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Die Baumwollpflücker cover

Die Baumwollpflücker

Chapter 14: 10.
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About This Book

The narrative explores the lives and conditions of cotton pickers in Mexico, shedding light on the often-overlooked laborers who provide raw materials for the textile industry. It presents a vivid portrayal of their struggles, hardships, and the stark realities of their existence, contrasting their plight with the wealth of those who benefit from their labor. The work does not feature a central hero or romantic subplot, instead focusing on the collective experience of these workers as they toil under challenging circumstances, emphasizing themes of exploitation and social injustice.

Zweiter Teil.

10.

So lief der Trott nun weiter die nächsten zwei, drei Wochen. Ohne besondere Ereignisse. Ein Tag wie der andere. Rennen im Trab, Rennen, Essen kochen, Schlafen, Rennen im Trab, Arbeit.

Eines Nachmittags, als ich vom Feld heimkam, ging ich zu Mrs. Shine und fragte sie, ob sie mir ein Kilo Speck verkaufen oder bis Sonntag leihen wollte, da ich vergessen hätte, letzten Sonntag welchen mitbringen zu lassen.

„Können Sie haben, Mr. Gale, gegen Bezahlung oder Rückgabe, ganz wie Sie wollen.“

„Gut,“ sagte ich, „dann gegen Bezahlung. Mr. Shine kann es mir ja am Samstag anrechnen.“

Während sie eben dabei war, den Speck abzuwiegen, kam Mr. Shine von der Stadt zurück, wo er seine Post abgeholt und einige Bedarfsmittel eingekauft hatte.

„Da sind Sie ja gerade wie gerufen, Mr. Gale,“ sagte er zu mir, als er ins Zimmer trat. „Ich habe einige Neuigkeit für Sie.“

„Für mich? Woher soll die wohl kommen?“

„Direkt aus der Stadt. Im Store traf ich den Manager von Camp 97. Ich saß da und trank gerade eine Flasche Bier nach der andern. Er war in großen Nöten. Da haben sie im Camp ein kleines Maleurchen gehabt. Beim Auswechseln von Achterrohren gegen Zehner hat ein Rohr ausgeschlagen und dem einen Driller den rechten Arm böse gequetscht, weil einer von den Indianern wieder mal nicht aufgepaßt und rechtzeitig zugepackt hat. Der Driller ist ein tüchtiger, erfahrener und verläßlicher Bursche, den sie nicht gehen lassen wollen. Nun suchen sie einen guten Ersatzmann für drei bis vier Wochen. So lange wird es wohl dauern, bis der Mann wieder arbeiten kann. Aber sie sind jetzt gerade an einem heiklen Punkt. Sie sind auf siebenhundert Fuß und sind auf Lehm, und wenn sie jetzt keinen guten Driller bekommen, dann können sie vielleicht eine Knickung in der Bohrung erleben. Na, und was das bedeutet, was das für Scherereien, Zeitverlust und Kosten verursacht, das wissen Sie ja selbst, Sie haben ja in den Fields gearbeitet. Das gibt allemal den Sack für die Driller und Tooldresser, manchmal für das ganze Camp.“

„Weiß ich,“ erwiderte ich, „kann dem besten Mann passieren, wenn man noch so sehr aufpaßt. Ein Stein, den der Satan gerade dort hingefeuert hat, wo man ihn am allerwenigsten vermutet, kann zwanzigtausend Dollar kosten.“

„Mag sein, davon verstehe ich nichts,“ wandte Mr. Shine ein. „Nun ist der Manager in Sorge, was er machen soll. Er hat schon eine Schicht selber gearbeitet, aber auf die Dauer geht es nicht. Telegraphiert er nun zur Kompagnie, dauert es immerhin drei bis vier Tage, bis er den Mann hier hat. Und ob er einen Mann kriegt, wie er ihn braucht, weiß er auch nicht. Denn ein tüchtiger Mann nimmt für drei Wochen nichts an, weil er dadurch vielleicht eine andere Stellung, wo er sechs Monate in Sicherheit hat, verpassen kann. Ich habe nun zu dem Manager gesagt: „Well,“ habe ich gesagt, „Sie sind just der Mann, auf den ich gewartet habe, Mr. Berkley.“

