlich, »der ehrenwerte Seneca meint, es ist genug für die Frau, wenn sie so viel weiß, daß, wenn der Regen tropft, man unter das Dach gehen muß.«
»Hier reden wir wohl vergebens,« rief Herr Permete achselzuckend und einen guten Abend wünschend zog er auch die anderen aus dem Zimmer.
Unterwegs streuten die Herren in drei Richtungen den Roman der Czinna aus.
Es tagten auch heute überall die Klatschbasen.
»Sie hat einen Zauber an ihm verübt, sie hat ihm etwas ins Getränk gemischt, anders ist es unbegreiflich. Es ist entsetzlich, wie fürchterlich so ein kluger Mann straucheln kann.«
Besser noch als den Klatschbasen gefiel die Geschichte dem Balázs Putnoki. Noch in derselben Nacht machte er sich auf den Weg zum Ofner Pascha, um diesem anzuzeigen, daß das Zigeunermädchen lebe. Max Lestyák halte sie verborgen und wolle sie zur Frau nehmen. Er kam aber beim Ofner Pascha merkwürdig an, wie es sich später herausstellte. Dieser hörte ihn an und fragte ihn dann mit gerunzelter Stirn:
»Du behauptest also, daß sie lebt?« – »Jawohl sie lebt.« Der Pascha winkte die Leibgarde herbei. »Führet den Mann hinaus, laßt ihm fünfzig Stockhiebe auf die Fußsohlen geben und bringet ihn dann wieder herein.« Als sie ihn zurückbrachten, frug Ibrahim überaus liebenswürdig: »Nun, lebt das Mädchen noch immer?« – »Bewahre, sie lebt nicht mehr, gnadenreicher Pascha.« Ibrahim rieb sich vergnügt die Hände. »Lerne es, du Mann, daß eine Person, von der ich dem Sultan einmal referierte, daß sie nicht lebt, zum mindesten sechs Fuß tief unter der Erde liegt.«
So erging es dem verräterischen Putnoki, aber ein Glück wie dasjenige Max Lestyáks gehört auch zu den Seltenheiten. In herrlichstem Glanze schien die Sonne auf ihn hernieder. Seine Macht wuchs von Tag zu Tag, sein Ansehen festigte sich auch nach außen.
Kecskemét begann eine große Rolle zu spielen. Der Mantel war ein ganzes Heer wert, das den Feind zügelte. Ein Heer, das keiner Montur, keiner Munition bedurfte, dem nichts schaden konnte, höchstens die Motten.
Die Kecskeméter fürchteten keinen Feind mehr. Im Gegenteil, sie warteten mit vielem Vergnügen auf den Augenblick, wo eine herumstreifende Türkenschaar mit ihnen anknüpfe. Es war dies immer ein großes Amüsement für das Volk. Der Oberrichter zog zu solch' einer Zeit mit dem Rappen der Stadt hinaus, vier Haiducken16 ritten vor ihm, vier hinter ihm, die Männer, Frauen, Kinder, gar oft die ganze Stadt kamen mit, um den berauschenden Anblick zu genießen, wie die türkischen Führer zum Mantelkusse sich neigten und wie sie den Oberrichter demütig fragten:
»Mein Herr, was befiehlst du?«
Ganze Legenden schwirrten im Lande von dem Zauberkaftan, mit allerlei bunten Anhängseln verziert. – Bald hieß es, daß derselbe in Zeiten der Gefahr spreche und dem Richter Rat erteile, dann erzählte man, daß der Kranke, der ihn berührt, gesundet, die Witwe oder Jungfrau, die ihn küßt, heiratet. Die Klügeren behaupteten, daß der Kaftan kein besonderes Wunder Gottes sei, sondern daß seine ganze Kraft darin bestehe, daß mit der Unterschrift des Sultans der Satz hineingestickt sei: »Gehorchet dem Träger des Mantels.« Herr Michael Lestyák selbst, der das weltberühmte Kleidungsstück fachmännisch betrachtete, meinte verächtlich:
»Daran ist nichts Besonderes. Auch ich nähe einen solchen, wenn ich Lust dazu habe.«
Die Wunderkraft des Kaftans warf ein magisches Licht auf die Person. Max kleidete sich in das farbenprächtige Kleid der Legenden. An schönen Abenden erzählte man von ihm in den Hütten in einer Entfernung von Hunderten von Meilen. Weit unter Szegedin, während der Kahn des Fischers mit leisem Plätschern die Wellen durchschneidet, träumt er selbst: »Was mag wohl der Kecskeméter Oberrichter machen?«
Er ißt goldenen Speck zur Jause mit einem Karfunkelmesser. Der sprechende Kaftan sagte seinem Feind nicht nur: »Hebt Euch weg von Kecskemét,« sondern er sagte auch dem guten Freunde und den glänzenden Kremnitzer Dukaten: »Kommt her nach Kecskemét.« Reiche Leute, edle Herren kamen mit ihren Schätzen hierher, um in der sichersten Stadt zu wohnen; die Eltern sandten am liebsten ihre Kinder dahin, damals erschienen in den Straßen Kecskeméts das erstemal die verschiedenen Studententypen, die seitdem dort bestehen; die Schule blühte, die Bewohner bereicherten sich märchenhaft rasch.
Freilich hat alles seine schlechten Seiten. Der Mantel zeugte das viele Geld, das viele Geld zeugte die vielen Pustenbetyáren und Räuber, die immer wieder Einfälle in das Kecskeméter Gebiet wagten. Jedoch auch jedes schlechte Ding hat seine guten Seiten, der Betyáren wegen verkündete man das Standrecht und da das Komitat sich nicht frei bewegen konnte, wurde das Recht des Blutbannes provisorisch auf den Kecskeméter Magistrat übertragen. Noch ein Haar und Kecskemét wird königliche Freistadt.
Achtes Kapitel.
Max Lestyák war Herr über Leben und Tod, und damit sein Ansehen noch wachse, sandte ihm der König den Adel mit dem Prädikate »Von Kecskemét«. Ein Ritter mit einem Kaftan bekleidet, stand auf dem Wappen in silbernem Felde. In der anderen Hälfte des Schildes war auf drei goldenen Kissen ein sich bäumender Fuchs. (Se. Majestät hat dies gut ausgedacht.) Nur noch eines fehlte zur vollen Glückseligkeit: die Hochzeit mit Czinna.
Und auch dieser stand nichts mehr im Wege. Der alte Lestyák hatte sich mit dem Gedanken schon lange befreundet, das kleine Ding wußte ihm alles zu Gefallen zu thun, und wenn sie ihm das Kinn kraute, glaubte er sich ins Himmelreich versetzt. Sie wurde aber auch immer schöner, sie bekam runde Formen und ihr Gesicht war wie der Pfirsich, dessen Blutfarbe selbst die zarte Hülle durchschlägt. Niemand kam ihr gleich in Kumanien. Sie wurde der Liebling, die Vertraute des Alten, er nannte sie »Tochter«, »Schwiegertochter« und redete nun selbst seinem Sohn zu, sich zu beeilen, da er bei Gott sie sonst selbst heirate.
