Die Zurückgebliebenen freuten sich lärmend, Dinkl zahlte eine Runde. Den Jauner hatte es! Jetzt ward er abgestochen wie das Ferkel hier. Ausgekegelt war er, wie das Ferkel!
Dies hörte Balrich, trübe schweigend, mit an. So wußten sie nichts und kannten noch nicht den Lauf der Dinge. Was hatten sie denn auch erfahren. Sie waren, nicht ausgesondert, in ihrer Seele angetastet und die schwere Nacht der Selbstprüfung allein gelassen mit ihrem Gott. Sie kamen nicht zurück dorther.
Er versuchte sich; was taten alle diese, wenn drinnen ihre Schwester —. Die? Sie würden es sich gefallen lassen wie Polster — vielleicht noch stolz. Nein! So waren seine Klassengenossen nicht. Herbesdörfer an seiner Stelle ging und schlug ihn nieder, den Hund! In Scham und Zorn machte er sich auf.
Drinnen drehte es sich noch immer, eingeschlafen und von der Welt vergessen. Die Musik spielte wie in dem Karussell, wie für Tiere aus Holz. Balrich sah seine Schwester, die Augen geschlossen, im Arm ihres Herrn immerfort rundum wanken. Ihre Schenkel und seine lagen fest aufeinander, nur die Füße bewegten sich und lebten. Er wäre dazwischen gestürzt, aber sie hielt die Augen geschlossen, wie durfte er sie wecken.
Der Tanz endete, Balrich sagte ihrem Herrn, er werde seine Schwester um den nächsten bitten, — und der nächste begann schon. Er führte sie und sagte:
„Du bist schöner heute als sonst, woher kommt das?“
Sie lachte schläfrig. Am Rande des Saales begegnete er dem flehenden Blick der armen Thilde. Er lachte auf, so schmerzlich wild, daß Leni endlich ihn ansah.
„Ich denke immer,“ sagte er an ihrem Ohr, „dies ist dein Fest, deins allein — auf Villa Höhe, und die Herrin bist du.“
„Wer weiß,“ flüsterte sie und öffnete ihren Goldblick. Sie lachte, den Kopf im Nacken, er pfiff die Musik mit, und sie begannen zu schaukeln.
„Mit Blumen bewerfen sie dich auch,“ bemerkte er zwischen dem Pfeifen. Sie erschrak lachend, denn wirklich, eine Rose fiel ihr auf das nach oben gewendete Gesicht. Da sah er, Horst Heßling war es, er griff in den Korb der Blumenverkäuferin, warf nach ihr und traf sie immer. Er hatte eine selbstsichere Miene. Balrich, im Tanzen, stieß hervor:
„Sieh dich nicht um! Du hast ihn schon zu viel angesehen. Du wirfst dich weg, woher ist dein Kleid, du bist eine Dirne, unsere Schande, ich laß dich bessern in einer Anstalt.“
„Und du? Aus welcher kommst du?“ sagte sie ihm frech in die Augen, und hatte an der Nasenwurzel dieselbe Falte wie er.
„Grade du!“ Sie strebte fort von ihm, aber er zwang sie, weiterzutanzen. „Du als erste sagst mir das, — und ich war dort, weil ich nicht will, daß ihr Bettler und Dirnen seid.“
„Wenn ich aber eine sein will?“
Da zwang er sie nicht weiter. „Geh!“ schnaubte er; aber jetzt blieb sie, und beide aus ihren weißen Gesichtern schnaubten sie und kamen nicht los. Der Bruder sagte endlich:
„Danke Gott, daß ich — dorther — komme. Dann ist alles arm und kurz, man hat Mitleid. Sonst schlüge ich dich nieder.“
Horst Heßling trat herzu, er hatte gehört. „Aber Herr Balrich! Sie als zukünftiger Akademiker! Aus der moralischen Enge Ihrer bisherigen Klasse müssen Sie doch auch bald heraus sein.“
„Gedulden Sie sich noch etwas!“ sagte Balrich, und drehte den Rücken.
Draußen bei den Männern ging es still zu. Niemand kegelte, sie standen in einem Halbkreis um den Oberinspektor, — aber auch Jauner war wieder da. Jauner ohne Handschellen, ohne Gendarmen, Jauner mit dem Gesicht der triumphierenden Unschuld. Der Oberinspektor hatte ihnen erklärt, daß irren menschlich sei, und zusammen mit dem ganz vertatterten Kraft Heßling ging er seiner Wege. Jauner, möglichst unscheinbar, machte sich hinterher.
„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben,“ versicherte Herbesdörfer. „Den trifft es.“ Und hinter seinen runden Gläsern glotzte er fanatisch.
Wie sie es nur hätten machen können, fragten die anderen. Dies wußte auch er nicht. Es schien, Kraft Heßling bei der Untersuchung gab an oder stotterte etwas, das der Oberinspektor so auslegte, als habe der Herr Kraft den Jauner beauftragt, in seinen Rock zu greifen und ihm die dritte Zigarettentasche zu bringen. „In der Faust aber, als ich ihn faßte,“ schwur Herbesdörfer, „hat er die Brieftasche gehalten; — und da haben die Lumpen getan, als wüßten sie es nicht mehr, und haben nach Villa Höhe telephoniert.“
„Was?“
„Das kann ich nicht wissen, ich mußte hinausgehen . . . Aber sie haben untereinander geflüstert, und auf den Jauner, das ist gewiß, haben sie eingeredet, bis er ganz hin war. Wie sie herauskamen, hat er geschlottert.“
Da sahen alle zu Boden, — und als sie, einer nach dem anderen, sich ihre Blicke zeigten, las jeder: „Wir sind verraten.“
„Den trifft es,“ wiederholte Herbesdörfer.
Ein Stück vor ihnen den Balrich, wie er die Stirn gesenkt hielt auf seine verschränkten Arme, den streifte jeder nur, scheu, ahnungsvoll. „An dem geht es aus. Sie haben ihn schon verrückt machen wollen, weil sie nichts wußten. Jetzt wissen sie es, was werden sie ihm noch antun.“ Die Arbeiter trennten sich, jeder für sich allein bedachte, was bevorstand. Aber begegneten sich zwei, sagten sie heimlich: „Der macht es doch.“
Indessen schien es, daß die Musik im Tanzsaal immer lauter ward, und jetzt, was war dies, kam sie leibhaftig aus der Kantine. Die Musikanten waren rot wie Zinnober, manche auch schwitzten bleich, und alle, wie auf Befehl im Parademarsch, warfen die Beine. Ein Abstand, — dann aber, man wollte es nicht glauben, ein Paar, Leni Balrich mit Horst Heßling. Die Köpfe erhoben gegen alle die Blicke, tanzten sie hervor. Leni raffte den Rock bis zum Knie, und so, mochten doch alle um sie her zusammenlaufen, tanzte sie in den Staub . . . Ihnen nach, andere Tänzerpaare, puppenhaft springend, als müßte es so sein, mit Gesichtern, die selbst nicht wußten, was vorging.
Die Arbeiter vom Kegelklub wichen, machten freie Bahn, — und über die Bahn lief eilends das Kegelschwein, verfolgt vom Fluchen und Gelächter. Die Tänzer ließen sich nicht stören, drehten sich, verbreiteten Staub; und Staub verbreiteten die Kinder, die vom Karussell herbeiflogen und sich drehten. Hurra! schrien noch die Leute und verschwanden schon im Staub, worin unsichtbare Hunde kläfften und die Tanzmusik mit der des Karussells irr und wild ineinander verbissen waren. Dazu, vom Neubau herab, von den Witzbolden sausten Hüte in die quirlende Menschheit, — indes erhaben über sie, aus seinem Dachfenster der wissende Geist Klinkorum sie verachtete wie noch nie.
Von der Friedhofsmauer die Trinker winkten mit Flaschen, was die Musikanten bestimmte, die Beine dorthin zu werfen. Auf, hinterdrein, Sprung, Schleifschritt, Schleifschritt, Sprung, und vom Friedhof winken die Flaschen. Wer stößt da, man sieht ihn nicht? drängt sich hindurch nach der Gegenseite? Verschwindet? . . . Leni, die Augen geschlossen, tanzte, vorbeigeführt von ihrem Tänzer an den Steinen, an dem Kot . . . Da hob er sie, sie sah, in ein Auto. Sie war gefangen in ihrem engen Kleid, er hob sie hinein. Los!
Von rückwärts aber, glatt wie eine Katze, stieg im Fahren noch einer ein. Schwingt sich hinein, stößt zu. Horst Heßling fand sich plötzlich neben seinem Bruder Kraft auf dem Rücksitz, und bei Leni saß Balrich. Horst rief Halt; — aber kaum stand der Wagen, bedachte er die verbogene Mütze des Menschen dort, seine pathetisch eingesunkenen Züge, dies Halstuch; und er folgte dem Angstgeflüster Krafts: „Fange nichts an mit dem Apachen!“ — „Weiter!“ befahl er.
Balrich griff an die Mütze und bemerkte fest:
„Wenn Sie mit meiner Schwester wegfahren, muß ich mit.“
„Ein Familienausflug,“ sagte Horst, mit leichter Verbeugung.
Aber Leni, aufschluchzend, aufglühend, warf um den Bruder die Arme, drückte die nassen Augen an ihn, küßte ihn, welch ein Kuß! „Glückliche Fahrt,“ fühlte der Bruder. „Ich bin stark, stehe ein für meine Schwester; und weil ich gefürchtet werde, liebt sie mich.“
Leni fühlte: „Er schenkt mir Villa Höhe, wer weiß. Er ist so stark,“ — indes Horst erwog: „Peinlich. Ändert aber nichts,“ und Kraft nur Angst hatte.
