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Die Baumwollpflücker cover

Die Baumwollpflücker

Chapter 7: 4.
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About This Book

The narrative explores the lives and conditions of cotton pickers in Mexico, shedding light on the often-overlooked laborers who provide raw materials for the textile industry. It presents a vivid portrayal of their struggles, hardships, and the stark realities of their existence, contrasting their plight with the wealth of those who benefit from their labor. The work does not feature a central hero or romantic subplot, instead focusing on the collective experience of these workers as they toil under challenging circumstances, emphasizing themes of exploitation and social injustice.

4.

Wir wanderten lustig darauf los.

Ueber uns die glühende Tropensonne, zu beiden Seiten neben uns der undurchdringliche und undurchsichtbare Busch. Der ewig jungfräuliche tropische Busch mit seiner unbeschreiblichen Mystik, mit seinen Geheimnissen an Tieren der phantastischsten Art, mit seinen traumhaften Formen und Farben der Pflanzen, mit seinen unerforschten Schätzen an wertvollen Steinen und kostbaren Metallen.

Aber wir waren keine Forscher und wir waren auch keine Gold- oder Diamantengräber. Wir waren Arbeiter und hatten mehr Wert auf den sicheren Arbeitslohn zu legen als auf den unsicheren Millionengewinn, der vielleicht links oder rechts von uns im Busch verborgen lag und auf den Entdecker wartete. –

Die Sonne stand schon sehr tief, und es mußte ungefähr fünf Uhr sein.

Wir sahen uns deshalb nach einem Lagerplatz um.

Bald fanden wir eine Stelle, wo seitlich in dem Busch hinein hohes Gras stand. Wir rissen soviel von dem Gras aus, wie wir Platz zum Lagern brauchten. Dann zündeten wir ein Feuer an und brannten den Rest des Grases nieder, wodurch wir uns Ruhe vor Insekten und kriechendem Getier für die Nacht verschafften. Eine frisch gebrannte Grasfläche ist der beste Schutz, den man haben kann, wenn man nicht mit den Ausrüstungsstücken eines Tropenreisenden wandert.

Ein Kampfeuer hatten wir, aber es gab nichts zum Kochen, denn wir hatten kein Wasser.

Da kam der Chink mit einer Literflasche voll kaltem Kaffee hervor. Wir wußten nichts davon, daß er einen so wertvollen Stoff mit sich führte. Er machte den Kaffee heiß, und bereitwillig bot er uns allen zu trinken an. Aber was ist ein Liter Kaffee für sechs Mann, die ohne einen Schluck Wasser zu haben einen halben Tag in der Tropensonne gewandert sind, vor morgen früh um sieben oder acht Uhr ganz bestimmt auch nichts Trinkbares haben werden und vielleicht die nächsten 36 Stunden genau so wenig Wasser finden werden, wie sie heute nachmittag gefunden haben! Der Busch ist das ganze Jahr hindurch grün, aber Wasser findet man dort nur in der Regenzeit an günstigen Stellen, wo sich Tümpel bilden können.

Nur wer selbst im tropischen Busch gewandert ist, weiß, was für ein Opfer es war, das der Chink uns bot. Aber keiner sagte „Danke!“; jeder betrachtete es als selbstverständlich, daß der Kaffee in Teile ging. Wahrscheinlich hätten wir es genau so selbstverständlich gefunden, wenn der Chink den Kaffee allein getrunken hätte. Nach einem halben Tag Wanderung in wasserlosem Landstrich raubt man noch nicht für einen Becher Kaffee; aber am dritten Tage beginnt man ernsthaft Mord zu sinnen im Busch für eine kleine rostige Konservenbüchse voll stinkender Flüssigkeit, die man Wasser nennt, obgleich sie keine andere Aehnlichkeit mit Wasser hat, als daß sie eben Flüssigkeit ist.

Antonio und ich hatten etwas hartes Brot zu knabbern.

Gonzalo hatte vier Mangos und der große Nigger einige Bananen. Der kleine Nigger aß irgendwas ganz verstohlen. Was es war, weiß ich nicht.

Der Chink hatte ein Stück Zelttuch, daß er über seinen Schlafplatz spannte. Dann wickelte er sich in ein großes Handtuch ein, auch den Kopf, und begann zu schlafen.

Gonzalo hatte seine schöne Decke, in die er sich einrollte, so daß er wie ein Baumstamm aussah.