Max tobte vor Ungeduld, wenn das kleinste Hindernis sich offenbarte; wenn aber kein Hindernis war, nahm er die Sache leicht.
Der erste Termin war für den Tag angesetzt, wo er den Ferman des Ofner Pascha erwirkt, denn ohne diesen geht es denn doch nicht, obgleich der Vogel auch dann sein Haus baut, wenn er auch befürchtet, daß grausame Hände es zerstören. Der Ferman kam selbst: er war auf die Sohlen Putnokis geschrieben. Es ist gewiß, daß der Pascha das Mädchen wohl nie mehr behelligt.
»Nun könnt Ihr schon Hochzeit halten!« redete ihnen der Alte zu.
»Warten wir noch, bis das Haar der Czinna wieder gewachsen ist,« antwortete Max. »Auf kurzen Haaren würde sich der Kranz übel ausnehmen.«
Im Laufe eines Jahres wuchs ihr auch das Haar und wie herrlich! Eines Abends löste sie es während des süßen Geflüsters los, denn jetzt trug sie es wie die Damen als Kranz um ihren Kopf gewunden und band die beiden Hände ihres Max mit zwei dicken Flechten fest, wie man die der Häftlinge zu binden pflegt.
»Ein gefesselter Oberrichter,« lachte sie mutwillig.
Max verstand den Wink.
»Wahrlich, die Zeit der Hochzeit wäre schon da, ich erwarte sie schon lange, aber wenn wir uns die Sache überlegen, schadet es nichts, wenn du noch etwas lernst, ich aber will noch vorerst so viel verdienen, um die Frau eines Oberrichters ernähren zu können.«
Der Oberrichter nämlich ließ den hochgelehrten Herrn Molitoriß zum Unterricht der Czinna ins Haus kommen; kaum war aber ein halbes Jahr vergangen, so meinte der würdige Herr:
»Was ich wußte, weiß sie schon.«
Max Lestyák hatte etwas Geld zusammengescharrt, jedoch gerade zu dieser Zeit kam der Adelsbrief. Das Glückskind fing an auf großem Fuß zu leben; die Adeligen der Umgebung schlossen Kameradschaft mit ihm, sie kamen zu ihm zu Besuch und er erwiderte denselben. Czinna vernachlässigte er. Ein Adeliger kann doch nicht immer girren, er macht sich ja lächerlich. Das elende Pergament hatte ihn wie umgewandelt, wie wenn sein Blut wirklich blaublütiger geworden wäre, wurde er noch launenhafter.
Man sprach allüberall, daß er eine Beniczky heiraten solle, dann würde aus ihm ein Obergespan gemacht werden in irgend einem Komitate Emerich Tökölys, das noch in des Kaisers Händen ist. Doch dies alles ist nur Geklatsch! Die Kecskeméter fabrizieren denselben, seitdem ihr Oberrichter so groß wurde, daß Kecskemét neben ihm klein erscheint.
Ach, wie blutete das Herz Czinnas. Auf der kleinen Holzbank unter dem Birnbaum, wo sie an schönen Sommerabenden so oft flüsterten, wo Czinna so glücklich war, saß Max jetzt selten, oft blieb er Wochen hindurch in den Kastellen, und wenn er auch kam und ihr einige schöne Worte sagte, der Schluß war immer:
»Gieb nur auf deine Worte acht, Czinna, mein Täubchen, sprich nie von jenem Tage, du weißt ja, welchen ich meine, sage nie, daß du dort warst ... vor Olaj Beg, denn sonst bin ich verloren.«
Czinna war es, als wenn man ihr ein Messer ins Herz stieße. Es tauchte in ihr der Verdacht auf, daß sich Max vor ihr fürchte, aber sie nicht liebe; er kettet sie mit dem Brautring nur deswegen an sich, daß er sich ihres Schweigens versichere. Von Tag zu Tag wurde sie trauriger, die roten Rosen verschwanden vom Gesichte, in den Augen fehlte der entzückende Glanz, eine sanfte Melancholie war an seine Stelle getreten.
Schön war sie trotzdem. Der alte Lestyák erschrak; er glaubte, daß sie krank sei, er hatte auch den Grund ihrer Krankheit herausgefunden.
»Kränke dich nicht, trauere nicht, meine kleine Resedablüte. Er liebt dich und glaube mir, wenn ich es sage, er möchte dich auch schon morgen zum Traualtare führen, wenn er nur Geld hätte. Was er aber hat, verspielt er mit den Fáys und Beniczkys. Ich kenne ihn, den Max, er ist voller Dummheiten, aber sein Herz ist gut. Freilich könntet ihr auch bei mir leben, wenn auch ärmlich, du weißt aber, wie verrückt er ist, wenn er den Herrn spielen will; er ißt nicht einmal die Erdbeeren, wenn er sie nicht auf einem silbernen Teller bekommt. Und gerade jetzt leidet er an dieser Krankheit. Lassen wir ihn, bis er seinen Wappenfuchs satt bekommt. Entweder der Fuchs frißt ihn oder er den Fuchs. Im allgemeinen fressen diese Wappentiere sehr viel, meine liebe Czinna.«
Czinna seufzte bei solchen Reden; das schöne Wort war kein Balsam auf ihre Wunde.
»Seufze nicht, lächle doch ein wenig, wie ehedem. Wenn ich reden dürfte, könnte ich dir wohl etwas sagen, daß du Lust zum Tanzen bekämst.«
Geheimnisvoll zwinkerte er mit den Augen und murmelnd mahnte er sich: »Pst, laß deinem Mund nicht freien Lauf, Alter!«
Was dieses geheimnisvolle Ding sein mochte, konnte sich Czinna nicht recht vorstellen. Alles in allem war ihr bloß ein Umstand aufgefallen. Seit einigen Tagen kamen zwei Herren zu Lestyák; spät am Abend kamen sie, lange flüsterten sie mit einander, indem sie sich in die Hinterstube einsperrten, nie erwähnte aber der Alte, was sie wollten, sondern schweigend und zugeknöpft ging er unter den Seinigen herum.
Endlich eines Abends nahm er den Kopf Czinnas in die Hände und wühlte in ihrem dichten schwarzen Haar herum. Es war dies eine seiner Lieblingsbeschäftigungen.
»Freue dich, Czinnchen, freue dich! – Dein Tag ist gekommen, nun wird auch die Hochzeit stattfinden, ich lasse dir eine Ausstattung machen, daß die Fáyschen Fräulein grün vor Neid werden. Lache doch, Czinna, du hast ja so viel Geld, daß deine kleinen Kinder, wenn du welche haben wirst (du mußt deswegen nicht erröten, was schämst du dich meiner Enkelkinder) mit Goldstücken spielen werden.«
Der Alte nahm einen Haufen Gold aus seinen Taschen und ließ diesen vor Czinna funkeln.