Der Tannengeruch von Villa Höhe sauste ihnen um die Gesichter; da war sie. Kraft verlangte dringend zu halten, noch vor dem Gitter. Er war ausgestiegen, und Balrich hob Leni heraus, so mußte der junge Horst, trotz seinem Rausch, es wohl aufgeben, kühn einzufahren mit seiner Eroberung auf den Grund seiner Väter. Auch hörte er keine Stimmen, nur vor der Terrasse sonnte sich noch die kleine Person der Anklam. Auf sie ging Horst zu. Quer über den Rasen, Leni entgegen, rannte Hans Buck. Balrich ließ die zwei allein zusammenstoßen, er blieb zurück, und in eine beschnittene Hecke gedrängt, verfluchte er sich, der nur als Herrin seine Schwester hier einzuführen einst schwur . . .
Hans, mit fliegender Stimme: „Leni! Ich habe meiner Mama versprochen hier zu bleiben, sonst wäre dies nicht geschehen. Leni! Wie konntest du dies tun.“
„Mein Bruder ist bei mir,“ hörte Balrich in seiner Ohnmacht.
„Leni! Siehst du es nicht? Horst will dich verderben. Denkst du wirklich, er liebt dich?“
Leichtes Lachen Lenis. Hans wimmerte auf; dann, entsetzensvoll geflüstert:
„Er bringt euch her, damit ihr entlassen werdet aus der Fabrik. Das wollen sie hier, sie wollen einen Skandal, ihr sollt vernichtet sein — und du, Leni, ihm ausgeliefert!“
Der Knabe bedeckte die Augen.
„Ich nur muß alles sehen — und soll nichts tun können?“
Schritte, die kamen.
„Sieh die Frau dort bei ihm! Sie will er eifersüchtig machen mit dir. Sogar dazu bist du hier!“
Wieder ihr leichtes Lachen, — Hans sprang auf. Frau von Anklam hatte den Arbeiter im Busch entdeckt, Horst kam ohne sie daher. Hans sprang zu, an die Kehle dem da, unwiderstehlich im Krampf. Bevor Horst es noch wußte, lag er, und das Gesicht ward ihm in den Kies gedrückt. Hans stand stürmisch vor Leni.
„Liebst du ihn noch jetzt?“
„Weder ihn, noch dich,“ sagte sie. „Denn“ — mit einer Bewegung im Kreis, erblaßt und sehr frech: „Wer von euch schenkt mir das?“
Da ließ der Sechzehnjährige die Stirn sinken. Senkrecht aus seinen Augen fielen die Tränen, so ging er fort.
Horst inzwischen tilgte, wie er es nannte, die Spuren der ruhmreichen Szene. Von den Kieseln trug er Male wie Pockennarben, so bot er Leni den Arm. Grade traf auch die Anklam ein, geführt von Balrich. Der Arbeiter und seine Schwester, einander gegenüber, sahen sich scheu an, der Gent und die Dame sich mit Bedeutung.
„Sie, Horst,“ sagte die Anklam, „Furcht erregen Sie nun einmal nicht. Wo Gefahr ist, bleibt ein Rest; mysteriöser Rest;“ — wobei sie den Kopf mit Ironie geneigt hielt gegen die Schulter Balrichs. Und Horst Heßling, über Leni ironisch geneigt: „So ist es.“
Die Geschwister fühlten: „Die Herrschaften, weil wir da sind, machen sich zueinander mehr Lust.“ — Nur wagten sie keinen Widerspruch.
Einem Diener, der droben hervorkam und sich fächelte, befahl Horst mit Kommandostimme, Tee zu servieren auf der Terrasse. Vorher fand er es angezeigt, durch den Park zu spazieren. Dieser Meinung war auch Kraft, der sich einfand und an Zuversicht gewonnen hatte. Hohl, aber höhnisch bemerkte er:
„Wer auf eine Besitzung reflektiert, sieht sie sich vorher an.“
Dann machte er sich aber nahe an Balrich heran und sagte nur für ihn: „Hier können Sie mir nichts mehr tun, Sie Muskelmensch, — obwohl ich eigentlich ach so gern Furcht habe.“ Mit weiblichem Ton, wie die Anklam, und sogar ein Schmiegen deutete er an mit der Schulter.
Man gelangte zu einem Brunnen mit Venus, „Göttin der Schönheit und der Liebe, ist ja bekannt,“ erklärte Horst den Besuchern; und gleich darauf zu der „Borkenhütte“. Hier wendete sich Kraft an die Gäste.
„Dies halten wir für den besten Platz zum Aufstellen der Maschinengewehre,“ erklärte er, frohlockend in seinem Verfall.
Zurück vor der Terrasse, fanden sie den Tisch gedeckt, aber schon besetzt. Unter den schaukelnden Rosengewinden lehnten heiter in sanft knarrenden Korbsesseln die Damen Heßling, Mutter Guste, Tochter Gretchen; sodann hatte sich eingestellt Frau Emmi Buck mit ihrem Hans, der sie unterhielt, als sollte sie nichts hören und sehen, — und auch die Anklam war schon da und hatte sicher erzählt, wenn man wüßte was. Horst und Kraft wurden besorgt. Mit seinem Bauch an einer Rosensäule, äugte Klotzsche, Verlobter Gretchens, entrüstet her. Kraft wollte sich drücken; aber Horst, mit einem Stoß, beförderte ihn hinauf. Der Leni hielt er sogar den Arm hin; aber sie nahm ihn nicht.
„Voilà,“ sagte Horst, wie einer im Variété, der fertig ist mit seinem Kunststück. „Unsere Gäste.“
Kaltes Schweigen allerseits. Gretchen kicherte vielleicht, aber bei ihr wußte man nie. Ihr Verlobter, zur Sicherheit, strafte sie mit dem Blick. Emmi Buck, sichtlich bestürzt, zog sich auf ihrem Stuhl zurück bis in die Türnische, — wo auch ihr Gatte erschien, mit einem aufmunternden Lächeln, als sagte er: „Was geschehen ist, ist geschehen.“
Die Anklam gebrauchte ihr Lorgnon, um Ironie und Wohlgefallen zu bekunden. Guste, die Majestät der Versammlung, legte in dasselbe Instrument ihren Zorn und den allerhöchsten Zweifel, ob man sie etwa zu verkennen wage. Aufrecht in ihren Spitzen, Schleifen, Perlen und Steinen saß sie da, Busen und Bauch vereinte das Korsett zu einem einzigen, stolzen Gebilde. Ihre Nase freilich war eine Kartoffel, wie die des Herbesdörfer.
„Mein Sohn,“ herrschte sie. „Was heißt dies, mein Sohn.“ Und bevor Horst sich weiter vergessen konnte: „Deine Mutter verdient mehr Achtung.“
„Mit ihren schneeweißen Haaren,“ bemerkte Gretchen, schleppend, ob infolge von Bleichsucht oder aus Hinterlist.
„Mein Sohn Kraft,“ — Guste mit beringten Wulstfingern winkte ihn heran, „steht allem Unpassenden fern, das weiß ich,“ — wobei das Lorgnon vernichtend auf Leni fiel. Dann hielt sie dem Liebling die Wange hin. „Trinke deine Milch, mein Kraft, du hast dich angestrengt;“ und durch eine Wendung ihres Sessels gab sie zu verstehen, daß der Zwischenfall für sie abgetan sei, sie kehre zurück in ihre wohlgeordnete Welt. Sie übersah es kurzweg, daß jene Person sich setzte, — weil ein Diener, auf wessen Wink wohl, ihr den Stuhl hinschob. Leni ohne Umstände fiel hinein, daß es krachte. „Uff, es war Zeit,“ äußerte sie, wandte die aufgeworfene Nase umher und schlug die Beine übereinander, nicht ohne Mühe in dem Kleid.
Horst, der nichts mehr zu verlieren hatte, brachte ihr selbst eine Tasse Tee, er würde sie auch haben rauchen lassen. Der Rechtsanwalt Buck indessen riet ab; es gebe Grenzen. „Immerhin,“ sagte er zu Balrich, der starr hinter seiner Schwester stand, „Zutritt haben Sie nun schon erlangt.“
„Sie meinen, dabei bleibt es?“ fragte Leni über ihre blonde Schulter. Buck meinte:
„Jetzt setzen wir uns hier in Verteidigungsstand.“
„Nützt nichts,“ sagte Leni.
Aber da erschien auf der jenseitigen Treppe eine Helmspitze. In kriegerische Farben getaucht, folgte das Gesicht des Generals v. Popp, — und unter dem Schutz seiner gepolsterten Schultern der Hausherr.
„Nanu?“ bemerkte der Hausherr. „Hier ist Maskerade?“
„Das wirst du, mein Freund,“ versetzte Guste, und mit königlichem Nicken: „das werden Sie, Exzellenz, genauer unterscheiden können als eine Hausfrau, die noch die altmodische Gepflogenheit hat, ihr Haus reinzuhalten.“
„Und andere. Häuser zu versauen,“ sagte Balrich rauh, und ins Auge faßte er den Sohn Horst.