„Aber, ich weiß noch immer nicht, was ich eigentlich damit zu tun habe.“

„Ja warten Sie doch ab, Gale, was kommt. In drei, höchstens vier Tagen haben wir die Baumwolle drin. Was wollen Sie denn dann machen?“

„Das weiß ich jetzt noch nicht. Ich lasse den Tag erst einmal herankommen. Ich kann ebensogut nach Norden wie nach Süden, ebenso leicht nach Ost und West gehen. Eigentlich habe ich vor, nach Guatemala, Costa Rica und Panama runterzutippeln. Vielleicht nach Columbien. Da soll allerhand Oel ausgemacht worden sein.“

„Top!“ jagte Mr. Shine, „das habe ich auch gedacht, daß es Ihnen egal ist; und nach Guatemala und allen den übrigen Landschaften kommen Sie immer noch rechtzeitig genug. Da habe ich nun zu dem Manager gesagt: Well, habe ich gesagt, auf Sie habe ich gerade gewartet. Ich habe da einen Fellow, einen Picker, einen weißen Mann, weiß im Gesicht und weiß unter dem Brustlatz ebensogut, einen Burschen, der Ihnen die verteufeltste Bohrung aus dem elendsten Dreck herausholt. Man muß doch ein wenig trumpfen, Gale, wenn man was erreichen will. Also, habe ich gesagt, Mr. Berkley, ich schicke Ihnen den Mann runter. Na, was sagen Sie nun, Gale, Junge, hä? Das habe ich doch fein gemacht. Da gehen Sie noch morgen früh runter zum Store. Der Storekeeper kennt den Weg zum Camp und kann Ihnen Bescheid sagen. Um 5 Uhr nachmittags sind Sie schon im Camp und können sich gleich zum Essen hinsetzen.“

Das mit dem Essen war allerdings verführerisch.

„Wenn Sie dann nicht mit der Arbeit zurecht kommen, ist der Verlust auch nicht allzu groß. Einen Tag kriegen Sie auf alle Fälle ausbezahlt und außerdem haben Sie einen Tag wieder mal menschenwürdig gegessen,“ setzte Mr. Shine hinzu.

Zu überlegen gab es da eigentlich nichts. Hier war noch für drei oder vier Tage Arbeit, harte und schlecht bezahlte Arbeit. Im Oelfeld mußte man zwar auch zwölf Stunden arbeiten, weil nur zwei Schichten waren, aber man arbeitete wenigsten unter dem Rig, wo die Sonne nicht ganz so unmittelbar auf einen losbrennen konnte. Dazu hatte man sterilisiertes Eiswasser, soviel man nur trinken wollte. Vor allen Dingen aber hatte man, wie schon Mr. Shine richtig gesagt hatte, ein menschenwürdiges Essen, mit Teller, Messer, Gabel, Eßlöffel, Teelöffel, Tasse und Glas an einem Tisch, der zwar von einem Zimmermann ziemlich roh gemacht war, aber es war doch ein Tisch und eine richtige Bank. Man brauchte nicht aus der Pfanne von der Erde essen und sich beim Essen von einer wackligen Kiste, auf der man saß, herunterbücken. Man brauchte nicht mit demselben Löffel, den man aus den fettigen Bratkartoffeln zog, den Kaffee umrühren. Das Brot, das man aß, war weder zu Kohle verbrannt, noch war es klebrig wie Kleister. Die schwarzen Bohnen, immer hart wie Kieselsteine, hörten auf, ein wichtiger Bestandteil der Mahlzeiten zu sein. Man wurde bei Tische bedient von Chinks, die man angrunzen durfte, wenn einem das Essen nicht schmeckte und die Ananaspie nicht genügend geeist war. Angrunzen, hm! ja! das tut man sofort, sobald man einen anderen armen Teufel auch nur einen Zentimeter auf der sozialen Rangleiter unter sich weiß. Man schlief nicht ohne jede Unterlage auf einer Tafel Wellblech, sondern man schlief in gut ventilierten Baracken, in sauberen Feldbetten, auf weicher Matratze und gut geborgen unter einem schleierdünnen Moskitonetz. Man hatte jeden Tag ein Brausebad und hatte ein W. C. Daß es solche Dinge auf Erden gibt, hatte ich ganz vergessen. Romantik ist schön, sehr schön! – von ferne gesehen. Wenigstens in der Entfernung, gerechnet von einem bequemen Sitz im Kino bis zur Silberwand. Auf dieser Silberwand sind die Helden des Busches und des Urwaldes der Traum der Mädchen und sie erregen Ehescheidungsgedanken bei Frauen; in Wahrheit bohren sie sich beim Essen in der Nase herum und schmieren dies und das an ihren Sitz oder an die nächste erreichbare Tischplatte. Und das kann man gerade noch erzählen. Würde man einiges mehr erzählen, noch nicht einmal alles und noch nicht einmal das Schlimmste, so würde sich der bunte Schmetterling in die allerwiderwärtigste Raupe zurückverwandeln. Aber trotz alledem, Romantik ist auch im Oelfeld, das auf den ersten Blick so trostlos prosaisch und so nüchtern aussieht wie eine Kohlenzeche in Herne. Man muß die Romantik nur zu sehen und nur zu finden wissen. –