»Woher nahmen Sie diesen großen Schatz?« fragte erstaunt das Mädchen.
»Was ist dies mit dem übrigen gemessen? Horch auf, mein Kind, ich will dir alles erzählen. Für dich thue ich dies, was ich thue, einerseits, weil ich weiß, daß Max dich ohne Geld nicht heiraten kann. Einerseits, sage ich, dann spielt auch meine Eitelkeit mit hinein. Ich will ein Kleid hinterlassen, daß die Schneider auch nach tausend Jahren erzählen sollen: ›Es lebte ein Mann, Namens Mathias Lestyák, der machte dieses Kleidungsstück.‹«
»Ich ahne nicht einmal, wovon die Rede ist.«
Der Alte fuhr flüsternd fort:
»Zwei fremde Herren kamen zu mir, du kanntest sie ja schon, ein kleiner Dicker und ein Goliath. Sie kamen in Vertretung einer Stadt, den Namen derselben verschwiegen sie auch vor mir. Ich fragte sie nicht, es ist mir ja gleichgiltig, welche es ist. Sie suchten mich, wie gesagt, auf und sagten: ›Meister, Schneider der Schneider, unter allen Schneidern der größte! Wir suchten dich auf, um dich reich und unsterblich zu machen.‹ ›Was wollt ihr?‹ ›Nähe uns einen Kaftan, gleich jenem der Stadt Kecskemét, er soll aber dem anderen vollkommen ähnlich sein, wie zwei Eier oder zwei Weizenkörner einander gleichen; bist du dies im stande?‹
›Meine Nadel näht alles,‹ antwortete ich, ›was mein Auge erblickt.‹«
Czinna zog sich fröstelnd zum alten Schneider hin ...
»Und worin kamen Sie überein?«
»Wir wurden handeleins. Nach vielem Hin- und Widerreden bestimmten wir, daß sie fünftausend Goldstücke zahlen, fünfhundert gaben sie mir im voraus, alles wird dir gehören, mein Kind.«
»Können Sie ihn aber auch so nähen?«
»Ich?« Und seine Augen flammten. »Geh' du Närrin! Wofür hältst du mich denn? Es wird eine Prachtarbeit sein, wenn ich es dir sage.«
»Wird aber kein Unglück geschehen?« fragte das Mädchen furchtsam.
Der Alte lachte.
»Was könnte denn passieren? Die andere Stadt wird nun auch einen Kaftan haben, dies ist das Ganze. Und dann, daß der Türke, der jetzt vielleicht zweihundert Städte plündert, gezwungen sein wird, sich mit hundertneunundneunzig zu begnügen. Hungers wird er deswegen nicht sterben.«
»Richtig, richtig,« meinte Czinna zerstreut.
»Du, mein Kind, giebst mir den Schlüssel und davon braucht niemand etwas zu wissen: ich will mir dann den Kaftan besehen, ihn genau prüfen und studieren; alsdann fertige ich rasch wie der Wind ein getreues Ebenbild desselben an und nachher soll es eine Hochzeit geben, wie sie wohl noch nicht erlebt wurde. Hei, wie sollen deine zarten Füßchen im Brautreigen hüpfen.«
Solchermaßen wurde alles aufs Genaueste ausgeklügelt: was für ein Brautkleid es geben, wie der Kranz und das Schuhwerk beschaffen sein werden, wie sie dem Max viertausend von den fünftausend Dukaten geben wollen: »Da, nimm, und wirf deinem Weibe nicht vor, daß es dir nichts mitgebracht habe.« Daraufhin werde er fragen: »Wo habt ihr das her?« Sie aber werden antworten: »Wir haben es gefunden auf der löcherigen Brücke.« Und zuletzt, da wollen sie ein Erbschaftsmärchen ersinnen und damit bricht eine Zeit ewiger Glückseligkeit für alle an.
Czinna ward heiter, lachte, klatschte sogar in die Händchen, so unbändig gefiel ihr das Zukunftsbild, das ihr von Lestyák vorgegaukelt worden. Andern Tags erschloß sich dem alten Schneider dank dem Schlüssel Czinnas der Eisenschrank im Stadthause: er besichtigte nochmals genau den Kaftan und ging sodann nach Szegedin, um bei den vornehmen türkischen Kaufherren, die dort lebten, alles Zubehör, so den feinen dunkelgrünen Sammet, die Schnüre und den Bärenpelz für das Futter einzukaufen. Und so wie das alles gekauft war, ging er mit der Fieberhast des Schöpfungsdranges an sein Werk.
Das war aber keine geringe Aufgabe. Alle Abende holte er heimlich unter seinem Oberkleide den Kaftan, um diesen am Morgen auf die gleiche Weise an seinen Platz zurückzuschmuggeln. In die Stube des Oberrichters hatte er freien Zutritt; darum fiel es auch niemandem auf, daß er so oft kam und ging. Vielleicht hatte ihn der Oberrichter nach etwas gesandt?
Vom Abend bis zum frühen Morgen arbeitete er, eingeschlossen in seiner hintersten Stube, mit der Inspiration und der Leidenschaft eines Künstlers. Zuweilen erweckte er Czinna aus ihrem nächtigen Schlafe, um ihr die einzelnen Stücke zu zeigen, die allmählich die Formen des herrlichen Originals anzunehmen begannen. Seine Augen flammten, seine Stirn glühte, seine Nüstern bebten und die Stimme zitterte vor freudigem Hochmut:
»Schau, hier diese Ärmel, den Kragen, schau!«
Und erst als nach vierzehn Tagen die Kaftankopie bis zum letzten Stiche fertig ward, da füllte sich ihm das Herz mit süßen Empfindungen:
»Kann es ein herrlicheres Werk auf der weiten Erde geben?«
Es war eben Nachtzeit. Die Hähne krähten. Der Schneider blickte zum Fenster hinaus. Für Mitternacht hatte er seine Leute hinbestellt und die lauerten jetzt in der Umgebung, bis er den Kaftan fertigstellen würde. Der Hofhund Bodri fing an, das Gekrähe mit seinem Gekläffe zu beantworten: Aha, der wittert Menschen. Und in der That, sie kamen. Der Schneider ließ sie ein.
»Blicket hin!«
Ein Ausruf der Bewunderung entrang sich ihren Lippen. Auf dem Bett lagen zwei goldige Kaftans ausgebreitet, und die waren einander so gleich, wie zwei Eier oder zwei Weizenkörner.
»Und was meint ihr dazu?« fragte der Meister.
Der Eine sprach:
»Fürwahr, du bist der Schneider aller Schneider, der größte Schneider aller Zeiten.«
Der Andere sprach nichts, sondern griff nach seinem großen Gürtel und goß einen Haufen Goldstücke mitten auf den Tisch.