Der Generaldirektor tat, als erkenne er erst jetzt seinen Arbeiter. „Nun also!“ rief er, erhaben in seinem Hohn. „Da ist er!“
Feixend erklärte er:
„Der will mich vertreiben. Exzellenz verstehen? ’Raus aus Gausenfeld, ’raus aus Villa Höhe. Ich soll Lumpen sammeln.“
„Komischer Kauz,“ sagte der General, ernst wie ein Nußknacker. Der Generaldirektor war weiter erhaben:
„Vorläufig studiert er für mein Geld, dann aber kommt über mich das Gericht.“
„Die Leute haben Begriffe,“ äußerte Guste. „Es kommt von der Religionslosigkeit;“ — und sie wandte sich weg. Klotzsche, Verlobter Gretchens, bestätigte es, auch er sah weg.
„Ach du mit deinem Bauche,“ äußerte Gretchen schleppend und musterte den Bauch. „Du bist nun freilich kein Freigeist, in keiner Beziehung;“ — und nur ahnen konnte Klotzsche, in welcher Beziehung.
Der General besah mit blutigen Glotzaugen zuerst die reiche Familie, dann den Proletarier. Zuletzt fragte er unbeteiligt:
„Was denkt er sich eigentlich, der komische Kauz?“
Nur seine Nichte Anklam erklärte hierauf, sie verstehe vollkommen.
„Ich will nichts Unrechtes,“ versetzte Balrich fest. Da hielt Heßling sich nicht länger. „Nein!“ schrie er. „Köstlich! Das heilige Eigentum bedrohen!“ Die Erhabenheit war fort, dringend sah er umher nach Zeugen und hielt sich an den General. „Das heilige Eigentum, auf dem egal der ganze Staat ruht!“
„Wenn es angemaßt ist,“ behauptete Balrich. Der General sagte: „Komischer Kauz. Hat er gedient?“
Heßling war so sehr außer sich, daß er dem hohen Herrn dazwischenfuhr. „Mich läßt es kalt,“ brüllte er schlagflüssig, „was den Menschen auf seinen Irrsinn gebracht hat.“
„So sehn Sie aus,“ sagte Leni mit ihrer klaren, eindeutigen Stimme, und auf ihrem Stuhl schaukelte sie sich.
„Das Irrenhaus hat er schon hinter sich,“ brüllte Heßling. Leni sagte klar: „Sie noch nicht. Aber die Vorfreude ist das Beste.“
Horst sowohl wie der Rechtsanwalt Buck ermahnten sie dringend, sich zu mäßigen. Von der Tür her der junge Hans lächelte sie selbstvergessen an. Guste zuckte beleidigt mit dem Rücken. Ihre Tochter Gretchen aber, trotz Katerblicken Klotzsches, rückte wie im Traum immer näher zu Leni.
Heßling wollte weiterbrüllen, seine Stimme überschlug sich, und dann klang sie gequält.
„Mich interessieren seine Geheimnisse nicht. Ich schmeiß ihn ’raus, und die Sache ist behoben.“
„Sie schmeißen mich nicht hinaus,“ Balrich zeigte seine guten Zähne. „Denn Sie wollen mehr wissen, als Ihre Spitzel Ihnen zutragen.“
Da Heßling nach Luft schnappte:
„Sie sind schon ganz krank, weil Sie die Hauptsache nicht wissen. Aber ich will Sie nicht krank machen,“ sagte er finster, „obwohl Sie mich haben verrückt machen wollen.“
Einen äußersten Augenblick zögerte er, — dann ein Griff in die Tasche, er hielt dem Heßling ein Stück Papier hin.
Heßling las, Balrich folgte finster seinen Augen. v. Popp inzwischen sagte zu der Allgemeinheit:
„Ihr Zivilisten seid komische Käuze. Das ist doch Rebellion. Da schlägt man doch mit der eisernen Faust drein!“ Er schwoll rot an. Der Sohn Kraft aber schlug wirklich los. Bitterböse schlug er auf den Tisch zwischen die Teetassen. Sie klirrten leicht, — indes Kraft erschöpft in sich versank.
Der Generaldirektor nahm den goldenen Zwicker wieder herunter. „Da, stecken Sie Ihr Eigentum wieder ein,“ sagte er kurz ablehnend. „Der Brief ist natürlich unecht.“
„Das mußten Sie sagen,“ meinte Balrich.
„Gefälscht! Erstunken!“ . . . Heßling sammelte sich. „Sollte er indes für echt erkannt werden, kann ich beweisen, daß der Schreiber mein persönlicher Feind war. Wie?“
Er wandte sich an seinen Schwager Buck.
„Du wirst es bezeugen. Dein Vater ist von mir gestürzt und erledigt worden, daher war er mein Feind.“
„Einwandfreie Beweisführung,“ sagte der Rechtsanwalt gelassen.
„Komm fort!“ sagte sein Sohn Hans zu der Mutter; aber sie hielt still, die Stirn in der Hand.
„Hier,“ erläuterte Heßling, „vorgeblich vor mehr als dreißig Jahren, schreibt der alte Buck einem gewissen Gellert, daß mein verehrter seliger Vater, verstehen Sie,“ erklärte er dem General, „sich zu dem Kapital bekennt, das der gewisse Gellert in sein Geschäft eingelegt haben soll. Haha, wer lacht da.“
Der General v. Popp war es nicht, der lachte. Er ließ sich den Brief reichen, sah ihn an und äußerte streng:
„Wenn es aber wahr ist?“
„Sind Sie —“ Heßling verbesserte sich. „Exzellenz scherzen.“ Er lächelte vertraulich, ungeachtet einer gewissen Beklemmung. „Den Brief hat der ehrliche alte Buck selbstverständlich nicht vor dreißig Jahren geschrieben, sondern viel später, als er Grund hatte, sich an mir zu rächen, — und hat ihn vordatiert.“
„Das müßten Sie aber beweisen,“ sagte v. Popp streng, — und die Beklemmung Heßlings war nicht länger zu unterdrücken. Er erstarrte am Fleck, wo er stand. Alle anderen, wie sie dasaßen oder an den Säulen lehnten, schienen mit offenen Augen in Schlaf gesunken, selbst die Rosenkränze schaukelten nicht mehr auf der schimmernden Terrasse des Dornröschenschlosses.
Der Generaldirektor nahm einen Anlauf.
„Der Alte lügt, soviel ist sicher.“
Da sagte Hans Buck, so hell und ungehemmt wie Leni:
„Nicht mein Großvater, du selbst lügst.“
Der Generaldirektor lachte plötzlich auf; seine Frau fürchtete schon, ihm sei etwas zugestoßen. Er zuckte aber die Achseln.
„Ich soll beweisen, meinen Exzellenz? Ich? Um Vergebung, der alte Herr da in seinem werten Grab soll beweisen, was er behauptet. Lügt er nicht, dann muß er in seinen hinterlassenen Papieren das Schriftstück haben, worin mein hochverehrter Herr Vater sich zu dem Gellertschen Gelde bekennt.“
Sieghaft sah er umher, auf Balrich stoßend aber erschrak er. Balrich sagte hart, mit Richterstimme:
„Das Schriftstück ist da, ich habe es.“
Bewegung. Der General wiederholte: „Er hat es;“ und seine Miene forderte den reichen Mann auf, sich zu verantworten. Der aber behielt den Mund offen, und es schien, er schwankte . . . Diederich Heßling erkannte viel in diesem Augenblick. Sein Schwager Buck, nur er hatte die alte Handschrift seines hochseligen Herrn Vaters dem Proletarier ausgeliefert, — der nun dastand und forderte. Der General aber, deutlich genug, findet mich zu reich, zu mächtig, und mit Vergnügen sieht er den bedroht, bei dem er schmarotzt hat. Die Menschen bereiten selbst dem Besitzenden, der sie kennen sollte, immer neue Enttäuschungen, es sei denn, er begebe sich jedes Idealismus . . .
Er blitzte dorthin, wo sein Schwager weich und ergeben das Weitere erwartete. „Wir rechnen ab!“ blitzte er, und wendete sich fort um zu schnaufen, sonst konnte bei Gott ein Unglück geschehen. Fassung! Kraft gesammelt für den Kampf, den sie mir aufzwingen! Sie greifen an meine Wurzeln, es geht um mein Dasein, sie sollen mich kennen lernen!
So gefestigt, zeigte er wieder sein Gesicht; den Arbeiter traf es zuerst.
„Sie da! Kommen Sie weiter! Ehre, wem Ehre gebührt.“
Am äußersten Rande der Terrasse sagte er zu Balrich, halblaut und gemessen:
„Sie sollten sich überlegen, was Sie tun.“
„Ist geschehen,“ sagte Balrich.
Hierauf maßen die Gegner sich noch einmal.
v. Popp inzwischen bemerkte vor der Hausfrau: „Nette Geschichten hier!“ — in einem Ton, als sei er hier mißbraucht worden. Die Anklam gab mit ihrem Lorgnon dem Sohne Horst dasselbe zu verstehen.
Guste wahrte ihre Majestät. „Was will man geltend machen? — Märchen,“ entschied sie. „Große Vermögen sind immer beim Volk umwoben mit Legenden.“
Der Generaldirektor, gemessen zu dem Arbeiter:
„Was wahr ist, lieber Freund, entscheiden niemals Sie. Das wird entschieden von dem Nutzen, den es bringt, und von der Macht, die ich habe.“
Assessor Klotzsche, von Guste stumm angeherrscht, tat das Seine.