Ich wickelte mir den Kopf in einen zerlumpten Lappen ein, den ich stolz „mein Handtuch“ nannte, und schlief los.

Wie sich die übrigen einrichteten, weiß ich nicht, weil die noch lange um das Feuer herumsaßen und rauchten und schwatzten. –

Vor Sonnenaufgang waren wir schon wieder auf dem Marsche. Abzukochen gab es nichts, und waschen brauchte man sich auch nicht. Denn womit hätte man es tun sollen?

Der Weg durch den Busch war weite Strecken hindurch schon wieder zugewachsen. Der Nachwuchs der jungen Bäume reichte uns oft bis über die Schultern, und der Grund war mit Kaktusstauden so dicht bewachsen, daß diese stachligen Pflanzen zuweilen beinahe die ganze Breite des Weges einnahmen. Meine nackten Unterschenkel waren bald so zerschnitten, als wenn sie durch eine Hackmaschine gezogen worden wären.

Gegen mittag kamen wir an eine Stelle, wo sich rechts des Weges ein Stacheldrahtzaun hinzog, der uns die Gewißheit gab, daß hier eine Farm liegen müsse.

Als wir etwa zwei Stunden lang, immer den Stacheldrahtzaun zur rechten Hand, gewandert waren, kamen wir an eine weite offene Stelle im Busch, die mit hohem Gras bewachsen war. Als wir den Platz absuchten, fanden wir auch eine Zisterne. Aber sie war leer. Einige morsche Pfähle, alte Konservenbüchsen, verrostetes Blech und ähnliche Ueberbleibsel einer menschlichen Behausung zeigten uns eine verlassene Farm.

Ueber eine solche Enttäuschung muß man rasch hinwegkommen. Farmen werden hier gegründet, zehn, auch zwanzig Jahre lang bewirtschaftet und dann aus irgendeinem Grunde plötzlich aufgegeben. Fünf Jahre später, oft schon früher, ist kein Zeichen mehr davon vorhanden, daß hier jemals Menschen gelebt und gearbeitet haben. Es erweckt den Anschein, als seien es hundert Jahre her, seit jemand hier gelebt hat. Der tropische Busch begräbt rascher, als Menschen können; er kennt keine Erinnerung, er kennt nur Gegenwart und Leben.

Aber um vier Uhr kamen wir doch an eine lebende Farm. Hier wohnte eine amerikanische Familie.

Ich wurde im Hause gut bewirtet und fand auch ein Lager innerhalb des Hauses. Die übrigen als Nichtweiße, wurden auf der Veranda beköstigt und durften in einem Schuppen übernachten. Sie bekamen alle reichlich zu essen, aber ich war der eigentliche Gast. Mir wurde aufgetischt, wie eben nur in einem so menschenarmen Lande einem Weißen von weißen Gastgebern aufgetischt werden kann. Drei verschiedene Fleischgänge, fünf verschiedene Beigerichte, Kaffee, Schokolade und abends heißen Kuchen.

Am nächsten Morgen bekamen wir alle ein reichliches Frühstück; ich am Tische des Farmers.

Der Farmer hatte genügend leere Flaschen, und so bekamen wir jeder einzelne eine Literflasche kalten Tee mit auf den Weg.

Er kannte Mr. Shine und sagte uns, daß wir noch etwa sechzig Kilometer zu marschieren hätten. Kein Wasser am ganzen Weg; die Straße an verschiedenen Stellen kaum noch erkennbar, weil sie seit drei Jahren nicht mehr benutzt worden sei.

Um 9 Uhr hatte der kleine Nigger Abraham seinen Tee schon ausgetrunken und die Flasche fortgeworfen. Es war ihm zu lästig, sie zu tragen. Wir erklärten ihm, daß er unter diesen Umständen von uns nichts zu erwarten habe, und wenn er versuchen sollte, auch nur einen Schluck zu stehlen, würden wir ihn braun und blau schlagen.

An diesem Abend im Lager war es, wo Abraham zwar keinen Tee stahl, aber jenen Streifen getrocknetes Rindfleisch, das Antonio gehörte. Da sich unsere Drohung nur auf Tee bezog, ließen wir ihn laufen mit der Warnung, daß von nun an jeder Raub in unsere Drohung einbegriffen sei.

Den folgenden Tag gegen Mittag kamen wir bei Mr. Shine an.