»Es sind genau 4500 Stück. Zähle sie nach, Meister, so du mir nicht glauben willst.«
»Der Teufel mag's zählen! Nicht für Geld, sondern um des Ruhmes willen habe ich gearbeitet.«
»Welchen sollen wir mitnehmen?« fragte der Goliath, auf die beiden Kaftans weisend. »Welcher ist der unsere?«
Lestyák stand zaudernd am Bette. Er dachte bei sich:
»Soll ich ihnen mein Werk geben? Und es niemals, niemals wiedersehen? Sie entführen es dann, weiß Gott wohin, und nie wieder werde ich seine Schicksale erfahren. Und dann erfaßt mich eine quälende Sorge, was aus ihm geworden sei? Ich sehe den Türken nicht, der sich davor zur Erde beugt, vor meinem Werke, um es zu küssen, mein Werk! Nein, nein! Der Erfolg kann nicht ausbleiben. Das Werk ist vollkommen. Ich will es immerdar vor meinen Augen haben, mich berauschen an seiner Herrlichkeit!«
»Ei, warum bezeichnet Ihr uns nicht endlich den neuen?« polterte der Goliath ungeduldig.
»Und Ihr, warum steift Ihr Euch just auf den neuen?«
»Weil ich weiß, daß Ihr mir den bestimmt habt.«
Lestyák sprang verletzt auf.
»Nein, nein,« stammelte er heiser ... »Und justament sollt Ihr den alten wegtragen, den alten, den echten. Der neue ... der soll den Kecskemétern bleiben.«
Der Goliath nahm das Kleid und barg es hurtig unter seinem Mantel. Die Thür ging auf und fiel gleich wieder ins Schloß. Die beiden Gestalten entschwanden in der nächtigen Dunkelheit.
Der Alte ging zu Bette, aber kein erquickender Schlaf wollte über ihn kommen. Ihn quälten böse Traumgesichter. Die Dukaten, die er allesamt in einen Korb gefegt und unter das Bett gestellt hatte, fingen an auf dünnen Spinnenfüßen die Wand emporzuklettern: »Heda, ihr Spinnen, husch hinab vom Gemäuer!« Ein Goldstück sprang ihm auf die Brust und tanzte dort einen tollen Reigen. »Ei, na warte doch, dich soll ich bald haben.« Er haschte nach der Münze, doch es war unmöglich, sie zu fangen, obgleich ihre kalten Füße ihn stachen und ihn schaudern machten, als ob sie Stecknadeln mit Eisspitzen wären, daß ihm die Zähne zu klappern begannen.
Dann schien es ihm wieder, daß ein kichernder Satan das teuflische Gold ergreift, es in einem Kessel schmilzt und dann in sein Ohr gießt, die heiße Flüssigkeit durchläuft seine Adern und sprengt seine Schläfe. Und während sein Blut heftig kocht, rufen ihm entsetzliche Stimmen zu: »Lestyák, was hast du gethan, ach was hast du gethan!«
Er sprang auf, kleidete sich an, drückte seinen Kopf an die Fenstertafel und erwartete den Morgen. Er fühlte eine große Beklommenheit, traute es sich aber selbst nicht einzugestehen. Ah! Es ist ja alles in Ordnung. Die Sache ist sicher, ganz sicher. Er trug den Kaftan in die große Eisentruhe des Stadthauses, dann ging er in die Schlafkammer von Czinna, um ihr den Schlüssel zu übergeben, wobei er ihr ins Ohr flüsterte:
»Alles ist gut, mein Herz, dort unter dem Bette wiehern schon die Goldfüchse. Wir haben etwas, was wir vor den Hochzeitswagen spannen.«
Vergebens strengte er sich an, ruhig zu sein; sein verstörtes Gesicht widersprach dieser Ruhe. Er konnte nirgends seinen Platz finden.
Wie die betäubte Fliege taumelte er hin und her, bis er endlich bei seinem Sohn eintrat, wo er schon den Haiducken Pintyö mit einem Briefe vorfand.
Der Oberrichter sah sehr gut aus, sein Gesicht glänzte vor Lebenslust. Gerade jetzt war er mit dem Ankleiden fertig geworden.
Auch der Anzug war ganz anders, als ehedem, ganz für einen Edelmann passend; statt des Dolmans ein Attila mit geschlitzten Ärmeln, im Schlitz mit weichselroten Seideneinsätzen.
»Guten Morgen, mein Vater! Was giebt es Neues?«
»Ich wollte dich um etwas ersuchen.«
»Dem Kecskeméter Oberrichter befiehlt nur ein Mann in ganz Kecskemét.«
»Meinst du mich?«
»Sie haben es erraten. Nun, was befehlen Sie?«
»Eine Kleinigkeit, blos eine Laune. Wenn demnächst eine feindliche Truppe nach Kecskemét kommt, möchte ich derselben im Kaftan entgegengehen.«
»Ei Teufel! Kein schlechter Spaß. Er kommt auch mir gelegen, denn ich hätte heute ohnehin einen anderen senden müssen.«
»Ist etwas los?« frug der Schneider hastig.
»Eine Truppe des Großveziers Kara Mustafa lagert unweit seit Mitternacht. Sie gehen von Belgrad nach Kékkö und haben um Proviant hereingeschickt. Gerade ihren Brief brachte Pintyö.«
»Prächtig!« rief der Schneider begeistert aus. »Ich gehe ihnen entgegen.«
»Sehr gut. Pintyö, lassen Sie für meinen Vater ein Pferd satteln.«
»Welches? Den Büßke?«
»Der Ráró wird vielleicht besser sein, er ist frommer. Heute könnte ich nicht gehen, wir halten Gericht. Denken Sie, mein Vater, der Kläger ist niemand Geringerer als der Kalgaer Tartaren-Sultan. Einige Kecskeméter Burschen haben eine Schafherde weggetrieben und die vier Wache habenden Tartaren weidlich geprügelt. Einer von ihnen starb sogar.«
»Die verkehrte Welt!«
»Das Schönste an der Sache ist,« – fuhr der Oberrichter fort – »der Nimbus der Stadt Kecskemét zwingt den Kalgaer Sultan dazu, nach unseren Gesetzen das Recht zu beanspruchen, anstatt Genugthuung zu nehmen nach seiner Laune. Auch dies hat nur der Kaftan verursacht. Aber halt, beinahe hätte ich es vergessen, warten Sie nur, Pintyö. Vor allem gehen Sie auf den Marktplatz und holen Sie vier zu Richtern passende Personen, es können unter ihnen auch Türken sein, wenn es sich gerade so trifft.«
Es war der erste Markttag (denn seitdem der Kaftan da ist, hat Kecskemét auch seine Märkte zurückerlangt), der alte Pintyö guckte in die Hütten, lief den gutgekleideten Leuten nach und wenn er eine angesehene Person erwischen konnte, leierte er die Formel her:
»Im Namen des wohledlen Herrn Max Lestyák, Oberrichter der Stadt Kecskemét! Es sei Euch, mein guter Herr, die Ehre gegeben und möge es Euch nicht zu Lasten sein in unserem bescheidenen Gemeindehaus, um dort weise und gerecht Recht zu sprechen über unsere Völker. Ungehorsam zu sein, wäre nicht angeraten.«
Bald hatte er den gelehrten Paul Börcsök aus Szegedin, den geistvollen Franz Balogh aus Szentes engagiert, er fand den letzteren in der Laczikonyha17 schon beim sechsten Glas. (Jedoch auch so wird er gut sein.) Dann zitierte er den Czegléder Lebzelter Stefan Torda und weil der Oberrichter auch von Türken sprach, nahm er den langbärtigen Mollah Cselebit aus Ofen mit, der Astrachen verkaufte und der jene Städte, wo man den Kadi mit Stricken fängt, in des Teufels Umarmung wünschte. So seinen Auftrag verrichtend, ging er in den Stall des Stadthauses, putzte, kämmte den Ráró, fütterte ihn mit etwas Hafer, dann legte er ihm den Sattel auf und ließ zu den Lestyáks hinübersagen, daß der alte Herr kommen möge.