„Exzellenz glauben doch nicht,“ keifte er, den Bauch schlenkernd, „ein Gericht wird sich finden, das die Klage auch nur zuließe? Klatsch und falsche Papiere gegen die wohlbegründeten Mächte? Da sind wir denn doch,“ Klotzsche rollte die blassen Augen, „zumindest eine so eherne Mauer wie Sie, Exzellenz!“
Der Generaldirektor, gemessen zu dem Arbeiter:
„Sie bringen nicht nur sich ins Elend. Denken Sie an Familie und Genossen.“
„Ist bedacht.“
„Dann sehen Sie mich an, wo ich stehe. Ich bin reich. Ich bin Stadtrat und Geheimer Kommerzienrat. Der Herr Regierungspräsident hat mir den Orden hier angehängt. Über das alles müßten Sie weg, — und dann bleiben noch die Richter,“ Wink auf Klotzsche, „und,“ neuer Wink, „die Herren mit dem Säbel . . . In Ihrem Interesse fordere ich Sie auf, mir den Brief meines seligen Herrn Vaters auszuliefern.“
„Den brauche ich,“ sagte der Arbeiter.
v. Popp sagte:
„Eherne Mauer? Komischer Kauz. Das hängt immer von den Gründen ab, die man hat, ehern zu sein.“
„Die Welt!“ seufzte ironisch die Anklam. „Sie ist so mißtrauisch und an das Böse zu glauben leider sehr geneigt.“
Gretchen, mittlerweile ganz nahe bei Leni, streckte ihren langen Hals vor, und unter dem Katerblick Klotzsches wisperte sie bleich:
„Wollen Sie Kokotte werden?“
„Dummes Luder!“ erwiderte Leni; und Gretchen, die Augen verdreht:
„Es muß reizend sein.“
„Also nicht!“ stellte der Generaldirektor fest. „Ihr Wille. Sie haben das Dokument gestohlen, ich zerschmettere Sie.“
„Ihnen glaubt man auch nicht alles,“ sagte der Arbeiter, — und Heßling fühlte, eben dies lag zutage in der Haltung v. Popps, wie auch in den peinlich berührten Mienen der Seinen. Dieser Vorwand, elend wie er war, der Welt kam er dennoch gelegen, den Neidern, den Erpressern . . . . Da sagte der Blick seiner alten Guste ihm, was der seine ihr; sie verstanden sich. „Vorsicht! Ballast auswerfen!“
„Hier sind hundert Em,“ — und er drehte den Arbeiter am Arm herum, niemand sah sie.
„Blödsinn,“ — und der Arbeiter kehrte in seine Stellung zurück.
„Tausend,“ bot Heßling geschäftsmäßig. Balrich, finster lächelnd:
„Sehen Sie wohl? Sie müssen daran glauben.“
„Zweitausend?“ bot Heßling, und erfaßt von Spielerangst:
„Fünftausend . . . Mein letztes Wort: zehn.“
Immer nur finsteres Lächeln und Kopfschütteln; — ermattet fragte Heßling:
„Ja, was wollen Sie denn?“
„Das Ganze,“ sagte Balrich. „Aber nicht geschenkt.“
„Sie sind verrückt!“ Der Generaldirektor fuhr auf; dann ward er kleiner und lallte.
„Sie erreichen nichts, wenn Sie Lärm machen. Ich, hier, heute, biete hunderttausend. Schluß.“
Guste dahinten machte sich süß. „Liebe Frau v. Anklam, Ihre Perlen, ein Zauber,“ — obwohl sie falsch waren. Die Anklam sagte ironisch:
„Und Ihre, sind sie echt?“
Guste hüpfte auf, ließ sich aber mit Majestät wieder auf den Sitz.
„Versuchen Sie doch!“ Gnädig hängte sie selbst der Person die Schnur um. Der kleinen Anklam hing sie bis zwischen die Kniee.
„Nun?“ fragte Guste.
„Wirklich sehr nett,“ sagte die Anklam. „Onkel Popp, was meinst du?“
„Firlefanz,“ sagte v. Popp, aber man merkte, in der rauhen Schale stak ein weicher Kern.
Dort vorn der Generaldirektor sah es, Guste kam zum Abschluß. Da schlug er einen anderen Ton an.
„Jetzt schlagen wir einen anderen Ton an,“ verkündete er. „Bisher habe ich mit Ihnen sozusagen verhandelt.“
„Und haben hunderttausend Mark geboten.“
„Weil ich sehen wollte, wie weit Ihre Frechheit geht. Jetzt verhandle ich nicht, ich bin dein Vorgesetzter und befehle: Stramm stehen! Her mit dem Brief!“
Der Rechtsanwalt Buck hatte es sich zur Aufgabe gemacht, besänftigend einzuwirken auf Leni, die schon mehrmals vom Stuhl aufspringen und Lärm schlagen wollte. Jetzt begab er sich in kleinen Schritten nach der Türnische, zu seiner Frau. Er hob ihr die Stirn aus der Hand; bittend suchte er ihre Augen. Der junge Hans, wie er dies sah, ging beiseite.
„Ich habe uns in eine schwere Gefahr gebracht,“ sagte Buck seiner Frau ins Ohr. Sie sah ihn an mit Bewunderung.
„Du warst es wirklich, der dem Arbeiter geholfen hat?“
„Gegen deinen Bruder.“
„Er kann es tragen.“
„Aber wir?“
Sie fragte schüchtern lächelnd:
„Sind wir verloren? Wenn Diederich von uns die Hand zieht?“
„Wir werden nachlassen müssen von unseren Ansprüchen.“
„Gern.“
„Ich — nicht gern. Auch werde ich ihn wohl am Seil behalten. Nach wie vor wird er alles aus schlechtem Gewissen tun, — weil zu viele sich erinnern, wie er meinen armen Vater in den Sumpf manövriert hat. Ich war für ihn eine Mahnung. Künftig werde ich auch eine Drohung sein,“ — wobei sein dickes Schauspielergesicht wirklich drohte.
„Du würdest gegen ihn —?“
„Soweit bin ich noch gesund. Geht es um das Ganze, übernehme ich die Sache des Proletariers, und er soll sehen, ich räche alles auf einmal.“
Emmi senkte schon wieder den Kopf.
„Er wird uns weiter Geld geben. Auch das ist schlimm.“
„Schlimm ist alles,“ murmelte Buck.
„Einen Spiegel!“ befahl Guste; und als der Diener ihn herausbrachte, wollte sie selbst ihn der Anklam vorhalten. „Erst an Ihnen, Liebste, kommen die Perlen zur Geltung,“ sagte sie entsagungsvoll. „Meine weißen Haare . . . Aber wie glücklich bin ich! Ein Gastgeschenk, wenn auch bescheiden, nach den so schönen Sommertagen, für die wir Ihnen und Ihrem verehrten Onkel zu danken haben.“
„Bitte, bitte,“ warf v. Popp hin.
Aber am Rande der Terrasse brach offenes Kampfgetümmel aus, war es zu glauben, zwischen dem Generaldirektor und seinem anspruchsvollen Knecht. Heßling, unter Berufung auf die Gewalt des Vorgesetzten, hatte es unternommen, in die Tasche Balrichs zu greifen. Hierauf ein leichter Stoß vor seine Brust, die halbe Treppe stolperte er rückwärts hinunter, — und zum Angriff zurückkehrend, heulte er auf:
„Er hat mich angerührt!“ — heulte und schlug um sich: „Vergriffen hat sich der Hund an mir!“
„Vergriffen hat sich der Hund!“ machte ein Echo, es war der Sohn Kraft; für sich selbst aber, bebend: „Der süße Hund!“ Der Sohn Horst wollte dem Arbeiter zu Leibe, flog aber im Bogen gegen den Teetisch. Da war alles auf den Beinen, nur Leni nicht. Atemlose Pause, nichts als das verhaltene Wimmern Gustes, die den Gatten und die Söhne vom Feinde umdroht sah . . . Inzwischen zog Hans Buck seine Mutter an der Hand, bis sie aufstand und mitging.
„Jetzt kommt das Schändlichste,“ sagte er, bleich und zitternd. Auch Buck Vater, mit kleinen Schritten, folgte ihnen.
Wer zuerst sich faßte, war Assessor Klotzsche. „Hier liegt Hausfriedensbruch vor! Außerdem Bedrohung und tätlicher Angriff!“ Er keifte mit Weiberstimme.
„Und Erpressung!“ heulte der Generaldirektor. Seinerseits schrie v. Popp: „Komischer Kauz!“ — und einem eisernen Gartentisch versetzte er einen Faustschlag. Er donnerte furchtbar, Guste, die Anklam und Gretchen kreischten und hielten sich vor dem eigenen Gekreisch die Ohren zu.
Der Arbeiter Balrich brach jäh eine Bahn durch die feine Welt. Er stieß und trat, so kam er hindurch. Als seine Schwester Leni ihn zur Seite hatte, schleuderte sie ihre Teetasse der Hausfrau zwischen die Füße, und vor dem Bruder her, der den Rückzug deckte, humpelte sie, in ihrem engen Rock gefangen, die Treppe hinab.
„Sie sind entlassen!“ brüllte der Generaldirektor dem Arbeiter nach. „Sie und Ihre ganze Sippschaft!“
„Ganze Sippschaft!“ machte hohl das Echo Kraft, — und entfesselt schrie alles mit. Guste, entfesselt:
„Begriffe haben die Leute! Das ist die elende Religionslosigkeit!“
Donnerschlag des Generals auf den eisernen Tisch, und Kraft, ohne Tisch, donnerte auch. Die Anklam verfiel in einen Schreikrampf.