Bei meinem Abschied von den bisherigen Arbeitskollegen war mir nichts so wichtig, als meine Eierrechnung bei Abraham auf den Cent genau zu begleichen. Er wäre mir sonst in meinen Träumen erschienen und nachgelaufen bis nach Paraguay, wenn ich ihm nur zehn Centavos schuldig geblieben wäre.

Als ich zum Oelcamp kam und mit dem Manager sprach, machte er nicht im geringsten ein erstauntes Gesicht, seinen neuen Driller so in Lumpen und Fetzen zu sehen, wie kein Mensch in Europa, selbst nicht in Odessa herumlaufen könnte. Daran ist man hier gewöhnt.

Die weißen Arbeiter, alle Gringos, waren froh, daß Dick, der Driller, einen Ersatzmann hatte und das Camp also nicht verlassen brauchte; denn er war ein beliebter und lustiger Bursche, der im Camp war, seit der erste Pfeiler für das Rig gestellt wurde. Sie fixten mich auf, der eine brachte mir ein Hemd, der andere eine Hose, jener Strümpfe, ein anderer Arbeitshandschuhe. Ja Handschuhe, denn ein amerikanischer Arbeiter macht sich beim Arbeiten die Hände nicht mehr schmutzig als unbedingt notwendig ist. Keiner von ihnen hatte irgendein Handwerk gelernt, wie das in Europa üblich ist, aber jeder konnte ein Auto fahren, Pannen beseitigen, Dampfmaschinen reparieren oder Werkzeuge schmieden. Vielleicht nicht ganz so sauber und geschickt wie ein englischer, deutscher oder französischer Arbeiter, aber was er machte, war brauchbar, und darauf kam es ihm und denen, die ihn dafür bezahlten, ja nur an.

Als ich meine Schicht beendigt hatte, sagte Mr. Berkley zu mir: „Sie können bleiben, Junge, vollen Drillerlohn.“

Dick war schneller hergestellt als wir alle gedacht hatten, und so mußte ich wieder gehen. Beim Abschied gab mir Dick zwanzig Dollar extra aus seiner Tasche, für Reisegeld und daß ich mir einen guten Tag machen sollte, wie er sagte.

Als ich dann beim Manager meinen Lohn ausbezahlt bekam, sagte er: „Hören Sie mal, Gale, können Sie nicht hier irgendwo eine Woche oder so herumhängen?“

„Ja,“ erwiderte ich, „das kann ich leicht. Ich gehe rauf zu Mr. Shine, da kann ich gut für eine Weile hausen. Warum?“

„Auf einem unserer Nachbarfelder da ist ein Bursche, der möchte auf vierzehn Tage in Urlaub gehen, rauf in die States. Da können Sie für die zwei Wochen als Ersatzmann eintreten. Anfang nächsten Monats.“

„Mache ich,“ sagte ich. „Sie können ja im Store eine Mitteilung für mich an Mr. Shine hinterlegen, wenn es soweit ist.“

„Gut, abgemacht!“ sagte Mr. Berkley.