Der alte Lestyák eilte mit leichten Schritten aufs Stadthaus, wo das Gericht schon versammelt war, der Oberrichter hatte noch zwei Senatoren hinzugesellt, den Gabriel Poroßnoki und Agoston Kristof, er selbst führte als Siebenter den Vorsitz. Als er seinen Vater erblickte, sandte er Pintyö mit dem Stadtsiegel zu Czinna um den Schlüssel, dann nahm er den Kaftan aus der Eisentruhe und zwei Senatoren halfen dem alten Herrn, ihn anzuziehen. Dies war die amtliche Zeremonie.
»Gehen Sie, Vater, in Gottes Namen.«
Draußen setzte dieser seine Füße in den Steigbügel, er warf sich in die Brust, den Kopf nach rückwärts lehnend, wie ein echter Ritter. Die fremden Marktgäste liefen neugierig hin, um den Vater des mächtigen Oberrichters zu sehen, auf dessen dünnem Körper der weltberühmte Mantel saß. Die Kecskeméter Bürger lüfteten lächelnd die Hüte, die Kinder schrieen:
»Vivat, Vivat, Lestyák bácsi!18«
Einige flüsterten neidisch:
»Glücklicher Vater, glücklicher Mensch!«
Und wahrlich, jetzt war er glücklich. Mit ganzer Lunge atmete er die balsamische Luft ein. Der Ráró tanzte stolz unter ihm. Von den kleinen Gärten vor den Häusern lachten ihn die Jasmine und Lilien an, aus dem eigenen Fenster winkte ihm Czinna mit einem weißen Tuche. Seine Unruhe verschwand, er war weder müde, noch aufgeregt. Die Furcht des Soldaten vor der Schlacht weicht in der Schlacht. Und er war jetzt dort im Feuer, er glaubte den Ton der Trompeten zu hören: »Vorwärts, auf zum Triumph!«
Während nun seine Gestalt im Staube des Weges verschwand, saßen die Senatoren und der Oberrichter ruhig beisammen, hörten den Thatbestand von der Forttreibung der Schafherde an, so auch die langweiligen Vorträge der Zeugen und Kläger. Nicht selten mengte sich ein Gähnen der edlen Herren in das wüste Gespräch.
Daß vor der Stadt ein hungeriger Feind stand, alterierte die Herren wenig. Schneckenblut! Der Feind ist jetzt eine laufende Angelegenheit, wie etwa wenn man ein Marktweib zur Ordnung weisen muß. Hierzu bedarf es eines Mannes und eines Stockes, dazu eines Mannes und eines Kaftans.
Nur der Oberrichter bewegte sich unruhig in seinem Sessel, seitdem im Saal in Vertretung des Kalgaer Sultans Olaj Beg erschien, mit seinem Falkenblicke die Richter musternd, und frug, welcher von ihnen der berühmte Oberrichter Max Lestyák sei – worauf Agoston mit seinem Ellbogen zur Tischspitze wies ...
»Das ist nicht möglich,« murmelte Olaj Beg kopfschüttelnd.
»Und doch bin ich Max Lestyák,« meinte der Oberrichter mit tonloser Stimme.
Der große Beg murrte verdrießlich:
»Entweder flimmerte es vor meinen Augen, als wir vor dritthalb Jahren in meinem Lager zusammen trafen, oder es wurde der Kopf Euer Hochedlen seitdem vertauscht.«
»Ja, man wird älter, es ist alles umsonst.«
»Im übrigen habe ich Euch einen Brief gebracht. Den Brief hat der Kalgaer Sultan geschrieben, mit honigsüßer Feder:
›Mein lieber Sohn, tapferer Max Lestyák!
Bestrafe, ich bitte dich, die bösen Wölfe, denn wenn du kein abschreckendes Beispiel schaffst, so glaube mir, stehlen deine Leute mir noch den Turban vom Kopfe. Ich würde es gern sehen, wenn du mir einen Korb Köpfe senden würdest (die Räuber langen auch für zwei). Schon lange habe ich mich an abgeschnittenen Kecskeméter Köpfen nicht ergötzt. Meinen Abgesandten Olaj Beg, der Euch die nötigen Aufklärungen geben wird, haltet hoch in Ehren.
Ich bleibe dein mächtiger Herr und Freund, der
Krimer Vizekhan (Kalgaer Sultan)‹.«
Lestyák überflog den Brief zerstreut, verwirrt, dann schob er ihn den Richtern hin, damit diese sehen sollen, wie heikel die Potentaten mit dem Kecskeméter Oberrichter umgehen.
Unterdessen bemerkte er, bis über die Ohren rot werdend, den forschenden Blick Olaj Begs, der immer auf ihm ruhte. Er saß auf Nadeln unter unangenehmen Gefühlen; hierzu gesellte sich die Stunden andauernde Flut der Geständnisse, der Dunst des Saales. Ein Schwindel überkam ihn und gerade wollte er den Vorsitz an Poroßnoki abgeben, als draußen ein Entsetzensschrei laut wurde und sich durch die Gassen wälzte, immer näher und näher kommend, die Fenster erschütternd.
Die Richter liefen entsetzt zum Fenster und taumelten totenbleich zurück. Der Ráró lief wild gegen das Stadthaus, auf ihm saß niedergebunden der alte Lestyák mit dem Kaftan – aber ohne Kopf. Aus dem Rumpfe tropfte das Blut. Das Pferd und der Kaftan waren mit Blut bedeckt.
Neuntes Kapitel.
Die Haare Poroßnokis standen zu Berge.
»Entsetzlich!«
Der Oberrichter fiel mit dem Gesichte auf den Tisch und schluchzte.
»Unfaßbar!« bemerkte Olaj Beg, als man ihm erklärte, daß der Alte im Kaftan bei einer Truppe des Großveziers war.
Herr Agoston befaßte sich mit dem Oberrichter.