„Ich zerschmettere den Umsturz!“ schrie der Sohn Horst im Namen seines Vaters, der keine Stimme mehr hatte. Klotzsche keifte dasselbe, um Eindruck zu machen auf Gretchen, die selbstvergessen kreischte:
„Kokotte will sie werden!“
Die vier kleinen Heßlings, durch das Getöse der Großen fortgelockt von ihren kindischen Spielen, sprangen herbei und taten mit, Wolfdieter, Ralph, Bernhard und Fritzheinz, — bliesen Trompete, machten Muh, krähten; und der zweijährige Wolfdieter mit seinem pfeifenden Stimmchen rief unermüdlich „Drecksau!“
„Begriffe haben die Leute!“ Guste, leidenschaftlich über die Treppe gebeugt, streckte den blitzenden. Finger vor. „Ausziehen wollen sie uns!“ — und da sie das Gleichgewicht verlor, griff sie um sich, in die Perlenschnur, die jetzt an der Anklam hing. Die Schnur zerriß, zwei Lakaien stürzten herbei und lasen die Perlen auf. Die Anklam, ihren Schreikrampf vergessend, paßte auf, daß sie keine verschwinden ließen. Als sie alle zurück hatte, kam auch der Schreikrampf wieder.
Vorgebeugt sämtlich nach dem Beispiel der weißhaarigen Hausfrau, mit verwilderten Gesichtern, Augen wie Mord, Stimmen wie das Vieh, — Damen, Herren, die Kinder, ihre Lakaien, alle in Ausfallstellung gegen den Rücken des abziehenden Feindes, Bedrohers, Enteigners. Donnerschlag; Geheul; — und in der Spannung dieser Schlacht um ihr Vorrecht und Eigentum fanden sie, mitsammen dem Schlaganfall nahe, keinen höheren Ausdruck mehr für ihre Seele, keine Entladung . . . Da aber, der Tochter Gretchen ward es gegeben. Sie hörte auf mit dem Schimpfen, sie begann zu singen, kommt ein Vogel geflogen. Ausgereckt den dünnen Hals und drehende Kreise vor den entgeisterten Augen, noch im Umfallen sang sie, und alles durchdrang ihr Geplärr:
„Kommt ein Vogel geflogen!“
Erst hinter dem Gitter der Villa blickten die beiden Armen zurück auf die Besitzenden und ihre bewegte Kampfstellung. Leni zeigte ihnen die Zunge. Balrich sah in den Abendschatten, die heraufzogen, noch einmal aufschimmern das Haus und die Kränze schwanken.
Sie gingen. „Die haben es von dir bekommen,“ sagte Leni. „Aber auch von mir! Hast du mich gesehen?“
Fieberhaft lachend: „Das war das Beste vom ganzen Tag.“ Und sogar in die Hände klatschend: „Einmal mußte man es erleben, soll man schon hinausfliegen.“
Sie gingen lange, im Staub und in der rot rauchenden Dämmerung. Immer zögernder gingen sie. Die Schwester endlich versuchte zaghaft:
„Du sagst nichts. Ach! du bist müde. Und erst ich.“
In seinem Arm lehnend, den engen Seidenfetzen hinaufgezerrt bis zum Knie, schleppte sie sich. Der Bruder sagte:
„Komm! Ich trage dich.“
„Um die ganze Welt habe ich heute getanzt,“ murmelte sie, indes er sie hinaufhob. Da entstand fern ein Brausen, schon nah das Hupengeheul, und hier und vorbei war es, das Auto, das sie beide hingetragen hatte nach Villa Höhe. Staub nahm es auf, war es je gewesen? Eingehüllt in Staub geht der Arbeiter Balrich, auf den Armen seine Schwester, ihre schlafschweren Arme um seinen Hals, und sie, einschlafend, murmelt:
„Ach! lieber Karl, uns hilft nichts, wir sollen verloren sein.“
In Gausenfeld das Fest ging weiter bei Lichtern. Er kam ungesehen mit ihr in das Haus, über die leeren Treppen, — und hinter dem Bretterverschlag legte er sie auf ihr Bett. Sie seufzte im Schlaf; er wagte es nicht, ihre Füße, die um eine Welt getanzt hatten, freizumachen von den Schuhen. Aber er drückte seine Lippen ab, in dem Staub auf ihren Schuhen.
Vor der Tür stand Thilde, auf seiner Spur wie je, bittend wie je. Er hörte noch immer: Wir sollen verloren sein, — und nahm sie um die Hüfte.
„Hast du mich denn lieb?“ — worauf er, zu der Armen:
„Ja.“
So gingen sie hinaus in die Nacht. Aus stürmenden Wolken kämpfte ein sanfter Mond sich hervor.
VI
Geh’ nicht fort!
Was tun? Die Entlassung ernst nehmen? Sie war es schwerlich. Wollte Heßling den Brief seines Vaters schon vergessen und alle Drohungen in den Wind schlagen, — übrigblieben die Arbeiter. „Die hat er nicht, die habe ich. Was ich ihnen biete, er kann es nicht.“
In der Frühe endlich fand er Ruhe und wollte arbeiten; aber da trat in seine Tür der Rechtsanwalt Buck. Balrich stand nicht auf.
„Ich sehe, daß Sie sich wundern,“ sagte Buck und setzte sich auf das Bett. „Sie wundern sich grundlos. Ich habe Ihnen schon immer gesagt, daß ich mich zum Märtyrer nicht geboren fühle.“
Er machte es sich bequem, tat wie ein alter Bohémien, der zu einem jüngeren kommt. Balrich blieb steif.
„Ihre Art, es zu treiben, mag ich nicht,“ sagte er. Buck wandte sanft ein:
„Sie kennen sie aber nur durch mich selbst.“
„Das Wissen nützt nichts. Bessern Sie sich!“ sagte der Arbeiter; und dem anderen, der lächeln wollte, verging das Lächeln. Die Augen gesenkt, leise brachte er vor:
„Ich wollte Ihnen sagen, Sie täten gut, sogleich hier auszuziehen, mit allen Ihren Leuten.“
„Das habe ich mir selbst überlegt, und danke dafür. Was kann er gegen mich machen. Der Streik ist ihm sicher — und Schlimmeres!“
Buck schüttelte den Kopf, so heimlich, als sähe jemand zu. Heßling habe sich etwas ausgedacht, raunte er, mit Blicken nach der Tür; damit werde er die Arbeiter zum besten halten — vorläufig; „Ihre Zeit kommt wieder. Sehr bald; die Arbeiter brauchen den Unrat nur zu riechen. Bis dahin treten Sie einen strategischen Rückzug an!“
Balrich, unter finsteren Brauen, maß ihn lange.
„Wer sagt mir,“ äußerte er, die Silben abteilend, „daß Sie nicht von ihm kommen?“
Hiernach sah Buck eine Weile seine Kniee an, seufzte und stand auf. „Nichts zu machen,“ damit wollte er gehen. Balrich holte ihn zurück.
„Nein. Dafür halte ich Sie nicht.“ Und rauh: „Dann soll ich gehen, bevor ich hinaus muß?“
„Mit Ihren Leuten,“ ergänzte Buck. „Er hat sie sich alle nennen lassen, gleich gestern. Mit Ihren beiden Brüdern, Ihren beiden Schwestern, Ihrem Schwager, den Kindern, dem alten Gellert, und dem alten Dinkl. Ausgenommen sind die Verwandten Ihres Schwagers.“
„Polsters? Wohl wegen des Inspektors Salzmann, der mit der Frau etwas hat.“
„Sie sehen, wie die Tugend belohnt wird,“ bemerkte Buck und wollte sich ein wenig freuen, doch ließ er es.
„Alle werden Sie leben müssen,“ sagte er. „Das wird schwer sein, besonders für Sie selbst, mit Ihrem Studium. Auf mich dürfen Sie leider nicht rechnen.“
Das läge ihm fern, brummte Balrich. Trotzdem erklärte Buck ihm noch, daß er ihm auf keine Weise von Heßling unbemerkt etwas zukommen lassen könne: „Und Sie kennen meine Feigheit,“ sagte er ironisch, — worauf er ging. Balrich dachte: er überlege sich wohl nicht, daß man ihn hier könne gesehen haben.
Dann weckte er seine jungen Brüder, wir müssen fort, und machte sich auf zu Dinkls, wir müssen fort, entlassen sind wir. Malli erhob ein Jammern. Dinkl stellte den Fuß vor und drohte, das werde man sehen. „Wo ist Leni,“ fragte der Bruder; schon seit den ersten Eröffnungen Bucks dachte er im Grunde nur: Was wird aus Leni . . . Sie schlief noch. Er atmete auf, — als hätte sie schon wissen können und könnte schon getan haben, was er fürchtete, so sehr fürchtete.
Was Dinkl betraf, er war seiner Sache gewiß. Heßling mochte noch eine Weile Schindluder treiben mit uns, seine Zeit war doch herum und Gausenfeld gehörte uns. Daß er uns austrieb, bewies nur, wie sehr er Angst hatte. Auch der alte Gellert, der hierüber sich einfand, war überraschender Weise die Zuversicht selbst. Er machte sich anheischig, bei Klinkorum Unterkunft zu schaffen für alle. Klinkorum habe auf Heßling einen Haß!
Dies erwies sich sogleich als richtig. Der Professor erlaubte dem Gellert, in das Souterrain aufzunehmen, wen er wollte. Seinem Schüler Balrich räumte er sogar eine Kammer im Erdgeschoß ein.
