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Die Anthropophagie

Chapter 2: Vorwort.
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About This Book

The study differentiates incidental survival cannibalism from habitual, culturally sanctioned practices and restricts its focus to the latter, aiming to document facts, stages, and causes. It surveys possible prehistoric evidence and survivals in folklore and classical reports, then proceeds to a systematic, region-by-region ethnographic account of contemporary instances across Africa, Asia, Oceania, Australia, and the Americas. Varieties of practice, ritual contexts, and motivating factors are catalogued and compared. The work concludes by synthesizing these materials to explain reasons for persistence, variation, and the observed decline of such practices in the face of external influences and social change.

Vorwort.

Bei der Anthropophagie ist zu unterscheiden zwischen der zufälligen oder notgedrungenen und der gewohnheitsmäßigen. Die erstere, welche infolge von Hungersnot, bei Belagerungen, Schiffbrüchen u. s. w. überall und zu allen Zeiten vorkommt, ist hier ausgeschlossen. Sie bietet kein ethnologisches Interesse. Zur Darstellung soll dagegen die gewohnheitsmäßige Anthropophagie gelangen, welche einen Teil der Sitten eines Volkes ausmacht. Mit dieser allein habe ich es zu thun; die Thatsachen sollen möglichst vollständig vorgeführt, die verschiedenen Stufen und die Ursachen, die gleichfalls sehr mannigfacher Art sind, erläutert werden. Zunächst behandle ich die Anthropophagie in vorgeschichtlicher Zeit, woran sich eine kurze Übersicht der alten geschichtlichen Nachrichten über den Kannibalismus anschließt, kurz deshalb, weil dieses Thema bereits wiederholt bearbeitet worden ist. Es schließt sich daran ein Kapitel über die anthropophagen Überlebsel Europas, über dasjenige, was in Sagen, Märchen, Volkssitten und Aberglauben auf ehemaligen Kannibalismus in Europa schließen läßt. Dann folgt jener Teil meiner Arbeit, auf welchen ich den Nachdruck lege: die heutige Verbreitung und Ausübung der Anthropophagie, wobei die Thatsachen in geographischer Ordnung vorgeführt werden. Eine Ableitung der Ergebnisse aus dieser Stoffsammlung ergiebt sich dann von selbst und die verschiedenartigen Beweggründe, sowie die allgemeinen Betrachtungen über die noch bei Millionen heute herrschende Menschenfresserei, das allmähliche Schwinden derselben, gleichlaufend mit dem Vordringen der europäischen Einflüsse und unserer Civilisation, können klar gelegt werden.

Bereits in den Mitteilungen des Vereins für Erdkunde zu Leipzig 1873 habe ich eine Abhandlung über die Verbreitung der Anthropophagie veröffentlicht, welche der nachstehenden Darstellung zu Grunde liegt. Seit jener Zeit hat sich der Stoff gehäuft, es sind nicht nur zahlreiche Belege, namentlich Afrika betreffend, hinzugekommen, sondern auch die Frage nach der prähistorischen Anthropophagie ist jetzt eingehender erörtert worden, als es nach dem damaligen Stande der Wissenschaft der Fall sein konnte. Da jene kleine Abhandlung oft verlangt wurde und an einem weniger zugängigen Orte sich befindet, so habe ich mich entschlossen, dieselbe in ausführlicherer und mit den neuesten Ergebnissen der Wissenschaft vermehrter Form hier wieder zu veröffentlichen.

Leipzig, im Juli 1886.

Dr. R. Andree.