»Kommen Sie, mein edler Herr. Lösen wir den Gerichtshof auf. Auch die Grenzen der Pflicht übersteigt der große Schmerz, der Sie betroffen.«
Max schauerte zusammen und wischte die Thränen aus den Augen.
»Ich bin stark. Keinen Schritt weiche ich von hier, bis ich nicht Rache genommen habe für meinen Vater. Dies hat man nicht im Türkenlager gethan.«
Sofort befahl er, daß man den Leichnam nach Hause trage und denselben wasche. Zwei berittene Trabanten aber sollten die Blutspuren verfolgen, bis sie den Kopf und die Erklärung des Rätsels fänden.
»Den Kaftan nehmet ihm ab und bringet ihn herauf,« ergänzte Poroßnoki die Ordre.
Nach kurzer Zeit brachte Pintyö weinend den blutigen Mantel. Olaj Beg und Mollah Cselebit sprangen in die Höhe und eilten den Saum zu küssen, als sie aber näher kamen, verzog der Beg sein häßliches Gesicht.
»Bei Allah, das ist nicht der echte Kaftan! Es fehlt das Zeichen des Scheik–ül–Islam.«
Mollah Cselebit legte seine Hände über die Brust und wiederholte gedankenvoll:
»Das ist nicht das heilige Kleid.«
Die Kecskeméter Bürger, die unter den Zuhörern saßen, sahen erstarrt den Oberrichter an.
»Verrat!« rief Kristof Agoston.
Franz Kriston sprang von der Zeugenbank auf und stellte sich vor den Oberrichter.
»Verantworten Sie sich! Der Schlüssel war Ihnen anvertraut.«
»Ich weiß von nichts,« sagte der Oberrichter gereizt. (Er war wie das Eisen: desto härter, je mehr man es schlägt.)
»Welch' großer Schlag, welcher Schlag für Kecskemét!« rief Poroßnoki die Hände ringend.
Wie der weggeschleuderte Stein, so schwirrten die Stimmen in der Luft: »Tod dem Schuldigen!«
»So ist's! Auch ich werde es aussprechen.«
Zwischenrufe wurden laut.
»Er gehört nicht auf den Präsidentenstuhl, sondern auf die Anklagebank.«
»Ruhe!« schrie der Oberrichter und klirrte mit dem Säbel, der, seitdem er geadelt wurde, immer vor ihm auf dem Tisch lag. »Hier sitze ich im Präsidentenstuhl und hier bleibe ich. Ich will sehen, wer sich zu rühren getraut, wenn der Oberrichter von Kecskemét Ruhe gebietet.«
Nur auf den Friedhöfen herrscht eine solche grauenhafte Stille, wie sie nun eintrat.
»Wer ist der Elende, der seinen Stachel gegen mich ausstreckt? Wenn ich gewußt hätte, daß der Mantel nicht der echte ist, hätte ich in demselben meinen eigenen Vater gesendet? Das Ding ist unbegreiflich. Gott hat es gefallen, eine Prüfung zu senden über Kecskemét, jedoch verzagen wir nicht, denn was immer auch geschehe, noch herrscht hier eine starke Hand. Deswegen, mein lieber Herr Senator Kriston, eilen Sie sofort und tragen Sie den Türken nach Talfája die verlangte Brandschatzung, damit nicht aus zwei Übeln drei werden.«
Kriston ging sofort, bevor er aber noch zur Thür gelangt war, öffnete sich diese mit großem Geräusch und herein stürzte Czinna. Sie war weiß, wie eine Lilie, ihr Gang unstät, aus ihren schönen Augen stürzten Thränen.
»Was suchst du hier?« fuhr sie der Oberrichter an, seine Brauen zusammenziehend. »Geh' nach Hause weinen!«
»Hier ist mein Platz!«
Und sie stürzte in die Knie. Ihr roter, unten mit Spitzen versehener Rock hob sich ein wenig in die Höhe und ließ ihre entzückenden Knöchel sehen.
Olaj Beg schleuderte den Sessel von sich.
»Das ist sie, das ist sie! Mein Herr Max Lestyák, sehen Sie sich diese hier an. Dieses Mädchen war bei mir im Lager. Nie erblicke ich Mekka, wenn es nicht wahr ist.«
Poroßnoki und Agoston richteten ihre Augen starr auf den Oberrichter, der merklich verlegen wurde und bis über die Ohren rot war. Dies war seine schwache Seite. Nun fing er an, die Energie zu verlieren. Czinna beugte traurig den Kopf.
»Nie sah ich dich, guter Mann.«
Der Oberrichter warf ihr einen dankbaren Blick zu, wie wenn er sagen wollte: »Du hast mich nur wiedergegeben,« dann zischte er zwischen den Zähnen: »Alles fällt, stürzt, es war alles verfehlt.«
»Was willst du, mein Kind?« fragte jetzt der Szenteser Franz Balogh. »Warum stehst du nicht auf?«
Der Brust des Mädchens entrang sich ein krampfhaftes Schluchzen.
»Ich bin an allem Schuld. Ich bin die Schuldige. Ich habe den Schlüssel der Eisentruhe dem Vater Lestyáks gegeben, da zu ihm aus einer fremden Stadt Leute mit der Bitte kamen, er möge ihnen einen Mantel, wie der unsrige ist, für fünftausend Goldstücke nähen.«
Ein gefahrdrohendes Gemurmel folgte diesen Worten. Der Oberrichter wendete sein bleiches Antlitz gegen die Wand. Auf diesen Schlag war er nicht vorbereitet.
»Wie konntest du dies thun?« schrie Poroßnoki, »sei aufrichtig, die Aufrichtigkeit kann deine Sünde mildern.«
Czinna drückte ihre Hände aufs Herz, ihre langen Wimpern schlossen sich. Sie glaubte vor Schande vergehen zu müssen und doch mußte sie es sagen in dieser traurigen Stunde.
»Weil ich liebe, ich liebe Max Lestyák mehr als mein Leben, mehr als diese Stadt. Der Alte hat viertausend Goldstücke für mich bestimmt, damit sein Sohn, der seit dritthalb Jahren mit mir im Brautstand lebt, mich zur Frau nehme. Er hat es bisher nicht gethan, weil wir beide arm sind. Ich habe seinen Worten Glauben geschenkt und ihm den Schlüssel übergeben.«
Ihr bleiches Gesicht rötete sich, aus der weißen Lilie wurde eine Rose, aber nur auf eine halbe Minute.
»Welcher Skandal!« brüllte Herr Agoston. »Wenn ich nur bis an mein Lebensende in Waitzen geblieben wäre.«
»Was dann?« fragte Poroßnoki unruhig.