Sie zogen um, als gerade die Arbeiter in die Fabrik aufbrachen. Umringt mußten sie anhalten mit ihren Karren auf dem Weg um die Wiese. Das Karussell ward aufeinandergenommen. Dinkl, den Arm erhoben, rief aus: „Wie die Zigeuner packen wir zusammen, Genossen! Aber was unser ist, bleibt unser, und bald macht ein anderer den Zigeuner.“ Alle stimmten murrend bei.
Da ward ein Anschlag entdeckt, zwischen den Häusern A und B im Torbogen ein großer gelber Zettel, darauf sollte etwas stehen, von der Generaldirektion. „Natürlich wegen Balrich,“ sagten sie rückwärts. „Wer streikt wegen Balrich, wird auch entlassen. Das findet sich, zuerst streiken!“ Und sie riefen: „Ausstand erklären!“ Vorn aber, in dem Torbogen, riefen sie etwas anderes; und je mehr Leute sich hineindrängten und gelesen hatten, um so viele weniger riefen noch Ausstand.
Herbesdörfer kam zurück, er sagte zu Balrich:
„Er hat sich etwas ausgedacht. Wer dich im Stich läßt, bekommt die Gewinnbeteiligung.“
Balrich fuhr auf. „So weit ist er? Gewinnbeteiligung? Dann gibt er bald noch mehr her. Wer will mich jetzt noch im Stich lassen!“
Sie sahen ihn zweifelnd an. Er selbst wagte kaum zu glauben, was er sagte. „Solche Angst hat er seit gestern. Schickt mich fort zum Schein, und tut doch was ich will.“ Der Sieg, fühlte er, wäre zu leicht, dafür daß er so ungeheuer wäre . . . Er sprang, brach durch bis in den Bogen, las . . . Laut lachend kam er zurück. Sie drängten herbei, warum er lache; sie waren es nicht gewohnt von ihm.
„Eure Löhne sollen gedrückt werden! . . . Das habt ihr nicht gelesen; natürlich, ist auch ganz klein gedruckt.“
„Aber die Gewinnbeteiligung!“
„Die ist groß gedruckt. Ob sie aber an die kleingedruckten Löhne heranreicht? Muß überhaupt ein Gewinn kommen?“
Dies erbitterte sie.
„Gausenfeld! Hunderttausende werden verdient!“
„Auch wenn ihr beteiligt seid?“
Da wurden Stimmen halblaut, die sagten, er sei neidisch. Sobald er sie hörte, schwieg er. Sie wollten glauben, nur glauben: ihm oder dem Heßling. Wer ihnen das nähere Glück versprach, dem glaubten sie.
Der Maschinenmeister Polster stellte sich wohlhäbig auf und lehrte: „Die Gewinnbeteiligung ist eins der wirksamsten Mittel zur Hebung des Arbeiterstandes und das wirksamste Mittel zur Versöhnung von Arbeiter und Unternehmer.“ Er wußte den Anschlag schon auswendig.
Herbesdörfer erwiderte ihm:
„Den Unternehmer kennen wir.“
Dies machte viele stutzig; — und eben jetzt wagte der Jauner sich hervor: Die Herren dort oben hätten ihn zwar falsch beschuldigt und beinahe einsperren lassen, hier aber müsse er sagen Hut ab! Worauf viele erwiderten: Schnauze! — und ernüchtert den Weg zur Fabrik antraten.
Einige sagten zu Balrich:
„Wenn es wirklich etwas ist mit der Beteiligung, es ist noch nicht alles. Wir brauchen dich weiter, Balrich.“
Händeschütteln. „Hoch Balrich!“ Auch „Ausstand!“ ward gerufen. Er aber sagte ihnen:
„Laßt das nur! Ich weiß den Weg! Abwarten!“
Und er zog seinen Karren weiter; hinter ihm Dinkl und Malli mit den ihren, auf einem das Letztgeborene; und am Schluß schoben die jungen Brüder Balrichs. Die Kinder nebenher; Leni war nicht mehr zu sehen; — so führte der alte Gellert sie in ihr neues Heim.
Es waren zwei Zimmer mit Fenstern in der Höhe des Erdbodens. Die Kammer im Parterre, nach Norden auf das Haus C hinaus, war nicht weniger dunkel, nur trockener. Balrich arbeitete darin, schlafen aber mußte dort Leni. Sie hatte sogleich eine Stellung als Modistin und kam erst abends heim. Dinkl, ebenso schnell, kam bei der Städtischen Abfuhr unter; Malli durfte ihm sein Essen einfach auf die Landstraße hinaustragen. Sie selbst tat die groben Arbeiten bei Klinkorum, alle hatten ihr Auskommen, Gellert sogar mehr Wände anzustreichen als sonst.
Ja; — aber Dunkelheit, alles feucht, und der Geruch nach Unrat, den Dinkl heimbrachte, als sei es die Essenz von Gausenfeld, seines Elends, langfristigen Elends. Balrich, der droben Horaz las, hörte unter sich die Dinklschen Kinder einander quälen und Schmutzereien treiben. Zuweilen kam Gellert, man wußte nicht wann, denn er machte Schicht nach Belieben; betrank sich und gab Schnaps auch den Kindern. Dann, regelmäßig, vergaß er sich noch weiter. Balrich hörte von oben, wie sie kreischten, vor ihm hinausflüchteten, und das Einjährige, das sie fallen ließen, schrie dann, bis Malli kam . . . Balrich schämte sich, er ging dem alten Lumpen aus dem Weg, um nicht sprechen zu müssen. Nur seiner Schwester sagte er, sie solle achtgeben; was für Augen mache schon die elfjährige Liesel! Da weinte sie bitter und senkte ihren grauen Kopf. Sie wußte noch mehr als er; was aber soll werden, quartiert der Gellert uns aus.
„Dann verdiene ich es euch, für eine bessere Wohnung,“ erwiderte er, und sogleich ging er hinauf zu Klinkorum: die angebotenen Nachhilfestunden, jetzt sei er bereit, sie zu übernehmen. Er hatte bisher nur so viele gehabt, daß sein Unterhalt bezahlt war, jetzt belegte er damit den ganzen Tag, Klinkorum verschaffte sie ihm mühelos; — und Balrich saß wieder die Nächte bei der Lampe.
Er tat es für Leni. Die Dinklschen Kinder waren das Ärgste nicht. Unerträglich war es, hier Leni zu sehen, wie sie daherkam, schnell, leicht, in ihrem Mantel, der einen Pelz imitierte, ihrem Modehut, auf den Stöckeln, die Schenkel abgezeichnet unter dem raschelnden Rock, — und schon im Garten bekam sie eine widerwillige Miene die Stufen hinunter zu der Tür, die aussah wie ein wackliger Kleiderschrank, schritt sie vorsichtig, um in keinen Kot zu treten; mit Selbstüberwindung nahm ihre weiß behandschuhte Hand den Griff . . . Der Bruder ging mit ihr aus, er führte sie zum Essen. So wenige Augenblicke wie möglich sollte sie in der Höhle der Armen sein. Eines Abends dann, als sie das Zimmer im Erdgeschoß betrat, fand sie es neu möbliert, in Weiß, mit rosa Vorhängen am Bett und über dem Toilettenspiegel. Eine Minute staunte sie; dann wandte sie sich um, in der Tür stand der Bruder; und er sah, sie hatte mit ihm Mitleid. Da wußte er, nichts half mehr, und seine größte Furcht, eben jetzt, da er auch dies noch gegen sie versucht hatte, traf sie ein.
Seine Schwester umarmte ihn, als dankte sie. Aber er wußte, sie erbat Verzeihung und nahm Abschied. Er wollte nicht heucheln. „Geh nicht fort!“ sagte er rauh und so flehentlich. Ihre Augen waren voll Tränen, ihre Goldaugen; sie stammelte:
„Wenn ich könnte. Der Weg ist so weit. Am Abend die Arbeit dauert oft lange.“ — Im Schluchzen küßte sie ihn: damit er dies hinnehme, nicht frage.
Drunten an einem geöffneten Kellerfenster saß er und horchte, ob bei ihr es still würde. Der alte Gellert schimpfte, weil es ihn fror im Bett . . . Und als es still war droben, begann er schon auf ihr Erwachen zu horchen. Noch längst nicht Tag, — war dies ein anderes Geräusch als das vom Wind, Ästeknacken oder dem Rieseln in den Wänden? Doch! Die Tür geht. Im Garten springt ein Kiesel. Auf, ihr nach! Hasten, fliegen wollen und das Gefühl haben, du steckest im Boden, nie mehr erreichest du die, die fortgeht.
Das Gitter fällt, sie hört den Verfolger, sie läuft . . . Ein Sprung, er hält sie. Auf der Landstraße, kalt und noch vor Morgengrauen, standen die Geschwister und suchten ihre Gesichter, das Leiden und den Haß darin, um die sie wußten, die sie nicht sahen. Der Bruder griff nach der Schachtel in ihrer Hand, sie zerrten. Er, im zerren:
„Du grade, für die ich es tue — alles tue. Sie verleugnen mich, sie gehn mit Heßling. Du aber mit dem Sohn.“
„Nein!“ schrie sie entsetzt.
„Ich weiß, wohin du gehst in der Stadt. Du bist schon nicht mehr im Geschäft, keine Arbeiterin mehr, du bist —“
Leni, beschwörend dazwischen:
„Es ist alles nicht wahr!“
„Du bist seine Hure!“
Sie schluchzte, ein letztes Mal. Plötzlich hart: „Dann ist es wahr . . . Jetzt laß mich!“
Sie ging; aber er blieb an ihrer Seite und beschimpfte sie weiter. Sie antwortete.