Der Oberrichter faßte krampfhaft die Sessellehne, die Welt drehte sich im Kreise, vor seinen Augen tanzten die winzigen Buchstaben, die der Schriftführer aufs Papier warf. Seine Lippen biß er blutig: »Nur jetzt noch, nur eine halbe Stunde noch soll ich keine Schwäche zeigen.«
»Und dann?« nahm Czinna das Wort mit ersterbender Stimme. »Ja, dann. Was geschah mir? (Mit ihrer Hand rieb sie ihre marmorglatte Stirn.) Er ging zur Eisentruhe, bei Nacht nahm er den Kaftan mit und nähte dann einen ähnlichen. In der vergangenen Nacht nahmen ihn die Besteller mit.«
»Alles ist klar,« murmelte Poroßnoki. »Er war ein stolzer Meister und glaubte, wollte es zeigen, daß beide gleich sind. Und heute zog er ihn an, damit er die Wirkung seines Prachtwerkes genieße.«
»Und wer waren die Besteller?« frug der Szegediner Börcsök. Er dachte bei sich: »Ob es nicht die Unserigen waren?«
»Ich weiß es nicht,« antwortete Czinna. »Auch der Entseelte wußte es nicht. Das Ganze geschah im Geheimen. ›Eine weit liegende Stadt‹, mehr sagte er mir nicht.«
»Die Stadt müssen wir auffinden,« meinte Herr Agoston traurig.
»Wir werden sie finden,« sagte mit dumpfem Ton der Oberrichter. Dies war sein erstes Wort während des Geständnisses.
»Dies wird der Fall sein, wenn es eben der Fall sein wird,« meinte Herr Permete mit bitterem Ton, »jetzt aber sind Sie ein Mann beim Urteilsspruche, wenn Sie es zu sein vermögen.«
Es war nicht anders, als wenn Herr Permete frisches Blut in seine Adern gegossen hätte. Ihn, Max Lestyák, fordert man auf, ein Mann zu sein! Seine Augen sprühten Funken.
»Das werde ich auch sein,« sprach er rauh und zog ein mit Siegel versehenes Dekret aus der Tasche. Er stand auf und begann feierlich zu lesen: »Wir Leopold I. von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich ....«
Seine Stimme versagte, sie wurde zum Röcheln, seine Hände zitterten, nach Luft schnappend reichte er das Dekret Herrn Agoston hin.
»Lesen Sie es vor!« Dann setzte er matt hinzu: »Ich bin ja auch nur ein Mensch!«
Wie wenn es ihm aber leid thäte, dies gesagt zu haben, rief er Pintyö zu:
»Man muß die Fenster öffnen. Mir ist nicht gut .... Die erstickende Atmosphäre!«
Herr Agoston verlas unterdessen das königliche Dekret, das auf Diebstahlsfakten und auf Verrat das Standrecht für das Gebiet der Stadt Kecskemét verkündete und den Magistrat von Kecskemét mit dem Blutbannrechte bekleidete.
Es folgt die Abstimmung.
Dem Herrn Poroßnoki gehört das erste Votum:
»Dieses Mädchen hat die Stadt verraten. Ich verurteile sie zum Tode durch das Schwert.«
Nach ihm folgte Herr Börcsök.
»Schwert!« sagte er kurz.
Mollah Cselebit sagte:
»Sie hat es aus Liebe gethan. Sie ist nicht schuldig.«
Nun kam an Herrn Franz Balogh die Reihe:
»Sie wußte nicht, daß für die Stadt ein so entsetzliches Unglück daraus erwachsen konnte. Sie thue Buße.«
Es herrschte eine Stille, daß man das Pochen der Herzen, das Schwirren eines zum Fenster hereingeflogenen Schmetterlings hören konnte. Zwei Voten verlangten den Tod, die beiden anderen beließen das Leben. Es folgte in der Abstimmung der Czegléder Lebzelter, er dachte lange nach, aus seiner Stirn perlte der Schweiß.
»Es wird ein wenig Kerker auch genügen,« stöhnte er.
Diejenigen, deren Herz voller Teilnahme für das Mädchen war, atmeten frei auf, sie wollten nicht, daß diesen herrlichen Hals das Richtbeil vom Körper trenne. Nur Herr Agoston war noch zurück.
»Tod!« rief er rauh.
Wieder standen die Voten gleich. Der Präsident hatte zu entscheiden. Welch' fürchterliche Scene! Der Oberrichter erhob sich mit bewundernswürdiger Seelenruhe: elastisch dehnte sich seine Gestalt, er nahm den neben seinem Säbel liegenden Stab zur Hand, und drehte an demselben. Der Stab krachte; er war entzweigebrochen.
»Tod!« sagte er vernehmbar und ruhig.
Das Mädchen sah ihn entsetzt an, dann stürzte sie mit einem markerschütternden Aufschrei zusammen. Aus den Reihen der Zuhörer tönte Gezisch mit Eljenrufen untermengt.
»Er ist doch ein großer Mann!« flüsterten die Kecskeméter einander zu.
»Ein schlechter Mensch!« murmelte Mollah Cselebit.
Der Oberrichter kümmerte sich um all' dies nicht, er verließ den Richtertisch, jetzt verpflichtete ihn nichts mehr. Er beugte sich über seine Geliebte, hob sie auf, küßte sie und flüsterte ihr ins Ohr:
»Befürchte nichts, ich rette dich.«
»Er hat zwei Herzen,« meinte Herr Permete zu seinen Kameraden.
Und der Mann mit den zwei Herzen verließ den Saal mit sicheren, männlichen Schritten, wie wenn nichts geschehen wäre, dann ging er nach Hause, sperrte sich mit dem geköpften Leichnam ins Zimmer ein und redete stundenlang zu demselben:
»Warum hast du das gethan, warum hast du es gethan? Schau, welch' Unglück du auf dich, auf mich und auf sie heraufbeschworen hast. Du warst kein schlechter Mensch, ich weiß es wohl .... Der Ehrgeiz war dein Henker. Man hat in dir dieses ungarische Ungeheuer erweckt. Aus Ehrgeiz hast du den Kaftan gemacht, aus Ehrgeiz hast du den unsrigen weggegeben. Du hast auch das arme Mädchen mit hineingerissen, wenn du nur dies nicht gethan hättest, ihr Herz war der Hebel. Du hast ihn gefunden. Alles zerfiel. Hier stehe ich gebrochen ... Ich konnte den Schatz nicht ermessen, welchen ich in jenem Mädchen besaß ...«
Dann verfügte er sich in das andere Zimmer und suchte den großen mit Gold gefüllten Korb hervor ...
»Da nimm's hin, Erzsi! Gehe in den Garten und streue es unter das Volk!«
Das weinende Mädchen gaffte und staunte, gehorchte aber dann dem mächtigen Oberrichter der Stadt und streute die funkelnden Dukaten mit vollen Händen in den Sand der Straße, in die Furchen, zwischen das Gestrüpp. Der Oberrichter sah eine Weile vom Fenster aus dem Treiben der Leute zu, wie sie um das Gold drängten und balgten.
Als aber Erzsi zurückkehrte, war er nicht mehr da. Er war nirgends. Wann er weggegangen, wohin er gegangen, niemand, niemand hatte ihn gesehen. In Kecskemét hat keine Seele mehr mit ihm gesprochen.