„Betrüger du! Betrügst die Leute um ihr Leben. Ich soll wohl werden wie Malli?“
Da schlug er nach ihr, aber schlug in die Luft. Dort lief sie, nur noch ein Schatten in der Nacht. Er rief ihr nach: „Du hast mich immer nur belogen,“ — machte kehrt und redete doch weiter, als sei sie noch da.
Aber sie war fort. Fort das Rascheln hinter ihm, wenn er vertieft saß. Vorüber die Begegnungen, er auf dem Weg zu einer Stunde, sie zu einer Kundin, und zwei Straßen weit gingen sie zusammen. Kaum ihren Rücken fing er jetzt auf, schon war sie dahin um die Ecke. Dahin, tödliche Verräterin! Dahin, süße Schwester! — und er saß in dem Zimmer, das sie verschmäht hatte und an dem er abzahlte, saß und wollte nichts wissen, als was in diesen verachteten Büchern stand.
Er verachtete die Bücher, welchen Ersatz konnten sie ihm noch bringen statt der Verlorenen, welche Rache ihn lehren für ihr Geschick! . . . Damit nicht alles umsonst sei, sorgte er besser für seine zwei jungen Brüder, gab Unterhalt und Lehrgeld, wenn sie nur hinausgelangten, dieser in einer Buchhandlung, der andere als Monteur. Sie sollten ihm nicht sagen, wie Leni, er betrüge sie um ihr Leben. Da allen sein Werk zu lang währte, — diese beiden mochten kleine hartherzige Bürger werden und Pfennige fuchsen. Er sah, nichts anderes ersehnten die Genossen, alle, wie sie waren, für nichts anderes lebten sie. Die Gerechtigkeit? Das Glück aller? Ein gefüllter Bauch war ihnen lieber. Nicht einmal, wahrhaft zu hassen, seid ihr stark genug! Gehaßt hätten sie den Heßling? Und er braucht nur das Wort Gewinnbeteiligung hinzuschreiben, da glauben sie so gern ihm, wie vorher mir. Erfahre, armer Mensch, daß du zwecklos kämpfest! Sie brauchen dich nicht, viel lieber wollen sie betrogen sein. Was immer du tust, mach ab mit dir und deinem Haß. Du hast nur ihn.
Das Gewissen sagte ihm, er verleumde sie; ruchlos und verstiegen sei die Forderung, sie sollten, nur um seinetwillen, alles hinwerfen, streiken, hungern. Er selbst hatte es ihnen widerraten, und wartete dennoch darauf. War die Schuld bei seiner Beschäftigung? den Büchern, die nicht vom Brot, immer nur von Ideen wußten und ihn langsam abtrennten von seiner Klasse — ihn in seinem bürgerlichen Zimmer, seinem schwarzen Rock, ihn mit seinem Denken, das keinen Ausgleich mehr hatte durch die körperliche Arbeit . . . Kein Arbeiter mehr! — und er fing an, ihnen auszuweichen. Heimkehrend aus der Stadt von seinem Broterwerb, drückte er sich in den Garten, in das Haus, und hörte nicht, riefen sie ihm nach. Er sah den Heßling um das Haus Klinkorum her gewisse verdächtige Wege gehn, aber ihn verlangte es nicht, ihn abzufangen. Er eilte vorüber an Buck, den er nicht achtete, an den Genossen, die ihn im Stich ließen, und vermied trotzig die Begegnung mit dem jungen Hans, so oft auch das Bürschlein ihm nachlief oder an seine Tür klopfte. Einmal verlegte es sich darauf, durch die Tür zu sprechen; Balrich hörte: „Leni“; da vertrieb er es, mit einem Unflat geschriener Worte. Nachher dachte er: „Schade. Es war ein gutes Bürschlein.“ Aber die Leidenschaft seines Menschenhasses war stärker. Er erinnerte sich wohl des jungen Blonden in dem Irrenhaus, der ihm gesagt hatte: „Lieben Sie denn?“ Er wollte es nicht; und er glaubte sich stärker so.
Da kam im Dezembersturm seine Schwester Malli, brach ein bei ihm, schlug um sich, fiel hin und heulte zum Entsetzen. Geschehen war es mit der Liesel und dem Alten. Eben noch ein Kind, und jetzt? „Wir waren doch so gut daran hier!“ jammerte Malli. „Jetzt müssen wir fort.“ Diese Worte erbitterten ihn mehr als das andere.
Er ging mit hinunter. Das Kind war davongelaufen, der alte Gellert hatte sich ins Bett gelegt, spielte den Kranken und sprach weinerlich. „Reiche mir doch nur den Wacholder her, sonst ist es aus,“ — und die Mutter mußte ihn mit Schnaps tränken. Da Balrich gegen ihn losbrüllte, verkroch er sich vollends unter das karierte Bett; nur seine tränenden Äuglein zeigten sich noch, und er wimmerte: „Weiß schon, ihr seid herzliche Leute, haltet euch zum alten Gellert und rührt euch nicht fort.“ Er zwinkerte sie an. „Gebacken und gebraten zusammen, da drückt jeder ein Auge zu.“
Balrich spie nach ihm, der Alte duckte den Kopf in die Federn. Balrich schrie: „Für deinen Stall hier, wenn wir fortziehen, schaffe ich uns noch eine Menschenwohnung.“
Gellert sagte zerknirscht:
„Das wird wahr sein. Auch Arbeit schaffst du der Malli, dem Dinkl, und dir deine Stunden. Wen geht es an? Wer hat dir geschenkt so lange? Doch nicht der Buck, der arme Herr.“
Er zwinkerte nur; Balrich aber, erbleicht, stand mit Mühe noch fest.
„Nimm ruhig den Stuhl,“ sagte der Alte und kroch aus dem Bett, wobei es sich erwies, daß er angekleidet war. Er streckte die langen Beine von sich, das Greisengesichtchen mit den violetten Sprüngen zeigte wieder Mut. Listig gab er zu verstehen: „Für den alten Gellert hat aber mancher ein Herz übrig, nicht ihr bloß. Der liebe alte Gellert braucht nur einmal seinen Namen zu schreiben, dann hat er Geld bis an das Ende seiner Tage.“
Balrich, die Fäuste geballt, stürzte vor, der Alte wollte zurück in das Bett; aber Balrich packte ihn an, er schüttelte ihn. „Tu es doch! Verrate uns! Verkaufe dem Heßling unsere Rechte! Liefere sie aus, deine Klassengenossen, und zieh ab mit dem Blutgeld!“
„Gib acht, was du selbst tust!“ Der Alte höhnte noch im Ersticken: „Wenn erst die liebe Seel entfleucht, was habt ihr dann?“
Balrich stieß ihn fort, beide brachten sich in Ordnung. Der Alte, mit Ächzen:
„Der Buck, der Klinkorum, alle die Herren wollen es dem Heßling anstreichen. Stelle dich nicht dumm, die sind es, die machen dich zum Advokaten. Ist aber der alte Gellert tot und sein Recht verfallen, wozu noch der Advokat.“
Balrich ergab sich; ja, er wußte es, hätte er es noch niemals sich eingestanden. Gebrochen wich er gegen die Tür zurück, — sie sprang weit auf im Sturm, Herbesdörfer und Polster kamen, sie wollten den Balrich hier überraschen. Schon hatten sie draußen gehört von einem Krach im Hause Dinkl, die Kinder draußen schwatzten.
„Und Dinkl!“ jammerte Malli, in neuem Entsetzen. „Wenn er draufkommt, erschlägt er mich.“
Sie wollte sich anvertrauen und Trost suchen bei den Gästen; aber Gellert, wieder ganz auf der Höhe, warf sie hinaus.
Sogleich fragte Herbesdörfer: „Was wird jetzt?“
Balrich, die Hände in den Taschen, lehnte neben der Tür. Er fragte schlaff: „Womit?“
Herbesdörfer, aufschnellend: „Mit uns! Mit unserem Recht!“
Balrich betrachtete ihn von unten. Polster indes, stattlich und gefestigt wie er dastand, erwiderte:
„Was, Recht. Die Menschen sind was sie sind, und wie einer sich bettet, liegt er.“
Höhnisch sagte Balrich: „Sehr richtig,“ und dachte an die Polster. Herbesdörfer hielt sich allein an Balrich. Hinter seinen runden Brillen stierte er fanatisch. „Du mußt handeln! Alle fallen ab. Sie wissen es schon wieder nicht anders, als daß ein Elend sein muß. Wozu hattest du sie aufgebracht!“
Balrich höhnisch: „Die Gewinnbeteiligung!“
„Ist das wirksamste Mittel, —“ setzte Polster ein, und er sagte den Anschlag her; auch erläuterte er die Folgen. „Wir werden uns stehen, als ob jeder einzelne ein eigenes kleines Geschäft hätte, — und dabei keine Verantwortung.“
„Euer Traum,“ sagte Balrich. Herbesdörfer stammelte wild:
„Hätte kein einziger eine Verantwortung, du, Balrich, hast sie! Soll Betrug und Schmutz sein wie vorher? Eher“ — er stierte und stammelte — „mußt du, Balrich, die Fabrik anzünden.“
Balrich stieß sich von der Wand ab und stand.
„Dafür habe ich nicht gekämpft,“ sagte er drohend. Herbesdörfer war erstaunt.
„Nicht für uns?“
„Laßt es euch gesagt sein, meinen Weg kenne ich, was schiert mich euer ganzer Betrieb.“ Damit ging er hinaus.