Für den vierten Tag war Czinnas Enthauptung anberaumt worden.
Drei Tage brachte sie in der Armesünderzelle zu. Sie betete vor dem Kruzifix, auf welchem Tag und Nacht der Glanz zweier Wachskerzen flimmerte.
Diese Zeit reichte für alle Vorbereitungen hin. Die Zimmerleute erbauten das Blutgerüst gegenüber dem grünen Thore des Stadthauses; Paul Fekete war als Vertrauensmann damit beauftragt worden, den Scharfrichter aus Fülek zu holen. (Die Senatoren hatten anderes zu thun, sie forschten in den Kecskeméter Teichen nach dem verschwundenen Oberrichter.)
Endlich am vierten Tage, als von dem Turme der St. Nikolauskirche die neunte Stunde schlug, entstand eine große Bewegung in der versammelten Volksmenge. Es erklang die Armesünderglocke.
Jetzt bringt man Czinna auf den Richtplatz. Sie ist mit einem einfachen weißen Rock bekleidet, welchen fast ganz das aufgelöste lange Haar bedeckt.
Dem wird gleich Gáspár Szekeres, der Barbier abhelfen. Flugs war er mit seiner Scheere zur Verurteilten geeilt und mit einem Schnitt war es um das schöne Haar geschehen ... damit's den Scharfrichter nicht in seiner Arbeit hindere. Dann stellte sich Franz Kriston auf einen Stuhl und verlas das Todesurteil.
Nun ergriff Pater Bruno das Mädchen bei der Hand, um es auf das Podium zu führen, wo der Scharfrichter wartete, das scharfgeschliffene Richtschwert in der einen, die weiße Binde in der anderen Hand haltend. Damit werden ihr die Augen verbunden.
»Entsetzlich, das mit anzusehen!« sprach Frau Paul Nagy und schloß die Augen.
»So schön und sie muß sterben –« seufzte Gerson Zeke.
»Noch einen Augenblick,« erklärte Frau Fábián, »– und es giebt ein heiratsfähiges Mädchen weniger.«
»Die sind noch immer dicht genug gesäet,« meinte Johann Szomor.
»Noch nie habe ich eine solch' traurige Exekution mit angesehen,« sagte Stefan Tóth mit wichtiger Miene, »und doch habe ich schon viele gesehen. Erstens giebt es kein einziges nasses Auge. Auch der alte Bürü ist schon eine ganze Woche fort mit seiner Fiedel. Zweitens ist in diesem Falle von nirgendsher das Wehen des Gnadentuches zu erwarten; drittens ....«
Er hatte keine Zeit, den begonnenen Satz auszusprechen, denn eine große Staubwolke entstand auf der Czegléderstraße, schmucke Kuruczen-Hußáren mit gezogenem Säbel stürmten mit großem Schlachtenlärm zum Richtplatz heran. Voran einige mit herabgelassenem Helmvisier, auf schönen Pferden.
»Der Feind, der Feind!« schrie die Menge und zerstob in alle Windrichtungen.
Eine große Verwirrung entstand. Pater Bruno sprang vom Podium herab und mit klappernden Zähnen stürzte er dem Stadthause zu:
»Es wird das ein Wunder sein. Um mich kommt man, man führt mich schon weg!«
Auch die Senatoren suchten ihr Heil in der Flucht. Der Scharfrichter ließ das Richtschwert fallen, auch er flüchtete.
Das Ganze war das Werk eines Augenblickes; der eine gepanzerte Krieger erklomm im Nu mit seinem Rosse das Blutgerüst und schwang das Mädchen wie eine Feder in den Sattel. Niemand stellte sich ihm in den Weg, niemand fragte, was er wolle? Auch er fragte niemand, ob es erlaubt sei. Die kleine Abteilung verschwand, wie sie gekommen, in einer Nebengasse.
Langsam kamen die erschreckten Einwohner wieder hervor. Die Senatoren freuten sich, daß man nur Czinna mitgenommen und sonst nichts. Es sei kein Schade um das Mädchen.
Der Henker machte ein saures Gesicht; man möge ihm Arbeit geben, da er sich von so weit herbemüht hat.
Viele, die hinter den Umzäunungen die Szene mit angesehen hatten, schwuren bei Himmel und Erde, daß der Held mit dem herabgelassenen Helmvisier, der auf das Blutgerüst gesprengt war, niemand anders sei, als Max Lestyák. Man erkannte ihn an seiner Gestalt, an seinen Bewegungen, an seinen glänzenden, nußbraunen Augen. Man suche ihn nicht im Wasser des stillen Teiches.
Frau Johanna Deák, die eine vertrauenswürdige Person ist, hörte, wie Czinna dem Helden unterwegs zuflüsterte:
»Wirst du noch einmal warten, bis mein Haar wieder gewachsen ist?«
Der Held antwortete ganz vernehmlich:
»Nein, Czinna, nein, ich warte nicht.«
Ob es so war, oder nicht, der Himmel weiß es. Von diesem Tage angefangen aber suchte man Max Lestyák nicht mehr unter den Toten, sondern erwartete ihn täglich zurück.
Wenn er verschwand, so hatte er wohl seinen Grund dazu gehabt. Er ging den Kaftan suchen und nahm auch seine Braut mit. Was ist da weiter dabei! (Er hat gut daran gethan.)
Einmal, Ihr werdet es sehen, wird er wieder nach Hause kommen auf einem Eisenschimmel mit goldenem Zügel, den Kaftan umgeworfen. Einstens, wenn eine große Gefahr Kecskemét bedrohen wird, kommt er nach Hause, setzt sich in den Oberrichterstuhl und fährt wie ein Blitz zwischen die Feinde.
Sie warteten lange, lange. Auch jene sind schon ausgestorben, die als Kinder dem Kaftan nachgelaufen sind, jedoch auch die Enkel der Enkel harren noch immer seiner Heimkehr.
Ende.
- [1]
- Labanzen und Kurutzen waren ungarische Soldaten.
- [2]
- Zwischen Nagy-Körös und Kecskemét herrscht seit Jahrhunderten eine kleinliche Rivalität.
- [3]
- Hoch!
- [4]
- Komitats-Polizisten.
- [5]
- Mänteln.
- [6]
- Eine Art Weste.
- [7]
- Eine Niederlassung.
- [8]
- Pferdehirten.
- [9]
- Ungarische Dichter.
- [10]
- Eine ungarische Masseuse.
- [11]
- Ungarischer Pelz.
- [12]
- Kuchen aus Maismehl.
- [13]
- Onkel oder dem Sinne nach, Gevatter.
- [14]
- Ein Fürst Siebenbürgens.
- [15]
- Ungarische Nationalspeise.
- [16]
- Berittene städtische Beamte.
- [17]
- Volksküche.
- [18]
- Etwa »Onkel Lestyák!«