„Verräter!“ rief Herbesdörfer ihm nach.
„Vernünftiger Mensch,“ sagte Polster.
Balrich, in der Jacke und barhäuptig, drang vor gegen den Sturm. „Die bekommen mich nicht,“ sagte er laut. „Ich, anzünden und in das Zuchthaus für die? Sie möchten mich ganz fortschaffen, das ist es. Ich störe sie in ihrer Zufriedenheit; da schicken sie mir den Pinsel Herbesdörfer.“ Er lachte auf. „Das glaube ich euch, auch euer Genosse Heßling würde mich gern fortschaffen, ich komme ihm noch auf seine heimlichen Gänge.“
Da stieß er an jemand. Der alte Dinkl war es. Zerfranzter Umhang flatternd im Sturm und am erfrorenen Finger das Blechgefäß, schlich er sich in die Kantine, betteln. Sein Hut flog fort bei dem Anprall, Balrich sprang und brachte ihn, — ein kleiner alter Hut, so schlecht wie die weggeworfenen in den Gräben, aber schwer, sonderbar schwer: Balrich begriff, von dem vielen Staub, der dem alten Dinkl an den Kopf geweht war auf den weiten Straßen und sich vermischt hatte mit dem Wasser, hervorgetreten aus seinem Kopf. Der Greis sagte demütig:
„Viel Ehre, Herr;“ — und Balrich erinnerte sich, als er ein Junge war, hatte dieser ihn einst geschlagen. Da sagte er: „Ich habe Geld für Sie von Ihrem Sohn,“ und gab ihm, was er bei sich trug. Weiter irrend dachte er: „Sie sind zu elend, was will ich von ihnen. Wir sind viel zu elend, wer darf fordern oder rechten.“
Er sah, er war wie alle. Nicht seine Sendung hatte ihn anders gemacht, die Prüfungen nicht, noch der Kampf des Geistes. Geklammert bleibst du an die Not des Lebens, Armer. Dir ist versagt der Aufschwung, dich zu opfern, Armer. Bevor du dich empörst, müssen vor dir und hinter dir die Gewehre starren und die Wahl muß heißen: sterben oder sterben. Sonst lebst du weiter von jedem Brot. Sie werfen es dir hin, du darfst nicht fragen, wer und woher. „Wozu wirft der Buck mir das Brot hin, bezahlt den Klinkorum und den Gellert? Einen Versuch macht er, ein Kunststück. Denkt sich, was heißt Kampf oder Recht oder Sieg; aber es ärgert manchen, und ein Arbeiter soll Jurist werden. Dann werden wir sehen, was noch übrig ist von seinem Ideal.“
Er schrie in den Sturm vor Qual.
„Das Ideal im Hause Gellert! In sauberen Pfützen schwimmt es. Vor gar nichts muß es den grausen, der es herausfischt.“
Von den Schneefeldern sauste ihm eisige Nässe entgegen. Dahinten im Arbeiterwald entschwand eine Gestalt, — kaum streifte er ihren Umriß. Er ging, verloren in seinen Zusammenbruch.
„Zwei Jahre bald, da fand ich hier die arme Thilde. Sie hatte viel Kummer; ich machte sie glücklich. Das war etwas. Seitdem, was hab’ ich vollbracht?“
Er besann seinen Kampf und wie er nun stehe. „Gut,“ sagte er grimmig, „wenn man genug hat am Träumen. Die Wirklichkeit aber? Der feste Boden zum Kämpfen? Ein altes Stückchen Papier in meiner Brusttasche ist alles; das soll zum Schwert werden und die Welt niederringen, zum Evangelium und sie umwälzen.“ Alle die Mächte, aufgetürmt zwischen ihm und dem Feind, sie erschienen ihm erst jetzt leibhaftig. Dort hindurch! — und du bist nichts, als der verstobene Funke eines Gedankens.
Er stand, hielt sich den Kopf und stöhnte. „Was war es mit mir? So hatten sie recht, daß sie mich dorthin schickten, wo der junge Blonde so mitleidig war, mir meinen Wahn zu erlauben? Namenloser Wahn!“
Er rang um den Glauben, der ihn verließ. Er erblickte ihn unter den Zügen Lenis, und sie wandte sich ab. „Geh nicht fort!“ rief er wieder, die Arme hingereckt. Aber auch dieses Mal ging sie.
Am Waldrand die kahlen Äste kreischten im Sturm; erst drinnen ward es stiller: kalte Moderluft; den Schritten widerstand die zähe Masse verfaulten Laubes. Dort unten der See, dünn beeist, und im Wind auf seiner Decke kreisend Blätter und schwarze Zweiglein — kreisend und dann verschwindend in den Löchern. Da streifte in solcher Wüste sein Blick einen menschlichen Umriß, Thilde; — er hatte sie nicht erkannt vorhin und doch schon gewußt um sie. Die Bank war schwarz von Nässe, an dem Pfad beim See. Sie hatte, zusammengekrümmt, ihr schwarzes Tuch bis über das Haar gerafft. Auf der grauen Fläche des Eises erschien ihm ihr graues Profil. Bleichen Himmel um sich, standen Bäume darin wie Trauergäste.
Er wollte rufen und tat es nicht, sah sie Schultern und Knie noch tiefer beugen, und wollte es nicht glauben. Jetzt sank sie zu Boden — bog die Arme und ließ das Tuch entgleiten, schaudernd, als würfe sie mehr ab. Der Wind trug es ins Wasser; und sie, auf die Brust gelegt, rutschte hin, wie aus Durst, oder als glaubte sie, dort sei ein Bett.
Er lief; er meinte auch, daß er schreie und nur der Wind mache, daß sie nichts hörte. Hinab warf er sich den Abhang, fiel in eine Grube voll braunen Schnees, arbeitete sich hervor, stürzte dahin . . . Ihr Gesicht und auch schon die Brust waren im Wasser gelegen. Eissplitter hatten ihr die Wange zerschnitten. Er brachte sie zu sich, zog unter der Jacke seine Wollweste aus, trocknete und bedeckte sie, führte sie zurück auf die Bank. Ihr breitknochiges, hohles Gesicht blickte unbeteiligt, noch nicht zurückgekehrt von dort. Er nahm ihre harte, kalte Hand. Er starrte dorthin, wie sie; so saßen sie lange, stumm. Leise sich nähernd legte er über sie den Arm und flüsterte rauh:
„Tu mir es nicht an!“
„Dir?“ sagte sie, aufstehend. Aber er mußte sie stützen. Kaum auf ebener Straße, machte sie sich los von ihm. Er sah an ihr hin und sah sie verändert, die Brust gesunken, den Leib hoch zugespitzt.
„Darum?“ fragte er.
„Darum,“ sagte sie gradeaus in die Luft. „Es sollte nicht hungern. Es sollte nicht schlechter daran sein als das andere, im Friedhof.“
„Hungerst du denn, Thilde?“
„Du wolltest es nicht wissen,“ sagte sie hart, — und er senkte die Stirn, er trat fort von ihrer Seite. Ich bin ihr ausgewichen. Ich wollte es nicht wissen, daß auch sie entlassen war um meinetwillen und Not litt mit dem Kind, das von mir ist. Ich handle wie mein ärgster Feind, ein Bourgeois handelt nicht schlechter. Was wird aus mir!
Er fand kein Wort, das zu sprechen er wert wäre. Sie langten an bei der Hütte auf weitem Feld, da fiel sie nieder. Er trug sie auf das Bett unter der Treppe, wartete sie und blieb, bis sie schlief. Er ging Essen zu holen, gab den Hausleuten Geld und versprach ihnen mehr. Alles ihr. Er hatte nicht zu arbeiten für die, die gegangen war, noch für jene, die ihn verrieten, und auch für sich nicht, seit er ohne Glauben war. Für diese.
Sie war erwacht und hatte gegessen, da sagte er: „Ich will dich heiraten, Thilde.“
Sie blieb hart. „Das tust du nicht.“ Er sagte es bittend noch einmal. Zuletzt ergab sie sich, ward sanft, weinte, und nun mußte er schwören, daß er sie liebhabe. Er schwur es, und sie nahm es hin. Dann ging er, im Herzen gewiß, daß er gelogen habe und, vollends der Liebe verlustig, verdammt sei zum Haß.
Eines Abends, früher in der Dunkelheit heimkehrend, stieß er auf Heßling. Der Generaldirektor in Person stand wartend im Garten Klinkorums. Sein Auto hielt neben dem Haus, im Schatten der Mauer, als hätte er es versteckt. Einen Zweiten sah Balrich verschwinden, er dachte, es sei Gellert, schon wieder habe der Reiche ihn versucht. Auch fiel es ihm ein, daß letzthin in seinem Schreibtisch, wie er heimkam, die Papiere anders lagen als er sie gelegt hatte. Er trat drohend ein. Heßling, wider Erwarten, drückte sich nicht, er kam entschlossen unter dem beschneiten Busch hervor und keuchte:
„Mensch, wie lange treiben Sie sich hier noch umher?“
„Und Sie, Mensch?“ erwiderte der Arbeiter und ging den Weg weiter, als stände niemand darauf. Heßling taumelte unter seinem Anprall in den Busch zurück, — indes droben ein Fenster klirrte. Die Stimme Klinkorums erscholl: „So ist es nicht zu machen, Herr Geheimrat,“ rief sie, — und aus dunkler Höhe, aber einen ungewissen Glorienschein um das redende Haupt, tönte sie fort, in eintöniger Größe.